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Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Kummer 1/9. Einzelnummer 10 Pk. Sonntags 15 Pf.

Dienstag. 4. August 1925

Einzelnummer 10 Pf^ Sonntags 15 Pf. 15. Jahrgang

Iriedeusvorschlage im Marokkokrieg.

»ÄÄÄ?- Wie beim A« litt Sooom

Ein neuer Vorstoß der Franzosen

Französisch spanische Friedensbedingungen. Mit Flugzeug und Tank. Fez mit Brandbomben belegt. Frankreichs letzte Drohung. Unbeschreibliche Hitze.

den nur fortfahren. Seine übertriebene Spitze wirb sich schließlich gegen ihn selbst kehren.

Gegen den Zinswucher.

Anklage gegen Berliner Banken «. Finanzleute.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 3. August.

In Berlin bereitet flch ein neuer Skandal vor. Diesesmal wieder in der Finanz. Wie wir erfahren, sind auf Anzeige von gewerkschaftlicher Sette hin gegen mehrere Berliner Banken und Geldgeber Ermittlungsverfahren eingelritet wor­den, weil sie .Wen über zwölf Prozent für kurz­fristige Darlehen genommen hatten. Die Derneh- mung mehrerer Beschuldigten hat bereits Sonn­abend nachmittag in Moabit stattgefunden.

3m FMchttlngsloger.

Schneidemühl, 3. August. (Privaftelegramm.) Die sanitären Zustände im Flüchtlingslager ha­ben sich noch immer nicht gebessert. Zwei Kran­kenschwestern versehen den ganzen Dienst an den rund achttausend Flüchtlinge». Der gestrige Sonntag hat einen weiteren Opiantenzuzug von 3200 Flüchtlingen in Schneidemühl gebracht. Die Optanten-Vermittelungsstelle tritt diesen Meldungen über die traurigen Zustände im Schneidemühle! Durchgangslager entgegen. Bc- onders entbehrten die Behauptungen von zahl- reichen Todesfällen und dem Ausbruch von Epi­demien jeder Grundlage. Der Amtliche Preu­ßische Pressedienst teilt uns dazu mit: Tie durch das Wiener Abkommen bedingte Abwanderung deutscher Optanten nach Deutschland hatte in grösser»! Umfange schon vor dem 1. vertragsmässi­gen Abwanderungstermin (dem 1. August) ein­gesetzt. Wie vorauszusehen war, ist von Anfang an der Hauptftrom der Abwanderer aus Polen nach Schneidemühl gegangen. Schneide- wühl wird auch weiter der Hauvtübergangspunkt kür die Optanten blxiben. Tausende von ihnen werden von hier aus einer neuen Heimat zu­zuführen sein. Die amtlichen Stellen in Preu­ssen haben laut demselben Mitteilung seit langem Vorbereitungen getroffen, um den Strom der Optanten nicht nur aufnehmen zu können, son- dern ihnen auch möglichst schnell neue LebenS- und Erwerbsmöglichkeiten zu verschaffen.

Das bedrängte Frankreich

England treibt die Schulden ein.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 3. August. (Drahtbericht.) Nach einer Meldung aus Langer hat Primo de Rivera in Tetuan zwei Emissäre Abd el KrimS empsan­gen, mit denen er sich über den Abschluß eines Waffenstillstandes und die FrieLenSbeoingungen unterhielt. Primo de Rivera teilte den Ge­sandten Abd el Krims die Bedingungen mit, unter denen Frankreich und Spanien bereit wären, Frieden zu schließen. Spanien hat fol­gende FriedenKbedingungen angeboten: Abd el Krim soll die Souveränität des Sultans von Marokko anerkennen. Er soll seine gesamte Ar- tlllerie den Spaniern ausliefern. Spanien wird eine Festung in Ajdir bauen. Alle spanischen Gefangenen sind zurückzugöben. Spanien roero im Austausch die Autonomie des RifstaateS an­erkennen, der aber zum Teil von spanischen Be­amten verwaltet werden muß. Die Riflabylen werden di« Genehmigung für eine kleine Armee erhalten, die von Spanien bezahlt wird. Sie werden auch ein« stnanzielle Hilfe für die allge- meine Staatsführung erhalten. Die spanischen Behörden von Tetuan sind von den Abgesandten Abd el KrimS unterrichtet wurden, daß er wünscht, den Frieden mit Frankreich unter den gleichen Bedingungen abziffchließen.

London, 3. August.

Der nächste Stritt in Sache« der Regelung der Kriegsschuld Frankreichs an England liegt bei Catllaux. Das von den französtschen Sach­verständigen in der letzten Woche unterbrettete Angebot lautete aus eine Jahreszahlung von 67 Millionen Pfund. Dagegen lähnt das drt- tische Schatzamt die Erwägung jedes Angebots ab, das nicht eine jährliche Zahlung von zwan­zig Millionen Mund Vorsicht, welche Summe zu zahle« nach Ansicht des SckmtzamteS Frank­reich durchaus in der Lage fei. Frankreich soll bei den Berhandfttngen über seine Schulden an England folgendes Angebot gemacht Haden: Neun Millionen Pfund jährlich bis 1930, dann

Der Kampf geht Wetter.

Noch keine Friedensstimmung.

(Durch Fnnkspruch.)

Tanger, 3. August.

Abd el Krim setzt, ungeachtet der Friedens­verhandlungen seine Angriffe auf Fez und Ra­bat fort. Fez ist von drei Flugzeugen Abd el Krims mit Brandbomben bombardiert worden. In Tanger sind zwei Eingeborene, die zum Krieg gegen die europäischen Mächte ausgefor- dert hatten, erschossen worden. Die Franzosen haben im Nordwesten von Uegzan einen Borstotz unternommen, um daö Gebiet von den Rif-

9 Millionen Pfund während einer gewissen, erst später zu bestimmenden Zahl von Jahren nnd zuletzt 14 Millionen Pfund. Die englischen Sachverständigen hätten höhere Annuitäten im Anfang gewünscht, doch sollen die französisch.*« Delegierten erklärt haben, dass dann die Dtabi- lität vetz FrankenkurseS gefährdet werden würde.

labylen zu säubern. Dabei kamen zum ersten- male Tanks zur Verwendung. Flugzeuge Haven die von den Marokkaner« besetzte« Stellungen im Djebel-Sarsam bombardiert.

De« Marschall berichtet.

PainlevsS letzter Friedensvorschlag.

Paris, 3. August. (Eigener Drahtbericht.) Marschall Pstain hat in Pari« über seine Ma­rokko-Mission Bericht erstattet. Der Minister­präsident PainlevS erklärte darauf hin: Wenn Abd-el-Krim nicht bald auf die entgegenkom­menden Bedingungen Frankreich» und Spa- mienS eingeht, dann wird die notwendige Ak­tion sofort energisch beginnen. Darüber will ich'jetzt nichts Näheres sagen. Ich will nur betonen, datz die Energie Frankreichs nicht we­niger groß sein wird al« unsere Friedensliebe und unsere Friedensbereitschaft eS jetzt sind. Alle Massnahme« find getroffen, um bei den Operationen, die vielleicht nötig fein werden, daS Blut unserer Soldaten zu schonen. Nichts darf versäumt werden, was die Menschlichkeit und die Dankbarkeit gegenüber unseren tapfe­ren Soldaten uns zur Pflicht macht. Aber ich wiederhole es, der Friede hängt davon ab, dass die Riflabylen und die SjebalaS die billigen und grossmütigen Bedingungen annehmen, über die Frankreich und Spanien sich geeinigt haben." Die neue« Kämpfe an der Front nnd die Explosion eines Pulvermagazins in Lar- rache, die nach dem amtlichen spanischen Bericht durch einen Anschlag der Riflabylen zu erNäre« sein soll, zeigt, datz Abd-el-Krim vorläufig die französisch-spanischen Bedingungen noch nicht fürbillig und grossmütig" genug hält. In allen französtschen Meldungen steht neben der Aner­kennung für die Tapferkeit der Soldaten die kurze, aber tragische Erklärung:Die Soldaten leiden furchtbar unter der grossen Hitze."

Rund um Ehlna.

Streifzüge durch ein geheimnisvolle» Land, von

Karl Friedrich Dressier - Hannover.

3« bett chinesische» Wirre«, bi« noch immer da« Interesse der alte« Welt beanwruche«. steuert ««I«r trüberer Hanptschrittleller e«8 jahrelangen eigene« Erlebnissen im Reich bet Himmelssöbne selbst interessante Streiflichter «ttb Beobachtungen bei, die «niet Verständnis für Land nnd Lente wesentlich bereichern.

Die drei chinesischen Religionen: der Kon­fuzianismus (Sittenlehre und politische Philosophie), der Taoismus (Geisterver- ehrung, und der Buddhismus (Gvtterver- ehrung) haben aus Volk und Staat feit einem Jahrtausend eine Einheit gemacht und einzelne Teile vermengt etwa In der Weise, datz sich das tägliche Leben nach der Sittenlehre des Kung- su-tse (Konfuzius) regelt, in Krankheitsfällen die taoistischen Priester (nach der Lehre Lao-tse's) die bösen Geister vertreiben und bei Begräbnis­sen die buddhistischen Priester (nach Buddha'S Lehren) die Seelenmesse lesen. Diese DerschmÄ- zung hat dem Volke, dessen breite Schichten kein Bedürfnis nach grüblerischem Suchen empfan­den, die Ruhe und Stetigkeit des Glaubens ge­geben. Schon Konfuzius sagt:

Die Liebe zu den Eltern ist nicht nur eure häusliche Tugend, sie macht ihren Einflutz auch in allen Lebenslagen geltend."

Fürchte Dich nicht, einen Fehler zu verbes­sern: wer das Rechte kennt rknd sich fürchtet, tS zu tun, der ist kein braver Mann.*

»Der edl« Mensch i rdert alles von sich, der gemeine alles von anderen/

Man darf sagen, daß das Volk im allgemei­nen die guten Lehren beherzigt und danach lebt. In jeder ordenttichen Familie werden die Kin- b er zum Gehorsam gegen Eltern und Er­zieher angehalten, wie auch die Zusammenge- Hörigkeit von Familien und Verwandten gepflegt wird. Der Begriff der kindlichen Ehr­furcht gebietet, daß die Kinder den Anstand nicht verletzen, daß die Beamten ihre Pflicht im Staate tun, daß die Soldaten nicht feige sind, denn auf diesen Tugenden beruht das SMhl der Familie und des Staates. Die Ahnender- « h r u n g spielt eine große Rolle, denn nach dem taoistischen Aberglauben können die Geister der Verstorbenen noch Glück und Unglück senden, je nach der guten oder schlechten Lebensführung der Hinterbliebenen. In dem ausgepvägten Familiensinn ist es auch begründet, daß be? Sohn meist das Gewerbe des Vaters weiter- führt, woraus sich die traditionelle Kunstfertig­keit in manchen Handwerkszweigen erklärt. An- aestchtS dieser familiären Geschlossenheit ist «S verständlich, daß sich das Volk gegen fremdlän­dische Einflüsse so oft ablehnend verhalten hat. Als gegen Mitte des vorigen Jahrhunderts ort» tische Streitkräfte, weil der Küstenhandel von den Mandarinen erschwert wurde, mit Gewalt vordrangen, verabscheuten die Chinesen die »Weißen Teufel", die die alte Kultur und Le­bensform zu stören drohten. Schließlich be­ruhigten sie sich wieder, und da bei dem Außen­handel auch viel Geld zu verdienen war, so kam der Warenaustausch wieder in Gang.

Zürich, 3. August. Die von dem Völkerbund delegierte Kommission zur Absteckung der Gren­zen des Danziger Hafens ist nach Gens zurückge- kehn. Wie verlautet, sieht der Bericht, der in der Ausarbeitung begriffen ist, eine teilweise Einbeziehung Danziger Stadtgebietes in das Polen unterstehende Hafengebiet vor, sodaß mit neuen Polnisch-Danziger Zwischenfällen zu rech­nen ist.

Nachdem alle Bemühungen der deutschen Re- gierung, die drohende Ausweisung der beut» Ichen Optanten aus Polen zu verhüten oder wenigstens eine mildere Handhabung bei dem Abschub über die Grenze zu erreichen, fruchtlos geblieben sind, hat die rücksichtslose Vertreibung von Tausenden von Deutschen aus Polen ve- gonnen. In Scharen treffen sie täglich über die Grenze in Schnei demühl ein. Polen stützt sich dabei aus den Spruch des Internatio­nalen Schiedsgerichts vom 30. August 1924, das unter dem Vorsitz des holländischen Prof. Kae- kenbeck der polnischen Auffassung beitrat, daß eine zwangsmäßige Ausweisung der beider)': t- tigen Optanten erfolgen könne. Polen nahm diese Haltung deshtüb ein, weil es wußte, daß die Zahl der deutschen Optanten in Polen weit größer war, als die der polnischen Optanten in Deutschland. Der Urheber dieser übernationa­listischen Polenpolitik ist der polnische Westmar­kenverein, der sich geschworen hat, das Deuffch- tumn in den ehemals preußischen Provinzen Posen und Westpreußen mit Stumpf und Stzel auszurotten. Wie barbarisch eine solche Politik tm heutigen Zeitalter tft, beweist Die von uns bereits wiedergegebene Äeußerung eines halte« nischen Blattes. Eine führende römische Zeitung drückt ihr Bedauern aus, daß sich Europa in seiner immer noch polenfreundlichen Mentalität gegenüber solche« ungeheuren Rechtswid- r ig kette« «nd gegenüber dieser Wrroganz des polnische« JmpertaliSmuS gleichgültig ver­halte.

3n französischen Rettern.

154 Prozesse gegen Deutsche im Rheinland.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 3. August.

Nach bet Zusammenstellung einer hiesigen Zeitung werden vor dem Kriegsgericht der be­setzten Gebiete noch 154 Strafprozesse gegen verhaftete Deutsche ftattfinben. 34 Prozesse rich­te« sich gegen Bewohner des inzwischen geräum­ten RuhcgebieteS, hauPtsäMich aus Essen.

Schutz" der kleinen Staaten.

VölkerbundSentscheidung zugunsten Polens.

(Eigener Drahtbericht.)

Der Verkehr mit den Fremden blieb natur« lich auf die K ü st e n b e v ö l k e r u n g nicht ohne Einfluß. Sie ist sozusagen modernisiert wor­den. So muß man auch jetzt noch einen Hit- ter schied machen zwischen der Küste uns dem Binnenlande. Die große Masse des chinesischen Volkes besteht aus Ackerbauern, Ge­werbetreibenden irnb Kleinhändlern und stellt die Grundlage des Staates dar. Sie bevölkert mit ihren mehr als 350 Millionen Menschen daS weite Land das man einen Erdteil nennen könnte, lebt friedlich nach alter Weis«, kümmert sich nicht um Politik und fremde Angelegenhei- ten und hat keinen sehnlicheren Wunsch als den, in Ruhe gelassen zu werden, zumal etwa neun­zig Prozent ohne Lesen und Schreiben auÄom- men. Der Bauer fühlt sich am wohlsten in seinen Lehmhäusern und auf dem Feld«, zwischen seinen Haustieren, den Büffeln und Eseln. Er murrt nicht, wenn er mit seinem zweirädrigen ungefederten Karren auf holprigen Landitraßen fahren muß, die mit der Zeit durch dte ausgefahrenen Wagenspuren stellenweise zu Hohlwegen geworden sind. Der Handwer- k" sieht seine Befriedigung in möglichst großer Geschicklichkeit, bie ibn befähigt, mit seiner Hand- arbeit wahre Kunstwerke herzustellen. Selbst die Kinder üben sich darin schon frühzeitig und erlangen somit eine ererbte Fertigkeit. Schließ-

£,et Kleinhändler freut sich, wenn er refte Preise vermeiden und mit dem Käufer han­deln kann. Auch dem Verbraucher macht baS Kaufen erst Vergnügen, wenn er ein paar Kasch herunterhandelt. In geruhsamem Familiensinn, wobei der Kindersegen sehr bedeutsames An- leben genießt, während die Frau noch im allge­meinen eine untergeordnete Stellung einnimmt manche reiche Chinesen gestatten sich noch den Luxus von Rebenfrauen verbringen btefc

Zur gleichen Zeit, wo Taufend« von Eri- stenzen vernichtet und von ihrer heimatlichen Scholl« vertrieben werden, bekommt «8 der au, feiner amerikanischen Propagandareise befind­lich« Außenminister Polens fertig, von der »De­mokratie in Polen" zu sprechen und zu erklä­ren, daß bei einem Fortschreiten Europas auf dem Pfad des Nationalismus es zu einem Kriege kommen werde, gegen den der letzte alz Kinderspiel erscheint. Bei den amtlichen deut­schen Stellen hat man anscheinend bis zum letz­ten Augenblick auf ein Nachgeben Polens ge­hofft; nunmehr ist es aber Zeit, daß Gegen­maßnahmen getroffen werden. Es muß ober auch schleunigst alles getan werden, um den wegen ihres Deutschtums aus Polen Ver­triebenen ihr hartes Los zu erleichtern. Wie wir erfahre«, hat die Preußische Regierung ve- reitS eine größere Summe als erste finanzielle Nothilfe «ach Schneidemühl abgefanbt. Zur Prüfung aller notwendigen Maßnahmen soll sicki Anfang nächster Woche der Preußische Innen­minister Severing nach Schneidemühl begeb-a. Ieder preußische Regierungsbezirk ist angewie­sen worden, ein« bestimmte Anzahl der FWcht- lingSfamilien für die einzelnen Gemeinden des betreffenden Bezirks zu Wernehmen. ES soll auch versucht werden, einen Teil der Zurückkeh- renden in den Ostprovinzen unterzubringen.

Das alles kann aber nur ein Tropfen au, den heißen Stein fein. Leider muß man fefi« stellen, daß die Regierung mit ihren Maßnah­men etwas sehr spät kommt. Aus Schneide- mühl, wo in den letzten 24 ®tunben mehr als 3000 Flüchtlinge angekommen sind, kommen leb­hafte Klagen über ben Empfang, den die Flücht­linge erfahren haben. Ohne Stroh und ohne Decken mußten sie auf bloßem Boden in ver­schiedenen öffentlichen Gebäuden übernachten. Zum Teil waren frc sogar gezwungen, auf ben: Bahnhof in den Güterwagen und in offenen Schiwpen die ersten Stunden zu verbringen. Das eigentliche Flüchtlingslager soll einen ge­radezu kläglich«« Anblick bieten. Es soll ft<t durch nichts von einem Kriegsgefangenenlager unterscheiden. Es hat sich als ein schwerer Fehler herausgestellt, alle Flüchtlinge auf einen Play zusammenzupferchen, statt sie in kleinen Gruvi^en sofort über Deutschland zu verteilen und ihnen wohnliche und gesunde Zufluchts­stätten zu verschaffen. Zahlreiche Todesfälle und Erkrankungen sind bereits zu beflagen.

Die skrupellos die ganze Optantenfrage von Polen behandelt wird, erhellt aus Warichauer Meldungen, wonach Polen für die aus Deutsch­land ziirückkehronden polnischen Optan­ten fast noch nichts getan bat. Für bie erwar­teten pooo Personen stehen bisher nur dreibun- dert Wohnungen zur Verfügung. An Geld sind 140000 Zloty, also zirka 110 000 Mark aus- peworsen worden. In Posen kam eS in einer Verfanmssunq des Westmarkenvereins zu ftih-- mifchen Protesten der polnischen Rückwanderer, in beten Verlauf der Vorsitzende des Vereins schließlich die Flucht ergreifen mußte. Erfolg­los bemühen sich polnische aus Westfalen kom­mende Optanten um Arbeitsrnöglichkeit. Al? einer dieser Bedauernswerten in der Wofwod- schails'anzlei sich Rat holen wollte, bekam er die Antwort: »Hängen Sie sich doch auf." Der pol­nische Imperialismus möge mtt diesen Metho-