Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
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Nummer 162. Einzelnummer 10 Pf. Sonntags 15 Pf.
Mittwoch, 15. Juli 1925.
Einzelnummer 10 Pf. Sonntags 15 Pf. 15. ZtthkAKNg
Die große Kraftprobe der Regierung.
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Änflationsgespenster.
Frankreich zahlt Lehrgeld.
(Bon unfern Pariser Korrespondenten.)
Paris, 12. Juli.
Deutschland hat die Inflationszeit mit allen ihren betrüblichen Nebenerscheinungen längst überwunden und der Begriff Inflation ist uns nur noch eine historische Erinnerung, in der sich die rapide Entwertung des Papiergeldes, das stündliche Steigen der Preise und die Gewöhnung an astronomische Zahlmen begegnen. Die französische Inflation steckt vorläufig noch in den Kinderschuhen, und es ist erklärlich, daß die charakteristischen Auswirkungen der Geldentwertung auf den ersten Blick kaum zu erkennen sind. Aber hinter der äußeren Hülle verbirgt sich doch eine große Unruhe, vor allem bet den Familien des Mittelstandes, die mit der Entwertung des Franken eine fortdauernde Verminderung ihres Vermögens erleben. Bei den Altrentnern und Pensionären spielen sich bereits ähnliche Tragödien ab, wie wir sie in Deutschland in so unheilvollem Ausmaß erlebt haben. Ebenso wie bei uns zu Beginn der Inflationszeit ist auch in Frankreich der ungelernte Arbeiter der eigentliche Beherrscher der Situation. Seine Löhne find dem Dollarkurs noch vorangeeilt; wie fein früherer deutscher Kollege zahlt er lächerlich niedrige Mietpreise, er ist zum Feinschmecker geworden, und es ist eine bekannte Erscheinung, daß die größte ZaU. der gutgehende« Feinkc-st-Handlungen nod Fleischereien fich in Arbeiterguartieren befindet. Da die französischen Arbeiterfamilien meist nicht allzu reichlich mit Nachkommenschaft gesegnet sino, pflegt auch die Frau vielfach mitzuverdienen, nnd so weist die früher unterste Klaffe der Bevölkerung einen ähnlichen Zustand relativer Wohlhabenheft auf, wie eS in den ersten Jnflationssahren in Deutschland Bet Fall war.
Der Angestellte, der Heine Beamte und vor allem dergeistigeArbeiter bildet dagegen zusammen mit dem Kleinrentner die Bevölkerungslchicht, die am schwersten von der Inflation getroffen worden ist. Sie mangel« hafte soziale Gesetzgebung Frankreichs trägt dazu bei, um gerade in diesen Greifen vielfach wirkliche Not zu schaffen. Es ist keine Seltenheit, daß man in den großen Pariser Warenhäusern längst ergraute Verkäufer trifft, die über ein Monatsgehalt von nur fünfundzwanzig Franken verfügen und im übrigen vollkommen aus einen geringfügigen Anteil am Verkauf angewiesen sind. Namentlich die kleinen und mittleren Beamten sehen sich immer mehr auf den tiefsten Stand der sozialen Skala herabgedrückt, und sie liegen in fortwährendem Kriegszustand mit der Regierung, bei dem es sich um kleine Aufbeffernngen ihrer Gehälter dreht. Don einer wirklichen Teuerung ist in Frankreich kaum die Rede, da die Preise meist ziemlich stark hinter dem Dollarniveau zurückbleiben. Die unzulänglichen Gehaltserhöhungen schaffen indes eine wirkliche Kluft zwischen Einkommen und Preisniveau, und so kann man sich erklären, daß der Durchschnittsfranzofe über die teuer» Zeiten jammert. Das französische Bürgertum lernt, sich von Tag zu Tag immer mehr den gegebenen Verhältniffen anzupaffen. Es ist ein Irrtum, wenn man in Deutschland der Ansicht ist, daß die Lebenshaltung der Durch- schnittsftanzosen über der des gleichgestellten Deutschen stebt. Im Gegensatz zu einem gewissen Lurus im Essen, der sich in der Arbeiterklasse zeigt, lebt das Bürgertum, wenn es auch äußerlich noch den Rahmen der Vorkriegszeit einhält, recht spartanisch. Man merkt ferner an der Kleidung der meisten Franzosen, daß sie auch auf diesem Gebiet ihr Budget stark ein« schränken. Dem Bürgertum fällt diese Anpassung an die Zeit dadurch ziemlich leicht, weil der Hangzur Sparsamkeit, der ost bis zum kleinlichen Gei, ausartet, gerade in dieser Schicht des ftanzösischen Volkes stark ver-
breitet ist.
Tiefes Bild vom gegenwärtigen Stadium der ftanzösischen Inflation wäre unvollkommen, wenn man nicht den natürlichen Konttast hinzu nähme, den übertriebenen Luxus, » sich ar. den Stätten des VergnügungS- lebens bemerkbar macht. Es hat auch in Frankreich In sl at ion s g e w in nie r gegeben, und eine gewisse Schicht reicher Ausländer macht die Verschwendungsorgien der neuen Reichen gelehrig mit. Hier zeigt sichdie Kehrseite der Jnflationswirtschast. Während im normalen Leben die verminderte Konsumkraft und die Einschränkung des Miftelstandes bei der Preisberechnung berücksichtigr sind, steht man hier das gerade GegenteU. Die Franken werden als wertlose Patzierlappen behandelt,
und die Preise sind dementsprechend übertrieben hoch. Es ist kein Zusall, daß gerade die russischen Flüchtlinge, die am frühesten den Jnfla- lionswirrwarr erlebt hab-n, an diesem Treiben in erster Linie schuld sind. Man findet den Unterschied am deutlichsten ausgeprägt im neuen Montmartre, wo neben den Eafss und Restaurants, in denen der Durchschnittsfranzose zu relativ normalen Preisen aufgenommen wird, die russischen Nachtlokale entstanden sind, die den Gast in der rücksichtslosesten Weik» ausplündern. Diese „Segnungen“ der Inflation hat Paris erst kennen gelernt, als es mit der Geldentwertung in Deutschland zu Ende ging Eine Reihe der russischen Lokale, die auf die Flucht vor der deutschen Mark spekulierten, sind nach Montmartre übergesiedelt, wo sie den Franzosen den gleichen Etel vor ihrer eigenen Währung beizubringen versuchen.
Trotz dieser Nebenerscheinungen sind die Franzosen — vorläufig noch — der schlimmsten Auswirkungen der Inflation enthoben. Tas Zutrauen zum Franken ist noch relativ groß, jedenfalls kann man noch keine Jagd nach fremden Devisen bemerken. Unter der Landbe- völkerung herrscht heute noch das Noten- hamstern vor, das auch wir während der ersten Jnflationsjahre gekannt haben. Weit größer als die Furcht vor der Entwertung der Währung ist die Angst, daß die Regierung einmal dazu übergehen könnte, eine Abgabe vom Ver- mögen zu fordern. Man entsinnt sich, daß auch bei uns zu Beginn der Jnflatton die Stimmung weiter Kreise ganz ähnlich war. Hier findet sich daher die gleiche Aehnlichkeft zu den Jahren 1919 bis 1921 in Deutschland, die man auch bei den anderen Erscheinungsformen der französischen Inflation wahrnehmen kann. Man entdeckt Überall Beziehungen zu den frühen Stufen der deutschen Inflation, die zu denselben ungünstigen Rückschlüssen für die Zukunft führen.
Victor Lambert.
Noch halt die Front.
Schwere Belastungsproben für Luther.
(ßigenet Informationsdienst.)
Berlin, 14. Juli.
Wie nunmehr feststeht, wird Außenminister Dr. Dtresemann nicht in der Lage sein, in der heutigen Sitzung des Auswärtigen Ausschusses irgendwelche Erklärungen über die deutsche Antwortnote an Frankreich abzugeben. Wie wir hören, will die Sozialdemokratie den Außenminister über bestimmte außenpolitische Fragen interpellieren lassen, woraus Dr. Strese- mann jedoch nicht eingehen dürfte. Rach seiner Rückkehr aus Dresden wird Reichskanzler Luther seine Verhandlungen mit den Regierungsparteien fortführen, um endlich die Einheitsfront der Koalition in den wichtigsten Tagesfragen wieder herzustellen. Die ersten Abstimmungen über das Aufwertungsge- setz haben gezeigt, daß die parlamentarische Basis des Kabinetts Luther noch keineswegs als erschüttert angesehen werden kann. Die Aussichten einer Annahare des Aufwer- tungskompromi f(es scheinen sich sogar wesentlich zu bessern. Was die Z o l l v o r l a - gen anbetrifft, so werden am Dienstag entscheidende Fraktionsberatungen stattfinden. Bis Dienstag abend will nämlich der Reichskanzler eine klare Lage geschaffen haben. Damit dasReichssabinett endlich die dringenden verantwortungsschweren Entscheidungen über Die Außenpolitik treffen kann. Bis Mittwoch wird voraussichtlich die Enffcheidung über ote Schutzzölle gefallen sein. DaS Zentrum hat insofern eine neue Wendung herbeigesührt, indem es die Mindestzölle für Getreide ab lehnt und daran festhält, gleitende Zollsätze an ihre Stelle zu setzen. Reichskanzler Dr. Luther sog, wie wir hören, für ein Kompromiß eintreten und zu diesem Zwecke sogar vte in der Regierungsvorlage vorgesehenen Mtn- destzölle preiszugeben bereit fein. Innerhalb des Reichskabinetts selbst find aber zwei Strömungen vorhanden. Scheitern die Ber- handlungen, so wird fich das Reichskabinett darüber schlüssig werden müssen, welche Konsequenzen fich daraus ergeben. Einzig und allein von den Regierunasparteien selbst hängt es ab, die beschleunigte Berabschiedung der Zollvorlagen im Reichstagsplenum sicher zu stellen.
Schlechte Aussichten.
Englands Kohlenabsatz in Deutschland.
(Eigene Drahtmeldung.)
London, 14. Juli.
Aus ein Anfrage im Unterhaus erwiderte der Präfident des Handelsamtes, die Einfuhr von Kohle nach Denffchland fei bereits seit längerer Zeit einer Lizenz unterworfen gewesen. Er glaube nicht, daß die deutsche Regie-
Ende der schwarzen Vest
mungen. Ai
<86 bleibt bei 15 Vrozent.
Die Aufwertungskompromisse in 2. Lesung.
Reichswirtschastsminister Neuhaus führte bei der gestrigen Reichstagsdebatte über die Aufwertung aus: Es ist die Ansicht vertteten worden, daß die Industrie eS verstanden hätte, in der Inflation sich ihre Substanz zu erhalten. Es sind jedoch kaum 5 Prozent unserer Gesellschaften, die auch bei scharfer Zusammenlegung eines Kurs von 100 halten könnten. Es ist behauptet worden, daß die Industrie im Vergleich zu der Vorkriegszeit wesentlich entschuldet sei. Wir haben festgestellt, daß diese Betriebe heute unter Berücksichtigung der Vorschläge des Negierungsentwurfs insgesamt noch mit
70 Prozent ihrer Vorkriegsschulden belastet ind. (Hört! Hört! rechts.) Ich verweise auch noch yuf die besondere Belastung der Industrie durch das Dawesabkomrnen, Eine höhere
Abmarsch der Marokkodivision.
(Eigene Drahtmeldung.)
Paris, 14. Juli.
Wie aus Wiesbaden berichtet wird, hat die marokkanische Division, die in der Pfalz, und zwar in Landau und Umgegend steht, gestern nunmehr vollkommen ihre Standorte verlassen, um fich nach Marokko zu begeben. Ein weiteres marokkanisches Regiment und ein Regiment algerischer Schützen stehen ebenfalls zur Abreise aus dem besetzten Gebiet bereit. Der zum Oberbefehlshaber der marokkanischen Truppen ernannte General Naulinhat gestern abend Wiesbaden verlassen, um sich über Paris nach Marokko zu begeben.
Der Tob von Kanton.
Chamberlains Auskunft. — Europäerflucht.
(Eigene Drahtmeldung.)
London, 14. Juli.
Auf eine Anfrage im Unterhaus erwiderte Chamberlain, daß sich die chinesischen Verluste bei den Schießereien in Kanton auf etwa dreißig Tote und siebzig Verwundete beliefen. Tic Ausländer hätten, soviel bekannt sei, einen Toten (Franzose) zu verzeichnen. Vier Engländer und ein Franzose feien verwundet worden. In Peking find ungefähr vierzig ausländische Flüchtlinge aus Honan eingetroffen. Im Pekinger Bergwerkssyndikat haben zweitausend Bergleute und Angestellte die Arbeit eingestellt. In vielen Häusern der Ausländer find die Wafferlei- hmgen abgeschnitten worden. Dies sowie die Lebenmittelsperre zwangen die Fremden, die Provinz zu verlassen. (S. a. Depeschen 2. Seite.)
Wie Peking frohlockt.
Kommission ohne Frankreich. Mächtekonferenz.
(Eigene Drahtmeldung.)
London, 14. Juli.
Ein Blatt meldet auS Peking, daß die chinesische Presse über den Austritt des französischen Gesandten auS der Antersuchungskommis- ston für Schanghai, der Freude auSdrücke u. die französisch« Aktion als das Ende der Solidarität der Mächte gegenüber China begrüße. Dem Berichterstatter zufolge wird die französisch« Begründung des Schrittes in Kreisen der Europäer nur als Borwand angesehen, da der wirkliche Grund FrnnfteichS sei, fich von jeder Ber indung mit dieser Angelegenheit zu befreien. — Einem Reuterbericht zufolge dauern die Beratungen zwischen den Mächten über die Möglichkeit und den Ansang der Tariskon- f e r en z fort ES scheine, daß die Frage der Aufgabe der ExterritorialitStsrechte nach der Tarifkonserenz erörtert werd«.
behalten hat. § 36 bestimmt, daß Rückzahlung, Verzinsung und Tilgung wiebeidenHypo- theken vorzunehmen ist, soweit nicht nie Reichsregieruna etwas anderes bestimmt. Abg. Keil (Soz.) begründet zu diesem Kapitel so- zialdemokrotische Abänderungsanträge, in denen u. a. verlangt wird, Erhöhung des Aufwertungssatzes von 15 auf 40 Proz. ober in einem Eventualantrag Erhöhung aus 25 Proz. Ueder das Genußrecht gelten besondere Besiim-
rung irgendeine Aktion erwäge, die die Wirkung haben würde, die nach Denffchland eingeführten Mengen britischer Kohle zu vermindern. — Der Abg. Hannen fragt, ob das Handelsamt irgendwelche Schrite getan habe, um den. britischen Handel auf der Da,nziger Messe in Mitteleuropa zur Kenntnis zu bringen. Der Handelsminister Samuel verneinte diese Frage. Aus eine weitere Frage, ob er nicht Der Ansicht fei, daß die Danziger Messe eine besonders gute Gelegenheit für den Handel britischer Waren biete, antwortete Samuel verneinend.
Wien in Tirol.
Ein Bereinszug angehalten. — Kehrt marsch! (Eigene Drahtmeldung.)
Wien, 14. Juli.
Ein Sonderzug des sozialdemokrattschen Vereins Raturfteunde mit 650 Teilnehmern wurde auf der Fahrt nach I n n i ch e n (Tirol) a n - gehalten, da die Italiener erklärten, ge- s chlosfene Züge nicht durc^affen zu können. Selbst 200 Reisende, die Einreisesichtvermerke besaßen, wurden nicht durchgelaffen.
Der Sowjetboischafter bei Chamberlain.
London, 14. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Der Sowjetbotschafter Rakowski hafte gestern nachmittag eine Unterredung mit Chamberlain. Beim Verlassen des Foreign Office gab er einem Reuter-Vertreter die Erklärung ab: Sie können sagen, daß ich den Staatssekretär des Aeußcrn sah und daß ich von den Ergebnissen der Unterredung sehr befriedigt bin.
Auf dem Marsch.
Wie der Reichstag auswerten will.
Die tkomvromihvarlase bet Regler»««. — Rückzahlung bis 1. Januar 1982. — Wachende Zinssätze. — Gegenantrag von links. — Dr. Best über Jnduftrieobligatione«.
Berlin, 14. Juli.
Die zweite Lesung des Aufwertungsgesetzes wird fortgesetzt. Hat der Gläubiger die Hypothek angetreten und die Gegenleistung nach dem 14. Juni 1922 oder unter Vorbehalt der Rechte angenommen, so wird die Hypothek und die persönliche Forderung auf der Grundlage »es sür ihn maßgebenden Goldmarkbetrages unbeschadet der Aufwertung zugunsten des Erwerbers auch zu seinen Gunsten aufgewertet, sofern nicht in früheren Paragraphen festgelegie Ausnahmesälle vorliegen. Abg. Dr. Best (Völk.) will dem § 17 eine neue Fassung geben, die ote RÄHte der Gläubiger erweitert. Die Abstimmungen werden wegen der schlechten Besetzung des Hauses zurückgesteltt. Die Einzelberatung geht weiter. § 25 bet Kompromißvor- lage bestimmt, daß die Rückzahlung des Aufwe^tungsbetrages durch den Gläubiger nicht vor dem 1. Januar 1932 verlangt werden kann. Spätestens soll bei besonders gelagerten Wirtschaftsverhältnissen die Rückzahlung bis zum 1. Januar 1938 erfolgt sein. Das Gesetz sieht vor, daß frühestens vom 1. Januar 1926 ab in besonderen Fällen Vorauszah- l u n g e n in Höhe von jährlich höchstens 10 Prozent des Gesamtemfpruchs des Gläubigers erfolgen können. § 28 bestimmt: Der Aufwertungsbetrag ist bis zum 1. Januar 1925 unverzinslich. Rückständige Zinsen werden erlassen. Vom 1. Januar 1925 a» beträgt der Zinsfuß 1,2 Proz., vom 1. Juli 1925 ab 21/! Proz. vom 1. Januar 1926 ab 3 Proz. u.
. vom 1. Januar 1928 ab 5 Prozent.
Wenn dem Schuldner nach 1932 weitere Stundung bewilligt werde, so soll die Regierung ermächtigt fein, den bann in Frage kommenden höheren Zinssatz zu bestimmen. K 29 bestimmt, daß die Verpflichtung zur Leistung von Tilgungsbetrügen bis zum 1. Januar 1926 ruht. Die Aufwertungsstelle soll auf Antrag des Gläubigers den Tilgungssatz erhöhen können, wenn die wirtschaftliche Lage oeS Schuldners es gestattet. Abg. Ströbel (Soz.) setzt sich für einen Antrag ein, der den Zins- s a tz des § 28 schon vom 1. Januar 1925 ab auf 5 Prozent festsetzen will. Abg. Dr. Best begründet in ähnlichem Sinne gehaltene Anträge. § 33 der Jnduftrieobligatione n-A >i i- wertung bestimmt, daß der Satz hierfür 15 P r o z e n t betragen solle. § 344 enthält eine Härteklausel, gie dem Schuldner bei wirtschaftlich schwieriger Lage gestatten will, eine Herabsetzung der Aufwertung zu verlangen. § 35 bestimmt, daß die Aufwertung a u ch d a n n stattsindet, wenn der Gläubiger schon eine Leistung angenommen und sich seine Rechte Der»
ßrech 1 gelten besondere Bestim-
_ . :bg. Dr. Best erklärt, die Groß- i n d u st r i e habe es durchgesetzt, daß bei In« dustrieobligationen nicht einmal 25 Pro)., Wadern nur 15 Proz. auf gewertet und bann nur noch ein Genußfchein von sehr zweifelhaftem Werte gegeben werde. Dabei schreie gerade das Kapitel ^Jndusirieobligationen" nach individueller Aufwertung. Der Redner begründet Anträge, die u. a. den AufwertungSpatz ür Jndustrieobligationen von 15 auf 50 Prozent erhöhen.