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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Donnerstag, 16, Juli 1925.

Nummer 163. Einzelnummer 10 Pf, Sonntags 15 Pf.

Einzelnummer 10 Pf, Sonntags 15 Pf. 15. ZahkgaNg

Die Sicherheilsnole geht am Sonnabend ab.

Holger Finale.

Ungelöste Angersteinrätfel nach dem Todesurteil.

Das Drama von Haiger ist zu Ende. Der Vorhang hat sich gesenkt, die Akteure können abtreten. Angerstein ist achtmal zumTode verurteilt worden. Damit hat nach mensch- lischem Ermeffen seine Tat die Sühne gefunden. Die Vorgänge selbst, die zum Verbrechen führ­ten, sind in der Verhandlung restlos aufgeklärt worden. Auch die Morde selbst konnte» in ihrem Vorgang mit geringen Abweichungen zwischen den Angaben des Angeklagten und der Annah­me der Sachverständigen rekonstruiert werden. Das Gericht hält die verschiedenen Telephon­gespräche und Besprechungen des Angeklagten auf seinem Gange durch die Stadt für Schutz, maßnahmen, um die Täterschaft zu verbergen. Auch stellt das Gericht fest, daß die Selbst, verwun düng Angersteins nicht erfolgte, um ernstlich einen Selbstmord zu begehen. Wer sich töten will, sticht sich nicht in den Arm und in den Hut, er macht auch keinen Umweg über Zäune, statt in dem Hause zu bleiben, in dem er die beste Gelegenheit hatte, sich das Leben zu neh. men. Hat also Angerstein die Art und Weise der Tötung genau überlegt, so ist er sich auch über die Beweggründe der Tat genau so im klaren gewesen.

Selbstverständlich haben zur Entstehung der Tat eine ganze Menge von Motiven beigetra. gen und, um Angerstein zu verstehen man wird diese Tat nie verstehen können, muß man die Gesamtheit seines Le- benS in Betracht ziehen: den Ehrgeiz des aus kleinsten Verhältnissen emporgekommenen Man­nes, dann die durchaus nicht restlos glückliche Ehe, die eigene Krankheit, die Unterschlagungen, die drohende Entlastung. Unter diesen Verhält» nisten litt die Liebe zur Frau. Wir können nicht sagen, daß er diese Frau nicht geliebt hat, doch auch die Beschuldigung der Gattin beweise, daß diese Liebe nicht sehr tief gewesen sein kann. Dazu kommt noch di« hohe Ueberversicherung des Mobiliars. ES können daher die Ueber- legungen und die Zurechnungsfähigkeit des An­geklagten nicht in Zweifel gezogen werden. Es liegt keine organische Geisteserkrankung, kein Dämmerungszustand vor. Festzustellen ist nur eine gewisse Zornmütigkeit, die auS ge­ringfügigen Anlässen zu besonder» großen Ex­zessen neigt. DaS ist auch aus dem Gutachten der Sachverständigen zu entnehmen. Wer sich seines Menschentums bewußt ist, muß zugeben, daß dar Ergebnis der Verhandlungen nicht be­friedigen kann. Es wäre eine weit bessere- sung gewesen, wenn hätte erkannt werden ton­nen, daß dieser Mörder in Geisteskrankhett ge­handelt hat. Wir dürfen infolgedessen hier nur nach dem Verstände urteilen. Der Angeklagte weist nur eine geistige Anomalie in feiner Ethik, in feiner soziälen Stellung und in feiner Stel­lung zu Moral und Gesetz auf.

Soweit das Gericht. Und doch wird das un- gelöste Rätsel auf aller Lippen schweben: »Was bat den Mörder zum Verbrechen getrieben?" Angcrstein selbst hat darüber nur wenig gr- sprachen Enttveder tat er eS nicht, weil er fürch­tete, bei Klarlegung seiner Motive in noch un­günstigerem Lichte zu erscheinen, vielleicht aber sind ihm keine Gründe selbst nicht klar gewesen, er hat wie ein Tier gehandelt, das sich von Instinkten und dunklen Trieben leiten ließ, ohne sich eine Hemmung auszuerlegen. Welcher normale Mensch, so mutz man sich fragen, hätte nicht schon einmal unter irgend- welchen körperlichen oder seelischen Depres- fionen mit dem Gedanken eines Selbstmor- des gespielt? Die natürlichen Hemmungen sind es, die uns schließlich von der Verwirk- lichuna des Planes abschrecken. Der normale Mensch wird sich im dunklen Drange des rechten Weges stets bewußt bleiben, wie es der Dichter ausgedruckt hat: der psychisch Kranke aber ent­behrt dauernd oder im Moment dieser Hem­mungen. Bei aller Ueberlegung, mit der Anger, stein zu Werke gegangen ist, bei der Raffiniett- beit, mit der er seine Opfer überfiel und sie nie- berftreefte, ehe sie sich der Gefahr ihrer Lage be­wußt waren und sich wehren konnten, bleibt doch die eine Tatsache immer bestehen, daß die Er- mordnng von acht Menschen jedes logt- scheu Sinnes entbehrt. Wer es gibt Prozesse, in denen der Angeklagte schon vor der Verhandlung verurteilt ist. Die öffentliche Meinung hat auch in diesem Falle das Schuldig längst gesprochen, ehe das Gericht sein Votum fällte. Auch seine beiden Verteidiger stellten die Frage: ob ein Mensch wie Angerstein überhaupt zu »er. leidigen fei, und daß sie selbst die Tat des Mör­ders verurteilten. Wer so wenig von seiner eige- neu Sache überzeugt ist, wird noch viel weniger andere überzeugen können.

Anger stein hat dar Urteil angenommen und auf jedes Rechtsmittel verzichtet. Seine

Worte, daß seine Tat nur durch den Tod gesühnt werden könne, daß er die Todesstrafe für gerecht halte, mögen vielleicht keine Phrase gewesen fein. Wichtig für uns bleibt nur jenes grauen­erregende Phantom, das über uns allen schwebt: jene unermeßliche Mgründe und Tiefen der Seele, jenes wilde Instinkt- und Tierleben, das in uns gleich einer zweiten Natur schlummer,, vielleicht gerade in jenen am stärksten, die im ge­wöhnlichen Leben ruhige und sanfte Menschen sind Wie wird es möglich fein, die Menschheit vor solchen Ausbrüchen menschlicher Bestialität zu schützen? Vielleicht, daß in Jahren die Wissen­schaft so weit sein wird, einen Ausweg aus die­sem Labyrinth menschlich-tierischer Instinkte zn finden. Dr. F. K.

Schlag auf Schlag.

Letzte Beratungen über die Sicherheitsnote. (Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 15. Juli.

Nach seiner Rückkehr ans Dresden hatte Reichskanzler Dr. Luther bereits gestern abend im Reichstag eine Besprechung mit den Kabinettsmitgliedern, in der auch, wie die Blät­ter wissen wollen, die deutsche Antwort be­sprochen wurde. Heute soll da» Kabinett sich eingehend mit der deutsche« Antwort beschästi- gen, um die Stellungnahme der Reichsregierung festzulegen. Die Ministerpräsidenten der Länder sollen am Donnerstag über den Inhalt der Note verständigt werden, die am Freitag oder Sonnabend dem Auswärtigen Ausschuß mitgeteilt werden soll und gleich» zeitig nach den letzten Zeitungsinformationen nach Paris abgesandt werden dürfte.

Kein Sturz Skresemanns.

Ein energisches Dementi deS Kanzlers.

(Eigener Informationsdienst.)

Berln, 15. Juli.

Unmittelbar nach der Rückkehr deS Reichs­kanzlers Dr. Luther aus Dresden wurde von der Reichskanzlei kathegorifch erklärt, daß alle Gerüchte über einen bevorstehenden Rücktritt de» Außenministers Dr. Strefemann jeder Grundlage entbehren. Selbst im Auswärtigen Amt war man über die Gerüchte von einem be­vorstehenden Rücktritt Dr, Stresernanns und des Staatssekretärs Dr. von Schubert derartig beun­ruhigt, daß man den Reichskanzler noch in Dresden um eine sofortige Intervention bat. Der Reichskanzler bat denn auch sofort von Dresden aus die oben erwähnte Weisung er­teilt. Ans einer deutschnationnlen Aeußerung geht hervor, daß die Partei nicht die Absicht hat, die Politik Dr. Stresernanns zu bekämpfen, sodaß gar nicht mehr darn gezweifelt werden kann, daß die Deutschnatinnalen sich mit dem weiteren Verbleiben Dr. Stresernanns abgefun» den haben und ihm in der Fortführung seiner Politik unter Betonung einiger besonderrr Vor­behalte die notwendige Händlungsfreiheit zu- geftehen werden. Zum mindesten wird damit zu rechnen sein, daß Dr. Strefemann die Führung der Autzenpoltiik so lange in der Hand be­halten wird, bis die Sicherheitsverhandlungen zu einer Entscheidung gelangt sind.

Warum da« Geschäft stockt.

Krebsschäden der englischen Industrie. (Eigener Drahtbertcht.)

London, 15. Juli.

Der noch von der Regierung Macdonald ernannte Industrie- und Handelsausschuß hat nunmehr seinen ersten Bericht veröffentlicht. Es werden darin die drei wichtigsten Gründe für den Rückgang des englischen Handels erörtert, nämlich die Verminderung der Kaufkraft des Auslandes, dann die Entwicklung der örtlichen Industrien des Auslandes und endlich Ersatz britischer Waren im Ausland durch solche, die in anderen Ländern erzeugt werden. Die Zahl der arnllichen gemeldeten Arbeitslosen betrug am 6. Juli 1300 300, das heißt 3943 weniger als in der vorhergehenden Woche und 275 749 mehr als zur entsprechenden Zeit im vergangenen Jahre.

Vierzig neue Kreuzer.

England» Flottenprogramm für sechs Jahre (Eigener Drahtbericht.)

London, 15. Juli.

Den Blättern zufolge wird das Kabinett heute eine Denkschrift über ein endgültiges Flöt- ienprogramm erörtern. Wie es heißt, wird in der Denkschrift vorgeschlagen, die Zahl der in den nächsten drei Jahren zu erbauenden neuen

Kreuzer von je 10 000 Tonnen, die von der Arbeiterregierung auf acht herabgesetzt worden ist, aus neunzehn zu erhöhen. Daily Mail zufolge erklärt die Admiralität diese Zahl für das Mindestmaß dessen, was die briti­sche Flotte zur Aufrechterhaltung ihrer Schlag­kraft brauche. Einem anderen Blatt zufolge for­dert die Regierungsdenkschrift, die sich mit dem Flottenprogramm besaßt, den Bau von vierzig neuen Kreuzern in den nächsten sechs Jahren.

M

Bolschewlftmprvpaganba im Heere.

London, 15. Juli. (Eigener Drahtbericht? Im Unterhause erwiderte gestern Staatssekretär Worthington Evans auf eine Anfrage, Untersu­chungen würden bezüglich des Ursprungs der bolschewistischen Propaganda in Aldershot ange­stellt werden sowie in einem andern militäri­schen Mittelpunkt, wo ein ähnlicher Fall vorge­kommen fei. Er ziehe jedoch zur Zeit vor, über diese Frage keine Erklärung abzugeben.

Auf dem Wege nach Veking.

Coolidges Programm. Noch kein Termin.

(Durch Fnnkspruch.)

Washington, 15. Juli.

Das Staatsdepartement ist mit den Signa- tarmächten des Neunmächtevertrages in Ver­bindung getreten, um sobald wie möglich in Peking eine Konferenz einzuberufen. Wie verlautet, ist Präsident Coolidge der Ansicht, daß die Konferenz die Zollsragen, die Exterritorialität und alle anderen Fragen des Washingtoner Abkommens beraten soll. Ob­wohl er aus ein; baldige Regelung der Ver­hältnisse in Chine hofft, wurde dennoch erNärt, daß Coolidge noch keine hinreichenden Infor­mationen besitze, um endgültig entscheiden zu können, ob die Umstände jetzt für eine um­fassende Erörterung der chinesischen Frage gün­stig sind. Die Meldung aus Tokio, wonach sich Amerika im Einvernehmen mit England nno Japan mtt einer Vertagung der Konfe renz für die Frage der Exterritorialität au unbestimmte Zeit einverstanden erNärt habe, entbehrt, wie versichert wird, jeder Grundlage.

Der Knotenpunkt der Wett.

Botschafter Fleuriaus Mahnung an London.

(Eigener Drahtbertcht.)

London, 15. Juli.

Bei einer Feier in der französischen Botschaft zmn Nationaltag sagte der Botschafter Fleu- riau in einer Ansprache u. a.: Einige Regie­rungen legten der Bewegungsfreiheit von A n s- ländern Beschränkungen ans, obgleich diese daS Hauptmittel für den Meinungsaus­tausch bilde. Dies zeige sich besonders, wenn man die Lage Londons erwäge, das ein großes internationales Geschäftszentrum fet. ES werde gewünscht, die Weltstellung Londons aufrecht zu erhalten und zu sichern. Es frage sich aber, ob dieser Wunsch verwirklicht werden könne, wenn den Ausländern, und besonders den Franzosen, die einen aktiven Anteil an den internationalen Angelegenheiten der City genommen haben und noch nehmen, Hinder­nisse in den Weg gelegt würden. Hebet die Sage in China sagte der Botschafter, wenn man einer chinesischen Regierung, die keine Au­torität besitze, Zugeständnisse mache, so würde dadurch Leven und Eignetum der Aus­länder in Gefahr gebracht werden. Hoffentlich würden sich alle interessierten Mächte zur Ver­teidigung ihrer Staatsangehörigen und Rechte vereinigen, bis China imstande sei» Leben und Eigentum der Ausländer zu schützen. Der Bot- chaster schloß, fein Bemühen sei, die Entente Cordiale zu stärken, deren Erfolg für die ganze Welt von Wichtigkeit fei.

Der Rattenfänger in London

RakowSft über China. Millionenausträge. (Eigener Drahtbertcht.)

London, 15. Juli.

Der Sowjetbotschafter Rakowski erflärte in einer Preffe-lluteredung: Rußland brauche aus­ländisches Kapital. Mit Bezug auf China stellte Rakowski in Abrede, daß die Vorlesung KarachanS an der Universität in Peking im Fe­bruar eine Spitze gegen England enthalten habe. Verschiedene Provinzen in China seien ein Mit­telpunkt für Mannschaften weißrussischer Offiziere geworden. Rakowski bestätigte, daß er Aufträge in Höhe von fünfzehn M i llionei. Pfund für die britische Indu­strie mitgebracht habe, stellte jedoch nachdrücklich deren politische Bedeutung in Abrede. Eine Stärkung der wirtschaftlichen Beziehungen zwi» schen beiden Ländern werde auch die politischen Bande zwischen ihnen kräftigen. <

Das Brot der Sparer

Aufwertungsgesetze in 2. Lesung angenommen.

Die Linksparteien beantragen Nenvrüinng «nb Jnslationsltencr«. Svarkaffenanfwer- tnng mit 12 Prozent. Alle Orwositionsan- triige abgeletznt. Alt- und Neubestb.

Berlin, 15. Juli.

Bei der zweiten Reichstagsberatung des Ge­setzentwurfes über die Ablösung der öffentlichen Anleihen wurde zunächst Nr. 1 besprochen, wo­nach die Markanleihen des Reiches in die neue Ablösungsschuld des Deutschen Reiche» umgetauscht werden. Von den Sozialdemokraten liegt der Antrag vor, den Entwurf an den Aus­schuß zurückzuverweisen. Abg. Dr. L e b er (Soz.): Das Kompromiß ist ungenügend. Wir wollten eine Jnflationssteuer auf dir Besitzenden legen, um den armen Sparern z« helfen. Dieses ganze Gesetz ist ein Abwer­tungsgesetz. Nur die Spekulanten erhalten eine Aufwertung, und als ihnen diese noch nicht genügte, streifte die Börse. Die richtige Antwort auf den Börsenstreik wäre gewesen, die letzten 2% Prozent Aufwertung für die Spekulanten omh noch zu streichen. Freiherr v. Richthofen (Dem.): Das Gesetz bedarf umsomehr einer Neuprüfung, weil feine Wirkungen für die Kre­ditfähigkeit des Deutschen Reiches unabsehbar wären. Wir werden daher dem Antrag der So­zialdemokraten, soweit er sich auf die Rückver­weisung bezieht, zustimmen, und mit Rücksicht auf die große Bedeutung der Angelegenheit namentliche Abstimmung über diesen Antrag beantragen. Abg. Seiffert (Völk.) lehnt die gegenwärtige Fassung der Vorlage für sich und seine Partei ab, weil diese Fassung einen Recht Shruch darstelle, wie er sich noch nie in der Welt ereignet habe. Für die Mittel für die Aufwertung müsse vor allem eine In. flationssteuer geschaffen werden. Beim Kapitel Aufwertung von Svarkassengur« haben wird alsdann in namentlicher Abstim­mung ein Antrag Keil (Soz.) mit 243 gegen 178 Stimmen bei 5 Enthaltungen abgelehnt, der den Aufroertungsrnindestsatz von 12 auf 25 Prozent erhöhen wollte.

Es bleibt also bei 12 Proz.sür die Sparguthaben

Annahme mit den Stimmen der Linken, des Zentrums und der Bayer. Volkspartei findet ein Antrag des Abg. Best, der beim Kapitel .Vergleiche und andere Vereinbarungen" eine Ausnahmebestimmung für die Kaufleute akS Gläubiger beseitigt. Ein Antrag des Abg. Dr, Heinze (Dt. Dpt.), der die Reichsregierung ermächtigt, weitere Vorschriften über die in Aus- wertungSsachen erwachsenden Gebühren und Kosten zu erlassen, wird im Hammelsprung mit 269 gegen 127 Stimmen angenommen. Prä­sident Loebe erklärt gegenüber kommunistischen Zweifeln die Abstimmung für rechtsgültig und verweist auf die Möglichkeit, in der 3. Le­sung den Fehler zu korrigieren. (Heiterkett.)

Im weiteren Verlauf der Abstimmungen werden alle Anträge der Opposition abge- lehnt und die Kompromißvorlage deS Hypothekenaufwertungsgesetzes wird in zweiter Lesung bewilligt.

Bei her Anleiheaufwertung lehnt Abg. Fe­der (Völk.) die Vorlage ab, die er als Unrecht bezeichnet. Während der Debatte befinden sich von den 493 Abgeordneten etwa dreißig tm Saal. Abg. Saupe (Soz.) fordert eine sofor­tige Sonder st euer von den Vermögen uver 30 000 M., die in der Kriegs- und Nachkriegszeit entftanben sind, einen Zuwachs erfahren oder ich nicht um mehr als 10 Proz. vermindert haben. Damit schließt die allgemeine Aussprache. In der Einzelaussprache begründet Aba. Keil (Soz.) einen Eventualantrag, der von der Auf­wertung alle Markanleihen des Reiches aus- chließen will, die der Gläubiger nicht nachweis­lich vor dem 1. Juli 1922 erworben bat «Streichung des Neubesitzes.) Ein Re­gierungsvertreter bezweifelt, daß die Spekukan- ten überhaupt noch im Besitze der Anleihen sind, die sie zu Spekulationszwecken erworben haben. Diese Stücke seien rasch von Hand zu Hand ge­gangen. § 5 der Vorlage setzt den Aufwertungs­atz für Anleihen auf 2^ Proz. fest. An bitterer Stelle sieht das Gesetz eine Derdop. elung des Satzes für Altbesitz vor. Abg. Dr. Best begründet feine Abänderungsanträge, die eine zwanzigprozentige Aufwertung für An­leihen fordern. Die Sozialdemokraten haben einen entsprechenden Antrag eingebracht. Wäh­rend die Vorlage keine Verzinsung der Anleiheablösungsschuld vorsteht, sondern nur ein Auslosungsrecht und ein Recht auf Vorzugsrenten schaffen will, begründet Abg. Dr. Bogel (So;.) einen Antrag, der eine fünfino- ;entige Verzinsung der Ablösungsschuld fordert

* * *

Das Schicksal der Renten.

Schluß der zweiten ReichStagSlesung.

Die Paragraphen 18 bis 27 der Vorlage be­handeln die KapitelVorzugs- und Wohl-