Meier Neueste Nachrichten
Hessische Abendzeitung
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Donnerstag. 9. Juli 1925.
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FmukreW wäscht flO rein Lhiva und Rußland vor der Kammer.
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Augenblick dagegen haben in der Diskusflon politische Fragen eine Rolle gespielt und die deutsche Haltung beeinflußt. Derglekche« »er- mutungen entbehre« jeder Grundlage.
Svaumet« Abgesang.
BariS. 8. Juli. (Eigen, Drahtmeldung^ Handelsminister C b a u m e 1 erklärte gestern Staats, sekrelär von Trendclenbura u. a. kolgendes Wir sind von dem guten Willen der deutschen »ochverftändiaen übmeugt. Da zu viel auf dem Spiele steht, war eS uni nicht möglich, tote ge- wünscht, vor den ParlamentSferien zu
einem Abschluß zu gelangen. Die Verhandlungen werden baßer erst am IS. September wieder ausgenommen und die Polemik während der Parlamentsferien vermieden. Einige Einzelsra. aen sollen jetzt noch gelöst werden.
Aiuetgetwretfe: 6lnbetmlfd>e(SefdXiftaaiuetaen .Seite2u ra. audtoärnge ÄeichattS- an#elaen Beile 30 Pf?., tiamuteuaiuetgen Beile 30 8fq., Stieme Smetaen oa» Aar > >üljt 10 via. (bet Bufenbg. berOfferten ,. m befahlen. Maßgebend fft ber Kurs bnrtb fterntoretbet aidaegebenen An-
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Einzelnummer 10 Ps., EonntagS 15 Pf. 15. JahVftUUtZ
Nummer 157. Einzelnummer 10 Pf^ Sonntags 15 Pf.
«einen Bruch mit StuManö.
London, 8. Juli. (Privattelegramm.) Der Keneralrat des GewerkschaftSksnaresieS über- sandte dem Premierminister ein Schreiben, m dem er fordert, daß daS Möglichste getan werde, um einen Bruch mit Rußland zu vermet. den und daß eine volle Erörterung der Streit, fragen mit dem diplomatischen Vertreter Ruß-
(Eigeue Drahtmeldung.)
Pari«, S. Juli.
Die Kammer hat gestern die Ratifizierung d-S am 6. Februar 1922 in Washington unter- rcichuetrn Abkommens in Angriff genommen. Ein sozialistischer Abgeordneter führte die jüngsten Ereignisse in Ehina ans bolschewistu«^ Umtriebe zurück. Außenminister Briand erklär- te, zu den Ursachen gehörten auch dir schlechten ArbeitSücdinaunaen. Abg. Montet. (Toz.> -erlangte, daß der Völkerbund sich für die chinesischen Qntrrcffen einfetze. Der Sickrrhritöpatt, den man für Europa unterzeichnen wolle, müffr auf China ausgedehnt werden. Abg. Cachtn (Kom.) führt aus: Wenn die unterdrückten Völker sich an daS bolsckiewistifche Rußland wenden, geschehe es, weil die Bolschewisten sic beschützen wollen, irhina besonders habe sich an daS bolschewistische Rußland gewandt, weil dieses seine Unabhängigkeit restlos anerkannt habe. Außen- mnnkier Briand wies Cachin daraus hin, daß in China in lebtur.lahr eine Hungersnot ausbredK. Man könne nicht behaupten, daß China sich erhebe, weil es von Europa ausgebeutet werde. China mülle oraanisiert werden. Frankreich habe seine Verpflichtungen lonal erfüllt. DaS Abkommen von Washington wurde ratifiziert.
Konferenz von SHonghoi.
Amerikas Kommlffare. — Bedrohte Japaner.
(Durch Fuukspruch.)
Washington, 8. Juli.
Es wird mitgeteilt, daß Staatssekretär Kellogg den amerikanischen Gesandten in Peking, Mae Murray, und den Anwalt Strawn zu amerikanischen Kommiffaren auf der Zollkonferenz, die wahrscheinlich innerhalb weniger Monate in Schanghai tagen werde, ernannt habe. Mac Murray habe weitere Anweisungen erhalten. — Nach Meldungen aus Tschung- king war das japanische Viertel den -zanzen Tag über von Chinesen eingeschlosien. Die chinesischen Behörden sollen leine Maßnahmen zum Schutze der Ausländer getroffen haben. — In Hongkong wurde gestern abend von den Engländern ein großer D e m o n - strationszug durckNng Straßen veranstaltet.
<g'n tfufleer Tag für Frankreich.
Paris, 8. Juli. (Eigener Drahtbericht.) HavaS meldet aus Hanoi in China: Im Verlaufe einer Besichtigung deS Fort-Bayard auf dem Territorium von Quong-Tschecn-Wan ist der Inspektor der Eingeborenenwache La Garade schwer verletzt worden. Mehrere Milizangehörige und AnhängerderFran- zosensindgetötet oder verwundet worden.
Rußland Mt sich selbst.
Gegen die internationale Finanzblockade.
(Durch Funkspruch.)
Moskau. 8. Juli.
mindestens zwanzig Prozent der
benSmiete für Wohnungsbauzwecke 1 bet werden sollen. Auch ist dem preußischen
Unter Beteiligung einer nach Tausenden zählenden Menschenmenge fanden gestern hier Stra- ßenlundöHbungen statt, in denen daS Volk zur Selbttliilfe «egen die Finanzblockade aufgefordert wurde. Von den Rednern wurde empfohlen, die Jnnenanleihen nach Kräften zu unter- stützen, um unter allen Umständen den geregelten Gang des Wirtschaftslebens zu sichern. Sokol- «ikotf erklärte Preffevertretern gegenüber, eine Finanzblockade gegen Sowjetrutzland könne für die Sowjetunion nicht von entscheidender Bedeutung fein, da daSLand sich aus seinen inneren Kräften heraus rasch wiederherstelle, seine Industrie entwickle, sein Budget inS Gleichgewicht bringe, den Außenhandel fördere und den Kredit im Innern stärke. Die bevorstehende gute Ernte gestalte die Aussichten günstig.
Kein Haus, kein Helm.
DaS große Wohnungselend unserer Tage.
In den letzten Tagen hat sich wieder manches ereignet, was die öffentliche Aufmerksamkeit von neuem auf die Wohnungsfrage lenkte. Ans dem Dresdener Verbindstag der Haus- und Grundbesitzer erklärte der Abg. Dr. Jörissen, der Hausbesitz sei bereit, einer fünsundzwanzigpro- zentigen Auswertung der Hypotheken zuzustim- men, falls die Wohnungszwangswirtschaft ausgehoben werde; dafür müßten allerdings feste Garantien gegeben werden. Der Abbau der Zwangswirtschaft ist ja schon im Gange, aber ihre völlige Aushebung auch für die kleinen Wohnungen dürfte noch längere Zeit auf sich warten lasten, da eS gerade hier anErsatz fast völlig fehlt. Die Aufwertung wird dann also wohl ohne Zustimmung der Hausbesitzer be- schlosten werden; denn daß sie durchgeht, ist unzweifelhaft. Ferner liegt ein Beschluß deS Reichstags vor, wonach auf drei Jahre hinaus
Mit Belgien im Steinen.
Paris, 8. Juli. (Privattelegramm.) Die kranzösische Kammer hat gestern ohne, Debatte den französisch - belgischen prowsori- ichen Handelsvertrag ratifiziert.
Kasseler Abendzeitung
Dir «aiieier bleuesten -Jiatbndjien erscheinen wbchenilich sechsmal nachmittag« I Der «boanementsvreis beträgt für ben Monm 2.— Mk. bet freier .lüstelluno I tn0 Haus, in ber GefchäfiSstelle abaebolt IMMk. Durch die Post monatlich LOO Mk I ausfchiiestlich 8ufteUuno8aebübr. Berlaa unb Redaktion Scklachtbofstratze 2S/30 I teernfprecher »51 und 052. Für unverlangt einaefanbte Oeiträge kann die Re- ! laktion eine Berantwortuna ober (Sewäbr in keinem stalle übernehmen. Rück- | mblttng deS Bemasgelbes ober Ansprüche wegen etwaiger nicht orbnungSmähiger I Oieteruno '» ausgefchlosten Voftftberffonto Krankfurt <t Main Nummer 68X0 I
Die Ruhe schon am 18. Juli frei!
Unsichtbare Besitzung bis Mitte August.
Gemeinden, hn besonderen für Wohlfahrtspflege unb Schulwesen verwandt werden. Nur ein Zehntel deS Aufkommens aus der Hauszinssteuer muß mindestens zur Förderung des Wohnungsbaues verwandt werden. Zwar haben manche Länder diesen freiwillig erhöht, aber nirgends war Ihm die Neubautätigkeit ausreichend, um die schreiende Wohnungsnot in irgendwie genügendem Maße zu lindern. Und auch weiter streiten die Jnteresten dcS allgemeinen Finanzbedarfs der Staaten mit dem dringenden Bedürfnis, daS Wohnungselend zu beseitigen. Die Länder erklären, einen großen Teil der Hauszinssteuer zur Deckung ihre? Defizits zu brauchen, falls daS Reich Urnen nickt bet dem Finanzausgleich mehr entgegen- komme als bisher Auf der andern Sette wird vom Reich her versucht, einen stärkeren Druck auf die Förderung der Wohnungsneubauten auszuüben. Wenn man die gesundheitlichen unb sittlichen Gefahren sich vor Augen stellt, bie eine so schreckliche Wohnungsnot dem ganzen deutschen Volk bereitet, dann muß man die Ausgabe der staatlichen Förderung des Wohnungsneubaus an die erste Stelle setzen. -d.
Der Franzmann rückt ab.
Räumung in acht Tagen. — Bis August „besetzt. (Privat-Telegramm.)
Esten, 8. Juli.
Wie die Blätter melden, soll die militärische Räumung des besetzten Ruhrgebiets voraussichtlich in der Zeit vom 15. b i ö 18. I U l i erfolgen. Bi« Mitte August sei jedoch mit dem «er. bleiben ber politischen Polizei und gegebe- nenfallS auch ber Gendarmerie zu rechnen. DaS ganze Gebiet gelte bis zum Abrücken dieser Organe a(s besetzt. Im Laufe dieser Woche wirb bereits die Artillerie «brücken. Zahlreiche Offiziere der Besatzungsarmee find bereits beurlaubt worden. Die Oberbürger, meister an der Ruhr haben die Bevölkerung in einem Aufruf dringend ersucht, beim Abzug ber BcsatzungStruppen Ruhe zu bewahren.
Abbruch in Paris.
Bis 15. September vertagt. — Rechtfertigung. (Eigene Drahtmeldung.)
Paris, 8. Juli.
Sei den gestrigen Beratungen Trendelen- b u r g S mit dem französischen Handelsmintfter Chaumet wurde beschloffen, bie Wirtschaftsverhandlungen zu vertage« und am 15. September von neuem zu Verhandlungen zusam- menzukommen. In der Zwischenzeit sollen keine Ausnahmebestimmungen gegen eines der beiden Länder getroffen werden und im Falle von Ein- und Ausfuhrverboten die Reklamationen des anderen Landes mit Wohlwollen geprüft werden. Die deutsche Delegation gab der französischen Prefle folg. Erklärung ab: Die deutsche Delegation bedauert, daß die seit neun Monaten geführten Verhandlungen nicht so zeitig zum Abschluß gekommen find, daß die Ratifizierung eines Abkommens vor dnt Parlamentsferien ermöglicht werden tonnte. Die deutsche Delegation glaubt, daß die von Frankreich für die hauptsächlichsten deutschen Export- artikel gemachten Konzessionen, Chemikalien, Maschinenartikel, Kleineisen- und optische Erzeugnifle, elektrische Artikel usw., nicht auS- rcichen, um eine Grundlage für ein Handelsabkommen herzustrllen. Die französische Telegani hat die deutschen Vorschläge für ungenügend er- klärt. ES haben fich also wirtschaftliche Mei- kundgetan. Keinen
Staatsrat ein Gesetzentwurf vorgelegt worden, ber eine Erhöhung ber HanSzins- fteuer vom 1. August um sechs Prozent ber FriedenSmiete unb vom 1. Oktober ab um weitere sechs Prozent vorsieht.
Schon vor dem Kriege waren ja die Wohnung«- verhältniffe bei uns schlecht, besonders im Vergleich mit England und Belgien, wo man daS Kleinhaus bevorzugte, während in den deutschen Großstädten die Mietskasernen bedrohlich zunahmen. In Charlottenburg z. B. kamen auf ein HauS 49 Einwohner, in London sieben. Die beginnende Wohnungs- resonn wurde durch den Krieg völlig zum Erliegen gebracht. Die Zahl der leerstehenden Wohnungen nahm immer mehr ab, und da nach dem Kriege die Zahl der Eheschließungen bedeutend zunahm, etwa 150 000 Fliicht- lingsfarmlien im Reich zusammenströmlen, die Neubautätigkeit dagegen aus Mangel an Kapital. Material und Arbeitskräften fast völlig ruhte, entstand der beunruhigende Wohnungs- mavgel, die Wohnungsnot. Sie ist auch in den meisten anderen Ländern, die am Kriege beteiligt waren, zu beobachten, aber in Deutschland wohl am größten und am gefährlichsten. Die ersten Anläufe zu einer staatlichen Förderung des WohnungsneubauS, die mit Hilfe ber Wohnungsbauabgabe, bes Enteig- nungsrechts, beS Erbbaurechts, der Kleinpacht- land-Ordnung, ber Kohlenabgabe für Vergär- beiterwobnungen usw. unternommen wurden, wurden durch die Inflation zum Erliegen gebracht. Erst mit der Stabilisierung unserer Währung konnte aus neuer Grundlage die große Aufgabe wieder angepackt werden, der Wohnungsnot entgegenzutreten. Diese hat sich inzwischen so gesteigert, daß man für die Gegenwart mit einem Fehlen von mehr alS einer Million Wohnungen in Deutschland rechnet. Um in den nächsten fünf Jahren dem Wohnungsmangel abzuhelfen, der durch d>e zunehmende Bevölkerung unb ben Verfall der alten Häuser noch erhöbt wird, müßten jährlich etwa 325000 Wohnungen neu errichtet werden. Von der rein privaten Bautätigkeit ist so gut wie nichts zu erwarten. DaS ergibt eine einfache Berechnung. Eine Dreizim- merwohnung herzustellen, kostet jetzt etwa neuntausend Mark gegen fünftausend frühen Die Zinsen aber, die heute daS investierte Kapital bringen muß, sind mindestens doppelt so doch als vor dem Kriege. Tic Drei zimmer- Wohnung würde also etwa 1350 Mark kosten oder rund daS V i er fache der Fried en 8- miete. Der kann das bezahlen? Ob bei einer völligen Aufhebung ber Zwangswirtschaft dir Mieten auch in den alten Häusern so hock klettern würden, ist nun allerdings die Frage, weil eben viel zu wenig Leute vorhanden sind, die solche Mieten zahlen könnten; aber em bedeutendes Dteiaen wäre doch zu erwarten tmd damit ein Hernutersinken der verarmten Sck'.Ä- ten des Mi!elstand--S in daS allervefste Elend.
Man muß daher auch weiter große öffentliche Mil"! arto-rben, um den Neubau von Woh- S*wn bt'tle«teirotTnoiemrbnuM »M.
B e u' * , ’r den anderen Staaten andere Namen. bravAt aber im Gegensatz ,u .der srnberen Wohni-'lgsbauabgabe nicht allein dem Woh unr.gsveubatt zu dienen, sondern darf auch für ben allgemeinen Finanzbedars der Lander unb
Ausder blauen Donau
Politik und Landschaft.
Von Dr. Paul Rohrbach.
3m Laad ber Nibelungen. — Wie«: Deutsch- lairdö Tor gegen Lüden. — ©.«ter Budapest. Wie am Kongo. — Das tschechische D-n,ig. Erlebnisse en vord des DonaubampferS „LawrrmS". — SbitergewimmeL Bor Moyacs (Ungarn), Anfang Juli.
Don Paflau bis Wien ist die Donau ein ro- nantischer Fluß. Bcchelaren liegt an ihr heute Pöchlarn), wo der Markgraf Rüdiger Etzels und Kriemhilds Gäste empfing, als sie ostwärts, ihrem Tod entgegen, ritten; Dürnstein, wo König Richard Löwenherz seinem Blonde! auS dem Turmverließ entgegenfang; viele Burgen, Städte und Stifte, darunter Melk, das herrlichste und berühmteste, unb Ufer, bie an Schönheit dem Rheine nichtnachstehen. Bei Wien hört bie Romantik für eine Weile auf, unb bie Geographie fängt an. Wien ist das festländische Konstantinopel. Die Enge zwischen den Vorhohen der Alpen und der Karpathen, wo die Donau hindurchtritt, ist ein Land-Bosporus zwischen dem europäischen Wetten und Osten. Auf Wien lausen die Sehissahrtswege der oberen und der unteren Donau, der Marschweg au8 Schlesien und Polen, die Mpenstraßen aus dem Herzen deS Gebirges und aus Italien und die Ausgänge auS Böhmen alle zusammen. Wien kann im mitteleuropäischen Raum zwei Rollen spielen. Entweder ist es ber gemeinsame Schwerpunkt für bie Verwaltung unb Wirtschaft ber Sudelen- und ber Donauländer von der Jnnmündung bis zum Eisernen Tor, oder es ist der
Haupteingang in das deutsche Herz
von Mitteleuropa:
daS Tor Deutschlands zu Lande im Südosten, so wie Hamburg unser Seetor im Nordwesten. Solang die Habsburgische Monarchie etiftierte, war es daS erste; jetzt ist es seine Bestimmung, das zweite zu werden. Mögen sich Briand und Benesch dagegen stemmen — gegen ben Druck bes geopolitischen und deS moralischen Gefälles an bieser Stelle sinb ihre Künste auf bie Dauer zu schwach. Die Donau hat .heuer', wie der Oesterreicher sagt, einen so niedrigen Waffer- stand, daß die großen Erpreßschiffe flußab nicht von Wien, sondern erst von Budapest verkehren. Erst nach Mitternacht waren wir per Postschiss in B u d a p e st, wo man direkt auf daS Expreß- schisf überstieg, und statt um 8 Uhr abends gingen wir erst um drei Uhr morgens fort. Man kommt bald dahinter, daß auf Donauschiffen der Fahrplan nicht viel mehr Beziehung zur An- kunsts- und Abfahrtszeit hat, alS auf dem Ron* go. und fo unwahrscheinlich cs klingt: als ich Vormittags vom Promenadendeck stromab blickte und stundenlang nichts sah, als den breiten Strom, die niedrigen fcuditrn Uscrbänke und die geschlossene Waldmauer auf beiden Seiten, ohne jede Siedlung, da fühlte ich mich an den Kongo erinnert Wie eine
Vision int Urwald
setzte plötzlich auf turmartigen Pfeilern hie graue Gitterbahn einer Eisenbahnbrücke über den Fluß. Die Schienen kamen au8 dem Walde und verschwanden im Walde. Hier und da zeigt ein Durchhau, der sich perspektivisch in der Ferne verliert, wie breit die Waldgürtel sind. Die Bäume, Pappeln und Weiden, stehen hoch und dicht, zwischen ihnen sind Sümpfe und Altwas- ser, wie in Afrika; Felder und Ortschaften fangen erst dort an, wo die Ueberschwemmungen nicht mehr hinreichen. Am Strom sieht man sie nur in weiten Abständen, wo einmal eine hoch- wasserfreie Erhebung an ihn herantritt. Als ba3 Zchiff von Wien absuhr, war es voll wie ein He- cingsfaß, denn es hatte die Erpreß- und die So- kalpaflagiere an Bord, und außerdem war Sonn- tag. Drei Sä n g er ve r e in e fuhren b« Hain- 'urg, mit prächtigen Bannern und Musik. Bet rheben, tschechisch Devin, kommt die Marti» in. und hier ist jetzt die 1 sch e ch o sl o w a k i- sche Grenze. Der slawische Bod-n reicht nrgends bis an die Donau. In VerkailleS tour« ',e aber den Tschechen ein Stromhasen zuaesvro- ben. das deutsch-ungarische Vreßbura, jetzt offiziell Wratislawa. AlS die Tnhechen Sie gewaltigen neuen Speicher und Hasenanla- gen bauten, glaubten sie, damit SM#* zu entthronen und den Donauverkehr einzukaugen — sie haben sich schwer getäuscht. W-c» hat seine Stellung behalten, darum geht jetzt Herrn Be- uischs geheimer Plan dahin, ein t s ch e ch i s ch e 8 Danzig daraus zu machen. Hinter Preßburg hört die Donau auf, in einem gesihloflenen Bett mit hohen Ufern zu fließen. Die Tiefebene beginnt, u. mit ihr die Teilungen unb Windungen des Stromes. Daher gibt es von hi« an