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Nr. 218.

Funf'ehnter Jahrgang.

Kasseler Neueste Nachrichten.m

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Deutsche Xurnerju-enö.

Geiste bester Turnerkameradschast durchgeführt wurde, pünktlich geschlossen. Der Nachmittag vereinte die Teilnehmer noch einmal zu einer kleinen Wanderung in die herrliche Umgebung von Spangenberg.

Anlrrr Wustrstilmm.

Au den nebenstehenden Bildern.

Oben: Zum fünfundzwanzigjährigen Be­stehen des Deutschen Schauspielhauses in Ham­burg: Das Deutsche Schauspielhaus in Hambur kann in diesem Jahre auf ein fünfundzwanzig- jähriges Bestehen zurückblicken. Aus diesem An­laß wird Gerhart Hauptmanns dramatisches Ge­dicht .Wieland" im abgeschlossenen Zustand zur Uraufsührung gelangen. Gerhart Hauptmann, wird selbst d>e Reaje führen.

Links: Die Internationale Mustermesse in Wien. Das Messegelände, im Hintergründe die riesige Meßhalle.

Rechts: Teilansicht der total zerstörten Shenandoah": Erste authentische Aufnahme.

Benvenuto Cellinis Geheimnis entdeckt.

Der amerikanische Goldschmied Viktor D a o i g n o n ist hinter das Geheimnis der Goldlegierung des Benvenuto Cellini ge- kommen, der vor 400 Jahren lebte und einer der bekanntesten Renaiflance-Bild- Hauer war.

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Aus der Heimat.

"Dor Den Wahlen.

Die Kandidaten zu den Kreistagswahlen.

Für die kommenden Kre stagswahlen am 22. November wurden von der Sozialdemokratie in Melsungen folgende Kandidaten ausgestellt: 1 Frankfurth, Bürgermeister, Altmorschen; 2 Rüdiger, Geschäftsführer, Melsungen; 3 Entzeroth, Gastwirt, Spangenberg; 4. Peter, Lagerhalter, Körle; 5. Um b ach, Brunnenbauer, Wolfershausen: 6. Eilender- fl e r, Schlosser, Melsungen: 7. Rauschen- berg, Bürgermeister. Günsterode; 8. Minna Specht, Lehrerin, Walkenmühle; 9. Pittich, Landwirt, Harle; 10. Zimmermann, Schneidermeister. Körle; 11. reserviert für Gur- Hagen; 12. Schmelz. Bürgermeister. Elbers­dorf; 13. Herwig, Schneidermeister, Gensun­gen; 14. Frank, Georg. Arbeiter, Spangen­berg; 15. Metz, Bürgermeister, Binsförth; 16. Ebert, Maurer, Röhrenfurth; 17. Holl, Hans, Ellenberg; 18. Küllmer, Heinebach: 19 Angersbach, Neuenbrunslar und 20. Markus. Wickle. Als Kandidat für die Wahl zum Provinziallandtag wurde Buchdruckereibesitzer Per sch, Melsungen aus­gestellt.

Dreiste Gaunerstückchen.

Dir Welt will betrogen sein.

Greift man aus der Fülle krimineller Gescheh­nisse einige wegen der großen Erfolge markante Fälle heraus, so muß man ssch staunend fragen. War die Frechheit des Täters oder die Dumm­heit s üner Opfer größer?"

Jahrelanger Bemühungen der Berliner Kri­

minalpolizei hat es bedurft, um einen Schwind­ler unschädlich zu machen, der zahllose Menschen betrogen und sich nm viele Millionen bereichert bat. Drei Jchre lang hat er in vielen deutschen Zeitungen durch Anzeigen ein geheimnisvolles Mittel zur Ergründung der Zukunft angeprie­sen. Die ssch meldeten. erhielten die Aufforde­rung, sich an einen Professor Maxim in London zu wenden. Von diesem wurde ihnen der An­kauf eines Apparates zur Selbsthypnose gegen Einsendung von zehn Mark empfohlen.

Die meisten Leute zahlten den Betrag und erhielten einige Drucksachen und die vollkommene Planchette". Sie erstatteten Anzeige, die Zei­tungen warnten, aber dem Betrüger und seinen zahlreichen Helfershelfern in Deutschland war nicht beizukommen. Der Schwindler hatte"er­kannt, daß die Dummen in Deutschlend nicht alle werden und pries er nicht nur weiter seine .Planchette", sondern auch zahlreiche andere Ge­heimmittel an Welchen Umfang der Betrieb ge- nommea hatte, gebt daraus hervor, daß ein für den Versand in Berlin eingerichtetes Haus täg­lich für siebentausend Mark Nachnahmesendun­gen verschickte. Rach unendlichen Mühen gelang es der Polizei fest.zustellen, daß der verschieden firmierende Geschäftsleiter nicht ein Londoner Professor", sondern ein gewisser William Scott war, der in einem Berliner westl'chen Vorort eine geradezu fürstlich eingerichtete Villa besaß und meist auf Reisen war. Er wurde schließlich verhaftet Im Lause weniger Jahre toar er ein 'eicher Mann geworden, der von den Geldern seiner zahllosen Opfer auch dann noch gut leben konnte, als er aus dem Gefängnis entlassen wurde Ein Millionenschwindler großen For­mats.

Einem Ri'senschwindel, den ein Berliner Amtsqerichtsschrciber inszenierte, fiel eine große Anzahl von Personen zum Opfer, denen er in turzer Zeit über 300 000 Mark abzunehmen ver­stand, und zwar nur auf das Versprechen hin, sie an einem geheimnisvollen Geschäft bei der Verwertung von Patenten mit achtzig bis drei-, hundert Prozent Gewinn beteiligen zu wollen. Er war den Geldgebern gegenüber als G'richts- assessor Müller oder als Oberarzt Dr. Marttn aufgctret'n Mit welcher Leichtigkeit die Ge­prellten dem Schwindler auf den Leim gingen und ihm das Geld förmlich anfdränqten, fmtt in der Gerichtsverhandlung zur Sprache und trug zur Entlastung für den Betrüger bei.

2. Jugendsührertagung in Spangenberg.

Aus allen deutschen Landen waren am 12. und 13. September die Jugendführer der Deut­schen Turneischaft nach dem reizvollen hessischen Bergstädtchen Spangenberg geeilt. Die beiden Tage standen im Zeichen ernster Turnarbeit. Die Verhandlungen nahmen unter der zielbe­wußten Leitung des Jugendwarles der D. T. Dr. Edmund Neuendorfs einen frischen und anregenden Verlauf. Neuendorfs eröffnete nach einem gemeinsamen Liede die Verhandlungen in dem überfüllten Burgsoal. Dann bearüßte der Kreisvertreter Engelhardt aus Eschwe- ge im Namen des 7. Kreises die Versammlung. Es sprachen für Kreis 1: Deckner, Elbing; Kreis 2: Conrad, Breslau; Kreis 3b: Schneider, Ber­lin; Kreis 4: Truning, Hamburg; Kreis 5: Junge, Rüstringen; Kreis 6: Möller, Hannover; Kreis 7: Bernhard Andrö, Hersfeld; Kreis 8b: W. Grabow, Aachen; Kreis 9: Reinhard, Fried­berg; Kreis 10: Fischer, Karlsruhe; Kreis 12: Gärtner, München; Kreis 13: Hermann Ritter, Artern; Kreis 14: Roßburg, Chemnitz; Kreis 15: Sommer, Pfalz. Die Berichte der Kreis­jugendwarle gaben ein umfassendes Bild der Turnerjugendbewegung in ganz Deutschland. Die einhellige Ablehnung des Jugendturn- und Sportabzeichens von seilen der Turnerjugend war für jeden Eingeweihten vorauszusehen. Nach einem kurzen Vortrag Neuendorffs kam nachfolgende Entschließung zur einstimmigen Annahme:Wir Jugendvertreter der Deutschen Turnerschaft (Führer und Jugendliche) wollen von einem Jugend-Turn- und Sportabzeichen nichts wissen. In Uebereinstimmung mit dem Hauptausschuß und dem Turnausschuß lehnen

wir es ab. Wir handeln damit auch im Sinne der Jugendbewegung mit ihrem bewußten Be­streben nach der Verinnerlichung auf allen Ge­bieten. Wir erwarten als selbstverständlich, daß kein Jugendführer der Turnerschaft Prü­fungen für dieses Abzeichen abnimmt und daß kein Jugendturner sich ihnen unterzieht.

Den Höhepunkt der Tagung bildete der Vortrag Edmund Neuendorsss über die Ju­gendbewegung. Zurückgehend auf die Anfänge der Bewegung, das Erleben des Krieges, der Schützengrabenkameradschaft, schilderte er in er­greifenden Worten die Sehnsucht des jungen deutschen Menschen nach wahrhaftem deutschen Volkstum. Der Schluß der Rede gipfelte in der nachfolgenden Kundgebung, welcher unter Heil- ruseu lebhafte Zustimmung erteilt wurde. In Spangenberg waren der Jugendausschuß der Deutschen Turnerschaft, und Jugendwarte aller Kreise und aus jedem Kreise außerdem zwei Jugendliche versammelt. Es wurden folgende Entschließungen angenommen:Die Deutsche Turnerschaft ist aus dem Deutschen Reichsaus­schuß ausgcschieden, um ihre Eigenart zu wah­ren. Wir fordern alle Jugendturner und Ju- gendturnerinnen aus, der Turnerschaft unver­brüchliche Treue zu halten, für sie zu werben, wo immer sscb Gelegenheit bietet unv mit uns durch deutsches Turnen zur Erneuerung des deutschen Lebens und des deutschen Volkstums tu kommen. Wir rufen alle Jugendlichen in Stadt und Land aus, in unsere Reihen zu tre­ten und Turner zu werden. Wir deutschen Turner von heute, erfüllt von demselben Geiste, wollen wiederum, durch Aufbau von innen her­aus, am Aufstieg des Vaterlandes arbeiten." Da der Abend herangenaht war, verschob man die große Aussprache auf den anderen Tag. Um 8 Uhr abends trafen sich die Teilnehmer der Tagung mit den Mitgliedern des Spangen­berger Turnvereins zu geselligem Beisammeit- sein.

Nack herzlichen Begrüßunasworten des Spangenberger Vorsitzenden Küllmer und des Bürgermeisters Schier entwickelte sich ein schö­ner Spielrbcnd. Jungtn und Mädchen aus allen Ecken und Kanten des deutschen Vaterlandes brachten ihre Lieder und Gedichte in ihren Mundarten zum Vortrage. Fürwahr, selten wohl hat eine Tagung der Deutschen Turner­schaft so unter der warmen Sonne herzlicher Gastsreundschast gestanden als in Spangenberg. Um 12 Uhr nachts trennte man sich, um am an­deren Morgen wieder frisch zu ernster Arbeit zur Stelle zu sein. Nach einem frischen Sonn­tagslied wurde der zweite Tag von Neuendorfs eröffnet und in die Aussprache über seinen ge­strigen Bericht eingetreten. Diese Aussprache hatte schon kräftig hineingeführt in den nächsten Punkt, über welchen Otto Brüning ausgiebig berichtet: Was können wir tun, um die Gesellig­keit in den Turnvereinen in unserem Sinne zu beeinflussen? Brüning streifte alle Arten tur­nerischer Geselligkeit, wobei er die krassen Aus­wüchse des Alkohol- und Nikotinbctriebs, den Kitsch auf Bühne und Tanzsaal in das rechte Lickt h-r Erkenntnis sc Nie i'rnn ergriff Sen nett (Oldenburg) das Wort zu seinem feinen Bericht über Knlturfragen. Alwin Kutschte (Jahngemeinde Sebnitz) führt die Gedanken Bernetts weiter. Dann wird beraten über das Jugendschrifttum. Viele Klagen, viele Wünsche. Otto Brüning wird beauftragt, mit einem klei­nen, aus der Versammlung g-wählten Ausschuß neue Wege zu suchen Der letzte Punkt der Tagesordnung entfesselt noch einmal die Ge­müter. Wo soll das Jugendtreffen der Deut­schen Turnerschaft 1926 abgehalten werden? Es wird mit 41 gegen 7 Stimmen beschlossen, daß das Jugendtreffen 1926 im Osten gefeiert werden soll, um dem bedrängten Deutschtum im Osten zu helfen. Mit einem warmherzigen Schlußwort des Führers Edmund Neuendorsss wurde die sicherlich wertvolle Tagung, die int

* Melsungen, 17. September. (Königsschie­ßen.) Die hiesige Schützengilde feierte die­ser Tage tm Schützenheim der Schützengesellfchaft ihr erstes Schützenfest. Vom Bundesvorstand des Kurhessischen Schützenbundes war Herr Gehnau- Kassel und vom Vorstand des Kleinkaliber-Schü- tzenverbandes Generalmajor Keller-Kassel anwe­send. Den Königsschuß erzielte Oberrentmei- stcr Müller! Szepterprinz wurde Kreisober­sekretär Haupenthal, Apfelprinz Bankbe­amter Casselmann. In gemütlicher Feftver- sammlung am Abend fand dieKönigsprokla­mation" statt. Dem Königspaar (als Königin hat der neue König Fräulein Gustel O e tz e l er­koren) wurden vorn Vorsitzenden in feierlicher Ansprache die Insignien übergeben.

* Malsfeld, 17. September. (Den Gefallenen zur Ehr!) Unsere Gemeinde wird am 27. Sep­tember das zur Ehrung der Gefallenen errichtete Ehrenmal einweihen. Das Denkmal fällt ganz aus dem Rahyien des Allgemeinen heraus. Das von Bildhauer Prack- Frankfurt am Main geschaffene Werk stellt einen auf einem hohen Sockel stehenden nackten Reiter dar, der mit er­hobenen Händen und flehendem Blick das An­gesicht nach dem Firmament richtet:Herr mach uns frei!" Links des Pferdes ist eine Gruppe: Ein von einem Kameraden gestützter Verwunde­ter, und rechts eine Gruppe: Betender Krieger mit heulendem Hund, angebracht. Die linke Gruppe soll dieKameradschaft", die rechte die ..Treue" symbolisieren Auf einer Tafel, die in dem etwa drei Meter hohen Sockel eingelassen ist. stehen die Namen der zweiunddrei'ßia Bür­ger. die während des Weltkrieges den Heldentod starben. Das Denkmal, das aus Muschelkalk er­richtet ist, hat seinen Standort an der Kirchhofs­mauer der alten Dorfkirche erhalten. Im Halb­kreis angebrachte Ruhebänke flankieren den wür­digen Denkmalsvlatz.

* Fritzlar, 16. September. (Schon wieder Hundesperre.) Infolge Tollwuwerdachtes ist die Hund-cherre erneut verhängt werden.

* Fritzlar, 16. September. (Endlich ertappt!) ~d)on feit längerer Zeit wurden viele Gärten von Dieben heimgesucht. Endlich ist es der Po­lizei gelungen, den Spitzbuben, der es besonders ans Kohl abgesehen hatte, dingfest zu machen und das gestohlene Gemüse noch kurz vor Ver­ladung zu beschlagnahmen.

* Rrickensachsen, 17. September. ( Schwerer Unglücksfall.) Ein Schlossergeselle aus Altmor­schen geriet unter die Pflugschaufel und -rlftt schwere Verletzungen.

Hann.-Münden. 17. September. (Am Ofen .tt Tode verbrannt!) Ein Dienstmädchen aus Mosftow sollte in einem mit allen Papieren on- ecfüllten eis-rn-n Ölen Feuer mach-n. Vlövlick, schlug eine Stichflamme heraus. Die Unglück ''che stand auaenbftcklich in bellen Flammen und ssarch unter entsetzlichen Qualen.

* Mandern. 17. September (Massenmord unter den Hunden.) Kaum war die Hundesper re aufgehoben, da ist über unere vierfüßigen Freunde eine neu verhängt. Von dem eigenen wllwütiaen Hund- wurde der Gutsbesitzer Ul­rich und ein Nachbarskind gebissen. Beide sine nach Berftn gereist. Fast alle Hunde unseres Ortes sind erschossen worden.

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Der bekannte Operettenkomponist Leo Fall, der im vergangenen Jahre seinen fünfzigsten Geburtstag feierte, ist, wie Nachrichten aus Wien besagen, an einer Gallenblasenentzün- dung gestorben.