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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Freitag, 24. Zrrli 1925.

SRtittttltet 170. Einzelnummer 10 Pf. Sonntags 15 Pf.

Einzelnummer 10 Pf, Sonntags 15 Pf. 15. Jahrgang

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Hessische Abendzeitung

4 «fZ Reklamen Me.Beite 75 Pio. Cffertfiebübr W Wg. ^ei ^uiendq. derOtterten Ztt Psi^t Rechnut-ashetröae lind innerhalb 5 i.a. >u bttahlen. Mahaebend ikt der Kurs »eS.SablunasiaaeS. ftür die Richtigkeit aller »urch Fernsprecher aukgegebenet. An- ,eigen ioroie für Äutnabmedaten und Plage kann ntch' garantiert werden- M «Zeigen mit bekond. kchwierigem Gas liitl Pro,.«ufl»lag. Druckerei: Schlachlbo!- ftrehex'St' Melchättsttelle MSI" Str.5. neoenüb »er Svohrktr. Rernkvr 951 n. 95.

Briands Stimmung Wägt um.

I Am KarpMentor

j Bon Hermannstadt durch den Roten-Turms

Turmpatz.

letzte'

Auf neuen Wegen.

Der Sicherheitspakt in der ReichstagSschmicve.

Naulkn gegen Abd el Krim.

Niederlage« der Riflabqlen.

(Eigener Drahtbertchi.) Paris, 23. Juli.

* General Nauliu hat das Oberkommando an der Front übernommen. Jn C^rsablanca sind gestern dreißig Tank« eingetroffeu. ,^avas« meldet aus Fe,: Die Riftrup- pe n scheinen stch nach Norden zu rück- zuziehen. Französtfche Abteilungen haben mit Unterstützung von Artillerie die aus dem Frontabschnitt am mittlere« Uergha «bziehen- de« auf die rechte Flutzfette getrieben. Ein Sonderberichterstatter drahtet, daß nach der jüngsten Niederlage «6b ei »tim beschlossen habe, selbst das »ommaudo einer soforti­gen Offensive zu Übernehmen. Nach der außer- ordcntlich lebhaften Tätigkeit der Ristruppen scheine eS, daß Bbd el Krim in der Gegend von Lezza« eine« Ablenkungsangriff zu unternehmen versuchen werde. Rach dem jüng­sten Verlust des Postens Ktnana und der Zurück- ziehung der kleinen Garnisonen wollten die Rif­leule di- französische« Truppen überrasche«. Sie dürste« jedoch bald merken, daß dir stanzöflsche« Truppen bereit sind, sie zu empfange«. Ueber die Lage a« der spanische« Marokkofronk verlautet: Au der westliche« Front zeigt der Feind sich wieder rege. Der Rifführer El Ruro habe die tüchttgsten Krieger vor Faj Fondak Aain Jjedide zusammengezogen.

(Sin Schrei in der Nacht.

Londoner Stimme« zum Sicherheitspakt.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 23. Juli.

Ein Blatt führt in einem Leitartikel aus, die deutsche Note zur Sicherheitssrage eröstnete eine

lange Periode von Erörterungen. Wett davon entfernt, die stanzöfischen Fragen dazu auszu­nutzen, ein Feilschen über unklare Puntte des Völkerrechtes zu beginnen, erfülle die deutsche Note, was der kluge Antrieb verspreche, der die deutsche Regierung bewogen habe, die Februar­vorschläge zu machen. D»e ursprüngliche« deut­schen Vorschläge seien ein zitternder Schrei in der Nacht gewesen. Das diplo­matische Verfahren von Frage und Antwort, zu dem sie führten, fei wie eine Unterhaltung mit heiseren Stimmen" über eine Klust von gegen­seitigen Mißverständnissen hinweg. Es stehe zu vieles im Hintergrund, eine sehr bittereBer- gangenheit, Krieg, getäuschte Hoffnungen und Argwohn, sodaß eS mehr als einen Tag dauern werde, um von neuem die Sprache des Vertrauens zu finden. Der Unterschied in den Stimmungen der Länder Wetz- und Mitteleuro­pas vor achtzehn Monaten «nd jetzt sei erstaun­lich. Das Ruhrgebiet werde jetzt vollständig geräumt und innerhalb sehr kurzer Zeit würden sogar die Sankttonsstädte Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort befreit fein. Die Ruhrbesetzung und alles, was sie in sich geschlos­sen habe, sei so gut wie zu Ende. Die fran­zösische Rote n«b die deutsche Antwort feie« Marksteine auf der Suche nach neuen For­men des Zusammenlebens. Betont werden müßte, daß beide eine aufrichtige Bemühung bar­stellten, die Klust unvermeidbarer Mißverständ­nisse zu überbrücken. DaS praktische Ergeb­nis würde sein, daß Aktive Verhandlungen" für Abschluß eines Paktes wirklich vorhanden seien.

niederlegen würden. Sir Steel-Maitland erwi-I Berte, er habe in dieser Angelegenheit eine drin­gende Konferenz einberufen. Sir Worthington Evans bestätigte auf eine andere Frage, daß ihm bekannt fei, daß in zahlreichen Ländern wissenschaftliche Versuche bezüglich der Herstel- lung von Giftgasen und andere« Kriegsmttleln unternommen würden. Der Reichsverteidi­gungsausschuß befasse sich gegenwärtig mit der Frage, wie die Zivilbevölkerung gegen Giftgas- angrisfe geschützt werde« könne. Auf eine An­frage erklärte Chamberlain, daß die britische

Wettersturz in Varis.

Briands Gaukelspiel in der Sicherheitsfrage.

(Privat-Telegramm.)

Paris, 23. Juli.

Rach Prüfung der deutschen Sicherheitspatt- nute beauftragte Briand den französischen Botschafter in London, Chamberlain die zahlreichen französischen Vorbehalte zu unter­breiten. Die polnische bezw. tschechoslo­wakische Regierung wurden davon unterrich­tet, daß, wenn auch die Antwort des Reiches die Eröffnung von Verhandlungen mit Deutschland gestatte, sich dennoch daraus ernste Gegen­sätze zn der französischen Auffassung ergäben, einmal hinfichülch der Auslegung des Arti­kels 16 des Völkerbund patteS, der das Borgehe« bet angeschloffenen Staaten im Falle eines Konfliktes regelt, und andererseits hinsicht­lich der deutschen Vorbehalte bezüglich des Schiedsgerichtsverfahrens.

Sitzung bekämpfte der Kommunist Stoecker heftig dir Antwortnote, die er als eines der trau­rigsten Dokumente bet den schen Geschichte be­zeichnete, schlimmer noch als das Versailler Dik­tat, weil eine Regierung mit fünf deutschnatio­nalen Ministern das Unrecht freiwillig aner­kannt habe, das Deutschland in Versailles zuge- ügt wurde.

So scheint der« wirllich endlich wieder we­nigstens nach außen hin die Einheitsfront des Volkes wiederhergestellt zu sein. Denn auch die Opposition hat sachlich gegen Stresemanns Richtlinien nichts einzuwenden. Selbst Westarp von rechts und Breitscheid von liickS haben Ja und Amen gesagt und das ist ein bedeutungs­voller Fortschritt. Denn nur so werden wir wieder Schritt für Schritt un8 mit den Waffen des Geistes die Stellung im Völkerleben er­kämpfen, die uns aus Grund unserer Leistungen und Lebensnotwendigkeiten zusteht.

Londoner Taaesfpieael.

Entspannung ih China. Riesenstreik. Giftgase.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 23. Juli.

Im Unterhaus erwiderte Chamberlain auf eine Anfrage, daß die allgemeine Lage in China etwas günstiger geworden sei. Während der letzten Woche sei es in keinem der Häfen zu neuen ernsten Unruhen gekommen und der Streik in Schanghai und anderen Städten scheine ab­zuflauen. In Peking herrsche völlige Ruhe. Die Boykottbewegung habe stch allerdings noch ausgebreitet. Rileu 'Arbeiterpartei) fragt den Arbeitsminister, ob es ihm bekannt fei, daß morgen voraussichtlich zweihunderttausend Ar­beiter der Textilindustrie in Iorkshire die Arbeit

Die rote Stadt. Deutsche auf der Grem- wacht. Bei den Siebenbürgen. Das Heldenstück der Sonern. RomantNÄe Fels- Uenerien. Eiusnllst-r der Bölkerbeere.

Rumäniens Lnrusbad.

Hermannstavt, Mitte Juli.

den' der Ältfluß ins Gebirge eintritt/ Der Rote-Tutm-Paß ist der bequemste aller Karpa- henpäffe. Um seinetwillen ist Hermann- ladt gegründet. Hier liegt daS Zentrum des iebenbürgisch-sächsischen Lebens. Die Mehrheit der Einwohnerschaft ist noch heute deutsch. Das Deutschtum in Siebenbürgen ist sozusagen eine strategische Gründung. Hermannstadt deckt den Ausgang aus dem Roten-Turm-Paß, und Kronstadt weiter östlich beherrscht gleich drei Pässe. Siebenbürgen ist ein Gebirgsland, und die Magyaren, obwohl sonst tapfere Krieger, liebten in der Ebene zu siedeln. 1241 ergoß sich der Mongolen sturm durch die Karpathen- vässe über Ungarn. Das war ein Grund, um die Zahl der Ansiedler und die Befestigungen zu verstärken. Die deutschen Bauern und Bürger verstanden, anders als die Un­garn, in schwerer Eisenrüstung, mit Schild, Schwert und Panzer, zu kämpfen. Auf einem alten Sachsensiegel lieft man die WorteZum Schutz der Krone", das heißt des ungarchchen Königtums. Die Befestigungen waren gewuttig. Hermannstadt hieß nach seinen roten Ziegel- Nauer bei den Türken dir rote Stadt, und

Hermannstadt liegt etwa dreißig Kilometer vor dem hohen Wall der Südkarpathen. In dem iiubc uu»-» --------> ---vorderen Zug des Gebirges zeigt sich eine tiefe

Regierung den übrigen Alliierten ihre auffaf» Qjtnfenlung. Das ist der Rote-Turm-Paß, durch sung über den gemeinsamen Zeitpunkt zur' - - - - -------- ------ -

Räumung von Düsseldorf, DuiSburg und Ruhrort zum Ausdruck gebracht habe.

Auch Aegypten ongesieMr

Zürich, 23. Juli. (Privattelegramm.) Ein Mailänder Blatt meldet aus Kairo daS Ueber- gretfen der Aufstandsbewegung auch auf Aegypten. Täglich komme es zu Zusammen­stößen zwischen Eingeborenen und Englän­dern. In Kairo gab es bei den vorgestrigen Unruhen nicht weniger als vierzehn Verletzte.

Wie man Ehina VSndigt.

Eine gemeinsamer Schritt der Weltmächte.

(Durch Funkspruch.)

Washington, 23. Juli.

Einer Preffenottz zufolge habe« die Mächte eine wichtige Vereinbarung über die Behand- ümg des China-Problems in seiner Gesamtheit erreicht. Man erwartet, daß die Dipwmatcn in Peking bald in der Lage sein werden, der provt- forifdkn Regierung von China daS Programm vorznlegen. Es wird erneut auf die Bereitschaft der Mächte hingewiesen. China bei der Verwirk­lichung vernünftiger nationaler Wünsche zu un- terpützen. Diese Erklärung wird aber gleichzeitig auf die unhaltbare Sage der Fremden und darauf Hinweise«, daß die Fortdauer dieser Verhältniffe die Sympathien bet Mächte für China beeinträchtigen müßte.

Das er Ssendr Wort.

Baldwin löst die Flotteubaukrise.

(Privat-Telegt-imm.)

London, 23. Juli.

Wie Reuter hört, sind die Meinungsverschie­denheiten im Kabinett hinsichtlich des Flotten- bauprograllnns beigclegt. Es ist ein Kompro­miß durch das aktive Eingreifen des Premier­ministers Baldwin erreicht worden. Danach soll der Bau von drei oder vier Kreuzer« im Dezember 1925 und der Bau drei weiterer Kreu­zer 1926 begonnen werden. Wie es heißt, hat stch das Schatzautt einverstanden erklärt unter der Voraussetzung, daß die Admiaralität eine wesentliche Bermrnderung der Berwal- tungSlosten in absehb-drer Zeit durchführt.

ein türkischer Chronist, der sie erblickte, schrieb oon ihr: Gott möge fein Volk davor bewahren, ie einmal belagern zu müssen! Hermannstadt ist nie, Kronstadt nur einmal, als seine Mau­ern noch nicht fertig waren, vorübergehend von den Türken genommen worden.

Der Dialekt der Siebenbürgen ist noch immer derselbe, wie er in ihrer ursprünglichen Heimat, zwischen Trier und Luxemburg, ge­sprochen wird. Ihre Zahl beträgt etwa eine Viertel Million, wovon die Hauptmasse immer um Hermannstadt und die Nachbarstädte wohnte. Von Hermannstadt bis zum jenseitigen AuSgang aus dem Gebirge sind es etwa hun­dert Kilometer. Wir fuhren mit einem schnelle« Kraftwagen die Straße entlang und kreuzten bei der Hin- und Rückfahrt auf verschiedenen Wegen das weitausgedeynte Schlachtfeld von Hermannstadt, auf dem im Oktober 1916 die rumänische Armee mit großen Ver­lusten an Menschen und Material in den Roten- Turm-Paß geworfen wurde. Sie abzuschneiden gelang nicht, obwohl eine Abteilung bayeri­scher Truppen, die an das Gebirgsgelände gewöhnt waren, eine glänzende Umgehung durch einen Marsch in zweitausend Meter Höhe aus­führte und sich den Rumänen auf ihrer Rück­zugslinie im Paß selbst vorlegte. Sie war aber zu schwach, um jene vollständig aufzuhalten. Am Eingang, wo die Alt die Wendung ins Gebirge macht, liegt ein Sperrsort, der Rote Turm, jetzt zu Wohnzwecken umgebaut. Die mo- berne Fahrstraße führt an dem rechten Ufer, die alte römische auf dem linken, die Eisenhahn wechselt herüber und hinüber.

Zwischen Hermannstadt und dem Gebirge liegen deutsche, rumänische und gemischte Ortschaften. Der Unterschied, wenn man aus einer in die andere kommt, ist wie Tag und Nacht, obwohl auch die rumänischen Bauer« es aus ihre Art verstehe«, Häuser «ach sächsischer Art zu errichten. Die Fahrt durch de« Roten- Turm-Paß führt durch eins der interessanteste« Gebirgsdefilees von Europa. Die Berge zu bei­den Seiten sind grün bewaldet, aber man sieht deutlich, wie jenseits der früheren flebenbürgi« schen Landesgrenzen, in Altrmnänien, dieselbe unordentliche Waldverwüstuna am Werk gewe­sen ist, wie in den übrigen Balkanstaaten. Kurz vor dem einstigen Grenzposten kommt von rechts ein Seitental herein. Hier erreichten die deutschen Umgehungstruppen die Straße. Eine in den Fels gehauene Tafel hat das früher ver­kündet, die Rumänen haben aber die Schrift tusgemeißelt und irgendeine gleichgültige Ver- kehrsvorschrist darüber gesetzt. Die schönste Partie liegt gegen Ende des Passes, wo meh­rere romantische Felsengen aufein­ander folgen. An verschiedenen Stellen südlich vom Roten Turm sind auch noch Reste alter Sperrmauern vorhanden. Kurz ehe die nied­rigeren Vorberge beginnen, ist jenseits des Flusses ein beim römischen Straßenbau vom Berghange losgemeißeltes Felsstück sichtbar. Aus ihm steht ein plumpes Kreuz. Es wird der Trajanstisch genannt. Ueber diesen Völker- *tt>eg sind erst die römischen Truppen und

als durchaus erfolgreich bewährt bade, wandte sich dagegen, daß diese Politik tn . Zeit aus innerpolitischcn Gründen selbst von Regierungsparteien gestört worden fei; jetzt stehe jedenfalls das gesamte Kabinett geschlossen hinter der Antwortnote der Re­gierung. Ta die Sozialdemokratie sach­lich gegen die Rote ntchis einzuwenden habe sollte Me durch ihre Zustimmung tm In­teresse der Außenpolitik die Regierungssront ver. brettern. Als letzter Redner in der heutigen

Im Reichstag wurde gestern die große außenpolitische Aussprache eingeleitet durch eine Rede des Außenministers Dr. Strese- mann. Der Minister bezeichnete die jüngsten Maßnahmen der deutschen Außenpolitik als die konsequente Durchführung des von ihm schon früher ausgestellten Grundsatzes, daß eine Lösung des Sicherbeitsproblems ohne Deutsch­land eine Lösung gegen Deutschland sein würde, daß die deutsche Regierung also seldjl ein großes Interesse daran halbe, aktiv m diese von den Alliierten schon seit Jahren erör­terte Angelegenheit einzugreifen Dr. Stres-- mann äußerte die Hoffnung, daß stch die kom­menden Verhandlungen über Die Frage des Sicherheitspaktes und des Eintritts Deutsch­lands in den Völkerbund in der gleichen per­sönlichen Atmosphäre abspielen werden wie die Londoner Konferenz. Diese Hoffnung habe neue Nahrung erhalten durch die Tatsache, daß Frankreich und Belgien vor der vertragsmatzi- gen Frist das Ruhrgebiet räumt und die tarn» nächsttge Räumung der übrigen Santtionsge. biete zugesagt haben. Deutschland müsse den Zustand beseitigen, daß die Auslegung des Der- sailler Vertrages eiufettia den Gegnern Deutsch­lands überlassen sei. Für die rheinische Be­völkerung fei der Abschluß »des Sicherhetts- paktes von besonderer Bedeutung, denn er be­seitige die Gefahr, daß durch die von Poincars sehr deutlich geforderten separatistischen Bestrebungen Deutschlands Geschloffenhett zer- rissen werde« konnte. Der Außenminister schloß unter lebhaftem Beifall mit dem Aus­druck der Hoffnung, daß auch bet Den übrigen Machten die Erkenntnis stch durchsetzen Werve, daß nicht eine Politik der Sanktionen und oes Mißtrauens, sondern die Verständigung unter gleichberechtigten den endgültigen Frieden Europas herbeiführt. _ ,

Als erster Redner auS dem Hause sprach der sozialdemokratische Abg. Dr. Breitschetv, der auf die Differenzen hinwies, die tn Der letzten Zett zwischen der deutschnationalen Re­gierungspartei und dem Außenminister m den Fragen der Außenpolitik beständen hätten. Dem Reichskanzler sei jetzt die Einigung gelungen, aber die Deutschnationalen seien nun genötigt, dieselbe Erfullungspolitik zu machen, die sie bei Wirth und Rathenau so heftig be­kämpft hätten. In vielen Punkte« gehe d,e Antwortnote sogar viel Wetter als die frühere Erfüllungspolitik. Dr. Breitscheid stimmte tm ganzen der deutschen Rote und der gegenwar- tiaen Außenpolitik zu, erklärte aber, die Sozial­demokratie sei nicht in der Lage, der gegenroar- tigert Regierung ihr Vertrauen ans-usprea>em

Für die Deutschnattonalen sprach Abg. Graf Westarp Er betonte, die Deutschnationalen seien keineswegs grundsätzliche Gegner einer Politik brr Verständigung. Sie könnten auch der deutsche« Antwonnote durchaus zu­stimmen. »eil sie sowohl tn der Frage des Sicherheilspattes wie in bet Völkerbundsfrage die von Frankreich an Deutschland gestellten zu wett gehenden Zumutungen rurückwelft. Die Zu- ftimmung werde den Deutschnattonalen dadurch erleichtert, daß es sich bet der Rote um einen Akt der Vorverhandlungen handele; der Gang Der weiteren Verhandlungen sei davon ab» hängig daß den deutschen Interesse« gebührend Rechnung getragen werde. Eine unerläßliche Voraussetzung für diese Verhandlungen sei die voll ständige Räumung der Sani» tiousgebiete, vor allem der Kölner Zone, und ein Abgehen von Dem Standpunkt, der in bei Entwaffnung-, unb Lustfahrnote ein­genommen wurde. Bei einem Eintritt tn ben Völkerbund dürfe die deutsche Regierung unter leinen Umständen »tm neuem das ihm tm Versailler Diktat ausgezwungene falsche Schuld» dekennmi- wiederholen. Der Zenttumsabg»- ordnete Dr. K a a S billigte Die deutsche Ant­wortnote als die gradlinige Fortsetzung der vorn Zentrum immer unterstützten Verständtgungs- politik Ter Sicherheitspakt könne seinen Zweck der SefrieDigung Europas aber nur erstellen, wenn Die Reste Der überlebten Gewalt­politik beseitigt würden, die stch jetzt noch in dem unerträglichen Besatzungsiegime im Westen steigern. Abg. Dr. EnrtiuS von der Deutschen Volkspartei billigte in vollem Um­fange Die Politik des Außenministers, Die sich - - ---------" - - - Gr