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Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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9ltlW ";ct 138. Einzelnummer U) Ps., Sonntags 15 Pf.

Mittwoch, 17. Juni 1925.

Einzelnummer 10 Ps.. Sonntags 15 Pf. 15.

Englands Kampf in Edina.

Lhlna den Ehinefen.

WaS im Reich der Mitte vorgeht.

Die deutsche Regierung steht der Lage in China einstweilen völlig uninteressiert gegenü er und Hai daher kein Jntereffe daran, die alliierte Propaganda zu sördern, die darauf gerichtet ist, der chinesischen Bewegung bolsche­wistischen Charakter zuzusprechen. Da sich die deutschen Staatsangehörigen vollkommen neutral verhalten und im Gegensatz zu den an­deren Europäern sich den bewaffneten Kämpfen fernhalten, ist bis jetzt kein Deutscher von den chinesischen Aufständischen irgendwie be­lästigt worden. Um zusammenhängend ein kla­res Bild über die wirkliche Lage in China zu er­möglichen, muß man vor allen Dingen den rein nationalen und sozialen Charakter der chinesischen Bewegung berücksichtigen. Ein vollkommener Fehler ist es, die Behauptung aufzustellen, als sei der Bolschewismus in Chi­na ausgebrochen, um mit Hilse Rußlands die Großmächte aus China zu verdrängen. Der eigentliche Anlaß der Bewegung war zunächst ein Streik in den japanischen Spinnereien in Schanghai. Diese japanischen Unternehmungen beruhen aus einem außerordentlich raffinierten Ausbeutungsprinzip, sodaß die Japa­ner auf chinesischem Boden ungeheure Gewinne etnheimsen, während die soziale Lage der in ihren Betrieben beschäftigten Chinesen geradezu entsetzlich ist. Die glänzende Rentabilität der japanischen Unternehmungen in China ermögli­chen zum Teil Dividenden in Höhe vop 125 Prozent, was in Japan selbst überhaupt nicht Vorkommt.

In den englisch japanischen Fabri­ken sind lausende und abertausende von Chine- Sn, Männer und Frauen, gegen ganz geringe ezahlung angestellt, die täglich zwölf bis vier­zehn Stunden und mehr in hartem Frondienst arbeiten müssen und ihre Schlafstelle meist in den Fabriken selbst haben. Nur alle 14 Tage wird den Acrmsten ein Ruhetag gewährt. Ge­radezu himmelschreiend aber ist die Art und Weise, wie die Kinder ausgenutzt wer­den. Mehr als zweiundzwanzigtausend Kna­ben und Mädchen müssen die schwerste Arbeit verrichten, ohne daß sie eine Erholung haben oder die Schule besuchen können. Mehrfach ist es vorgekommen, daß Kinder vor Müdigkeit vor den Maschinen umgesunken sind und in ihrem Räderwerk einen fürchterlichen Tod erlitten ha­ben. Seitens der Stadtverwaltung geschieht im Interesse der Kinder nichts. Bor kurzem wurde zwar ein Antrag gestellt, daß die Beschäftigung von Kindern unter zehn Jahren verboten sei, aber nach wenigen Wochen erschienen, durch Hunger getrieben, Knaben und Mädchen wieder an der ArbeiMelle, die ganze Bewegung verlies im Sande. Wo die sämtlichen Industriellen Fremde sind,glimmt der Haß gegen diese weiter und ersaßt schon die K i n d e r s e e l e n. Rur so ist es zu verstehen, wenn wir in den letzten Togen mehrfach gelesen haben, daß nicht nur Männer und Frauen, sondern vor allem auch Kinder namhafte Summen an die Streikkasse in Schanghai eingesandt haben. Wenn auch der chinesische Arbeiter nicht große andere Interessen hat und zufrieden ist, wenn er Arbeit und Ruhe hat, so ist er doch ein scharfer Beobachter des weißen Mannes Ihm ist es nicht entgan­gen, daß gerade in den letzten Jahren die An­gehörigen der einzelnen europäischen Staaten häufig gegeneinander gearbeitet haben, vor allem haben die Chinesen es nicht verstehen kön­nen. daß die Ententestaaten nach dem Versailler Friedensverttage in so rigoroser Weise gegen die Deutschen vorgegangen sind und mitgeholsen haben, diese aus dem Lande zu ver­treiben. Das Ansehen des weißen Mannes Hai dadurch in China stark geliten.

Gefährlichen Charakter nahm die Bewegung erst dann an, als gelegentlich der Arbeiterdemon- strationen in Schanghai von europäischer und ja­panischer Seite ganz unnütze« Blutver- Ließen hervorgerusen wurde. Die sonst so friedlichen chinesischen Demonstrationen, die nie­mals zu ernsthaften Zwischenfällen geführt hat­ten, arteten allerdings in dem Augenblick ernst­haft aus, nachdem die Fremdenschutzpolizei in die dichtgedrängten Menschenmassen der Demon­stranten hineingeichossen und über siebzig Chine­sen getötet hat. Diese Grausamkeit ries in ganz China ungeheure Erregung hervor, zu­mal sich die chinesische Oefsentlichkeit die Tat­sache vor Augen führte, daß auf chinesischem Bo­den chinesische Volksgenossen von Ausländern erschossen worden waren. Nunmehr richtet sich der ganze Haß gegen die großen Vertragsmäch- te, die auf chinesischem Boden ausgedehnte Vor­rechte in Anspruch nehmen. Die Lage Chinas er­scheint verständlich, wenn man bedenkt, welche Vorrechte die Ausländer genießen, während

das chinesische Volk durch fremde Truppen in Schach gehalten wird. Djx Forderungen der na­tionalistischen chinesischen Kreise gehen dahin, die Privilegien der Großmächte abzuschassen. handelt sich also wohl in erster Linie um eine bolschewistische Bewegung, obwohl Ruß­land und China sehr enge freundschaftliche Beziehungen unterhalten. Bei all diesen Kämp­fen zwischen dem nationalen China und den so- genannteii Verlragsmachten befindet sich Deutsch­land in der höchst angenehmen Lage des völlig ilnbeteiligten. Im Versailler Vertrag war Deutschland gezwungen worden, aus seine Rechte in Cbina zu verzichten, und China selbst ist fein Kontrahent des Versailler Vertrages. Wir haben nun im Jahre 1921 einen Sonderver­trag mit China abgeschlossen, wonach wir freiwillig auf alle den anderen Ländern zuste- üende Vorrechte verzichten. Dadurch wird Deutschland nicht in die Lage fommen, in den chinesischen Konflikt verwickelt zu werden. Aus diesen Gründen hat bei uns auch niemand ein Interesse daran, die Absichten der fremden Ver- tragsmächte zu unterstützcit oder der antichinesi- fchen Propaganda Nahrung zu geben. Deutsch­land denkt nicht daran, feine Neutralität preis- ugeben, die ihm in China große Sympathien erwerben wird.

Das kochende Ehma.

Wie sich England rechtfertigt.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 16. Juni.

Bei einer Anfrage über die Ereignisse in China wies Lbg. Will Chor» darauf hin, da5 die Ursache aller Unruhen in SüMngYat t.£ schmuüig niedrigen Löhne" der Angestellten und die' Beschäftigung von Kindern sei. Samuel betonte im Namen der Regierung, daß die bri­tische Regierung über die Arbeitsbedingungen außerhalb der internationalen Niederlassungen keine Kontrolle ausüben könnte. Sir William Davidson hob hervor, daß innerhalb der Frem- denniederlaffung die Löhne besser wären als an­derwärts. Die revoltierende Menge in Schang­hai fei zwar unbewaffnet gewesen, aber sehr zahlreich und blutgierig und wenn es ihr ge­gluckt wäre, sich der in der Polizeistation befind­lichen Waffen zu bemächtigen, hätte zweifellos ein großes Blutvergießen stattgefunden. Sa­muel betont weiter, daß die Haltung der Regic- rung China gegenüber der Achtung die die Kul­tur und die Zivilisation dieses Landes erfordere entspreche und Chinas Wohlfahrt und den Frie­den wünsche. In Schanghai seien einundzwan­zig Chinesen getötet und 65 verwundet worden, desgleichen ein Amerikaner. Das britische Ma- fchinengewehrfeuer in Han kau fei unvermeidlich gewesen. Es sei symptomatisch für diese ernsten und weitverbreiteten Unruhen, daß sie von ge- wissen Elementen dazu benutzt würden, gegen fremde Mächte aufzuhetzen, die in China dir größten Interessen hätten und infolgedessen mit China zusammenarbeiten müßten. Das sicherste Mittel gegen die fremdenfeindlichen Gefühle :n China sei zu versuchen, die Entschließungen der Washingtoner Konferenz betreffend die Zusam­menarbeit Chinas und der Mächte zur Einfüh- rnng von Reformen zum Wohle Chinas in die Tat mit allen Kräften schleunigst umzusehen.

* * *

Man wäscht die Hände in Unschuld.

London, 16. Juni. (Eigener Drahtbericht.) In einer Note hat die englische Regierung China geantwortet, den englischen Behörden könne kein Verschulden zugeschrieben werden, da die chinesischen Behörden die Ausländer nicht genügend geschützt hätten, sodaß diese gezwun- aen gewesen seien, zu Selbstschußmaßnahmen Zuflucht zu nehmen. Die chinesische Regierung wird aufgefordert, energische Maßnahmen zu ergreifen, um den fremdenfeindlichen Ausschrei­tungen ein Ende zu machen. Auch die japanische Regierung hat in Peking eine ähnliche Protest­note mit der gleichen Forderung überreichen.

Baldwin« süsser Trost.

London, 16. Juni. (Eigener Drahwericht.) Baldwin erklärte int Unterhaus, England suche mit allen Mitteln zu verhindern, daß die Un­ruhen in China zu wirklichen internationalen Konflikten im Fernen Osten führten. Die Re­gierung glaube, daß die von den Vertragsmäch­ten und der chinesischen Regierung nach schaust- Hai gesandten Untersuchungskommissionen in vollkommener Harmonie zusammenarbeiten werden mit dem Wunsche, China zu befriedigen

Ehamberla'n läßt sich Seit

Sicherheitsdebatte erst nach dem 24. Juni.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 16. Juni.

Baldwin antwortete auf eine Anfrage int Un­terhaus, Chamberlain werden erst am Don­

nerstag nach London zurückkehren. Eine Debatte über die Sicherheitsfrage werde unter diesen Umständen nicht vor der nächsten Woche möglich sein. Die Blätter sind der Ansicht, daß die Un- tcrhausdebatte über den Pakt am 24. Juni statt finden werde. Das Blatt Lloyd Georges kündigt einen energischen Angriff der Liberalen auf die Regierung an wegen ber Geheimhaltung, dir bezüglich der Genfer Vereinbarung zwischen Chamberlain und Briand geübt wurde.

Englands erstes Opfer.

Ein Ingenieur in Schanghai ermordet. (Eigene Drahimeldung.)

London, 16. Juni.

Nach Blättermeldungen aus Schanghai wür­be gestern abend ein britischer Ingenieur na mens Mackenzie von bewaffnete» Chinesen ermordet. Eine englische Dame, die sich in sei­ner Begleitung befand, wurde verwundet. Dir Mörder entkamen. Der französische Panzer­kreuzerJules Michelet" befindet sich auf dem Wege nach Schanghai zur Unterstützung.

*

Shjnrfengreuei in Manion.

Newyork, 16. Juni. (Durch Funkspruch.) Aus Hongkong wird gemeldet, daß in Kanton über siebenhundert Yünannesen von den siegreichen Kantontruppen nach der Einnah­me der Stadt niedergemetzelt wurden. Ein yünannesischer Ossizier wurde an einem Telegrap henmast gekreuzigt. Den Metzeleien wurde schließlich durch amerikanisch«, und britische Seeleute Einhalt getan.

Die Blutschuld der Fremden.

Japans Protest gegen England.

(Eigener Drahtbertcht.)

London, 16. Mai.

Einem hiesigen Blatt zufolge beschuldigen die japanischen Blatter Engtand oes Versutos, die Schuld für die Unruhen in China auf Japan abwälzen zu wollen und kritisieren die Ber­einigten Staaten und Frankreich, weil sie sich abseits halten. Die ZeitungHocyi" warnt vor einer bewaffneten Jntervrntwn, die ein Ein­gehen auf densorgfältig ausgedacyten englisch» amerikanischrn Pakt" bedeuten würde.

Das Wenn und Aber.

Pariser Bedingungen für den Sicherheitspatt. (Eigener Drahtbertcht.)

Paris, 16. Juni.

Die am Donnerstag zur Veröffentlichung tommenben Sicherheitsdokumente enthalten u. a auch bte Antwortnote Frankreichs, in der es die sichere Hoffnung ausspricht, daß die Bereinigten Staaten dem Pakt spater beitreten werden. Es nehme, so schreibt ein Blatt ohne Vorbehalt den Vorschlag des Abschlusses von Schiedsgerichts­verträgen zwischen Deutschtand, Frankreich und Belgien an und fordere, daß der rheinische Patt vervollkommnet werbe durch andere SchiedSge- richtsorrträge. Im Grunde genommen also nehme Frankreich Bert deutschen Vorschlag an, aber unter zwei Bedingungen: Die Verletzung der Schiedsgerichtsvertrage mit Polen und der Tschechoslowakei solle zu Zwangsmaßnahmen das Recht geben und das gleiche sei der Fall, uenn sich Oesterreich an Deutschland anschließe. Zweitens müsse Deutschland ohne Vorbehalte dem Völkerbund beitreten.

Luthers Sorgenkind.

Die kommenden Zölle. Die Amnestie beschlossen.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 16. Juni.

Wie wir hören, wird Reichskanzler Dr. Lutber infolge der ernsten Verstimmung, die die Behandlung der Zollvorlagen durch die Regierungsparteien bei den Demokraten und der Sozialdemokratie hcrvorgerufen hat, neuer­liche Besprechungen mit den Parlamentär!, f«6en Führern abhalten. Heute früh lag noch keine Bindung der Parteien gegenüber dem dringenden Wunsch der Reichsregierung vor, die Zollvorlage unbedingt bis Ende Juli zu vrr- abschieden. Die Linksparteien wollen beantra­gen, die große Zolltarifreform bis zum Herbst zu vertage». Das Amnestiegesetz ist gestern Bormittag im Reichskabinett a«ge­nommen worden, und bereits dem Reichsral zugegangcn. Wie sich Reichskanzler Dr. Luther äußerte, soll die Vorlage innerhalb der nächsten vierzehn Tage Gesetz werden.

Ungebetene Gäste.

Amerika winkt den Deutschen ab.

(Von unserem Newyorker Mitarbeiter.) Grübe aus der Heimat. Peinliche Hebet» raschungcn. Künstler auf Reisen. Das Fiasko eines Ensembles. Amerika ist über- iättiat. Eine Warnung.

Newyork, Anfang Juni.

Es vergeht keine Woche, in der nicht irgend ein Vortragsreisender aus Deutschland nach Amerika kommt, umden Landsleuten Grüße aus der Heimat zu bestellen" und über irgend ein deutsches Problem zu referieren. Das Ame- ritanerhtm deutscher Herkunft wird leider fast nie gefragt, ob ein solcher Besuch auch angenehm und erfolgversprechend ist. Die Amerikaner deutscher Herkunft, die nun schon seit Jahren immer und immer wieder für di- Not in der al­ten Heimat gesammelt haben und sich seit Kriegs- schluß solche Vortragsreisende schon bis zum Ucberdrutz anhören mußten, haben jetzt ziemlich satt, was man ihnen durchaus nicht verübeln kann, diesen Unfug weiter mitzumachen. Trotz­dem sind sie aber immer noch geneigt, Vortrags­reisende aus deutschsprechenden Ländern Euro­pas zu unterstützen, wenn diese dabei wenig­stens soviel Rücksicht üben würden, mindestens drei Monate zuvor ihr Erscheinen anzukündi- gcn. Infolge Unterlassens dieser Maßnahme haben gerade in letzter Zeit verschiedene Unter­nehmungen aus Deutschland recht schlecht abge­schnitten. Amerika ist eben nicht so, tote man es sich drüben immer noch vorstellt. Man glaubt, echt amerikanisch" zu handeln, wenn man seine Landsleute in Amerika einfach vor vollendete Tatsachen stellt. Aber die Deutsch Awerik,«^ wollen nicht mehr uno fangen jetzt an, sich ent­schieden ablehnend zu verhalten, und zwar im vollesten Recht.

Welche Folgen unvorbereitet, aufs Gerate­wohl angetretene Reisen für die Leiter solcher Unternehmungen selbst haben können, beweist ei­ne Ausstellung deutscher Gemälde, die kürz­lich verschiedene amerikanische Städte bereifte. Die beiden leitenden Künstler wurden zunächst in Newyork wegen Zollschwierigkeiten sestgehal- ten und tarnen durch den erzwungenen Aufent­halt in große GeLschwierigkeiten. Dann wären sie beinahe einem jener Landsleute in die Hän­de gefallen, die sich in Newyork an Unterneh­mungen jener Art gern herandrängen, um an­geblich die Leitung inamerikanischer Weise" durchzuführen. Später ging es den Künstlern glücklicherweise etwas besser, insofern, als sie Weiter westlich das größte Entgegen­kommen bet Landsleuten und Amerika­nern fanden. Trotzdem hatten sie aber auch dann noch mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Dabei gönnten sie sich rein gar nichts für ihre Person. Alles Geld, das sie aus dem Erlös der verkauften Bilder erzielten, sandten sie so­fort nach Deutschland. Das ganze Unternehmen hatte aber dauernd mit Schwierigkeiten zu kämpfen, weil es an mangelnder Vorberei­tungen krankte. Aehnlich ging es vor zwei Jahrein einem deutschen Ensemble, das die Ver­einigten Staaten bereiste. Die Künstler Wurden sehr gefeiert und hatten die größten Triumphe tu verzeichnen. Sie Metten vor auSbertauften Häusern. Und trotzdem schloß die Tournee mit einem Defizit ab. Wie anders hätte das sein tonnen, wenn vorher b*r Boden genügend bearbeitet worden wäre.

Vortragsreisende sollten überdies nicht ver­gessen, daß das Deutschtum im Auslande Über die Vorgänge in der Heimat jetzt genügend un­terrichtet und daher durchaus nicht mehr hung­rig nach persönlich übermittelten Botschaften ist. im ersten und zweiten Jahr nach Kriegsschluß blühte noch der Weizen für die VortragSreisen- ben, aber jetzt hat man übergenug von ihnen. Die Stimmung drückt am besten die Antwort aus, die ein Ameritaner deutscher Herkunft kürzlich einem solchen Vortragsreisenden gab, der plötzlich in seine Stadt hineingeschneit tarn. Der ungebetene Gast führte sich mit den Worten ein:Ich bin gekommen, um dem Auslands- deutschtum die herzlichsten Grüße aus der Hei­mat zu übermitteln. Der erwähnte Deutsch­amerikaner antwortete ihm:Warum haben Sie uns diese Grüße nicht auf einer Ansichtskarte übermittelt? Das hätte vollkommen genügt!

Diese gut und ehrlich gemeinten Zeilen sollte man in Deutschland berücksichtigen, um die be­reits bestehende Verstimmung der Deutschameri­kaner nicht noch tu verschärfen und sich selbst drüben vor veinlicken Erlebnissen zu bewahren.

Die Früchte von Versailles.

Reichskanzlers Klage in Amerika.

Newyork, 16. Juni.

Ein fiter veröffentlichter Aufsatz des Reichs­kanzlers Sucher betont, daß bis jetzt die For-