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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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PlUüttttCt 223. Einzelnummer 10 Pf^ Sonntags 15 Pf.

Donnerstag, 24. September 1925 Einzelnummer 10 Pf.. Sonniaas 1L Pf. 15. Jahrgang

(Maur in Amerikas Schulöenpreffe.

Das große Ereignis. Luther-Strefemann vor schweren Entschlüssen.

(Eigener Berliner Jnsormationsdienst.) Berlin, 23. September.

Das Reichskabinctt ist auch gestern nach mehrstündigen Erörterungen noch nicht 311 einer endgültigen Entscheidung über die Beantwor­tung der alliierten Eililadung gelangt. Es scheint, daß diesmal ein sehr großer Apparat aufgeboten werden muß, um die öffentliche Mei­nung für die Regierung zu gewinnen und die Widerstände zu überwinden, die sich im Lager der Rechten gegen die Regierungspolitik gel­tend machen. Mm Heutigen Mittwoch soll nun­mehr in einem Kabinettsrate, unter dem Reichs­präsidenten von Hindenburg endlich der letzte Beschluß des Reichskabinetts fallen. Man erwartet, daß bis dahin auch die Deutsch­nationalen der Regierung ihre Zusage gegeben haben, da an der Lage Deutschlands zweifellos nichts gebessert werden kann, wenn jetzt der Anschein hervorgerufen werde, als befinde sich die deutsche Regierung nicht in der Lage, ete von ihr angeregten Sicherheitserörterungen fortzuführen.

In den parlamentarischen Kre>s? ist die Spannung nunmehr aufs höchst, gestiegen. Na­mentlich die Oppositionsw-.'.leten glauben einen besonderen Anlaß gestlnden zu haben, um die Regierung Lutb-: davor zu warnen, sich der Entente gea^.iuber den Anschein zu geben, als sei sie Nicht in der Lage, zu klaren Ent­schließungen zu gelangen. Dadurch werde dre Position der deutschen Unterhändler außer­ordentlich erschwert, zumal man in der Ver­tagung des Auspärtigen Ausschusses einen Beweis dafür erblicken könne, in welcher Ver­legenheit sich das Kabinett Luther befinde.

Die strittigen Punkte, um die jetzt gekämpft wird, drehen sich hauptsächlich darum, ob der Außenminister Dr. Stresemann zunächst allein zur Konferenz gehen und welche Zusammen­setzung die deutsche Delegation überhaupt er­fahren soll. Denn die Rechtspartei hat gestern gemäß den Weisungen ihrer Führer klipp und klar kundgetan, daß die bevorstehende Konferenz nur die Ueberleitung zu einer Schlußkonferenz sein dürfe, in der der Pakt für ewige Zeiten nach der Räumung Kölns sest- gelegt werden könne. Man spricht sogar von einer Spannung zwischen Stresemann und dem deutschnationalen Minister des Innern Schiele. Alle beteiligten Kreise sind sich darüber klar, daß das Nichtzustandekommen einer Einigung unvermeidlich zu einer Regierungskrise führen würde, für deren Ausbruch aber keine Partei angesichts des Ernstes der Situation die Verantwortung auf sich laden darf.

Am 5. Oktober in Lukarno?

Das Geheimnis der Pariser Presse.

(Eigene Drahttneldung.)

Paris, 23. September.

Ei« Blatt sagt in einem offenbar inspirier­ten Arttkel das Datum des 5. Oktober als Beginn der Konferenz an. Als Ort der Zusam­menkunft kommt Locarno in Frage. An der Konferenz werden teilnehmen: die Delegierten von sieben Mächten, nämlich von Frankreich, England, Deutschland und Belgien, Italien und Polen und die Tschechoslowakei wegen der ö ft. lichen Schiedsgerichtsvcrttäge. Diese Konfe­renz werde, ob sie gelinge oder nicht, eine neue Etappe in der Geschichte Europas bedeuten.

Noch nicht für ewig binden

Die Rechtspartei für zwei Konferenzen.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 23. September.

Rechtsblättern zufolge wollen die Deutsch- nationalen ihre Zustimmung zur Sicherheitskon­ferenz geben, wenn es sich dabei nicht um die endgültige Paktkonfrrenz, sondern lediglich um ein« Ministerbesprrchung handelt, auf der nun die politische Klärung der Frage durch die Außenminister erfolgen solle. Die eigentliche Entscheidung soll dann erst auf einer Schlutzkonferenz fallen. Kanzler und A,ltzemninister haben wiederholt erklärt, daß

ohne die Kölner Räumung kein Abschluß der Verhandlungen denbar sei.

Hinter Westarp und Schiele

Berlin, 23. September. (Privattelegramm.) In den gestrigen deutschnationalen Besprechun­gen wurde nach einem Referat Gra Westarps folgende Entschließung angenom men: Parteivorstand und Landesparteivor­sitzende billigen die Ausführungen die des Vor­sitzenden sowie Minister Schiele über die außenpolitische Lage und geben ihre Zustim­mung für das weitere Verhalten.

Kein Pardon für Paris.

Senator Borah geißelt den Militarismus. (Eigene Drahtmcldung.)

. London, 23. September.

Der amerikanische Senatsvorsitzende. Sena­tor Borah, äußerte in einem Preffeinterview: Meines Erachtens ist Frankreich gegenwärtig ebenso imstande seine Schuld zu bezahlen, wie Großbritannien es war, als es das Schul­denabkommen traf. Wenn Frankreich nicht ge­wesen wäre, so würde ich für die Anullie- rung aller Schulden in Amerika gewesen sein. Aber ich sehe keinen Grund, ein Land mit Sympathie zu behandeln, das nicht nur selbst ein großes Heer aufrechterhält, sondern auch andere Länder ausrüstet und

Europa in ein bewaffnetes Lager verwandelt hat, wie es vor dem Krftege der Fall gewesen war. Dann ist Frankreich, in das Ruhrgebiet eingedrungen und hat damit die Uhr um min­destens 50 Jahre zurückgestellt. Würde Frank­reich das von ihm an uns geschuldete Geld für friedliche Zwecke gebrauchen wollen, so würde dieses Ersuchen gut ausgenommen worden sein. Paris habe sich vergewissert, daß Frankreich, wenn es eine Vereinbarung wegen der Bezah­lung seiner Schulden erlange, in der Lage sein werde, in Amerika Geld aufzunehmeu. Mit an­deren Worten die französische denfundte- rung werde in verschiedenen Punkte» der Re­gelung des deutschen Reparationsproblems glei­chen. Amerika werde mit ameril-nischem Grlde bezahlt werden und Frankreich werde feine Valuta mit dem Geld von Wallstreet stabilisieren.

Ähr könnt zahlen!

Mau dreht Caillaux die Taschen um (Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 23. September.

Wie aus Newyork gemeldet wird, werden die französisch-amerikanischen Delegierten der Schul­denkomission eine Einteilung in Kriegs- und Handelsschulden vornehmen, jedoch über eine einzige Gesamtziffer beraten. Die Zahlungen sollen bereits 1926 beginnen und ständig steigen. DaS amerikanische Wirtfchaftsamt habe soeben erklärt, Frankreich könne Amerika zur Zeit nicht bezahlen ohne Gefährdung seiner Finanzlage. Das Schatzamt mache sich diese Auffassung je­doch nicht zu eigen, und es glaube, daß die Zah­lungen von der sicher zu erwartenden Besserung abhänge. In Washington wünsche man, daß Caillaux feine Vorschläge weder mit den deut­schen Reparationszahlungen noch mit den Lon­doner Zahlungen in Verbindung bringe.

Amerika istfelbft schuld.

Der Geiz als Ursache der Zeppelinkatastrophe. (Eigener Drahtbericht.)

London, 23. September.

Rach einer Newyorker Meldung wurde bei der amtlichen Untersuchung der Ursachen der Shenandoahkatastrophe erklärt, aus dem Zeug­nis der dreiundzwanzig Ueberlebenden gehe hervor, daß der Wunsch, das teuere Helium zu bewahren, die Veranlassung zur Entfernung von zehn der achtzehn Sicherheitsventile gewefen ei. Als das Luftschiff durch eine vertikale Lufi- trömung aus sechstausend Fuß Höhe hinauf­gerissen worden war und der Befehl gegeben wurde, die Ventile zu öffnen, sei durch den un­geheuer angewachsenen Gasdruck das Luftschiff mit den Stahlgerippen gesprengt worden.

Der zweite Streich.

Painleve's neue Marokkooffenstve.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 23. September.

Ucber den gestrigen Marokkobericht Painleves lm Ministerrat teilt ein Blatt folgende Einzelhei­ten mit: Painleve hat zunächst daran erinnert, daß die erste Phase der Operationen in Marokko

durch die Einnahme des Bibane Massivs gekrönt worden fei, daß die zweite Offensivphafe demnächst beginnen werde. Man dürfe voraus- lOflcn, daß die dadurch zu erzielenden Resultate schnell und entscheidend fein würden.

Zu früh gejubelt!

Paris weiß nichts von der Räumung Kölns.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 23. September.

Die von einem Berliner Blatt veröffentlichte Meldung aus Köln, daß die erste Rheinland­zone im Laufe des November geräumt werven würde, wird von dem halbamtlichen Havasbüro als vollkommen aus der Luft gegriffen bezeich­net, da die alliierten Regierungen noch leinen Beschluß in dieser Richtung gefaßt hätten. Das Berliner Blatt will die .Information" von Höch fter Stelle der Rheinlandkommission haben.

Fiasko der Spanier.

Verunglückter Vormarsch der Landungstruppen.

(Eigener Drahtberichl.)

London, 23. September.

Aus Madrid wird berichtet, die Spanier hät­ten bei ihrem ersten Versuch, die Rifleute von der Küste aus anzugreifen, eine Nie­derlage erlitten. Sie hätten gestern auf der Halbinsel Morro Neovo die Offensive eröff­net. Als die vorrückenden Kolonnen dem Ma lumsiberg bereits nahe waren, seien sie durch heftiges Artillerie- und Maschinen­gewehrfen er überschüttet worden, durch das sie sehr schwere Verluste erlitten. Schließ­lich seien die Truppen genötigt gewesen, sich schleunigst auf ihren Stützpunkt zurückzuziehen.

*

Man fürchtet das Schlimmste.

London, 23. September. (Privattelegramm.) Aus Tanger wird berichtet: In Tetuan hege man Besorgnis um die in der Bucht von Cebedilla gelandeten spanischen Truppen. Das Gewehr- und Geschützseuer auf die spanischen Stellungen fei stärker geworden. Jeden Tag treffe ein Hospitalschiff mit Verwundeten in Melilla ein. Eine zweite Meldung besagt: Die spanische Armee ist auf dem Rückzug. Tetuan liegt wieder in der Feuerlinie.

Gin blasser Traum.

Sie wollen abrüsten, aber nur theoretisch.

(Eigene Drahtmeldung.)

Genf, 23. September.

Nach dem Bericht von Benesch zeigten sich bei den Beratungen des Völkerbundes über die Ab­rüstungsfrage zwei Strömungen. Die eine will zunächst den Ausgang der Verhandlungen über den Sicherheitespakt und deren Wirkung av- warten. Der italienische Delegierte bczeichneie die vorbereitenden Arbeiten als unnütz, nahm aber feine Einwände schließlich zurück, obwohl er der Auffassung ist, daß eine Herabsetzung oder Einschränkung der Rüstungen nur auf politischer Grundlage durchgeführt werden kann. Die zweite Strömuna. die durch

Dänemark, Belgien, Frankreich, Ungarn, Norwegen, Holland und Schweden vertreten war, bestand dagegen auf sofortiger Aufnahme der Vorbereitungen, die auf möglichst breiter Grundlage erfolgen soll, sodaß das Ab- rüstnngsproblem technisch jederzett einer kon­kreten Lösung zugeführt werden könne. Bon ranzöstscher und polnischer Seite sei jedoch fest- gestellt worden, daß es sich n i ch t um Prüfung der Abrüftungsmöglichkeiten sondern nur nm theorettsche Vorarbeiten handeln soll. (!)

Banditen in Uniform.

Französische Messerhelden in Saarbrücken.

(Privat-Telegramm.)

Saarbrücken, 23. September.

Ein Blatt meldet: Gestern abend betraten ranzösische Soldaten ein Lokal und ließen sich Bier verabfolgen. Gleich darauf stand einer von ihnen auf, zog ein Messer und drang auf die Gäste ein, während die übrigen drei ihm mit erhobenen Stühlen den Rücken deckten. Die Frau des Wirtes erhielt einen Stich in den Kopf, drei Gäste erhielten Verletzungen durch Messerstiche. Hierauf flüchteten die Soldaten. Auf der Straße überfielen sie eine Frau und entrissen ihr eine Geld­tasche mit fünfundsechzig Franken. Die Uebel- tater wurden erkannt und polizeilich fepgestellt.

Der kranke Gieuerrlefe.

Was uns an den Gesetzen nicht gefällt.

Von

Dr. Oskar Goetz.

Wir beninnett benie mit dem Abdrnck einer Artikelserie, die in »osulärcr irotni die Richt­linien nnd Ernebniffe des groben Lnibcrichen Steuerwerks unseren Lesern nigäuglich machen soll. Unser Mitarbeiter lieht in der ersten Ab­handlung schars gegen die «Fehler und Schwä­chen der Gesetzgebung zu Felde.

Eigentlich kann von einer Schliebcn'schcn Finanzreform nicht gesprochen werden. Trotz­dem kann nicht geleugnet werden, daß einige Mängel beseitigt worden sind, die in dem Steuernotrecht des Jahres 1923 zu finden waren. Insbesondere hat man versucht, die geradezu

hirnverbrannte Art der Vorauszahlungen

abzuschwächen. Durch diese, vielleicht damals aus der Not der Zeit geborene Veranlagungs­methode wurden zahlreiche Firmen aus das Schwerste geschädigt. Auch das neue Gesetz­gebungswerk der letzten Wochen schafft die Vor­auszahlungen nicht ab. Der Reichsfinanzmini­ster behauptet, trotz des offenkundigen lieber = schusses der Finanzwirtschaft auf Vorauszahlun­gen nicht verzichten zu können. Ter Fis- kalismus hat Triumphe gefeiert, die ihresglei­chen suchen. Was das Reichsfinanzministerium forderte, wurde in fast allen Fällen conzidiert. Verbesierungsanträge der Opposition, die über hervorragende Stenerfachverständige verfügte und die häufig sachlich mitarbeitete, wurden ab­gelehnt, wenn der Finanzminister anderer Mei­nung war. Dio meisten der beschlossenen Steuer­sätze sind nach wie vor zu hoch. Sie sind ein­mal zu hoch, weil das Jstauflommen des letzten Jahres das Sollaufkommen bedeutend überstie­gen hat. Sie ist zum zweiten zu hoch, weil die Wirtschaft Steuerlasten in dem bisherigen Um­fang nicht zu tragen vermag und sie ift schließlich zum Dritten zu hoch, weil der Reichs­tag bei dem vorliegenden Reichsetat nur die Einnahmefeite und nicht die Ausgabenseite untersucht hat. Die Eile der Behandlung be­gründete man damit, daß die Wirtschaft wissen müsse, woran sie fei. Dies ist fraglos richtig. Es gibt aber für die Wirtschaft noch ein größe­res Interesse nämlich das, zu wissen, daß'

nicht ein Pfennig mehr an Steuern

erhoben wird, als der Staatshaushalt braucht und als die Wirtschaft tragen kann. Diesen wichtigen Gesichtspunkt hat man diesmal außer Acht gelassen. Man hat damit die Verwaltun­gen des Reiches und der Länder in die Hoffnung versetzt, daß wieder recht beträchtliche Neber- schüsse vorhanden sein werden, die ohne par­lamentarische Kontrolle nach Gutdünken ver­wendet werden können. Wohin dieses in den letzten Jahren geführt hat, ist noch in Erinne­rung. Man denke an die Rühre ntschädi- g u n g in Höbe von 700 Millionen Mark, man berücksichtige Die Aktienkäufe und Güterkäufe deutscher Städte usw. usw. Man wird nun auch weiterhin damit rechnen müssen, daß Reich, Länder und Städte in großem Umfang flüssige Mittel übrig haben werden, um Käufe größeren Umfangs zu tätigen. Bei der drückenden Wirt­schaftslage muß fedoch in dieser Hinsicht größte Sparsamkeit herrschen. Die neuen Steuerge­setze erfüllen leider nicht alles, was in dieser Hinsicht verlangt werden kann. Trotzdem ist in mancher Hinsicht eine Entlastung des Steu­erpflichtigen nicht zu verkennen. Die Steuerge­setze vom 10. August 1925 bringen zunächst das neue Einkommensteuergesetz, das nicht weniger als 117 Paragraphen umfaßt. Ihm olgt das Körperschaftssteuergesetz, das die teuerlidten Pflichten der juristischen Personen regelt. Diese beiden Gesetze stellen nicht unbe­trächtliche Veränderungen der bisher gel­tenden Einkommensteuer und Körperschasts- teuergesetze dar. Auch das neuverkündete Ge­setz über Vermögens- und Erbschaftssteuer ändert manches an den bisherigen Gesetzen nicht unwesentlich ab. Das Gesetz zur Aenderung der Verkehrssteuer und des Verfahrens, das als viertes Gesetz verkündet ist, bringt Aende- rungen der Weinsteuer, der Zündwarensteuer, der SalMner, der Zuckersteuer und der Spiel- kartensteuer. Die Beteiligung der Länder und Städte am Ertrage von Reichs steuern wird durch ein neues Gesetz über die Aenderunge'' des Finanzausgleichs geregelt.

(Sin unerquickliches Thema.

Die erste Landtagssitzung: Ein Kreditflkindal.

Berlin, 23. September.

In der ersten Landtagssitzung nach den Ferien beantragt Abg. Dr. Körner tVölk.), einen Bericht der Staatsregierung über ihre