Einzelbild herunterladen
 

Meler Neueste Nchrichteu

Kasseler Abendzeitung

Die Raffelet Renetten RachrUdte» -ttLe inen wöcheretti» itiMntai sadimtuaal. Der LbonneweviSprejk beträgt ffir Ben Mona» 5. Mk- de- tretet Zunelluu« in» Hau», in Bet GesaSfisftelle abaedolt 1-80 Mr. Dur» die Pott monatlich 2.00 SRI. ausichlietzttch Sufteflnnfl8ael:iifcr. gering und Redaktion: SLlachtbofstratze 28/30. fternlvrecker 051 unh 052. Kür unverlangt eingtfenite Beitrage kann hie Sie« daktton eine Beraniwormna oder «ernähr in keinem Kalle übernehmen. Siück- lahluna deS Be^igSaeltes oder Anfpröche wegen etwaiger nicht ordnnngsmätziaer vtefeiÄna ausseichlollen. Postscheckkonto Kranrinrt a. Main Nummer SKO

«äs»»«» 4jfta. Reklamen die Aeile 75 Psg. Onertgebühr 10 Pia. ibeiZufeudg. der Offeriere SOtHgJ StechnuaaßbettSge ftnd innerhalb 6 Tg. ia bezahlen. Maßaebend tft der Kurs de« ZablunoStageS. Kür die Richtigkeit aller durchSernwre-her aufgeaebereereAn- zeigere, sowie für Aufreabmedateu und Plätze ton» nicht garantiert werden. Für Anzeigen mit deioud. schwierige» Latz 100 Proz-AufMag. Druckerei : Schlachthof« ftrrte 28,'30. Geschäftsstelle- Köln Str. 5, gegenüb. der Svobritr. Setntot.951 u. 052

Hessische Abendzeitung

Freitag, 14. August 1925

Nummer 188. Einzelnummer 10 Pf. Sonntag» 15 Pf.

Einzelnummer 10 Pf. Sonntags 15 Pf. 15. IahrgaUg

Die Mottnote Westens Montag in Berlin.

» MflMlM in MW«M

Dem DSlkerbmrd werden grSßere Machtbefugnisse eingerSumt.

Gemeinsame englisch-französische Front. I Die Antwort istversöhnlich" gestimmt. / Selbstver­teidigung beiflagrantem Angriff." / Wann tritt der Völkerbund auf den Plan? / Französtsche Zugeständnisse. / Wie man uns in den Völkerbund hineinkomplimentiert.

stattet ist, ohne daß der Völkerbund in Er­scheinung zu treten hat, sind die folgenden: L Ein Einfalt in Frankreich; 2. eine Maffenan- fammlung deutscher Truppen in der entmilitari- fierten Rheinlandzone; 3. eine Gruppierung deutscher Truppen in unmittelbarer Nähe der Rheinlandzone, die auf einen Einsoll schließen läßt; 4 der Bau von Festungen und anderer Atbetten, die militärischen Charakter tragen.

Londoner Bilanz.

Hat der französtsche Standpunkt gesiegt?

Die Fülle der Einzelheiten, di« gelegenttich der Erörterung der verschiedenen Garantievor- schläge sich in den Vordergrund schieben, sowie die Richtung, die diese Erörterungen nehmen, sind geeignet, die wesentlichen Grundgedanken des deutschen Paktangebotes immer mehr zu verschleiern. Man gewinnt allmählich wieder den Eindruck, als ob in der alten Hexen­küche, in welcher seit Jahren französisch-englische Kompromisse gebraut werden, wieder ein Trank zusammendestiliert wird, den wir schlucken müs­sen. Daß uns der Trank dann vielleicht mit höflicher Verbeugung und in einem besonders schönen Pokal gereicht wird kann uns über die Bitterkeit des Gebräus nicht hinweghelfen. Zu­nächst einmal mutz immer wieder betont wer­den, daß die freundlichen Zusicherungen der eng- lischeu Presse, man wolle Deutschland kein Diktat aufnöttgen, eine völlige Selbstverständ­lichkeit aussprechen, da ja die Mr Erörterung stehende Angelegenheit von Deutschland selbst angeregt ist. Wenn man uns Dinge .diktieren" will, die etwa gar eine Verschlechte­rung unserer Lage bedeuten oder auch nur alles beim alten lassen, so haben wir durchaus das Recht, mit höflichem Bedauern unsere Anregun- gen wieder fallen zu lassen.

Welchen Sinn hot nun das deutsche Angebot? Die deutsche Regierung hat die ehrliche Abstatt, die vielerlei Spannungen, die auch nach dem Eingeständnis unserer Gegner die politischen Beziehunegn der Völker in zunehmendsm Maße vergiften müssen, dadurch zu lösen, daß sie die Ursachen dieser Spannungen beseitigt ober doch mildert. Unter völliger Gleichberechtigung und Gegenseitigkeit natürlich soll ein Abkommen über die Anerkennung der gegenwärtigen deutschen Westgrenzen geschlossen werden. Dies« freiwil­lige Anerkennung Deutschlands bedeutet ein außerordentlich großes moralisches Opfer ange­sichts der bestehenden Rechtsgrundlagen und an­gesichts der Mißhandlungen und Leiden, denen das deutsche Volk seit Jahren ausgesetzt ist. Frankreich geht nun darauf aus, die Garantie so zu gestalten, daß sie einseitig gegen Deutsch­land gerichtet ist. Es hat ganz zieLewutzt wie­der wie immer England gegenüber, das ja be­kanntlich nicht ganz unschuldig an den deutschen Vorschlägen ist. beträchtlich Boden gewon- n e n. ES ist außerordentlich bezeichnend, daß Frankreich den fertigen Antwortentwurf mtt- bringt und daß England durch Chamberlain nur seine Aenderungen hineinbringt. Rein redak­tioneller Natur, Wie versichert wird, dürften diese Aenderungen allerdings nicht fein. Deut­lich aber läßt sich feststellen, daß Briand, wenn auch unter Kämpfen, seine grundsätzlichen For- derungen erfolgreich vertritt. Man legt gewisse Bedingungen wie die Voraussetzungen zu Deutschlands Eintritt in den Völker­bund und die Formen etwaiger Sanktionen fest und läßt nur einige Fragen offen, von denen man annimmt, daß Deutschland sowieso sie nur zur Beruhigung der eigenen Bevölke­rung berührt habe, ». B. die BesatzungSmaß- nckhmen.

Ueberraf<6enb in dem Ergebnis bet Londoner Verhandlungen ist die Wendung, daß im Falle eines .flagranten Angriffes", d. h. eines UeberfalleS, daS angegriffen« Land sich ohne Völkerbund wehren kann, daß aber ein zweites Land (Englands erst mit Zustim­mung deS Völkerbundes eingreifen darf. Wenn diese Version »«trifft, ist immerhin ein Fort- schritt erzielt, der auf Konto Chamberlain zu buchen ist, denn bisher legte Frankreich entschei- bereden Wert darauf, dtttz die englisch« Garantie in gewissen wichttgen Fällen sofort und auro- mattsch in Kraft tritt, daß cklfo der alte Gedanke deS Garantiebündniffes, wie er einst infolge der Richtrattstzierung deS FriedenSverttageS durch di« Vereinigten Staaten fallen gelassen worden \ ist, doch noch verwirklicht wird. Das schieds- ' richterliche Eingreifen des Völkerbundes sollte s'tmr in minderwichtigen Angelegenheiten in Frage kommen. Im französischen Pakt­entwuri sollten natürlich möglichst viele Fälle einer automatischen Eingreifens Englands im Sinne der Garantie sestgÄegt werden. Rach den biS auf den Tag vorliegenden Meldungen

London, 13. August. (Durch Funkspruch.s Die Besprechungen zwischen Briand und Chamber­lain find gestern Nachmittag gegen 3 Uhr zu Ende geführt worden. Sie haben nach einem offiziellen Kommunique mit einer vollstän­digen Einigung über die Antwort auf die letzte deutsche Slcherheitsnote geendet. Die Unter­handlungen hatten außerdem einen Meinungs­austausch über den Sicherheitsverirag ermöglicht, dieser könne aber seine endgültige Form erst gewinnen, wenn alle Interessierten einmal Gelegenheit haben werden, sich darüber zu äußern. Caillaux erklärt!: Preffeoertre- tern, daß die Rote an Deutschland in einem ver­söhnlichen Tone gehalten fein werde. Es werde Deutschland überlassen, die Initiative zu ergreifen, um eine

Konferenz der interessietten Staaten für die Ausarbeitung eines Sicherheitsvertrages anzuregen. Im Sicherheitsverirag find auto- ma tische Sanktionen mcht mehr enthal­ten. Alle Konflikte müssen dem Schiedsspruch deS Völkerbundes unterbreitet werden. Immerhin ist der Begriffflagranter Angriff" aus- gestellt worden. Danach hat der Angegriffene bas Recht, alle Maßnahmen zu .ergreifen, sie sich aus einem plöülichen Angriff seines Gebrews er­geben, ohne darüber die Meinung des Völker­bundes zu hören. Eine andere Macht darf nicht eher eingreifen, als bis der Bölkerdund den Fall genau geprüft hat. Es würde sich also nur um eine Verteidigungsmatzuahme Han- bellt. Auch mit Bezug aus die

Zulassung Deutschlands zum Völkerbund scheint ein Kompromiß zustande gekommen zu (ein. Deutschland soll provisorisch schon im September in bcn Völkerbund ausgenommen werden, sofern es ein dahingehendes Gesuch stellen wird. Die Zulassung wird endgülttg, so­bald die Kontrollkommission und im Anschluß daran die Botschasterkonfere^ erklärt hat, baß Deutschland die

Entwafsnungsverpflichtuagen erfüllt

Hot. In diesem Augenblick wird Deutschland automatisch Mitglied des Völkerbundes werden, ohne daß die BölkerbundSversammlung von neuem einberufen werden müßte. Wenn in der Zwischenzeit der provisorische und endgültige Vertrag für die Sicherheitsfrage ausgearbeitet wäre, so würde dieser an dem Tage der endgül» tiger: Mitgliedschaft automatisch in Kraft treten.

War ist k'nflagranter Angriff«?

London, 13. August. (Eigener Drahtbericht.) Die von Briand und Chamberlain feftgelegten Fälle, in denen ein Eingreifen Frankreichs ge-

flber die Londoner Konferenz, ist noch nicht sicher, wie weit man in Bettacht gezogen hat, baß Deutschland doch nur insofern ein Interesse an der Unterzeichnung eines Pattottommens bat, wenn sich tatsächliche Vorteile im Sinne der deutschen Grundodsichten einer wirklichen Ent­spannung der Lage daraus ergeben.

Der Kampf um Sueida.

Sarrall gibt die französischen Verluste zu (Eigener Drahtbericht.)

Pari», 13. August.

General Sarrail berichtet aus Syrien: Die Franzosen haben, um ihre Anhänger zu schützen, eine Abteilung von sieben Offizlereu und 160 Mann zur Verstärkung ber Garnison von Sueida abgesandt. Diese Abteilung ist durch sehr überlegene feindliche Streitttäste umgangen worden und hat im Kampf mit diesen ungefähr 100 Mann verloren. Darauf ist eine zweite Ab­teilung unter dem Befehl des Generals Michand in Stärke von 3000 Maren, darunter 63 Offiziere und 840 Mann französischer Truppen abgesandt worden, um die Erregung zu beschwichtigen. Diese Abteilung hat bei einem vorpostereaefecht einen Offizier verloren und sich nach Verlust ihres Lebensmittelbegleitzuges zurückgezogen. Nach dem Kampf hat man 385 verwundete, darunter 23 Offiziere gezählt. Die Zahl ber Toten ist schwer anzugeben, da lediglich 15 iden­tifiziert werden konnten. Don den 432 vermiß-

Zn Erwartung der Antwort.

Luther und Stresemann bleiben in Berlin.

(Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 13. August.

Im Auswärtigen Amt ist auS der Pariser Botschaft die Meldung eingelaufen, die Antwort Briands werde in vier bis fünf Tagen, frNhe- stens am Montag in Berlin übergeben werden. Infolgedessen werden Reichskanzler und der Außenminister, die Anfang nächster Woche in Urlaub zu gehen beabsichtigten, vorläufig noch in Berlin bleiben. Es ist in Aussicht genom­men, den Auswärtigen Ausschuß zum 18. und 2?- Bugu' einzuberufen.

* *

Belgien schickt eine eigene Rote.

Brüssel, IA. August. (Drahwericht.) Die belgische Antwort an Deutschland geht gesondert ab. In ihrem wesentlichen Inhalt deckt sie sich mit dem Inhalt der französischen Rot«.

Die Kabinette ohne Ferien.

Beratungen über den Sicherheitspakt.

(Eigener Drahtbericht.)

Rotterdam, 13. August.

. Der gesamte Paktentwurf Briands mit Aus­nahme der Ostgrenzenstage ist nach einer Mel- düng berTimes" gebilligt worden. Das eng- Iiftf>e Kabinett ist bereits gestern wieder zusam- mengetretcn und hat dem Vertragsentwurf zu- geftinunt. Dee französische Ministerrat werd heute Abend unter dem Vorsitz PainlevsS zu- fammentreten, um den Bericht BriandS über feine Besprechungen mit Chamberlain zu hören.

*

Künftige Vorzeichen.

London, 13. August. (Drahtbericht.) Cham­berlain hatte in einer Zwischenpause ber Dienstag-Besprechungen eine Konferenz mtt dem deutschen Botschaftsrat. Diese Tatsache wird als . Beweis dafür angesehen, daß die Ver­handlungen in London in Uebereinsiimmung mit Deutschland erfolgen werden.

ten dürfte der größte Teil (Shrier und Made- gassen) gegenwärtig von den Drusen gefangen oder geflüchtet fein. Die Garnison von Sueida ist zur Zeit umzingelt, aber genügend mit Le­bensrnitteln, Munition und Wasser versehen und wird überdies alle Tage noch durch Flugzeuge verproviantiert. Sie leisten den Angriffen der Drusen Widerstand und hatten lediKich einige Verwundete zu verzeichneu Die Zwischenfälle haben sich in einem Augenblick ereignet, als die Lage so wenig ernst erschien, daß General Sar- rau anbot, einen Teil feiner algerischen Schützen zur marokkanischen Front zu entsenden.

* * *

Sronzüsisch-syanische Slnhettsfroni.

Paris, 13. August. (Drahtbericht.) Aus Casa- Manta wirb gemeldet, daß die Stämme in der Umgebung von LukoS infolge der Vereinigung der Franzosen mit den spanischen Truppen ziemlich kampfeSunlustig seien und Sbd el Krim mitgeteilt haben, daß sie sich nicht am Kampfe beteiligen werden. Die Franzosen haben Sarsa, einen Sammelpunkt ber Rifkabylen heftig durch Flugzeuge bombardieren lassen.

*

Die Rist nippen vor Taza.

Senf, 13. August. (Drahtbericht.) Die Rif- kabylen haben die Straße FezTaza mtt Ma­schinengewehren beschossen. Fez und Taza wird von den Franzosen unter allen Umständen ge­halten. Sie sind jetzt als gerettet anznsehen.

Der Herr ber Welt.

Deutschland und das europäische Problem.

DaS krank« Europa. / Rezepte rot Gesund»»«. Europa den EnropSern. I Dir RüfirerroUe in der Welt. I Die van-eurovöisch« B-we«»»«. Deutsch« Zukuustspolitik. I Der We« int Gesundung.

Buchläden und Zeitungen sind voll von Büch­lein über bas alte Weiblein Europa. »Das kranke Europa",Das friedlose Europa*, .Der Untergang des Abendlandes- usw. usw. Es fehlt auch nicht an Rezepten für die leidende Dame, eines heißt .Vereinigte Staaten von Europa", das andere .Pan-Europa". Nur merkwürig, daß eigentlich niemand uns zu sagen weiß, wie denn

einstmals ein gesundes Europa ausgesehen habe. Der Arzt, der einen kranken Menschen behandelt, hat ein genaues Bild von den körper­lichen Funktionen des gesunden Menschen; aber kein Politiker, der das kranke Europa behandeln will, versucht sich Rechenschaft darüber zu geben, wie es um ein gesundes Europa eigentlich je­mals bestellt gewesen sein mag. Es wird einfach von fremden Erdteilen ein dort landläufiges Schlagwort übernommen und auf Europa über­tragen. Seit einem Jahrhundert hört man den Satz: .Amerika den Amerikanern", neuerdings die Forderung: »Asien den Asiaten", »Afrika den Aftikanern". Run meint man die europäischen Uebel zu beseitigen, wenn m.n das Programm ausstellt: »Europa den Europäern". Vor einet:» halben Jahrtausend las man es an­ders. Damals begann das Zeitalter, über dem geschrieben stand: »Den Europäern die Welt!" Eigene Fehler, eigene Kurzsichtigkei­ten und Dummheiten Europas wären es, die thm die Weltherrschast entrissen haben. Bis zur Stunde zwar ist der weiße Mann europäischer Abkunft noch der H e r r ber Welt. Dein ei­genes Verschulden aber ist es, wenn der Gelbe, der Braune, der Schwarze ihm immer größere Teile dieser Weltherrschaft stritt g zu machen suchen. Unter den heutigen Lebensbedingungen der Menschheit hat Europa bcn Beruf, ihrHirn zu bilben. Kein anderes Landgebiet der Erde ist nach Körper (erdräumlicher Gliederung) und Seele (klimatischer Vielseitigkeit und doch gleich­zeitig relativer Ausgeglichenheit) so für die Führerrolle bestimmt, wie Europa, insbe­sondere seine germanischen und romanischen Teile. Was heute an weltpolitischem und welt­wirtschaftlichem Wettbewerb in Amerika ent­standen ist, hat rein europäischen Ursprung, und was an Wettbewerb in Ost-Asien entstanden ist, arbeitet mit europäischen Mitteln. In dem na« lürlichen Vorzug der feinnervigen Gliederung Europas aber liegt zugleich die

Wurzel europäischer Schwäche,

das Uebermatz nationaler und nationalistischer Individualität. Wie Eubropa jenen Vorteil nicht verlieren kann, so mag es diesen Nachteil nicht abzuschwören. Darin liegt die große Schwäche aller auf ein geschloffenes Pan-Europa (All-Europa) hinzielenden Vorschläge, wie sie neuerdings insbesondere von dem österreichi­schen Grasen Eoudenhove-Kalergi, aber auch in einer ganzen Reihe von Schriften reichsdeutscher Verfasser vertreten werden. Der unfern Lesern bekannte Staatssekretär Frhr. von Rhein- haben meint, die .Pan-Europa-Bewegung" komme .ausgerechnet zu einem Zeitpunkte, wo weltpolitisch gesehen alles darauf ankommt, daß wir nicht mut- und kraftlos unter die endgülttge Vorherrschaft des in Waffen starrenden Frank­reichs Beraten, wenigstens einen Rest von selb­ständiger Attionsfteiheit uns bewahren und vor allem die Franzosen aus Deutschland herausbe« kommen. Der praktische Politiker kann deshalb meiner Ansicht nach auch bei ber besten und günstigsten Auslegung mit der Pan-Europa- Propaganda des Grafen Eoudenhove recht we­nig anfangen und ich selbst gehe sogar so weit, zu behaupten, daß in ihren programmatischen Schlagworten schon heute gewisse

Gefahren und Hemmungen bezüglich ber nottvendigen deutschen natio­nalen Zukunftspolittk liegen. Das Deutschtum hat den Platz in der Mitte Europas, es hat di« stärksten geistigen und wirtschaftlichen Fähig­keiten in Kontinental-Europa entwickelt, und e» hat abseits des mehr nach Asien tendierenden Russen die stärkste Volkszahl unter den euro­päischen Nationen. Aber es mangeln ihm offen­sichtlich die politischen Fähigfeiten zu fester Ge­schlossenheit und zu dauernder Führerschaft. ES würde sich nut zu leicht in einem Pan-Euro­pa zur

Rolle d«S pazifistischen Dulders gegenüber stark national egoistischem Treiben der anderen Partner herabdrücken lassen. Richt über die Unterordnung deutschen Nationalgefühls