Lohnfneöe im iBauarbeiterftreif
- Das Gesicht Belgrads
ersprießlichen Zielen führen wird.
Bilder vom Balkan.
F. R.
Dis 1927 Vertagt. - Kongretzfinale.
Der
über Deutschland z. Zl. dahinrollt und die Hoffnung wieder erwacht, daß tatsächlich auch die große Preisabbauaktion der Reichsregierung zu
Gauß geht nach London
Das juristische Konferenzprogramm.
(Eigener Drahtbericht. >
Dom Untergang bedroht.
Prag, 28. August. (Prioattelegramm.) Der deutsche Bund der Landwirte fordert in einem Schreiben die Schaffung einer gemeinsamen deutschen Abwehrfront. Das Schreiben führt zur Begründung an, daß das von der tschechischen Regierung vorbereitete neue Wahlgesetz jeder Demokratie wider st reite und erwar- lasse, daß das deutsche Volk im kommoden Wahlkampfe weiteren Abbruch erleiden werde. Dem geeinigten Vernichtungswillen des Ichechischen Gegners müsse die geeinigte Abwehr- ront aller deutschen Parteien gegenüberstehen.
Von Tnea von Puttkamer.
Pariser Lnrns und Eleganz. — Russische Ba- talaikakaveue». — Modernes Pslaster. — Di- vlomatcnsttze am Balkan. — Ei« entzückendes '
Panorama. — Der kranke TLrkenvrinz.
Betrachten wir harmlosere Züge im Belgrader Antlitz. Es hat wahrhaftig einen Stich ins — Mondäne bekommen! Seine Frauen tragen sich mit einer schmucken und koketten Eleganz, die mit der Bukarests vollauf wetteifern kann, feine ersten Hotels — eins wird renoviert, eins ist bei tadelloser Wiener Bedienung wirklich nahezu weltstädtischen Begriffen entsprechend — sind bis ans Dach besetzt. In der Korsostraße hat man zwei Dutzend Schaufenster, die ihre Waren in wirklich geschmackvollster Art auslegen, in einer Zierlichkeit, wie z. B. Budapest sie gelegentlich vermissen läßt. Man steht in Galanteriewaren, Parfüms, Seifen, Puder, Schuhen, Hüten und Modellkleidern Paris völlig den Markt beherrschen und empfindet diesen Hang zum Komfort einer frohsinnigen Siegerstadt noch stärker, da man aus einem besiegten, mit Strenge jedwede Einfuhr von Luxuswaren hintanhaltenden Staat wie Bulgarien kam.
und allgemein in Angriff genommen wird, solange wir nicht ganz unzweideutig beobachten können, daß die Reichsregierung ihren starken Gegnern gegenüber nicht ins Hintertreffen gerät, so lange kann man auch nicht, von einer Gewißheit, sondern höchstens von einer Hoffnung und Erwartung sprechen, daß die von Dr. Luther angekündigte generelle, dauernde und fühlbare Preissenkung tatsächlich Wirklich- keit wird.
Nicht weniger als acht große Arbeitergruppen ringen heute um bessere Existenz- und Lebensbedingungen und die heute Nacht erzielte Einigung im Baugewerbe ist das erste Anzeichen dafür, daß es gelingen wird, die wilden Kampf- und Streikwogen in allen Wirtschafts- lagern noch in letzter Stunde abzudämpfen. Denn bekanntlich stehen auch die Eisenbahner, sowie die Poft- und Telegraphenbeamten und die Bankbeamten in scharfen Lohnkämpfen, in denen noch kein Ende abzusehen ist. In B e r - lin droht sogar ein Streik im Bäckereige- werbe, der ernste Konsequenzen für die Reichshauptstadt nach sich ziehen könnte. Mit
Der Appell an die Verbraucher, diesen Teuerungsfeldzug nachdrücklich zu unterstützen, wird nicht ungehört Verhallen, denn eine maßlose Erregung über die jüngste Preisentwicklung hat von den breitesten Volksschichten Besitz ergriffen und die Proteste, namentlich aus Hausfrauenkreisen, hageln nur so auf die amtlichen Stellen nieder. Leider ist von einem Eingreifen in die Lebensmtttelteuerung gar nicht die Rede, die sich für die Bevölkerung doch am drückendsten fühlbar macht. Ab und wieweit die vorläufigen Maßnahmen eine Verbilligung herbeizuführen imstande sind, werden die nächsten Wochen zeigen. Daß die Regierung die Macht besitzt, durch diese und andere Mittel ihr Programm durchzusetzen, ist nicht zu bezweifeln. Freilich wird man sich nicht verhehlen dürfen, daß man die Gesetze der Wirtschaft nicht vom grünen Tisch aus diktieren kann, de- tren Triebkräfte z. T. in politischen Ursachen verankert sind. Der Kampf gegen Auswüchse des Kartellwesens ist gut und notwendig, aber er erschöpft das Problem nicht. Auch ein Vorgehen gegen den Zwischenhandel ist dringend erforderlich, so weit hier die Preisspanne zwischen Verbraucher und Erzeuger : übermäßig groß ist. Aber wiederum handelt es ' sich nur um eine Teilfrage. Solange nicht das Preissenkungsproblem wirklich grundsätzlich i
Die Spannung gelöst.
Kein Riesenstreik. — Einigung im Baugewerbe (Privat-Telegramm.)
Berlin, 28. August.
Der Reichsverband des deutschen Tiefbau- gcwerbes teilt mit: Die im Reichsarbeitsministerium cingeleiteten Verhandlungen zwecks Erklärung der Verbindlichkeit des am 14. 8. gefällten Schiedsspruches haben nach außerordentlich schwierigen, während er ganzen Nacht durchgeführten Verhandlungen am heutigen Vormittag zu einer Einigung geführt. Die angcMndigtc
Generalaussperrung wird aufgehoben.
Dabei mutz festgestellt werden, datz diese Einigung durch die Arbeitgeberverbände des Belon- baugewerbes mit schweren Opfern erkauft wurde. Richt nur die letzten Arbeiterlöhne in den strittigen Gebieten wurden erhöht, sondern auch die Löhne der Hilfsarbeiter erfuhren teilweise eine Erhöhung bis fünf Pfennig pro Stunde. Lediglich der Reichsverband des Deutschen Tiefbaugewerbes e. V. hat, was die Tiefbauarbeiter anlangt, jede Lohnerhöhung abgelehnt. Für die Tiefbauarbeiter ist deshalb in den strittigen Gebieten eine tarifliche Vereinbarung nicht zustandegekommen.
Evangelium von Marseille
Ein Friedensprogramm der Arbeiter.
(Eigener Drahtbericht >
Sn Var!« überreicht.
Berhandlungspause. — Konferenz im Oktober. (Privat-Telegramm.)
Berlin, 28. August.
Friedenskommission besagt u. a.: Die Arbeiter' wollen den Völkerbund allgemeiner und unmittelbarer gestaltet wissen. Das internationale Arbeitsamt in G e n f müsse mit den übrigen Wirtsckmstsorganisationen des Völkerbundes zu einem internationalen Gesamtwirtschaf t s r a t zusammengefaßt werden, in dem auch die Gewerkschaften und Genossenschaften! vertreten sinv. Alle Konflikte müssen ausnahmslos den obligatorischen Schiedsverfahren unterliegen. Die Arbeiter verlangen, daß jeder Staat, der unter Mißachtung des Schiedsverfahrens zum Kriege schreitet, als der angreifendr Staat angesehen werde. Feindseligkeiten dürfte» nur als Abwehr eines Angriffs oder auf Grund einer Entscheidung des Bölkerbundsrates zugelassen sein. Das Reparationsproblem und die Frage der interalliierten Verschuldung müßte eine Lösung erfahren, die dem internationalen Sozialismus entspricht. Sobald der geplante Sicherheitspakt in seiner endgültigen Form bekannt ist, obliegt de» Beteiligten die Aufgabe, den Pakt einer Prü - f u n g zu unterzieh». Die Internationale fordert alle ihr angeschloffcnen Arbeiter auf, bei! Deutschland und Russland auf deren gleichzeittgen Eintritt in den Völkerbund Yinzuwirken. (S. a. Depeschen 2. Seite.)
Berlin, 28. August.
Wie wir hören, wird sich der deutsche Delegierte Ministerialdirektor Dr Gauß bereits am «onnabend zur Juristenkonferenz nach England begeben. Gauss wird zunächst den alliierte» Paktcntwurf, der bekanntlich bereits von Bri- a n d vor der Zusammenkunft mit Chamber- lain ausgearbeitet worden ist, entgegennchmen und rhn einet gründlichen Prüfung unterziehen. Alsdann dürfte eine kurze Unterbrechung der Aussprache eintreten, da die deutsche Regierung sofort nach Kenntnisnahme des alliierte» Ent-
Ein anderes Charakteristium der hochqeleae- nh?m?nsaUJv demnächst verschwinden und ?^mand Wird ihm nachweinen. Das katzen- kopflge Pflaster! Man wird nämlich die An- Herstellung des Bürgersteiges hercm- und sich selbst bemühen, die unbeschreib- ,ber Fahrdämme zu wandeln. Haufen von Schotter, Kies und Steinen sind schon getürmt, und zwar in etlichen Gassen die ^°"oire in ihrer ganzen Länge und Breite ^^d, wobei für die Hausbewohner nur der schmale Pfad der Tugend zum Ein- und Ausgehen freigelasseft ist. Der deutsche Gesandte mit-dieser Verbarrikadierung sei- nicht sehr einverstanden sein. Er weilt zur Zett nicht m dem schmucken Gebäude, n dem die selige H e y k i n g ihr Buch „Liebe Holzhäuser und Diplomaten" schrieb oder wenigstens vorempfand, sondern in Konstantino- pel Ein prachtvoller Garten, ein mit vieler • Liebe gehegtes Warmhaus verleihen diesem Diplomatensitz» des Balkans mehr Reize, als man annehmen sollte. Ueber ein noch stattliche- Le.§-neues Haus verfügt in der gleichen 0ai,^e Gesandte, während b’er W/relcher - am entgegengesetzten Ende gegenüber dem Park auf dem ehema- Sor" cil T mehr einschachteln,
*^COT ^nse steht mit flatterndem Haar Hn.b gehenden Rockschößen ein barockes Denkmal Qe^, Milchen Dichters und Spracherneuerers LukaObradovic. Daneben spielt unter
SKAach eines Casss, die hier ihre wei- " Machen nach romanischer Manier bis in <,rbarl5m vorgebaut haben, eine Musik- spelle der schmucken rothosigen Garde.
in Megdampark endlich prangt
'n köstlichem Sommergrün. Welch fabelhafte Aussicht von seiner schroffen Höhe auf Save und Donau, auf das eben noch ungarische Semliq
Aus Paris wird gemeldet: Der deutsche Bot- schafter von Hösch ist gestern Abend vom Aussenminister Briand zur Ueberreichung der deut- chen Antwortnote empfangen worden. Die deutsche Note umfaßt knapp eine Seite und ist in sehr entgegenkommendem Ton gehalten. Ver öffentlichung erfolgt am Sonnabend früh gleichzeitig t» Paris und Berlin. — Reue Entschließungen in der Sicherheitsfrage find erst nach der Rückkehr des Kanzlers und aller Retqs- Minister, sowie nach Beendigung der Londoner i“ rtst ifche n Kon feren, möglich, ftur bie künftigen Entschließungen der Reichsregie- rung wird bas Ergebnis der Londoner informatorischen Besprechungen eine hauptsächliche Grundlage bilden. Erst dann wird man in eine Prüfung der Frage eintrete» können, ob die bereits am Montag ausgesprochene Anregung zu einer Zusammenkunft der Außenminister befolgt werden kann. Man spricht jevt in Berlin von emem Mittelding zwischen großer Konferenz und Mrnisterzusammenkunst für Anfang Oktober.
Paritz, 28. August. (Eigene Drahtmeldung ) Der internationale Sozialistenkongreß beschloß, die Beratung der Kolonralfrage bis zum Ko >> - greß von 1927 zu vertagen. Man beschäftigte sich sodann mit der Ostfrage, wobei der belgische Delegierte de Brouchers erklärte, er hatte eine schärfere Stellungnahme gewünscht. Schließ, lich wurde die Resolution durch Handaufheben angenommen. Der englische Delegierte Henderson schloß um 1,30 Uhr die Sitzung.
Die Bankpaläste Belgrads wirken gerade- ru Wolkenkratzerhast, da neben ihnen ' einstöckige Häuschen nach wie vor wie geduckt ! stehen. Ein wenig mehr Leben als zur Zeit der schlimmsten. Geschäftsstagnatton im Vorwinter herrscht vor und hinter ihren Schaltern. Immerhin ist der Zinsstiß noch zu hoch, und die schon so ost geweissagten Anleihen und Kredite 1 "us dem Auslande bleiben im Reiche Utopien Peden. Trotz des Wohnungsmangels stockt die Bautätigkeit, da schon für die wenigen Neubauten sich kerne Familien finden, welche die hohe Miete bezahlen können. Ein neues Woh- nungsgesetz hat weder Mieter noch Hausbesitzer zufrieden gestellt. Ganz wie in Deutschland hagelt es von beiden Seiten Prozesse. Nur daß die Meetings der Empörten in Belgrad kurzerhand verboten werden! Trotz Krise und Wohnungsnot, vielleicht gerade deswegen, sind Re- staurants und Tanzlokale gefüllt. Russische S,“1“10 llaordjcfter finden wir mehrfach vertreten; das beste von ihnen kam gerade aus surud, wo es jedoch keinen besonderen Anklang gefunden hat. An der Riviera braucht man neue Sensationen, und die Franzosen sind ihren einstigen Verbündeten weniger treu als
Serben die den russischen Emigranten tn »eitern Maße entgegengekommen sind. Dem Belgrader Straßenbilde geben diese BlusenmSn- ”er . dem engangezogenen Schmachtriemen um den leeren Magen und den gepflegten Voll- barten der alteren Jahrgänge weithin kennüich — eine ganz besondere Note.
Mit Stumpf und Stiel.
Ausrottungskrieg gegen das Deutschtum.
Prag, 28. August.
Einem Sonderberichterstatter zufolge häufe» sich die tschechoslowakischen Gewaltakte gegen das deutsche Schulwesen von Tag zu Tag. So wurde in den Gebieten von Olmütz, Tetscheu und Gablenz-Tannwald neue Schließungen deutscher Schulen von den tschechoslowakischen Behörden verfügt. Die Prager Abendzeitung stellt fest, daß seit Gründung des tschechoslowakischen Staates ein volles Drittel des deutschen Schulwesens vernichtet worden ist. Im Bezirk Tetscheu wurden jetzt 37 deutsche Schulklassen ausgelassen, wodurch die Gesamt- zahl der jetzt aufgelösten Schulklassen zehn, also 32 Prozent des früheren Standes erreicht hat. In Gablenzer Schulbezirk wurden 30 deutsche Klaffen ausgelassen, sodaß jetzt Verhältnisse herrschen, wie vor fünfzig Jahren. Auch in diese Bezirke erreicht die Gesamtzahl der bisher aufgelösten deutschen Schulklassen hundert. I» Gablenz einer deutschen Stadt mit dreitzigtau- send Einwohnern, gibt cs nur noch zwei drei- klasfige deutsche Volksschulen.
Rewyork, 28. August.
Reisende, die aus Bolivien in Argentinien etngetroffen sind, berichten, daß in La Plata eine revolutionäre Bewegung ausgebrochen sei Sie richte sich gegen die Präsidentschaft Villanue- vas. Ihre Trager seien Persönlichkeiten, Die mit der politischen Richtung des neuen Kabinetts schon längere Zeit unzufrieden feien.
Auch In Hamburg Lohnfriede.
Hamburg, 28. August. (Privattelegramm.) In der gestern abgehaltenen Mitgliederver- ammlung der Hafenarbeiter ist dem am 26. 8. vor dem ©djlichtu.igsaus-schuß zustandegekom- menen neuen Lohnabkommen zugestimmt worden. Das neue Abkonnnen, das den Schichtlohn von 6,70 Mark auf 7,20 Mark erhöht, hat bis zum 31. Dezember Gültigkeit.
der Annahme des Schlichtungsspruchs durch die Bauarbeiter (auch in Hamburg haben sich die Hafenarbeiter gefügt) ist je-! doch vielleicht die Streiklawine gebrochen, die!
Teuerung und Löhne.
Die Regierung greift ein. — Man lenkt ein.
Die Reichsregierung hat nunmehr mit ihrem Preisabbauversprechen Ernst gemacht und mit den heute veröffentlichten Beschlüssen die Initiative ergriffen, bevor neue Preissteigerungen Volk und Wirtschaft in schwere Krisen stürzen könnten. Man hat es vor allem auf die lieber« spitzung der Preise durch die großen Kartelle und Verbände abgesehen, die durch selbständige Abmachungen der Gesamtheit der ihnen angehörigen industriellen und wirtschaftlichen Unternehmungen vorschreiben, welche Preise sie für ihre Erzeugnisse zu nehmen haben. Gegen sie will das Reich künftig mit allen Machtmitteln und zwar nicht nur mit den Kartellgesetzen, sondern auch mit Klagen vor den Kartellgerichten einschreiten. Falls das nicht hilft, sollen die Preisverordnungen mit Hilfe der Parlamente verschärft und damit der Ring gesprengt werden, hinter dem sich die Teuerung verschanzt. Weiter wird der freie Wettbewerb wieder dadurch mächtig beflügelt, daß Länder und Gemeinden ihre Arbeiten nur noch durch öffentliche Ausschreibungen verdingen sollen. Ziel der Regierung ist weiter eine Senkung der Geldsätze, wozu die öffentlichen Gelder das Beispiel geben toe'rben. Anzuführen wäre schließlich dann noch die Ankündigung eines Gesetzentwurfes, der die Möglichkeit beseitigt, durch die Beantragung der 1 Geschäftsaufsicht den Konkurs zu ver- 1 meiden.
Marseille, 28. August.
Der internationale Sozialistenkongreß de- tnei Jahre stattfiuden ii«m xrnnmionavme oes alliierte» Ent-
&6^uhonu§ft^fi ,a™ Wurfes eine Gegenantwort ausarbeiten
M .1W" ruiammenberuftn werden, wenn die poli- wird. Im Anschluß daran wird dann in e ne gebrochen, diel tische Lage cs erheischt. Die Entschließung der Emzelheratung der Entwürfe eingetrcten werden
Revolution in der Republik?
Gegen den Präsidenten von Bolwien.
(Durch Funkspruch.)
201. Einzelnummer 10 Pf. Sonntags 15 Pf
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