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Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 160. Einzelnummer 10 Pf, Sonntags 15 Pf.

Sonntag, 12. Zutt 1925.

Einzelnummer 10 Pf, Sonntags IS Pf. 15. Jahrgang

Sie drei SanltionsWle als Amstpsand?

Gommers Klage.

Unfriede und Gärungsstoffe in aller Welt.

Man hat nicht mit Unrecht in unseren Tagen von einem »Sommer des Mißvergnügens" ge­sprochen. Und ist es nicht, als zeichnete das glei­che, geheime Leid die Zuge, als beschwerte die gleiche, lähmende Last die Glieder aller Tausen­de, die tagaus, tagein auf Straßen und Bahnen, in Büros und Fabriken, fremd aber wohlbekannt an uns vorüberziehen? Fürwahr, das glückhafte Menschenlächeln, das Aufleuchten der Seele in den Blicken, der glühende Lebensstrom von Mensch zu Mensch von Boll zu Volk scheint er« starben, verlöscht, versiegt zu sein in der hoff­nungslosen Einöde der Wirtschaftsnot, tm Wirr- sal und Widerstreit aufeinanderprallender Le- bensintereffen. Ueberall kriselt es und nicht nur in deutschen Landen sowohl in den Un­ternehmungen wie in den Verbrauchermassen. In den Großstädten flackern die Streiks em­por» Stillegungen und Lohnbewegun­gen find an der Tagesordnung, Meter- und Sparerverbände bedrängen Parlamente und den Reichspräsidenten, selbst die Börse streikt . . . und wer will es den besorgte» Famllienvätern verdenke», wenn sie der wachsenden Teue- rnngs slut sich mit neue» Lohnforderungen entgegenstemmen.

In den Ausschüssen schleppen sich die Steuer- und Zolldebatten endlos hii und noch weiß die Regierung nicht, ob und wie sie die durcheinan- dergeschüttelten Parteiköpfe unter einen Hut bringen wird. Zwar ist der Aufwertungs-He- xensabbath abgeschlossen, aber welch gesunder Menschensinn sindet sich in dem Wust der Wun­dertränke und Mttelchen zurecht, die man den verzweifelten Rentnern braute. Zwar hat man die Umsatzsteuer gekürzt, hier unv da Luft ge­schaffen, aber was will das gegenüber der acht- bis zehnfachen Ueberbelaftung für Industrie und Lanowirtschast bedeuten. Und das Riesenloch in Preußens Haushalt will man sogar mit er­höhten Hauszinssteuern aus den Taschen der ausgepunrpen Steuerzahler stopfen.. .. Und das alles harrt noch des hochnotpeinlichen Verhörs und der Aburteilung durch den Reichstag. Von der großen Sommerstille, von der mittäglichen Ruhe des heiligen Pan, ist also bei der wildes Parforcejagd sozialer und politischer Ereignisse und Verwicklungen heuer nichts zu verspüren.

Und während so in den Fraktionszimmern die Stürme im Wasserglas brausen, und man sich um die kleinen Güter dieser Welt balgt, sind die Flammen zum Dach der Welt haushoch hinausgeschlagen. Der durch Polen vom Zaun gebrochene Wirtschaftskrieg wird zwar ihnen teurer zu stehen kommen als uns und auch in Paris hat man sich höflich, wenn auch ver­tragslos, getrennt. Aber ist es nicht, als wankt und kracht der Bau Europas in allen Fu­gen, zumal sein Prestige durch die Prügel, die Frankreich von den Eingeborenenstämmen und Eigland-Japan von den Chinesen bezieht, täglich mehr untergraben wird? Gewiß wird Frank­reich mit den restlos bewilligten Millionenkredi- ten letzten Endes den Aufstand niederschla­gen oder durch diplomatische Friedens-Schach­züge doch den gefährlichen Rishäuptling matt setzen. Und auch das zitternde Albion wird mit HÜfe japanisch-amerikanischer Riesenflotten des asiatischen Chklopen Herr werden. Aber der Nimbus der weißen Rasse, das hat sie Frank­reichs schwarzer Schmach in und nach dem Welt­krieg zu danken, ist zertreten. Mit elementarer Gewalt wird sich, durch bolschewistische Propa­ganda beschwingt, der Freiheitsyrozeß der farbi­gen Welt fortsetzen und einer Umgestaltung nicht nur des jetzigen Kolonialsystems, sondern der Weltwirtschaft überhaupt entgegendrängen. Das sind die düstren Schatten, die die Staats- männerstirnen diesseits und jenseits des Kanals umwölken. Darum wird sich der schlaue Bri- lenführer wohlweislich hüten, mit stolzer Geste Moskaus Machenschaften mit dem Abbruch zu parieren, zumal Rakowski mit Millionenaus­trägen für Englands schwindsüchtige Industrie erscheint. Herr Chamberlain wird es bei einer . . . Verwarnung bewenden lassen. Das sind auch die Sorgengeister, die den Rechenkünstler Caillaur über die Meere nach London und viel­leicht auch nach Washington treiben, um den Frank durch Abbürdung der Schuldenlaffen und neue Anleihen vor dem Todessturz zu bewahren.

Dieser grobe Querschnitt durch die Triebkräfte der Welt offenbart in erschreckendem Maße, wie der Blutkreislauf zwischen Ländern und Völkern zu stocken beginnt, die gegenüber dem Ansturm erwachender Welten heute mehr als jemals auf­einander angewiesen sind: Signale einer neuen Zeit, über die auch das einst so selbstherr­

liche Europa nicht achtlos und mit dem Rüstzeug einer veralteten Politik Hinwegschreiten sollte. F. R.

Warum sie nicht räumen.

Die drei Sanktionsstädte als Pfand.

tEtgener JnformalwnSdtenft.)

Berlin, 11. Juli.

In den Kreisen der Reichsregierung spricht man jetzt von der Möglichkeit, daß die Weiter- besetmng der drei Sanktionsftädte Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort als Pressionsmit­tel angewandt werden könnte, um Deutschland zur Annahme der alliierten Entwaff­nungsforderungen zu zwingen. Auf lie­fen Gedanken ist man durch die Aeutzerungcn einiger französischer Blätter gekommen, in de­nen es heißt,Paris unö Brüssel würden sich sehr entgegenkommend zeigen besonders wenn Deutschland die in der Note der Botschafterkon- fercnz aufgestellten Abrüstungssorderungen lo­yal erfüllt". Diese Andeutung genügt voll­auf, um davon zu überzeugen, daß Frankreich und Belgien eine neue Taktik vereinbart haben, um in der Entwaffnungsfrage einen be­sonderen Trumpf gegen Deutschland ausspielen zu können. Die alliierten Staatsmänner haben auf der Londoner Konferenz die Zusage gegeben, daß sie sich der gleichzeitigen Räumung nicht wi­dersetzen werden und damit auf jede Möglichkeit verzichtet, irgend einen Borwand für eine Wei­terbesetzung der Ruhrhäfen in der Hand zu hal­ten. Indem man auf diese bedeutsame Tatfache hinweist, vertritt man in den Kreisen der Reichs- reßicrung die Auffassung, daß es Dentschlanv gleichgültig sein kann, ob die Räumung der Ruhrhäsen auf einen gemeinsamen Beschluß sämtlicher Alliierten hin oder lediglich auf die Initiative Frankreichs und Belgiens erfolgt. Im übrigen aber würde die Richträu­mung der Ruhrhäfen zur Folge haben, daß die Reichsregierung sich vollständig außerstande er­klärt, über die Sicherheitsfrage in irgend welcher Form weiter zn verhandeln.

England nicht verantwortlich.

London, 11. Juli. (Privattelegramm.s Ein diplomatischer Berichterstatter erinnert hinsicht­lich der Frage der Räumung von Düssel­dorf, Duisburg und Ruhrort daran, daß Großbritannien anläßlich der RuhrbesetzunA jede Verantwortung für die Besetzung der drei Städte ab elehnt hübe.

Wege in die Zukunft.

Entscheidende Beratungen in Berlin.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 11. Juli.

DaS Reichskabinett trat gestern abend zusam­men, um den vom Auswärtigen Antt ausgearbei­teten Entwurf der deutschen Antwort auf die Sicherheitsnote Briands zu beraten. Einer Pressenotiz zufolge soll heute eine Besprechung des Reichskanzlers mit den Fraktivusführern der Regierungskoalition über die Zoütarisvor- lage stattfinden, wobei die Frage behandelt wer. den soll, inwieweit innerhalb der Regierungs­parteien eine gemeinschaftliche Grundlage für die Erledigung gefunden werden kann.

EinFaustschlag in Shanghai.

Schroffe Haltung des chinesischen Dtadtrars.

(Durch Funkspruch.)

Peking, 11. Juli.

Die französische Gesandtschaft erläßt folgenoe Erklärung: Während die Gesandtschaften der Ansicht find, daß die Befugnisse des Stadtrates von Shanghai rein administrative find und vaß die tatsächliche Gewalt bei den interalliierten Konsuln liege, die selbst der Autorität der Gesandtschaften unterstellt find, vertritt der Stadtrat die Auffassung, daß er nur den Steuer­zahlern verantwortlich sei, von denen er gewählt wurde. Es sei daher vorläufig zwecklos, Ver­handlungen zu beginnen. Die japanische Ge­sandtschaft in Peking sandte dem chinefifchen auswärtigen Amt eine Rote, die besagt, daß Schadenersatz gefordert werden wird, so bald der Wert des Schadens festgestellt ist.

Aus dem rauchenden Vulkan.

Ein Handstreich aus das Europäerviertel.

(Durch Funkspruch.)

Hongkong, 11. Juli.

Rach einer Reuter-Meldung hat der Besehls- Haber der chinesischen Kadetten in Wham- p o a bei Kanton einen Plan zur Eroberung

von Schameen mit Hilfe russischer Freunde ausgearbeitet. Die militärische Auffassung geht jedoch dahin, daß Schameen nicht von chinesischen Streitkräften in ihrer gegenwärtigen Stärke er­obert werden kann. Die Besatzungen der Dampfer, die den Verkehr zwischen Ho n g k o ng und Kanton vermitteln, haben die Arbeit niedergelegt, um den Verkehr zwischen den beiden Städten zu unterbinden. Die Lebens­mittelvorräte nehmen ab, und die Preise steigen.

Reeder und Rishäuptling.

DaS letzte Angebot Spanien-Frankreichs. (Eigener Drahtbericht.)

Paris, 11. Juli.

Aus Madrid wird gemeldet, der spanische Reeder Jchevarieta werde fick demnächst aber­mals in einer Mission nach Marokko begeben. Diese Reise falle mit der Beendigung der franzö- sisch-spanischen Konferenz zusammen. Man könne daraus schließen, daß es sich um den letzten Schritt handelt, nm Abd cl Krim die von der französischen und spanischen Regierung zur Er- zielungen des Friedens getroffenen Entscheidun­gen so bald wie möglich^ur Kenntnis zu bringen.

Die Krirgosa tfel loht.

Der «ntl. Marokkobericht lautet: Bei Taunat sind die Dissidenten durch Rifkontingente verstärkt worden. In T a z a bleibt die Lage ziemlich ernst. Der abgefallene Teil der Stämme griff die unterworfenen Teile an und steckte die Dörfer und die Ernte in Brand. Der Feind versuchte, sich am Fluß sost- zusetzen, wurde aber durch heftige Gegenangriffe der Senegalesen zurückgeschlagen. Er er­litt dabei blutige Verluste.

ttm die Kolonien betrogen.

Ein italienischer Hieb gegen Versailles.

(Eigene Drahtmeldung.)

Turin, 11. Juli.

Ein Blatt schildert bett starken Kolonialgeist und die große koloniale Befähignng Deutschlands. Der Versailler Frieden habe die Torheit began­gen, Australien Kolonien zu geben, obschon es nod) lange nicht sei« eigenes Land kolonisiert habe und ebenso Frankreich, dessen Bevölkerungs- zahl ständig zurückgehe, während die Länder mit wachsender Bevölkerung, wie Deutschland und Italien leer ausgegangen find. Man müsse sehr leichtgläubig fein, wenn man annehme, daß mit den Bestimmungen des Ver­sailler Friedens das deutsche Kolonialproblem begraben sei. Der jetzig Zustand werde nicht von langer Dauer fein können.

Sn der Zange Abd el Krims.

Vorstoß auf Fez u. Algier. Meuternde Matrosen. (Eigener Drahtbericht.)

Zürich, 11. Juli.

Laut italienischen Meldungen stehen die Ris- truppen vor Taza. Verstärkter Vormarsch ge­gen Fez hat begonnen. Rach Meldungen aus Tanger find Ristruppen in der französischen Zone eingedrungen und versuchen fich dort fest­zusetzen. Ein Züricher Blatt meldet: Die Riskabylen haben die Verbindung Ma­rokko-Algier durchbrochen. Algier ist unmittelbar bedroht. Aus drei ftanzösischen Kriegsschissen haben große Meutereien statt- gesunden. Aus einem Kreuzer seien durch Re- volverschüffe zwei Matrosen getötet und vier Matrosen schwer verwundet worden.

Was Frankreich besteuert.

Zwanzig Prozent auf Rücklagen.

(Privat-Telegramm.)

Paris, 11. Juli.

Der Finanzausschuß der Kammer billigte gestern eine Aenderung des Senats am Buv - get für 1925 hinsichtlich der Versicherungs- gesellschaften, die nunmehr nickst eine Be­teiligung des Staates an ihrem Nutzen zu ge­wärtigen haben, sondern mit einer zwanzig- prozentigen Steuer auf ihre Rücklagen belegt werden. Der Finanzausschuß genehmigte auch die Automobilsteuer, schloß sich ,e- doch in der Frage der Umsabfieuer für lebens­wichtige Produkte und der Eidesleistung bezüg­lich der ausländischen franzöfischen Vermögen nicht dem Standpuntt des Senats an. Die Kammer dürfte heute eine Rachtsitzung abhallen

Keiner ist zufrieden.

Erregte Aufwertungsdebatten im Reichstag.

»6 Ablehnung von links. Warn« nicht

Der «patz in der Hand. Eine Notlösung Nationale Belange. Biel Ar­beit für di« Richter. Kritik der Demokraten. Dr. Best, Reichskanzler und Jnftirminikter.

Berlin, 11. Juli.

Das Haus beginnt die zweite Beratung des Gesetzentwurfes über die Aufwertung der Hypotheken. Abg. Keil (Soz.) betont: Das vorliegende Auswertungskompromiß habe zwar kein Verständnis für die Angelegenheiten der betrogenen Altbesitzer, aber um» ömehr für die Jnflationsgewinnler und Spe» fülanten. Der Redner fragt, warum man nicht den Neubesitz ganz streichen wolle. Offenbar nur aus Angst vor Banken und Börsen. Der Redner betont, daß die Sozialdemokraten die Strei­chung des Neubesitzes sowie höhere Aufwer­tungssätze beantragen würden. Abg. Hergt (Dntl.) erklärt: Bisher sei nur geredet wor­den. Jetzt, wo die Deutschnationalen mit in der Regierung säßen, werde etwas geschafft. Wenn man die Höhe der Aufwertung bemängele, so solle man sich nur der

warnenden Stimme des Reichsbankpräfidenteu erinnern, der er nicht für ausgeschlossen halte, daß die schweren Zeiten von 1923 wieder kom­men würden. Der schwerste polittsche Fehler sei in den letzten Jahren gewesen, daß die Auswer­tungsfrage nicht schon vor dem Dawesabkom- men von den Regierungen ohne Deutschnationa­le erfaßt und gereglt worden sei. Die Deutsch­nationalen hätten auch ein Herz für die kleinen Rentner. (Gelächter links.) Zu Ihnen zur Lin­ken) werden die Sparer und Rentner nie gehö­ren. Was hätte es aber genützt, wenn man den Sparern und Gläubigern 50 Prozent bewilligt hätte, und es Wäre wieder eine Inflation gekommen? Es müsse die vornehmste Aufgabe oer Reichsregierung sein, der großen Not der Auswertungsgläubiger besser zu begegnen, daß sie bald Geld in die Hände bekommen. Aber 78 Milliarden Anleihen mit 100 Prozent aufzuwerten, das deutsche Voll mit 78 Milliar­den zu belasten, wäre Wahnsinn gewesen. (Lärm links, Beifall rechts.) Der Spatz in der Hand sei jedenfalls besser als die Taube auf dem Dach. Das Kabinett ist in der Auswertungsfrage vielfach Vater von Kompromissen gewesen. .Nicht um jeder Angelegenheit willen kann man eine Regierungskoalition aufgeben, Wohl aber um großer nationaler Fragen willen. Des­halb mußten wir demUnannehmbar* der Re­gierung Rechnung tragen. Diese Regierung ist doch unser Zukunftshoffen. (Lachen links.) Sie ist die Aufbauregierung. (Sehr richtig rechts, Ruf im Zentr.: .Auch mit Stresemann?) Ich habe doch eben über die nationalen Fragen ge­nug gesprochen, Herr Dr. Wirth! Wer Ohren hat zu hören, der höre! Abg. Dr. Scheiter (Ztr.): Die jetzt vorliegenden Aufwertungsgesetze feien ein Teil des Problems des Gesamtaus- b a u e S. Dieser Aufbau solle keineswegs etwa auf alleinige Kosten der Gläubiger erfol­gen. Die Wirtschaft brauch« aber zu ihrem Ge» sundungsprozeß eine

schnelle und klare Lösung

der Aufwertungsfrage, um wieder sicher kalkulie­ren zu können. Gegen das Unrecht der dritten Steuernotverordnung, die die Hypotheken nur zu 15 Prozent aufwerten wollte, mußte aber Front gemacht werden. Dieser unzulänglichen Bestimmung gegenüber bringe das vorliegende Gesetz eine erhebliche Verbesserung. Abg. Dr, Wunderlich (D. Vpt.): Alle Erwägungen zwingen zum Ueberbrüden der gegenwärtig herrschenden gewaltigen

Kluft im Volle durch ein Kompromiß.

Gegenüber dem Standpunkt der radikalen Auf- wertungsfteunde, daß Recht Recht bleiben müsse, betont er, daß man bei Fixierung der Quote, die der Schuldner heute dem Gläubiger zu zahle« habe, die tatsächlichen Verhältnisse berücksichtigen müsse. Das schließlich zustande gekommene Kompromiß setzt sich aus einer Fülle von Einzelkompromissen der Parteien unterein­ander und mit der Regierung zusammen. Der Aufwertungssatz von fünfundzwanzig Proz. sei eine Folge der vielen Kompromisse. Er sei ja in einer Reihe von Fällen, die im § 10 feftgelegt seien, wo es sich um Grundstücksüberlassungen, Erbauseinandersetzungen usw. handele, ela­stisch. Es würde zweifellos viele Fälle geben, in denen der Satz von 25 Prozent überschritten werden könnte, aber wahrscheinlich ebenso viele, in denen schon dieser satz zu hoch sei. Das kenn­zeichne allein die Schwierigkeiten der Fixierung der Quote. Der Richter werde Wohl viel Arbeit dadurch bekommen. Die im Gesetz vorge­sehene Verzinsung bezeichnet der Redner als überaus unbillig. Eine höhere Verzinsung sei