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Kasseler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

15. Jahrgang

Sonntag, 26. Juli 1925,

Einzelnummer 10 Pf^ Sonntags 15 Pf.

Reichswehr im Feuermeer der Heide

müsse die Gewähr bieten, daß eS

rebter und hin

reu-

Briand das Wort. Seine

Sgeri

und nicht zum Kriege führe, und zwar in Gestalt eines Sanktionsprozesses, der vom Völkerbund mit vollkommen unparteiischer Parität geleitet

frage kommen- cheS in AuS-

schneidenden Gegenforderungen BriandS einen Stillstand herbeiführen werden. B°ldwin und feine Kollegen beabsichtigten, eine sehr feste Haltung gegenüber allen übertriebenen und

Paris, 25. Juli, »abe Abd el Krim :n FriedenSwinke

gefährlichen Forderui den Parteien einzuiu sicht genommene S

Wie ein Blatt berft f die spanifch-franj ht reagiert. Die an

de, des Mitleids, der Liede und des GlückS.

Nun sind regenfrische Brisen überS sommer- müde Menschenland gefahren und in gedämpf-

halten, um die Erörterungen zu beschteunigerr. ES werde aller Geschicklichkeit Chamberlains be­dürfen, um die deutsckp-französischen Meinungs­verschiedenheiten zu überbrücken. Der diploma­tische Berichterstatter, befürchtet, daß die ein»

chtSsystem zum Frieden

©treiftumulte in Bradford.

Unruhen unter den Textilarbeitern.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 25. Juli.

In Bradford traten 50 000 Textilarbeiter in den Ausstand, und zwar entgegen den von ihren Führern erteilten Weisungen. Die Streikenden drangen in die Fabriken, wo gearbeitet wurde, ein und erzwangen die Einstellung der Arbeit. Schließlich muhte die Polizei eiiigveifen. Zahl­reiche Fenster find durch Steinwürfe zertrümmert worden. Zwei Polizisten wurden verlebt. Die BergwerkSbefitzer und die Bergleute hielten ge­stern eine gemeinsame Konferenz unter Vorsitz tes offiziellen Vermittlers Bridgeman ab. ES wurde vereinbart, am Mittwoch eine neue ge­meinsame Konferenz abzuhalten. Der Sekretär der Bergleute Cook erklärte, man hoffe am Mitt­woch Fortschritte zu machen

Wer ist Abd ei Krim?

Der Rachefeldzug des Rifhäuptlings.

Kein Echo aus dem Nif.

Abd el Krim schweigt auf die FriedenSrufr. (Eigener Drahtbericht.)

Shanghai, 25. Juli.

Die hiesige chinestsche Handelskammer gibt die Versicherung ab daß der Berwaltungsrat keine ungesetzliche Bcaßnahme gegen tue englisch- japanischen Geschäftsleute in Erwägung gezogen habe. Er hoffe aufrichtig, daß eine rasche Erle­digung der Zwischenfälle vom 30. Mai auf der Grundlage der internationalen Gerechtigkeit er­folge. Die moraliche Unterstützung durch aus- ländifche Freunde inner« und außerhalb Chinas sei dringend erwünscht und werde vom chtnesi- schen Volk dankbar begrüßt werden.

Die Lage ist ernft.

London, 25. Juli. (Privattelegramm.) Der Gewerkschaftskongreß erklärte gestern, die Berg­leute und di? Tertilarbeiter unterstützen zu wol­len. Die Verbände der Eisenbahner, der Trans- Portarbeiter, der See- und der Feuerwehrleute wollen sich heute über Sie Schritte schlüssig wer­den, die sie wegen des Gebrauchs von englischer und fremder Kohle zu unternehmen gedenken, falls die englischen Bergwerke stillgelcgt werden sollten.

9?ttMIHICt 172. Einzelnummer 10 Pf, Sonntags 15 Pf.

dahin, nicht unähnlich dem grandiosen Schau­spiel, daS diese Spalten jüngst oom politischen Leben entrollten. Da hat bei 34 Grad Im Schatten in den kühleren Reichstagshallen sich fast wie vor 11 Jahren das Wunder deut­scher Einigung vollzogen, als eS galt, dem Erbfeind im Westen heilige- deutsches Land und Leben abzutrotzen. Denn nichts anderes will der deutsche Sicherheitspakt, wie Strese - mann-Luther vor aller Welt bezeugten: Die Sllavenfeffeln von Versailles lockern, das furchtbare Besatzungselend auch im Rheinland abschütteln und durch Schiedsverträge sich die Achtung und Gleichberechtigung im Völ- kerleben erzwingen, auf die wir kraft unserer Kultur- und Wirtschaftsgeltung Anspruch ha- ben. Nur diese Aussichten können den bei- spiellosen Verzicht des deutschen Michels auf urdeutsches Land rechtfertigen. Diese unerhör­ten Opfer müssen durch Zugeständnisse ausge­wogen werden, die uns auch die Fesseln des Völkerbundes und der Schiedsverträge

Der Derbener Brand gelöscht.

Osnabrück, 25. Juli. (Privattelegramm.) Den vereinten Kräften der Schutzpolizei und der Technischen Nothilfe gelang es, im Laufe der Nachmittagsstunden des Brandes im Verde- ner Moor Herr zu werden. Gegen zehn Uhr abends war das Feuer bereits soweft etttge» dämmt, daß ein weitere- Brennen deS Moores vorläufig ausgeschlossen ist.

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Verkehr mit den Brüdern Mannesmann

die Deutschen hatte schätzen lernen, machte gleich bei Beginn des Weltkrieges aus seiner Deutschfreundschaft und Propoganda so wenig ein Hehl, daß Spanien, das seine Neu­tralität erklärt hatte, sich wohl oder übel in die Zwangslage versetzt sah, seinen Beamten in «chutzhaft zu nehmen. An jen-m Tage schwur der Maure in seinem Herzen blutige Rache. Als sich die Tür des Kerkers hinter dem Gefangenen schloß, waren im selben Augen­blick auch die Bande zerrissen, die ibn mit Spanien verknüpften In der Einsamkeit der Zelle nährte er einen wilden Haß, und mit ihm zugleich keimten in der Seele des Moslems die ehrgeizigen Pläne auf, die er insgeheim immer gehegt hatte. Vor allem mußte er die Freihnr

stattfinden. Am Mittwoch wird vorausfichllich der Reichskanzler mit Arbeitervertretern die ganze Frage besprechen. Der heutige Sonn­abend hat im Ruhrgebiet wieder 1950 Kündi­gungen gebracht. Von acht Hochöfen des Reviers werden zwei Anfang August ftillgekegt

Mienen haben sich nach dem ersten gewinnen­den Lächeln sehr verfinstert und der gefährliche Scharfschütze hat nach allen Richtungen seine Falken steigen lassen. Chamberlain ließ er ein Brieflein voller Vorbehalte eingehend erläutern und Prag und Warschau hat er abermals ewige Treue geschworen. Aber England und der vierte im Bunde Diktator Mussolini haben ernstere Sorgen (von Frankreichs eigenen ganz lu schweigen) aI8 daß Briands nervöse Eile rasch zum Ziele führen könnte. Zwar hat auch Chamberlain mit Blitzesschnelle BriandS Ein­wände überflogen, seine Schlüsse gezogen und sie schon nach 24 Stunden am Quai d Orsay überreichen lassen und englische Blätter träumen schon von dem großen Herbsttriokonzett mit Sttesemanns Baßgeige in Genf Aber einstwei­len brummt Oldengland doch heftig der Kopf von dem anschwellenden Stteikalarm der Berg­arbeiter. der in der gesamten Arbeiterschaft nach- hallt und gefährliche Formen angenommen hat. Die Arbeitslosenheere wachsen und der Absatz stockt genau wie bei unS im Ruhrgebiet, dessen Röte sich jetzt sogar das ReichSkabinett ange­legen fein läßt.

Und wie jensefts des Kanals trotz deS ge- wonnenen Krieges, ttotz der mit deutschen Rc-

Dlchlung und Wahrheit.

Wer ist in Marotto geschlagen?

Der aus der zweiten Seite wiedergegebene amtliche ftanzösische Marokkobericht besagt, daß die Rifleute ihren Rückzug in die Berge fortsetzen und daß man allgemein den Eindruck habe, Abd-el-Krim suche sich der französischen Generaloffensive durch einen beschleunigten Rückzug zu entziehen. In schroffem Widerspruch zu dieser Stimmungsmeldung steht die fol­gende Meldung aus Madrid:

Madrid, 25. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Nach Meldungen ans Tanger wurden die Fran­zosen, obwohl fie neue Reserven einsetzten, unter schweren Kämpfen gezwungen, die Stellun­gen von Fez zu räumen. Auch bei Ain- Mediuna und Ain-Matonef wurden die Fran­zosen ttotz Einsatzes von vierzig Bombenflie­gern von den Rifleuten geschlagen.

ten Briefe, seien fie auch noch so authentisch, könnten nicht als eine solche Antwort aufgefaßt werden. ES sei möglich, daß noch eine Mittei­lung an Äbd el Krim ergehen werde, damit kein Zweifel über seine Absichten bestehe, bevor Frankreich und Spanien stärkere militärische Kräfte einsetzen. Inzwischen habe die Konferenz von Madrid ihre Arbeiten beendet und General Primo de Rivera werde nach dem Rif reifen um mit über die französisch-spanische militärische Zusammenarbeit, die demnächst in Erscheinung treten werde in endgültiger Form zu beraten.

ES muß etwas geschehen.

Reichskanzler und Minister als Ruhrärzte. (Privat-Telegramm.)

Berlin, 25. Juli.

Im Zusammenhang mit den Besprechungen der Arbeitgeber des Ruhrkohlenbergbaues und der Eisenindustrie beim Reichskanzler sol­len am nächsten Dienstag beim Reichsar- beitSminister gemeinsame Beratungen

frorattone« gemästeten Finanzen und trotz des um den deutschen Raub riesenhaft vermehrten Kolonialbesitzes, fast über die Nacht die große Ernüchterung mit Arbeits- und Wirt- schaftSelend gekommen ist, so hat auch das Was- [er im Wein der Berliner RegierungS- siege die frohe Erregung schnell gekühlt. Der erste Pariser Freudenrausch über die Sicher- hettSnote ist verflogen und die gefürchteten Steuer» und Zolldebatten im Reichstag stehen noch bevor. Die Linksparteien haben so­gar die Massen mobil gemacht, sodaß nicht ab» zusehen ist, wie die Regierung in der eng be­grenzten Frist der Schwierigkeit Herr werden will. F. R.

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Abd el Krim ist heute sechsundvierzig Jahre alt Die Figur erreicht kaum das Mittelmaß, Lippen und Kinn des fahlgelblichen Gesichts umzieht ein schütterer schwarzer Bart, der nach maurischer Ditte geschnitten ist. Auf den ersten Blick hat man den Eindruck eines Mannes, der in ein tiefes Innenleben eingesponnen ist, der einem ehrgeizigen Traum nachsinnt und dem Verkehr mit anderen aus dem Wege zu gehen pflegt. Er vermeidet beim Sprechen den Blick auszufchlagen, spricht nur wenig unter Ver­meidung von Gesten, und das wenige, was er spricht, mit so leiser Stimme, daß es dem Ohr kaum verständlich ist. Der Geldgewinn war es sicher nicht, der ihn bestimmt, anfangs einer europäischen Macht seine Dienste zu leihen. Gehörte er doch der

mächtigsten Familie des Rifs an, der der Iatabi, die seit unendlicher Zeit die Herrschaft über die Stämme von Beni ilrriaguel ausübte, eine Herrschaft, die sich vom Vater auf den Sohn vererbte. Stein, Abd el Krim dachte gewiß nicht daran, sich auf dem Umweg über eine kleine Beamtenlaufbatzn zu bereichern. Er fchwieg und beobachtete. Mehr als alles andere reute es ihn, einen Schatz von Erfahrungen über den Charakter und die Gewohnheiten, die Gedankengänge, kurz, die ganze Zivllifation der Europäer zu sammeln.

Es war die Zeit, in der die B r ü d e r M a n- neSmann in Nordafrika Untersuchungen über die Bodenschätze des Landes anstellten. Der Vater Abd el Krims war mit den Mannes­mann, die in Marokko nach Eisenerzen suchten, bekannt geworden und hatte ihre Aufmerksam­keit auf die berühmten Eisenerzlager des Monte Aman gelenkt, der im Rif ge­legen ist und der erste Zankapfel der gegenwär- tigen Händel War. Die Begeisterung, die die Mannesmanns beim Anblick dieser enormen Erzgruben zeigten, brachte den geriebenen Mau­ren erst auf den Gedanken, dieses Lager selbst auszunutzen, ebne mit lästigen Gefährten teilen zu müssen. Der Alte hatte zwei Söhne:

Abd el Krim und Mohammed.

Dem ersteren übertrug er sozusagen den politischen Teil dieser geschäftlichen Angelegen- beit, dem zweiten den technischen Teil der Auf­gabe. So kam Abd el Krim nach Melilla und ttat dort als Beamter in den D i e wst Spaniens, in der Absicht, mit den Spaniern beständig Fühlung zu halten, ihre polittschen Jnttiguen zu verfolgen und sich auf dem laufen­den über alles zu erhalten, was sie in Afrika unternahmen. Der zweite Sohn, Mohammed» wurde zunächst nach Malaga und später nach Madrid geschickt, um die dortigen Hochschul­kurse für Bergwerksingenieure zu besuchen. Die Erinnerung an den jungen Mann ist heute noch bei allen, die ihn kannten und mit ihm verkehrten, lebendig. Er lebte im Studenten- heim, ging viel in Gesellschaft nud hatte sich rasch zum europäischen Kavalier gewandelt. Nach dem Tode seines Vaters, der im Jahre 1909 erfolgte wurde Abd el Krim zum Kaid della Kabila (Bezirks-Chef) ernannt. Gleich­wohl blieb er tn Melilla und in Fühlung mit den Spaniern. Ja, er wußte sogar das Ver« trauen der Madrider Regierung in dem Grade zu gewinnen, daß et mit dem Amt des Kaid Koda, d. h. mit der Oberaufsicht der Gerichtsbarkeit der Eingeborenen tn Me­lilla betraut wurde, ein Amt, das er bis zum Jahre 1916 inne hatte, in dem Ereignisse ein« traten, die feine Zukunft entscheiden sollten. Abd et Krim, der im

Dialoge über dem Kanal.

Chamberlains Antwort. Baldwins Standpnntt. (Eigene Drahtmeldung.)

London, 25. Juli.

Einem Blatt zufolge find die Anfichten Grotz- britannienS über die deutsche Sicherheitspaktnote in einer gestern an den britischen Botschafter in Paris gerichteten Mitteilung zusammengefaßt worden. Lord Crewe werde sie umgehend Briand übermitteln. Es sei jedoch nicht richtig, anzunehmen, daß BriandS letzte Mit­teilungen neue Schwierigkeiten bereitet hätten, die kritisch seien. Ein anderes Blatt schreibt, wenn Chamberlain und Briand im September zur Völkerbundsversammlung nach Genf gin­

einigermatzen erträglich machen.

Daß daS ganze deutsche Volk für diese Friedensoffensive größttn SttlS einzustehen ge- toiCt ist, durfte nun auch dem ärgsten Zweifler diesseits und jenseits der Grenzen durch die Abstimmungsmehrheit eingebläut sein, bei der sich Deutschnationale und Demokaten brüderlich die Hände reichten. Selbst bei den schärfsten Regierungsgegnern kam ein natio­naler Wille und Schwung zum Durch­bruch, wie man ihn seit den großen Kriegslagen nicht mehr erlebte. Denn selbst der Linken genügte Sttesemanns Mimosentaktik nicht mehr und der freiwillige Verzicht auss Elsaß und Kriegsschuld-Unterlassungssünden wurden aufs schärfste gerfii

Nun hat .

Gommer im Äenith.

Erlebnisse von gestern und heute.

Dar das eine Hitze! Sie hat uns Tagelöh­nern der Pflicht den letzten Schweißtropfen aus den Poren gepreßt, sie hat die Eingeweide des Erdballs und unser rotes Mrnschenblut zum Kochen gebracht, sodaß die Moore sich entzünde­ten, über den sengenden Domen der Wälder die Feuersäulen auflohten, Mensch und Vieh von den Sonnenpfeilen wie vom Blitz gefällt wur­den. Im heißen Brand der Juliglut ist aber auch das Brot der Erd'e fast über Nacht zum Schnitt gereift und schon sind vor den blanken Eisen trotz marokkanischer Temperaturen die raschelnden Halme zu TodeSreihen geschichtet und von nervigen Bauernfäustett in Hausen und Stiegen gerafft. Und wenn dann in blaugold- nem Purpurglanz der Abend von den Habichts- bergen nieberftieß und Sternenkühle südlich süß und milde die heißen Stirnen fächelte, wenn Millionen Lindenölütenlippen verschwenderisch- zärtlich ihren Duft verhauchten, wenn in den grünen Gewölben der Parks und Gärten bei weichen Melodienklängen sich tausend erhitzte Menschensinne Labsal und Erquickung tranken, wenn dann zu Hunderten die rot-blauen Papier­lampions aufglommen, im zischenden Flammen­schein Baumkulissen geisterhaft starrten ... bann war das Sommernachtsmärchen in phantasti­scher Fülle angebrochen. Dann brach sich das Lichterspiel traumhaft in dunkler glühenden Blicken, und nach Tagen der Qual, nach Jahren des Leids erschlossen sich Herzen und Lippen be-

Shlna beugt bas Knie.

Kein Boykott gegen Japan und England. (Eigene Drahtmeldung.)

Die rote Hexe im Moor.

Wiederausflackern der Brände in Hannover.

(Privat-Telegramm.)

Brelingen (Hannover), 25. Juli.

Der nun schon fünf Tage wütende Brand in den Mooren erfireckt sich auf einen Gesamt- flächenraum von achtzig Quadratkilometern. Obwohl eS zunächst gelungen war, das mit un­erhörter Geschwindigkeit sich auSbrettende Feuer park einzudämmen, so bestehen doch noch über­aus zahlreiche Brandherde, die infolge des am Freitag einsetzenden Windes wieder an mehre­ren Stellen aufflackerten, so besonders im Bissendorfer Moor. Der

Regen hat an der Lage nichts geändert und die heute wieder einsetzende Hitze bringt Mieder besondere Gefahren mit fich. Bei der Be­kämpfung des FeuerS, die fich vor allem auf Ein- däunnungsmatznahmen beschränken mußte, t .oeui man die züngelnden Flammen mit Wachholder­zweigen bedeckt und tiefe Gruben ins Land zieht, ist eine Kompagnie Reichswehr im Abschnitt von Ohrensborstrl, eine andere int Abschnitt Bechlingen-Scharrel bis zum Helpstor-

Moor und die Technische R o t h i l f e bei issendorff-Riffe beteiligt Schwierigkeiten be­reitet die Regelung der Ablösung der Löschmannschafteu und die Verpflegung. Der staatliche Hochwald und die Höfe sowie die Ernte konnten bisher gerettet werden. Ge­schädigt find vor allem die Torfbauer und auch die Gemeinden, deren Wald- und Buschstand in weitem Umfang vernichtet find.