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Kasseler Neueste Nachrichten

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Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 147. Einzelnummer 10 Pf. Sonntags 15 Pf.

Sonnabend, 27. Zrrni 1925.

Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15Pf. 15. Jahrgang

Griechenland nach dem Umsturz.

Geht es vorwärts?

Von

Rarnfay Macdonald, ehem. Ministerpräsident.

Noch immer liegt die Zukunft düster von uns und es wäre ein unangebrachter Optimismus. Europa als glücklich zu bezeichnen. Wie ein böser Alp liegt der Friedensvertrag von Versailles aus Europa, Sieger und Besiegte in gleicher Weise in ein Netz von Un­annehmlichkeiten verstrickend. Die Probleme des friedlosen Europas sind Legion. Fragen der Politik, besonders die des- Schutzes der Minder­heiten in den Staaten mit zusammengesetzten Nationalitäten, Fragen der Wirtschaft, tote die Gestaltung der internationalen Produktions­kosten und der verschiedenartigen Entwicklung der Warenpreise, Zoll Probleme, die um so verwickelter sind, als sich oft gerade da Zoll­schranken entgegenstellen, wo der freie Handel am freiesten fließen sollte, Währungs-, Budget- und ^chuldentilgungsprobleme und eine Un­menge anderer schwieriger Fragen beunruhigen beute Europas Politik und Wirtschaft Zu ost haben die Politiker in der U m g t ft a 11 u n g des politischen Bildes Europas die wirtschaft­lichen Grundlagen außer acht gelassen, auf denen die neuen Völler ihre Zukunft bauen sollten. Tie Folge hiervon war, daß die Wirtschaft dieser neuen Staaten vielfach verkümmerte und daß sich eine ungesunde Atmosphäre gerade in dem Terle der Wett verbreitete, der am dringendsten der Schonung bedurft hätte. Be­vor aber nicht die Grundlagen für eine ge­sunde Wirtschaftsentwicklung tu Europa vorhanden sind, dürfen wir nicht eine glückliche Zukunft erwarten, bleibt die Befrie­digung der Welt eine eitle Hoffnung.

Das Dawes-Programm war nur der erste Schritt zur Sanierung der Weltwirtschaft; er hätte durch weitere Maßnahmen ausgebaut und erweitert werden sollen. Hierbei hätte man w*r keinen Umständen Zeit verlieren dürfen. Bevor ich mein Amt als Premierminister nrederlegte, hatte ich eine ganze Reihe von Untersuchungen eingeleitet, die diesem Ziele die­nen sollten. Leider sind die meisten dieser Unter­suchungen durch den Regierungswechsel zum Teil aufgegeben oder, was dasselbe ist, bei­seite gelegt worden. Jnnerpolitische Fragen traten nicht nur in England, sondern auch in anderen Ländern in den Vordergrund. Anstatt eine Wiederherstellung des wahren Friedenszu­standes durch eine großzügige Zusammenarbeit aller Kulturstaaten möglichst schnell vorzuberei­ten. wurde wertvolle Zeit mit parteipolitischen Erörterungen, mit Jntriguenspiel und Parteigeplänkel verschwendet. Diese Ent­wicklung hat nicht verfehlt, auf A m e r i k a, das sich bekanntlich in letzter Zeit mehr und mehr der europäischen Politik zutoandte, einen un­günstigen Eindruck zu machen. Amerika kennt die Nöte Europas und hat deshalb mit ehr­lichem Willen geholfen, so erklärte kürzlich der hiesige Botschafter Houghton, aber das ame­rikanische Voll ist ein praktisches Doll, das sein Geld nur in eine sichere Anlage stecken will. Das volle Ausmaß amerikanischer Hilfe kann nur erwartet werden, wenn die Union davon über­zeugt ist, daß die Zeit zerstörender Methoden in der Politik vergessen und die Zeit eines friedlichen Aufbaues da ist. Amerika verlangt einen ehrlichen Friedenswillen und eine aufrichtige Verständigungsbereitschaft als Vor­aussetzung für weitere Hilfeleistung. Der Frie­den Europas muß aus dem Geiste geboren wer­den, er muß voninnen.nichtvonaußen kommen. Alle Nationen Europas sollten beden­ken, daß Amerika eine veränderte Gesinnung, die auf Vertrauen und gutem Glauben beruht, for­dert und daß sonst feine Großmut ein Ende hat.

Die Völler Europas werden daher gut tun, zunächst einmal ihr eigenes Haus in Ordnung zu bringen und den Geist der Verstän- digungsbereitschaft zu pflegen, den Amerika als Vorbedingung einer intensiveren Anteilnahme an europäischen Geschicken fordert. Das Problem der Schuldenregelung muß endlich gelöst und aus der Welt geschafft werden. Die Budgets müssen nicht nur ausgeglichen werden, sondern es muß in geeigneter Weise da­für Vorsorge getroffen werden, daß auch die na­tionalen Verpflichtungen erfüllt werden. Im Interesse eines möglichst ungehinderten Handels­verkehrs zwischen den einzelnen Völkern müssen die Zollschranken soweit angängig abge- baut werden. Die Ueberzeugung u viel­mehr gewachsen sein, daß die Versuche der neu- geschaffenen Kleinstaaten ihre Eigenproduktion dadurch zu heben, daß sie sich mit möglichst hohen Zollschranken umgeben und sich den Kanälen des wahren Austausches durch Errichtung von Zoll­mauern an ihren Grenzen wiederfetzen, letzten Endes nur zu einem Sinken der inter nationalen Produktion führen können,,

die eine Verarmung der Weltwirtschaft im Ge­folge haben müssen.

Jetzt müssen vor allen Dingen zwei Maßnah­men ergriffen werden. Es muß einmal eine großzügige Handelsvertragspoli- tit durchgeführt werden, um den Welthandel das zur Zeit größtmöglichste Maß von Freiheit zu geben und seinen Ausbau nach Kräften an­zuregen. Zum andern aber müssen inter­nationale Aussprachen über eine Rege­lung der Arbeiterfrage stattfinden Nur auf diese Weise kann die Lebenshaltung der Ar­beiterschaft gesichert und vermieden werden, daß d 'ch eine weitere Verschärfung des internatio- nalen Wettbewerbes, durch eine fortschreitende Verbilligung der Produktionskosten der Lebens­standard gewisser Staaten nicht gefährdet wird. Wenn wir in Zukunft einen Ausgleich dieser Faktoren ohne vertrauensvolle Fühlungnahme unter den einzelnen Nationen gestatten, so kann sich daraus nur eine Verschärfung der politischen Gegensätze und eine Verschlimmerung der wirt­schaftlichen Sage ergeben. N i e hat die Welt wahre Staatskunst und internationalen Ver­ständigungswillen nötiger gehabt als in den Nöten und Krisen der Gegenwart.

MMäröMatur in Achen.

Ein kampfloser Umsturz des General Pangalos. (Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 26. Juni.

Nach Meldungen aus Athen haben unter der Fühlung deS Generals Pangalos unzufriedene Offiziere die Macht an sich gerissen. Sämtliche öffentliche Gebäude wurden e»u i^itea s. sicht und das Kabinett Mchiaelacopulus zum Rück­tritt aufg-fordert. Die Flotte hat sich gleichfalls 8er Bewegung angeschlossen. Nach einem Havas- bericktt ist, abgefehen von einigen in die Lust ab. gegebenen Gewehrschüssen kein ernstlicher Zwi- sch-nsall zu verzeichnen. Ministerpräsident Mi- chaelakopuloS beschloß, zu demissionieren. Die Dimission wurde angenommen. Die Regierungs­gruppen sind durch Truppen ersetzt worden. Im übrigen Hai General Pangalos in einem Ausruf an die Bevölkerung erklärt, daß er die nationa­len Interessen wahren werde. Er werde selbst die Ministerpräsidentenschaft übernehmen. Ue- ber die Ursachen des Staatsreiches verlautet, die Offiziere feien der Ansicht, daß Michaela» kopnlos sich nicht genügend um die Reorganisa» tinn deS Heeres und um die Entwicklung der Wirtschaft gekümmert habe. Seine AußenpolitU hätte nur zu Mißerfolgen geführt, namentlich in Serbien und in der Türkei. Auch habe er aus­ländischen Kapitalisten Zugeständnisse gemacht.

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Kümpfe In Saloniki... sonst Ruhe.

Wien, 36. Juni. (Durch Funkspruch.) Veni- zelos Palais in Achen ist besetzt worden. In Korinth finden noch Kämpfe statt. Bei den Kämpfen in Saloniki, wo ein Matrosenrat ge­bildet worden war, hat es einige zwanzig Tote und über fünfzig Verletzte gegeben. In Athen wurden einige hundert Verhaftungen vorge­nommen. Sonst herscht Ruch«. In Maritza ist die Monarchie ausgeruftn worden.

«Kegenfinß 6er gestürzten Regierung?

Athen, 26. Juni. (Funktelegramm.) Die frühere Regierung ist zum Teil aus A t h e n ge­flüchtet. Man erwartet für die nächsten Tage eine Gegenaktion. Die Garnison von Korinth hat sich der Bewegung nicht angeschlossen.

Front gegen England.

Wirtschaftskrieg und Austreibung in China. (Eigener Drahtbericht.)

Paris, 26. Juni.

Havas meldet aus Schanghai: Die Lage im Schiffsverkehr verschlechtert sich. Die englischen und japanischen Ozeandampfer vermeiden es, Schanghai zu berühren. In Peking erhielten die Regierungsbeamten von allen Seiten die Aufforderung, die Beziehungen mit Großbritannien zu lösen und einen Wirt­schaftskrieg durchzuführen. Aus Hong­kong wird gemeldet, die Kantonregierung habe den Ausländern ein Ultimatum überreicht, Schameen zu räumen und dieses Ultimatum läuft am Sonnabend ab. Die Berteitzsgung Schameens sei für alle Möglichkeiten gerüstet.

Das tote Oesterreich.

Ernste Wirtschaftslage. (Privat-Telegramm.)

Wien, 26. Juni.

In der Generalversammlung des Jndustrie- ,Verbandes Oesterreichs wies Generalkornrnissia xät Dr. Zimmermann zuerst aus die gto .

ßen Schwierigkeiten hin, mit denen Oesterreichs Industrie in den letzten Jahren zu kämpfen hatte und aus die Arbeit, die sie dabei zu leisten hätte. Dann behandelte er die Frage der Arbeitslosigkeit, die staatsfinanziell und privatwirtschaftlich eine der ernstesten sei. Das Einströmen ausländischer wirtschaftlicher Kredite nach Oesterreich fei eine fehr erfreuliche Tatsache, die, wie er hoffe, sich weiter auswirken werde. Für die dauernde Sanierung Oesterreichs kämen aber Momente der Innen- und Außenpolitik in Betracht.

Morgenröte an der Themse.

Ein Feldzug für den Frieden. (Eigener Drahtbericht.)

London, 26. Juni.

Zur Einleitung einer großen Campagne zu Gunsten des Schiedsverfahrens als Mittel zur Regelung internationaler Streitigkeiten nahmen gestern an einer Verfammlung der Vollsbund- union der deutsche uud viele ausländische Bot­schafter teil. Eine Petition soll dem Parlament Anfang August unterbreitet werden. Premier­minister Baldwin hat sich in einem Schreiben mit dem Zweck der Zusammenkunft einverstan­den erklärt. Was erforderlich fei, fei eine neue Anfchauungsweise in Europa. In einem von Afgnith gesandten Schreiben heißt es: Alle nrüßj- n hoffen, daß die augenblicklich im Gange besitz lichen Verhandlungen dir Grundlage und M* w>s giafrervnbeS vergrößern

würde, was die beste Garantie sür Frieden und internationale Abrüstung sei. Macdonald schrieb: Er sei vollkommen sicher, daß alle wirksame Arbeit zur Herbeiführung des Friedens mit dem Genfer Protokoll zu beginnen habe. Lord Grey erklärte in seiner Rede, die Erfahrungen des letzten Krieges hätten gelehrt, daß Groß­britannien ein Teil Europas sei. Die Zukunft Englands sei mit dem zukünftigen Frieden Europas verknüpft. Heute sehe man den Zu­sammenbruch des Prestiges, der Macht und deS Einflusses Europas wie nie zuvor. Der einzige Weg auf dem Europa wieder hergestellt werden könnte, fei die Schaffung der Herrschaft des

Gesetzes an Stelle der Gewalt.

Den Krieg gewinnen und den Frieden gewin­nen sei nicht dasselbe. Deutschlands Sicherheits- pgtt fei tzln Vorschlag der eines der gefährlichsten Probleme in Europa nach dem Grundsatz des Völkerbundes praktisch regeln will. Wenn der Vorschlag zu keinem Ergebnis führen sollte, so würde Frankreich seine zukünftige Sicherheit da­durch wiederherzustellen suchen, daß es seine eigenen Rüstungen hochhält und die deutschen Rüstungen dagegen Niederhalten werde. Die deutsche Politik würde dann eine separate deutsche Kombination gegen eine französische Kombina­tion als Gegengewicht aufrechterhalten. Das wäre dieselbe Lage wie vor dem Kriege. Das würde einen neuen Krieg gepütz machen.

Man merkt die Absicht...

Fabeln von einem russisch-deutschen Pakt. (Privat-Telegramm.)

Berlin. 26. Juni.

Ein Pariser Blatt behauptet, um den Sicher- heiispakt zu bekämpfen, die Sowjetregierung habe Deutschland ihrerseits einen SicherheitSver- ttag angeboten und zwar habe sie sich bereit er­klärt, die deutsche Westgrenze mit Hilfe sowjet- russischer Truppen zu sichern und ebenfalls aus Polen einen Druck auszuüben zur Abänderung der Ostgrenze Deutschlands. Der deutsche Bot­schafter in Moskau, Graf Brockdorff-Rantzau, habe die Annahme dieses Vorschlags empfohlen. Von zuständiger Stelle erfahren wir dazu, daß cS sich hierbei lediglich um eine Kombination handelt, deren Zweck klar ersichtlich ist.

Die deutsche Medizin.

Lord Cecil über Abrüstung und Sicherheitspakt. (Privai-Telegramm.)

London, 26. Juni.

Auf der von der britischen Böllerbundsunion einberufenen Abrüstungskonferenz sagte Lord C e c i l u. a-, ein dauernder Friede ist nur durch Rüstungsabbau zu sichern. In dem vorgeschlage­nen Pakt sehe er einen ungeheuer bedeutungs­vollen Schrittvorwärts. Er werde die Ab­rüstung mehr in den Bereich des Möglichen zicken und eine engere Verbindung der Ratio pen Europas veranlassen. Gerade feine relativ -kicheidcnrrc Natur fei als Vorteil zu bezeichnen

Keine Soflfreunöe.

Ausklang der großen Zolldebatte im Reichstag.

Unter der Luve der Demokraten. Sach­verständige folien »ritten. Zölle als Kovf- stener. Kampfrufe oou links. Umbildung der Reichslagsansfchöffe.

Berlin, 26. Juni.

Nach Verlesung eines Danktelegramms des Polarforschers A m u n b f e n betont Abg. Meyer (Dem.) im Verlaus der Zolldebat- te: Es sei notwendig, die Produktion zu verbilligen und das Preisniveau zu er­mäßigen. Dett Weg eines Dumpings, das heute in fast allen europäischen Staaten abgelehnt wer­de, könne man aber nicht beschreiten. Die Re- gierung habe in ihrer Zollvorlage den großen Aktivposten der deutschen Qualitätsarbeit außer Acht gelassen. Sie habe dagegen das Armutszeugnis zum Ausdruck gebracht, daß die gesamte Wirtschaft stützungsbedürftig durch Zölle fei. Diesen Pessimismus könnten die Demokraten nicht mitmachen. Es müsse geprüft werden, ob nicht ein System von Maxi­mal- und Minimallöhnen einzuftihren sei. Parität zwischen Industrie und Landwirt­schaft sei zwar erforderlich, dürfe aber n.chr so verstanden werden, daß, wenn die Industrie Schutzzölle habe, die Landwirtschaft sie auch ha­ben müsse, oder umgekehtt. Vielmehr müsse in jedem einzelnen Falle die

Notwendigkeit des Schutzzolles geprüft werden, unabhängig davon, zu welcher Kate­gorie der Wirtschaft er cfrfcört. (Sehr richtig! links.) Der Redner setzl sisse) dann für den An­trag ein, einen Sachv^'.ständigenaus- schuß für die Zollfrage zu bilden. Abg. 23ei- denhöfer (Völk.); Wenn die Nachbarn Deutschlands sich mit Zollmauern umgeben, kann Deutschland auf den Schutz feiner Produktion nicht verzichten. Abg. Frau Sender (Soz.): Der Wettlauf um den Schutzzoll mahnt immer in bedenklicherer Weise an das Wettrüsten, das schließlich zur Katastrophe führte. Der Brotzoll ist die ungerechteste und brutal st eKopf st euer. (Sehr richtig! links) Auch Fleisch, Gemüse und namentlich landwirt­schaftliche Erzeugnisse werden durch die Zollvor­lage verteuert. Am schwerwiegendsten aber sind für die Gesamtwirtschaft die Eisen zölle. Die ganze Vorlage ist nichts anderes als eine große Lohnbewegung der Unterneh- m e r, die durch nichts gerechtfertigt ist und zum Ruin der breiten Massen des Volkes fuhren muß. Die große europäische Zollunion kann allein retten. Es entwickelte sich bann eine G e- schäflsorbnungsdebatte. Namens bes Aeltestenrates teilt Abg. ©u6rarb (Ztr.) mit, daß der Aettestenrat sich mit der Frage der Zu­sammensetzung der Reichstagsausschüsse beschäftigt labe. Die Schlüsselung ber Ausschüsse solle in Zukunft geänbert werben. Abg. Dittmann (Soz.) betont, baß ber plötz­liche Wunsch ber Rechten aus Aenberung ber Schlüsselung nur auf politischen Gründen be- ruhe. Abg. Schultz-Bromberg (Dtn.) be­tonte demgegenüber, daß die Verteilung bet Sitze in ben Ausschüssen barutn ungerecht fei, weil bie 223 Plenarstimmen ber Sozialde­mokraten, Demokraten, Kommunisten, Witt- schastliche Vereinigung und Völkischen im Aus- schuß die Mehrheit hätten, gegenüber 268 Stim­men ber Regierungsparteien. Gegen bie Stim­men der Kommunisten, Sozialbemokraten und Völkischen wurde beschlossen, bie neue Schlüsse­lung für bie Ausschüsse bereits am

Freitag in Kraft treten zu lassen. Nach ber neuen Schlüsselung gibt cS nut noch Ausfchüsse Kon 21 unb 28 Mitgliedern, während die bisherigen mit einer Abgeordneten- zahl von 14 unb 18 künftig Wegfällen.

tinfere Wälder und (Srünrödk.

Aussprache ber Parteien im Landtag.

Berlin, 26. Juni.

Im Landtag erklärte gestern Minister Steiger beim Domänenhauschatt: Ich kann deshalb nur sehnlichst wünschen, daß bie Pachtschutzordnung, soweit sie wirtschaftlicher Natur ist, außer Kraft tritt. Die Notwendigkeit des Fortt» sehens ber sozialen Vorschriften erkenne ich an. Beim Etat der ForsWerwaltung behauptete Abg. Wende (Soz.), die staatliche Forstwirtschaft locke in den Kinderschuhen unb sei technisch nicht auf ber Höhe. Abg. v. Treskow (Dntl.): In den vrvriten des besetzten Gebietes hatten bie Fran- Zitzen noch heute Schießübungen ab. Was bas für den Walb bedeutet, liegt aus der Hand. Den Einschlag in ben Staatsforsten halten wir für zu doch Die Ri-chtlinien für bie Sieblunbsge- iellschasten bedürfen einer gründlichen Revision. Für die verschuldeten Forstbeantton muß eine