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Kasseler Abendzeitung

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S8/80.

$ie Radelet Neuesten Aachrichleii rrldxintn wöchenUj» fed>»moi nachmittag« Der AbonnemriiiSvreie beträgi füi bei> SJionat 2. Mit. hu freier Zustellung GelchitttSstelle obaedoli UW Mk. Durch i-ie »oH monatlich 2J " "'5 ausschließlich äufteUnnefiarbübi. Verlag und Redaktion : Schlachthosftrsste fteyHf^eaer 951 und 952. nflr unverlangt einackandte Seiliäge kann sie Re­daktion eine Berantwortung oder (»ernähr in keinem ftoUe übernehmen. Rllck- z ah lang des Bezugsgeldes oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmatziger Vtefettina ist außaeschloffen. i-ohfcbedfontD Frankfurt a. Main Nummer 6380.

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Dienstag, 8. September 1925

Nummer 209. Einzelnummer 10 Pf, Sonntags 15 Ps.

Einzelnummer 10 Pf, Sonntags 15 Pf. 15» Jahrgang

Abd kl Knms Offensive beicht los.

Englands Trümpfe.

Streiflichter von der Vüllerbundstagtlng.

Berlin, 7. September.

In Genf sind zurzeit die Vorbesprechungen der alliierten Staatsmänner über den Sich r- Heitspakt und über den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund im vollen Gange. Ihren Höhepunkt werden jedoch diese Beratungen erst im Laufe der kommenden Woche erreichen, da bis dahin der französische Ministerpräsident Painlevö seine große politische Eröfsnungs- rede gehalten haben wird, die den Auftakt zu der entscheidenden Diskussion darstellen soll und auf die verschiedensten Probleme der Zukunft eingehen wird, die bisher noch nicht zur Erör­terung gestanden haben. Nach den in Berlin vorliegenden Berichten maßgebendster Stellen wird die Genfer VöKerbundtagung fast aus­schließlich durch den englischen Einflu beherrscht. Die Londoner Diplomatie hat einen ungeheuren Apparat au^eboten, um die öffent­liche Meinung der Welt auf die Bedeutung der zur Erörterung stehenden Fragen hinzuweisea, und um eine große großzügige Propaganda für den Völkerbund und Schiedsgerichts­gedanken zu entfallen. Fast täglich werden von englischer Seite aus eingehende Informa­tionen über den Charakter der Vorbesprechungen verbreitet, und man kann schon jetzt aus diesen Veröffentlichungen entnehmen, welche Ziele England mit dem Sicherheitsprojekt und mit dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund verfolgt.

Von diplomatischer Seite wird der englische Standpunkt, der bei den bevorstehenden Konfe­renzen zweifellos eine ausschlaggebende Rolle spielen wird, etwa folgendermaßen skizziert: England will den Völkerbund künftig so aus­gestalten, daß er bei allen internationalen Kon­flikten und insbesondere bei den Kriegsgefahren die Rolle des Vermittlers und des Schiedsrichters übernehmen kann. Wäh­rend bisher wiederholt von den verschiedensten Mächten erfolgreiche Manöver unternommen werden konnten, um politische Konflikte außer­halb des Völkerbundes auszutragen, soll jetzt ein großzügiges Sy st em geschaffen wer­den, das ein eigenmächtiges und willkürliches Vorgehen einer Einzelmacht moralisch und materiell unmöglich machen soll. Der Völker­bund soll sogar die Vollmacht erhalten, im Falle einer Kriegsgefahr den beteiligten Par­teien diktatorisch einen Waffenstillstand auf­zuerlegen. der solange andauern soll, bis die Lösung des Streitfalles gefunden ist Der mir Deutschland abzuschließende Sicherheitsdakt soll in diesem System der Garantierung des euro­päischen Friedens eingegliedert werden, sodaß in jedem Falle nur der Völkerbund als der oberste Garant für die Schiedsverträge in Frage kommen soll. In Ergänzung hierzu wird noch mitgeteilt, daß England von Frankreich die rückhaltlose Verpflichtung fordere, seine An­sprüche auf ein gesondertes Vorgehen preiszu- geben und darauf zu verzichten, int Falle eines Angriffes der alleinige Schiedsrichter sein zu wollen.

In den deutschen Negierungskreisen ist man sich völlig darüber klar, daß die englische These außerordentlich günstige Aussichten auf eine Lösung der zur Erörterung stehenden Pläne er­öffnen würde. Die Annahme der englischen Vor­schläge hängt aber nicht von Deutschland, son­dern von den anderen beteiligten Mächten ab. Nachdem die Konferenz der Sachverständigen beendet ist, wird man damit rechnen muffen, daß die diplomatischen Unterhand­lungen nunmehr ausgenommen werden kön­nen. Allerdings, werden alle Fäden dieser Un­terhandlungen zunächst in Genf zusammenlau­fen, wo immerhin die entscheidenden Faktoren am Werke sind, um den Plan zu einer Sicher­heitskonferenz fertig zu stellen. Soweit die deut­sche Regierung sich an diesen Erörterungen be­teiligen kann, wird sie ihren ganzen Einfluß auf» bieten, um den deutschen Standpunkt durchsetzen zu können. Man sieht aber schon jetzt das Hineiu- spielen. unerwünschter Einflüsse voraus, zumal Polen und die Tschechoslowakei auch jetzt noch eifrig am Werke sind, um ihre Sonder- sorderungen hinsichtlich der Garantierung der O st grenzen durchdrücken zu können. Es zeigt sich daher, daß es von der deutschen Divlomatie sehr klug war, weder offiziell noch inoffiziell in die Genfer Erörterungen einzugreifen, um jede direkte Auseinandersetzung mit Polen und mit der Tschechoslowakei vorläufig zu vermeiden.

Nach den letzten Nachrichten werde sich die geplante Sicherheitskonferenz übrigens zu einer Besprechung zwischenneun Mächten aus­wachsen, denn u. a. wünschen auch vtzr polnische Außenminister Skrzvnski und der tschechische Auß nminister Benesch einqeladen zu werden, da die Schiedsgerichtsverträge zwischen ihren

Ländern und Deutschland gleichzeitig mit dem Sicherheitspakt erörtert werden sollten. Ein Pariser Blatt meint aber, daß man kaum zu einer endgültigen Regelung auf dieser Konfe­renz kommen werde, sondern daß sie nur den Charakter einer Vorbesprechung haben werde.

Abd kl Krim packt zu.

Die große Rif-Offensive im Gange.

lEigener Drahtbericht.)

London, 7. September.

Aus Tanger wird berichtet: Endlich ist die Offensive erösnet worden, aber nicht die franzö­sisch-spanische, sondern ein Angriff der Ris- truppen an zwei Fronte»:, der, selbst wenn er auch nur mäßigen Erfolg hätte, jede Möglichkeit einer entscheidenden französisch-spa­nischen Aktion in diesem Jahre beseitigen würde. Wenige Stunden, bevor die spanischen Truppen in Sidi bereits für einen Angriff aus Abd el Krims Hauptquartier Ajdir landen sollten, wur­de Beni Karrieh von starken Rifstreit- träften und Dscheballa-Kriegern angegrif­fen. Die

spanischen Verluste stnd schwer.

Gestern und heute lag die Straße Tetuan- Tanger unter Feuer, und der Verkehr ist ein­gestellt worden. General Primo de Rivera ist nach Tetuan zurückgekehrt und es sieht so aus, als ob die Landung in Alhucemas aufgegeben werden soll. Auf der franzöfi- 'chcn Front finden schwere Rifangriffe statt. Allen Anzeichen nach erscheint es, als ob Abd el Krim von neuem seinen europäischen Feinden überlegen gewesen ist. Einer anderen Mel­dung zufolge mied die Alhucemasküste bombardiert, wo die fpanischen Streitkräfte in großer Anzahl gelandet feien.

Der erste Stoß gebrochen.

Im Gegenangriff von den Franzosen geworfen. lEigener Drahtbericht.)

Paris, 7. September.

HavaS meldet aus Fez über den Angriff der Rifleute gegen die französische Stellung bei Dfchebcl Mehir: Der Angriff war äußerst heftig. Der Feind hat seine regulären Truppen gegen die französische Stellung eingesetzt und konnte zuerst Fuß fassen, wurde aber dann durch einen ranzösischen Gegenangriff zurückge- chlagen. Man meldet, daß Abd el Krim eine Propaganda bei den Branes verstärkte, wo er eine Abfallbewegung hervorzurufen uche, während Verstärkungen bei ihm einträfen.

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Englands Sympathien für den Kampf.

London, 7. September. (Eigene Drahtmel- pung.) Ein Blatt schreibt: Die diplomatischen Hintergründe des Feldzuges sind in Dunkel ge­hüllt, sodaß niemand sagen tarnt, wie weit Abd el Krim bestrebt war, Frieden zu schließen. Dies ist sicher zu bedauern, aber es ist unmöglich, Sympathien mit denen zu haben, die glauben, daß die Risbewohner nicht das Recht auf vol­le Unabhängigkeit haben.

Dreierlei steh« fest.

Oktoberkonferenz mit Deuts^und Italien.

lEigener Drahtbericht.)

Paris, 7. September.

Ter Havasvertreter in Genf berichtet, daß drei Tatsachen jetzt feststehen. Abgesehen von immer möglichen Ueberraschungen werde in naher Zukunft eine Sonderkonferenz über den Sicherheitspaktentwurf zusammentreten, zu der Deutschlands Beteiligung schon ge­schert fei, da der Reichsaußenminister Strese - mann den Gedanken direkter Verhandlungen angenommen habe. Weiter stehe fest, daß diese Konferenz nicht während der Völkerbundstagung taitfinden werde. Endlich scheine e8 festzu- iehen, daß Italien an der geplanten Konfe­renz teilzunehmen wünsche. Die Konferenz werde erst am 10. oder 15. Oktober ftattfinden können. Da Italien den Wunsch habe, daß die Konferenz auf italienischem Boden stattfindet, werde jedenfalls ein italienischer Ort bestimmt

* ©trefemann einverstanden.

Berlin, 7. September. Im Zusammenhang mit der obigen Meldung wird darauf verwiesen, daß die deutsche Regierung in ihrer Antwortnote ich im Prinzip mit der Methode mündlicher Verhandlungen einverstanden erklärte. Eine Einladung zu einer Sicherheitskonfe­renz liegt in Berlin noch nicht vor. Auch

muß der Bericht des Ministerialdirektors Gauß erst gründlich geprüft werden.

Haß übers Grab hinaus.

Paris entfernt den Kranz der Deutschen. lPrivat-Lelegr<tinm.>

Paris, 7. September.

Wie ein Blatt berichtet, hat gestern eine deut­sche Abordnung unbemerkt einen Kranz auf dem Grabe des unbekannten Soldaten niedergelegt. Der Kranz war mit zwei Bändern in den Far- ben Schwarzrotgold geschmückt. Das eine trug in französischer Sprackp: die AufschriftDem un­bekannten Soldaten. Die Friedenssoldaten/' Auf dem anderen stand in deutscher Sprache Deutsch- Liga für Menschenrechte". Der zu­ständige Polizeikommifsae Hai abends, um Kund- geburtgen zu verhüten, die Bänder abnehmen lassen. Dazu wird berichtet: Eine Abordnung der ehemaligen Frontkämpfer erhob energischen Protest gegen das Vorhandensein eines deutschen Kranzes. D>r Kommiffar erwiderte, daß der Kranz verschwinden werde. Bei Bgeinn der Nacht entfernte dann die Polizei die Bänder und heute vormittag wird auch der Kranz ver- schwunde» sein.

Don London nach Gens.

Ende der Juristenkonferenz. Noch im Dunkeln. (Eigener Drahtbericht.)

London, 7. September.

Wie gemeldet wird, stnd die Sachverständigen Sir Cecil Horst. Fromageo und Roll in nach Gens zur Völkerbundversammlung abge­reist. Der deutsche Vertreter Dr. G a u 8 ist nach Berlin und der italienische Vertreter Filotti nach Rom gefahren. Havas teilt mit, der Be­richt über die Londoner Besprechungen für den Sicherheitspakt werde von den Außenministern nicht vor Montag oder DienStag erwartet. Ein genauere Zeitpunkt für die Konferenz der alliier­ten Außenminister mit dem deutschen Außen­minister könne noch nicht bestimmt werden. Jedenfalls komme Gens als Ort der Zusam­menkunft bestimmt n i ch t in Betracht.

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Was hak Gauß erreicht?

Berlin, 7. September. (Eigener Informa­tionsdienst.) Die englifche Preffe spricht von einer Uebereinstimmuna unter den juri­stischen Sachverständigen. Dieser Feststellung kommt aber wenig Bedeutung zu, weil es sich lediglich um eine authentische juristische Inter­pretation der von den Alliierten vorgeschlagenen Formeln handelte. Gauß hatte tue wichtige Ausgabe, eine so klare Auslegung der Vorschläge der Alliierten zu erzielen, daß auf ihrer Grund­lage die deutschen Gegenvorschläge für die münd­liche Ausfprache aufgebaut werden können.

Der schwarze Tod geht um. Englands Thronfolger und asiatisch; Cholera.

(Eigener Drahtbericht.)

London, 7. September.

Ans Tokio wird berichtet: DaS Programm ür die Begrüßung des Prinzen Georg von England in Tokio und Vokohama wird leider durch die zunehmende Ausbreitung der asiatischen Cholera in Uokohama be­einträchtigt werden, wenn sich weitere Fälle er- eignen. Bisher wurden nur zwanzig Fälle ^meldet, und die Behörden arbeiten Tag und 7acht, um das Ausbreiten der Epidemie zu verhindern. Die Cholera wurde in Japan ans Schanghai eingefchleppt, gegen das Quarantäne angeordnet worden ist. Auch aus Tokio werden einige Cholerasälle gemeldet.

Herren der Lüste.

Ein FreiheitStag an der Ruhr.

(Privat-Telegramm.)

Effen, 7. September.

Bei einem aus Anlaß des BefreiungSflug- tages in Gelsenkirchen veranstalteten geselligen Abend wurde nach mehreren Ansprachen folgen­der Entschließung begeistert zugestimmt: Die in Gelsenkirchen versammelten Oberbürgermei­ster, die Vertreter der Städte und Kommunen mit rund drei Millionen Einwoh­nern, die Vertreter von Handel und Industrie des Ruhrgebiets und der Lustsport und Ber- kehrsluftamt bitten die Reichsregierung drin­gend, einer Beschränkung der Luftfahrt nicht zuzustimmen, sondern völlige Frei­heit der Luftfahrt zu fordern, die geeignet ist, alle früher feindlichen Völker auf einem gemein­samen Boden zum Wohl Europas zu vereinigen.

Königin des Nordens.

Stockholm, Me Stadt der weißen Nächte.

Von

Werner Sehnlz.

Aas der Stadt, i« der soeben nrtt Chorälen »ad Orgclklarig das größte Konzil der' Chri­stenheit seine« Abschltth sand, lendet nns unser Mitarbeiter folg, eindrucksvolle« Reisebries:

Stockholm, Ende August.

Es ist wie ein Wunder, wie ein Märchen, das man als Kind geträumt und das nun seltsame, glückselige Wirklichkeit wird. Vor drei Stun­den noch lag die deutsche Küste unter uns, grüß­ten die Türme dos alten deutschen Danzig aus Sonnennebel und Sommertag und nun weitet sich uns das endlose Gewirr von Fels und Meer, von Fluß und Wald, das der schwedischen Küste ihre Eigenart gab. Unser Stahlvogel hat das Ostmeer überquert, leicht und elegant, auf weichen Schwingen, die ruhig durch, die Lust glitten. Es ist uns gar nicht zum Bewußtsein gekommen, daß wir 161 und mehr Kilometer in der Stunde an uns vorüberbrausen ließen. Groß und brennend steht die Sonne im Abend. Die vielen Arme des Meeres, die Seen und Wasser sind wie rotglühende Glut, wie Flam­men, darunter die Erde stirbt. Schwarzblau dunkeln die Föhrenwälder am Horizont. Lang­sam sinken wir aus der Endlosigkeit des Alls zurück. Näher und näher kommt uns die Welt. Und dann schweben wir über die Türme und Dächer, die Schlösser und Kirchen Stockholms. Das Geräusch der beiden Motoren ist ganz still geworden, nur die Propeller pfeifen und die Luft surrt vorüber. Dann sind wir im Flug- basen Stockholms, im Heim des Aero-Lloyds. Immer noch brennt über uns der Himmel und

die Schären leuchten wie Feuer und Blut.

Ein Tag in Skansen! Das ist eine Reise durch ganz Schweden, das ist ein lebendes Bilderbuch, ein Wandern, ein Träumen. Was ist der Skansen? Es ist nichts anderes als ein Na­tionalpark, eine Art Freiluftmuseum in großem Rahmen, aber wie er ist, das ist das Wundersame, das Märchenhafte an ihm. Hoch über der Stadt auf einer flachen Bergweite liegt er. Wald rauscht über ihn. Quellen springen zwischen Felsen und unten läuten die Glocken von Stockholm. Auf schmalem Weg wandere ich entlang. Eben noch leuchtete der Mälarei^blau und blinkend zu mir herauf und nun ist Wal­desdunkel um mich. Unter ästigen Fohren duckt hochgeschindelt ein Bauernhaus, wie oben in Dalarne. Auf der Bank davor spielt ein alter Bauer. Das Lied feiner Heimat ist im Klang feiner Geige. Und dann ist da wieder ein Ge­höft irgendwo aus Ostergötland. Blonde Mäd­chen mit blauen Augen tanzen lustigen Tanz im Bunt ihrer Mieder und Hauben. Dicht da­neben hebt eine uralte Windmühle ihre Arme über Busch und Baum. So ist eines nach dem anderen. Dort ein Lappenla'ger in" Erde und Fels gewühlt und Heide umwuchert, hier ein vergessenes Dorffirchlein au8 d«n Wänn- land, Grabkreuze sind rundum und ein ganz verfallener Zaun. Tag für Tag ist der Stock­holmer oben in Skansen. Geigen fingen» alte Lieder, Mädels und Buben tanzen die Tänze des Dorfes und vor den Häusern erzählen weißhaarige Weiblein die Märchen des schwedi­schen Landes. Dazwischen trinkt man Kaffee und ißt Waffeln. Eichkatzen und Spatzen holen sich ihren Anteil vom Tifch und stachelige Igel kommen um Milch betteln.

Beinahe wie im Paradiese

ist das. Rur gute Menschen konnten dem Tier diese Vertraulichkeit geben. Wenn eS Abend wird in Skansen, spielt schmucke Marine schmet­ternde Märsche auf weiter Terrasse. Da fitzt man und schaut herab auf die Stadt, durch die un­zählig Strom und Kanäle gehen und deren Lichter in der Flut spiegeln wie das nächtliche Venedig.

Zwischen Mülaren und SaltSjön liegt di» Insel des alten Stockholm. Breit und schwer wuchtet das königliche Schloß dort über Brücke und Strom. Dahinter aber beginnt das Durcheinander der kleinen und kleinsten, der alten und ältesten Gassen und Gäßchen. Eng und schmal laufen sie an hohen vornübergebeug­ten Häusern vorbei und lang verlorene Zeit wird zwischen ihnen wieder wach wie einst. Ernst und schweigsam überragt sie die R i d- darholmkirche, darinnen Schwedens 'Kö­nige schlafen und Schwedens Geschichte raunt und rinnt. Herüber vom Mälarenstrand grüßt das neue Stockholm, das gewaltige Stadthaus, das in jenen Jahren zu ragen begann als die Rot in Deutschland Einkehr