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Meter Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

Sonntag, 2. Auust 1925

15. Jahrgang

Einzelnummer 10 Sonntags 15 Pf.

Eine kullurschm-e im 20. Zahrhunderl

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I

für die Tonne übersteigt, die Uebcrschüsse zur Verringerung der Subvention benutzt wer­den. Zur Zeit ist es unmöglich, im voraus zu kulkulicren, wieviel Millionen Pfund die staat­liche Subvention das Schatzamt losten wird.

Baldwin teilte gestern im Unterhause mit datz die Grubenbesitzer den Regierungsvorschlag angenommen haben, die Kündigung des Lohn­abkommens über den 3L Juli hinaus auf vier­zehn Tage zu verschieben. Der Streik der Grubenarbeiter ist somit einstweilen vermie­den. In einer offiziellen Erklärung des Schatz­amtes heißt es: Die Unterstützung, die sei­lens der britische« Regierung der Kohlenberg- werkinduftrie bewilligt worden ist, soll in Form einer Subvention zwecks Sicherstellung der Lohnzahlungen während der neun Mo­nate vom 1. August 1925 bis 1. Mai 1926 erfolgen. Während dieser Zeit sollen die L ö h n e aus Grund des Abkommens vom Jahre 1924 gezahlt werden; aber falls die Löhne in irgend­einem Moment dieser Zeitspanne in einem Be­zirk niedriger sein würden als die Mindest­löhne, die in dem Vertrag vorgesehen sind, so wird die Differenz durch das Schatzamt bezahlt werden. Somit sollen die gleichen Richtlinien verfolgt werden, wie bei der Lohn­subvention im Jahre 1921; jedoch sollen im vorliegenden Falle, falls der monatliche Durch- schnittkprofit in einem Distrikt, in dem Subven- tionszahlungcn geleistet werden, 25 Schilling

Der Staat springt ein.

Lösung der englischen Bergarbeiterkrise.

(Eigener Drahtbericht.)

London, L August.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 1. August.

Rach einer Meldung aus Rabat falt Abd cl Krim einen Aufruf an die Stämme erlassen, an seine Seite zu treten, um den Kamps gegen Frankreich und Spanien zu einem guten Ende zu führen. Wir kämpfen setzt, so heißt es darin, einer letzten und entscheidenden Anstrengung gegen die Franzosen, die wir bald dazu zwin­gen werden, uns den Frieden aus der Basis der absoluten Anerkennung der Unabhängigkeit des Rifgebietes zu gewähren, indem sie uns die notwendigen Mittel geben, um ein Leben ohne Beraubung und ohne Sklaverei jtu führen und indem sie uns eine beträchtliche Entschädigungs­summe gewähren, um uns für all das Blut, daß zu vergießen sie uns gezwungen haben, schadlos zu halten. Sobald dieses erstere Resultat er­reicht ist, werden wir uns gegen die Spanier wenden, die wir um so leichter besiegen könne», als Spanien entschlossen ist, weder Blut zu vec- gießen noch finanzielle Opfer für dauernd un­fruchtbare Unternehmungen zu bringen.

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Das Drama eines Blockhauses.

Paris, 1. August. (Privattelegramm.) Nach einer Meldung aus Fez ist das französische Blockhaus Ain Bou Aissa von den Rifkabylen eingenommen worden. Vorher hatte sich ein erbitterter Kamps mit Handgranaten abge­spielt. Vor dem Rückzug sprengten die Franzosen das Blockhaus in die Lust. Man rechnet damit, datz ein Teil der französischen Besatzung gefangen genommen worden ist. Der Führer des Postens wurde verletzt. Man ist ohne Nachricht von ihm, sowie von .den übrigen Mitgliedern des Postens, denen es nicht gelang, rechtzeitig zu entkommen.

Gegenseite sich erst in Paris neuen Rat holen muß. Dieses erste Fiasko hat natürlich auch im Dollarland seinen Eindruck nicht verfehlt, wo nur noch die finanzielle Hilfe von der Ab -- rüstungsbereitschaft abhängig gemacht wird. So wird man also in Paris wohl oder übel sich mit Berlin verständigen müssen, wenn es sein moralisches Prestige vor der Welt wie- dcrherstellen und den allgemeinen Friedens- Wünschen der Welt sich fügen will. F. R.

SQttttt ttlCt 1 j 8. Einzelnummer 10 Pf. Sonntags 15 Pf.

Freiwillige vor!

Paris, 1. August. (Privattelegramm.) Mi­nisterpräsident Painlevs hat eine Verfügung unterzeichnet, nach der Reserveroffizier«, Landwehroffiziere und sonstige Militärpersonen während der Dauer des Marokkofeldzuges die­nen können. Die Werbung gilt höchstens für die Tauer von zehn Jahren. Unteroffizieren wird ein Handgeld von sünfhundett Franks, Sol­daten ein solches von 150 Franks am Tage ihrer Unterzeichnung des Kontraktes gewähtt.

Anzeigenpreise: Einheimische Geschäiisanzeigen Zeile 20vfg. auswärtige GeschäftS- anzeisea Zeile 20 Pfg.. Kannttenainetgen Zeile 20 Pfa Kleine Anzeigen 6a8 War i 4 Pfg- Reklamen die Zeile 75 Pig. Offertgebühr 10 Pfg. lbei Zufendg. herOfferten 30 Pigo RechnungSbeträae finb innerhalb 5 Tg. zu bezahlen. Maßgebend ist der Kurs öeS ZablnnasiageS. Für die Richiigkeil oller durchKernfvrecher anfgesebenen An­zeigen. sowie für Amnahmedaien und Plätze kann nich, garantiert werden. Kür Anzeigen mit befand, schwierigem Sag 100 Proz.Aufschlag. Druckerei: Schlachtbof- ftraße 28/8o. Geschäftsstelle- Köln Str.5. gegenüb.der Svohrftr. Kernspr.951 u. 952

Immer langfam voran.

Der Sicherheitspakt zwischen London-Paris. (Eigener Drahtbericht.)

London, 1. August.

In einem Telegramm aus Paris heißt es zur Frage des Sicherheitspaktes u. a.: Augen­blicklich seien die Juristen des Foreign Office und des Quay d'Orsay mit der fast unmöglich zu lösenden Aufgabe bettaut, zwischen der briti- chen und der französischen Auffaffung von den Befugnissen des Völkerbundes einen Ausgleich zu finden. Die Franzosen hofften, daß Cham­berlain schließlich überredet würde, einKom­promiß anzunehmcn, das als Grundlage für eine neue Atstwort an Deutschland dienen könne. Wenn es notwendig erscheine, daß Brianv seinen persönlichen Einfluß geltend machen müsse, um ein solches Kompromiß zu erzielen, so werde er sicher bereit sein, nach England zu fahren. In Paris sei man der Ansicht, datz die Verhandlungen eine lange Zeit in Anspruch nehmen würden und datz man vor Oktober over gar November kaum mit den deutschen Vertre­tern zu einer gemeinsamen formelle« Konferenz für alle Streiffragen zusammen kommen werde.

Bis zum letzten Hauch.

Abd el Krims Aufruf an die Stämme.

AmWebstuhl derzeit

Freud und Leid in der Tagespolitik.

Gestern hat der letzte eisengepanzerte welsche Blaukrttel den ungastlichen Ruhrgarnisonen sang- und llanglos den Rücken gekehrt und hin­ter regenrauschenden Wolkenschwaden ist über die schwarzen Diamantgruben der roten Erde, über die urweltlichen Schlotwälder der reißen­den Ruhr der erste Sommertag der Freiheit an­gebrochen. Seitdem vor 2% Jahren mitten im tiefsten Frieden in der Maske friedlicher Sank­tionen und als Schutz technischer Aus- und Freibeuter, eine Sintflut von Tanks, Kanonen, Fliegern und buntfarbiger, aufgepeitschter Soldateska sich über die Herzkammern Deutsch­lands wälzte, hat die drangsalierte, in Leid und Gefahren brüderlich geeinte Ruhrmannschast mit verbissenem Trotz und geballter Faust im namen- und waffenlosen Heldenkampf gegen die rohe Gewalt gestanden. Das sei ihnen unver­gessen ... Und mit dem enthusiastischen Glück­wunsch sei den treu befundenen Frontkämpfern heute nicht minderer Dank der Heimat ans Herz gelegt, als man ihn uns für die Eisenzeit von 14/18 schuldete u. noch immer schuldet. Sie haben dann, als man ihnen die Lebensadern mit dem Mutterland durch Zoll-, Paß- und Steuergrenzen abdroflelte, als man ihnen Eisenbahnen, Zechen, Schulen, Verwaltung, Wälder und Flüsse abnahm, als man sie zu tausenden von Hof und Haus vertrieb, hundette in den Kerkern schmachteten, als Deutschlands Wirtschaft mit Riesenschritten dem Abgrund entgegentaumelte ... da haben die stolzen West­falen- und steifen Bergarbeiternacken sich den fremden Fronvögten beugen müssen. Aber sie haben ihr Scherflein zum Scheitern der welschen Erpresser- und Pfänderpoli- tnk beigettagen. Denn auch die mühsam er­rafften Ruhrmillionen haben den wi r t f ch a s t- lichen Ab stürz Frankreichs und seines hoh­len Götzen P o i n c a r ö nicht aufhalten können. Und von dem wüsten Walpurgiszauber modern­ster Pariser Kultur und Eleganz, von den Par­fümwolken der Jnflationshvänen, von dem an­maßenden Gebühren legitimer und illegittmer OffizierS-Familienklüngels mitsamt dem Aus­wurf der Pariser Halbwelt ... Nichts ist geblie­ben, als die unauslöschliche Erinnerung an Ar­roganz und Chikane, an Eitelkeit und Rachsucht, an Kriegsgerichte u. Negerfäuste, an Schändun­gen u. ungesühnte Verbrechen. Mit Gift u. Gas schwefelt man jetzt das Ungeziefer in den Mas- jenquattieren und Privathäusern aus, stellt die verwahrlosten Säle und Gebäude wieder her. Aus der Ferne aber ragt das Grabmal der dreizehn Krupparbeiter herüber, die am Ostertag unter französischen Kugeln ver­blutet, grüßt durch die Weiten Schlageters Denkmal, dessen Name in der Geschichte weiter lebt.

Unterdes haben sich jedoch die düsteren Schat­ten der Wirtschaftsnot abermals übers Ruhr­land gebreitet. Wertlos und ungenutzt liegen Millionen Kohlenbestände auf den Halden und ein Werk nach dem anderen schließt die Tore. Der Kanzler selbst bemüht sich, durch Bank- und Reichskredite den Arbeitern das Brot und der Industrie das nackte Leben zu er­halten. Die kolossalen deutschen Repara­tionslieferungen haben den Weltmartt überlasiet, die Völkermagen überfüttert, so­daß jetzt die Rackenschläge dieser Ueberproduk- tion auch auf die unersättlichen Nutznießer nie­derhageln. Allerdings istesBaldwinin letz­ter Stunde gelungen, mit HUf« riesiger staat­licher Subventionen, die Generalstreikkatastro- phe abzulenken und so daS Räderwerk der Welt­wirtschaft in Gang zu halten. Aber blitzartig haben die bedrohlichen Vorgänge die gesamte Weltkrise beleuchtet: Verminderte Kaustrast, Lohnkämpfe, Absatzstockung, Währungsverfall (stehe Polen und Frankreich) in allen Welt­kriegsländern. Und nichts kann deufficher er- weisen, wie fest die weltwirtschaftlichen Fäden ineinander verwoben find, wie völlig selbst die letzten Probleme der Politik in ihr Gewebe ver­schlungen werden.

Inzwischen schleppen fich die Pattverhand­lungen zwischen den Londoner und Pariser Ka­binetten hin, denn Chamberlain scheint doch nicht gewillt zu sein,Deutschland vollkommen der Willkür Briandscher Pläne für Völker­bund- und Durchmarschttauseln preiszugeben. Man vertröstet die Konferenz-Enthusiasten jetzt sogar schon bis auf den Spätherb st, da zu­vor noch Caillaux u. vielleicht sogar Bri- and höchstpersönlich in diesen und anderen be- denllichen Angelegenheiten in dem Amts­zimmer der Themse vorstellig werden wollen. Denn Frankreichs Schuldenangebote find von den englischen Sachverständigen als völlig unzulänglich abgewieien worden, sodaß die

Tragödie der Heimatlosen.

Herzzerreißende Bilder an der Polengrenze. (Privat-Telegramm.)

Schneidemühl, 1. August.

Die Zahl der aus Polen ausgcwiesenen deutschen Optanten nimmt erschrecklich zu. Im Lause der Wocfa trafen täglich durchschnittlich fünfhundert bis sechshundert Flüchtlinge ein, von denen jdiesmal nur zweihundert Personen weitergeleitct und in den Provinzen unterge­bracht werden rönnen. Mittwoch trafen tags­über allein rund 465 und im Laufe der Nacht noch weitere 240 Flüchtlinge ein. Am Don­nerstag kamen wiederum tausend FlüchtUngr in Schneidemühl an. Im Lager sind zur Zeit etwa sechstausend bis siebentausend Menschen nntergebracht.

Frauen mit Säuglingen, Männer. Kinder und Greise.

Heute nacht trafen ungefähr 1300 Ausgewiefene ein. Sie schlafen auf Holzpritscksen, Strohsäcken und Strohlagern. Die riesigen Hallen reichen in letzter Zeit bei weitem nicht mehr aus, den Strom der Menschen massen unterzubringen. Deshalb mußten das Lehrerseminar und Oi Gebäude der Gemeindeschulen belegt werden. Von Donnerstag morgen 7 Uhr bis Freitag

Uhr morgens mit einer Mittagspause von zwei Stunden sind zweiundzwanzig Personen beschäftigt gewesen, die Eintragungen vorzn- nehmen, Arbeitsstellen zu vermitteln, Reisegel­der für die Weiterführenden auszuzahlen. Um 24 Uhr uachs trafen tausend weitere Flücht- linge ein. Geduldig stehen die Vertriebenen m langen Reihen an, um ihr Reisegeld zu emp­fangen oder um Kaffee oder Essen zu erhalten. Zwe Drittel der täglich Eintrcffenden werde« bis zum Abend weiterqeleitet, narfaient sie ihre kümmerliche Wegzehrung erhalten haben.

*

Das geschieht im 20. Jahrhundert-

Rom, 1. August. Ein Mailänder Blatt schreibt zu dem polnischen Zollkrieg und der Ausweisung der deutschen Optanten aus Polest: Polen habe als Gegenmaßnahme für die unmöglich gewo^ bene Verlängerung der Kohlenausfuhr nach Deutschland auf einznführende deutsche Waren ungeheure Zollsätze geschlagen. Nun Hoche Polen eine weitere grausame Maß­nahme genossen .indem es viele tausende von Deutschen aus Polen ausweise. Es seien aus­schließlich Arbeiter und Kleinhändler, dienun dem Hunger und Elend ausgesetzt seien. Es sei unerhört, datz sich dergleichen im zwanzigsten Jahrhundert ereignen konnte, ohne daß der Völkerbund, der angebliche Schützer höherer Ziele, die Ausschreitungen des Wahnsinns und des Größenwahns eines Staates verhindert habe.

Naulin marschiert aus.

300 Kilometer Front. Die Sultanstruppen.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, L August.

.Havas" meldet aus Fez: Die Kampffront wird von General Raulin unter Eingruppie­rung der Sultanstruppe u einheitlich organisiert. Die herangezogenen Ver­stärkungen werden sofort in den Stellungen, die eine Ausdehnung von nicht weniger als drei­hundert Kilometer haben, eingesetzt

Kein Geld fürBeamte.

Wie Schlieben im Reichstag klagt.

Warn« keine böhcren (Schältet? Ans bes­sere Zeiten vertröstet. Biel Lärm nm nichts. Lrdnnngsrns«. Die Kontrolle der Völki- stben. Der Notetat bis 80. November ver­längert. Zuschläge zum Grundgehalt.

Beim Eintritt in die Tagesordnung bean­tragt der Haushaltsausschutz, den Notctat sur 1925, der schon bis zum 8. August verlängert werden soll, eventuell bis zum 30. November zu verlängern, wenn bis dahin der normale Etat nicht erledigt ist. Abg. Bender (Soz.) erklärt, seine Freunde müßten eine Verlängerung bis zum 30. November ablehnen. Der Redner hält eine schnelle Erhöhung der Beamtengehäl- ter, besonders der unteren Besoldungsgruppen, für dringend notwendig.

Reichsfinanzminister von Schlieben:

Es wäre mir auch viel lieber, wenn ich den Be- amtenwünschen Rechnung tragen könnte. Wir verkennen nicht die Notlage der Beamtenschaft und die Tatsache, datz die Beamten gewisser Gruppen sich schwere Entbehrungen auserlegen müssen. Zur Zeit lassen es aoer leider die Ver- hältnisse nicht zu, im Augenblick eine Milde- rung der schweren Wirtschaftslage der Beamten eintreten zu lassen. Die augenblickliche Gestal­tung des Reichsetats läßt eine Mehrbelastung nicht zu. Die Ueberschüsse aus dem Voriahre können unmöglich zu einer laufenden Mehraus­gabe benutzt werden, weil wir nicht wissen, ob diese Ueberschüsse wiederkehren werden. Eine allgemeine Beihilfe wird allgemein als sehr erwünscht bezeichnet. Wir müssen auch Rücksicht nehmen auf die sehr schwierige Finanz- läge der Länder und Gemeinden, die zum Teil gar nicht in der Lage wären, eine vom Reich verfügte allgemeine Erhöhung der Beamtenbe­züge mitzumachen. Mit größter Sorge erfüllt uns die fchwierige Lage der Reichsbahn. Wir würden da bei der Gewährung von Auf­besserungen die Gefahr einer weiteren Tarff- erhöhung heraufbeschwören, die wiederum der Wirtschaft schweren Schaden zufügen würde. Im Augenblick ist es leider zu meinem eigenen gro­ßen Bedauern

nicht möglich, für die Beamtenchaft etwas zu tun durch eine allgemeine Gehalts­erhöhung.

Ich hoffe aber, daß sich die finanziellen DerhAt- Ntsse des Reiches, der Länder und Gemeinden so entwickeln, daß in nicht allzu ferner Zeit die Lage der Beamten verbessert werden kann. Es handelt sich also darum, daß wir noch einige Zeit aushalten. Ich weiß, daß das den Beamten nicht leicht fällt, aber auch sie werden einsehen, daß es jetzt die wichtigste Aufgabe ist, erst einmal wieder eine ordnungsmäßige Etat­wirtschaft durchzuführen. (Beifall bei der Mehr­heit.) Abg. Dietrich-Baden (Dem.) lehnt die vom Ausschuß beantragte Verlängerung des Etats bis zum 30. November ab. Abg. 6ei­tert (Komm.) erklärt, die Kommunisten wur­den die Bewilligung des Etats ablehnen. Als der Redner behauptet, die Abgeordneten der Re­gierungsparteien gäben fich während der Ver­handlungen alkoholischen Genüssen hin, wird von der Rechten erregt protestiert. Vizepräsi­dent Dr. Bell ersucht den Redner, zum Notetat zu sprechen. Es kommt dann zu erregten Szenen, weil die Kommunisten lärmend Ord­nungsrufe gegen Abgeordnete der Rechten ver­langen, die angeblich »Lügner" gerufen haben. Vizepräsident Dr. Bell erteilt einigen Kommu- niften, die »Feige Bande" rufen, Ordnungs­rufe. Abg. Graf Reventlow (Völk.) wen­det sich gegen die Ausführungen des Finanz- ministerS. Als er auf die Barmatafsäre zu sprechen kommt, ruft Abg. Bernstein (Soz.) in großer Erregung: »Unverschämter Lügner!" Abg. Bernstein erhält einen Ordnungsruf und wird dringend zur Ruhe ermahnt, als er noch­mals erregt ruft: »Die ganze Barmaffache tft eine politische Mache!" Abg. Graf Reventlow empfiehlt eine Entschließung, die die Regierung ersucht, dafür Sorge $u tragen, daß der Außen­minister alle weiteren Befprechungcn und Ver­handlungen wegen des Sicherheitspattes und eines Einttitts des Deutschen Reiches in den Völkerbund nur unter

laufender Kenntnisnahme und mit Zu­stimmung des Kabinetts

und des Auswärttgen Ausschusses führt. Abg. Schuldt (Dem.) wendet sich gegen die Aus­führungen des Finanzministers zur Beamtenoe- soldungsfrage. Abg. Stöcker (Komm.) ver­liest unter lauten Hört-Hört-Rufen der Kommu­nisten »vertrauliche Richtlinien der Deutschnationalen Volkspartei zur Besprechung der deutschen Antwortnote". Abg. Graf von Westarp (Dntl.): Herr Stöcker hätte sich die Mühe sparen können, dieses sogenannte Dokument in einer Redaktion stehlen zu lassen (Unruhe) und hier $u verlesen. Er hätte nur auf meine letzte Reichstagsrede achten sollen, in