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Meler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

Donnerstag, 28. Mai 1925.

Qtlinib.e* 122. Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf.

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Einzelnummer 10 Ps^ Sonntags 15 Pf. 15. Äa sfkgaNg

Brianöö unversöhnliche Haltung.

Dor Tag und Tau.

Burpfingsten in der Politik.

(Eigener Berliner Informationsdienst.'!

Noch gestern früh erhoffte man in Berliner Regierungskreisen, daß noch vor Pfingsten die «Antwort Frankreichs auf die Stresemannsch« Sicherheitsnote überreicht würde und eine Ha- vasmeldung pon gestern früh, baR die Antwort­note im Pariser Kabinett fertiggestellt sei, konnte als Bestätigung dieser Aufsagung Berli­ner Regierungskreise gedeutet werden. Aber dieser zweite Entwurf ist nun erstmÄ in Lon­don als Antwort aus den englischen Fragebogen überreicht worden und zun Gegenstand lang­wieriger und hitziger Debatten geworden. Gleich­zeitig ist aber auch in London eine Note Bel­giens in der gleichen Frage überreicht wor­den, deren Inhalt man int Voraus we> wenn ihr Verfasser der neue belgische Ministerpräsi­dent, der bekannte Deutschenfeind und Brüsseler Oberbürgermeister Max ist. Londoner Preffe- stimmen betonen, daß die französisch« Antwort den englischen Mindestforderungen nicht ganz entspricht und weitere Verhandlungen mit Frankreich notwendig machten, bie unmittelbar nach Pfingsten beginnen sollten. Wenn diese Meldungen zutrefsen, dann ist eine neue, man kann schon sagen, endlose Verschiebung der Sicherheitssrage zu erwarten. An diesem Falle arbeitet die Zeit gegen uns, denn der Ring gegen die deutschen Vorschläge hat sich Jeit der Mussolinischen Rede noch enger geschlossen. Angesichts der neuen Sachlage haben die So- ziaidemokratef den A "lraä geb <t, be.t xitfc ir­rigen Ausschuß noch u o r Pfingsten 'einzube- rufen, um die außenpolitische Lage, die man für wesentlich verschlechtert anflebt, zu besprechen. Ob diesem Anlrag stallgegeben wird, war bei Abgang dieses Berichtes nicht zu übersehen.

Auch das Srocken der Auslandskre­dite ist nicht länger zu leugnen. Nach der Wahl Hindenburgs setzten einige neue Kredit­bewilligungen ein, um dann vor etwa vierzehn Tagen plötzlich abzubrechen. Vergebens warten große Firmen des Rheinlandes auf die ihnen in sichere Aussicht gestellten Kredite, auch die Ber­liner Industrie hot noch fast hundert Millionen Mark unerledigte Kreditgesuche in Newyork vorliegen. Morgan und die übrigen Newyor- ker Großbanken haben ein Verfahren eingeschla­gen, das wenig Hoffnung läßt, daß noch wesenl- lich neue Kredite nach Deutschland und Europa überhaupt gegeben werden. Auch französische Industrien klagen über die gleiche Ablehnung in Newyork. Und doch wird es Deutschland gegen­über am strengsten geübt. Grund ist in beiden Fällen die nach amerikanischen Pressemeldungen gefährdete Tawessauierung, deren drohendes Versagen die schlechte finanzielle Lage der deut­schen Reichsbahn ankündigt und die gleichmäßig in ihren Folgeerscheinungen Deutschland und Frankreich bedroht. simerika ver­langt jetzt so weitgehende Verpfändungen von kreditsuchenden Firmen, besonders hinsicht­lich der Maschinen und Rohvorräte (Krupp machte den Anfang), daß man bei der Unsicher- heit der Kredit dauer zurückhaltend g. worden ist. Wenigstens weigern sich große führende Firmen in Berlin glattweg, derartige Beding­ungen zu unterschreiben. T-as hat dann im weiteren Verlauf zu allgemeiner Stagna­tion der ganzen Kreditgesuchwirtschaft geführt, umsomehr als einigen westdeutschen Firmen die vor sechs Monaten gegebenen Kredite .bereits gekündigt worden sind. Die Geldflüsstgkeit Amerikas scheiut mindestens zum Stocken ge­kommen zu fein, man spricht sogar von den ersten Anzeichen eines wirtschaftlichen Konjunk­turumschwungs in den Vereinigten Staaten. Dafür spricht auch da» Vorgehen des Staats­departements für Rückforderung der nach Europa gegebenen Wiederaufbaukredite.

Tie Krisis im Reiche und Preußen bleibt latent. Nirgends zeigen sich Ansätze einer Lösung; Erst n ach Pfingsten wollen in Preußen und im Reiche die Parteien über diese Fragen weiter diskutieren. Von einer Auf­lösung des Landtags ist eS ganz stillgeworden. Namentlich mir der deutschnationalen Fraktion stehen noch bedeutsame Erörterungen Luthers und Stresemanns bevor, da sich herausgestrllr hat, daß von deutschnationaler Seite noch starke Bedenken gegen die von der Reichsregierung in Aussicht genommenen wirtschaftspolitischen Lösungen bestehen. Nachdem man die Auf- Wertungsfrage durch ein Kompromiß un­ter den Parteien gelöst hat, hofft man letzt auch durch gütliche Vereinbarungen unter den betei­ligten parlamentarischen Grnvven die noch be- fiebenden parlamentarischen Schwierigkeiten zu beseitigen. Wie wir weiter hören, find die ge- g-nwärtiaen Bestechungen des Reichskanzlers mit den 'Parteien noch nicht zum Abschluß ge­langt Vielmehr steht eine Entscheidung noch au« Einige parlamentarische Kreise wollen wis­sen Reickskanzler Tr. Luther wünsche dringend eine Äenderung der parlamentarischen Basis der

Regierung, wenn jetzt nicht die notwendigen Voraussetzungen für sie Erledigung der brin= aenden Aufgaben geschaffen werben. Das Par­lament wird in wenigen Wochen seine Ferien antreten und noch immer ist das Schicksal der Zollvorlagen völlig ungewiß. Auch der Etat muß schleunigst verabschiedet werden. Soweit das Zentrum in Betracht kommt, scheint es in seiner Mehrheit entschlossen zu sein, die Regierung Luther nachdrücklichst zu unter­stützen. Es kann aber der Fall eintreten, bas sich bie Mehrheitsverhältnisse verschieben, wenn etwa die deutschnationale Partei, wie das tm Handelspolitiswen Ausschuß bei der Entschei­dung über den deutsch-spanischen Handelsvertrag geschoben ist, nicht einheitlich auftreten sollte. Aus diesem Grunde ist der Vorschlag gemacht worden, auch bie Demokraten zur positiven Mit­arbeit heranzuziehen. Die vorläufigen kleinen Zollvorlagen stoßen bei den Demokraten weniger auf Bedenken als die angekündigten weitcr- gehenden Pläne des Reichsernährunasmini stets und des Reichswirtschaftsministers, bte nach be- mokratischer Auffassung auf den Wirtschaftsver­kehr mit dem Auslande lähmend einwirken könnten. Es wird daher auch über die Zollvor­lagen zu einem Kompromiß kommen müssen, an dem auch die Demokraten beteiligt sein werden.

Vergiftete Pfeile.

" Di« lächerlichenVerfehlungen". (Eigene Drahtmelduna >

j Paris, 27. Mai.

Ink Senat warnte Briand davor ,/r "st­einigten Staaten wegen der Richtratisikation des Friedensvertrages einer Nnkorrcktheit zu beschuldigen, da der amerikanische Senat den von Wilson unterzeichnkten Vertrag von vorn­herein nicht ratifizieren wollte. Demgegenüber bedauerte Senator Courju, daß Amerika Frank­reich heute mit Kanonen bedrohe, wenn eS nicht bis zum letzten Zug feine Schulden bezahle. General Bourgeois führte aus, der letzte Bericht der Kontrollkommission ließe den schlechten Willen Deutschland« erkennen. Unter den sogenannten Verfehlungen Deutschland- er­innert General Bougeois auch an die angebliche Schaffung eines deutschen General­stabs, ferner an die Ausbildung von Zeitfrei­willigen sowie an vier von ihm aufgezählte va­terländische politische Organisationen. General Bourgeois wandte stch schließlich auch noch ge­gen eine angebliche Revanchepropagan­da (!) in Deutschland, die stch nicht nur auf Elsaß-Lothringen sondern auch auf Schlesien, Polen und Oesterreich beziehe. General Tauf­lieb forderte Verstärkung der französischen Propaganda im Auslände, insbesondere aber in den Vereinigten Staaten.

Auch Briand unverMnlich.

Er stimmt in die Haßgesänge ein.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 27. Mai.

Im Senat spra ch sich Briand über die aus­wärtigen Probleme wie folgt aus: In einigen Tagen werden die Fragen der Sicherheit und des Paktes geregelt sein und dann werde er alle notwendigen Erklärungen abgeben. Die Aus­führungen des deutschen Außenmini­sters über die Verfehlungen seien nach feiner Ausfaffung ironisch. Ohne schwarz malen zu wollen, wie das General Bourgeois ge­tan habe, muffe er sagen, daß diese Rede einen Teil der Feststellungr der Kontrollkommiflion enthalte. Er sei allerdings sicher, daß jede der seftgestellten Verfehlungen beseitigt werden. Die Note der Alliierten werde von einem großen Geiste der Mäßigung eingegeben sein. Die französische Regierung teile die Bedenken des Generals Bourgeois und werde die nötigen Maßnahmen ergreifen. Zur Schuldenfrage er­klärte Briand: Gegenwärtig feien zwei Regie­rungsmitglieder mit dem Studium der Frage beschäftigt. Frankreich werde kein schlech- ter Zahler werden, es wove aber unter ver­nünftigen Bedinguegen zahlen, die es von seinen Gläubigern zu erzielen Höfte. Alle Artikel züm Budget des Aeußeren wurden angenommen, da­runter Artikel 9, der die Wiederherstellung der Botschaft beim Vatikan vorfieht.

Weichende Marokko-Front.

WaS man zwischen den Zeilen liest. (Eigener Drahtbericht.)

Paris, 27. Mai.

In dem Communique über die Lage in Ma­rokko heißt es: Im westlichen Abschnitt übt der

Feind weiter einen starken Druck auS. Es ist zu hartnäckigen Kämpfen gekommen. Auf fron« zöfischer Seite haben Artillerie und Flieger ein- gegriffen. Sie sollen dem Feinde schwere Verluste beigebracht haben. An bet Mittel­front ist bie Lage unverändert. Der Feind hat Abteilungen auS Leuten der abgefallenen Stämme wieder mit Parionen versorgt. In der Gegend von Ain Matus werden noch immer Einbrüche sowie Plünderungen festge- steüt. Im übrigen dauert die in dieser Gegend gemeldete B e d r oh u ng durch den Feind an. Dasselbe ist auch an der Ostfront der Fall.

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Schwere Schiapvrn im 3tiffgel>lfL

Rotterdam, 27. Mai. (Privattelegramm.) Ein Londoner Blatt meldet aus Tanger: Der zweite Rückzug der Franzosen ist eine offene und schwere strategische Niederlage. Tabunat und E l b i b a n sind nach französischem Zuge­ständnis den Rifkabylen in die Hände gefallen.

Geheimnis des Nordpols.

Hilfsexpedition für Bmundfen.

(Eigener Trahtbericht.)

Washington, 27. Mai.

Präsident Coolidge hat erklärt, die amerika. nifdK Regierung sei bereit, eine Hilfsexpedition für Amundsen auSzurüsten, doch zweifle er daran, patz eine solche Expedition jetzt schon an- gebracht fei. Gegen die Entsendung bet Shenan- «Hhatz und der Lüs Angeles nach dem Nordpol besteht in vielen Steifen Opposition, da dieser Pka,. schon früher vom Marineamt fallen gelas- fen worden sei. In Kalifornien wurde eine Sammlung für eine Hilfsexpedition unter­nommen, die vom Neffen deS Nordpolfahrers Nausen eingeleitet wurde. Der amerikanische Nordpolforscher Mee Millan will stch in weni­gen Wochen auf die Suche nach Amundsen be­geben. (Siehe auch Meldungen Beilage.)

Da« Wetter ist noch gut.

Mailand, 27. Mai. (Eigener Drahtbericht.) Die Witterungsv'erhältnisse am Nordpol waren am Montag und Dienstag günstig. Das at­mosphärische Ties, das von Sibirien und Ruß­land angezeigt war, wanderte nicht nach Nor­den, sondern nach Osten. Die Lichtverhältniffe am Pol selbst sind gut.

Brücken übers Weltmeer.

Riesenluftpläne in London.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 27. Mat.

Die Ozean-LuftverkehrSgesellschaft hat einen Plan für eine Fluglinie London-Newyork ausgearbeitet, welche Strecke innerhalb sechs- undvierzig Stunden zurückgelegt werden soll. Außerdem wurde ein Plans für die Strecke 2 o n- don-San Franzisko ausgearbeitet, die in vier Teilstrecken befahren werden soll. Ans dem Attantischen Ozean sind große schwimmende Flugzellen vorgesehen. Wenn der Plan geneh­migt wird, soll eine Verbindung mit der Rew- yorker-San Franziskoer Fluggesellschaft einge­gangen werden.

Fort mit dem Giftgas!

Beschlüffe und deutsche Demonstration in Genf.

(Eigener Informationsdienst.)

Genf, 27. Mai.

Die Wafsenhandelskonferenz kam zum Schluß, daß es im Rahmen der Konvention Über die Kontrolle des Waffen- und Munitionshandels nicht möglich sei, die Frage des Giftgaskrieges zu behandeln, da mit einem Handelsverbot für Giftgase praktisch nichts erreicht werde« würde. Sie hat deshalb beschloffen, eine besondere internationale Konferenz behufs eines Verbots des Gistgaskrieges anzuregen. Die de u t f cf) c Erklärung, einer internationalen Konvention über die Unterdrückung des Gaskrieges beizutreten, ist erfolgt, um durch wichtige Vorschläge bie Aufmerksamkeit bet be­teiligten Mächte aus den absoluten Friedenswil- len Deutschlands zu lenken. . Es handelt stch dabei, wie der maßgebende Diplomat unserem Mitarbetter gegenüber betont, um eine Demon­stration der deutschen Regierung, die bei der Lö­sung des Abrüftungsproblems nicht übergangen werden will. In Berlin hofft man, bie Un- terstützung bet an der AbrüftungSfrage in­teressierten Großmächte zu finden und für die später in Aussicht genommenen Konferenzen eine vollkommen gleichberechtigte Zulassung Deutsch­lands ohne jede Einschränkung zu erzielen.

Unsere Reichswehr.

Angriff und Beistand von links und rechts.

Ei« Borft-tz im Reichstag. - Das La-dhe« und bie Marine. Dee ..schwarze Reichs­wehr". Wer für sie eintrilt. Schützer der «ersaßung. - «allstes Vertraue«.

Mitztrauen der Rnmmunittcn.

Berlin, 27. Mai.

Beim Haushalt des Reichswehrminister,um« wendet sich Abg. S ch ö p s l i n (Soz.) gegen bte Höhe der Kosten, die für die Reichswehr ausge- wendet werden. Die Reichswehr koste dem Deutschen Reich viertausend Mark pro Kops und Jahr. Es sei zu erwägen, ob die Marine in ihrem gegenwärtigen Umfange aufrechterhalten werden solle oder ob bte Ma­rine nicht aus ein weiteres Minimum red u- ziert werden könne. Der Redner wendet sich dagegen, daß bie Reichswehr Privatmittel au8 Wirtschaftskreisen annehme, um der Notlage der Reichswehr zu steuern. (Hörtl Hört! recht».) Diese Mittel würden zu bestimmten Zwecken, die mit derschwarzen Reichswehr" zusammen- hängen, verwendet. Angesichts dieser und an­derer Vorgänge würden die Sozialdemokraten als Ausdruck ihres Mißtrauens das Gehalt des Ministers Geßler ablehnen. Abg. Schmidt (Dntl.) wendet sich gegen bie flo­gen die Reichswehr erhobenen politischen An- grifsse. Diese Angriffe ,die vom Reichskanzler und Wehrminister einwandfrei zurückgewiesen worden seien, wäre Nur Material für un­sere Gegner. Abg. Ersing (Ztt.) wenb.:^E gegen bie Kritik be Abgeordneten Schöpslin. Unter der Leitung des Reichswehrminister» und des Generals v. Seeckt habe sich die Reichs- wehr zu einem wohldisziplinierten zuverlässigen

Schutzinstrument für die Verfassung der deutschen Republik entwickelt und auch in den schwierigsten Zeiten bewahrt. Die Marine- forderungen werde das Zentrum bewilli- gen. Abg. Brüningshaus (D. Vpt.)r Während man Deutschland nur wenig über hun- derttausend Mann Soldaten geloffen habe, stän­den in Frankreich 780 000 Mann unter Waffen, also 8 0 0 0 0 Mann mehr als vor dem Krieg. (Hört! Hört! rechts.) Es sei unverständ- l i ch, daß angesichts dieser Tatsachen sich über­haupt noch Stimmen gegen den Heeres- etat wenden. Abg. Dr. Haas (Dem.): Wir haben zum Reichswehrminister und zu den obe­ren Stellen der Reichswehr das vollste Ver­trauen, aber der Wehrminister mutz dafür sorgen, daß in der Reichswehr bekannt wird, daß Generalfeldmarschall v. Hindenburg die republikanische Verfassung beschwo- reu hat. (Sehr gut.) Nachdem Vizepräsident Bell dem Hause Mitteilung vom Eingang eines kommunistischen Mißtrauensantrags ge­gen Reichswehrminister Geßler gemacht hat, wird die Debatte des Heeresetats geschloffen.

Sin verarmtes Volk.

Vermöflensumschichtungen. Arme Reichsbahn.

Düffeldorf, 27. Mai.

Bei der Tagung der rheinisch-westfälischen Wirtschastsverbände sprach Reichsminister Tr. Neuhaus über das ThemaUnsere Wirt­schaftslage". Er wies aus die ungeheure Ler- mögensumschichtung hin, die während der In- flationszeit eingetreten fei. Vor dem Kriege konnten wir mit einem Goldkapital von 130 Mil­liarden im jetzigen Gebietsumfange rechnen. Alles in allem wird man heute vom Ertrags - wert ausgehend, schwerlich auf mehr als fanf- undzwanttg bis dreißig Milliarden Mark Rent- nerkapital nach der Aufwertung kommen. Das ist al|o ein Viertel bis

ein Fünftel des Rentnerkapitals der Vor­kriegszeit.

Die heutige Mehrpassivität des Außenhandels von zwei Milliarden wurde im wesentlichen au» der Bilanzverschiebung von nur drei Haupt- gruppen hergeleitet: der Textilien. der Kohle und des Eisens. Die Textileinfuhr habe allein ein Plus von Passivitäten von einer Milliarde be­wirkt. Bei Eisen ist der Ausfuhrüberschuß von einer Milliarde, die wir vor dem Kriege hatten, um eine halbe Milliarde gesunken. Aus dieser Verschiebung ergibt sich eine Illustration für die vielfach verschärften Konkurrenzverhältnisse auf dem Weltmarkt. Drei Wege gebe es, um die deutsche Wirtschaft zu beben. Erstens müsse man für Hebong und Intensivierung der Inlands- Produkte und gleichzeitig für eine Hebung der Konsumkraft für inländische Waren Sorge tra­gen, also für eine Stärkung des Inlandmarktes. sodann für eine damit verbundene Ersparnis und Verkleinerung unserer Einfuhr und drir- tens für eine weitere Vereinigung unserer Wirtschaft, die die Senkung unserer deutschen Generalnnkosten zur Poraussetznng bat. Ms dann behandelte Staatssekretär Stieler die