Meier Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Dir Mgntlet Sieueften Nachrichien «Können wöchentlich »echSmal nachmittags. Der «bonnemenisvrets beträgt für »en Monat 2.— Mk. bei kreier Huitellunn m« »au« in der VelchänSftelle abgebolt 12«) SRC Dur» die Poft monatlich LOO Mk. auSKöbefHich 3uitelluna8oebübr. Verlag und iHebnftion Scblachtbofftrahe 28/30. irerntorecber 961 unt> 962. ftiir unverlangt etnaefanbte Beiträge fattr ■'*. Re- ■>aftion einejl<erantroortuna ober Gewahr in feinem Halle übernehmen. Rück- iqhlunq des BezugSseldeS ober Ansprüche roeaen etwaiger nicht oronunasmäftiger vfe*eritnn «ft aiiSobfchlofien Voftfchecffonto ftranffur* a. Main Nummer 638(i
Hessische Abendzeitung
Än»etgenvreile: Einheimische iSeichält»ati»elgen Heile 2o lieg.. auswärtige Geschätts- anzeigen Heile 20 Vfg.. rtamtUenaiuetgen Helle 20 «fa., Stiel ne Anzeigen das ’Sor t 4 P,sg- Reklamen die Heile 76 Pig. Crfertqebübr lovfg. Ibei Hnfenbg. her Offerten 80 Pig.) Rechnungsbeträge finb innerhalb 6 Ta. ,u bezahlen. Maßgebend tft der Kurs ses HahluneStggeS. Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher anfgegebenen tfln» «eigen, sowie für Autnabmedaten und Plätze kann nich' garantier' werden. Siir An,ei gen tu i tb et o nd'chwi erigemSae tOO «ro,. Aufschlag. Druckerei: Schlachtbof- ftrafie '»/«•'.GeichänSftelle ffBln.etr.s.neaenSb.ber Svohrstr Hernfvr 061 n. 952
Nummer 159. Einzelnummer 10Pf^ Sonntags 15 Ps.
Sonnabend, 11. Juli 1425.
Einzelnummer 10 Ps., Sonntags 15 Ps.
15. Jahrgang
Gut und Blut für Marokko.
Die MiMonenkredlte von der Variier Kammer bewilligt.
Entscheidung getroffen worden. Im Laufe der Unterredung Briand» mit Vandervelde sei auch die kommunistische Propaganda besprochen worden, die sich in letzter Zeit besonders start in China und Marotta geltend mache.
Löfcharbelten in Schanghai
Schroffere Maßnahmen Englands.
(Eigener Drahtbericht.)
Zölle oder nicht?
Steuern, Preise, Aufwertung.
Hkrkulesorbrit für den Iftrichstag.
Perlin, 10. Juli. Heber die Besprechungen deS Reichskanzlers Dr. Luther mit den Der- tretet« der Regierungsparteien verlautet, daß daran f-stgehalten wird, bis zum 15. Juli die Aufwertungsfrage in zweiter und dritter Lesung zu erledigen. Dann wird vermutlich die an- jenpolitische Debatte folgen. Wahr, chetnlich wäre, daß die Steuer- und Zoll, v o rlage in der Zeit vom 81. bi» 25. Juli auf bte Tagesordnung der Plenarsitzung kommen Wird. Die Mehrheittzarteien glauben, daß e»
Sein oder Nichtsein.
Die Marottokredite vor der Pariser Kammer.
(Eigene Drahtmeldung.)
Paris, 10. Juli.
In der gestrigen Kammerdebatte über die Marottokredite behauptete der Kommunist Ca- ch i n, daß die Kosten viel höher sein werden unv daß in kurzer Zeit wieder neue Kreditbcgeyren folgen würden. Er behauptet, daß der Maroklo- Feldzug seit 1904 vier Milliarden Gold- franken gekostet habe. Frankreich habe früher zweimal öffentlich erklärt, daß es Marotto nur vorübergehend besetzen wolle. Dieses Versprechen sei tue gehalten worden. Er erklärt, daß die Arbeiterklasse nicht ruhig zusehen weroe. Der Abg. Fabry gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Regierung nicht zögern werde, die zehn Divisionen, die notwendig jcm würden, und deren Rekrutierung zum Teil in Nordafrika durchgeführt werden könne, aufzustellen Cachin und seine Freunde bereiteten den Generalstreik vor. Die verbrecherische Propaganda der Kommunisten müsse unterdrückt werden. Abg. Roux- Freisstncng führte aus: Die Sicherheit Marokkos vud Algier» stehe auf dem Spiel. Abd el Krim have zum heiligen Kriege aufgerufeu. Er wollte durch seine Offensive bis nach Fez kommen, um das mohammedanische Marokko gegen Frankreich auszuwiegeln. Frankreich habe die Pflicht, die Marokkaner zu schützen, aber es handle stch auch darum,
Algier zu retten.
Der sozialistische Abg. Cluzel erklärte, die Kredite, die man jetzt bewillige, genügten nicht, um den Krieg zu Ende zu suhren. Daraus wurde eine Rachtfitzung angesetzt.
painleve in der Arena.
Rund um den Marottofeldzug.
(Eigener Drahtbericht.)
Paris, 10. Juli.
Die Kammer hat in einer Nachtsitzung die Kredite für Marotto mit 441 gegen 29 Stimmen bewilligt. Ministerpräsident P »i«l e » e betonte folgendes: Man hat eS mit einem Mas - enanqrisf der Rifleme und mit einer sehr gut ausgebildeten und sehr mobilen Infanterie zu ton. Die Regierung hat nicht» vernachlässigt, um den guten Verlaus deS Kampfe» stcherzustei- len. General Raulin, dessen Ernennung tri- listert worden fei, sei ein junger, aber erfahrener
London, 16. Juli.
Wie au» Peking gemeldet wird, herrscht bezüglich der Aktion de» diplomatischen Korps Stillschweigen. Es verlautet nur gerüchtweise, daß da» Korps empfohlen habe, dem amerikanischen Vorsitzenden de» Statut» in Schanghai einen Verweis zu erteilen und den britischen Poltzeichef in Schanghai vom Amt zu entheben. Die japanische Presse -ässe sarkastisch durchblicken, daß da» britische Prestige »bnehme. Wie ein Blatt aus Hongkong meldet, habe Gouverneur Sir Reginald StubbS iw gesetzgebenden Rate schrof- sere Maßnahmen angekündigt, nötigenfalls sogar Deportierung jede» unbeschäftigten Er» wachsenen. Leute, die Einschüchterungsversuche unternehmen, sollten durchgepeitscht werden . Der SeemannSverband in Kanton hat die chinesischen Seeleute ausgefordert, ihre Schiffe »u verlassen. Da» bedeutet eine vollständige Abschneidung Hongkong» von Kan- t o n. Rach einer TimeSmeldung au» Schanghai haben die Terroristen ihre EinschüchterungSver- suche verdoppelt. Die Lage ist noch sehr ernst.
Führer, der ein Armeekorps in der Front befeh- ügt habe. Wir haben mit Spanien, fuhr Painlcvs fort, in voller Herzlichkeit verhandelt. Frankreich will einen gerechten und dauerhaften Frieden, ohne irgendeine Abflcht aus Deherr- schung und Eroberung. Wir wollen in Marokko nut Ruhe und Ordnung schaffen und werden die Traditionen der Bevölkerung respektieren. WaS die Friedensbedingung betrifft, so können wir fie nicht veröffentlichen, da wir dadurch etwaige spätere Verhandlungen schädigen würden. Wenn Abd el Krim FricdenSbedingungen zurückweist, wird die Wett die Absichten des RifführerS erfahren.
Vyrrvusslege an zwei Fronten.
Pari», 10. Juli. (Privattelegramm.) Der offizielle Marokkobericht lautet: In der Gegend von Fez el Dali sind dem Feind einige am U e r g h a gelegene Dörfer wieder entrisse« und gegen hundert Frauen und Kinder, die als Geiseln zurückgehalten wurden, befreit worden. An der spanischen Marokkofront in Tanger haben die Aufständische« einige hundert Tote und Verwundete verloren, besonders groß seien die Verluste der Rhomara, sodaß Abd el Krim diese Stämme au» der Kampfzone zurückgezogen habe. Eine starke Kolonne habe erfolgreich am rechten Lukkasufer operiert.
Frankreichs Haushalt.
Ei« winziger Ueberschuß. — Gestrichene Teile. (Eigene Drahtmeldung.)
Pari», 10. Juli.
Der Senat hat in einer Rachtfitzung die Beratung de» Einnahmebudgets für 1925 beendet. Hiernach belaufen stch die A uS g a d e n aus 33128 055 618 Frank», die Einnahmen auf 33 128 344 678 Franks. Der Budget- ü b e r f ch u ß beträgt 298 066 Franks. Die Be- timmung, die Umsatzsteuer für wichtige Nahrungsmittel und für Kleinbetriebe zu ve- eitigen, ist vom Senat auS dem Gesetz enter nt worden. Außerdem hat der Senat dte obligatorische Eidesleistung beseitigst.
No» die SachverstSttdlaea fasen. — Henle lento jeder. — Stenern ans der Snbiiam. HSbere Preise nach der Ernte. — Sn England schlechter all bei nnS. — Milliardenbe- laftnt» der Landwirtschaft.
Im AgrarauSschuß deS Reichstages erklärte ein Sachverständiger zur Steuersrage: Die Landwirtschaft sei n ich t wie andere Wirtschaftszweige in der Lage, die Umsatzsteuer abzuwälzen. Professor Beckmann weist darauf hin, daß der steuerliche Druck heute jeden Zweig der Wirtschaft erfasse. Es habe daher für die Landwirtschaft keinen Zweck, über diese Belastung besonders zu jammern. Wenn die Landwirtschaft Weltmarktpreise gehabt hätte, würde sie auch diese Steuer noch tragen können. Beim Getreide hält der Redner Weltmarktpreise für unumgänglich, weil Ueberweltmarkt- preise den Landwirt nicht zur Intensität anspornen würden. Beim Vieh könnten lieber- Weltmarktpreise erreicht werden. Getreide- Weltmarktpreise würden stch ergeben, wenn die Ausfuhr frei werde und die Umsatzsteuer verschwinde. Professor Bonn glaubt feststellen zu können, daß volle Einmütigkeit darüber herrsche, daß wir daS
schlechteste Steuersystem haben,
da» man stch denken könne. Abg. Frhr. von R i ch t h o f e n (Dtn.) fragt: Wie hoch ist beute im Durchschnitt die steuerliche Belastung eines Hektars? Nach unseren Feststellungen beträgt sie heute je Hektar 46 Mark gegen 18 Mark im Frieden. Demnach betrage die heutige M e h r b e l a st u n g der Landwirtschaft bei dreißig Millionen Hektar 840 Millionen Mark. Professor Beckmann: Die Pachtpreise sind viel zu hoch. Es muß zugegeben werden, daß insgesamt die Schwierigkeiten bei den Kleinbauern am größten sind. Sachverständiger Dr. Kemmerich stellt fest, daß die im Jahre 1924 von der Landwirtschaft verlangten Steuern in den weitaus meisten Fällen nicht auS den Erträgen bezahlt werden konnten, daß e» Substanzsteuern waren. Dr. Kemmerich bestätigte, daß mit einer steuerlichen
Belastung im Jahre 1924 von 48 Mark pro Hektar
gerechnet werden müsse gegenüber einer Friedensbelastung von acht bis allerhöchstens zehn Mark pro Hektar. Der Ausschuß wendet sich dann der Prüfung der Frage der inneren Preisbildung zu. Sachverständiger Dr. S a g a w e betont, daß die meisten landwirtschaftlichen Jndexrechnungen unvollkommen sind. Die Umsatzpreise der Landwirtschaft seien im Verhältnis zur Vorkriegszeit von 100 auf 115 Prozent gestiegen, die Unkosten dagegen auf 126 Prozent. OberregierungSrat Bramstädt meint, für die allernächste Zeit könne man Vermuten, daß die Landwirtschaft wenigstens in die nächste Ernte mit höheren Preisen gehen werde. Die SrwerbSlosenziffern Englands und Deutschlands ergeben ein günstiges Bild für Deutschland. England haben 1300000 Erwerbslose, Deutschland höchstens 500000. Das käme daher, daß Deutschland in seiner Landwirtschaft einen steten Mneltzner für feine industrielle Produktion besitze, während in England die Landwirtschaft fast gar keine Rolle spiele. Nachmittags gab der Referent des Ernährungsministeriums Aufschluß über die V e r s ch u l. düng der Landwirtschaft usw. Nach der 3. Steuernotverordnung würben der Auswertung 6,5 Milliarden unterliegen, mit 25 Prozent aufne« wertet 1,625 Milliarden, dazu treten die mit rückwirkender Kraft aufgewerteten Hypotheken, schätzungsweise 1,350 Milliarden, zusammen rund drei Milliarden. Dieser Betrag muß ab 1. Juli 1925 verzinst werden. Insgesamt stellt sich mit der Neuverschuldung und der Aufwertung die B e l a st u u g der Landwirtschaft für 192» aus 8,4 bis 9,2, für 1928 9,9 bis 10,7, für 1932 auf 12,9 bis 15 Milliarden und damit die wunderbare Tatsache, daß eine Schuldentil- gu«g der Landwirtschaft nicht stattgefunden hat.
Schritt für Schritt.
Drei bedrohte Städte. — Vom anderen Ufer.
Wie wir schon vor einigen Tagen melden konnten und wie durch eine Pressenotiz auS Bochum von heute früh bestätigt wird, soll der mllitärische Abmarsch der Besatzungstruppen aus den Ruhrstädten am 17. und 18. Juli erfolgen. Rur eine verschleierte Besetzung durch die interalliierte Polizei wird die aufatmende Bevölkerung noch bis zum 15. August beglücken, um dann gleichfalls, von den stummen Flüchen der Bedrückten geleitet, den Ruhrstaub von den Füßen zu schütteln. Inzwischen hat auch Belgiens Außenminister Vandervelde mit Briand die Formalitäten der Räumung durchgesprochen und der Presse zu verstehen gegeben, daß die Zurückziehung der Truppen aus den drei Städten Duisburg, Düsseldorf und Ruhrort von dem Ermessen aller Alliierte« abhängt. Mit ziemlicher Sicherheit kann man daraus schließen, daß man diesen sogenannten Sanktionsstädten noch weiterhin die „Segnungen" bet schwarz-weißen Soldateska gewähren will, weil eS sich natürlich an den Ufern deS Rheins und im deutschen StädteparadieS herrlicher und sorgloser lebt al» in den Sümpfen deS Senegal oder den armseligen, wettverlore- nen Dörfern der Gascogne.
Mtt dieser Auffassung dürste man jedoch in Berlin nicht ganz einverstanden sein, zumal sie den Londoner Vereinbarungen aufs schroffste widerspricht. Man wird deshalb den fremden Fronvögten sehr deuttich llar machen müsse«, daß c8 keinen plausiblen Grund für die Räumungsverweigerung dieser Städte gibt, die im gesamten deutschen Bott einen Sturm der Entrüstung auS- lösen und die ersten Anzeichen einer Entspannung in» Gegenteil verkehren würde. Wie unser Berliner Mitarbeiter auS der Umgebung deS Reichskanzler» erfährt, wird denn auch z. 8t zwischen Berlin und Paris wegen der Räumung verhandelt und der deutsche Bot- schäft er in Paris hat Anweisung erhalten, dirette Erkundigungen einzuziehen und eventl. Einspruch zu erheben. Bekanntlich wurde die Besetzung der drei bedrohten Städte eines Tages von Ministerpräsident Briand, dem verschlagenen und unergründlichen damaligen und jetzigen Leiter der Pariser Staatsmaschinerie, plötzlich verhängt, trotzdem England keineswegs seine Zustimmung zu diesem verwegenen Spaziergang gab und niemals Zweifel darüber gelassen hat. daß eS diese ganze Gewaltkur in Bausch und Bogen verurteilte. Wird nun der kühle Vetter in Albion doch endlich auS seiner stumpfen Gleichgültigkeit auffahren und dem ewigen Störenfried an der Seine klarmachen, ' daß aus diese Weise der so heiß ersehnte Sicherheitspakt nicht zustande kommen kann?
Daß im übrigen selbst in französischen Hirnen die unseligen Wirkungen des Versailler , Hatzdokuments aufzudämmern beginnen, bezeugt ; der gestrige Aufruf einer französischen . Friedensgesellschaft, die eine Wiederaufrollung der Kriegsschuldfrage vor einem unparteiischen höchsten Gerichtshof und eine Abänderung vieler Härteklauseln deS VerttagS verlangen. Ueber hundert Intellektuelle haben sich der Ansicht angeschlossen, dah man Deutschland nur mit Gewalt daS Diktat und sein Schuldbekenntnis abgepretzt hat. Die Archive der ganzen Wett sollen geöffnet und eine moralische Abrüstung aller । Völker vorgenommen werden, damit endlich die VersöhnungShand und Friedensbrücke sich über die Klüfte hinweg strecken kann. Der deutsche i Widerhall auf diesen Aufschrei der Gerechtigkeit wird nicht ausbleiben. Denn auch wir können nur einen Schritt darin er- i blicken, die Zündstoffe au8 der Seit zu schaffen, endlich eine Dötterverständigung anzubahn-n, deren Europa heute mehr bedarf als je. F.R.
Keine Lust zu Abenteuern
London, 10. Juli. (Privattelegramm.) Einem diplomatischen Berichterstatter zufolge ist die Antwort Großbritanniens auf das Ersuchen Spaniens zur B e r st ä r k u n g der tn- lernationalen Polizei in Tanger auch durch britisch« Truppen abgesandl worden. ES verlautet, die britische Regierung sei nicht der Ansicht, daß britische Interessen im gegenwärtigen Augenblick auf dem Spiel ständen. Amtlich werde darauf hingewiefen, daß mit Rücksicht auf das internationale Statut Tanaers i?bc Verstärkung der dortigen Stteitkräfttge Rei- bungen tn Marokko erzeugen könne.
2ftoch kein» Entscheidung.
Paris, 10. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Der belgische Außenminister Bandervelde hatte gestern eine Unterredung mit Außenminister Briand und später mit Generalsekretär Bertholet. Einer Pressenotizzusolge-ist über bie Räumung der bcei rechtsrheinischen Häsen DuiSburg, Düsseldorf und Ruhrort gesprochen worden, doch sei, da e» sich um eine alliierte Angelegenheit handelt, keine
Moskauer Danaergeschenke
Millionen-Austräge für Englands Industrie. (Eigene Drahtmeldung.)
London, 10. Juli.
Ein Blatt vernimmt aus russischer Quelle, daß der Sowjetvertreter R a I» w S k i auS MoS- kau mit großen Aufträgen der Regierung nach London zurückgekehrt fei, deren Gesamtbetrag au fünfzehn Millionen Pfund angegeben werde. Don diesen seien zehn bis zwölf Mil- (tonen Pfund für landwirtschaftliche und Fabrikmaschinen und Werkzeuge und der Übrige Teil ür Rohstoffe bestimmt. Daily Expreß zufolge ft man in russischen RegiernngSkrei- en über die drohende Störung der diplomati- chen Beziehungen zu Großbritannien beunruhigt und Rakowski sei angewiesen worden, den Versuch zu einer engeren Gestaltung so- wohl der diplomatischen als auch der Handels- beziehungen unverzüglich vorzunehmen. Ein Blatt bestätigt, daß de« Sowjetbotschnfter R a - kewSki in de« nächsten Tagen eine Unter» rebung mtt Chamberlain haben werde.
Da» zerfwuMene Tischtuch.
Pari», 10. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Dor der Abstimmung erklärt Abg. Blum bei der Marokkodebatte: Wir können und wollen nicht gegen die Kredite stimmen., aber wir ma- chen Vorbehalte hinsichtlich der Marokkopolitik. Für den Frieden sind unS die Forme-n gleichgültig, wenn nur der Friedenswille bekanntgegeben wird. Wir treten ein für dte politische und wirtschaftliche Unabhängig, keit deS RisgebieteS. Wir wollen kein Mißtrauen gegen die Friedensabsicht der Regierung zum Ausdruck bringen, denn daS würde o auSsehen, als ob wir Marokko räumen wol- en. Die Kommunisten lassen heirauf erklären, daß sie im Gegensatz zu den Sozialisten für die vollkommene Räumung von Marokko eintteten. Abg. Blum stellt fest, daß hierdurch die beiden Parteien sich voneinander cheiden. Die Sozialisten müßten aller ablehnen, WaS irgendwie als imdsrialistisch bezeichnet werden könne. Wir enthalten uns heute der Abstimmung, wie wir unS der Abstimmung bei den Ruhrkrediten enthalten haben.