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Kasseler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

Svrrnabend, 4. Juli 1925.

Mumm er 153. Einzelnummer 10 Pf, Sonntags 15 Pf.

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Einzelnummer 10 Pf, SonntagS 15 Pf. 15. FahkgtkNA

Italiens wankende Währung.

Moskauer Tragödie.

Deutsche Geiseln zum Tode verurteilt.

Voller Spannung har man in Deutschland in den letzten Tagen die Gerichtsverhandlungen «egen die drei deutschen Studenten in Moskau verfolgt. Die ganze Führung des Prozesses, be­sonders die Art und Weise, wie die Zeugen ge­hört und ihre Aussagen bewertet wurden, Lic Willkür bei der Zulassung oder vielmehr Richt- zulaffung von Zeugen und vor allem die fort­gesetzten Versuche, die Schuld der Angeklagten fest?,ulegen, waren die reine Farce. Treffend hat die deutsche Regierung in einer halbamtlichen Erklärung Len ganzen Prozeß als eine Komödie bezeichnet. Nur in Sowjetrußland, dem Reiche derTscheka", ist so etwas möglich. Allenfalls können die französischen und belgischen Kriegs- gerichtsverhandlungen gegen deutsche. Offiziere dem Moskauer Verfahren in ihrer Niedertracht zur Seite gestellt werden. Aus der Komödie Ist aber eine Tragödie geworden, nachdem jetzt ge­mäß des Antrages des Generalstaatsanwalts die Todesstrafe über d»- drei Studenten end­gültig verhängt worden ist.

Von vornherein war es klar, daß es sich um einen rein politischen Prozeß handelte. Nachdem die Mitglieder der russischenTscheka" in Deutschland verhaftet und in Leipzig abgeurrem worden waren, mußten sich die Machthaber >.n Moskau nach Geiseln umsehen. Das Glück war ihnen schon bald hold. Es wurden drei junge Leute, zwei deutsche Studenten, Dr. Kindermaun und Wolscht und ein Balte von Dilmar verhaf­tet, die sich in Moskau verdächtig gemacht hatten, auch hatte man in einer Taschenapotheke des einen Sublimat und Morphium gefunden. Man warf ihnen vor, daß sie im Dienste des Bertrner Polizeipräsidiums und der bekannten Organi­sationC" ständen und die Absicht hätten, die Führer der Bolschewiki, vor allem Trotzki, aus dem Wege zu räumen. Außerdem hätten sie die Absicht, für einige große deutsche Firmen Han- dclsspionage zu treiben, um dadurch die russi­schen Interessen zu stören. Diese Anklage ist geradezu ungeheuerlich, wenn man bedenkt, daß es sich bei den beiden Studenten um ganz junge und unerfahrene Leute handelt, die aus Äben- teuerlirst und Fovscherdrang nach Sowjetruß­land gingen, um dort das Hochschulwesen zu stu­dieren. Außerdem beabsichtigten sie ihre Reise nach Sibirien fortzusetzrn. Beide waren vor ihrer Abreise nach Rußland in Berlin der kom­munistischen Partei b e i g e t r e t e n, der eine, wie er angibt, auS reinster Ueber^eugung, der andere, weil er bei den Rechtsparteien nicht das gefunden hatte, was er suchte. Die Anklage warf ihnen dagegen vor, daß beide nur zum Schein der kommunistischen Partei beigetreten wären, um dadurch besser in di« Kreise der Bolschewisten in Moskau eindringen und Fühlung mit ihren Führern aufnehmen zu können. Handelt es sich bei den deutschen Studenten anscheinend um harmlos« Abenteurer und unreife Schwärmer, so ist der Balte Ditmar nach Herkunft und We­sen eine etwas dunkle Figur, die Rolle, die er bei der Untersuchung sowohl wie bei den Verhandlungen gespielt hat, ist nicht gerave schön. ES ist durchaus nicht ausgeschlossen, daß der junge Mann ein Spion derTscheka" isst Hat doch mich die russische Regierung mit allen Kräften versucht, Mitglieder der deutschen Bot­schaft in den Prozeß hineinzuziehen und zu die­sem Zwecke einen Zusammenhang zwischen dem Legattonsrat Hilger und der Organisation ,6" herzustellen versucht.

Eine große Rolle in dem Prc^ spielen die Schuldgeständnisse der drei Angeklagten. Man darf hierbei nicht vergessen, daß die drei Angettagten einer schweren Haft unterworfen waren und in den bekannten Tschekagesängnissen viele Drangsale und Nöte erdulden mußten. Der Angeklagte Dr. Kindermann hat angegeben, daß er von zwei Personen völlig hypnoti­siert worden sei, sodaß er unter einem schwe­ren Druck seine Unterschrift unter die vorgelrse- nen Briefe an Bzerjinski und Kalinin geschrie­ben habe. Für eine Beweisführung reichen aber diese Geständnisse unter keinen Umständen aus. Dagegen hat der russische Staatsanwalt ein« Anzahl deutscher Zeugen überhaupt nicht vernommen, besonders solche nicht, welche die Angeklagten entlasten konnten. Aus andere Er- kläningen, welche das deutscheStudentenwerk" als eine durchaus wirtschaftliche und keineswegs politische Organisation hinstellten, legte er kei­nen Wert. Auch daraus geht hervor, daß eS fiw um einen rein politischen Prozeß handelt, hat der Staatsanwalt doch auch am Schluffe sei- nr« Rede die Sowjetregierung gebeten, kei­nerlei Austauschverhandlungen mit Deutsch­land anzuknüpsen oder cmzunehmen.

Die deutsche Regierung hat von An­fang an alles getan, um die Lage der Verhafte­ten zu erleichtern und die gegen sie erhobenen Anklagen soweit als möglich zu entkräften. Es ist ihr aber erst vor wenigen Tagen gelungen, Z u t r i t t zu den Gefangenen, die damals Zei­

chen starker seelischer Depression zeigten, zu er­langen. Sollte das russische Gericht wirklich die Todesstrafe aussprechen, so nmß die deutsche Re- aieritng diesen Justizmord unter allen Umstän­den zu verhindern suchen. M.

MuffoIMl M Oewnöten.

Schönheitspflästerchen. Dir drückenden Schulden. (Eigene Drahtmeldung.)

Rom, 3. Juli.

Im Ministerrat bezeichnete der Jnnenmini. ster F e d e r z o n i die Lage des Landes, als durchaus ruhig. Bei den letzten Gemeindewah­len hätten die faschistiscl-cn Listen einen vollen Erfolg errungen. Zahlreiche Feierlichkeiten in ganz Italien hätten zu keiner Störung der öffentlichen Ordnung geführt. Daraus könne ge­schloffen werden, daß die Lage feljr günstig sei. Mussolini sowie Finanzminister de Stcsani berichteten über den Ursprung und die Tragweite der Verschlechterung der Valuta. Es sei unmög­lich, sie durch objektive wirtschaftliche Gründe zu erklären, da die Ernte voraussichtlich sehr gut sein werde, die Fabriken arbeiteten, die Arbeits­losigkeit auf die unbedeutende Zahl von 101000 herabgesunken und die Ordnung vollkommen sei. Regierung und Banken hätten alle positiven Maßnahmen für die Stützung der Lire sofort er­griffen und werde alle nötigen Mittel anwen­den, um den Spekulationsspielen sowie den Ver­breitern von Panikgerüchten das Handwerk zu legen. Mussolini führte über die Schuldenmtz lung mit Amerika und Lnglnap folgendes aus Während sich die Londoner Besprechung» in der Periode der Vorbereitung befinden, hat die Un­terbrechung der amerikanischen Berhandlungeu ihre Ursache tun in, daß die Vereinigten Staaten ergänzende Aeutzerungen betreffend die wirk­lichen Zahlungsmöglichreiten ersuchten. Diese Angaben werden mit aller Sorgfalt gemacht und dann die Verhandlungen nach dem Grundsatz wieder aufgenommen werden: Zahlungen in den Grenzen des Möglichen für jetzt und für künftig die fälligen Annnitäten.

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Bis zum August unterbrochen.

Washington, 3. Juli. Staatssekretär Mellon stellte bezüglich der plötzlichen Unterbrechung der amerikanisch-italienischen Schulden-Verhanblun- gen in Abrede, daß die Verhandlungen in etne Sackgasse geraten seien und fügte hinzu, daß sie nach der Rückkehr des Bankiers Albertini tm August wieder ausgenommen werden sollen. Nächtliche KHmerschlacht.

Das umstrittene Steuerprogramm. (Eigener Drahtbericht.)

Paris, 3. JUni.

Die Kammer ist gestern abend zu einer Nacht­sitzung zusammengetreten, um die Verhandlun­gen über das Einnahmebudget für 1925 zu been­den. Um 6 Uhr vormittags tagte die Kammer immer noch. Im Laufe der Sitzung hat die Kammer mit 343 gegen 223 Stimmen beschlos- sen, eine Fremdensteuer einzuführen. Die Iden- tttatSkarte, die jeder Fremde nach einem Monai Aufenthalt erwerben muß, wird mit zweihun­dert Francs berechnet. Die Sozialisten for­dern die Aufhebung der Umsatzsteuer für Le- bensmtttel im Einzel verkauf und in Kleinve- trieben. Finanzminister Caillaux hat sich gegen diesen Antrag tnt Finanzausschuß ausge­sprochen. Die Kammer wird die wichtige Ent­scheidung über die Umsatzsteuer treffen. Es wird abzuwarten sein, ob die Regierung für die An­nahme der Steuer die Vertrauensfrage stellt.

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öteuerunruDen ... in Marokko.

Paris, 3. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Havas meldet aus Tanger: Infolge eines haupt­sächlich von spanischen Elementen geführten Streiks gegen die neuen Steuern haben sich in den westlichen Bezirken ernste Unruhen ereignet. Tie Ordnung ist Dank der Energie eines sran- zösischen Hauptmannes wieder hergestellt wor­den. Eingeborene haben sich zur Unterdrückung der Unruhen zur Verfügung gestellt.

Ein Friede in Ehren.

PainlevLs Pofaune. DieWahrheit". (Privat-Telegramm.)

Paris, 3. Juli.

In einer großen Marokkorede vor dem Se­nat führte Ministerpräsident Painlcvs u. a. aus: Es fei unrecht, zu behaupten, Frankreich i)<u

Abd el Krim angegriffen. Die Ursache des Krie- ges sei darin zu smt-en, daß es tue Spanier nicht verstanden hätten, Vie ihnen zugewiesenen Zonen in Marokko festzuhaltcn. Die Ereigniße wurden Übertrieben so dargestellt, als führe man einen großen Krieg, der vielleicht viele Jahre dauern könne. DaS fei eine lächerliche Fabel. Die.»zahl der französischen Offiziere und Soldaten, tue seit Beginn des Feldzuges in Marokko getötet oder verwundet wurden, betrage vierhundert Er ver­wahre sich dagegen, daß feine Regierung für den jetzigen Krieg verantwortlich sei, denn sie fei es nickst gemein, die den Ilergha-Flutz im vorigen Jahre überwstitien habe. Als er Ministerpräsi­dent geworden sei, feien Einbrüche der Rifleute erfolgt, die den Weg nach Fez bedrohten. Die Schwierigkeit liege darin, daß der Feind rasch Soldaten ausheben könne. Abd el Krim verfuge nur über wenig Kanonen, aber die Rifarmee sei tapfer und wisse vor allen Dingen das Terrtto- riuin geschickt auszunutzen. Man werde nichts vernachlässigen, um den Angreifer zurückzuwe,- sen, aber zu gleicher Zeit auch feine Gelegenheit vorübergehen lassen, um einen für Frankreich würdigen Frieden zu erzielen. Nicht ein Tropfen Blut werde unnötig »ergossen werden. Man habe Verhandlungen mit Spanien angeknupst, die auf gutem Wege seien. Man dürfe nickst nm Frieden winseln und nur über einen Frieden verhandeln, wenn es möglich sei, ohne eines der Rechte Frankreichs zu schmälern. Brmnd er­klärte später: Es sei vielleicht ein Fehler gewe­sen, daß Frankreich und Spanien nicht früher Fühlung miteinander genommen hatten. Frank­reich halte seine Ohren für Friedensvorschlage offen, wenn sie von denjenigen ansginqen, der dazu berufen sei, sie zu machen. Die einstimmige Veit«ruenStagcsorvnunZ ging von der den'.o kraiismen Linken, den Rechtsradikalen unv den Republikanern 0118.

Geschlossen hinter der Regierung.

Paris, 3. Juli. (Privattelegramm.) Der Senat hat der Regierung daS Vertrauen ausge­sprochen und ihre Hqlttmg in Marokko gebil­ligt, und zwar einstimmig mit 290 Stimmen. Die heutige Tagesordnung lautet: Beratung des Budgets für 1925, dessen Beratung die Kam­mer in einer Nachisitzung heute zu Ende führte.

Das Moskauer B'uturMl.

Endgültig gerichtet. Der Weg zur Gnade.

(Eigener Drahtbericht.)

Moskau, 3. Juli.

Der Oberste Gerichtshof verutteilte nach 5^ stündiger Beratung die deutschen Studenten K'indermaun, Wolscht und von Ditt- m a r zur Todesstrafe. Dazu meldet die russische Telegraphenagentur: Gegen das vom Obersten Gerichtshof gefällte Todesurteil kann B e - rufung nicht eingelegt werden. Das Urteil ist endgültig. Den Verurteilten steht jedoch daS Reckst zu, innerhalb einer Frist von 72 Stunden nach Verkündung des Urteils ein Gnadengesuch beim Zentralexekutivkomitee der Sowjetunion einzureichen.

Erne heiße IuliwoOe.

Stresemann tritt vor den Reichstag.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 3. Juli.

Rach einer Sitzßnng der Deutschen Volks- Partei wurde folgende Entschließung gefaßt: Nachdem der Reichskanzler die Erklärung abge­geben hat, daß eine Aussprache der außenpoli­tischen Lage noch in dieser Tagung statt­finden werde, ist die Absicht der Fraktion er­reicht. Die Reichstagsfraktion behält sich eine erneute Initiative vor, sobald die angekündigte Beantwortung der französischen Note vorlieqt. Wie wir soeben aus parlamentarischen Kreisen erfahren, fall die außenpolitische Aussprache im Reichstag bereits am nächsten Mittwoch mit einer Erklärung des Außenministers Dr. Str e- s e m a n n eingeleitet werden. Von volkspartei­licher Seite wird ausdrücklich erklärt, daß die Interpellation den Zweck habe, die i n n e n p o - litische Lage im Reichstage zu klären. Es könne zu ernsten Schwierigkeiten führen, wenn sich etwa der Eindruck festigen sollte, daß die gegenwärtige Regierungsmehrheit in den außenpolitischen Fragen nicht aus einer sicheren Grundlage stehe. Die Situation im Reichstage ist jedenfalls außerordentlich g e - spannt. Die Deutsche Bolkspartet selbst wird am Schluß der Debatte ein Vertrauens- Votum für den Außenminister Dr. Strese - mann beantragen, während di« Sozialdemo­kratie einen Mißtrauensantrag einbrin­gen wird, um die Deutfchmttionalen zu zwingen, zu der Bertraucnssrage Stellung zu nehmen.

3<h suche Wahrheit." Ein neues Kronprinzenbuch.

Mit dr» in wenige« Tage« erkcheiuenLe« »e«e« Werk des ehemalige« de«tscke« Kron- vrinre«Ich inche die Wahrheit" mache« wir «eiere Leier bente durch kolgevde» grundlegen­den AbiSnitt bekannt, der Zweck ««» Ziele der mit S»a»«««g erwartete« Schrift erläutert.

Unter dem schwer lastenden Felsblock des Vertrages von Versailles liegt mit der Freiheit, dem Wohlstand und dem Welteinfluß Deutsch­lands auch die Wahrheit begraben. Aber sie ist nicht tot, Wenn man ihrer dunklen Grabkam­mer Licht und Luft zuführt, wird es in ihrer Gruft beginnen zu keimen und zu wachsen, und langsam, aber mit unwiderstehlicher Kraft wird, wie aus jenem wundersamen Grab auf dem Friedhof von Hannover, der Baum emporwach­sen, dessen Wurzeln ihre Unsterblichkeit nährt, und den Felsen sprengen, der auf ihrem Grabe lastet. Denn noch jede Wahrheit, die Gewalt, Verleumdung, Furcht und Irrtum gemordet haben, hat nach ihrem Golgatha, und wenn es noch so lange gedauert hätte, ihre Auferstehung gefunden. Dieses Buch soll nichts anderes sein, als eines von den Werkzeugen, die den Felsen durchbohren helfen, um dem Licht und der Luft den Weg in die Gruft der Wahrheit zu bahnen.

In allen Ländern der Erde, und nicht am wenigsten wirksam in denen, deren Völker die Schuldlüge mit unausrottbar scheinendem Haß gegen Deutschland beseelt hat, sind solche Werk­zeuge an der Arbeit. Der leidenschaftlichste unter diesen Werkmeistern im Dienst für die Befrei­ung der Wahrheit, der Engländer E. D. Mo­rel, dessen im November 1924 erfolgter Tod einen unersetzlichen Verlust bedeutet, hat seinem letzten Aufsatz gegen die Kriegsschuld­lüge den TitelKein Friede ohne Wahrheit" gegeben. Er sagt darin:Die Ablehnung der bewußten, vorbedachten Schuld am Kriege grün­det sich auf ein Beweismaterial, das geradezu überwältigend ist ... Die Annahme des Da­wesplanes wird als der Beginn einer neuen Aera begrüßt. Eine tollere Selbsttäu­schung läßt sich gar nicht, denken. Er bedeutet höchstens eine Panse, in der man Atem schöpfen kann. Denn er legt Bürden auf, er stellt Forde­rungen, er verlangt in Permanenz das Recht fremder Einmischung in die inneren Angelegen­heiten eines großen Volkes ein in der Ge­schichte unerhörter Vorgang und diesen Bür­den, diesen Forderungen und Ansprüchen wird eine unanfechtbare Rechtsgeltung beigemessen, weil die davon betroffene Nation in kalter Ueberlegung unrecht gehandelt haben soll. So bleibt das moralische Brandmal, das die Seele versengt, bestehen. ... Der Mythus von der deutschen Verschwörung, das Postulat von der Meinschuld Deutschlands wie man das Ding auch nennen mag diese verderbliche Legende ist der Ursprung -ü«s Unheils, der Tragödie geschändeter Gerechttgkeit, der Tragö­die, worin die Verneinung der Gerechtigkeit zum System geworden, der Tragödie eines Europas, das abermals zum Kriege rüstet."

Das moralische Brandmal, das die Seele versengt." Um die Austilgung dieses Brand­mals, durch das das deutsche Volk, wie in frühe­ren grausamen Zeiten aus dem Zuchthaus ent­lassene Verbrecher, aus der Gemeinschaft der Menschen ausgeschieden werden sollte, handelt «s sich in diesem Kampf. Mögen Wohlstand und Freiheit und Welteinflutz durch die unbe­siegbare Kraft deutscher Tüchtigkeit und deut­schen Arbeitswillens allmählich zurückerobert werden, ohne daß dieses Brandmal ausge­löscht ist, kann es in Deutschland keine rechte Freude am Aufstieg, kein rechtes Glück geben. Darum ist nicht die Aufhebung der Bestimmun­gen des Vertrages von Versailles, die ihre Dor­nenkrone im Dawesplan gefunden haben, das wesentliche Ziel dieses Kampfes. Das nächste und erste Ziel, das in dem Kampf nm die Be­freiung der Wahrheit angestrebt werden muß, ist die feierliche Zurücknahme der von Clemen- ceau unterzeichneten Note vom 16. Juni 1919, die den Artikel 231 des Vertrages von Versail­les erläutert. Diese feierliche Zurücknahme ist meines Erachtens auch eine unabweisbare Vor­bedingung für Deutschlands Eintritt in den Völkerbund. Es widersttcbt dem natür­lichen Empfinden, daß wir uns in eine Gesell­schaft begeben, die sich weigert, dem verleumde­ten deutschen Volke die ihm gebührende Ehren­erklärung abzugeben. Welche Folgerungen dann aus solcher Ehrenerklärung gezogen werden, läßt sich nicht vorausseheu. Bei der Machtlosig­keit, zu der uns der Vertrag von Versailles ver- urteilt, ist es im höchsten Grade wahrscheinlich, daß wir uns für lange Zeit mit dem morali­schen Sieg begnügen müssen, der mit der Zurücknahme der Beschuldigungen jener Note errungen fein wird. Der Bau des Vertrages