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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 228

Mittwoch, 30. September 1925

15. Jahrgang

Einzelnummer 10 Ps^ Sonntags 15 Pf.

Einzelnummer 10 Pf , Sonntags 15 Pf.

kommen zu

Berlin, 29. September.

und v. Hösch führen, entschiede» werden.

auf den Westpakt konzentrierte, ohne die Be- iehungen zu Rußland genügend zu wahren.

title, in L ocarno geregelt werden würden. Ob

5. Oktober beginnen wird,

die Konferenz am

kann erst nach den Berhantilungen, die Vrianti

Kein 100 Milli onenttedit an NuMand.

Berlin, 29. September. Die Gerüchte, daß anläßlich des bevorstehenden Abschlusses der deutsch-russischen Handelsvertrags - Verhand­lungen ein von Deutschland an Rußland zu ge­bender Kredit von hundert Millionen Mark durch Ankauf landwirtschaftlicher Maschinen be­schlossen wurde, treffen nicht zu. Es schweben lediglich private Kreditverhandiungen, an denen die Reichsregierung jedoch n icht beteiligt ist.

schaffen, die schließlich zu einem Handelsver­trag führen sollen. Ueber den Sicher- heitSpakt erklärte Tschitscherin, daß Eng­land die völlige Isolierung und Ein­schließung Sowjetrutzlantis anstrebt. Welche Haltung Deutschland gegenüber Ruß­land einnehmen wird, weiß ich nicht. Doch muß ich sagen, daß mein Besuch in Warschau keine Spitze gegen Deutschlanti bedeutet. Der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund wird ernst, wenn Deutschland bedingungslos in den Völkerbund eintreten würde. Der Grad der ungünstigen Rückwirkungen des Eintritts Deutschlands auf den Rapollovertrag hängt von der Art der deutschen Vorbehalte bei seinem Eintritt in den Völkerbund ab.

i lich, daß man in ganz anderer Weise auf positive Ergebnisse der Konferenz hoffen kann, wenn erst !dieser seelische Druck von der deutschen j Bevölkerung genommen worden ist. Es sei !erinnert an die fortschreitende Be­wegung in den Ländern der ehemaligen Geg­ner selbst, an die Arbeit des Senators B o r a h in Amerika, der Politiker und Geschichtsforscher in England, Italien und vor allem auch Frank­reich. an das Wort Lloyd Georges, wonach die Völker „in den Krieg hineingeschlitidert" sind, also eine Alleiuschulti Deutschlands längst preisgegeben ist. Das letzte Wort darüber wird die Geschichte zu sprechen haben; aber es würde einen Selbstbetrug darstellen, wollte man heute so tun, als hätte man nicht aus der Gegenseite längst den Artikel 231 als eine große Torheit der Weltgeschichte erkannt.

Halbamtlich verlautet zu den deutschen Schrit ten in der Kriegsschultifrage: Ein Sicherheils­palt kann nur zwischen Gleichgestellten, Gleichberechtigten, nicht wischen Par­teien abgeschlossen werden, von denen eine mit dem Stigma einer schweren moralischen Schuld belastet ist. Es bedeutet einen Akt der

Der russische Außenminister Tschitscke - Loyalität, wenn die Reichsregierung es rin führte vor Vertretern der Anslandspreffe nicht darauf ankommen ließ, die Frage erst auf u a. aus: Ich will in Warschau die Grundlage die Verhandlungen selber anzuschneiden und für künftige russisch-polnische Verhandlungen diese damit zu belasten, und es ist selbftverständ-

Tschitscherin bei den Polen

Gegen England und Bötterbund.

(Durch Funkspruch)

Warschau, 29. September.

GS werde Licht!

Kein Mensch glaubt an das Lügenmärchen. (Eigene Drahtmeldung.)

Llnser sind die Lüfte.

„Luftige" Themen in Stockholm.

(Durch Funkspruch^

Stockholm, 29. September.

Die internationale Luftverkehrskonferenz wur­de heute früh im Reichstag eröffnet. Vierzehn Länder haben Vertreter entsandt. Außenminister U n d e n hob vor allem die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit der Nationen auf dem Gebiete des Luftverkehrs hervor. AlSdann begann die sachliche Beratung mit einer Erörterung der Frage des Luftverkehrs bei Nebel, während der Nacht und im Winter. DaS zweite Tiskusflonsthema war die Hebung der Regelmä­ßigkeit des Luftverkehrs und der Sicherheit der Reisenden. Geheimrat Fisch er­örterte das Thema insbesondere vom wissen­schaftlich-meteorologischen Standpunkte aus.

Marseiile.

Und weiter durch die Provence.

(Von unserem Pariser Mitarbeiter.)

3m Hafenviertel. — Diners auf dem Stratzen- । eflafter. — Ans der Wettvromenade. — Das

Leibgericht der Marsoiller. — Di« Burg der Päpste. — Avignon. — 3nmele der Provence.

Marseille, im September.

Hafenstädte wie Marseille sind indes selten darauf bedacht, sich lange mit der Konservierung des Ueberlieferten aufzuhalten, Marseille ist zu einer der modernsten Großstädte geworden, und . solange man sich innerhalb des Bezirkes des ei­gentlichen Verkehrs aushält, unterscheidet sich die Stadt kaum von einer anderen franz. Großstadt. Man findet die gleichen Boulevards und Plätze, wie man sie in Paris, in Lille oder in Lyon antrifft. Sobald man freilich in die Stra­ßen und Gassen des eigentlichen Hafenviertels eindringt, ändert sich das Bild vollständig. Plötz­lich ist man mitten unter einer bewegten Volks­menge, die sich um die Stünde der Muschel-, Krabb en- und Austernverkäfer drängt, die hier, einer neben dem anderen, ihre Ware feilbieten. Nach alter patriarchalischer Weise lassen sich die Konsumenten gemächlich auf dem Pflaster nieder, um ihren Einkauf gleich an Ort und Stelle zu verzehren, und wenn man das moderne Kostüm abrechnet, so könnte sich der ganze Handel auch ebenso gut in den Urzeiten abspielen, als die Küstenbewohner begannen, die «Früchte des Meeres", wie man die Schattiere an der französischen und italienischen Küste nennt, zu „ernten*. Slber sobald man diesen Bezirk der Stadt verlassen hat, der mit seinen zahlreichen Kanälen so direkt an die Entstehung der alten Griechensiedlnng erinnert, beginnt die Monumentalität des Heute, und auf der

Promenade de ka Corniche

und auf dem Prado erlebt man Bilder einer mo­dernen großzügigen Weltstadt, wie man sie in Europa selten wieder findet. Die Promenade de la Corniche, die sich kilometerweit dehnt, führt an stolzen Schlössern vorbei, die in Palmenhai- nen gebettet sind, während auf der anderen Sei­te das Meer, das hier noch von einer beinahe unsüdlichen Herbheit ist, von der Silhouette des Chateau d'Jf begrenzt wird. Der Prado da­gegen, diese unvergleichliche, breit angelegte, schattige Promenade, führt zum Park B o r e l Y, der schon ganz die Flora der nahen Cöte d'Azur wiederspiegelt. Marseille steht nach der franzö­sischen Statistik im Verdacht, die teuerste Großstadt der Republik zu sein. Der Emp­fang, der den Reisenden hier hier zuteil wird, bestätigt die Feststellung keineswegs. Jedenfalls wird die traditionelle Bouigabaisse, die Mischung von Fischsuppe und Fischragout, wie sie hier zu Hause ist, in den Gasthäusern des Hafenvier­tels noch zu Preisen geliefert, die üuch den we­niger Begüterten das Festhalten an 'dem Leib­gericht der Väter ermöglichen. Während Mar­seille eigentlich nur noch durch seine Fischge­richte mit der Vergangenheit in Verbindung steht, läßt sich bei den meisten übrigen Städten der Provence ihre heutige Eristenz kaum noch von shren geschichtlichen Bindungen trennen. Avignon wird für die Gegenwart und für die Zukunft stets von dem Erbe der Päpste beherrscht werden, die hier eines der gewaltigsten Bau­denkmäler aller Zeilen geschaffen haben. In die­sem halb geistlichen, halb weltlichen Bauwerk ist der Geist des Mittelalters vielleicht in der voll­endetsten architektonischen Synthese sestgehalten worden, und die Burg der Päpste beherrscht noch heute das Thal der Rhöne, die sich hier den Weg durch die Kette der Felsen und Berge bahnt. Auf der anderen Seite haben auch die französi­schen Könige ein Bollwerk geschaffen, das ihren Machtwillen zum reinsten Ausdruck gebracht hat. Das Fort Saint-Andrö, das mit seinen überwältigenden Quadern die

steinerne Melodie der Päpste

aufnimmt, ruft noch heute den Ueberlebenden die Erinnerung an die Könige Frankreichs inS Gedächtnis, die, wie Philipp der Schöne und Ludwig der Elfte, die Grundlagen zu dem heu­tigen politischen Gesüge Frankreichs geschasfen haben. Aber nicht nur die Ideen, sondern auch die Lebensformen des Mittelalters sind an die­sem Punkt feftgehatten worden. Am Fuße des Forts Saint-Andre liegt das Städtchen Vil­le n e u v e, das in den verfallenen Palästen der iranzösischen Kardinäle und der weltlichen Gro­ßen des Mittelalters eine armselige Bevölkerung beherbergt, die im Schatten der Vergangenheit kümmerlich dahinvegetiert. Nicht ein einziges neues Bauwerk stört die Einheitlichkeit dieses malerischen Städtchens, das wie ein einziges Museums den Jahrhunderten der französischen Vorgeschichte wirkt. Aus den stolzen Palästen oer geistlichen und weltlichen Herren sind leider heute Ruinen geworden, die Nachkommen der

Von Moskau aufgewiegM?

Rußlands persische Gesandtschaft verhaftet.

(Eigene Drahtmeltiung.»

London, 29. September.

Ein Amerikablatt meldet aus Teheran, tiie persischen Behörden haben zwölsRussen v e r h a s t e t, die mit der hiesigen Sowjetge- santitschaft in Verbindung stehen sollen. Später wurde der Führer der russischen Gesandtschaft verhaftet, ebenso mehrere Drucker und Setzer, tiie Propagauvaschriften hergestellt haben sol­len. Sie wurden einem Kreuzverhör unterzo­gen. Dreißig von ihnen befinden sich noch in Haft. Die Polizeiwache vor der Gesantitschaft ist tiyrch persische Truppen verstärkt worden. Es herrscht strenge Zensur für Telegramme.

Tschitscherin zwischen Vnrschm und Berlin.

$•< ttafielcr ilitueften Rachrichle« erfche tuen wöchentlich 'echtimal natbmUtagti. beträgt für den Mouar 2.- Mk. bei freier Zustellung ,tn»er WefdjäfttifteUe obaeholt loMMk. Dur» die Po» mouaill» LOOMk. auSlchiieglich ZullellungSoebützr. Vertag und Redaktion Schlachtbofstrahe 28/30. Fernsprecher 881 und 852. ftur iinverlangi einaelandte Betträge kann die Re- dakuon eine Verantwortung oder Gewähr in feinem stalle übernehmen. Ritck- jabtnng des Be»ug«aeIdeS oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäbiger dtekerNno >ft ansaetchioNen -Postscheckkonto strankkur' a. Main Nummer 6380.

Was steht zuDlmltm?

Tschitscherins Warnungen in Berlin.

(Unser Mitarbeiter beim russ. Geschäftsträger.)

Berlin, 29. September.

Der stellvertretende russische Geschäftsträger in Berlin, Botschaftsrat Bratmann-Bro- d o w s k h, hat sich unserem Berliner Vertreter gegenüber sehr eingehend über die russische Stuf» sassung zur Sicherheitsfrage geäußert. Im Hin­blick auf die bevorstehende Ankunft des russischen Außenministers Tschitscherin in Berlin und seiner in Aussicht genommenen Zusammen­kunft mit dem Reichsaußenminister Dr. Stre- s e m a n n, ist es von größter Wichtigkeit, welche Haltung die führenden diplomatischen Kreise der russischen Sowietrepublik gegenüber den zurzeit schwebenden entscheidenden Problemen einneb- men. Botschaftsrat Brodowski legte dar: Ruß­land ist fest davon überzeugt, daß Deutschland weit davon entfernt ist, sich einer Politik an- schließen zu wollen, die gegen die russische Sowjetrepublik gerichtet sein könne. Es erscheint daher den deutschen Politikern auch ganz un­erklärlich, warum man in Moskau die bevor- stehenden Verhandlungen über den Sicherheits­pakt mit ausgesprochenem Mißtrauen ver­folgt. Ich stelle di« Frage: Wäre es denn ganz ausgeschlossen, daß Deutschland bei eventuell späteren Maßnahmen der Westmächte gegenüber Rußland einmal in einen schweren Gewis­senskonflikt hineingetrieben würde? Kann man heute schon ein« bestimmte Gewähr dafür übernehmen, daß in einem solchen Moment Deutschland den Absichten der anderen ein strik­tes „Rein* entgegensetzen wird? Uns scheint es richtiger, Deutschland spricht ein solches Rein vor dem Abschluß des SicherheitS- pattes aus als nachher, wo es einmal durch seine Abmachungen gebunden ist. Deutschland brauch­te in seiner Lage den Franzosen wirklich keine neuen Garantien zn geben und man müsse doch ganz entschieden darauf Hinweisen, was für Garantien die waffenstrotzende Entente noch von dem ohnmächtigen entwaffneten Deutschland verlangen könne.

Rußland ist ein ehrlicher Freund DeutschlantiS. In keinem Lande wird der Deutsche so gern gesehen wie bei uns, wo man ihn als einen treuen und zuverlässigen Partner kennt. Das russische Sympathiegefühl gegen­über Deutschland basiert aber auf einer ganz be­sonderen Einstellung? Die russische Freundschaft gilt dem unterdrückten Deutschland. Di« russische Sowjetrepublik hat in ihrer schwe­ren Vergangenheit kennen gelernt, was es heißt, einen imperialistischen Block herrschsüchtiger Großmächte gegenübergestellt zu sein. Rußland bedauert es, daß eS immer noch nicht gelungen ist, einen Sicherungsvertrag im Osten

Sln neues Opfer polnischer Nowdies.

Beuthen, 29. September. Uns wird gemel­det: Als der Direktor einer Kohlen A.-G. in Antonienhütte gestern abend auf die Straßen­bahn wartete, wurde er von einem unbekannten Mann angesprochen, dem er bereitwillig Aus- kunst gab. Plötzlich fielen zwei Leute aus dem Hinterhalt über den DirÄtor her und schlugen mit schweren Stöcken auf ihn ein. Die Angrei­fer sind unerkannt in der Dunkelheit entkommen.

GS muß UNS doch gelingen.

Brausende Anschlußruse auS Oesterreich.

(Eigene Drahtmeltiung.)

Wien, 29. September.

Die Universität Wien erläßt eine Kund­gebung, in der es u. a. heißt: „Wir erklären es als ein Gebot der Völkergerechtigkeit, daß dem einmütigen Bolkswillcn tiie durch das Völkerrecht und die geschloffenen Verträge er­möglichte staatliche Vereinigung mi» Deutschland nicht verhindert werde. Oester­reich erblickt in dieser Vereinigung tiie einzige Möglichkeit, feinen Bestand zu erhalten. Durch die Vereinigung würde nur ein Zustand wietier- hergestellt, der über tausend Jahre zn recht bestanden hat. Wenn Oesterreich sich kraft des vom Präsidenten Wilson feierlich verkündeten Selbstbestimmungsrechtes der Völker mit Deutschland Bereinigt, so ist das wirksamste Friedensbollwerk in Europa errichtet."

Auch London für Locarno.

Briand und Hösch verhandeln noch.

(Eigener Drahtdericht.)

Paris, 29. September.

HavaS berichtet aus London, die Veröffent- lichung der deutschen Konferenzzusage ist bis Donnerstag verschoben worden. Die Er­klärungen, die Botschafter Steamer zur Rote gegeben hat, berühren in keiner Weise den g u - ten Eindruck, den tiie deutsche Antwort in alliierten Kreisen hervorgerusen hat. Die eng­lische Regierung vertritt Den Standpunkt, daß alle Fragen betreffend den Sicherheitspakt, ob cs sich um den rheinischen Sicherheitspakt oder um östliche oder westliche Schietisverträge han-

Änietgeiipretfe:(fin6etmif»e iSefd)äft6ametaen Zeile 20 VfL. auswärtige Geschäfts» ameigen Zeile 80 *fg„ rtomtltenaiuetgen Zette 20 t#fg., «Lettie Anzeigen Sa» Wort 4 Pfg. Reklamen die Zette 75 Pf». Dffertgebäbr 10 5ra. (bei Zulenda. der Offerten I 30 Pfg.» Rechnungsbeträge find innerhalb 5 Ta. «t bezahlen. Manschend ist der Kur» de« ZablungStageS. ftiirtte Richtigkeit aller duschffernfvrecher airfaeaebenenAn- »eigen. fowie für Autnabmedaten und Plätze kann nicht garantiert werden. Kür Anzeigen mit befond. schwierigem Satz 100 Pro^Aufschlag. Druckerei: Schlachtvoi- straste »/so. Geschäftsstelle Kain.Str. 5. aeaeniib. der Scoßrftr. Kernspr.iiSl n. üv.

Die neue Front gegen Lhamveriain.

London, 29. September. Ein Blatt verzeich­net zu Tschitscherins Warschauer Besuch die Ab- sich-t des polnischen Außenministers dabin, daß er nach dem Vorbilde Bismarcks einen Rückver- snherungsvertrag eingehen will, ohne mit Frank­reich zu brechen. Sollte dem so fein, so erleide Chamberlains Politik eine schweren Schlag, denn Vas neue Einvernehmen macke alle Be­mühungen zur Isolierung Rußlands hinfällig.

zu schaffen, der wichtiger wäre, als ein Westpatt, bei dem Deutschland nichts zu gewinnen hat. Unter Umständen hätten Deutschland, Rußland und Polen auf einer gemeinsamen Konferenz die Friedensfrage im Osten auch für die deut­schen Interessen sehr annehmbar regeln können.

Wenn Rußland jetzt zusehen soll, daß Deutsch­land im Begriff steht, mit der Entente ein Ab­kommen zu treffen, das tiie russischen Interessen gefährdet, so bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich zunächst mitPolen zu verständi­gen. Die Sowjetrepublik muß alles tun, um einen Krieg im Osten zu verhüten, denn sie hat dasselbe Interesse daran, durch tiie Sicherung des Friedens Zeit und Möglichkeit für einen ge­ordneten Aufbau tm Innern zu gewinnen wie jedes andere Santi. Man darf nicht vergessen, daß Rußland unter den Folgeerscheinungen des Krieges viel s ch w e r e r g e l i 11 e n hat als alle anderen der am Kriege beteiligten Mächte. Und darum kann es sich jetzt nicht von neuen Tat­sachen überraschen lassen. Wenn Deutsch­land sagt, der Westpakt bedeute keine Spitze ge­gen Rußland, so wird daher Rußland antwor­ten, eine russisch-polnische Verständigung bedeute keine Spitze gegen Deutschlanti. Sicher aber ist, daß man in Berlin etwa die gleichen Empfin- düngen haben wird, die man in Moskau hatte, als tiie deutsche Außenpolitik ihre ganze Kraft

\ Trau, schau, wem...

Die neuen Friedensfreunde in Warschau.

(Eigene Drahtmeltiung.)

Warschau, 29. September.

Bei einem zu Ehren Tschitfü-elins veranstal­teten Essen sagte Außenminister Strinsky: Er hege tiie Hoffnung, tiatz bei den Unterteilungen mit Tschitscherin eine Verständigung er» zielt werde, tiie den Interessen beider Staaten entspreche. Polen habe den unbeugsamen Wil­len, seine Anstrengungen nicht gegen irgend je­manden zu richten, sondern der großen Frie­densidee zu dienen. Er kündigte alsdann einen Gegenbesuch in Moskau an. Tschitscherin antwortete: Mit dem Gedanken der Friedenspolitik werd« die Entwicklung der wirt­schaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern glcidjen Schritt halten, was eine sehr wichtige Grundlage für tiie Konsolidierung der politischen Verhältnisse sei. Mit Strinsky fei er der Ansicht, daß beide Staaten Friedens- foltoren erster Ordnung seien.

Ehambrrlasn's Reisefieber.

Und sein Begleiter für Locarno.

(Eigene Drahtmeltiung.)

London, 29. September.

Ein Blatt meldet, Austen Chamberlain rüste sich zur baldigen Abreise nach Locarno. Sein Begleiter wird der juristische Berater, Sir Cecil Hurst sein, der Großbritannien kürzlich bei der Juristenkonferenz vertrat. Die Konferenz werde vermutlich eine Woche bis zehn Tage dauern.