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beschicht« wird man weitere Anregung und Aus­künfte bekommen, oft können auch Nachrichten mit anderen Mitgliedern ausgetauscht werden.

Um eine genaue Ueberstcht über di« Ergeb­nisse seiner Forschungen zu bekommen, stelle man eine Stammtafel auf. An der Spitze steht der älteste, ermittelte Ahn, unter ihm stehen seine Kinder, darunter seine Enkel usw. Wenn die Forschungen einen endgültigen Abschluß er-

chen auS dem Dickicht. Ja der sonne spielend trabt das schon ziemlich große Tierchen in der Schneise auf und ab. Mit schnellen Sätzen nä­hert sich plötzlich das junge unerfahrene Hirsch- kälbchen unsermGeflchtskreis, und haben wir das oroße Glück, bis auf etN«a 15 Schritt von dem Kälbchen entfernt zn stehen. Doch der Instinkt der Tiere besonders der Hirsche ist sehr scharf. Einen Ton (Warnungszeichen) von sich gebend,

) Gestern Abend mit dem lauen Winde

) Kam ,u mir ein schmuckes, rotbefracktes ) Käferlein durchs offene Fenster. Dunkel n Waren seine Flügelein gepunttet.

Setzte sich auf meines aufgeschlagenen

{ Buches Fläche, bei dem Worte, »Sehnsucht". ' Hob und senkte zierlich seine feinen

) Flüqlein, grab, als wollt es mich begrüßen.

Dacht ich mir, es sei von dir gesendet. Liebste, daß es süße Botschaft bringe, Und das Rot bedeute deine Liebe, Und das Schwarz bedeute deine Trauer.

Ließ eS meinen Finger dann wie einen Turm besteigen. Gab ihm gleichen Auftrag.

Hob's die Flügel, schwang sich leicht ins Weite, Und nun sag mir: Ist eS angekommen?

Süße Botschaft

Von

Hermann Sendelbach.

langt haben, leg« man ein Familienbuch oder ein Hausbuch an, in das alle Ergebnisse sorgfältig eingetragen werden. Aber nicht nur ttockene Angaben, wie Name, Zeit und Tag genügen, auch Charaktereigenschaften und Nei- gungen der Betreffenden sind zu vermerken, auch die Entwickelungsgeschichte der Familie (Beruf, Stands ist von Bedeutung. Falls die Zahl der aufgefundenen Familienglieder sehr groß ist und auch andere Interesse an der Familiengeschichte haben, gründe man einen Familienver­band, der auch vielleicht als Organ eine Fa­rn i l i e n z«i t u n g (in der Art der von Fritz Stück gegründeten herausgibt, die in erster Linie Aufsätze und Nachrichten über ältere Familienglieder enthält, sowie einen Kalender, in dem alle wichtigen, gegenwärtigen Ereignisse, die auch im Familienbuch nachzuttaqen sind, ver- zeichnet werden. So werden wir in der Ptlcqe der Familienforschung wertvolle Arbeit und in­teressante Anregung finden.

Sin Tag Im Reinvorvawald.

Interessante Erlebnisse eines Naturfreundes.

Morgens um 8 Uhr fahren wir nach Immen­hausen. Der Himmel liegt noch in trüben Schwa- den ES scheint, ckls ob er seine Schleusen öffnen wollte. Doch schon nach der ^stündigen Fahrt vrichl sich der erste Sonnenstrahl Bahn. Eine Grupp« Wandervögel, die uns ein Wanderlied auf Mandolinen und Guitarren spendet, zieht weiter die Sttaße dahin. Wir kommen nun an die alte Stadtmauer von Immenhausen, noch rin echtes Stück früherer Festung, die noch Zeuge ist, von ehemaligen harten Kämpfen deS Mähri­gen Krieges. Von weilen sehen wir schon die ersten Fichten des sagenumwobenen ReinhardS- waldes. Rechts von uns liegt der Ahlberg. Wir steuern auf ihn zu. Ein Zaunkönig Bietet unS den ersten Willkommengruß. Nach 1 Stunde lasten wir unS daS Frühstück gut munden. Wie in einem Märchenpark versetzt, fühlen wir unS Rings umher kein Laut ... keine Eisenbahn, kein Auto stören uns. Nur ab und zu hüpft von Ast zu Ast, Futter suchend für die Jungen eine Goldmnmer und erinnert uns daran, daß wir bald auf die jungen Vögel Acht geben müssen, damit sie nicht, wie heute üblich, io vielen Vo­gelfängern in die Finger fallen. Wir brechen nun auf. Nach einigen Minuten bemerkte ich, wie hoch über uns ein Bitssard schraubt, und stine Locktöne erschallen läßt. Wir stnd nun schon inmitten der Waldeinsamkeit anqelangt. Links von uns geht eine Schneise ab. Wir folgen ihr und gewähren plötzlich eine äsende Hirschkuh. Schnell einige Schritte rechts in die nahen Fich­ten und das GlaS zur Hand. Ein ergötzender Anblick. Nach wenigen Sekunden tritt eine zweite Hirschhuh mit einem buntbefleckten Hirschkälb-

t-erschwinden alle drei unfern Augen. Von dem wundervollenNaturspiel noch ganz überrascht, setzen wir unsere Wanderung fort und gelangen nach m Stunden, zu dem idvllisch gelegenen Forsthaus .Waldbaus*, wo uns Frau Förster Schier eine gute Taste Kaffee braut. Bei ge- mütlicber Unterhaltung, nähert sich die Stunde, wo wir uns aus dem Rückweg machen müssen. Wir schnüren unfern Rucksack, ein kräftiger Händedruck verabschiedet uns von Förster Schier. Unser Weg führt uns ein Stück über grüne Mat­ten einem Saufang entgegen, welcher die aus dem Gatter ausgebrochenen Wildschweine wieder cinfänat. Oft hatten wir schon Glück, Wild- schweine im Saufang anzuttefsen, aber dieses Mal nicht Die Sonne senkt sich schon und wir nähern uns immer mehr dem Ausgcma des Wal­des. Doch plötzlich ein lauteS -Geräusch mit schweren Flügelschlägen fliegt ein großer Vogel eus dem nahen Dickicht heraus Unsere Ahnung daß derselbe dort eine geschlagene Wildtaube oder bergt verzehrte, erfüllt sich nickst ganz. Bei ! der näheren Untersuchung finden wir ein frisch aufgekratztes Wespennest. Wir schließen daraus, d-.ß der eben aesehene Vogel ein Mespenbuflard war Der Wespenbustard ist z. Teil auch ein Raitbtier. Jungen VSaeln. Hasen und Bienen liegt er immer auf der Lauer. Er kann Bienen und Wespen rmgestört nachgehen, da er am Kopf einen Sckntpvenkranz hat, welcher -hm vor den Stichen der Bienen sicheren Schutz gewähtt und verzehrt iticht nur den König, sondern auch die funae Brut.

Der Ausaana be$ Reinhardswaldes ist nach kurzer Zeit erreicht. Nun geht's Immenhausen entaeaen. Ein von Earlshafen kommmder Zug nimmt uns wieder mit nach Kassel Wir armen Städter? Nach solch einem schönen Tag um­schließen uns wieder die engen Mauern der Großstadt itnb werden wir noch oft an diese schön verlebten Sttmden zurückdenken. TL Becker

Niederzwehren, 18. Juli. (Der neue Bür- aermeister.s Der neue Bürgermeister, Herr Fladuna- Kassel, ist von der Regierung be­stätigt worden und wird am 1. August sein Amt antteten.

* Grebenstein, 18. Juli. (25 Jahre Turnver. ein.) Der hiesige Turnverein (D. T.l kann in diesem Jahre auf ein 25jähriges Bestehen zu­rückblicken. AuS diesem Anlaß findet nm 23. August d I. auf dem Sattertal ein großan­gelegt es Fest statt.

* Niederknufitngen, 18. Juli. (Mit Frechheit kommt man weit?) In der vergangenen Nacht drangen Diebe von der Landstraße ans durch ein Fenster in einen Laden ein und entwendeten BargeN» und Waren. Der auf der Haustreppe »Schmiere* sitzende Genosse gab, von dem Nacht- wöchter zur Rede gestellt, an, daß er wegen der

Wunden Füße etwas ausruhen wollte, und wurde von dem arglosen Nachtwächter bis an den Ausgang des Dorfes begleitet. Ein am andern Morgen auf die Spur gesetzter Polizei­hund verfolgte diese bis zu einem Kornfeld, von wo die Täter per Rad weiter geflohen waren.

* Mengeringhaufen, 18. Juli. (Autobrand.) In dem Personenauto einer hiesigen Firma ent­stand ein Benzinbrand, der bald gelöscht werden konnte, sodaß der Wagen selbst nicht allzusehr beschädigt wurde.

* Hann. Münden, 18. Juli. (Neuer Leiter der Pölizeischule.) Der vierte Leiter der Polizei­schule Hessen-Nassau, Major Schmidt-Hern, hat fein Amt in diesen Tagen angetreten. Er kommt von der Polizeischule Münster nach hier und ist Nachfolger des Herrn Major Staats.

* Laubach, 18. Juli. (Selbstmord eines 16jäh- rigcn.) Der 16lährige Sohn eines hiesige» Bäckermeisters machte seinem Leben durch Er­hängen ein Ende. Die Tat dürste auf eine Aus- einändersetzung zwischen Vater und Sohn zu­rückzuführen fein.

* Wetzlar, 18. Juli. (Bom Zug überfahren.) Vom Kölner Personenzug wurde auf der Sta- timt Ehringshausen ein junger Mann, dessen Persönllchkett noch nicht genau feststcht, übersah- ten und sofort getötet

* Neustadt, 18. Juli. (Im silbernen Kranze.) Kaufmann Richard Schlitt und seine Ehefrau Anna, geborene Heppe (ein Marburger Kind), begehen heute das Fest ihrer silbernen Hochzri^

Buntes Allerlei.

Die Hülle der Buddhisten.

In den Sälen und Gärten des VattkanS in Rom findet zurzeit eine Missionsausstellung statt, zu der alle katholischen Missionare irgend­ein charakteristisches Stück aus bem Lande, in dem sie wirken, beigesteuert haben. So sandten beispielsweise die Franziskaner aus China, wo sie ihre Missionstätigkeit ausüben, Photogra­phien der Hauptpagode von King-Tscheu. Der Pagode stellt die buddhistische Hölle dar und ver­anschaulicht die Strafen für die Verstorbenen, die sich im Leben der zwölf Todfünden fchuldig gemacht haben, in zwölf verschiedenen Szenen. Da sind zunächst die Habgierigen und Wucherer, die lebendig im Eis versentt werden, während die Mandarine, die sich als ungerechte Unter­drücker erwiesen haben, mit Keulen erschlagen werden. Beamte, die bestechlich waren, werden ausgepeitscht. Eltern, die ihre Kinder vernach­lässigten, sind verurteUt, die Verlassenen und Hungernden zu ernähren. Wüstlingen und Ehe­brechern wird der Kops vom Rumpfe getrennt. Ungetreue Bonzen werden von der Höhe eines Turmes in ein Meer von Schlamm und Morast geworfen. Lästerer, die viel geflucht haben, wer­den von Sägen zerschnitten. Brandstifter und Mörder mit Mühlsteinen erschlagen. Unholde, die Gräber geschändet haben, werden in Kessel» kochendem Oel gesotten, Falschmünzer auf einen Haufen Glasscherben gebunden. Diejenigen aber, die gegen das Gebot der kindlichen Pietät ver­stoßen, werden in Schlangen verwandelt.

*

Die Schlange auf Reifen.

Ein ungewöhnliches Abenteuer erlebten die Besucher einer Reiseagentur in der Rue de Hel- der in Pari S. Ein Indier mit einem kleinen Korb war gekommen, um am Schalter ein Bil­lett zur Heimreise zu erstehen. Er setzte den Korb neben sich auf den Boden, während er das Geld für die Karte aus der Brieftasche zu­sammensuchte. Ein kleiner Junge hob neugierig den Deckel deS Korbes allmählich aus und lief schreiend davon: eine große Schlange hatte stch drohpnd vor ihm aufgerichtet. In einer Minute waren alle Schalter leer. Das Publikum floh in wilder Angst auf die Sttaße, und die Leute sahen im Vorbeirennen mit Entsetzen, wie das drei Meter lange Reptil sich dazu anschickte, auf den Treppenkorridor hinaufzukriechen. Die Schlange war brav und tat keinem Menschen etwas $u Leide. Sie ringelte stch in einyn Papierkorb zusammen und wartete ruhig, bis ihr Herr sie mit seiner kleinen Flöte wieder ins Gefängnis gelockt hatte.

Rr. 166.

Fünfzehnter Jahrgang.

Aus der Heimat.

Soziale Bautätigkeit in Wltzerh rufen Eine neue Wohnhausfiedlnng.

Wer von Hann. Münden kommt und nach Witzenhausen fähtt, bemerkt bei einiger Auf­merksamkeit kurz vor der Einsahtt in den Bahn­hof dieser selten schönen hessischen Stadt unten im weiträumigen Tale einen größeren Gebäude­komplex, der erst seit kurzer Zett ein bemerkens­wertes Motiv int Landschaftsbild der Stadt ge­worden ist. Zwischen blühenden Obstgärten und überaus fruchtbaren Feldern erstreckt sich längs des Werraufers die WohnhauSstedlung der Stadt Witzenhausen. Das 25 000 Quadratmeter große Baugelände wurde mtt Hilfe der Heim­stätte vor drei Jahren von dem Herrn von Bischofshausen billig erworben und von der ge­nannten Gesellschaft der Stadt zum Zwecke deS Wohnungsbaues übergeben Nach wohldurch­dachten Siedlungsplänen erfolgte in der Zwi­schenzeit zunächst die Randbebauung (die aller­dings noch Lücken aufweist) und int Anschluß daran die Erstellung eines zweistöckigen 24 Woh­nungen umfassenden und geschlossen um einen Straßenhof liegenden städtischen Baublocks, der in diesen Tagen bezugsfertig geworden ist. Er- fteulich ist die Einheitlichkeit und Geschlossenheit der Anlage, die im Gegensatz zu vielen andern, die zur Verfügung stehenden Mttel auf ein städtebaulich gefügtes Ganze vereinigt. Witzen­hausen hat damit den Beweis erbracht, daß bei zielbewußter Führung auch die kleinere Stadt imstande ist, Zusammenhängendes tm Wohnungsbau zu leisten. Dem regsamen Bür­germeister Domke, dem einsichtigen Magistrat und der die Siedlung mit einwandfreien Ent­würfen und genügend hohen Geldmitteln mtter- stützende Heimstätte kann zur Vollendung des Werkes alle Anerkennung ausgesprochen werden. Mögen auch die wenigen Bauten, die die Rand- lüden noch füllen müssen, mit dem gleichen Ver­ständnis erstellt werden, und damit einen glück- liehen Abschluß des Gesamtwertes gewährleisten

Unser Stammbaum.

Bausteine zur Geschichte deS Heimatlandes.

In Kassel wird eine eigenartige Zeitschrift herausgegeben, deren Inhalt lediglich Material zu der Stammtafel einer alten Kasseler Bürger- samilie darstellt. Es ist die Zeitschrift des Ge­schlechts Stück, die von dem hiesigen Architekten Fritz Stück im Jahre 1920 begründet wurde und in 42 bis jetzt erschienenen Nummern die Ge, schichte der Familie bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgt.

Solche Familienzeitungen haben ein Seiten­stück in denHausbüchern", die wir auf alten, einsamen Bauernhöfen fanden, und in vie alle wichtigen Daten von Geschlecht zu Geschlecht ein­getragen sind. Leider sind durch jetzt immer häufiger vorkommende Wechsel, Verpachtungen und Verkäufe der Höfe manche dieser alten Bau­ernchroniken verloren gegangen und das heutige Geschlecht legt keinen Wert mehr auf die Füh­rung eines Hausbuches.

Irrig ist die Ansicht, Familiengeschichte zu treiben sei nur ein Vorrecht des Adels; jed-r stammesbewußte Mensch sollte seine Herkunft und den Stammort ferner Familie kennen, und wo folcheS nicht der Fall »ft, wird es in den meisten Fällen nicht schwer, Versäumtes nachzu­holen. Das Schicksal einzelner Familien bildet immer einen Baustein zur Geschichte des Hei­matlandes und diese ist wieder eine mächtige Säule im komplizierten Gebäude der ReichZ- geschichte. Wer einmal die dankbare Arbeit, die Geschichte seiner Familie zu verfolgen, angreift, wird mit jedem kleinen erzielten Erfolg wach­sendes Interesse für die Sache bekommen. Man schreibe zunächst einmal alles auf, was noch im Gedächtnis bei älteren Familienglieder haftet; Denksprüche, Briefe, Tagebücher, Bilder und Grabsteine sind hierbei oft wertvolle Stützet. All diese wichtigen Dokumente sammele man tn einem Famrltenarchiv. Wo diese Quellen versagen, geben wieder Kirchenbücher, Grund­bücher u. a. Gemeindearten Auskunft. In den allerorts gegründeten Vereinen für Familien-

2. Beilage.

Sonntag, 19.3«li 1925.

Der Hellseher.

Eine wahre Begebenheit.

Von

Pani Rosenhayn.

Nachstehendes, von einwandfreien Sengen be- tätigteS Erlebnis entnehmen wir bem im Verlag Ernst Seil« Nachs. Leinzig soeben er- schrenenen BucheSpaziergänge ins Jenseits" von Paul Rosenhayn. Dieses Buch, daS eine ganze Reihe öffn [ter Phänomene behandelt, wird gerade heute, wo stch die Welt mehr denn je mit Helllehen und MedrumiSmuS beschäf­tigt. dem Leser sicher vieles gebe« können.

Aus einem Gut in der Nähe von Fulda er­eignete sich eines Tages ein ungewöhnlich dreister Diebstahl. Eine Stunde vor der Löh­nung stellte sich plötzlich heraus, daß die bereit» liegenden Löhnungsgelder gestohlen waren. Der Gutsbesitzer war persönlich mit den höheren Polizeibeamten der Hauptstadt befreundet; aber obwohl die Polizei lofott in Aktion trat, war nicht das geringste fesizustellen. Wohl oder Übel mußte der Bestohlene den Schaden aus seiner Tasche trogen.

Längere Zeit danach hatte er in Berlin zu tun. Der Zufall führte chn mit einem bekannten hellseherischen Medium, Herrn I. zusammen. Angeregt durch verschiedene Erzablungen, Die Herr I. aus seiner Praxis zum besten gab, kam der Gutsbesitzer auf den Gedanken, dem Me­dium von dem unaufgeklärten Diebstahl zu be­richten. Er nahm es nicht ganz ernst, als Herr I. ihm nickend erwiderte: .Wenn Sie cs wünschen, so werde ich den Täter ausfindig machen."

Der Gutsbesitzer, der vermutlich eine Besich­tigungsreise mit entsprechendem Svesenaufwano witterte, fragte ein bißchen ängstlich:Sind Sie denn abkömmlich? Das wird Sie min­destens drei Tage kosten."

.Nicht nötig", antwortete Herr I. zum Er­staunen des Gutsbesitzers. »Haben Sie Verdacht auf irgend jemanden?"

Man kam zu dem Schluß, daß drei

junge Leute als Täter in Frage kamen. Zwei davon waren GutSeleven, oer dritte ein ent­lassener Kutscher. .Besitzen Sie Briefe von den Dreien?" Der Gutsbesitzer dachte nach. »Nur von Zweien. Von dem Kutscher und dem einen GutSeleven."Ist der andere Gutseleve noch bei Ihnen in Stellung?"Ja."

.Können Sie ihn irgendeinen Brief schreiben lassen, ohne daß es auffällt? . . . Eventuell ge­nügt es, wenn Sie ihn einen Frachtbrief aus- füllen lassen."

.Das ist natürlich leicht zu ermöglichen."

»Bitte schicken Sie mir die drei Schriftstücke ein, sobald Sie wieder zu Hause angelangt sind."

Mehr mit dem Gefühl eines bevorstehenden Ulkes als in dem Bewußtsein, einer feierlichen Handlung beizuwohnen, überreichte der Guts­besitzer Herrn I. eine Woche später drei Schriftstücke: zwei Briese und einen Frachtbrief.

Herr I. legte jeden der Briefe an die Stirn, schloß die Augen und gab zum Erstaunen seines Besuchers eine genaue Beschreibung des GutS- hofes mit allen Einzelheiten.Hier liegt daS Hauptgebäude, hier ist daS Zimmer, aus dem bas Geld gestohlen wurde. Hier ist ihr Schlaf­zimmer. Hier läuft ein Korridor: durch dieses Zimmer muß der Dieb entschlüpft fein. Das Fenster war übrigens int Augenblick deS Dieb­stahls gefchlossen, wie ich sehe. Es muß wayr- scheinlich zertrümmert worden sein. Ja, ich fepe ganz deutlich: es ist in der Tat zertrümmert worden. Ich sehe die Scherben liegen. Warum haben Sie mir davon nichts gesagt?"

Der Gutsbesitzer, sehr bestürzt, erklärte, daß in der Tat ein Fenster zertrümmert gewesen fei. Er habe vergessen, davon zu sprechen.Der Kutscher, dessen Bewerbungsbrief ich hier liegen habe, hat keine ganz reine Hand. Er hat zweifellos Diebstähle ausgeführt. Ich vermute auch, daß er schon besttast ist. Aber in diesem Fall ist er unschuldig."

»Er ist tn der Tat vorbestraft", sagte der Gutsbesitzer. »Das hätte ihm beinahe den Hals gebrochen. Die Polizei war drauf und dran, ihn als verdächtig in Haft zu nehmen."

Der Eleve N. hier ist sein Setocrbuugy-

bries ist völlig unschuldig. Ich will ihn Ihnen übrigens beschreiben. Er ist groß, hat dunkles Haar, da- in der Mitte gescheitelt ist, einen etwas wiegenden Gang und hat religiöse Nei­gungen. Er ist ein eifriger Kirchenbesucher, tote ich vermute."

Der Gutsbesitzer, vollkommen verblüfft, fay den Berichterstatter mit weit aufgerisseneu Augen an. .Ja, um Gottes willen, woher wissen Sie denn das alles? ... Da stimmt ja jedes Wort. . .!"

.Natürlich", sagte Herr I.Und nun komme «ch zu dem anderen Gutseleven. Auch chn möchte ich zunächst einmal beschreiben, damit wir uns in der Person nicht irren. Er ist mittelgroß, hellblond, ttägt einen Kneifer und hat em kurzes Bein."

.Herr I.", sagte der Gutsbesitzer,ich mutz annehmen, daß Sie inzwischen aus anderen Quellne sich über mein Personal informiert haben."

.Hoffentlich glauben Sie das nicht im Ernst", sagte der Hellseher lachend. .Ich habe Ihnen nämlich aus einem ganz bestimmten Grunde diese Beschreibung von Personen gegeben, vie ich nie gesehen und die ich lediglich pspchome- ttisch aus ihren Briesen gewonnen habe. Ich möchte, um es Ihnen rund heraus zu sagen, aus diese Weise Kredit eingeraumt erhalten für das, was was ich Ihnen zu sagen wünsche. Dieser Gutseleve Nummer zwei ist der Dieb."

Das war nun freilich eine Behauptung, die tm Moment nicht nachzuprüfen war. Nicht ganz überzeugt, aber doch innerlich beunruhigt, viel­leicht erschüttert, fuhr der Gutsbesitzer gen Fulda und ging zur Polizei. Man lächelte ent bißchen, als man von bem Berliner Hellseher hörte. Immerhin würbe nochmals recherchiert. Ver­geblich. Der Gutsbesitzer teilte bies Herrn I. mit. Herr I. schrieb: .Die Kassette mit dem Gelbe liegt an einem hohen unzugänglichen Ort. Wie ich vermute, auf dem Gipfel des benach­barten Berges. Sie ist so gut versteckt, daß man fte wahrscheinlich nicht finden wird."

Hier nun hat sich, wie ich gleich an dieser stelle bemerken will, der Hellseher geirrt. In

der Tat wurde die Kassette weit später an einem hochgelegenen Ort entdeckt. Wer nicht auf dem Gipfel eines Berges, sondern auf dem Dach­boden des Hauses, unter dem Giebel.

Man konnte also weder dem Gutseleven Nummer zwei noch irgendeinem anderen den Diebstahl nachweisen. Der ganze Fall wäre vor- mutlich in Vergessenheit geraten oder doch zum mindesten niemals aufgeklärt worden, wenn stch nicht etwa ein halbes Jahr später ein neuer Diebstahl zugetragen hätte.

In der Silvesternacht, während im GutS- hauie eine größere Gesellschaft nach gründlichen Tafelfreuden beim Wein saß, tourbe ans der Küche bas gesamte Silbergeschirr des Gutshoses gestohlen.

Der Gutsbesitzer, über diese neue Dreistigkeit außer sich, hatte den glücklichen Einfall, keinem der Gäste und überhaupt niemand im Haufe etwas von dem Vorfall zu sogen. In aller Stille kurbelte er das Auto an und fuhr nach Fulda, der nächstgelegenen Stabt. Eine Stunde später kehrte er mit drei Polizeibeamten zurück. Unterwegs hate er die Aufmerksamkeit feiner Begleiter auf den Gutseleven Nummer zwei ge­lenkt. Wenn man nun auch der Diagnose d:S Hellsehers skeptisch gegenüberstand, so hatte er doch wenigstens das eine erreicht, daß man mtt den Recherchen bei jenem Gutseleven begann.

Nach einer halben Stunde hatte man den ge­samten Silberschatz gefunden. Der Gutseleve hatte ihn unter den Dielen seines Zimmers ver­graben. Man sagte ihm nunmehr auch bett Dieb- stahl bes Geldes auf den Kopf zu. Er versuchte zu leugnen endlich aber, in die Enge ge­trieben, gestand er ein, daß er in der Tat ber Dieb fei. Er gab auch bas Versteck an: auf dem Dachboden.

Aber es war nur die leere Kassette, die man bort fanb. Das Gelb hatte der Dieb, der offen­bar, abgesehen von seiner großzügigen Auf­fassung von Mein und Dein, ein gewissenhafter und sparsamer junger Mann war, auf der Kar­kasse deponiert, so daß es der Bestohlene nicht nur auf Heller und Pfennig, sondern sogar noch mit Zinsen zuvückerhielt.