9tr. 140. — 15. Jahrgang.
Kasseler Neueste Nachricht««
ssrettag, 15. Ami 1555. ”5
Die tote Stadt Kassel
An unsere Leser!
Unveränderte Fortdauer des Streiks der städtischen Arbeiter.
beteuern.
blct sein. M« kennen -en Turf auS dem FF. Zum
mit Recht darüber, daß der Feindbund den Krieg gegen die unschuldige Zivilbevölkerung führte. Wo sind die Grenzen zwisch-m beiden Kriegszuständen?
Betriebseinstellungen.
Infolge Strommangelgefahr haben heute verschiedene industrielle Betriebe geschlossen. Die Arbeiter mußten an verschlossener Tür kehrt machen. Die Schließung erfolgt aus Veranlassung des Elektrizitätswerks.
Durch den Streik der städtischen Arbeiter sind auch für die Kasseler Zeitungen Schwierigkeiten inbezug auf die technische Herstellung entstanden. Nach Lage der Sache erscheint es noch nicht gewiß, ob unser Blatt am morgigen Freitag erscheinen kann. Unseren Lesern machen wir die vorstehende Miiteilung, damit sie im Falle des Ausbleibens über die Gründe unterrichtet sind.
Die Wetterlage.
Der Frankfurter Wetterdienst meldet: Das Vordringen kälterer Luftmassen aus Nordwesten hat in der vergangenen Nacht auch unserem Gebiet stärkere Abkühlung gebracht. Da die Wetterlage gegenüber den Vortagen nur wenig verändert ist, wird auch morgen das Vordringen kühler ozeanischer Luftströmungen zum Auftreten von Bewölkung führen. Ein neues bemer- eknswertes Ansteigen der Temperaturen steht nicht bevor. Vorhersage bis Freitag abend: Zeitweise wolkig, meist trocken, Temperatur wenig verändert, nordwestliche Winbe.
„Wechsel"- und Wettgeschlchlchen.
„Wechsrl"-Gauner. — Totsichere Tipps.
Von einem Gaunerpaar wurde dieser Tage berichtet, das sich vom Hundertmarksche'nwech- scln ernährt und siehe da . . . die beiden Kavaliere hatten schon einheimische Vorgänger, nur bescheidenere, die mit Zwanzig- und Zehnmarkscheinen .arbeiteten*. Eine Anzahl Geschäfte erinnerten sich, daß auch sie geprellt worven sind, und machten Meldung bei der Kriminalpolizei.
Bei der Schilderung dieser Persönlichkei- len erinnerte sich die heilige Hermandad an zwei ihr bekannte Leute, einen Friseur und einen sogenannten Händler und lud sie zu einer .Besprechung* ein. Zur selben Stunde waren auch die Geschädigten zum großen Haus am Königs- tor geladen worden und ... alle kanrtten die Beiden wieder, so sehr diese auch abstritten, mit aller Bestimmtheit!
Von der .Besprechung* gingen sie nicht wieder heim, denn man wies ihnen vergitterte Gastzimmer an und machte sie heute mit dem Untersuchungsrichter bekannt, der sich schon deshalb außerordentlich für die Herrschaften imerefsiert, weil von der 1200 Jahrfeier von Fritzlar Berichte gekommen sind über ähnliche .Wechsel*- Geschäfte und wenn die Fritzlarer, die bei ihrer Feier von diesen Gästen geprellt sind, dem Zimmer 33 im Kasseler Polizeipräsidium schriftlich (sie brauchen gar nicht selbst zu kommen) Mitteilung machen, dann wird es sich sehr rasch ausweisen, ob die gegenwärtigen Gäste der Justitia auch hier so unschuldsvoll sind, wie sie es
Marsch auf Veking.
Tschangtsolin will die Ausländer schützen. ' (Eigene Drahtmeldung.) '
Bei der Herkulesbahn ruht der Personenverkehr vollkommen. Nur dec Güterverkehr findet statt und auch die Kchlen- transporte werden von den Streiendcn überwacht. weil sie lediglich Beförderung von Bäcke- rciohle zugestanden haben. Sollte andere Kohlabbefördert werden, wollen sie auch für die Her- ulcsbahn den Strom sperren.
* * *
Hilfsautoverkehr.
Dem Büraerbund ist es gelungen, für die Zeit der Stillegung der Straßenbahn folgende Autobuslinien einzurichten:
1. Köniqsplatz-Wilhelmshöhe (Betriebsbahnhof) und zurück. Abfahrt Königsplatz von 7.30 Uhr vorm. jede halbe Stunde. Abfahrt Betr.- Bahnhos WilhelMshöhc ab 8 Uhr vormittags, jede halbe Stunde.
2. Bettenhausen, Altmarkt, Hedwigstraßc, Hauptbahnhof und zurück. Abfahrt Bettenhau- sen 7.30 Uhr vormittags jede volle Stunde. Abfahrt Hauptbahnhos ab 8 Uhr vormittags jede volle Stunde.
3. Königsplatz, Köln.-Straße, Hohenzollern- Straste. Hindenburgplaü und zurück. Abfahrt Königsplatz ab 730 Uhr vorm. alle zwanzig Minuten, Abfahrt Hindenburgplatz ab 7.50 Uhr vormittags alle 20 Minuten.
Preis bis zu 6 Teilstrecken der Elektrischen Straßcnbahn.30 Pffl., über fcch s Teilstrecken 50 Pfg., Die Wagen halten an sämtlichen Haltestellen der Elektrischen Straßenbahn.
Mit Rücksicht ans Arbeite,, Angestellte und Beamte sollte dieser Hilfsdienst schon gegen 7 Uhr mit seinen Dienst beginnen, der in diesem Falle auch rentabler wäre als in den rührigen Vor- und Nachmittagsstunden.
Der Wiener Skandaiprozeß.
Regicrungshäupter als Zeugen.
(Eigene Drahtmeldung.)
Wien, 18. Juni.
Am elften Verhandlungstage im Wöüersdor. fer Strafprozeß beantragte der Verteidiger die Vorladung des Bundeskanzlers Dr. Ramek und des früheren Bundeskanzlers Dr. Seipel, die sich zu verschiedenen Beschuldigungen äußern sollen. Dr. Seipel soll über alle Einzelheiten der Wöllersdorfschen Geschäftsführung tatsächlich genau unterrichtet gewesen sein. Ein Wiener Blatt stellt fest, daß in dem Sensatiottspro- zeß neben den Angeklagten auch die österreichische Regierung eine traurige Rolle spiele.
Letzte Deveschen.
Kredite für den Landwirt.
Dr. Schacht über die Rentenbankkreditanstalt. (Eigene Drahtmeldung.)
Berlin, 18. Juni.
Im volkswirtschaftlichen Ausschuß sprach sich Reichsbankpräsident Dr. Schacht für die schleunige Erledigung der Vorlage und Gründung der Rentenbank-Kreditanstalt aus. Dr, Schacht bejahte die Frage, ob die geplante Rentenbankkreditanstalt die 'Möglichkeit biete, der Landwirtschaft Kredite zuzuführen. Dem Standpunkt der Reichsbank habe er gewisse Bedenken gegen die Gewährung von Personalkredit. Realkredite aus dem Ausland zu beschaffen, werde die Rentenbank - Kreditanstalt viel leichter imstande sein, als irgendein anderes Institut. Sobald sich das zu gründende Institut auf den Realkredit beschränke, sei cs einerlei, ob cs 500 oder 750 Millionen Grundkapital habe. Tie Rentenbankkreditanstalt, deren Mittel aus der Landwirtschaft aufgebracht werden, und die lediglich der Landwirtschaft dienen solle, müsse in erster Linie von den Kreisen der Landwirtschaft verwaltet und geführt werden. Es wäre das schlimmste, wenn Männer darin säßen, die parteipolitisch eingestellt, von ihren Regierungen abhängig und an Aitfträge gebunden sind. DaS Reich müsse ein gewisses Aufsichtsrecht und Kontrollrecht haben über die Dinge, die im Gesetz niedergelegt sind, aber in der Geschäftsführung selbst müsse das Institut völlig freie Hand haben. Bei der Gewährung der Personalkredite llädiere er für möglichst kurze Frist, etwa bis 1928. Bankpräsident L a u e rt kommt zu dem Schluß, es sei notwendig, so schnell als möglich für die Landwirtschaft ein Personal- und Real- kreditinftitut ,u schaffen und auch Auslands- krcdit zu beschaffen. Es sei Gefahr im Verzüge. Das Eigenkapital müsse so hoch wie möglich gegriffen werden und sollte unter Umständen bei 509 Millionen nicht stehen bleiben. Geheimrat Eichhorn fordert eine Ermäßigung des Zinsfußes und eine Verlängerung des Personal- kredits. Eine Zinscrmäßigung um 1—2 Prozent würde schon wertvoll sein.
Reeakuo> vertun« «treroi =anu Ko,t> tieranauurti ib ’nr t>eu ooiiflüben Teil Strif Rau 'ür dei> lo*ale und Heimaffei! Rndol'Henneman n tftr hen unter waltenden Teil German Vonau ^nteiaentetl Ver antwortlich «onrak> Wachs wann. Druck uns Berlaa Staffelei Neueste Nachrichten «Ferdinand Kochi Kassel,
Antwort auf die Eingabe Pfarrer Schafft-: 1. eine agendarische Bindung im Aufbau des Hauptgottesdienstes ist unbedingt erforderlich. — 2. In der Auswahl der liturgischen Stücke im Sinne der Bereicherung und Verinnerlichung besteht Bewraungsfreiheit. soweit dadurch inhaltlich kein Widerspruch zu den agendariswi-n Formularen, hervoraerufcu wird. —?, Bei aller Achtung vor dem persönlichen Ringen des Pfarrers um die innere Erfassung der liturgischen Formen muß der Landeskirchentag daran fcsthalten, daß die historisch gewordenen Formen des kirchlichen Lebens eingebaltcn werden. — Im Anschluß daran wurde die Kirchcnregierung beauftragt, die liturgischen Erkenntnisse der Zeit ,ur die Agende fruchtbar zu machen und ein toeiteres Varallelformular für die Konfirmation lohne Gelübde) zu schaffen. — Es wurde abgc- lchnt, einen besonderen Ausschuß zur Pflege der evangelischen Interessen lz. B. in der Mische- bcnkraae) zu bilden, da diese Pflege besondere Aufgabe der K irckenregierung sei. — Die neuen Richtlinien für den evangelischen Religionsunterricht in den höheren Schulen wurden von den Abg. Teutcr und Hoffmann ablehnend, von dem Abg. Haßcnpfli'g günstig beurteilt. Landesober- Pfarrer D. Möller fegt dar, wie ft.1i die Kirchea- regiet ungen der preußischen Landeskirchen einmütig an den Minister gewandt und Abänderung d-r Bestimungen gefordert haben. Die Mchc- beit nahm eine Entschließung an, in der sie fordert, daß den Bedenken gegen die Richtlinien Rechnung getragen werde. — Darauf wurde noch beschlossen, daß die Kreiskirchentaac berechtigt sein sollen, von den Kirchengemeiudrn zur Deckung ihrer Bedürfnisse Umlagen zu erheben
Schmückt das Haus mit Biurneu.
Auf Ballonen und Fensterbrettern.
Die Vorstände des Gartenbauvereins, des Berkehrsvereins und dos Vcrscköncrungsvcr- eius übermitteln uns folgenden Aufruf an die Bürgerschaft: Kassel war früher eine blumenreiche Stadt. Heute sind infolge der leidigen wirtschaftlichen Verhältnisse die Blumen innerhalb des Stadtbildes fast selten geworden. Sollte es nicht doch möglich sein, der Stadt wieder ein blütenreichrrs Grwaud zu geben? Viel wäre schon gewonnen, wenn die zahlreichen Balkone Wieder Blumenschmuck zeigten. G"w:.tz wird man aus Sparsamkeitsrücksichten nicht so bald wieder so herrliche VorbaubcHlanzungcn scheu wie in der Vorkriegszeit. Es wird noch etwas dauern, bis wieder Balkonwettbewcrbe veranstaltet wcr- 4>eu können. — Wir bitten unsere Mitbürger, versucht es doch einmal, ob es nicht möglich ist, wenigstens bescheidenen Blumenschmuck aus Ballonen oder Fensterbrettern anzubringen. In anderen Städten ist man bereits rüstig an der Arbeit. Wollen wir in Kassel zurückstehen?
Wer sich selbst und anderen rechte Freude an seinen Balkonpflanzen verschaffen will, der muß Bescheid wissen, wie man die Pflanzen zu pflegen hat, welcher Art die Gefäße sein müssen. Es >st nicht einerlei, welche Pflanzen man kultiviert. Man muß sich bei der Auswahl nach der Lage der Fensterbretter und Balkone richten. In den einschlägigen Geschäften wird auf diese Fragen gewünschte Auskunft erteilt.
Der Gartenbauverin hat dafür Sorge getragen, daß in den Blumenacschäften zu billigen Preisen eine kleine Broschüre zu haben ist, die über alle Fragen der Balkonpflanzen klare Auskunft gibt. Wir bitten unsere Mitbürger, nach Kräften mitzuhelfen, daß Kassel wieder eine blumenreiche Stadt wird!
D e sparende Reichsbahn.
Eine Protcstversammlung bei Kerzenschein.
Die Reichsgewerkschaft Deutscher Eisenbahn- bemnten und Anwärter. Ortsgruppe Kassel und ter Deutsche Eisenbahnerverband, Ortsverwaltung Kassel und Umgegend hatten gemeinsam zu einer großen öffentlichen Kundgebung mit der Tagesordnung „Erneute Gewaltmaßnahmen der deutschen Reichsbahn A. G.* einberusen. Der große Stadtparksaal- mit Kerzenbeleuchtung — ist bis auf den letzten Platz besetzt. Mit reichliche' Ve-^pätung wird die Kunigebuug durch den Versammlungsleiter Schrader vom D. E. V. eröffnet. Derselbe brachte zunächst einen Brief des Direktionspräsidenten und der Industrie- und Handelskammer zur Verlesung, wonach beide der Einladung keine Folge leisten könnten. Bezirksletter H o f a ck e r vom D. E. V beschäftigte sich dann mit dem Abbau und mit den einschneidenden Maßnahmen, die von Berlin diktiert und angeordnet würden. Redner sagt dann, daß die Reichsbahnbeamten und Arbeiter Ausnahmegesetzen ausgesetzt seien, und daß der Abbau heute noch mit einer Willkür vorgenommen würde, der jedes menschliche Mitgefühl und soziale Empfinden vermissen lasse. Beamte, die 40 Jahre im Dienste der Eisenbahn gestanden hätten und keine Invaliden im Sinne des Gesetzes wären, würden entlassen und säßen brotlos auf der Straße, Pension bekämen ne keine!!! Die Sparmaßnahmen der Reichs- bahngesellschaft würden an den ärmsten der Armen oorgenommen. Selbst Schwer-Kriegs- beschädigte die in der Privatiudustrie überall vor Entlassung geschützt seien, würden bei der Reichsbabngesellschaft abgebaut. Wetter spricht Redner über 16-Stunden Dienstzeit, Beobachtungen mit der Stoppuhr in den Werkstätten und kritisiert dann das Gedingeverfahren. Das Reichseisenbahngesetz bezeichnet er als Kaut- schukgefetz. Eine Verfügung jage die andere. Eine gewaltige
Konkurrenz der Eisenbahn stellen die Güterbeförderungsautolinien dar, die überall entstanden sind und viel billiger erpidie- rcn, als die Reichsbahn. Anstatt diesen Vorgängen größere Obacht zu schenken nehme man (leinliche Sparmaßnahmen vor, die letzten Endes als Schikane aufgefaßt werden müßten. So besage eine neue Verfiigung, daß man den
Lokalnachrlchlen vom Tage.
Jubiläum der Arbeit. Hugo Mohr, Der- sicherungsbeamter der Generalagentur Kassel der Magdeburger Feuerversicherungs - Gesellschaft konnte gestern auf eine fünfundzwanzigjährige Tätigkeit zurückblicken. Dem Jubilar wurden von der Geschäftsleitung und den Kollegen ehrende Geschenke überreicht
Obstgarten Wilhelmshöhe als Waldschule Wie das städtische Nachrichtenamt mitteilt, stehen die Verhandlungen mit dem Ministerium über die Pachtung des Obnaarter^ Wilhelmshöhe zum Zweck einer Waldschule vor dem Abschluß.
-^Rettungsdienst auf der Fulda. Die Stadt beabsichtigt, gemeinsam mit der Lebensrettungs- gesellschaft einen Rettungsdienst auf der Fuloa zu organisieren.
-4 - Radfahrer auf dem Fuldadmmn. Wegen Einschränkung des Fahrradverkehrs auf dem Fuldadamm während der Badezeit wird der Magistrat, wie uns mitgeteilt wird, mit dem Polizeipräsidenten in Verbindung treten.
Regelung des Kraftfahrerverkehrs. Bezüglich der Regelung des Autoverkehrs hat der Magistrat einer Eingabe an den Polizeipräsidenten zugestimmt.
-4 - Neues Leben im „Koburger". Joseph Mal« kums, langjähriger Oekonom der ehcmaliaen Kriegsschule zu Kassel, wird am 1. Juli das Restaurant im Hause des Herrn Heinrich Fatzhaner obere Königsstcaße 9 (gegenüber dem Rathause) unter dem Namen: „Zum Schöfferhoj* neu eröffnen.
-r- Veranstaltungen am Freitag. Staatstheater: „Die lustigen Weiber von Windsor*. V/i Uhr — Kleines Theater: „Tas Kind*, 8 Uhr. — Metropol: „Razzia*.
-r- Die Amerikafänger in Kassel. Der Brock- Ümer Sängerbund wird in Stärke von über 100 Mitgliedren am 28. Juni nachmittags in Kassel eintreffen und von Kasseler Sangesbrüdern am Bahnhof begrüßt werden. Abends findet im tSadtpark eine Zusammenkunft statt: am folgenden Tage werden die Wilhelmshöber Anlagen besichtigt. Auf Antrag bat die Krongutsverwaltung ausnahmsweise genehmigt, daß am Montag vormittag die Wasser springen.
Der Magistrat, der gestern seinen Vcrständ- niswillen bekundete, tagt auch heute morgen wilder und die Bürgerschaft steht auf der Straße und weiß nicht, wie sie größere Strecke bewältigen soll Ein Tropfen auf einen heißen Stein ist die Einführung von Autobuslinien, die selbstredend keinen Ersatz darstcllen können Das Licht brannte gestern in einzelnen Vierteln ganz, wenn auch mit Schwankungen, in anderen Vierteln setzte es stundenlang aus ... in den Höfen häuft sich der Müll. Einzelne Hausbesitzer haben schon selbst für Abfuhr Sorge getragen Dazu kornrni eineBeunruhigung der Bürgerschaft durch Leute, die in den Häusern erscheinen und die falsche Parole ausgeben, zu bestimmter Stunde würde das Wasser abgestellt.... die Polizei hat alle ihr unterstehenden Beine in Bewegung gesetzt, um solche Elemente zu ergreifen, deren Tätigkeit unter den groben Unfug- Paragraphen fällt.
Wie gesagt ... Kassel ist eine tote Stadt geworden. Apathisch läßt man über sich ergehen, was da vor sich geht. Der Widersprüche sind Legionen. Nirgendwo erblickt man eine „zuständige Stelle*. Gestern abend gingen angebliche Abgesandte des Elektrizitätswerks durch die Kaffees und dergleichen Betriebe und forderten Einstellung des Lichts und bann Einschränkung auf ein Mindestmaß. Das geschah dann auch. Die Kaffeehäuser hatten Licht, wie selbst in den kritischsten Zeiten nicht!
Die Streikenden, die hier eine Lichtersparnis diktieren, berufen sich daraus, daß sie die Not- hilfebestimmungen durchführen. Während aber die Technische Nothilfe die Zeitungen als lebenswichtige Betriebe anerkennt, hält die Streikleitung sich nicht an diese im Ministerium des Innern festgelegte Bestimmung.
Und das Bild der Straßen ... es wird immer trostloser. Der Ständcplatz, auf dem kleiner Markt war, glich nritags dem Königsplatz, auf dessen Dienstagresten heute früh der Don« nerstagmarkt neu aufbaute. Dunkelheit und Schmutz sind beute das charakteristische Merkmal der Stadt Kassel, die bekanntlich eine Frcmden- stadt fein ober wenigstens werden möchte.
Allerlei verdächtigen Elementen begegnet der nächtliche Wanderer in den verfinsterten Straßen und schon'meldet heute der Polizeibcricht einen Einsteigediebstahl, der zweifellos durch die Lage in der „Stadt im Dunkeln* begünstigt wurde.
Aller Augen warten heute auf die Entscheidung in Frankfurt. Es muß gefordert werden, daß sich die beiden Parteien dieser unterwerfen, damit die „Bestrafung* der friedlichen Einwohner aufhört...
Im Kriege beschwerten wir uns bekanntlich fahren in sich. Schließlich behauptete der Redner, die Bestrebungen der Hauvtverwaltting gingen dahin, daß sich der Betrieb nickt rentiere, die Reparationskosten nicht mehr bezahlt werden könnten und die Reichsbahn dann schließlich in Privatbesitz übergehen torübc. Folgende Entschließung kommt dann einstimmig zur Annahme: Die im großen Saale des Stadtparks tagende stark besuchte öffentliche Versammlung der Beamten und Arbeiter der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft stellt sich auf den Boden der Ausführungen der Referenten. Die Außerkraftsetzung des Absatz 4 des § 84 des Bctriebs- rätegesetzes für die Arbeiter der Reichsbahn, der gesetzliche Schutz der Schwerbeschädigten, sowie die Stellung der sog. Reichsbahnbeamten außerhalb des Reichsbeamtengesetzes, ist für die Reichsbahnbediensteten nicht mehr tragbar. Die Versammlung protestiert entschieden gegen diese, an Ausnahme-Zustände erinnerenben Verhältnisse und verlangt vom deutschen Reichstag Wiedergutmachung und gleichmäßige Behandlung mit den übrigen Reichs- und Staatsbürgern. In Erkentnis dessen, daß der sich in brutalster Form äußernde Abbau nicht zur Sanierung der Reichsbahn führt, verlangt die Versammlung die Uebernahme der Lasten des Ruhr- kampfes und der Wartegelder und der Soziallasten auf das Reick. In feinem Schlußwort warnte der Versammlungsleiter, den Bogen nicht zu Überspannen, sonst könnte der Pfeil einen Weg nehmen, den man nicht gewollt hätte. An Entrecktung seien schon -andere Kulturstaaten zu Grunde gegangen; man brauche nur an Griechenland und Rom zu denken. rl.
Streik auch in Fulda.
Nach dem Kasseler Vorbild sind gestern in Fulda die städtischen Arbeiter wegen Lohndissc- renzen in den Streik getreten. Es sind Verhandlungen im Gang, um den Streif betzulegen. Das städtische Gaswerk ist stillgelegt.
angeblichen Freundesbestand gehört ein französischer Trainer, der totficbere Tipps gibt und auf diese vermittln sie Wetten, ohne allerdings den Wcttschein an die Auftraggeber auszuliefern. Klappt der tatsichere Tipp, so geben sie den Einsatz zurück unb- bedauern, nickt zur Abgabe der Wette beim konzessionierten Buchmacher gekommen zu sein ... sie selbst aber haben den Gewinn in der Tasche. Ist ein Kenner da, der „aus dem Schein* besteht, so fordern sie für den totsicheren Tipp einen Betrag von 5 Mark . .. so haben sie ihren Einsatz umsonst.
Es soll eine ganze Anzahl schon ein Jahr zurückliegender Fälle geben, die aber nicht zur Anzeige gekommen sind, weil bei bett meisten ber Geschädigten die unzutreffende Annahme herrscht. sie hätten sich strafbar gemacht. Bet Meldung an der erwähnten Stelle wird sich die interessante Turfgeschichte. rasche Verbindung mit Nachrichten guelle über die französischen Rennen müssen die Herrschaften haben, noch mehr abrunden als bisher.
Wünschen des Publtkums zu weit entgegen komme, die Sonntazsfahrkarten solle man in Geschäften der Stadt zum eVrkaus bringen u. a. Bezirksleiter Barheine von der Reicksgewerk- sckaft erklärt, es sei unter keinen Umständen möglich, daß lediglich von der Reichsbahn die gefamten Reparationskosten getragen würben. Die Lasten müßten von ber Allgemeinheit getragen werden. In ber Personalverorbnung feien wohl die Pflichten verankert, nicht aber ... ..
b?e Rechte. Die Ueberlastung her Beamten mit Sie sollen auch Meister aus „sporüichem* Ge- Dienst, wie sie vorgesehen sei, trage schwer« Ge-l" 7 " . " ' "* __ 7
Paris, 18. Juni.
Eine Meldung aus Peking besagt, daß Tschangtsolin an der Spitze einer Armee von 13 000 Mann nach Peking marschiere, um die Stabt zu besetzen. Seine Truppen seien gestern östlich von Feng Tschae angekommen. Er habe angekündigt, sein Ziel sei, die Truppen Feng Uu Nsiangs durch seine Truppen zu ersetzen, um die Ausländer zu beschützen.
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Entwaffnung der lyUnnan-Armee.
Paris, 18. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Havas meldet aus Kanton: Die Behörden haben nach ihrem Siege über die Sölnertruppen von N ü n n a n diese in ber Zahl von vierzigtausenb entwaffnet, aufgelöst unb auseinandergetrieben.
Adv ei Krim bittet um Frieden?
Paris, 18. Juni. (Privatttlearamm.) Wie aus London berichtet wirb, habe Abb el Krim um die Intervention Englanbs unb Italiens nach- gesucht, um zu einer Regelung bezüglich des Friedensschlusses mit Frankreich und Spanien zu kommen. Großbritannien habe ab- ,W<>bnt. fiff, in hen Streit mimischen.