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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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??UtttF*et 124. Einzelnummer Ist Pf., Sonntag-15 Ps.

Sonnabend, 30. Mai 1925.

Einzelnummer 10 $f Sonntag-15 Pf. 15. 5^HkgaNg

Me Deutschland geknebelt Weeden soll.

EinHort des Friedens

Getzlers Borhieb und Abwehr .m Reichstag.

Mit dem heutigen Tage ist der Reichstag in die Mingstserien gegangen. Auch in der Reichs- Politik ist damit ein Stillstand eingetreten. Die letzten Tage haben noch die Annäherung des Zentrums an das Kabinett Luther gebracht, nachdem der Kanzler den interfraktionellen Aus­schuß zugestanden hat, der die Regierungspar- teien zu ersprießlicher Arbeit zusammenschließen soll. Ueberhaupt hat der Kanzler das Bestre­ben, durch gütliche Besprechungen die scharfen Gegensätze der Parteiten gegenüber den Regie­rungsvorlagen auszugleichen um dadurch die Regierungsfront für die kommenden großen außen- und innerpolittschen Entscheigungen zu st ä r k e n.

Darum ist auch gestern der Reickswehrmini­ster Dr. Geßler sofort den Angriffen auf die Wehrmacht von links entgegengeireten und har Smit der denkbar größten Offenheit über Die

ltschen Militärfragen ausgelassen. Wenn man erwartet hatte, Dr. Geßler werde sich ängst­lich an gewisse politische Bedenken halten, so wurde man gerade durch die Offenheit, mit der Dr. Geßler auch über die kompliziertesten und delikatesten Dinge sprach, überrascht. Der Mini­ster sprach davon, daß die Reichswehr den Zweck und die Aufgabe hat, einen Schutz für die deut­schen Grenzen darzustellen. Den Kernpunkt der Erklärungen Dr. Getzlers bildeten seine Aus­führungen über die Militärkontrolle, über die Abrüstung und über die Sicherheitsfrage. Hier streifte Dr. Geßler so eingehend die gegenwärti. gen Probleme der Außenpolitik, daß man im ersten Augenblick schon erkennen konnte, wie sorgfältig diese Ministerrede vom gesamten Reichskabinett vorbereitet worden ist. In den Regierungskreisen verhehlt man auch garnicht, daß es dem Reichskanzler und dem Außenmini­ster daraus ankam, angesichts der gegenwärtigen Atmosphäre deutscherseits mit aller Of­fenheit die Abrüstungs- und Entwaffnungs- frage zu streifen.

Tie Darlegungen Dr. Getzlers über die kon- seguente Friedenspolitik Deutschlands dürste übrigens auch auf das Ausland sehr starke Wirkungen ausüben. Die Bedeutung liegt gerade darin, daß seit den letzten Monaten kein Mitglied der Rcichsregierung in so entschiede- ner Weise den ernsten Friedenswillen und die Bereitschaft Deutschlands zu internationalen Sicherheitsverträgen und Abmachungen über die Abrüstungsfraae zum Ausdruck gebracht hat wie der deutsche Reichswehrminister. Aus diesem Grunde ist es auch verständlich, daß die Mehr­heitsparteien dem Minister wahre Ovationen darbrachten, als er seine eindrucksvolle Rede beendet hatte. Was den innenpolitischen .kern der Ministerrede betrifft, so ist festzustellen, daß die Reichsregierung entschlossen ist, an der bis­herigen Retchswehrpolitik sestzuhalten. Eine starke Beschränkung des Reichswchretats würde nach Auffassung der Reichsregierung bedeuten, daß die Skuatsstcherheit aufs schwerste gefährdet wird, denn eine unrufriedcne Tnwpe bietet ab­solut keinen Schutz für die Verfassung und den Staat. Am auffallendsten waren aber die Ver­sicherungen des Ministers, daß die republika­nische Staatsform von der Reichswehr ge­schützt werde, ohne jede Rücksichtnahme auf politische Strömungen. Die Reichswehr soll nach den Absichten des Ministers vollkommen frei von jeder Parieipolitik bleiben und lediglich ihren militärischen Aufgaben nachkommen. Nach dem starken Eindruck der hochbedeutsamen Rede auf alle Regierungsparteien, dürfte auch der letzte Vorstoß von links die Stellung der Regie­rung für die nächsten Wochen nickt allzu stark er­schüttern und wird hoffentlich die Geschlos­senheit herbeisühren, die angesichts der kom­menden Entwasfnungsnote im Interesse des Landes unbedingt gefordert werden muß.

Auch die vorsichtigste Deutung der gestrigen Reuternote läßt nicht den geringsten Rückschluß ,u. der für Deutschland günstig kein könnte, denn alles ist. wie bisher, an vorherige Erfüllun­gen Deutschlands geknüpft. Und auch die heu­tigen Londoner Ankündigungen über den In- haft der Entwaffnungsnote sind dazu angetan, unsere letzten Hoffnungsfunken auf eine men- schenwürdige und barmherzige Regelung der Entwaffnungsfrage zu begraben. Denn Frank­reich will dadurch nickt nur unsere letzten mili­tärischen, sondern auch mit harten Schlägen die wirtschaftlichen Kräfte treffen und labm- legen. Eines der geistig und wirtschaftlich stärk­sten Völker der Erde soll in demütigender Skla- venschast gehalten werden, durch rücksichtslose Härten, wie sie in der Geschichte aller Zeilen beispiellos dafteben und selbst geeignet sind, vielleicht sogar den Schutz der staatlichen Le- bensinieressen im Innern aufs schwerste zu gefährden. Nur eine Hoffnung läßt sich aus der englischen Meldung schöpfen: Endlich gehen die Noren an Berlin

ab, endlich wird der monatelangen Erwartung der Reichsregierung ein Ende gemacht. Die Woche nach Pfingsten dürfte für Deutschland manche Klarheit und wahrscheinlich manche Enttäuschung bringen. F. R.

Zum zweitenmal entwaffnet.

Frankreichs Stotz gegen Heer und Industrie (Eigener Drahtbericht.)

Paris, 29. Mai.

Einem diplomatischen Berichterstatter zu­folge wird die Entwaffnungsnote u. a. folgende Punkte einschlietzen: Auflösung gewisser Abtei­lungen des Reichswehrministeriums und der Stäbe der größeren Einheiten, die an den frühe- ren Generalstab erinnern, Einschränkung der Zahl der Stabsoffiziere entsprechend dem Um­fang der Wehrmacht, Auflösung aller Hilf-- und Ueberbestände an Mannschaften, strenge Vor- sichtsmatznahmen, durch die diese unstattlzafte Bergrötzerung der ordnungsmäßigen HeereS- stärke in Zukunft verhindert wird, Auflösung ge­wisser geheimer militärischer Organisationen, wirksames verbot militärischer Hebungen in athletischen, studentischen und sonstigen Jugend­organisationen vorzunehmen, Verminderung der militärischen Ausbildungs-Institute, Ausliefe­rung und Zerstörung verschiedener Kategorien von Schriftstücken über Mobilmachung, militä­rische Operationen usw., teilweise Entmilitarisie- rund und Dezentralisierung der SicherheitSpoli zei, Berwandlung beweglicher Festungsgeschütze in unbewegliche, Beseitigung einer Anzahl von Fabriken, tote noch immer Waffen und Munition herzustellen imstande sind, Zerstöruna ober Um­bildung der schweren Maschinerien in den Kruppwerken und den Deutschen Werken, Zer- störung verschiedener militärischer Eisenbahn­linien und Feldbahnen, schärfere Anwendung der bestehenden Bestimmungen gegen die Em- itnb Ausfuhr von Kriegsmaterial.

* Da- Sollt der Botschafter.

Paris, 29. Mai. (Eigener Drahtbericht.) Ei­ner Pressenotiz zufolge wird die Botschafterkon- feren; heute oder morgen folgende Feststellungen machen: 1. Deutschland ist seinen Reparations- verpflichtungn nachgekommen. 2. Es hat seine Entwaffnungsverpflichtnngen nicht erfüllt. S. Die Bedingungen für die Räumung der Kölner Zone sind somit nicht erfüllt. 4. Die Räumung KölnS kann somit erst erfolgen, wenn Deutsch­land auch die Entwaffnungsklausel erfüllt haben wird. Die R e p k o Wird gleichfalls morgen die Frage, ob die Reparationen erfüllt worden sind, prüfen. Sckwn jetzt gilt als sicher, daß die Ant­wort bejahend auSfallen wird.

Bis Ende Juni verschoben.

Der Sicherheitspakt kommt vor den Völkerbund. (Eigene Drahtmeldung.)

! London, 29. Mai.

Einem diplomatischen Berichterstatter zufolge wird das Kabinett heute über den Dicherheits- pakt beschließen, daß wahrscheinlich keinerlei Antwort auf die deuffchen Vorschläge vor der Zusammenkunft des BöSkerbundsrates in Gens, die in der zweiten Juniwoche beginnt, abgesandt werden wird. An bkfer Zusanunen- kunft werden vorausfichtlich Chamberlain und B r i a n d teilnehmen. Bon ihren Be- fprechungen werde vermutlich die endgültige Ent- fcheidung über die an Deutschland zu sendende Antwort abhängen. Inzwischen wird in maß­gebenden «reifen erklärt, daß der Fortschritt der Verhandlungen zwar langsam aber nicht unbe- dingt als unbefriedigend betrachtet werde.

Wofür Frankreich blutet.

Die Ehre steht in Marokko aus dem Spiel.

(Eigener Drahtbericht.)

habe. Die Kammer beschäftige sich heute mit einer nationalen Frage. Die

Ehre Frankreichs stehe aus dem Spiel. Niemals sei eine sranzöflsche Regierung über die durch ein Abkommen festgelegten Grenzen hin­ausgegangen. Die spanische Regierung müsse anerkennen, daß Frankreich in loyalster Weise den Vertrag beobachtet habe. Frankreich sei be­reit, die Befriedung deS Rif- und Uerghagebiets zu erleichtern, ohne die Grenze der französischen Zone zu überschreiten, und die Lage der Rifbe­völkerung zu verbessern, aber gegen Plünde­rungen werde man vorgehen. Als Marschall Lyautey im Dezember 1924 Verstärkungen angefordert habe, habe er jeden Gedanken, in das Rifgebiet, daS ein Wespennest sei, einzu­dringen oder in die s p a n i s ch e Z o n e zu gehen, abgelehnt. Painleve verlas die Lyautey gegebenen Anweisungen und sagt, die Stärke der Streitkräfte in Marokko überschreite nicht wesentlich die, die vor dem Kriege und noch 1921 in Marokko unterhalten worden seien. Die Verluste betrügen weniger als

vierhundert Tote und 1100 Verwunderte. Als die Kommunisten rufenNieder mit dem Krieg" erhebt fich die Kammer zu Ehren der Gefallenen. PainlevS schließt fich namens der Regierung dieser Kundgebung an. Painleve erklärte weiter, Frankreich werde in feiner jetzigen Stellung am Uergha bleiben, bis die Rifleute darauf verzichteten, in französi­sches Protektoratsgebiet einzufallen.

* * *

Brlanb im Feuer.

Paris, 29. Mai. (Privattelegramm.) Nach Painleve erklärte bet der Marokkodebatte der Kommunist Berthon, daS Uerghagebiet ge- höre nicht zum französischen Protektorat. Außenminister 58 r t an b protestiert und sagt: Zwischen Frankreich und Spanien müsse bal­digst ein Abkommen getroffen werden, um den Frieden wiederherzustellen. Infolge Bri- andS Erklärung kommt es zu ekner heftigen Auseinandersetzung zwischen Sozialisten und Kommunisten, sodaß Briand erst nach einiger Zeit weiter sprechen kann.. Alsdann wird die Debatte geschlossen. Die Kommunisten haben eine Tagesordnung eingebracht, die die Ma- r o k k o p o l it i k der Regierung mißbilligt und Einstellung der Feindseligkeiten fordert.

Sie stimmen schwelgend zu.

Paris, 29. Mat. (Eigener Drahtbericht.) Die sozialistische Kammerfraktion beschloß mit 21 gegen 20 Stimmen, fich der Abstimmung über die militärischen Ereignisse in Marokko zu enthalten. Die Kammer vertagte fich darauf.

Wenn er nicht wiederkehrt.

Auf der Suche nach Amundsen.

(Eigener Drahtbericht.)

Oslo, 29. Mai.

Die norwegische Lustfahrtvereinigung hat beim Berkehrsministerium beantragt, die F r am für das Absuchen der Eiskante zur Verfügung zu stellen sowie zwei Flugzeuge für den gleichen Zweck nach Spitzbergen zu entsenden. Nach einem Funksprnch derFrarn" besteht keine Ursache zu irgend welchen Besorgnissen über das Schicksal Amundsens. Das Wetter im Polargebiet ist nach wie vor günstig. Von eng­lischen Gelehrten glaubt nur Professor Brühe in Oxford noch an die Möglichkeit eines er- folgreichen Abfchluffes der Expedition, obwohl auch er zugibt, daß die Erreichung des Pols durch Flugzeuge auch dann als gescheitert an- zusehen fei, wenn Amundsen in sechs Monaten überraschend wieder austauchen sollte.

Paris, 29. Mai.

Bei der Aussprache über Marokko sagte Kriegsminister Maginot in der Kammer u. a., von einem Einbruch in das Rifgebiet oder einer Annexion könnte keine Rede fein, da die Uergha-Linie nach den bestehenden Verträgen in die französische Hoheitszone salle. Abg. Ba- relly bezeichnete Abd el Krim als einen Ge­schäftsmann, der während des Krieges im Dien­ste eines deutschen Agenten gestanden habe und sich aus eine Propaganda stütze, deren Ziel es sei, Feuer und Blut in der Welt zu ver­breiten. Es handele fich jetzt darum, die Stäm­me zu entmutigen. Minifterprästdent Painleve führte alsdann auS: Frankreich habe nur ein Ziel, die Stämme des Uergha- Gebietes gegen die Plünderer zu schützen. Es gebe keinen Franzosen, der eine Politik des Aufgebens betreiben wolle. 1914 habe Jau- r e § klar ausgedrückt, daß Frankreich in Rord- afrifa ein Werk der Zivilisation vor-

3n der Zange Amerikas.

Keine Kredite ohne Schuldenbegleichung. (Privat-Telegramm.)

Rewyork, 29. Mai.

Amerikas Druck auf die Schuldenstaaten hat, wie man uns aus Washington meldet, erneut da­zu beigetragen, daß nunmehr die von privater amerikanischer Seite zu bewilligenden A n - leihen an das Ausland genauer geprüft werden sollen. Besondere Bedeutung sei diesem Hinweis beizulegen, wenn man an die kürzliche Konferenz zwischen Kollegg und den Mii- gliedern der Gchuldenfundierungstommission denke. Bor einiger Zeit fei im Staatsdeparte­ment bekannt gegeben worden, paß Coolidge gewillt fei, Vie Prüfung der privaten Anleihen als einen Hebel zu benutzen, falls irgendwelche ernsthafte Bewegungen fich unter den Schuldner­nationen entwickeln feilten mii dem Ziel, die Schulden nicht in vollem Umfange anzucrkennen.

3mSoldderRevublik.

Geßler als Friedenshüter. Das Weserunglück.

Nach dem Diktat tum Versailles. Wabt- fahrtoacldcr. Ei« Frtedeusinftrnment. Lächerliche Rüstunasmarche«. lieber Öen Parteien. Nochmals bte Sckmldsraae.

Nach Erledigung einiger Nachträge zum Landwirtschaftsetat sprach gestern im Reichstag Reichswehrminister Dr. Geßler über den Reichswehretal. Eingangs betonte der Minister, daß man, wenn man die Ausgaben vermin- dern wollte, unter das heruntergehen müsse, was auch die Entente für Deutschland für not­wendig gehalten hat. Besonders schwierig sei eS, tüchtige Offiziere in der Wehrmacht zu halten, weil die Beförderungsmöglichkeiten so gering seien. In der Ausrüstung werde wahrlich kein übermäßiger Aufwand getrieben. Der Minister kommt dann auf die vaterlän- difchen Verbände und ihre Geldgaben an die Reichswehr zu sprechen, die restlos den W o h l f a h r t s e i n r i ch t u n g e n für die Reichswehrangehörigen zugute gekommen sind. Die Hauptaufgabe der deutschen Reichswehr ist der Schutz der deutschen Grenzen. Die Reichswehr hat dafür zu sorgen, daß Deutschland nicht zum

Kampfplatz ober zur Etappe fremder Heere werde'. (Lebhafter Beifall.) Wir wollen in der Welt gleichberechtigt sein, entweder in der Abrüstung oder in dem Aufbau eines unse­ren Bedürfnissen entsprechenden Heeres. Das Gerede von geheimen deutschen Rüstungen ist lächerlich. Ein Volk, ba« beimlich.^^M-^ will, muß anders aussehen als das deutsche, das dazu viel zu arm und zu schwatzhaft ist. Es ist richtig, daß wir im Herbst 1923 Zeitfreiwillige eingestellt und die total erschöpfte Munition bis zu der durch den Ver­sailler Vertrag gezogenen Grenze ergänzt haben. Zeitfreiwillige werden, wie mir die militari» scheu Befehlshaber bestimmt versichern, nicht mehr ausgebildet. Ich habe nichts gegen einen vernünftigen Pazifismus. Die größte Heeresvorlage in Frankreich ist von Her» r i o t und seinem Linkskartell gemacht worden. (Hört! Hört!) Daraus ergibt sich wieder, daß Republik und Demokratie zwar friedlich, aber nicht defaitistisch sind. Wir verletzen nicht den Versailler Vertrag, aber wir wollen auch nicht auf das verzichten, worauf wir nach diesem Ver­trag Anspruch haben. Wir werden ehrlich an jedem System der Abrüstung und Verständi­gung mitarbeiten, aber das Opfer der deutscheit Freiheit darf keiner fordern. (Lebhafter Beifall rechts.) Zu den Angriffen gegen das Offizier- korps kann ich nur aufrichtig versichern: DaS deutsche Heer, wie es steht, ist

ein Heer der Republik.

Das alte Offizierkorps hat sich mit größ­tem Pflichtgefühl der Republik für die Neuge- staltung des Heeres zur Verfügung gestellt. (Beifall rechts.) Die deutsche Reichswehr wird ein vom Parteistreit unberührtes, zuverlässiges Heer der Republik sein und bleiben. Die De­batte wird nach Ausführungen der Abgg. Dr. B r e d t (Wirtsch. Vgg.) und L o i b l (B. Vpt.) geschlossen, die beide bessere Versorgungs- maßnahmen für die aus der Reichswehr nach zwölf Jahren ausscheidenden Soldaten for­dern und verlangen, daß mit dem Zivildienst­schein ausscheidende Reichswehrangehörige bei Staat und Gemeinden eingestellt werden. Abg. Hünlich (Soz.) begründet eine Inter­pellation seiner Freunde, die sich mit dem Mas­senunglück bei der

Pionierübung auf der Weser beschäftigt. Reichswehrminister Dr. Geßler erwidert, die Heeresleitung habe sofort alle Schritte getan, um die Ursache der Katastro- phe a u f z u k 1 ä r e n. Im Juni werde in ös- rntlicher Verhandlung vor dem Schöffengericht die Schuldfrage untersucht werden. Von einem irreführenden Bericht könne man nicht kprechen. Der grundsätzliche Fehler der Pionierbestimmung sei der, daß sie nur ringe- teilt war für den Kriegsfall, wo man mehr riskieren muß als bei Friedensübungen. Nach dem Unglücksfall sind die Bestimmungen ofort revidiert und weitere Sicherungs- und Schuhvorschriften ausgenommen worden. Ter eigentliche Reichswehretat tst damit erledigt. Die Beratung des Marineetats wird auf Diens­tag den 9. Juni vertagt.

Das Schicksal des deutschen Werke.

Alle Umstellungskosten bewilligt.

Berlin, 29 Mai.

Bei der Behandlung der Neuorganisation der Deutschen Werke A-G. erftattctc Abg. Dr. Wieland (Dem.) den Bericht. Trotz schwerer