Einzelbild herunterladen
 

Meter Neueste Nachrichten

Die st adelet Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal nachmittags. Der AüonnementSvreis beträgt für den Monat 2, Mk- bei freier Zustellung ins Haus, in der Geschäftsstelle abgedoli WO Lik. Durch die Pof! monatlich 2.00 Mk. ausschliesslich Zustellungsaebübr. Berlag und Redaktion Schlachtbofftratze 28/80. Fernsprecher 961 und 962. Kür »noerlanai eingefandte Beiträge kann die Re­daktion «tue Verantwortung oder Gewäür in keinem Kalle übernehmen. Rück» tahluna des Bezugsgeldes oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmähiger Viefernno ist ausgeschlossen. Postscheckkonto Frankfurt a. Main Nummer 6380.

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Anzeigenpreise: Einheimische Geschäftsanzeigen Zeile 20 Ptg. auswärtige Geschäft», anzeiaen Zeile 20 Pfg.. Kamiiienaitzetgen Zeile 20 Pta., Kleine Anzeigen das Äor i 4 Psg. Reklamen die Zeile 76 Pig. Offertgebühr 10 Ptg. «bei Zufendg. der Offerten 30 Pfg.t Rechnungsbeträge find innerhalb 6 Ta. tu bezahlen. Maoaebend ift der Kurs des Zablunaskaacs. Kür die Richtigkeit aller durch Kernsvrecher aufaeaebenen An­zeigen. sowie für Aufnahmedaten und Plätze kann nicht garantiert werden. Kur Anzeigen mit befand, fchwierigem Satz 100 Proz.Aufschlag. Druckerei: L-chlachtbof - strafie 28/80. Geschäftsstelle^ Köln Str.5.geqenüb.der Svobrstr. Kernfvr.951 u. 952

Sonntag, 31. Mai 1925.

Einzelnummer 10 $f Sonntags 15 Pf. 15. ZahkgaNg

SlUttttttet 125. Einzelnummer 10 Pf, Sonntags 15 Ps.

Komm, beil'ger Geist!

Deutsche Pfingsten 1925.

Wenn morgen mit sanftem oder brausendem Wehen Morgenwind um Baumkronen, um Bergkuppen, um Blütenkelche und Menschenstir­nen fächelt, wenn Freunde und Liebende sich zueinander gesellen, gleichviel ob zur Fahrt ins sprühende Morgenrot oder zu knieender Andacht im mystischen Kirchendämmer vor blumenbe­kränzten Altären ... dann vollzieht sich an ihnen, an uns aufs neue, zum fast zweitausend­stenmal, das Wunder jener feurigen Geisteser­weckung, das die Jünger des Herrn hinaus­trieb, das Evangelium der Liebe, Gnade und Erlösung unter allen Völkern der Erde auszu­breiten. Und wie aus verblassenden Kastanien- und Fliederdolden, aus brennenden Dorn- und Ginsterbüschen, aus den flammend aufgebro­chenen Blütenkelchen der Rhododendron-, Magnolien- und Pfingstrosen - Ballen, aus den glutenden Saat- und Wiesenteppi­chen, aus Duft- und Melodienrausch, wie aus dem Herzen der Natur ein Strom des Glücksrauschs bricht und die Erde in Seligkeit erschauern läßt ... so werden die Flammen der Harmonie, deS Verstehens und Verzeihens, hei­liger Lebensfreude und brüderlicher Gemein­schaft morgen, wenn auh nur für Stunden, in Millionen Menschenseelen emporzüngeln.

Denn das ist der gewaltige unsterbliche Dreiklang des Pfingserlebnifles: Die Hei­ligung der Sinne in den Tempeln der göttlichen Schöpfung, der Geist der Einmü­tigkeit im Dienst einer hinreißenden Idee und die allmächtige Sehnsucht, das Reich der Liebe, des selbstlosen Schaffens, der geistigen Vollendung aufzurichten auf dieser leidzerfres­senen Erde. Und das ist das schönste Pfingst- geschenk an alle um die äußeren Glücksgüter des Lebens Betrogenen: Daß innerstes Seelen­glück, Schätze deS Geistes, Menschenhoheit und Würde nicht an Besitz und Vorrechte, an aufge­speichertes Bildungskapital gebunden sind. Wie ost hockt der Nabob mit gesprungener Seele und toten Augen vor seinen Goldgötzen und wie ost erleuchtet die Göttin Phantasie die enge Mansarde des geistig Begnadeten oder die blas­sen Wangen einer Leidenden. Der jähe Drang zu geistigem Aufstieg und Wachstum, die be­glückende Freude am gelungenen Werk kann die Faust am Pflug und Schraubstock wie die Feder deS einsam Ringenden beflügeln; wenn auch zwischen den dröhnenden Eisenhämmern und summenden Rädern der Fabrikmoloche die sprießende Pfingstsaat leichter verkümmern kann.

So darf denn der deutsche St. Georg furcht­los dem Pfingstmorgen entgegenreiten, wenn auch der Tod mordlustig Stundenglas und Hippe über ihm schwingt und der Teufel gierig ihm zur Seite tanzt. Denn Wirtschasts- und Geldnot sind größer als je in deutschen Landen, Entlaflung, Stillegung, Lohnkämpfe sind ihre düsteren Begleiter. Zolltarif», Steuer-, Aufwer­tungsgesetze drängen zur Entscheidung und werden die Klüfte im Volk noch mehr aufreitzen. Dabei drohen rings an den Horizonten schwere aufziehende Wetter. Wird die Ruhr nun auch am 16. August geräumt werden, weil Frankreich sich nicht noch in eine verhängnisvollere Sabotagepolitik als Unruhestifter Europas hin- «inlavieren kann, so werden doch die Peitschen­hiebe der EntwaffnungSnote uns biS auf» Blut treffen. Denn ehe nicht Reichswehr und Schutzpolizei geknebelt, die Deutschen Werke nochmals umgestellt und den Schnüfflern Ge- nüge geschehen ist, werden die Glocken am Rhein nicht daS Dankgebei der Befreiung in alle Lan­de hinausdröhnen können. In noch größerer Gefahr ist der Stresemannsche Sicher- beitSpakt, der nun erst vor dem nächsten Völker- vundrat in Genf zwischen Briand und Chamberlain ernsthaft diskutiert werden soll. England hat vorläufig sein letztes Wort in Paris gesprochen und neue Aufklärungen wegen der Schiedsgerichte verlangt, während Briand selbst das heikle Thema bis zu einer persönlichen Aussprache mit Chamber­lain und Benesch im Juni ruhen lassen will.

Lauter als je ergeht darum heute der Sam- melruf an alle Brüder deutscher Zunge, den Seist der Zwietracht und Zerrissenheit abzule- ten, um des Pfingstwunders teilhaftig zu wer- en. Wie jene, die vor Jahrtausenden sich plötz­lich verstanden, obwohl fie in fremden Sprachen redeten: der Perser, der Galiläer, der Grieche... sie alle hörten ihre geliebten Mutterlaute, weil in ihnen der Geist der Liebe und Erleuchtung lawinengleich alle Schranken des Volkstums, der Sitte und Gewohnheit niedcrbrach. »Mit der Liebe komm, o Mutter Erde, und gib ein Meiden im Leben, ein Herz uns wieder" sang tz^vabenS unseliger Dichter Hölderlin. Daß

dieser Wille zur Brüder- und Völkergemein­schaft, der Beige versetzt, wieder in tiefster In­brunst in uns lebendig werde und uns den Platz unter den Völkern verschafft, der uns gebührt sei unser tiefstes Pfingstgebet. Denn stärker als die Macht der blanken Schwerter ist, was schon Napoleon ausgesprochen hat, die Macht der Ideen. F. R.

Gorge kn der Seit...

Mahnung zur Geduld und Sparsamkeit. (Privat-Telegramm.)

Berlin, 30. Mai.

In einer Berliner Zeitung kommt Reichs­finanzminister v. Schrieben auf seine ernste Beurteilung des Staatshaushalts zurück. Ueber die Notwendigkeit, den Etat für 1925 zu balan- zieren, bestehe völlige Einigkeit. Der Etat soll von alten Verpflichtungen einmaliger Art 6c« reinigt werden. Sonst sei eine geordnete Fi­nanzwirtschaft unmöglich. Eine RcParationS- rücklage sei höchst zweckmäßig, um eine Erfül­lung der auswärtigen Verpflichtungen sicherzu­stellen. Der Minister fügt hinzu, daß er die moralische Pflicht von Reich und Ländern, der Existenznot breiter Kreise nach besten Kräften zu helfen, nicht leugnen wolle. Diese Hilfe sei jedoch nur möglich, auf der Grundlage eines in sich ausgeglichenen Etats. Jeder Schritt über die Grenze der Tragfähigkeit des Etats bedeute die Gefahr einer Wiederkehr der mühsam über- wundenen Finanznot und damit neues schlim­meres Elend. Hieraus ergebe stch die Notwen­digkeit stärkster Ausaabeneinschränkung und größter Sparsamkeit auf allen Gerieten und in allen öffentlichen Körperschaften. Eine Finanz­politik, die auf Grund eines vorausschauenden Finanzplanes versucht die Balanzierung des Etats aus möglichst lange Sicht zu sichern, ist keine Thesauriernngspolitik. Die dem Reichs­tag vorliegende Steuerreform wird nur dann zum Ziele kommen, wenn bei der Beratung der Steuergesetze Rücksicht auf den Etat genommen wird. Die aus einen Steuerabbau gerichteten Bestrebungen sind zwar verständlich, aber darum nickt wenige» gefährlich, sobald sie das Gleichge­wicht im Haushalt gefährden.

Ein heikles Thema.

Englands Antwort auf Briands Entwurf. (Eigener T rahtbericht.)

Paris, 30. Mai.

Ein HavaSvertreter erklärt, daß der englische Botschafter in Paris, LordCreve gestern mit­tag im Quai d'Orsay eine Note betreffend das französische Sicherheits-Memorandum über die der deutschen R-aiernng zn erteilende Antwort übermittelt hat. Die französische These soll in den wesentlichen Punkten befriedigen, jedoch verlangt London noch eine Auftlärung über gewisse Fra­gen sekundärer Art. Man könne jedoch anneh­men, daß ein endgültiges Einverständnis hierüber erzielt würde. Die Einwendungen deS Foreign Office solle die Schiedsgerichts­verträge betreffen, durch die der Sicherheits­patt vervollkommnet werden soll. Eine Antwort an die deutsche Regierung könne erst später er­zielt «nd nach Berlin übermittelt werden.

Berliner Wetterdienst.

Berlin, 30. Mai. (Eigener Informations­dienst.) In Berlin zweifelt man ernsthaft da­ran, daß bei der Schärfe der englisch-französischen Meinungsverschiedenheiten in absehbarer Zeit überhaupt eine Lösung der Sicherheitsfrage in Betracht kommen kann. Die ReichHregierimg wird die denkbar größte Zurückhaltung bewah­ren, um nicht die geschloffene Front der Alliier­ten durch ungeschickte diplomatische Attionen wie­der herzustellen. Man würde eS deutscherseits begrüßen, wenn eS gelingt, die Sicherhcitsfragc zurLckzustellen, bis eine Einigung über dre Entwaffnung erzielt worden ist. Die deut­sche Diplomatie würde dann wesentlich günstiger auf die Entwicklung der Sicherhei sverhandlun- flcn einwirken können. Die zurzeit noch bestehen­den Gefahren liegen darin, daß Frankreich dar­auf bestehen könnte, vor einer Lösung des Si­cherheitsproblems jedes Zugeständnis in der RäunmngS- u. Entwaffnungssrage abzulehnen.

Marokkofleber in Varis.

Kabinett Painleve in Gefahr?

(Eigener Drahtbertcht.)

Paris, SO. Mai.

Eine nochmalige Nachzählung der abgegebe­nen Stimmen hat ergeben, daß nur 516 (siehe auch Depesche 2- Seite) Abgeordnete für die Ta­gesordnung deS Kartells in der Marottofragc für die Regierung gestimmt haben, während 29

Abgeordnete dagegen stimmten. Zwanzig Ab­geordnete haben sich der Stimmabgabe enthal­ten. Die Stimmung der sozialistischen .Kam­merfraktion ist außerordentlich erregt. Die noch­malige Unterstützung des Kabinetts Painlevö konnte nur mit großer Mühe durchgesetzt wer­den. Einer anderen Meldung zufolge ist die Sprengung des Links-Kartells trotz der Kam­merabstimmung nur noch eine Frage von Tagen. Ein Parteiblatt schreibt: Die Sozialisten stehen vor der Anwendung der Gewalt gegen das Ver­brechen des neuen Krieges.

Im Nebelmeer des Nordpols

Wo ist Amundsen gelandet? Vergebliche Suche.

(Privat-Telegdamm.)

Berlin, 30. Mai.

In einem Funkspruch von Bord derFram" heißt es: Das unsilytige neblige Wetter hat sich weiter im Polarbecken ausgebreitet. Der Nebel ha» sich bis zum 85. Breitengrad ausgedehnt. Es ist möglich, daß er den Pol bereits erreicht hat. Wahrscheinlich dürften die Flieger, selbst wenn sie den Rückflug angetreten haben sollten, eine Landung vornehmen, um zu vermeiden, daß die beiden Flugzeuge sich aus dem Gesicht verlieren. DieHobby" hat die Packeisgrenze vom Kap Willkomm bis zum 80,23. Längengrad abgesucht, ohne die Flieger gesichtet zu haben. gTer ainerikanischc Flieger Mac Millan will am 80. Jun- von Westen aus einen Erkundungs­flug ins Grönländische Meer unternehmen. Man hofft, daß Mac Millan die Expedition Amund­sen, die auf jeden Fall versuchen werde, in etwa sechs Wochen zu Fuß nach dem Kap Colum­bia zu gelangen, unterwegs treffen werde.

Amerika Hai gemahnt.

Theunis macht sich nach Washington auf. (Privat-Telegramm.)

London, 30. Mai.

Der belgische Botschafter. Baron de Car­lier, hat gestern den Schatzamtsfekretär Mellon benachrichtigt, daß die belgische Regierung wün­sche, Verhandlungen für die baldige Fundierung der b e l g i s ch e n S ch u l d an die Vereinigten Staaten zu beginnen. In einer Erklärung sagte Mellon, Baron de Cartier habe ihn verständigt, daß Belgien eine Kommission entsenden werde, die unter dem Vorsitz des früheren Pre­mierministers ThcuniS stände und zu der noch andere hervorragende Leute gehören würden.

Im Feuer Md-el-KrimS.

Blutige Gefechte in Marokko.

(Eigene Drahtweldung.)

Paris, 30. Mai.

An verschiedenen Stellen der Marokkofront haben neue Einbrüche des Feindes stattqcfun- den. Eine Abteilung von Rifleuten in Stärke von 250 Mann hat am 27. Mai in Nordwesten von Hazzi Dezza angegriffen. Dieser Angriff ist von den Stämmen unter französischer Artillc- rieunterstützung zurückgewiesen worden. Der Feind hat neun Tote zurückgelaffen. In der Gegend von Kiffane find die! Telephonverbin­dungen zerstört worden. Der Feind hat ein star­kes Feuer auf die französischen Posten und die den Franzosen treuen Stämmen eröffnet.

Das seufzende Albion.

Schon wieder Konkurrenzsorgen.

(Eigener Drahtbericht.)

London, SO. Mai.

Der liberale Führer Sir Alfred Mond griff in Swansea die Finanzpolitik des Kabinetts »an. Die englische Industrie werde augen- ch durch Steuern bedrückt, außerdem gebe das Land unnöttgerweise 120 Millionen Pfund für Rüstungen aus, während Deutsch­land, das keine Rüstnngssorgen kenne, seine ganze Tattraft für bett Wirtschaftsgang zur Verfügung habe. Es werde nicht mehr lange dauern, bis Deuffchland England aus feiner starren Stellung im Welthandel verdränge.

Der Beamte soll schweigen

Muffolinis neueste Verordnung. (Privai-Telcgramm.)

Rom, 30. Mai.

Der Justizmiuister hat in der Kammer einen Gesetzentwurf eingebracht, bis zum 31. Dezember 1926 Beamte und militärische Per­sonen zu entlaffen, wenn sie innerhalb oder außerhalb des Dienstes durch Kundgebun- fen bewiesen haben, daß fie sich in Wider- pruch mit den allgemeinen politischen Richt- linien der Regierung gesetzt habe«.

Don innen heraus.

Eine Pfingstbetrachtung.

Von

Artur Brausewetter.

Das Alte ist vergangen. Siehe, es ist alles neu geworden." Das ist der Pfingstgruß und die Psingstlosung.

Aber leider ist es in Deutschland noch nicht neu geworden. Immer noch nicht. Woran das liegt?

Daß wir den Quell der Erneuerung noch nicht gefunden haben. Dieser Quell heißt: Von innen heraus.

Als Deuffchland vor etwas mehr als 110 Jahren in tiefem Verfall war, wenn auch noch nicht in einem so liefen wie heute, da traten Männer auf wie Ernst Moritz Arndt, Schleier­macher und Fichte. Sie riefen nicht zu den Waf­fen, sie predigten nicht den Krieg. Sie wußten, daß ein Volk, bevor es fähig war, die Sache sei­nes Vaterlandes mit den Waffen zu führen, erst innerlich rein und gesund sein mutzte. Die Erneuerung von innen heraus war der Grundgedanke alles dessen, was sie lehrten und flammend in die verzagten Herzen gossen:Wern nur Eintracht und Treue immer mehr die Ober­hand gewinnen; wenn wir nur standhafter fori- fahren zu zeigen, daß es unter uns etwas Hei­liges gibt, worauf wir unverbrüchlich halten, daß wir noch immer das männliche Volk sind, dessen schönster Beruf es immer gewesen ist, die Freiheit des Geistes und die Rechte des Ge­wissens zu beschützen."

Wenn heute der Pfingfigi-ist du?" 'ff."" Lande braust, wenn er beugt und bricht und aus- baut um eins wollen wir ihn bitten: daß er die Herzen beugen und wieder auswärts richten möge, daß die gewaltige Kraft eines unwider­stehlichenStirb und Werde" in ihnen lebendig werde Das aber ist nur möglich durch eine Neu- werdung von innen heraus.

Aus dreifachem Gebiete müßte 4efe eintre­ten. Zuerst auf ethischem. Die sittlichen Mächte müßten wieder die führenden werden, vor allem im öffentlichen Leben und in der Politik. Mag das Parteileben eine Notwendigkeit sein, eins ist klar: cs hat die Moral, hat die Begriffe von Änständigkeit und innerer Vornehmheit verwirrt und vergiftet. Nicht nur, daß ein Deutscher den anderen bekämpft, was in einem so zerrissenen, auf Einigkeit gewiesenen Land an sich ein Ver­hängnis ist d'.e Mittel, mit denen diefer Kampf geschieht, sind so unmoralisch und skrupel- los, daß die ersten Tugenden einer Nation: Ge- rechtigkeit, Wahrheit und Siebe, darunter zu- gründe gehen müssen. Bevor der Parteifanatis­mus nicht verstummt, kann an eine sittliche Erneuerung nicht gedacht werden.

Die sittlichen Mächte müßten aber auch die führenden wieder in der Familie und in der Erziehung werden. Nur eine reine Jugend kann imstande/sein, die Hoffnungen und Erwar­tungen zu erfüllen, die ihr armes Vaterland auf sic setzt. Niemals eine innerlich getrübte und be­fleckte Ein überspannter Nationalfanatismus macht cs hier nicht, sondern die voninnen heraus einsetzende Erneuerung des sittlichen Empfindens, der sittlichen Betätigung. Niemand könnte diese durch Wort und Vorbild so pflegen, wie eine reine Mutter. Deshalb kommt die. fer auch im Gefüge und in der Entwicklung unseres Vaterlandes eine so führende Rolle zu.

Das zweite Gebiet, auf dem die Erneuerung bmt innen heraus sich vollziehen müßte, ist das g e ist i g e. Nicht die Menge des angelernten Stoffes, nicht die Gabe schneller und sicherer Er­fassung, nicht die Beherrschung gtößerer geistiger Materien macht dieBildung" aus, sondern nur die Vereinigung innerer geistiger Gaben, mit denen eines gesund und stark entwickelten Ge­mütes.Wer sich durch die Verehrung für große Männer dazu bestimmen läßt, ihrem Bei­spiele prattischen Einfluß auf fein tägliches Leben zu geben; wer seinen Eltern dient aus allen seinen Kräften und im Dienst des Fürsten treu ist biS zum Tod; wer stch durch sein gegebe­nes SBcrt unbedingt gebunden fühlt, solch ein Mann mag vielleicht nicht Büchergelehrsamkeit besitzen, aber ich behaupte doch, daß er wirklich gebildet ist", lebrt Kung-fu-tze.

Und auch das dritte Gebiet, für das dies von innen heraus" gilt, gehört untrennbar mit den beiden anderen zusammen: das religiöse. Wer heute noch glaubt, Deuffchland könne ohne eine innerlich religiöse Erneuerung wiederauf­erstehen, dem möchte ich 8. von Rankes Wort entgegenhalten: Eine große des Namens tour- dige Nation läßt stch gar nicht denken, deren Po. lifffches Leben nickt von religiösen Zielen ange­regt und erhoben würde."

Die große innere Klarheit, die mehr ist alS die deS Intellektes, schafft nur eine innerlich er«