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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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SVtttttlttte 213 Einzelnummer 10 Pf, Sonntags 15 Pf

Sonnabend, 12. September 1925 Einzelnummer 10 Pf, Sonntags 15 Pf. 15. Jahrgang

Unter dem Joch der Daweslasten.

(lnfereGeg-nrechnung

Sicherheitspai» und Versailles.

Art und Ergebnis her Londoner Juristen- Besprechungen ist bisher aus Grund gegenietn» ger Vereinbarungen vertraulich behandelt worden. Lennoch will die Preise, besonders Englands und Frankreichs, mancherlei über Die Richtlinien der besonders von den Entente-Ver­tretern verfolgten Politik erfahren haben. Der britische Standpunkt soll im wesentlichen darin gipset», daß alle Kragen, die die MogU^teu eines Krieges betreffen, vor den Völkerbund gebracht werden sollen. Nach britischer Ansicht müsse zwischen Leutschtand und Frankreich eine Barriere geschaffen werden, die nicht über­schritten werden dürfe ohne Einwilligung des Völkerbundes Aber selbst im Falle einer Sank­tion wolle sich Großbritannien die Entscheidung über seine Teilnahme Vorbehalten. Frankreich müsse seine Ansprüche auf separates Vorgehen zurückstellen und darauf verzichten, im Falle eines Angriffes der alleinige Richter sein zu wollen, sonst dürfte es auf die britische Unter­stützung nicht zählen können. Der Standpunkt Deutschlands, daß Frankreich keine Richierrolle im östlichen Schiedsverttag spielen und daß ein Schiedsvertrag eine Revision der Versailler Vertrages nicht verhindern dürfe, Werde in der britischen Oeffentlichkeit gebilligt.

Nach englischen Preffekombinationen soll der deutsche Vertreter grundsätzlich der englisw-bel- gischen These Mgestimmt haben, daß alle Stteit- fälle. ainh die des Dt»rchmarschsrechtes durch die entmilitarisierte Rheinlandzone, dem Vlökerbund zur Entscheidung vorgeleät werden müssen. Von zuständiger deutscher seile weist man jedoch daraus hin, daß die Londoner Juri- ste aikonserenz nur insonnatori scheu CH i- ratter batte, im übrigen der Vorbereitung einet politischen. Konferenz dienen sollte. Mit dem Erfolg dieser Vorbereitungen ist man im allze- meinen zufrieden. Deutscherseits hat man ver­mutlich auch darauf hingewiesen, daß ein abzu­schließender Sicherheitspakt nicht lediglicheineEr- gänzung oder Bestätigung des Versailler Ver­trages darstellen dürste, sondern Rückwir­kungen auf solche Bestimmungen haben müßte, die sich als undurchführbar erwiesen haben oder dem Geist des neuen Paktes zuwi- derlaufen. Es. bandelt sich letzten Endes um die Frage der Abänderung von einzelnen Be­stimmungen deS Versailler Vertrages, um d'.c Nachprüfung einer ganzen Reihe von offen­baren Fehlentscheidungen des Völker­bundes, bezw. des sogenannten Obersten Rates.

Abgesehen von dem ganz unhaltbaren Be- satznngsregimr, Wie es f«f> am Rhein herauS- gebildet hat, sind nicht aufrechtzuerhallen die Bestimmungen über das Saargebiet, über Eupen-Malmedy, über Danzig, über den Kor­ridor, über das Hultschiner Ländchen, und eben» sowenig sttid aufrecht zu erhalten die Entschei- imngen des Völkerbundes über O b e r s ch l e- sien und über die Weicbselgrenze. Das sind keine unbilligen, sondern durchaus berechtigte Forderungen, die in dem Versailler Bert ag selbst eine Stütze stnden. Ein Engländer hat sich davon überzeugt, daß die politische und mora­lische Lage jener Gebiete umveigerlich z u m Kriege dränge, wenn sie nicht dur cheinen annehmbaren Rechtszustand abgelöst wird. Es wird sogar behauptet, B r i a n d selbst habe den Polen in Gens gesagt, .ihr Verhalten in der Paklsrage müsse tu Frankreich den Eindruck er» teerten, als ob sie kriegerische Verwicklungen in naher Zukunst nicht scheuten.' Eines steht jeden­falls fest: Der deutsche Standpunkt, daß eine ganze Reihe von Bestimmungen des Versailler Vertrages abänderungSbedürstig find, findet auch im übrigen Ausland immer weitere Ver­breitung Ein abzuschlietzender Sicherheitspakt sollte und müßte auf dise Tatsache Rücklicht neh- meu im Interesse des Friedens.

Sine Geheimkonferenz an ver Nordsee.

Berlin, 11. September. (Eigener Informa­tionsdienst.) Wir wir hören, find zurzeit an der Nordseeküste, wo stch der Reichskanzler Dr. Lu­ther, Außenminister Dr. Strefemann so­wie Dr. Gantz und Schubert aufhalten, be­deutungsvolle polittsche Vorbesprechungen im Gange, die sich aus die bevorstehende Einla­dung der alliierten Regierungen an Deutsch­land beziehen. Diese Besprechungen haben streng vertraulichen Charatter, sodatz Positives darüber nicht gesagt werden kann. Die alliierte Einladung an Deutschland dürfte noch dieser Tage offiziell ergehen. Man wird auf diplomatischem Wege zunächst bei der deut­schen Regierung anftagen, ob ihr Lausanne als Tagungsort genehm ist und ob fir stch bis Ende September in der Lage steht, ihre Ver­treter zu einer Besprechung zu delegieren. So- lange die Reichsregierung ihre Dispositionen

noch nicht festgelegt hat, steht es nicht fest, wel­che Mitglieder des Rcichskabinctts zu den Verhandlungen entsendet werden. Weit wichti­ger ist die Frage, ob innerhalb des Reichskabi­netts eine völlige Einmütigkeit über die außenpolitische Lage hergestellt wird und ob es den deutschen Unterhändlern gelingt, von den alliierten Regierungen diejenige Zusage zu er­reichen, die man deutscherseits als ein Min­destprogramm und als die notwendige Voraussetzung für das Zustandekommen des Sicherheitspaktes ausgestellt hat. Wir glauben zu wissen, daß die Reichsregierung sich nicht das Gesetz des Handelns von den Beschlüsse« der alliierten Regierungen vorschrciben lassen wird und da tzes noch zu sehr eingehenden Auseinandersetzungen mit den En­tentemächten kommen muß, die ohne die freiwil­lige Zustimmung Deutschlands nichts erreichen.

Wie wird es im dritten Jahr?

Deutschland hat alles bezahlt. Aber später? (Privat-Telegramm.)

London, 11. Sept.

Ei« Artikel des Ehefredakteurs Barrette, der vor kurzem von einer Reise nach Berlin zurück­kehrte, über das Wirken des Dawesplancs ent­hält die Hauptpunkte eines Gesprächs mit Parker Gilberts Mitarbeiter $ ter rett, in dem die Frage erörtert wurde, ob Deutschland die Dawesver- pslichntngen einzuhalten imstande sei. Die ein­fache Wahrheit fei, daß man nicht w i f e, wie Deutfchlands künftige Zahlungsfähigkeit sich gestalten werde. Die Hauptfache fei augenblicklich, daß Deutsckiland bisher alle Dawe ah - tun gen leistete. Dcutfchland fei weiteysekom- men, als es vor einem Fahre war, Es fei' zehr wahrscheinlich, daß es Deutschland gel egen wer de, die Rate des zweiteu Jahres ebenfo prompt z« zahlen, wie die des ersten, aber mit dem Be­ginn des dritten Jahres setze die größte Schwierigkeit ein, nämlich die Ucbcrtra- gung der Markzahlnngen in andere Währungen. Barretti sieht die künftige Notwendigkeit der Einberufung einer Konferenz voraus zur Ent­scheidung der Frage, ob Aenderungeu im Dawesplan erforderlich sind.

SuGttaßhnm aus derSchanz Painlevus Friedenswille. Und der Preis?

(Eigener Drahtbericht.)

Straßburg, 11. September.

Auf einem Festbankett in Straßburg führte Ministerpräsident Painlevö u. a. aus: Die große Ungerechtigkeit von 1871 sei ein Unrecht gegenüber Frankreich, dem Elsaß und der Welt gewesen, weil sie Frankreich hie Fähigkeit ge­nommen habe, wirffam die Sache deS Rechies »nd des Friedens für alle Völker zu vertrete«. Frankreich werde sich in Marokko nicht einen Fuß breit Landes aneignen, der ihm nickst nach den Verträgen zusteht, sondern es wolle nur fein Werk der Zivilisation vor jedem Angriff schützen. Die Entente »der zum mindesten die Versöh­nung zwischen Deutschland und Frankreich, so fuhr Painlevö fort, ist der Schlüssel für een allgemeinen Frieden. Es wird keinen dauer­haften Frieden, und es wird keine Ruhe in Europa geben, solange die beiden großen Völ­ker, die durch den Rhein getrennt werden, bereit sind sich aufeinauderzustürzen. Ich habe nur Den Wunsch, daß die int Gange befindlichen loyalen Verhandlungen zu einem Abschluß kommen. Ich bin davon überzeugt, daß das deutsche Volk denselben Gedanken hat. Ich bin weiter davon überzeugt, daß der Krieg für das deutsche Volk nicht etwa eine Idee ist, die es freiwillig liebe­voll hegt. Wenn mau den friedlichen Kräften einen wirklichen Auffchwnug gibt, werden fie die Mächte deS Krieges, die noch jetzt das alle Europa beunruhigen, Überwinden. Frank­reich wird jeden Friedens-Verfuch weiter ver­folgen. Wir werden fehen, ob das Gefchick un­sere Anstrengungen verwirklichen wird.

Das Schicksal öer(Srünen".

Berlin muß sich der Note fügen.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 11. September.

Heber den Stand der Entwaffnungs-Ber- handlungeu betreffend die Entmilitarisie­rung und Entstaatlichung der Schutz­polizei, weiß ein Blatt mitzuteileu, daß man sich mit dem Verlangen auf Herabsetzung der Stärke der Schutzpolizei von 180 000 auf 150000 Mann werde abfinden müssen. Die militärische Ausbildung der Sch«« Polizei soll aus das Minimum der Polizei- lichen Bedürfnisse herabgesetzt werden. Erhal­

tung kasernierter Hundertmann- schäften sei notwendig, namentlich zum S utz bei iuuerpolitischen Krisen.

Blauer Dunst in Gens.

Auch Chamberlain weiß nichts Bestimmtes. (Eigener Drahtbericht.)

Gens, 11. September.

Anläßlich eines Presse-Empfanges, der heute Vormittag ftattfand, äußerte sich Chamberlain auf eine Frage betreffend die Sicherheits-Kon­ferenz, nach dem Ort und Zeitpunft der Konfe­renz, sowie nach der Absendung der Einladungen gänzlich ausweichend und vermied jede klare Antwort. Er äußerte sich nur bedingungsweise dahin, daß wenn es stch um eine unverbindliche Vorbesprechung handeln sollte, es das beste wäre, wenn so wenig als möglich Personen an ihr teilnehmen würden. Käme aber eine große Be­schickung der Konferenz in Frage, was hier all­gemein als einzig in Bettacht kommend ange­sehen werde, im Gegensatz zu der Berliner Nus- saffung, so sollte die Konferenz von allen maß­gebenden '^erfättlimTciten, den Ministerpräsiden­ten und Außenministern besucht werden. Die Dominions würden durch die Vaktbesprechungen in keiner Weise gebunden sein, die nur England selbst angebe«. Auf die Frage nach der Räu- mung der Kölner Zone antwortete Cham­berlain, fie werde geräumt werden, sobald Deutschland die Forderungen der Entwaffnungs­note der Alliierten e r l l t haben würde.

Ohne Dalum und Ort.

Die Einladung der Ministerkonferenz steht bevor. (Eigener Drahtbericht.)

Paris, 11. September.

Havas berichtet aus Gens, daß eine gemein­same Mitteilung an die deutsche Regierung im Hinblick auf die Zusammenberufung der Mini- sterkonferenz zur Beratung des Sicherheits­paktes bevorstehe. Jedoch würde kein Zeitpunkt und kein Ort über die Verhandlungen angege­ben werden. Auch werde die italienische Regie­rung an der zukünftigen Konferenz teilnehmen. Es fcheint sich zu bestätigen, daß Polen und die Tschechoslowakei doch eingeladen würden, um sich bereitzuhalten, damit mit ihren Vertre­tern über alle sie interesfierenden Fragen ohne Verzögerung beraten nutben könne.

Italiens 2a oder Rem erst nächste Woche

Genf, 11. September. (Privattelegramm) Das Mitglied der italienischen Delegation, G r a n d i, reifte gestern abend nach Rom ab. Man glaubt, daß über die von Italien ver­langte bindende Erklärung über seine Beteiligung oder Nichtbeteiligung am Sicher­heilspakt nicht vor Montag oder Dienstag im Ministerrat in Rom entschieden werden kann. Eine andere Meldung besagt: Mussolini hat der sofortigen Einladung an Deutsch­land vorbehaltlos zugestimmt.

Abb el Krim in der Sange.

Die Spanier vor der Hauptstellung.

(Eigener Drahtbericht.)

London, 11. September.

Aus Tanger wird berichtet: Die gelandeten spanischen Truppen werden ans nngesähr 12 bis 16 000 Mann geschützt. Man nimmt an, daß sie in der Lage sind, bald Ajdir einzunehmen, das nur sechs Kilometer von der Landungsstelle entfernt liegt. Man könne jetzt eine unverzüg­liche Zurückziehung eines Teils der Riftruppen von der französischen Westfront erwarten, wo­durch die französische Offensive erleichtert wer­den würde. Ein fpanifcheS KriegSfchiff habe Dörfer an der Andjeraküste beschossen. Der Andjcraftamm habe stch offen zum Kampf gegen die Spanier erhoben. Der Angriff der Andjera und Dfcheballakrieger werde täglich erwartet, bei dessen Gelingen die Straße nach Tetuan ab- gefchnitten und die fpanifche Schlüsselstellung m Agata bedroht werden würde.

Auf Herz und Stieren.

Amerika prüft Frankreichs Zahlungskrast.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 1L September.

Laut Meldung aus Washington hat Staats­sekretär Kellog gestern die Prüfung der Be­richte und Dokumente zur Feststellung der ZahlnngsfähigkeitFran kreichs wie­der ausgenommen. Handelsminister Hoover hat seinerseits die Prüfung der inneren Sage Frankreichs abgeschlossen und wird das Ergeb­nis bald der Schuldenkommisfion unterbreiten.

Lum Kaspischen Mttr

Vierzig Stunden Eisenbahn durch Kaukasien.

6. Reisebrief unseres Mitarbeiters K. Himmel.

Die Reiseobe» arm »ab dürftig. An Esscn kein Mangel. Leckerbissen unterwegs. Alles lieft Zeitung. Völker ohne Zahl.

Am blauen Meer.

Unterwegs zum Kaspischen Meer, im Aug.

Heiß brennt die Morgensonne vom Himmel. Länger als vierundzwanzig Stunden rollt uns schon der Sowjet-Zug quer durch Kaukasien hin, um uns an unser nächstes Ziel zum Kaspische« Meere nach der alten Naphthastadt Baku zu bringen. Zur Rechten schimmern in naher Fer­ne die mit ewigem Schnee bedeckten Gipfel der Kaukasusberge, zur Linken dehnt sich eine von mehreren Flußläufen durchzogene end­los scheinende Steppe aus.Nur' noch etwa achtzig Kilometer vom Kaspischen Meer, von P e t r o w s k, von wo ab die Eisenbahn längs der Küste weiterläuft, entfernt. Im Zuge das typisch russische Leben, wie es in dieser Viel­gestaltigkeit kaum irgendwo markanter sich äu­ßern kann als in der übersüllten Eisenbahn zur Sommer- bezw. Reisezeit. Eines springt hier ganz besonders ins Auge, die Gleichförmigkeit des Volkes, d. h. der Fortfall der Klassenunter­schiede. Einfachheit, beinahe Dürftigkeit in der Kleidung und Lebenshaltung scheint das auffal­lendste Merkmal zu sein. Es geht aber auch beim besten Willen nicht anders; deun die Ent­lohnung ist nach wie vor gering. Ebenso wie der Schaffnerin, die mir versichert, daß sie für de« ganzen Monat nur 35 Rubel Lohn erhält, geht's so manchem anderen. Man stellt bekanntlich auch Geistesarbeiter denjenigen, die körperliche bezw. mechanische Arbeit verrichten, hinsichtlich des Einkommens gleich, ja man bevorzugt sogar bett Handarbeiter. So bekommt der in einem Kr^n» kenhause angestellte Arzt seine hundert Rubel monatlich, und selbst Universitätspro­fessoren haben nicht viel mehr. Der einzige Lichtblick in dieser Lage ist die Tatsache, daß manches im Gegensatz zu anderen Artikeln bil­lig ist, zunächst die Eisenbahn. Zehn Rubel habe ich für die rund achthundert Kilometer lan­ge Strecke bon Kawkaskaja bis Baku bezahlt. Un­ter diesen Umständen sucht sich jeder die Fahrt in die Sommerfrische zu leisten, und viele kommen sechst aus dem äußersten Norden herunter. Tage­lang sind sie auf der Eifenbahn. Melonen und Arbufse' sind mit ihr Zeitvertreib, und es ist er­staunlich, was an diefen Früchten, von denen die Reifenden ganze Berge um sich aufgetürmt ha­ben, vertilgt wird. Aber auch andere Genüsse sind erfchwingbar, und auf den Stationen wer­den Unmengen von

gebratenen Hühnchen

zu zwanzig oder dreißig Kopeken das Stück an­geboten. Auch getrocknete Fische kann man in Massen haben. Dazu sieht man nicht selten ein Schlemmerschnitt mit Kaviar', dick aufgetragen natürlich. Er kostet hier nur ein bis anderthach Rubel das Pfund. Zu alledem darf selbstver­ständlich der T e e, das russische Nationalgetränk fett altersher, nicht fehlen. In den Abteilen gibt stch ein Jeder der ihm eigenen Zerstreuung hin. Man lieft auch viel. Ueberhaupt wird in Sow­jet-Rußland jetzt viel gelefen. Das Lesebednrf- nis der Bevölkerung, prägt stch auch in den vie­len ZeitnngS- und Bücher-Kiosken aus, die gera­dezu wie Pilze aus der Erde fchießen, gleichwohl, ob man in Moskau, Rostow oder Odessa oder sonstwo ist. Zweifellos geht durch das Volk ein Zug nach Intellektuellem, der rein äußerlich in den Berge« von literarischen Erscheinungen zum Ausdruck kommt. Die Leselust ist auch in der Roten Armee deutlich zu beobachten, und es ist z. B. eine früher ganz ungewohnte Erschei­nung, daß

jeder Soldat täglich feine Zeitung liest. Im Speisewagen wird zum Mittag- essen gerüstet. Das zweite Mal während unse­rer Fahrt. Noch etwa zehn Stttnden wird's dau­ern, dann wird nach mehr als vierzig Stunden hoffentlich Baku erreicht fein. Drei Stunden später. Der Zug hat die Station Petrowsk erreicht. Zur Linken breitet sich <n unabsehba­ren Fernen der blaue Spiegel des Kaspischen Meeres aus. Aus der Station entwickelt sich daS bunte, durchaus orientalisch ammttende Leben der kaukasischen Orte.

Tscherkeffen, Tataren, Georgier, Armenier, Türken und selbst Perser wimmeln durcheinan­der. Dazwischen wandeln die den Zug bewachen­den Sowjetsoldaten. Das ist im kaukasischen Ge­biet besonders notwendig, denn Räuberban­den, die es vor allem auch aus Eisenbabnzüge absehen, treten hier trotz aller scharfen Gegen­maßnahmen immer noch in Erscheinung. Je- dcnsalls sind kaum irgendwo auf einem verhält-