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Kasseler Neueste NachEen

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

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Nummer 148. Einzesnummer 10 Pf, Lonnings 15 Pf.

Donnerstag, 25. Juni 1925.

Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf. 15. Jahrgang

Der 17. August als FrelheitStag.

Kurs gen Osten?

Gegen ein Bündnis mit Rußland.

In dem in Kürze erscheinenden Werke »Deutschlands weltpolitische Zukunft" von Paul Göhre, das sich eingehend mit der gegenwärtigen weltpolitischen Lage beschäftigt, wird auch die Frage der Bündnismöglichteilen Deutschlands erörtert. Aus dem Inhalt greisen wir folgen des aktuelle ideenreiche Kapitel heraus: Ter ernsteste von allen in politischen Kreisen erörter­ten Bündnisvorschlägen ist der eines Bündnis­ses Deutschlands mit Rußland. Man will an den Vertrag von R a v a l l o anknüpsen und diesen zu einem regelrechten politischen und wirtschaftlichen Bündnis auSbauen. Dabei sol­len beide Mächte, Deutschland wie Rußland, gleichgeordnet sein, jede je ihre besondere wirt­schaftliche, soziale und politische Verfassung wah­ren. Beide sollen sich nur gründlich gegenseitig ergänzen und stützen: Rußland als Agrarland, Deutschland als Industrieland. Was Deutsch­land im Bunde mit Oesterreich-Ungarn nie ge­lungen ist, was ihm mit Oesterreich-Ungarn nie gelingen konnte, das könne es mit Rußland zu­sammen spielend erreichen: Rücken an Rücken gelehnt, würden beide imstande sein, zwei Kon­tinente zu beherrschen, Asien und Konti­nentaleuropa. »Beide Reiche verbindet", so erklärt einer der bedeutendsten Wortführer des Bündnisgedankens, der badische Staatsprä­sident Dr. Hellpach, »ein gemeinsames Kul­turziel, die Aufrichtung der großen germano- slawischen Kulturgemeinschaft, welche das neue Europa statt der alten germanoromanischen Kul- turgemeinschafl darstellen wird. Beide verbin­det aber auch die qemiensame Aufgabe der Ent­wicklung des neuen zukünftigen europäischen Staats aus den Elementen der westlichen Demo­kratie, der obrigkeitlichen Zentralgewalt und der berufsständischen Mächte. Ern friedlicher Triumpbzug wird der neue Weg Arm in Arm mit Rußland nicht sein. Hat der Seewind uns wenig Heil gebracht, so schreckt der Ostwind manchen durch seine Härte und Strenge. Aber das Alte ist dahin, es bleibt nur die Wahl, an einer neuen Welt mitzuarbeiten und damit Weltgeltung zu verdienen oder zu versumpfen und zu zerbröckeln."

So fesselnd und verlockend diese Begründung des russischen Bündnisvorschlages auch ist, so hält dennoch auch sie nüchterner, kühler Durch­prüfung nicht stand. Von einer germanosla- wischen Kulturgemeinschast war bisher keine Rede und kann auch in Zukunft keine Rede sein. Deutschland ist das Land der Reformation, das Land Kants und Hegels; Rußland steckt noch tief in einer Weltanschauung, die heute noch mehr Heidentum als Christentum ist. Selbst mit dem ihm doch viÄ näherstehenden römischen Katholizismus südeuropäischer Observanz war die russisch-griechische Religion noch niemals im Einklang. Der moderne Industrialismus ist ein echtes westeuropäisches Kulturprodukt; in Ruß­land war er bis heute Fremdkörper, von Deut­schen, Juden und einigen anderen Fremdstmn- migen dorthin verpflanzt. Der westeuropäische Aararismus ist seit langem, aus demselben Kul­turgeiste heraus wissenschaftlich durchtzearbeitet und schon industrirkapitalistisch organisiert; der russische ist noch heute in sehr großem Umfange nur das Produkt eines mit nomadischen Tradi­tionen noch vielfach behafteten Urvolkes.

Ueber den sehr starken Gegensatz der russi­schen und deutschen Volksseele braucht kaum noch ein Wort verloren zu werden; er ist längst fell- gestellt u. klar herausgearbeitet. So sympathisch das russische Wesen dem Deutschen oft auch ist, so geradezu unverständlich ist es ihm Ebensooft. So viele Deutsche auch schon vor dem Kriege als Vorarbeiter, Werkmeister, Landwirte, Lehrer, Ingenieure, Beamte nach Rußland geangen sind, alle zusammen haben die russische Eigenart in so gut wie nichts verändert, verschoben, ver­deutscht. Gerade der Bolschewismus und Sowjetismus isi der allerchlagendste Be­weis dafür, denn er ist so undeutsch wie nur etwas. Die deutsch? Wirtschaft wird, vor allein unter dem schweren Druck der Reparationslastcn, noch lange in ihrem Zuschnitt betont kapitalistisch bleiben, die ruisische dagegen wird vorwiegend bäuerlich-unkapilatrstisch sein. Richtig ist, daß Rußland nur allzu gern ein Bündnis mit Deutschland einginge. Aber bestimmt nur unter der Voraussetzung: daß Deutschland in entschei­denden Punkten allmählich bolschewistisch würde. Kaum war der Sowjetstaat errichtet, so begann denen skrupellose Provoaanda für den Kommu­nismus in Deutschland. Darum riet es Deutsch­land ab, in den V ö l k e r b n d einzutreten, der der Todfeind des Bolschewismus ist.

Aus alledem geht deutlich hervor: Rußland möchte freilich nur zu gern eine engste Verbin­dung mit Deutschland, ober unter der Bedin­gung seiner allmählichen Bolschewikisterung und zum Zwecke seiner gründlichen Unterwerfung unter den Sowjetwillen. Das aber würde das Gegenteil einer Befreiung und Entbindung

Deutschlands zu neuer, eigene^ Weltgeltung be­deuten. Deutschland, das heute unter Bem Joche der Entente seufzt, würde damit nur sei­nen Herrn gelt, chselt haben. Und darum kommt auch der russische Bündnisplan als Mittel zur Erlangung von neuer Weltbedeutung für Deutschland nicht in Betracht.

Die Ruhr am 17. August frei.

Im Pariser Ministerrat beschlossen.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 24. Juni.

Der Pariser Ministerrat hat, wie wir schon gestern abend durch Lichtdepesche am Kö­nigsplatz meiden konnten, die Ausführung der für die Ruhrräumung übernommenen Verpflichtungen beschlossen. Ein Pariser Blatt schreibt zu der Räumungspflicht am 17. August, daß die Operationen unmittelbar beginnen wür­den. Sie werden vollkommen

vor dem 17. August zu Ende geführt sein. An diesem Tage wird auch der letzte Mann unserer Soldaten das rheinisch- westfälische Becken verlass en haben. Es werden auch die als Sanktionsgebiet zu be­trachtenden Städte Düsseldorf und Duis­burg-Ruhrort geräumt werden, ob­schon man sie mit der Besetzungszone von Köln hätte verbinden tonnen anstatt mit der Essener.

VainlevLs Knegsttommel.

Er wirbt um Unterstützung für Marokko.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 2i JuNü

In seiner Marokkoerklärung vor der Kammer sagte Painlevs u. a.: Marokko zu räu­men, sei ein U n s i n n. Das würde die Nie- dermetzelung aller Franzosen bedeuten, der Män­ner, Frauen und Kinder nicht nur in Marokko, sondern auch fit Algier. Abd et Krim habe bis jetzis nichts verlauten lassen. Das beweise, daß er nicht auf feine großzügigen Absichten ver­zichte. In seinen Proklamationen an seine Trup­pen predige er den heiligen Krieg gegen die Feinde des Islams und erkläre, daß die Franzosen am Ende ihrer Kraft angekoinmen seien. Painlevs erklärt: Die Gesinnungsgenos­sen von I a u r s s dürften nicht »ergeben, daß er der erste gewesen sei, der, als man vom Ma! rokko-Abenteuer sprach, erklärte, daß Frankreich schon aus zivilisatorischen Gründen Afrika nicht anfgeben könne. Painlevs erklärt wei­ter, er wünsche ein einiges Frankreich. Er erbat die Unterstützung der Sozialisten.

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Sine Schlägerei mit Kommunisten

Paris, 24. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Nach einer kurzen Sitzungspause erklärte Pain- leve, die kommunistische Jnterpel- l a t i o n sofort zu beantworten, die zunächst der Abg. D o r i o t begründet. Dieser wird von dem rechtsstehenden Abgeordneten Pieot tätlich angegriffen. Der Kammerpräsident hebt die Sitzung auf, worauf sich eine Schlägerei entwickelt zwischen Kommunisten und rechts­stehenden Abgeordneten. Später nimmt Dorior für seine Partei das Recht der Propaganda unter den Eingeborenen Afrikas wie unter den Mitgliedern aller anderen Parteien in Anspruch und sagt, der Marokko-Feldzug fei der arbeitenden Klaffe und den Soldaten »npo- P u l ä r. Der Ministerpräsident widerspricht.

Fük Marokko gewonnen.

Kabinett Painlevs hat das Vertrauen.

(Eigener Trahtbericht.)

Paris, 24. Juni.

Die nach der Marokkodebatte mit fünfhundert­zehn gegen dreißig Stimmen angenommene Ta­gesordnung hat folgenden Wortlaut: Die Kam­mer billigt die Erklärung der Regierung und ihren Entschluß, die Verhandlungen mit Spanien zu einer Regelung zu führen, die mit dem Re­spekt vor den internationalen Verträgen lm Einklang steht und so die ftiedliche Nachbarschaft mit Frankreich sicherstellt. Die Kammer ver­trant der Regierung, daß sie deren Durchfüh­rung weiter verfolgt. Ein Teil der Sozialisten hat sich der Stimmabgabe enthalten, ein Teil stimmte für das Kabinett Painlevs.

Feind? des IMS.

Scharfe Kritik der englischen Liberalen.

(Eigener Drahtbericht.)

London, 24. Juni.

Einem politischen Berichterstatter zufolge ha­be die gestrige liberale Versammlung gegen den allgemeinen Grundsatz eines Sicherheitspaktes, der eine schiedsrichterliche Entschei­

dung vorsieht, und innerhalb der Völkerbunds­satzung ausgestellt ist, kein Widerspruch erhoben, doch sei man der Ansicht gewesen, daß der Chant- berkain-Briand-Pakt England zu unbegrenz­ten Verpflichtungen zwinge, statt die Si­cherheit zu fördern und durch seine Unbestimmt­heit und Zweideutigkeit eine dauernde Quelle der Unruhe und des Mißverständnisses sein würde. Wenn Großbritannien Frankreichs Sicherheit ga­rantieren solle, könne England seinerseits S i- cherheiten gegenüber den bedrohlichen Unter­seeboot- und Luftslottenrüstungen verlangen. Ein anderes Blatt erklärt, der Pakt kette England an den Kriegswagen Frankreichs und fetze die Söh­ne Englands der Gnade des französischen Chauvinismus aus, verurteile also Groß­britannien zu einer Rolle, die seiner unwürdig sei. Gkraßengefecht im Kanton.

Flucht der Ausländer. Verhaßte Engländer. (Durch Funtspruch.)

K a n t o n, 24. Juni.

Gestern veranstalteten chinesisckse Studenten, Arbeiter, Bürger und Soldaten einen Umzug rings um die europäischen Niederlassungen. Am Bittoriahotel in der britischen Konzesflonszone entstand eine Schießerei. Englische und fran­zösische Marinesoldaten erwiderten das Feuer mit Maschinengewehren. Ein fran­zösischer Kaufmann wurde getötet, und zwei Zivilisten wurden verwundet. Alle in Kanton lebenden Amerikaner find angewiesen worden, die Stadt zu 6er« (offen. Aus Hongkong wird berichtet, daß alle Züge nach den chinesischen Grenzen mit Flüchtlingen überfüllt seien. Der gegen Engiand gerichtete Felozug iu der chinesischen Presse Pekings dauert fort. Auf den Plakaten wird die Bevölkerung aufgefordert, die Eng­länder totzuschlagen.

21t>ö el Krim greift an.

Zu Wasser und zu Lande überwacht.

(Privat-Telegramm.)

Paris, 24. Juni.

Wie eine Meldung aus Madrid besagt, hat der Druck, den der Feind gegen die spanische Westfront in Marokko ausübt, in der Zone von Tetuan zu heftigen Angriffen gegen die spani­schen Linien geführt. Einzelheiten über diese Kämpfe fehlen. Laut Beschluß der französisch- spanischen Marokkokonferenz sollen Tanger, so­wie dessen Hinterland in die Ueberwachungs - zone einbegriffen werden, nachdem England hierzu seine Zustimmung bekannt gegeben haben werde. Die UeberwackMng zu Lande soll sich darauf beziehen, den Waffenschmuggel, den Mu- nitionsschmuggel und die Lebensmittelzufuhr, sowie jeden Aufstandsversuch durch kommuni­stische Propaganda zu verhindern.

Herr im Haus.

Die große Reform des Städtetages. (Privat-Telegramm.)

Saarbrücken^ 24. Juni.

Der Vorstand des Deutschen Stadtetages IM die Beratungen über den Entwurf einer Reichs­städteordnung zum Abschluß gebracht. Der Ent­wurf bezweckt eine reichsgesetzliche Regelung deS städtischen Bersassungsrechts. Er bringt zum AuÄiruck, daß die Städte daS Recht haben sol­len, alle dem Gemeinwohl dienenden Aufgaben in den Bereich ihrer Tätigkeit zu ziehen, daß die städtische Verwaltung ihrem Wesen nach Selbstverwaltung sein muß, das heißt, daß die Städte nach selbständigem Ermessen und unter eigener Verantwortung ihre Ausgaben erfüllen, ungehemmt durch Weisungen der Staatsbe- Hörde. Ferner wird die Einkörperverfaffung gutgeheitzen, bei der unter dem Vorsitz des Bür­germeisters nur eine Bertretungskörpersckmft zur Beschlußfassung berufen ist. Auch der Vorstand des Preußischen Städtetages hat in Saarbrük- ken die gleiche Bersaffungsreform beschlossen.

Der Zoll als Zankapfel.

Vorschau auf den heutigen Reichstag.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 24. Juni.

Zu der heutigen Lesung der Zollvorlage im Reichstag weiß ein Berliner Blatt mitzutei- lne, daß der Plan einer gemeinsamen Erklärung Ser Regierungsparteien an dem Wider spruch der Zentrumsfraktion gescheitert sei. Letztere werde einen eigenen Redner vorschicken. Buch die Deutschnationalen würden gesondert Stellung zur Zollvorloge nehmen. Von den So­zialisten wird Abg. Wissel daS Wort ergreifen. Ob es gelingen wird, laut Beschluß des Aelte- stenrats die Zollvorlage biS zum 18 Juli zu verwirklichen, wird angesichts der heftigen Links- opposition für sehr fraglich gehalten.

Zkdem das Seine.

Erwerbslose und Kleinpächter im Reichstag.

Die Rot im besetzten Gebiet. Ein abge­lehnter Gesetzentmnrs. Pächter «nb Par­teien. Verlängerung der Pachtschntzord-

«nng biä 1. Oktober 1927.

Berlin, 24. Juni.

Bei der ersten Beratung des deutsch-schwedi­schen und des deutsch-finnischen Schiedsgerichts­und Vergleichsvertrays bemängelt Abg. Dr. Breitscheid (So;.), daß im Vertrag mit Schweden zwar die Ratifikation durch den schwe­dischen Reichstag aber nicht durch den deutschen Reichstag vorgesehen sei. Im Ausschuß müsse versucht werden, diese Lücke auszufüllen. Die Vorlage wird an den Auswärtigen Ausschuß verwiesen Es folgte die zweite Beratung des sozialdem Gesetzentwurfs zur Verlängerung der Tauer der Erwerbslosenunterstützung im besetzten Gebiete. Der Ausschuß für soziale Angelegenheiten beantragt eine Entschließung, worin die Regierung ersucht wird, ihrerseits die Erwerbslosenfürsorge im besetzten Gebiet fort» zusetzen, insbesondere die Taner der Unter­stützung über 26 Wochen hinaus

bis auf ein Jahr zu verlängern.

Mit einer bloßen Entschließung sei nichts ge­schehen. Die Versprechungen der Regierung ver dienen kein Vertrauen. Deshalb verlange die sozialdemokratische Partei eine gesetzliche Rege­lung. Abg. Esser (Ztr.): Seit dem 10. April haben sich die Verhältnisse im" besetzten Gebiet schon wesentlich gebessert. Der Gewerkschafts­vertreter Meyer, der jetzt bei der Jahrtausend- feier in Köln durch die Verleihung des Doktor­grades ausgezeichnet wurde, hat den neuen Maß­nahmen zur Fürsorge für die Arbeitslosen im besetzten Gebiet zugestimmt. kHört! hört! Zwischenrufe bei den Soz.). Für die Verlänge­rung der Erwerbslosenunterstützung bis zu 1 Jahr sind Verfügungen ergangen. In nament­licher Abstimmung wird der Ausschußantrag, den Sozialgcsetzentwurf abzulehnen, mit 199 ge­gen 158 Stimmen angenommen Ter Antrag der Kommunisten wird abgelehnt. Die Ent­schließung des Ausschusses wird mit großer Mehrheit angenommen. Es folgt die zweite Beratung der Gesetzentwürfe, die die Pacht­schutzordnung vom 9. 6. 1920 in verschiedenen Punkten abändern wollen, um den

Schutz der kleinen Pächter

zu stärken. In der Aussprache tritt Mg. David (So;.) für dauernden Pachtschutz ein, Abg. Wilkens (Ztr.) für Verlängerung bis 1927, ebenso Abg. Westermann (D. Vpt.), Abg. H e r b ert (Bayer. Vpt.) undd Abg. Rön- neburg (Dem.), wahrend Abg. Domsck-- Dresden (Ditl.) für baldige Aufhebung eintritt. In namentlicher Abstimmung wird der Aus-- schußantrag mit 219 gegen 147 Stimmen ab ge­lehnt. Der Aalsschutzantrag auf Verlängerung bis 30. 9.1927 wird angenommen. Ein Antrag Rönneberg (Dem.), die Bestimmung in der gel­tenden Pachtschutzordnung zu streichen, wonach die seit 1. März 1921 abgeschlossenen Verträge nicht darunter fallen, wird in namentlicher Ab­stimmung mit 185 gegen 180 Stimmen geneh­migt. Angenommen wird ferner ein Zentrnms- antraa: Pachtverträge, auf die nach der bisheri­gen Gesetzgebung die Pachtschutzordnung keine Anwendung gesunden hat, werden hierdurch nicht berührt. In erster Beratung wird die zweite Ergänzung zum Haushalt des Reichswehnnini- steriums für 1925 ohne Debatte an den Haus- haltsausschuß zur Bearbeitung überwiesen.

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(Steuernotherorßnung dick 15. 5uM.

Beilin, 24. Juni. (Privgttelegramm). Im Reichstag ist ein Antrag der vier bürgerlichen Parteien eingegangen, die Geltungsdauer der 3. Steuernotverordnung aus Gründen der Not­wendigkeit bis zum 15. Juli 1925 zu verlängern.

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RefkSSkagSschluß am 18. 3u!L

Berlin, 24. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Der Aeltestenrat des Reichstages beschloß, nach dem in Aussicht genommenen Geschäftsplän bis zum 18. Juli sortzutagen und auch biS dahin die Zollvorlage zu verabschie­den. In dieser Zeit soll nur eine kurze Pause vom 29. Juni bis zum 1. Juli eingelegt werden.

Sine darbe MMiarSe für Wohnungen

Sechshunderttausend Familien wohnungslos.

Berlin, 24. Juni.

Im Wohnungsausschuß des Reichstags teilte Reichsarbeitsminister Dr. Brauns u. a. mit, der Reinzuwachs an Wohnungen habe 1922 146 615 betragen. Im Jabre 1923 sei er dann infolge der Inflation auf 119 833 zurückgegan­gen. Für 1924 stehe das Ergebnis noch nicht