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Kasseler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
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Nummer 154 Einzelnummer 10 Pf.. Sonntags 15 Pf
Sonntag, 5. Juli 1925.
Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf 15. Ja^VgUNg
Das (Sternenbanner über Europa.
Ritt in die Welt.
Selige Ferienwochen. Harte Parlamentsarbeit.
Weitaus ist vor der glückstrunkenen, sommerseligen Jugend das goldene Ferienfreiheitstor aus den Riegeln des Alltags gesprungen und auf allen Zügen, allen Straßen und Schissen ergießen sich heute die großstadtmüden Reisescharen in die Wälder und Berge, bis an Meeresküsten und Alpenwälle. Oder sie tummeln sich, weniger begütert, aber nicht minder licht- und lustbegnadet, in den heimatlichen Fluß-, Garten- und Bergparadiesen. Aber auch Fabriken, Büros, Amtszimmer haben sich geleert. Alles entflieht dem brodelnden Häusermeer, Schatten, Stärkung, Labung sich zu trinken an den Brüsten der Natur. Welch ein Wohlgefühl,, Hände, Muskeln, Nerven, Hirne feiern, ausklm- gen zu lassen vom mörderischen Arbeitsgettiebe, zu atmen, zu träumen, ziellos mit Wolken, Vögeln, Winden durch blaue Himmelsfernen zu schweifen. Welch längst entwöhntes Glück, von Sonne, Wasser, Luft sich kosen, von Waldesrauschen einlullen zu lassen, am würzigen Hauch der Wiesen und Blumen, am Spiel und Tanz srohlockender Jugend, am zärtlichen Blick und Geplauder der Liebe, an sorgloser, aufquellender, lachender Lebenslust von allem bösen Fieberwahn der Zeit zu genesen.
Doch zurück zum Tagewerk der Pflicht. DaS Räderwerk des politischen Weltgeschehens rasselt und stampft. Und die Parlamentssirene hat noch bei keiner der Weltmächte das Feierabend- zeichen geschrillt. Im Gegenteil: Man nimmt am Tiber, der Seine und Themse (wie der zweite Artikel dieser Seite sehr ijftW’F - schildert) neuerdings auch die Nacht zu Hilfe, um dem abgerackerten Staatsgaul (sei es durch Steuern, Zölle oder Handels- und Bündnisverträge) wieder aus die Beine zu helfen. Caillaur- Painleve müssen ihre Steuer- und Marokkostege dem erbitterten Widerstande des Linkskar- tells Schritt für Schritt abringen und sind zugleich, ähnlich wie ihr Kollege und ehemaliger Waffenfreund jenseits der Alpen, Mussolini, ängstlich um die totkranke Valuta bemüht, die jedesmal, wenn Amerikas Gläubiger anpochen, von einem Schwächeanfall betroffen wird. Englands weltweite Pläne haben durch die chine- fischen Borerstöße und das russische Widerspiel in Asien, Indien und Persien starke Rückschläge erlitten. Daß man China nicht wie damals unter Deutschlands und Rußlands Waffenhilfe über den Haufen rennen kann, hat Chamberlain längst eingesehen und schon jetzt in Amerikas Vorschlag, auf einer Mächtekonferenz die chinesischen Fesseln zu lösen und neue Verträge zu schließen, eingewilligt. Wie und wann der große Entscheidungskampf mit Rußland ausgetragen wird, läßt sich noch garnicht absehen. Alle Anzeichen deuten jedenfalls darauf hin, daß John Bulls Unwille und Verdruß über die Machenschaften der Sowjetpropaganda sich fcwobl in der Presse wie in den Parlamenten explosivartig Luft machen wird.
Das deutsche Interesse wird ganz von der mit Spannung erwarteten großen Reichstags-Aussprache über den Sicherheitspakt aufgesogen, hinter der selbst die so heiß umstrittene Zollvorlage einstweilen zurücktreten mutz. Tie Interpellation soll vor allem restlose Klarheit über die Mehrheitsverhättnisse und den Unterhändlern eine feste Hieb- und Stoßwaffe schaffen, um gegen die Katzenschmeidigkeit Bri- ands gewappnet zu sein. Zugleich soll mit der klaren Scheidung der Geister den Krisenge- r ü ch 1 e n innerhalb der Regierungsfront das Wasser abgegraben werden. Der neuerdings so schweigsame Außenminister wir vor allem die vom Kabinett hinter verschlossenen Türen eingeleiteten Sicherheitsschritte rechtfertigen und vor aller Welt die deutschen Leitmotive: Gegenseitigkeit und Gleichberechtigung, Schiedsverträge und vorherigeRäumungder Sank- tionsgebiete und der nördlichen Rheinlandzone als conditio sine quo non herausmeitzeln. Um jedoch die Verhandlungen mit Paris nicht zu gefährden, soll noch vor dem Ausbruch des
Reichstagsgewitters eine Art Zwifchennote als weiterer Meinungsaustausch in Briands Händen fein. Jedenfalls will der immer noch optimistische Außenleiter die große Meisterpartie Zug um Zug zu Ende führen, um die Entscheidung so oder so in spätestens zwei Monaten zu erzwingen. F- R-
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Zwiespalt unter den Rechtsparteien.
Berlin, 4. Juli. (Privat - Telegramm.) AuS deutschnationalen Kreisen des Reichstages verlautet, daß die gestern veröffentlichten Richtlinien zum Sicherhettspakt von der Deutschen Bollspartei allein als Parteirichtlinien aufgestellt sind. Die Deutschnationale Bottspartei wird mit einzelnen Teilen derselben
durchaus einverstanden sein können, während sie gegen manche Fassungen doch auch ernste Bedenken hat. Die Absicht, mit eigenen Richtlinien hervorzntreten, besteht nicht.
Bll ow bei Sirefemann.
Berlin, 4. Juli. Reichsaußenminister Dr. Stresemann gab gestern dem Fürsten und der Fürstin Bülow ein Diner, an dem außer dem Reichspräsidenten die englischen and italienischen Botschafter und der ägyptische Gesandte letlnahmen.
Sooiidge als Ffieöensfürft.
Amerikas moralische Unterstützung des Paktes.
(Durch Funkspruch.)
Cambridge (Maffachuesetts), 4. Juli.
In einer Rede bei einer hier abgehaltenen patriotischen Feier sagte Zräsident Coolidge die moralische Unterstützung der Bereinigten Staaten für Dicherheitsverträge zur Erhaltung des Friedens in Europa zu. Wenn die Völker der allen Welt einander mißtrauisch gegenüber stehen, erklärte er, so mögen sie gegenseitige Verträge zu ihrer Sicherheit abschlietzen. Wenn auch Amerika stch des Eingehens polittscher Verpflichtungen» an denen es kein politisches Interesse hat» enthalten wird» so werden derartige Verträge doch stets unsere moralische Unterstützung und den Beistand der öffentlichen Meinung der Welt finden. Die Völker ber * alKii Welt regeln die weit schwierigere Reparationsfrage und ste sind im Begriff, ihre Schulden an uns zu fundieren. Weshalb können sie sich nicht über die Bedingungen für einen beständigen Frieden einigen und das internationale Vertrauen und den internationalen Kredit in vollem Umfang wiederherstellen? Wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt» die jetzt nicht ausgeglichen werden können, und wenn es unvorhergesehene Verhältnisse gibt, so mögen diese in Zukunft durch Methoden des Schiedsspruches und richterlicher Entscheidung beigelegt werden. Coolidge schloß mit den Worten: Die Welt hat es mit dem Kriege und mit der Gewalt versucht und dabei den größten Mißerfolg gehabt. Dte einzige Hoffnung auf Erfolg liegt in einem auf Gerechtigkeit gegründeten Frieden.
Wettergrollen in Ona.
Neue Gefahren. — Drahtverhaue. — Ueberfall (Durch Funkspruch.)
Newyork, 4. Juli.
Wie ein Blatt aus Peking vernimmt, scheine der Abbruch der diplomatischen Verhandlungen wegen des Zwischenfalles in Schanghai bevorzustehen, wodurch die Gefahr der Erneuerung deS Boykotts gegen Großbritannien und neuer Unruhen entstehen würde. Die chinesischen Kommissare haben endgültig ihren Rücktritt erNärt und es abgelehnt, mit den Vertretern der Mächte z« verhandeln. Chinesische Soldaten heben in Schanghai Laufgräben aus und errichten Stacheldrahtsperren in der Umgebung der großen westlichen Straße, etwa 200 Meter von der Grenze des Fremdenviertels entfernt. Gestern abend wurde Polizeisergeant Maedonald von einer Menge von fünfzig Kulis, darunter auch Frauen, angegriffen und schwer verletzt.
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Tschongtsolin unterhandelt
London, 4. Juli. (Eigener Drahtbericht.) In der gestrigen Kabinettssitzung wurde den Blättern zufolge die Lage in China erörtert. — Ein Pekinger Berichterstatter meldet, ein Vertreter Tschangtsolins befinde sich augenblicklich in Peking, um festzustellen, welche Unterstützung Tschangtsolin von den Mächten erhalten würde, falls energisch für Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung und Fremdenschutz eingetreten würde. Es verlautet, daß die Polittk der Nichteinmischung den Mächten das Angebot unannehmbar machen wird.
Ein Wwacher Trost.
Briands Schuldversprechen an die Amerikaner (Eigener Drahtbericht.)
Paris, 4. Juli.
Außenminister Briand hat gestern zu Ehren der in Paris anwesenden amerikanischen
Handelsmission ein Frühstück gegeben, in dessen Verlaus er u. a. ausführte: Man bemüht stch, glauben zu machen, daß Frankreich kein Land der Ehre sei, und daß es sich seinen Schuldverpflichtungen gegenüber den Vereinigten Staaten entziehen wolle. Ich habe jüngst im Senat erklärt, daß Frankreich seine Schuld in dem Rahmen und in dem Zeitraum zahle» will, der mit dem augenblicklichen Stand seiner Finanzen im Einklang ficht. Heute haben wir im Kabinettsrat beschlossen, eine Kommission zu entsenden, die an Ort und Stelle über die Zahlungsmodalitäten mit den Amerikanern verhandeln soll. — Später empfing Briand den englischen Botschafter L o r d C r e w e. Es ist wahrscheinlich, daß tm Lause dieser Unterredung über die chinesi- chen Angelegenheiten sowie über den Vorschlag der Bereinigten Staaten, eine internationale Konferenz einsubentfen, gesprochen wurde.
Gchuldenkonserenz im September.
Washington, 4. Juli. (Funktelegramm.) Mau erwartet, daß die Unterhandlungen über die Regelung der französischen Schulden wahrscheinlich Anfang September beginnen werden. Es wird versichert, daß England nicht protestieren werde, wenn Amerika Frankreich und den anderen Schuldnermächten günstigere Rückzahlungsbedingungen gewähren würde.
Offensive gegen Rußland.
Englands gefährlichster Widerfacher.
(Eigene Drahtmeldung.)
London, 4. Juli.
Ein Blatt glaubt, daß Großbritannien Schritte gegenüber Moskau wegen der Propaganda Sowjetrußlands in China unternehmen werde. Ein diplomatischer Berichterstatter erklärt von neuem, daß die gegenwärtige diplomatische Lage zwischen Großbritannien und der Sowjetregierung schwerlich so bleiben könne, wie sie gegenwärtig ist. Die Regierung werde am Montag im Oberhaus, wo Lord Oxford und Asquith die Debatte über die Außenpolitik einleiten werden, nicht nur über den Sicherheitspakt, sondern auch über die Lage in Ostasien sowie auch wahrscheinlich über die Beziehungen zu Moskau Erklärungen geben.
Zohn Bull blast ab.
Noch keine Lust zur Räumung. — Luftkomödie. (Eigene Drahtmelvung.)
London, 4. Juli.
Das Reuterbüro meldet gegenüber den Nachrichten, daß die Räumung der britischen Zone unmittelbar bevorstehe und daß das britische Besatzungsheer im Begriff sei, die Besetzung von Mainz und Wiesbaden zu übernehmen, es werde offiziell mitgeteilt, daß bisher keine Anweisungen im britischen Hauptquartier eingetroffen seien. Ein Wochenblatt schreibt, es würde schwer fallen, einen klareren Beweis der niederschmetternden Zwecklosigkeit gewisser Teile befc Versailler Vertrags zu finden als die Veröffentlichung der Botschafternote gegen den deuffchen Luftverkehr. Die neuen Bestimmungen seien dazu angetan, ein Höchstmaß von Erregung mit einem Mindestmaß von Sicherheit zu verbinden. Natürlich würden diese Bestimmungen von allen deutschen Kreisen abgelehnt werden.
Volm auf Schleichwegen.
Amerikareise des Außenministers.
(Eigener Drahtbericht.)
Paris, 4. Juli.
Außenminister Briand hat gestern abend den polnischen Außenminister S k r z y n S k i empfangen, der sich auf der Durchreise nach den Bereinigten Staaten in Paris aufhält. — Die gesamte polnische Presse veröffentlicht heute ein Interview, das Skrzynski gestern einem Pressevertreter gewährt hat. Darin erllärt der Minister, die deutsche Presse habe falsche Informationen gebracht über den Zweck seiner Amerikareise, besonders in der Frage der zweiten Rate der polnischen Amerikaanleihe. Der Minister betonte, daß seine Reise mit der Erledigung finanzieller Fragen nichts gemeinsam habe. Ein dem Minister nahestehendes Blatt schreibt: Offensichtlich ist die Aufgabe dieser Reise, das große Finanzkapital der Vereinigten Staaten für Polen günstig zu stimmen. Angesichts der bedeutenden Rolle, die die Juden in den Vereinigten Staaten spielen, han- dell es sich um die Feststellung, daß die polnische Regierung eine Verbesserung der polnisch-südi- fchen Beziehungen anstrebe.
Llnterlwus-Gzenm.
Aus einem Brief unseres Mitarbeiters.
Die Politik bei Rächt. — Ablösung wti Ein nächtlicher Jmbib. — E -r °ns Sveck. Ein Riesenappetit. - Der LE«» bei de« »bseordnete«. — Eia alter Brauch. — Das Geheimnis des Abendmahlskelchs.
London, Anfang Juli.
Daß das Unterhaus bis zum frühen Morgen tagt, ist an stch nichts Sensationelles und ost da- qewescu. Daß solche Nachtsitzungen aber^ zur Regel geworden stnd, ist den tn diesem ^ahre besonders zähen Budgetkämpfen zuzuschretben. Tas Keulcnszepter wird fast nie vor A—4 Uhr morgens hinausgetragen. — Erne starke Anforderung an die Mitglieder der Opposition und die beteiligten Regierungsvertreter. — Dre Nerven Winston Churchills müssen von Stahl sein, daß er es aushält, von einer Nacht zur anderen im Feuer zu stehen. Am besten haben es zweifellos die konservativen Abgeordneten. Der Chief Whip der Partei ist ein glänzender Generalstabschef. Er hat seine Truppen emfach in verschiedene Gruppen geteilt, die einander a b l ö s e n und so stark bemessen stnd, daß eine Mehrheit von gegen 200 Stimmen gegen jeden Ansturm gesichert bleibt, und sollte auch eine Sitzung bis in den späten Vormittag dauern. Die Mehrheit ist zudem eine so ungeheure, daß eine Abreilung stets eine freie Nacht hat. Die Opposition ist natürlich neidisch Sie Protestiert gegen das „Geschwaders-System ebenso wie gegen die .schläfrigen Unterstaats-Sekre- täre*, und nennt die Reserven des konservativen Chiej Whip .Trappisten", weil sie nicht reden dürfen. Wenn die Uhr die normale Schluß;ett überschreitet, und daher eine Nachtsitzung tn ,allerer Aussicht steht, scheint ein übermächtiger Hunger die Mehrzahl der Abgeordneten zu erfassen. Sie begeben sich in großer Zahl in die Erfrischungsräume und das Speisezimmer. Die Arbeitervertreter gehen zumeist in die Tee- und Kaffeeräume, allwo ste auch Gebäck und leichtere Erfrischungen bekommen können. Ader es muß auch festgestellt werden, daß stch so manche von ihnen absentieren, um noch die letzten Verkehrsmittel nach Hause abzufangen, was immerhin auch zum kleinen Teil die Regierungsmehrheiten erllärt. Der Verpflegungs- direktor hat ebenfalls Schichten für das Personal eingeführt. Es hat einen strammen Dienst. Den Küchenangestellten gehr es steilich besser, denn es handelt sich fast ausschließlich um das Landesgericht .Gebratenen Speck und Eier-. Aber welche Massen werden vertilgt! Der Küchenchef bemißt die Gesamtration in den langen Nächten auf zwei Kisten Eier und zwei große Speckseiten, das sind 1440 Eier und 200 Pfund Speck. Früher war das beliebteste Gericht stark gepfefferte, gebratene Rippchen, wozu man Champagner trank. Es war Tradition, dies Mahl nach Schluß einer Nachtsitzung aus der Terrasse im Morgengrauen einzunehmen. Mer „Eier und Speck" haben jetzt gesiegt. Dazu wird eine Menge Whisky und Soda sowie Lagerbier vertilgt. Früher war die Regel» einen „Royal Sbandy" zu ttinken, eine Mischung aus St out und Champagner, eine nicht schlechte Sache, etwa dasselbe, was man bei uns drüben „Pelzbcwle" nennt. Die Honourable M. P.'s, die anwesend sind, begnügen sich auch durchaus nickt mit einer Portion. Den Rekord stellte ein Abgeordneter im vorigen Jahre auf. der in einer Nachtsitzung, die bis lo Uhr vormittags dauerte, siebenmal Speck und Eier aß.
„Eine Botschaft vom König!"
„Eine Botschaft vom König Sir!“ — Wenn diese Ankündigung durch das Haus, der Gemeinen klingt, wie es vor kurzem bet Fall war, richten sich aller Augen nach der Schranke, an welcher eine höchst majestätische Gestalt erschienen ist, der Vizekammerherr Seiner Majestät, Captain D o u g l a s H a ck i n g. Er hat scharf markierte Gesichtszüge, schon angegrautes gewelltes Haar und steht einige Zoll über sechs Fuß in seinen Schuhen. Er trägt eine goldgestickte Uniform von großer Pracht, einen Federhut unter dem linken Arm und in der Rechten seinen langen Amtsstab. Es hat niemals einen Würdevolleren für ein Amt gegeben. Selbst die Arbeiterabgeordneten, welche zu spotten pflegten, wenn sich eine Goldstickerei in Westminster zeigte, haben eine echte Bewunderung für Captain Hackings wunderbare Haltung und stnd die lautesten Rufer bei den „Cheers", mit denen feine vollkommenen Verbeugungen und die wahrhafte Kunstleistung seines Rückwärtsschreitens vom Tisck des Hauses bis zur „Bar" begrüßt werden. Aufmerksame Beobachter des Captains haben das Geheimnis seines schwierigen, zeremoniellen Rückzuges gelöst. Er kennt die Entfernung des! Tisches von der durch einen dicken Teppichstrei- fen markierten Bar auss Haar: es stnd für ihn 10 Schritt. Also 5 Schritt zurück vom Tisch, halt, eine tiefe Verbeugung, dann 5 weitere Rück-