Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
Summer 133. Einzelnummer 10 Pf, Sonntags 15 Pf.
Donnerstag, 11. Zunr 1925.
Einzelnummer 10 Pf, SonntagS 15 Pf. 15. ZahkgaNg
Tiefe Möufchmg über den Sichecheitspakt.
Zwischen zwei Feuern.
Englands Umfall. — Deutschlands Gewissen.
England hat sich auch diesmal wieder von den Rattenfängertönen Briands betören lasten und hat nach kleinen Abänderungen dessen revidierten Sicherheitspakt in Bausch und Bogen angenommen. Es ist das alte Sieb. Erst stärkste Gegensätzlichkeit der Auffassungen und Standpunkte. Dann diplomatische Fechterkniffe der Franzosen, hartes Feilschen der britischen Krämer, eine halbe Annäherung und „dann küßt sie den Hans und es ist alles wieder gut*. So war es mit Oberschlesien, so mit der Ruhr, mit der Entwaffnungsnote usw. Der Sklavenvertrag von Versailles wurde in Genf ebenso wie in der Kontrollnote neu geschmiedet: Ver- letzung der neutralisierten Rheinzone auch für England ein Kriegsgrund. Frankreichs Durch- marschrecht durch diese Zone, wenn einer seiner östlichen Trabanten angegriffen wird. Das ganze verklausuliert und umschlossen von einem Schiedsgerichtssystem Deutschlands auch mit den östlichen Nachbarn.
Lange hatte sich die kühle britanische Schöne gesträubt, ehe sie dem stürmischen Werben Bri- ands nachgab. Man wollte der Welt, namentlich der über dem Ozean doch zeigen, wie sehr dem Themsevetter Europas Wohlergehen am Herzen lag. Daß der Gedanke der G e g e n s e i- t i g k e i t durch die Lösung so gut wie hinfällig wird, hat den Herrschaften nicht viel Kopfzerbrechen verursacht. Um so größere Besorgnis über diese spitzfindigen Konstrukttonen herrscht z. Zt. in Berlin, denn die einseitige Be» fugnis Frankreichs, nach Belieben Bündnisse zu schließen und entgegen den Völkerbundsatzungen durch fremdes Land zu marschieren, bedeutet den Tod des deutschen Sicher- heitsangebots. Trotzdem hält sich die deutsche Regierung, wie wir aus Berlin erfahren, nach wie vor zu einer loyalen und weitherzigen Lösung des schwebenden Sicherheitsproblems zur Befriedung Europas bereit. Das Auswär- tige Amt ist denn auch sofort beauftragt worden, die Frage des Durchmarsches in einem Memorandum festzulegen und die französische These nachdrücklichst zu widerlegen. Die deutsche Regierung geht von der Auffassung aus, daß Frankreich im Falle eines Sicherheitspaktes im Rahmen des Völkerbundes nicht die Befugnis erhalten könne, an seinen bisherigen außenpolitischen Bündnissen festzuhalten. Das Bündnissystem, das vom Völkerbund ausdrücklich verworfen wird, würde in diesem Falle ganz offenstchttiche Spitzen gegen Deutschland enthalten, und die schwersten Gefahren in sich bergen. Wenn die deutsche Regierung über die Sicherheitssrage verhandeln soll, so könnten ihr derartige Lösungen nicht zugemutet werden. In Berlin hat man nicht den Eindruck, so meldet uns unser Informationsdienst, daß die französische Regierung ernsthaft bestrebt ist, auf den deutschen Sicherheitsvorschlag einzugehen. Vielmehr hat die französische Diplomatie bisher alles getan, um den deutschen Vorschlägen auszuweichen und ihre sachliche Erörterung zu erschweren. Erschwert wird die Diskussion zweifellos durch die juristi - scheu Spitzfindigkeiten, die bei der Aufrollung der Durchmarschfragen in die Debatte getragen worden sind. Die deutsche Regierung wird sich schwerlich auf derartige juristische Erörterungen einlassen können, nachdem sie bereits in klarer und eindeutiger Form ihre Vorschläge formuliert hat.
Mit dieser loyalen Haltung der deutschen auswärtigen Politik steht allerdings der Kontrollbericht der Alliierten in striktem Gegensatz. Dieser Bericht i)st der Oefsentlichkeit übergeben worden, ohne daß die deutsche Regierung vorher in die Lage gebracht worden wäre, zu den Einzelheiten Stellung zu nehmen. Die Behauptungen über deutsche Verfehlungen stehen in einem schroffen Widerspruch mit dem, was in letzter Zeit auf der anderen Seite geschehen ist und noch weiter geschieht. In dieser Hinsicht muß auf die Art hingewiesen werden, wie Frankreich gerade jetzt in Marokko Krieg führt, wie es mit Tschechien Abmachungen über das militärische Flugwesen getroffen hat, sowie auf die Hinweise im Polnischen Landtag, daß die polnische Industrie im letzten Jahre in ihre Leistungsfähigkeit vervielfacht habe. Frankreich rügt den Dienst Deutscher in fremden Heeren und führt selbst in Marokko mit Hilfe von Tausenden von Deutschen Krieg. Man hat die Schnüffler unbehindert ihre 1500 Kontrollbesuche vornehmen lassen und ihr alle verlangten Dokumente vorgelegt. Tie persönlichen Akten bar man ihnen allerdings nicht ausgelie- fert. Ein Zusammenhang der Reichswehr mit der alten Armee kann nicht mehr bestehen, denn die alte Armee besteht ia gar nicht mehr, und wenn der Kommifsionsbericht etwa die
Traditionskompagnien im Auge hat, so haben diese mit der Rüstungsfrage nichts zu tun. Die Behauptung, daß Deutschland zu viele Kasernen und Magazine habe, wird einfach dadurch widerlegt, daß es unseren Mannschaften sogar an Raum für Unterbringung fehlt, da die alten Kasernen für andere Zwecke verwendet werden. Alt den Festungen ist nur so viel gebaut worden, als an Reparaturen notwendig waren, damit die Werke nicht zerfielen. Deutschland bat seine Bereitwilligkeit, den Frieden zu garantieren, wiederholt in der nachdrücklichsten Form kundgetan, und muß jede Verantwortung für ein Scheitern dieser Verhandlungen ablehnen, wenn sich aus Grund der Verschärfung der außenpolitischen Situation unüberwindliche Schwierigkeiten ergeben sollten. -r-
Das betrogene Europa.
Enttäuschung über den Sichcrheitspakt.
(Eigene Drahlmeldung.)
London, 10. Juni.
„Ein Teil der Blätter befürchtet nachteilige Rückwirkungen des in Genf abgeschlossenen Ticherheitespaktes auf die deutsche öffentliche Meinung. In Telegrammen aus Berlin wird auf die ablehnende Haltung des grüßten Teiles der deutschen Presse gegenüber dem geplanten Uebereinkommen hmgewiesen. Die Blatter betonen, daß der Pakt unbedingt zweiseitig und gegenseitig sein werde. Ein anderes Blatt schreibt, durch den Pakt wird Europa mit dem größten diplomatischen Betrug, der seit dem Waffenstillstand geschlossen wurde, geprellt fein. Westminster Gazette schreibt, die Regierung yri; etwas getan, was niemand erwartete. Was Frankreich wünschte, war ein antideutscher Patt, den keine britische Regierung unterzeichnen könnte. Man werde aber noch einige Tage warten müssen, bevor man die Art der Berpslichtun- gen erkennen könne, welche Enaland eingegan- oen sei Es sei undenkbar, daß England ei.-t Bündnis mit Frankreich und Belgien ahschlictze.
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Wie man un« fangen will.
London, 10. Juni. (Privattelegramm.) Ein Blatt schreibt, die Veröffentlichung der Sicherheitsnote werde zeigen, daß Chamberlain keine Konzessionen an Frankreich gemacht habe, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil Zugeständnisse nicht notwendig gewesen seien, sondern Briand in jedem Punkte den britischen Einwendungen mehr als auf dem halben Wege entgegengekommen sei. Jetzt sei eine formelle Erklärung Deutschlands üer eine günstige Haltung gegenüer dem Völkerbund erforderuch. Der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund würde eine wesentliche Bedingung nicht nur für den Sicherheitspakt, sonderni auch für die gesamte Regelung in Europa fein.
Die 2irbeitergegen den Vakt.
Scharfe Kampfansage Macdonalds.
(Eigener Drahtbericht.)
London, 10. Juni.
Ramsay Macdonald erklärte einem Berichter- ratter, die gesamte Arbeiterpartei werde ich dem Abkommen Chamberlains mit Briand w i d e r se tz e n, das der Beginn individueller Pakte, Bündnisse und Garantien fei. Es werde nicht den Frieden fördern, sondern eine At- nosphäre für den Krieg schaffen. Seiner An- icht nach werde England den Pakt nicht u n - ter stützen, wenn es wisse, welche Lasten es ihm auferlege und welches Risiko es übernehme. Dem Berichterstatter zufolge sei amtlich in Abrede gestellt worden, daß ein Abkommen, wie es in Paris geschildert wurde, erzielt worden ei. In Gens sei nur der Inhalt der nach Berlin zu sendenden Note vereinbart worden. Es wer- 3c eine frenndschaftliste Note sein, die den drut- üen Vorschlag cine-5 Paktes gegenseitige i rantien begrüße und ganz allgemeine Grundsätze niederlege. Tas Blatt schreibt: Die Arbeiterpartei, die die Opposition gegenüber der gesamten Paktpolitik und die Unterstützung des Genfer Protokolls erklärt habe, habe beantragt, die Frage im Parlament zu lösen.
Hoefles letzter Arzt.
Als Zeuge vor de« Landtagsausschuß. (Privat-Telegramm.)
Berlin, 10. Juni.
Bor dem preußischen Hoefle-Ausschuß ergab die Vernehmung de? Zeugen Dr. Wirsing, daß dieser Tr. Hoefle bei der Einlieferung ins Hedwig-Krankenhaus am 20. April in Behandlung genommen hat. Dr. Hoefle war bewußtlos. Am Nachmittag trat eine erhebliche Verschlimme rung ein, die dann zum Tode führte. Nack! de- Magenspülung befragt, erklärt der Zeuge,I
wenn er gewußt hätte, daß bei dem Patienten, der in schwerer Bewußtlosigkeit lag, eine Reihe von Pantepon» und Lum inaltabletten gefunden wurde, so hätte er sich allerdings nicht mit einer Kampfer- und Koffeineinspri- tznng begnügt, sondern unbedingt zur Bekämpfung der Vergiftung die M a ae n s p ü l u « g vorgenommen. Zeuge Dr. Wirsing bemerkt noch, er habe eine Vergiftung annehmen müssen.
Italien macht nicht mit.
Wegen der Brennergrenzen— Sondrrverträgc? (Eigene Drahlmeldung.)
Rom, 10. Juni.
In einem Leitartikel über den Genfer Sicher- beitsvertrag heißt cs: Sowohl England als auch Frankreich hätten sich gegen eine Garantie der Brennergrenzen für Italien erklärt. Italien müsse sich daher jetzt entscheiden, ob eS nicht besser sei, seine Zustimmung zu diesem Pakt, der ihm nur Pflichten aber keine Vorteile bringe, abzulehnen, nm durch besondere Pakte mit anderen Mächten die Interessen Italiens garantieren zu lassen, auch durch direkte Verhandlungen mit Deutschland. Ein anderes Blatt findet, daß der Garantiepakt der Würde und den Bestimmungen des Bölkerbun- des zuwider sei, auch gegen die Richtlinien verstoße, die Herriot für die französische Politik ausgegeben hatte. Man müsse jetzt abwarten, ob Deutschland die Abwesenheit Italiens in seiner Rote ausdrücklich erwähnen werde.
Eine offene Wunde.
Painlevs eilt selbst nach Marokko.
(Eigener Drahtbericht.)
Zürich, 10. Juni.
Ganz Paris steht unter dem Eindruck der plötzlichen Reise des Ministerpräsidenten P a i n - levs nach Marokko. Einer Havasnote zufolge sollen dieser Reise eine Stabilisierung der Situation und entscheidende Schritte der Regierung folgen, um die Marokkofrage rasch zu lösen. Die Sozialisten sollen die Zurücknahme der französischen Truppen ans ihre erste Berteidi- gungsstrlle verlangt haben. Sie protestieren sowohl gegen den Gasangriff wie gegen die ganze Art der Kriegführung in Marokko. Die Lage wird nach wie vor als äußerst ernst betrachtet.
Don denRiffleuten geworfen.
Schwere Schlappen der Franzosen.
Paris, 10. Juni.
Der Marokk,bericht besagt: Im westlichen Frontabschnitt zahlreiche Einbrüche in die von den Franzosen besetzte Gegend von Lonlles. Weiter östlich hätten die vorgeschriebenen fran- zössschen Posten sich bei Rächt aus ihren Stel- lnngen zurückgezogen. Alles Material, was nicht zurücktransportiert werden konnte, fei nnbranch- bar gemacht worden. Im mittleren Frontabschnitt seien feindliche Einbrüche auf das nördliche Uergha-Nfer über den Fluß zurückgeworseu worden. Anch bei Air Aichs sei der Feind unter starken Verlusten zurückgcworfen worden.
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Spanien als Bundesgenosse.
Madrid, 10. Juni.. (Eigene Trahtmeldung.) Einer amtlichen Mitteilung zufolge werden die Vcrhandlnnaen über eine spanisch-französische Zusammenarbeit in Marokko am 15. Juni in Madrid beginnen. Sie werden vom französischen Innenminister Malvy geleitet.
Das Voffloll reden.
Berliner Debatten über die Entwaffnilngsnote. (Privat-Telegramm.)
Berlin, 10. Juni.
Reichskanzler Dr. Luther empfing gestern von den Deutschnationalen bis zu den Sozial- die Führer der Reichstagsfraktionen demokraten, um mit ihnen die Eutwasf - nuugsnote, die heute Gegenstand der Beratung im Auswärtigen Ausschuß fein wird, auf das Gründlichste zubesprcchen.
Ehlnesen unter sich.
Eine blutige Schießerei in Schanghai.
(Durch Furttspruch.)
Schanghai, 10. Juni.
Eine chinesische Freiwilligenabteilung versuchte chinesische Arbeiter einer belgischen Fabrik tum Streik aufzuwiegeln. Es kam zu Streitig- f-ifen, in deren Verlauf die chinesischen Freimil- ~fn auf die Arbeiter Schüsse abgabcn. Ein Arbeiter wurde getötet und mehrere verwundet.
Die Reichsbahn.
Präsident Reissen vor der Jndustrie- und Handelskammer.
Gelegentlich der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer, über die an anderer Stelle berichtet wird, verbreitete sich Präsident Reissen von der Reichsbahndirektion Kassel in bemerkenswerter Weise über die L a g e der deutschen Reichsbahn. Gegen die unlängst vorgenommene Erhöhung der Perso- neniartfe um 10 v. H. hat sich in der Oesfent- li.vkeit ein Sturm erhoben. Persönliche Vor« würfe gegen den Generaldirektor sind ebenso unbegründet wie die Behauptung, daß das Ausland auf die Mitglieder des Verwaltungsrats cinzuwirken versucht habe. Auch der zum Vertreter der fremden Staaten bestellte Kommissar hat seine Befugnisse nicht überschritten. Unrichtig ist es. die Reichsbahn als eine Aktiengesellschaft zu bezeichnen, sie ist eine Gesellschaft deS öffentlichen Rechts, kein kapitalitischeS Unternehmen, daß für die Fremdstaaten möglichst viel Geld aus den Reichseisenbahnen herauswirt- schasicn soll In Wirklichkeit frat dis Reich sich entschlossen, einen großen Teil der Rcparations- last einem bisherigen Reichsbetriebe aufzuer- lcgen. Die Aufgabe, die die Reichsbahn übernommen hat, ist ihr von dem deutschen Volke gestellt worden. Wenn sie diese Aufgabe zu erfüllen sucht, fühlt sie sich als deutsche Gesellschaft und sieht ihre Arbeit als eine solche tm Dienste des deutschen Volkes an. Innerhalb der von dem Reichsbahngesetz gezogenen Grenzen bemüht sie sich redlich, der detttschenDfflkswirtschaft au dienen. Das hat sie stets getan, und diese Dienstauffassung hat vor dem Kriege dazu beigetragen, die Eisenbahn zu einem glanzenden und vielbeneideten Instrument der deutschen Wirt- schast zu machen. Es ist dringend zu wünschen, daß Industrie und Handel gegenüber der Reicksbahn keine Frontstellung einnehmen, sondern sie unterstützen bei ihrer doppelten Pflicht, das Reich dadurch zu entlasten, daß sie einen großen Teil der Reparationen aus sich nimmt, und für die deutsche Volkswirtschaft zu arbeiten. Die Reichsbahn bat an Reparationen im ersten Jahre 200, im zweiten 595 im dritten 550, in den weiteten Jahren je 660 Millionen Mark zu leisten. Da aber das Geschäftsjahr der Bahn in das zweite Reparationsjahr hineingreift, sind tn dem laufenden Geschäftsjahre einschließlich des AuS- gleickszuschlags 510 Millionen zu leisten» nicht eingerechnet die Verkehrssteuer, die später mit 290 Millionen zugunsten der Entente erhoben wird und 7 v. H. für den Güter- und im Durchschnitt 12 v. H. für den Personenverkehr beträgt. Die Dauerbclastnng der Reichsbahn einschließlich Verkehrssteuer und Verzinsung derLorzugs- eftien wird 985 Millionen jährlich betragen. Das ist aber nicht die einzige Mehrbelastung der Bahn tm Vergleich mit 1913 Weitere sachliche Mehr- ausgaben werden durch Ausbefserung des Oberbaues und der Brücken nnd Beseitigniig der Schäden an den! Ruhrbahnen verursacht. Dazu kommt die Erhöhung der Persqualkosten. Die Persvnalzifier war im Kasseler Bezirk in der Nachkriegszeit auf 45 700 angeschwolle», sie ist jetzt aus 27100 gesunken. Die" Lasten dieser von der Reichsbahn nicht gewollten Personalver- mchrung sind acs politische zu bezeichnen, die folgerichtig von dem Reich zu tragen wären. Die Bezahlung für einen Kops des Personals beträgt zur Zeit 152 gegen 100 im Frieden. Die Pensionslast ist von 114 aus 400 Millionen fährlich gesteigert worden. Bei diesen Lasten ist es der Reichsbahn unmöglich, Rücklagen zu bilden, was vielfach angenommen wurde. Die Heraufsetzung der Personentarife um 10 v. H. war unvermeidbar. Die Einnahmen des Voranschlags für 1925 sind bis jetzt zwar hereiugckommcn, aber keine Mehreinnahmen, da die erhoffte Ver- kehrssteigerung auSgebliebeu ist. Tie Personal- ausgaben waren aber zu knapp veranschlagt. Bisher liegt ein Fehlbetrag zwar nicht vor, für die kommenden Monate war die Lage aber bedrohlich. Die Tariferhöhung faßte nicht einen Fehlbetrag ausgleicherr, sondern künftige Fehlbeträge bernteiben, bamit die schon stark eingeschränkten sachlichen Ausgaben nickt noch weiter abgebaut werden mässen. Ob die Reichsbahn die ihr auferlegten Lasten sür die Taner tragen kann, wird von der Laae der Wirtschaft und dem Umfang der Verfrachtungen abhängcn; dabei mag auf sich beruhen bleiben, ob und inwieweit durch technische Fortschritte und Veräirderuirgeu andere Verkchrseinrichtungen an die Stelle der Bahn treten werden. Der Personenfahrplan kann noch nicht so ausgestaltet worden wie in der Vorkriegszeit, doch sind 65 v H. der Frie- deusleistung wieder erreicht worden Da der Personenzuaverkebr keine Ueberschaffe bringt, werden die Direktionen in Bezug auf die Innehaltung d. ihnen zugeteilten Kontingents sckarf ii! » rwacht. Leider sind besonders die von Kassel ausgehenden Züge, teilweise schlecht besetzt,