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Kasseler Neueste Nachrichten

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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitnng

Anzeigenpreise; Einheimische ÄeschästSansetgen Zeile 20 Vfg. auswärtige GeschattS- ameigen Zeile 20 Pfg.. AomUlenanjeteen Zeile SO vfg Kleine Snzetgen SaS Äor I 4 Pfg. Reklamen die Zeile 75 Ptg. Oftertgebübr 10Pfg. ibei Zukendg. derOU^ten 30 Pig.i Rechnunasbeträge sind innerhalb 5 Dg. ,u bezahlen. Maksebend ist der Kurs des Zablungstages. Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenen An­zeigen. sowie für Auinahmedaten und Plätze kann nicht garantiert werden. Für Anzeigen mit beton», schwierigem Satz 100 Pro,. Aufschlag. Druckerei: Schlachthos- stratze 2W8O. Geschäftsstelle Köln.Str. 5. aegenfib. der Svobrstr. Fernfvr.951 u. 952

Nummer 181» Einzelnummer 10 Ps, Sonntags 15 Ps.

Donnerstag, 6* Airaust 1925

Einzelnummer 10 Ps^ Sonntags 15 Ps. 15. JahkgäNg

Deutsche Gegenmatznahmen im Opkankenkcieg.

Luther am Steuer.

Erweiterung des Kabinetts. Bor den Ferien.

Bei den Reichstagsabaeordneetn herrscht Otpimismus. Sie rechnen damit, daß sie nun doch am lominenden Montag in die wohlver­dienten Ferien gehen können, ohne daß eine SonntagSsitzung abgehalten wird. Da der kom­mende Dienstag als Verfassungstag sitzungsfrei ist, war ursprünglich angeregt wor­den, auch an dem dazwischenliegenden Monrag keine Sitzung abzuhalten. Man hat aber diese Absicht wieder aufgegeben, da man glaubt, das Arbeitspensum am Montag erledigen zu kön­nen. Diese Aussicht ist vor allem darin begrün­det, daß verlautet, die Sozialdemokralie wolle von einer besonderen Opposition gegen die Zollvorlage Abstand nehmen. Wenigstens sind die führenden Köpfe der Sozialdemokratie dieser Ansicht, doch verlautet, daß sie große Schwierigkeiten Haven, um sich in der Fraition durchzusetzen.

Viel besprochen wird die bevorstehende Er­nennung des Zentrumsabgeordneten von G u e r a r d zum Minister für das besetzte Gebiet. Dies« Ernennung hat im Zentrum keine ungeteilte Aufnahme gefunden; vor allem steht ihr der linke Zentrumsslügel sehr skeptisch gegenüber, und man konnte gestern in den Wan­delgängen des Reichstags hören, daß Herr von Guerard vielleicht nach mancher Attacke ausge­setzt sein könnte. Die Zentrumsfraktion als solche hat sich mit dieser Ernennung noch nicht beschäftigt, doch scheint man sich innerhalb die­ser Fraktion darüber klar geworden zu sein, daß Herr von Guerard nach der Vertagung des Reichstags zum Minister ernannt wird. Damit wäre der Zentrumsfraktion selbst die Möglich­keit jeder Mitwirkung entzogen. Wenn heme in der Linkspresse angedeutet wird, die Ernennung des genannten Reichstagsabgeordneten zum Ministerstehe im Zusammenhang mit der Erle­digung der Zollvorlaye, so ist eine solche Deu­tung vollkommen abwegig. Die Besetzung des Ministeriums mit einem eigenen Minister Ist eine längst beschlossene Sache. Ebenso ist be­kannt, daß das Zentrum aus staatspolitischen und konfessionellen Gründen das Ministerium für sich beansprucht. Wenn der Reichskanzler den Zeitpunkt für gekommen erachtet, die Be­setzung vorzunehmen, so handelt er in vollkom­mener Uebereinstimmung mit den dadurch gege­benen Richtlinien. Daß er dabei auf eine Stär­kung der Stellung des Kabinetts bedacht ifc ist selbstverständlich.

Wenn der Reichstag in der kommenden Woche in Ferien geht, hat der Reichskanzler Luther sieben Monate seiner Tättgkeit ars erster Beamter des Reiches hinter sich, sieben Monate auSgefültt mit politischen Ereignissen von weittragendster Bedeutung. Luther kam nach Marx, der Dr. Sttesemann in der Kanzlerschasr abgelöst hatte. Man sagt, daß er die Politik des Kabinetts Marx fortgesetzt habe. Da wir vor dem Ende der ReichstagSverhandlungm stehen, wir dann erkennen, daß diese Behaup­tung nur zu einem Teile richtig ist.

Zunächst die Außenpolitik! Gewiß hat das Kabinett Luther die außenpolitische Linie im großen und ganzen einbehalten, welche auch von dem Kabinett Marx vertteten wurde. Aber die Außenpolitik ich bei aller Gradttnig- kett doch eine andere geworden. Bor allem ist mehr Bestimmtheit in die Außenpolittk gekom­men. Die Außenpolittk wird noch lange unter dem Leitstern der Befreiung deutschen Landes stehen, da nach dem Versailler Diktat weite Gebiete noch fünf bezw. zehn Jahre die Last der Besatzung zu ttagen haben und da für das Saaraebiet ein Abfiimmunastermin noch nicht Kesetzt ist. Sv lange dieser Zustand der Ge- t obwaltet, wird eS daS Bestreben eines jeden Kabinetts sein müssen, das verkleinerte Deutschland wenigstens staatsrechtlich und orga- nisatorisch zusammen zu fassen, es zu befreien von den Ketten der Besatzungsarmee und von den Fesseln einer fremden Verwaltung.

Am Schluß dieser Arbeitsperiode kann man sagen, daß die Politik des Kcchinetts Luther tn- nerpolittsch zu einer Stärkung der P ar- teiverhältnisse insofern geführt hat, als der Zwang der Verhältnisse die Regierungspar­teien einander näher führte. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß diese Konsoli­dierung noch Fortschritte machen wird, eine Ent- tticklung, welche gerade mit Rücksicht auf die Außenpolitik zu begrüßen ist. Von ausschlag­gebender Bedeutung wird es für diese Frage sein, wie sich das Zentrum verhalten wird. Der Wirthflügel im Zentrum ist in der letzten Zeit zurückhaltend geworden. Man scheint hier zu der Erkenntnis gekommen zu sein, daß eine Sprengungspolittk im Augenblick keinen Zweck hat; vielleicht glaubt man auch, daß zu einer späteren Zeit die Stunde für die schwarz-rot- goldene Polittk kommen werde. Sei dem wie ihm wolle, die Aufnahme eines rechtsstehenden Zentrumspolitikers in das Kabinett zeigt, daß der Ehef des Kabinetts, der Ansicht ist, daß die

Eine Crklarung der Reichsregierung.

Die notwendige Folge der polnische« Hetzpropaganda.

Keine zwangsweise Abschiebung polnischer Optanten. Gewall gegen Gewalt.

Zustellung der Ausweisungen. Die ersten Polentransporte. Bayern greift ein. Hilfe für die deutschen Flüchtlinge.

Berlin, 5- August. (Eigener Drahtbericht.) Um verschiedene Unklarheiten über die Optan- tenfrage zu beseitigen, wird von zuständiger Stelle folgendes festgestellt: Die Reichsregierung hat, sobald bekannt geworden ist, daß Polen in Ausübung des ihm zugestandenen Rechtes die AufforderungzurAbwanderungden deutschen Optanten in Polen zugestellt hatte, die entsprechenden Maßnahmen den polnische» Op­tanten gegenüber im Reich durckigesührt. Die Reichsregierung hat ferner, sobald die Anord­nung der BeschlagnalMe der Wohnungen «er deutschen Optanten in Polen bekannt wuroe. wiederum die gleichen Maßnahmen gegenüber den polnischen Optanten in Deutschland in Die Wege geleitet. Sobald Polen die nach deut 1. August innerhalb seiner Grenze verbliebenen deutschen Optanten zwangsweise abschieden sollte, worüber sichere Nachrichten noch nicht vorliegen, wird die Reichsregierung hinsichtlich der polnischen Optanten in Deutschland das gleiche veranlassen. Dabei ist zu beachten, daß der größte Teil der deutschen Optanten infolge des drohenden Zwanges Polen schon vor dem 1. August verlassen und daß umgekehrt ein sehr großer Teil Polen Deutschlands bis zu diesem Termin das Reichsgebiet freiwillig geräumt hat. Im übrigen hat das Auswärtige Amt in der ganzen Behandlung der Optantenfrage weder der polnischen Regierung noch der Weltöffent­lichkeit gegenüber einen Zweifel darüber gelas­sen, daß Deutschland seinerseits die Ausweisung der Optanten als eine kulturfeindliche Maß­nahme betrachte, die unter allen Umständen ver­mieden werden sollte, daß die Reichsregierung aber gezwungen sein würde, aus die Maßnah­men der polnischen Regierung Zug um Zug mit den gleichen Anordnungen zu erwidern.

Abschub der Volen.

Die ersten Polentransporte aus Deutschland. lEigener Informationsdienst.)

Berlin, 5. August.

Bis gestern abend haben etwa 900 polnische Familien, die zusammen etwa dreitausend Köpfe zählen, ihre Ausweisungen erhalten. Heber Berlin find gestern Polentransporte von zusammen 1100 Mann aus dem Westen des Rei­ches an die polnische Grenze abgegangen. Der Reichsregierung liegen Mitteilungen, wonach Polen am L September weitere 10 000 Deutsche ausweisen wird, bis jetzt nicht vor.

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Bayern gegen die Einbürgerung von Polen.

München, 5. August. (Eigener Drahtbericht.) Im Zusammenhang mit dem völkischen Antrag im bayrischen Landtag, der die A u s w e i s u n g sämtlicher Polen aus Bayern fordert, wurde im Münchener Stadttal ein nattonalisti- scher Antrag angenommen, durch den bis auf weiteres Einbürgerungen von Polen in Mün­chen nicht mehr vorgenommen werden. Aus

innerpolittschen Verhältnisse so weit geklart uno gefestigt sind, daß er diesen Schritt wagen kann, der besonders bedeutsam ist, mit Rücksicht aus die jetzt bevorstehende parlamentsloie Zeit, welche das Kabinett vor schwerwiegende Ent­scheidungen stellen wird. Mit dieser Bindung des Zentrums an das Kabinett durch einen wrt- reren Vertrauensmann erreicht Luther oyne Zweifel eine Festigung des Kabinetts, da die Partei kaum ihren Minister später wird des­avouieren können. Luther zeigt aber mit einem solchen Schritt aufs Neue eine entschlossene Tat­kraft. Denn darüber wird er sich nicht im Un­klaren sein, daß die Erweiterung des Kabinetts dessen Stellung Wohl befestigt, daß diese Erwei­terung aber unter Umständen für ihn und sein Kabinett im Herbst nicht ungefährlich werden kann. Jedenfalls muß Luther überzeugt fein, daß dieser innerpolitische Gesundunqsvrozeß. den die Entschlußunfähigkeit seines Vorgängers allzu lange angehalten bat. so weit fortgeschrit­ten ist, daß er diesen Schritt wagen konnte.

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Segen die Durchpeltschung der Zollvorlage

Berlin, 5. August (Eigener Jnformattons- dienst.) Die Zustimmung der Parteien zu dem Vorschlag der Reichsrgeierung. die Zollvorlage unter allen Umständen bis Wochenende zum Ab­schluß zu bringen, liegt »och nicht vor. Die So­zialdemokratie hat beschlossen, eine beschleunigte Durchführung der Zollvorlage von Sonnabend bis Montag mit allen parlamentarischen Mil­

der Begründung des Anttages ging hervor, daß im letzten Halbjahr unter 300 Einbürgerungen 12 Polen waren, darunter Leute, die großen Be­sitz erworben und großen Einfluß genossen ha- ben. Der Beschluß über die Nichteinbürgerung von Polen wurde dem bayrischen Städtetag zur Kenntnis gebracht mit dem Ersuchen, daß auch die übrigen Städte Bayerns im gleichen Sinne wie München vorgehen möchten.

12000 Familien heimatlos.

Die polnische Presse jubelt.

(Durch Funkspruch.)

Warschau, 5. August.

An den Paßstellen wurden bis zum 2. August zwölftausend deutsche Optantenfamilien abgeser- tigt, und zwar in Bromberg fünftausend, in Dirschau tausend und in Posen sechstausend. Der Korrespondent einer Londoner Zeitung drahtet seinem Blatte: Der Aderlaß am deut­schen Volksteile Posen ist so hart, daß die polni­sche Presse Ursache hat zu jubeln.

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Maffenraub deutschen Eigentums.

Danzig, 5. August. (Drahtbericht.) Die Dan­ziger Zeitung meldet aus Posen: Der Polski Monitor vcröffenüicht dreiundsiebzig neue Ent­eignungen deutscher Güter und Besitzungen in ehemaligen preußischen Gebietsteilen.

Das Los der Optanten.

Energische Hilfsmaßnahmen in Schneidemühl. (Eigener Drahtbericht.)

Schneidemühl, 5. August.

Weitere Hilfeleistungen für die Flüchtlinge find in Vorbereitung. So erflärte stch zur Mil­derung der schweren Lage der wegen ihres Be­kenntnisses zum Deutschtum aus Polen uno Westpreutzen ausgewiesenen Optanten die »er. treterversämmlung des Reichskindbundes be­reit, 5000 Optantenkinder aufzunehmen, ähnlich wie der Reichslandbund es seinerzeit mit ben Ruhrkindern getan hat. Weiter wurde ein be­sonderer Arbeitsnachweis für die Optanten ein- gerichtet. Die Zahl der von der OPtantenver- mittlungsstelle insgesamt ^gefertigten beträgt bis jetzt 5238 Personen. Aus Berlin find Be­amte der Feuerwehr und der Polizei eingetrof­fen, die im Sanitätsdienst tätig sein sollen. Im Einvernehmen mit der Postbehörde wurde im Lager ein eigenes Postztmt eingerichtet, oa§ Briefsachen befördert und den Telegrammver­kehr vermittelt. Die Zahl der Erkrankungen im Lager ist zurückgegangen. Gestern morgen betrug die Zochl der Reuerlrankungen noch 53 während heute früh nur 18 gemeldet worden sind. Inzwischen find zwei Schulgebäude zur Unterbringung obdachloser Familien besMag- nahmt und entsprechend eingerichtet worden.

Gold für Deutschland.

Eine Sendung von 60 Millionen Mark.

(Eigener Drahtbericht.)

Genf, 5. August.

Der Herold meldet aus Rewyork: An der gestrigen Rewyorker Börse wurde eine Ankün­digung des Bankpräfidente« bekannt gegeben, wonach in der kommenden Woche für fünf­zehn Millionen Dollar Goldsendungen nach Deutschland verschickt werden.

Reue Revolten in Portugal.

Die Meuterer von Regierungstruppen belagert.

(Durch Funkspruchs

Lissabon, 5. August.

Im Arsenal ist ein neuer Putsch erfolgt. Die aufrührerischen Truppen besetzten das Arsenal. Es ist den Belagerungstruppen gelungen, das Arsenal einzuschließen: die Meuterer haben stch aber bis jetzt noch nicht ergeben.

Hafenstadt Kastel.

Dreißig Jahre Kasseler Fuldahafen.

Am 5. August 1895 war es. Nachmittags 3 Uhr. Da lief der Stückgutdampfer .Kassel* mit rauschender Musik die Fulda auswärts in den eben sertiggestellten Kasseler Hasen ein. Am Bord befanden sich hervorragende Vertreter ver Strombaubehörden. Eine Stunde später folgte der Dampfer »Nienburg* mit dem Schleppkahn .Bremen 28"... die Schiffahrt auf der Futda war eröffnet!., ein denkwürdiger Augenblick mit gewaltigen Hoffnungen und wir denken heute, da dreißig Jahre seitdem vergangen, be­sonders nachsinnend zurück!

Schon in früheren Jahrhunderten war die Fulda schiffbar.. Bis Hersfeld hinauf. Aller­dings nur für kleinere Fahrzeuge. Das bis 20 Meter betragende starke Gefälle auf der 27,25 Kilometer langen jetzt kanalisierten Sttecke von Kassel nach Hann.-Münden mutzte gebunden werden. Es ist das Verdienst der Regierung zu Kassel und namentlich des späteren Geheimen Oberregierungsrats Friedrich Lange, dessen Namen ein noch heute fahrender Dampfer trägt, datz der Gedanke der 1892 gegründeten Freien Vereinigung der Weser-Schisfahrtsinteressenten (für immer ist der Name Pulvermacher damit verknüpft) zu festen Plänen und dann zur Tat wurde, die Fulda zu kanalisieren und in Kassel einen besonderen Hafen zu schaffen.

So entstand die Fuldakanaliflerung mit den sieben Stauanlagen bei Wolfsanger, Spiekers­hausen, Kragenhof, Speele, Wilhelmshausen, Bonafort und Münden. Nach verbältnismätzig kurzer Bauzeit waren die Schleusen fertiggestelli und gleichzeitig der Kasseler Hasen auf dem Ge­lände des sogenannten Hellebergs, wie die Wie- fen bis Sondershausen hin genannt wuroen. Der Hafen war Regierungsobiekt, die Regie­rung gab Grund und Boden und die Stadt er­baute die erforderlichen Lagerhäuser, zunächst sechs, bereit Zahl stch inzwischen verdoppelt har.

Erster Hafenmeister war der noch weiten Kreisen bekannte Aschermann und erster Lager- meister Johann Friedrich Schade. Beide haben bereits das Zeitliche gesegnet.

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Langsam aber stetig stieg der Verkehr im Kasseler Hafen. Zum ersten Dampskran trat drei Jahre darauf bereits ein zweiter. Ein ge­schäftiges Leben pulste. Von 4 Uhr früh bis 10 Uhr abends nahm die Arbeit kein Ende. Es wurde getränt, ein» und ausgeladen. Ganze Eisenbahngüterzüge rollten auf der besonders erbauten Industriebahn an und ab. Vor allem waren es zwei Gebiete, die ihre Erzeugnisse zum Umschlagen schickten: Großalmerode sandte Ton- und Schmelztiegel und das Gebiet der hessisch- thüringischen Grenze rollte Kali an. Schon tut Jahre 1899 gingen 13 500 Tonnen talwärts, zwei Jahre später bereits 19 000 Tonnen.

Der Krieg gebot der Aufwärtsentwicklung, die bereits zu den größeren Kanalisationsaroet- ten und der Erbauung des Walzenwehrs mit der großen Schleuse für 1000 Tonnen - Schiffe geführt hatten, eine Arbeit, die nun stockt, ein rauhes Halt. Die bisherige Hochkonjunktur stoppte ab und die Lagerschuppen wurden von der Heeresverwaltung für Proviant-Magazm- Zwecke beschlagnahmt. In den ersten Jahren nach dem Kriege sah man nur dann und wann etliche Kähne, aber dieser Verkehr entsprach tn keiner Weise dem geringsten Bruchteil der fei» nerzeit gehegten Hoffnungen. Inzwischen ist der Hafen bekanttilich einer privaten Gesellschaft verpachtet worden.

Erst in der letzten Zeit zeigten sich Spuren einer Erholung, aber es fehlt noch viel an den Verkehrsziffern der Vorttiegsjahre. Wieder werden meist Ton und Kali verfrachtet.

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Rach wie vor ist es bei dem Hoffen ge­blieben, daß der Ausgangspunkt der Dbertoefer« schifsahrt von Münden nach Kassel verlegt wird und nach wie vor gilt, was der Syndikus der Kammer für Industrie und Handel in Kassel, Dr. Metterhausen, der stch große Verdienste um die Fuldaschiffahrt und die Hafenfrage erwor­ben hat, schon 1902 anläßlich des zehnjährigen Bestehens der Freien Bereinigung niederschrieb: »Es ist eine Tatsache, die man zuweilen in geradezu auffälliger Weise betätigt findet, daß das Vorhandensein eines Hafens in Kassel in weiteren Kreisen des Hinterlandes noch sehr wenig bekannt ist!"

Mit dem Beginn der neuen Fuldaschiffahrt ging die Entwicklung der Personenfchiff- fahrt Hand in Hand. Der erste Dampfer war die .Lydia" des Kapitäns Dehne-Hameln. Sie wurde abgelöst durch die jetzige .Elsa" die vor­her ein Frachtdampfer .Gustav- war und zu­nächst dem Schiffsingenieur Friedemann in Münden gehörte. Im Jahre 1899 kam dann ein Motorboot hinzu, das später alsWil­helms höhe" zu einem Dampfer untgebiut wurde und dem Kapitän Jakob zu eigen war,

teln unmöglich zu machen. Ein neues Hinver- nis der beschleunigten Erledigung der Zollvor­lage bedeutet eine Erklärung der bayerischen Regierung in der bayerischen Staatszeitung, daß fie den Kompromißvorschlag zu der neuen 3o Soorloge nicht annehmen werde.