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Dienstag, 28. Intt 1925

92utttthet 173. Einzelnummer 10 Pf Sonntags 15 Ps.

Einzelnummer 10 Ps Sonntags 15 Pf. 15. Jahrgang

Dir Ucmeler »ieutftei. yiadnuhien embeinen wöche-uUL ied>8mai nachmiilag» Der Äbonnemeiiisvreis betraut für »en Monai 2. Mk bei '»«ter.Lulielluns «ns 0au», tn der toelcbäitsiteUe abaeholi l.xo»lf Dur» die IoN monaUickLOOMk suslchtteklicd 3ufteUunfl8ucbübr Perlao und Nedakiion Schlachtdofttratze 28/30. ,>ernsvrech«r »51 und »52. Mir unnerlanai etnaelandte P« trage kann die Re- 'aftlon eine Perantwvrtuna oder (Seroahr in feinem ftalk übernehmen. Müa* .adlnng des VemasaeldeS oder Ansprüche roenen etwaiger nicht ordnungsmamger Oet^runa * ft an saeichlolien i oiiicheckfonin i^ron ffur* a. Main Nummer O.tziii

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Meter Nemste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Loolidges Beobachter für Brüssel.

Keine Abrüstungskonferenz zum Herbst in Washington.

W Wie die Bahn rechnet

Ein stummer Beobachter.

Eoolidges Interesse für den FriedenSpakt.

(Eigene Drahtmrldung.)

Paris, 27. Juli.

Einem amerikanischen Blatt zufolge wird in der Umgebung des Präsidenten E o o l t d g e er­klärt, die amerikanische Regierung werde sich für die demnächst in Brüssel stattfindende K o n- erenz wegen des Sicher hei tSpaiteS interessieren und einen nichtoffiziellen Beob­achter zur Teilnahme an den Sitzungen ent« enden. In einem Interview soll Coolidge er« lärt haben, an einer friedlichen Gestaltung der Lage tn Europa mit allen Kräften mitzuarbei» len. Den Schuldnerstaaaten soll genü­gend Arit für ihre Zahlungen gegeben und mög­lichst günstige Bedingungen gestellt werden.

* * *

Botschafter vhilipp als Hvrchposten

London, 27. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Nach einer Meldung aus Newyork wird Präsi­dent Coolidge demnächst den amerikanischen Botschafter in Brüssel William Philipp empfangen, der, wie angenommen wird, ameri­kanischer Beobachter aitf der «Brüsseler Sicher- heitspattkonserenz" sein werde.

Stresemonn laßt dementieren.

Berlin, 27. Juli, (Privattelegramm.) Die in Berliner Blättern verbreitete Meldung, wo­nach der Reichsaußenminister Dr. S t r e s e - mann zu Konferenzen nach Paris oder Gens reisen werde, läuft, wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, den Ereigniffen voraus und ist vollkommen unbestätigt.

Dor leerem Haus.

Wehrmacht und Uniform im Reichstag.

Berlin, 27. Juli

Das Haus ist nahezu leer. Die Verordnung über den Verkehr mit Vieh und Fleisch wird, da sich neue Gesichtspunkte ergeben haben, an den Volkswirtschaftlichen Ausschuß zurücktzewiescn. Bei der zweiten Beratung des Wehrmachtver- sorgungsgesetzeS berichtet Abg. P a s s eh l (Soz.l

Worte der Verheißung.

Chamberlain über Sicherheitspakt u. Räumung.

(Eigener Drahtbertcht.)

London, 27. Juli.

In einer Rede In Birmingham erklärte Chamberlain u. a.; Wir wollen Verbitterung und Feindschaft, die der Bergangenheit ange­hören, in. Bcrgeffenheit geraten lassen. Ter Augenblick für mündliche Erörterungen in der SicherheitSsrage scheint freilich noch nicht ge­kommen zu fein. Schon die Anregung zu die­sem Meinungsaustausch, die bloße Tatsache, daß ein derartiger Vorschlag von Deutschland aud- ging und von den Alliierten begrüßt wurde, bat ein merkliches Nachlassen der bis dahin vor­handenen Spannung bewirkt. Die Räumung

len als im Jahre 1913. .

Frage: Die Reichsbahn hat doch einen er­heblichen Teil der Neparationslasien ,u tragen? Antwort: Aus dem Dawes-Gesetz lastet im Normaljahr auf uns die Abgabe von 660 Milli­onen. An rein politischen Saften treten dazu s« Geschäftsjahr 1925 noch etwa 440 Millionen hin­zu; das heißt, es sind die Dawes-Lasten um zwei Drittel erhöht In fedem weiter. Geschäfts- chr berechnet sich die politische Last auf etwa 220 Millionen, also ein Dritte! der Reparations- last. Die R e i ch s b a h n sollte all e r * t n « § nicht für zu hohe Tarife voran iwort- lich gemacht werden. Die Schuld trifft die, die der Gesellschaft zuviel solcher Lasten anlge- bürdet haben, die eigentlich auf das ganze Volk verteilt werden muhten und nicht nur auf die Fahrgäsw und Verfrachter. Das ganze deut­sche Volk, nicht die Eisenbahn, hat den Krieg ver­loren. Ist der Personalbestand der Reichsbahn geaenwärtig zu hock oder zu niedrig? Antwort: Mr haben bereits zweiundzwanzig Prozent unserer Beamten abgebaut. Da wir fedoch Pension und Wartegeld bezahlen müssen, beträgt der Gewinn, an Geld bemessen, nur acht Prozent. Wenn eingewendet wird, daß heute nur ein Verkehr von 66 Prozent der Vorkriegs­zeit vorhanden ist und demnach die Verwal­tungskosten der Reichsbahn auch nur 66 Prozent betragen dürsten, so stimmt das nickt. Die Nach­prüfung der wirtschaftlichen Verwendung des Personals in den einzelnen Bezirken ist mit Er­folg durchgeführt Der Personalbestand betrug Ende Mai insgesamt 735 845 Köpfe. Mithin ge­genüber dem Vormonat eine Verminderung von 1510 Köpfen.

Frage: Ist in absehbarer Zeit mit einer Erhöhung der Tarife zu rechnen? Ant­wort: Es wird der Reichsbahn immer wieder empfohlen die Tarife allgemein zu ermäßigen, dann hebe sich der Verkehr und mit dem erhöh­ten Umsatz hole sie die Verluste spielend wieder ein. Dazu ist Bedingung, daß anfängliche Ver­luste ertragen werden können. Das kann die Reichsbahn aber nicht. Sie ist nur dann in der Lage, ihren Verpflichtungen in feder Hinsicht ge­recht zu werden, wenn ihr Etat von feiner Seite aus mehr angespannt wird als es zur Zeit der Fall ist. Es ist fa bekannt, daß baS Lohitaris- rbkommen gekündigt worden ist. Es ist dringend erforderlich daß die Allgemeinheit dahin aufge­klärt wird, daß für d»ie Reichsbahn eine Erhö­hung der Löhne und Gehälter zur Zeit völlig ausgeschlossen ist und überhaupt nicht in Frage kommt. Sine Erhöhung von nur drei Pfennig pro Stunde würde eine Mehrbelastung von ca. einhundert Millionen bringen. Sie sehen also, ' daß die Frage gänzlich undiSkutabel ist. Bereits . sechzig Prozent aller Güter werden «n Ausnah- mrtarifen befördert mehr kann die Reichsbahn , nicht tun.

Deutschland alsGündenbock.

Abrüstungskonferenz und Sicherheitspakt.

(Eigener Drahtbericht.)

London, 27. Juli.

Einer Washingtoner Meldung zufolge hat Präsident Coolidge offiziell der Presse mitge- teitt, daß die Mächte bisher nicht in der Lage gewesen seien, seine Einladung zu einer weiteren Abrüstungskonferenz in Washington sür diesen Herbst anzunehmen, weil sie noch nicht sicher seien, daß Deutschland den S i- cherhei tspaki unter Bedingungen unter­zeichnen werde, die die Aufrechterhaltung großer Streitkräfte zu Laude und zu Wasser unnötig machen wurden. Die Aussichten, daß in diesem Jahre in Washington eine Konferenz starifin- öen werde, seien danach entschieden ungünstig.

Direktor Dorpmüller: Die finanzielle Lage der Reichsbahn muß als zur Zeil durchaus gesund und gesichert bezeichnet werden. Als man uns durch die Inflation des Beamten- körpers und durch die Ueberbürdung mit Po­litischen Lasten derart ertragungsunfähig ge­macht hatte, daß das Jahr 1923 normal erweise einen Zuschuß des Reichs in Höhe von 500 Milli­onen erfordert hätte da hat mn uns im Napem- der 1923 vom Reiche losgelöst und ohne flüssiges Betriebskapital auf bte Straße gesetzt. Die Lasten, die die Reichsbahn zu tragen hat, sind gegenüber der-Vorkriegszeit erheblich ho­her. Wir haben beispielsweise 75 000 Arbeiter, die früher nur in losem Verhältnis zur Ellen­bahn standen im Jahre 1920 zu Beamten machen müssen. Man schob uns immer mehr überflüs­siges Personal zu, das wir einstelleu mußten. Tie einzige Rettung kam dann in der Durchfüh­rung des starken Abbaues. Es sind aber noch immer nahezu zweihundert Millionen Goldmark mehr für Pensionen und Wartegelder zu zah-

bc8 Ruhrgebietes und der drei Sanktionsstädte ist im Gauge oder steht bevor, und wenn Deutsch land, wie ich hoffe, ehrlich und reibungslos di. restlichen Forderungen der Alliierten In der Ent« waffnungSfrage erfüllt, so werden die Alliierten ihrerseits veranlassen, daß Köln zusammen mn per ersten Zone des besetzten Gebietes von fran­zösischen Truppen ohne weiteres frei wird.

Der Funke springt über.

Gemeinsame Streikfront mit den Bergarbeitern.

(Eigener Drahtbericht.)

London, 27. Juli.

Der Sekretär des Bergarbeiterverbandes Ged sagte gestern abend in einer Rede, er werde heute nach Frankreich reifen, um mit Vertretern des Internationalen Transportarbeiterverban­des Vorkehrungen zu treffen, daß in den bevor­stehenden Lohnkämpfen einheitliche Aktionen mit den Kameraden aus dem Kontinent flchergestellt würden. Am Mittwoch werde es zu einer Kon­ferenz mit den Arbeitgebern in London kom­men aber die Kluft zwischen den Forderungen der Bergarbeiter und denen der Bergwerksbe­sitzer, die auf Sklaverei hinausgingeii, sei viel zu groß, um zu einer Einigung zu kommen.

Eine kritische Woche.

Bor einem Generalstreik in England?

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 27. Juli.

Premierminister Baldwin verbrachte saft den ganzen Sonntag mit den Vorbereitungen für die Aussprache mit dem Gewerkschaftskon­greß. Arbeitersekretär C - o k erklärte, die Staatsmänner hätten nichts weiter vorzuschla- gen, als daß die Bergleute ein Kompromiß eingehen sollten. Die Bergleute würden aber bestimmt keine Vereinbarungen an- uehmen, die eine längere Arbeitszeit oder eine geringere Bezahlung als im Jahre 1914 vor­sehe. Die allgemeine Besorgnis wegen eines möglichen Generalstreiks der Berg­leute spiegelt sich in den Reden zahlreicher Kabinettsmitglieder und Politiker, sowie in den Leitartikeln der Blätter* wider.

135000 Arbeiter im Streik.

London, 27. Juli. Eigener Drahtbericht.) Laut Pressemeldung ist bisher keine Rege­lung deS Streiks im Textilgebiet von Dor k- shire und Manchester in Sicht. 135000 Arbeiter haben die Arbeit niedergelegt.

Sie machen ihnen zu schaffen.

Kommunistenfieber jenseits des Rheins.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 27. Juli.

Ein Blatt erklärt, es sei in offiziellen Krei­sen davon gesprochen worden ,die Auslobung der parlamentarischen Immunität während ner Parlamentsserien dazu zu benutzen, die Um­triebe gewisser kommunistischer Abgeordneten abzustellen. Er wurde auch von der Möglichkeit einer Verhaftung der Abg. Cachin und Doriot gefprockte». Die gestern tn Bordeaux einge­troffenen aus Marokko ausgewiesenen beiden Schweizer wurden verhaftet. In AngerS wurde der kommunistische Bürgermeister wegen Aussor- derung zum militärischen Ungehorsam zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. In Tours haben gestern kommunistische Kundgebungen vor der Präfektur ftattgesunden und in Renen- darf bei Straßburg soll es in einer Wahlver­sammlung zu einer Schlägerei gekommen sein

Faust gegen Faust.

Kein Pakt ohne Gegenwirkungen.

Von

StaatSsett. a. D. Frhr. v. Rheinbaben M.d. R- Die internationale Diskussion über die deutsche 1 Note vom 20. Juli ist im vollen Gange und eS . läßt sich nicht vermeiden, daß über die juristischen , Konstruktionen der bisherigen Noten hinweg die öffentliche Meinung ganz einfach die Frage , an ihre Regierung stellt: Welche Vorteile haben die abzuschlietzcnden Verträge eigenrncy für unser Land? Am dringlichsten und schärf­sten wird selbstverständlich diese Frage in Deutschland und Frankreich erhoben werden und ebenso klar und scharf muß die Antwort baraut gegeben werden, zumal Herr Briand schon wie­der eifrig am Werke ist, den ersten Eindruck der deutschen Note zu Gunsten Frankreichs zu ver­wischen.

Wenn Deutschland und Frankreich durch neue Verträge selbst bei formeller Aufrechterhaltung deS Versailler Traktats endlich zu einer wirk­lichen Enspannung und später vielleicht zu Hncr gewissen Art von Verständigung kommen konn­ten, so wäre dies unzweifelhaft von großem Vorteil für beide Länder. Nur ein Tor könnte daS leugnen. (88 kommt also bei SicherheitS- Pakt und Schiedsverträgen darauf hinaus, ob sie zunächst einmal überhaupt im Geiste der Eni- spannung und Verständigung abgeschlossen wer­den können. Wäre baß nicht bet Fall, so hätte der Abschluß von Deutschland aus gesehen ganz gewiß gar keinen Zweck. Entspannung, erst wirt­schaftliche, dann politische Verständigung im Be­reich des Möglichen d. h. soweit Geschichte unv Traditon es erlauben das wäre in der Tat daS festeste Bollwerk für den künftigen Frieden in Europa. Aber welcher Deutsche ver­mag heute schon an die Verwirklichung so gro­ßer Ziele zu glauben! Trotzdem haben wir den Weg dahin unsererseits beschritten undes wirb nicht an uns liegen, wenn die Gegenielte sick auf diesem Wege mit uns nicht treffen und so einen sehr wichtigen Teil der immer noch be- stehenden Kriegszerrüttung und FnedenSstv- rung beseitigen will. .

Neben dem großen allgemeinen Ziele der deutsch-französischen Entspannung und der ihr folgerten Befriedigung Europas enthalt die deutsche Note am Ende ihres ersten Teiles den an Wichtigkeit meines Erachtens Alles Andere übertreffenden Hinweis, daß dasZustandekom- nun eines Sicherheitspaktes eine so bedeut- fame Neuerung darstellen würde, daß sie nicht ohne Rückwirkung auf die Verhält- nifle der besetzten Gebiete und überhaupt auf die Frage der Besetzung bleiben dürfe. Das Ausmaß der Rückwirkung vom Abschluß des Paktvertrages, der Schiedsgerichts- Verträge und des eventuellen Eintritts in den Völkerbund inbezug auf die Verhältnisse in den besetzten Gebieten wirb letzten Enbes bariiber entscheiden, ob die Ver­handlungen zu einem Ergebnis führen können

Ein Interview bei der Reichsbahndirektio».

Die »en den Gewerkichntte« einacleltete nette Lobnbewegnng bat die ftnanoe c Lnac der Reichsbahn wieder lu den MMelvunkl der Disluiffori gerückt. Der stellv. Genernldlrek- lor Dornmüller bat «nimm Berliner Vertreter die schwebende« Probleme in knap- ven Umriffen vor Angen gestellt.

Die Slfenbadner als etreilfrtunöe.

London, 27. Juli. Der Sekretär des engli­schen EifenbahnerverbandeS Drarnp sagte in Woodford; Wenn Sonnabend der Äergarbeiter- streik beginnen sollte, werde eine Minute später keine Kohle mehr befördert werden. Sollten Eisenbahner wegen ihrer Weigerung, Kohlen mitzunehmen entlassen werden, so wür­den alle Eisenbahner sich mit ihnen f o- lidarifch erklären. Der Präsident des Berg, arbeittrberbanbeS erklärte in Darsielb, eS sei besser, zu kämpfen unb zu verlieren, als auf ben Kamps im voraus*zu verzichten.

Sin verhaßter Bischof.

London, 27. Juli. (Privattelegramm. Nach einer Bergarbeiterversammlung in Durhan, tn der Marbonald sprach, wurde Bischof Wellbon von Der Menge tätlich angegriffen, weil er sich gegen ben Streik ausgesprochen hatte. Der Btsätof mußte von der Polizei geschützt werden.

Aber ein Patt verdient von vornherein unsere ganz besondere Aufmerksamkeit! Wäh- renb man tn Deutschland allmählich allgemein in dem Hauptbeschwerdepunkt im Westen hinsicht­lich der Räumung Kölns weitgehend überein- ftiimnt, besteht über die Absichten der Franzosen hinsichtlich künftiger Kontrolle durch denBölkerbund noch keine genügende Auf­klärung. Frankreich hat sich von feinen guten Freunden int Völkerbundsrat das f»genannte Investigation-Protokoll" einstimmig bewilligen lassen. In der Tat ist das waS in diesen beiden Elaboraten des VölkerbundsrateS steht, so-empörend, erneut so demüti­gend unb so unmöglich für Deutschlanb, daß heute schon bte allergrößten Schwierigkei­ten allein auS btefer Angelegenheit mit Sichez- heft voransznsehen sinb. Nicht nur würben nach dem Wortlaut deS Protokolls die intimsten Schnüffeleien in unserer Gesetzgebung. Verwal« tung, Transportwesen unb manche anderen für alle Zeiten rechtlich festgelegt, sondern e- ist ausdrücklich neben dem französischen Ge- nerat alS Vorsitzenden die Hinztuiehung pol- nischer und tschechischer Mitglieder zur! Untersuchung vorgesehen. Sin Volk, das sich solche Dinge sechs Jahre nach Friedensschluß freiwillig auferlegen ließe, könnte von anderen großen VSlkern garnicht mehr ernst genommen werben. Sin weiterer Punkt bebeu« tet auS dem französischen Protokoll in unser deutsch übersetzt nichts anderes als baß Frankreich auch tnbemgeräumtenRhein.

and unter der Fassadeständiger Elemente" permanente Kontrollkommissio­nen aller möglichen Art hinsetzen will, deren Anwesenheit natürlich dem Rheinland nicht die

ersehnte Freiheit geben, sondern auf unabsehbare Zeit die Rechte der deutschen Souveränität auf deutschem Boden in unannehmbarer Weise ein» schränken wurde.

Es ist alfo geradezu erstaunlich, was man unter der Formel der Entspannnng und Ver­ständigung auch heute noch Deutschland zu bie­ten wagt. Wir wollen diese Entspannung und wenn möglich dann die Verständigung mit Frankreich in aller Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit das sei noch einmal ausdrücklich unterstrichen. Aber gerade wenn nun in diesen Tagen die Stimmung in Frankreich und bis zu einem ge­wissen Grade auch in England sich am geschickten Leitseil der Regierungen schon wieder schnell in einer für uns wenig günstigen Richtung formen lebt, dann sollte es die Alufgabeder dent- ch e n Politik sein, von der festen Plattform unseres Verständigungswillrns aus den Begriff derRückwirkung" alS unbedingt zu ver­wirklichende Gegengabe gegen bas beutsche Opfer ber. freiwilligen Anerkennung bei Wnsi- grenzrn rechtzeitig so zu klären, baß später keine unliebsamen Ueberraschungen eintreten r