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Kasseler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

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Freitag, 5. Juni 1925.

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Nummer 128. Einzelnummer 10Pf, Sonntags 15Pf.

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Einzelnummer 10 Pf, Sonntags 15 P,. 15. Jahrgang

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Mssolim als GeschDssreund Rußlands.

Alarm in China.

Wie v»r dem ersten Boxerausstand.

In China ist her Haß und die Verachtung vor den Fremden, die seit dem Kriege dort große Sondervorrechte genießen, wieder einmal in hellen Mammen aufgelodert. Die heutigen Morgenmeümngen besagen, daß die fremden- feindliche Bewegung im ganzen Land riesige Fortschritte macht. In Peking durchzogen zehn­tausend Studenten der Hochschule mit Flaggen die Stadt, auf denen sremdenfeindliche Juschrij- ten standen. Die Menge riesRieder mit den englischen, nieder mit den japanischen Jmpcria- listen.« Verwünschungen wegen der Vorgänge in Schanghai wurden laut, und wiederholt er­tönte der Schrei .Rache für Schanghai? Eine Delegation begab sich ins auswärtige Amt, wo fie die Regierung eriuchte, standhaft zu blei­be», um eine feste Haltung gegenüber den Kmden einzunehmen. Die Regierung entsandte

Untersuchungskommisston. Gleiche Aus­brüche werden aus Kanton, Hankau, Tsingtau und Mulden berichtet, woraus ersichtlich ist, daß ein« großzügige Organisation die Bewegung führt, da ein so gleichzeitiges Aufflammen an so voneinander entfernten Orten undenkbar ist. Die Lage verschlimmert sich stündlich. Die Vor­gänge haben die Beziehungen so außerordentlich gespannt, daß schon in den nächsten Tagen mit größeren bewaffneten Zusammenstößen zu rech­ne» ist, in denen sich die chinesischen Truppen in Ävei Lager teilen dürsten, wovon eines mit den Bolschewisten gegen Japan, das andere mit Tschangtsolin gegen die Aufständischen gehen dürste.

Die Situation ist also außerordentlich kritisch mti) wird von Kennern Ostasiens mit den Zei­ten vor dem Boxeraufstand verglichen, der damit wieder in unserer Erinnerung aus­taucht. Damals war besonders der Bau zahl­reicher Eisenbahnen Tausenden von gelben Fuhrleuten, Lastträgern, Dschunkenführern und Gastwirten ein Dorn im Auge, die durch das neue Beförderungsmittel ihre Einnahmen be- einttächtigt sahen. Diese Leute hatten sich schon seit Jahrzehnten zu einer Geheimgesellschaft zu­sammengeschloffen. die wegen ihrer Körperkräste den Namen .Bund der Fäuste« oder der .Boxer« führte. Aber auch das strenggläubige chinesische Volk, dem der Ahnenkult bekanntlich über alles geht, war von vornherein ein Feind der Fremden und sah mit größter Erregung aus ihr weiteres Vordringen. Einmal erforderte der Bau der Eisenbahnen häufig die Beseitigung von G r ä b e r n, die jedes Dorf und jede Stadt in China in großer Anzahl umgeben, sodann wurde der Missionar besonders deswegen ge­haßt, wett er bei seinen Belehrungen die auf der Grundlage kindlicher Unterordnung beruhende Religion häufig angriff. So gewann eine geheime Gesellschaft, die sich die desGroßen Messers* nannte, gewaltigen Einfluß, vor allem, da sie sich von Anfang an den Widerstand gegen das Vordringen europäischer Kultur zur Aus- gäbe gemacht hatte. Besonders wirksam war ihr fortgeietiter Hinweis, daß dem abergläubischen Volke Mißernten, Hungersnot und Krankheiten von den Göttern und Ahnen nur gesandt wür­den, weil diese über die Missionare erzürnt wären., Die ©tauf amt eiten gegen die Missio­nare und Ausschreitungen gegen den Bahnbau wollten nicht aufhören, ja, die beiden geheimen Gesellschaften gewannen sogar an Anhang und machten sich in der Nähe von Peking und Tient­sin bemerkbar.

Anfang Juni 1900 kamen zu den Gesandten in Peking aus der Umgebung immer beunruhi­gendere Nachrichten. Französische und belgische Ingenieure, die sich auf der Flucht nach Tientsin befanden, wurden von Borern angegriffen, meh­rere englische Missionare wurden in der Nähe der Bahn ermordet. Aber auch aus Tient­sin selbst und dem benachbarten Taku drangen böse Gerüchte nach außerhalb. Vizeadmiral Ben- demann entsandte daher sofort das Kanonenboot -JktiS« nach Taku, ließ die deutsche Niederlas­sung in Tientsin durch eine Abteilung Seesolda­ten besetzen und den großen Kreuzer .Kaiserin Augusta« vor der Stabt die deutsche Flagge zei­gen. Dann stach der Admiral selbst mit zwei weiteren Kreuzern in See, da aus Peking die Nachricht eingettoffen war, daß in absehbarer Seit die Gesandtschaften dort völlig abge- schnitten würden. Diesem mutzte zuvorgekom­men werden. In der Versammlung der Admi­rale sämtlicher Mächte wurde beschlossen, eine Expedition nach Peking zu unternehmen, wo sich dann die deutschen Blaujacken mit dem Ruf .Die Deutschen an die Front« unvergängliche Siegeslorbeeren erwerben sollten.

Diesmal gilt die Erregung der Arbeiter und Studenten, welch letztere die Haupttolle in der ge­fährlichen Bewegung bilden, de» Deutschen in China nicht, denn durch den Friedensver­trag mit China hat Deutschland für seine Staatsangehörigen aus diese Sonderrechte Ver­

zichtes. Die Fremdenkolonien in China haben den zurückkehrenden Deutschen gegenüber eine schroff ablehnende Stellung eingenommen und ihnen zum Teil sogar das Wohnrecht verwei­gert, wie ein Berliner Blatt meldet. In der Praxis haben sich diese Maßnahmen allerdings nur zugunsten der Deutschen ausgewirkt, de neu gegenüber die Chinesen eine ganz andere Stellung eingenommen haben wie gegenüber den anderen Fremden. Deshalb ist auch zu hofsen, daß, wenn die Unruhen einen ernsthafteren tzh' rakser annehmen sollten, die Deutschen in China nicht bedroht sind.

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Einmarsch der Boxer in Vrking.

Rotterdam, 4. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Aus Peking wird gemeldet: In Peking find mehrere tausend Mann Revolutionäre eingerückt, ohne daß die Regierungstruppen ihnen Widerstand geleistet hätten. Die Revolu­tionäre setzen stch zu drei Vierteln aus Boxern und Fremdenseindli chen zusammen. Die Haltung der Garnisonen in Peking ist ungeklärt. Man befürchtet gemeinsame Handlungen der Truppen mit den Ausständifchen gegen die Frem- den. Die nach Kanton verkehrenden Eisen­bahnzüge fahren nicht mehr. Umfangreiche Trup­penbewegungen in Kanton selbst sind zu ver­zeichnen. Die Lage ist äußerst ernst.

Mufsolmi und Moskau.

Der Handelsvertrag angenommen. (Privat-Telegramm.)

Rom, 4. Juni.

Mussolini führte zum italienisch-russischen Handelsvertrag in der Kammer aus: Umerc Handelsbilanz nähert sich im Verkehr mit Ruß­land jetzt allmählich dem Gleichgewicht. Vom 1. Januar bis 30. Slpril 1925 belief sich der Wert der russischen Einfuhr nach Italien aus neunzehn Millionen Lire und der der italieni­schen Ausfuhr nach Rußland auf siebzehn Mil­lionen Lire. Im nächsten Jahre sollen größere russische Ankäufe in Italien abgeschlossen wer­den als im Innfenben Rechnungsjahre. Dieser Vertrag mutz angenommen werden, selbst wenn er Fehler haben sollte. Die Realität eines rus­sischen Hundertdreißig Misiionenvolkes und ei­nes sehr großen und sehr reichen russischen Ge­bietes dürfen wir nicht übersehen. Wenn ande­re Länder, die kapitalistischer sind als wir, sich beeilen, Beziehungen zu Rußland zu unterhal­ten, so können wir, die wir wirklich eine sehr proletarische Nation sind, uns nicht von den zu­kunftsreichen Märkten und Beziehungen fern­halten. (Sehr lebhafter B/ifall.s Die Kammer nahm darauf den ruffisch-ttalienischen Handels- Vertrag mit einer starken Mehrheit an.

GtraßenkämpfernGchanghai Bon Chinesen überfallen. Tot und verwundet.

(@igene Drahtmeldung.)

Rotterdam, *. Juni.

Aus Schanghai wird eine weitere Ver­schärfung der Lage gemeldet. Polizei und aus- ländische Marinetrupps erhielten Befehl, sämt­liche Aufrührer niederzufchießen. Biele Aus­länder wurden von Chinesen überfallen aber meist von Militärpatrouillen vor weiterem Schaden bewahrt. Im Zentrum der Stadt wird noch gekämpft. Biele Chinesen kamen bei die­sen Kämpfen ums Leben, oder wurden verletzt. Rach den letzten Feststellungen find einundzwan­zig der ftteikenden Arbeiter getötet und füns- undsechzig verwundet worden. Eine Auslände, rin wurde durch einen Steinwurs getötet. In­zwischen find Panzerwagen in die westlichen Viertel eingedrungen. Studententrupps rufen zum Ausharren im Kampfe auf.

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Studenten als Aufwiegler.

London, 4. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Wie ein hiesiges Blatt betont, bilden die chnre- stschen Studenten eine wirkliche politische Macht. Seit vielen Monaten sei unter den Studenten die Lehre .China den Chinesen« erneut verbreitet warnen und die Feindseligkeit gegen­über jeder Att fremder Einmischung besonders seitens England und Japan fei ausgesprochener geworden. Man glaube in yapan die Nieser­schießung von Studenten in ganz China werde wirkungsvoll ausgebeutet werden und die Lage erfordere große Vorsicht. Ein Londoner Blatt fordert nach Wiederberstellung her Regierung die Einberufung einer Jouferenz für China.

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Deutsche Untertanen nicht gefährdet.

Berlin, 4. Juni. (Privattelegramm.) Einem Bericht des deutschen Gesandten in Peking zu­folge bestehe keine Besorgnis für dgs Leben deutz'cher Untertanen in Edina. Auch deutsche Interessen dürften nicht als gefährdet erschei­

nen. Weiter wird gesagt, das diplomatische Korps beabsichtige auf die Psou-sinois der chine­sischen Regierung versöhnlich zu antworten.

Der Aufmarsch der Flotten.

Englands Minister in Torge.

(Eigener Drahtbericht.)

Rotterdam» 4. Juni.

Reuter meldet um Mitternacht: Ter Ernst der Lage in Ostasien hat die Minister veranlaßt, eine GesamtNtzung des britischen Kabi­netts einzuberufen. Der Lord der Admiralität bat bereits gestern Abend versiegelte O r d r e a n das Mittelmrer-Grfchwader gegeben. In Tchanghai sind zahlreiche britische Staats­angehörige von dem Pöbel angegriffen worden. Japanische Staatsangehörige sind dagegen nicht belästigt worden. Der französische Panzerkreuzer Jules Ferrn" ist vor Schanghai angekommen Er hat alle notwendigen Vorkehrungen getroffen, um dje Franzosen zu retten, falls die fremden­feindliche Bewegung in China stch ausdehnen iollte. Auw Amerika hat wettere 3 Kriegsschiffe in die ostaflatischen Gewässer abgehen lassen.

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Krieg In Ostasien?

London, 4. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Einem Telegramm au8 Tokio zufolge hat der japanische Außenminister erklätt, bei einer wei­teren Verschärfung der Lage in China werde Japan nimt interesselos abseits stehen können. Bei Lloyds in London wettet 'nan für einen ostasiatischen Krieg 3:L

Das Genfer GielwWeiri.

Briand mit dem Sicherheitspakt in der Tasche.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 6. Juni.

Cs steht nunmehr fest, daß Briand sich zu der kommende Woche stattfindenden Tagung des Bölkerbundes am Sonnabend nach Genf begeben wird. Da eine Begegnung Briands mit C h a m- berlain stattfinden wird, beschäftigt man sich im Ministerium des Aeutzern eifrig mit der Ant­wort, die auf das letzte englifche Sicherheits- Memorandum gegeben werden soll, damit die Stellungnahme der beiden Regierungen im Ver­laus der Unterredungen klar hervortreten kann.

Unter der Diktatur.

Sturmzeichen im Reich Mussolinis.

(Eigene Drahtmeldung.)

Zürich, 4. Juni.

«u» Italien wird gemeldet: In Mailand und Genua find mehrere hundert polttische Ver­haftungen erfolgt, die mit dem zum 10. Juni proklamierten allgemeinen Generalstreik zu Ehren des Todestages MatteottiS in Verbindung stehen. In Rom hat man große Wassenlager der Kommunisten ent­deckt; auch in Pisa und Florenz. Die Sozialisten rufen zu einer Demonstration des arbeitenden Volkes gegen die Diktatur des Faschismus auf. In der letzten Nacht ist in R o m ein M a - jor der Miliz ermordet worden.

Sine verschleiertem Wahrheit

Englands Zustimmung zu Frankreichs Zielen.

(Eigener Drahtbericht.)

London, 4- Juni.

Eine Reuternote hebt hervor, daß die An­gaben über den britischen Standpunkt in der Frage des Durchmarsches von Truppen durch ein entmilitarifiertes Rheinland der Grundlage entbehren. Die britische Auflassung gehe dahin, b«ß das Recht irgend einer Macht Truppen durch die entmilitarisierte Zone durch­marschieren zu lassen, entfliehen werden würde durch hi« moralische Seite des üetresfenden Falles und durch hie Bestimmungen der l- kerbundSsntzung.

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Rascheres Tempo beim SlcherdeikSveNrag.

London, 4. Juni. (Privattelegramm.) Einem Berichterstatter zusolge gibt man in London zu, daß in den Sickerheitsverknnwlungen eine be­trächtliche Wandlung zum Beffereu eingetreten sei.e Im Leitartikel spricht ein Blatt die Hoff- nunz aus, daß die Verhandlungen über die Sicherheitssrage nicht das gleiche Tempo an- nehmen, wie die Verhandlungen über die Be­setzung Kölns Der Zeitpunkt, wo der Völker­bund die Ausnahme Deutschlands ratifizieren könnte, sei nur noch drei Monate entfernt.

3m heiligen Fes.

Die Taufenh-Hügelstadt Marokkos.

Von Eugen Szatmari.

Fes, im Mai.

Hat man das Plateau erklommen, auf dem Fes Djedid liegt, so sieht man's: Die heilige Stadt hat ihren Charakter bewahrt. Sie hat den Fremden gestattet, einzuziehen, aber sie ist nicht fremd geworden. Sie blieb, was sie war, eine Hochburg dcsJslams. Auf Schritt und Tritt erinnert ein Gebäude, eine Moschee, etn Palast ganz unvermittelt an das Reich, das mit seinen Fangarmen über die Meerenge von G'- '..rciltar nach Andalusien hineingegrifsen hat und dort vor achthundert Jahren Universitäten schuf. Jenn Rom eine Stadt der sieden Hügeln ist, so ist Fes eine Stadt der ungezählten Hügeln, Pla­teaus und Terrassen, um aus der einen Gaffe 'n die andere zu kommen, muß man mindestens ein­mal ab und einmal aufsteigen und ein längerer Spaziergang gleicht einer bescheidenen Bergtour, Wie die hängenden Gärten der Semiramis, lie­gen die einzelnen Stadtteile über- und unterein­ander, und wenn man einen der höher gelegenen Punkte erklommen hat, bann sieht man die ganze Stadt unter sich liegen, mit dem

Meer der weißleuchtendcn Hänser,

unter denen die Moscheen und Paläste emporra- aeii Man muß das europäische Auge mit einer schwarzen Brill« bewaffnen, Pas grelle We s blendet im scharfen Sonnenlicht nnd man ver­liert bald fast jedes Gefühl für die Farben. Von dem Tor Bou Djelud, das schon in der Zeit der französischen Oberhoheit entstand, und dessen blaue Fayenceornamente von dem nicht gerade heilbringenden Einfluß der sranzösischen Kunst auf die eingeborenen Handwerker zeugen, muß man nur wenige Schritte gehen und man lieht vor der riesigen Uhr, die Abu Inan vor sechshundert Jahren bauen ließ und von der heute kein Mensch mehr weiß, wie sie eigentlich in Gang zu setzen to-r. Die dreizehn riesigen Bronzeziffern schimmern jetzt tot im Sonnenlicht und blinzeln hinüber zu Medarsa, in dessen Onvrhöfen einst fleißige Schüler die Lehren des Korans gelernt haben. Man staunt ob der Verwegenheit diefer Architektnr, und ob der Pracht, die hier an Material entfaltet ist. Wie steinerne Spitzen winden sich die Ornamente ineinander und Sünlen von unwahrscheinlicher Schlankheit halten hie schwere Last der wunder­vollen Onyrtreppe, die zur Kuppel hinaussührt. Den Betsaal darf man nicht betreten, weil er sonst entweiht würde. Dahinter beginnen die Souks. So nennt man die engen

Gätzckwn der Handwerker und Kaufleute.

Ein jedes Handwerk hat feine eigene Gasse. Da ist die Gasse der Eierhandler und die Souk der Geslügelhändler. Da ist die Gasse der Schmie­de. her Tag vom dröhnen der Hämmer wie­derholt und !wo die Reister in kleinen Cafes warten, bis innen der Lehrbub meldet, daß das Eifen glüht. Da ist dje Gasse der.Messerschmie- de, wo man unter anderem die schönsten Dolche aus Sheffield erstehen kann, die Gaffe der Früch­te und die Souk der Fischhändler. Da sind die Parfümeure, die Rosenöl aus Ssax und schwer duftende Essenzen in kunstvoll geschliffenen Phiolen verkaufen, da sind die Schneider und die Schuhmacher, die Leinenhändler und Dro­gisten. Die Kisarj, der Stadtteil der Händler, gleicht einem unersorschliche" Labyrinth. Die Gäßchen verzweigen sich ungezählte Male, lau­fen kreuz und quer, kletttrn hinauf, steigen her­ab, und der Fremde fühlt stch bald verloren in diesem steinernen Wald, wo es viel zu viel Wege gibt. In den engen Gäßchen wimmelt das bun­teste Menschengemisch, Europäer, Juden, die hier Gebba und Fes tragen, Araber, schlanke, hochgewachsene Berber aus den Dörfern des Atlas, Neger, Beduinen, Griechen und Levan­tiner drängen und schieben sich vorwärts. Manchmal bahnt stch ein Wasserverkäuser mit seinem Maultier den Weg durch die Menge, die in die Geschäfte flüchtet. Die Geschäfte haben zumeist keine Tür, deshalb werden in der Nacht die einzelnen Gassen mit Toren verschlossen und jedes Gäßchen wird von einem eigenen Nacht­wächter gehütet, den die interessterten Kaufleute gemeinsam bezahlen. Frauen steht man kaum nur selten schiebt sich eine Frau durch die Menge, in weiße Leinen gehüllt, mit dem vollkommen undurchstchttgen, doppelt umwickelten

schwarzen Schleier ans dem Kopfe.

Halbwüchsige Knaben laufen mit Limonade und gesalzten Kürbiskörnern herum, die man hier