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Kasseler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

15. Iakrgang

Son tag, 24. Mai 1925

Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf.

Amerika als Brotherr Europas

g l g r e r t e n in die Mög­lich von Coolidge gegen-

und man gel

I

stammen

io weit, zu behaupten, daß

Hochspannung in Berlin.

Am Vorabend weltpolitischer Entscheidungen (Eigener Informationsdienst.»

Finanzierung des Rifkriege? zum Ziel gesetzt hatte. Man Will wissen, daß

marokkanische Aderlaß das heiße Kriegerblut der Fochschen Scharen, sodaß in dem kommenden harten Strauß auch der deutsche Michel einen willigeren Gegner findet. F. R.

Zusammenschluß der Rationen Europas näher rücken, wie es anaesiclits der drohenden Gefahren auf dem übrigen Erdball nur zu wünschen wäre. Tenn in Marokko hat Frankreich lustig sein Kriegsseuerchen aufs neue entzündet und der Welt gezeigt, wie es mit seinem pbrasenhaft aus- gcklinaelten Friedenswillen bestellt ist. Jeden­falls stürzt Herr C a i l 1 a n r setzt von einer Sor­ge in die andere und vielleicht kühlt der starke

Berlin, 23. Mai.

Sus Mitteilungen der deutschen Botschaft in London ersieht man, daß die Diskussion über den Garantiepalt gegenwärtig sowohl in Lon­don alS auch in Paris einen überaus regen Umfang angenommen hat. Namentlich in Eng- land ist augenblicklich nur noch von dem Frie­

Sin Fußfall in WaWnawa

Kredite für Europa oder Katastrophe.

(Eigener Trahtbericht.)

London, 23. Mai.

Wie die Blätter melden betonte der britische Botschafter Sir Howard in Washington aus einem Jndustriebankett u. a : Wir beabsichtigen, die direkten Schulden zu bezahlen, aber die Zeit wird vielleicht kommen, außer wenn eine wirksame Wendung zum Besseren eintritt, wo cs unmöglich sein wird, zugleich große Ankäufe von Rohstoffen in den Vereinigten Staaten zu machen und Zinsen für unsere Schulden zu bezahlen. Der Botschafter fuhr fort, er spreche für die Welt im allgemeinen. Wenn man nicht bald eine feste Grundlage des Ber­te a u e n s und des K r e d i t s in ganz Europa und eine Rückkehr zum natürlichen Gang des Handels Wiederhersteller- könne, so werde man einer schlimmeren Katastrophe als einem neuen Kriegszustand entgcgengehen. Amerika habe recht, wenn es sage, daß Europa sich selber helfen müsse. Er bitte nur darum, daß in Amerika sympathisches Verständnis ge­genüber diesen Versuchen, die in scharfen Gegen- sähen zueinander stehenden Elemente zusam- mcnzubringen, entgegengebracht werde.

Paris, 23 Mai.

Einem Zeitungstelegramm zufolge hat die Mission des Franzosen Malvy in Madrid zwar nicht ziz einer spanisch-französischen militärischen Zusammenarbeit, jedoch dazu geführt, daß den französischen Truppen die Genehmigung erteilt werde, in die spanische Zone einzudringen, wenn die Entwicklung der militärischen Operationen es erfordern sollten. Selbstverständlich würden die französischen Truppen in ihr Gebiet zurückkch- ren, sobald per Feind niedergekämpft sei. Spa­nien sei der Ansicht, zum mindesten gegenivärtig eine militärische Operation nicht unternehmen zu können. Das Direktorium, das der Ansicht sei, daß in der Zone deS spanischen Protektorats Ruhe herrsche, gedenke die Spanien unterworfe­nen Gebiete durch andere als mUitärische Mittel zu pazisizieren und sich gefügig zu machen.

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Num Ke 119. Einzelnummer 10 Pf^ Sonntags 15 Pf.

denSpakt die Rede, sodaß die französische Regie­rung sich jetrt genötigt sehen dürste, aus -er bis­her geübten Zurückhaltung herauszutreten. Auch England sieht jetzt übrigens Deutschlands Be> ieiltgung nm Völkerbund als Vorbedingung für die Durchführung des Garantiepaktes an. Die englische Diplomatie hat sogar ein ganzes Programm ausgestellt, das gegenwärtig von deutscher Sette eingehend geprüft wird. Na­mentlich in der Frage der Ostgrenzen, die bei den kommenden Erörterungen eine wesentliche Nolle spielen werden ergibt sich dabei volle Ueberein- ltimmung zwischen Berlin und London. Sehr schmerzlich haben in Berlin Aeutzerungen M »s s o l i n i s berührt, der sich schroff gegen den Anschluß Oesterrei^is aus­sprach. Von diesem Mitzton abgesehen, hält man es in Berlin für durchaus opportun, wenn Ita­lien erklärt, an dem Pakt teilzunehmen u. wenn Mussolini von einem Fünsmächte-Abkom- men spricht. Wenn Italien als Garantiemacht teilnehmen wolle, so würde dadurch der Wert des Abkommens zweifellos erhöht werden. Sollten die Alliierten weiter auf Deutschlands Beitritt zum Völkerbund bestehen, so würde dadurch füi die Reichste gierung eine schwierige Lage ge­schaffen, die aber nicht unbedingt mit dem Schei­tern der Sicherheitsbestrebung gleich fein würde.

Der König des Rifs.

Wer liefert Kriegsmaterial an Rbd ei Krim?

S« im firiegölicbet. - Rbd «l Krims «rtil- Icric und Fluakolorcricn. Ans England ge­liefert. - Bon Sronkrelch selbst finanziert?

Laune» der Weltgcfchichte.

Fez, im Mai. ()Durch Flugpost.s

Langsam beginnt sich der Krieg auch in der heiligen Stadl" fühlbar zu machen. Tie Kämpfe die sich nördlich und nordwestlich von Fe; in der Gegend von Ain Aicha und Skirbane abspielen, haben in den letzten Tagen an Heftigkeit wesent­lich zugenommen und die Zahl der französischen Verluste scheint nicht allzugering gewesen zu sein, denn man sah gestern zum ersten Male Transportautos des Roten Kreuzes, die mit Verwundeten beladen, durch die Straßen der Hauptstadt fuhren. Aber auch sonst ist der mili­tärische Verkehr stärker geworden. Man sieht immer mehr Truppen; lange Train und Provi- natkolonnen, Autos und Maultiere fahren durch die Straßen und in den Straßen der Souls ver­dickten sich immer mehr die Gruppen, die erregt diskutierend beisammen stehen, aber gleich ver- stummen, wenn ein Weißer in ihre Nähe kommt. Kaum mehr als dreißig Kilometer weit don­nern die Geschützenicht nur die französischen, sondern auch die Abd el KrimS.

Wer bedient sie und wer kommandiert sie? Wer führt die Fluazeuge der Aufständischen, die über den französischen Stellungen bei Kifane kreisen? Woher stammen diese Maschinen, un­ter denen sich sogar Bombenwerfer befinden, dte verschiedene Lager der Franzosen nicht ohne Er­folg angegriffen haben? Das sind die Fraaen, auf die man heute in Fez und in iiiadat, aber iulSi -iS man weiß, daß sich unter den Leuten Abd el Krims viele befinden, die während des Welt­krieges bei den französischen Truppen ihre Aus­bildung genossen haben, aber damit ist die Frage noch nicht gelöst. Unter den Geschützen der Ma­rokkaner befinden sich auch französische Kanonen und ehemals deutsche Geschütze, die aus Frank­reich den Weg nach dem Rif gesunden haben. Es sind spanische Geschütze darunter, von denen man annebmen kann, daß die Leute Abd el Krims sie erbeuteten. Wo sind aber die Flugzeuge her? Man behauptet die Riflente hätten sie von den Spaniern erbeutet, aber das scheint ganz aus­geschlossen zu sein. Es ist nicht anzunehmen, daß die Spanier, wenn sie schon gezwungen waren, Flugmaschinen zurnckziilassen, dieselben nicht unbrauchbar gemacht haben.

Fragt man irgendeinen französischen Offizier, so wird er die Achseln zucken. Er hat feine vor­gefaßte Meinung Abd el Krim, der übrigens auch in Moskau eine Gesandtschaft unterhalten soll, wird wohl nickt ganz vergebens einen ei­genen Vertreter in London gehabt haben. An Marokko will mau ganz genau wissen, daß die

Flugmaschinen Abd el Krims aus London

Lichter am Horizont.

Ein Streifzug durch politische Wildnis.

Allzulange hatte der deutsche Michel nach dem furchtbaren Weltkriegs-Schiffbruch in der.To­desstarre alles nationalen Lebens, Selbstgefühls und -Bewußtseins verharrt. Auf den rauchen­den Trümmern der geborstenen Reichswälle und Dämme konnte sobald das junge Reis eines neuen'deutschen Volksstaats, geschlossenen nativ« ,-alen Willens, der Wiedererweckung aller er­storbenen Seelenkräfte nicht aufspriehen. Denn die letzten Energien waren vom Verzweiflungs­kamps ums nackte Dasein, vom entsagungsvollen Rettungssamariterdienst am todflechen Staats- und Wirtschaftsorganismus ausgezehrt. Aber während ringsum die Weltkriegsmacher, und -Sieger in der jähen Erkenntnis von ihrem Glücksrausch und -Taumel erwachten, daß aus den Eingeweiden des deutschen Slelettriesen keine Sckätze und Eleriere herauszuwühlen seien, batte deutscher Fleiß mit Hirn und Faust trotz Fron und Sklaverei wieder Haus und Feld be­stellt und sich über die Meere hinweg Achtung und Vertrauen der Völker zurückgewonnen. So war denn die Zeit gekommen, wo auch aus den Tiefen der deutschen Seele wieder die göttlichen Funken höherer Lebens- und Gemeinschaftsztele hervorbrechen und das Sehnen nach Freiheit und Gerechtigkeit nach innerer Aussöhnung und brüderlichem Zusammenschluß mächtig entzünden

diese Maschinen amb von Leuten geführt wer­den, die ihre Ausbildung als Flugzeugführer nicht im Rifaebiet. sondern irgendwo in der Ge­gend von Aldershot genossen haben. Tatsache ist, daß verschiedene Agenten des Kabylenführers in London wegen des Ankaufes von Bmnbenwerferslugzeugen verhandelt hoben, und dabei durckblicken ließen, daß sie geeignete Füh­rer für die Maschinen hätten, die es fertig brin­gen würden, die Flugzeuge auf dem Luftwege von England nach dem Rif zu bringen. Ein­mal wollte ein geheimnisvoller Schotte von ei­ner Eiesellschaft in London sechs Flugzeuge er­werben, ein anderes Mal war es ein englischer Ingenieur. der 9000 Pfm-d für jede einzelne Maschine anbot. Man erzählt sich sogar, daß Abd el Krim in England den Versuch gemacht haben soll, zwei ansrangierte Unterseeboote an- zukaufen, die er gegen die spanischen Militär- transvortsckiffe verwenden wollte. Wo hat aber der Führer der Kabvlen das viele Geld her, das er zu seiner Kriegführung benötigt? Tie spa- Nischen Lösegelder, die er ssir die gefangenen Of­fiziere eine Zeit lang einkassiert bat. können ja unmöglich ausreichen, zwei Fahr- lang einen ausgedehnten Krieg zu führen, eine Armee von mindestens dreißigtausend Leuten beisammenzu- b alten. Waffen. Munition und Lebensmitteln zu kaufen und auch zu bezahlen und dabei noch so erbeblicke Summen zur Ver­fügung zu haben, wie aus den obige Angaben bervorgeht Run wird in Tangers, wo man über die Geschäfte Abd el KrimS am besten un­terrichtet ist allen Ernstes erzählt, daß bereits vor anderthalb Jahren. also noch in 1924, in Po­ris ein Syndikat gebildet wurde, das au8 fran­zösischen und englischen ©ctbleuten bestand, und das sich die

Di- xautletJJeuefttn äiodjrutiien erldjetnen wöchentlich iechSmat nachmittags. Der «bonnementsvreis beträgt für den Monat S Mk. bet trefer Zustellung ins -öaus, in der (»eltbäftgftelle abgeholt LNOäHf. Durch die Po» monatlich S.00 Mk auelttilleftlid) ckuftellungsgebtihr. Verlag und Redaktion Schlochthofffraß« *<W8O. .Zerniprecher 051 nnh flFgj. Für ntwerlangt etnaefanbie Beiträge kann M« Re­daktion eine Verantwortung oder Gewähr in feinem Falle übernehmen. Rück» iahlttna des BetttgSgeldes oder Äniorüche wegen etwaiger nicht ordnunasmäbiger üie'-rnn» 'ft anSaefchloften Pofifcheckkontn Frankfurt a. Mafn Nummer flssu

Ein frischer Luftzug.

Abbau der Notverordnungen. (Privat-Telegramm.)

Berlin, 23. Mai.

Die Regierung Hat dem Reichsrat Entwürfe zur Aufhebung wirtschaftlicher Notverord­nungen zugeleitet, die u. a. betreffen: die Ver­ordnung zur Sicherstellung des Warenumlaufs, des Verbots der Ausfuhr lebenswichtiger Ge­genstände, die Verordnung über Notstandsver- sorgung und die über Preisprüfungsstcllrn. Nach Ansicht tfer Regierung sind auch die Preisprüsungsstellen jetzt entbehr- l i ch geworden, nachdem auf fast allen Gebieten der Wirtschaft eine normale Marktlage hergestellt ist. Auch die Vorschriften der Preis- treibereiverordnung seien mindestens zum Teil entbehrlich geworden. Ties gelte für die Vorschriften über Höchstpreise und deren Ueberschreitung, über Kettenhandel, Warenzu­rückhaltung und Schleichhandel. Andere Be­stimmungen, u. a. über Preiswucher usw. sowie Leistungswucher müßten noch bestehen bleiben.

Europas Schiedsrichter.

Worüber der Völkerbund befinden wird.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 23. Mai.

Einem diplomatischen Berichterstatter zufolge enthält die Tagesordnung der nächsten Völker, bundssitzung drei interessante Punkte. Von diesen beziehe sich der erste aus die Funktionen des Bölkerbundsausschusses, der in Zukunft die Beaufsichtigung der Rüstungen in den vormals feindlichen Säu­bern führen soll. Das Problem der Völker- b u n d S -S a n k t i o n e n" im Falle von Ver- zügen auf Seilen der beaufsichtigten Staaten und insbesondere die Frage, ob eine einmütige Stel­lungnahme des VölkerbundsrateS zu diesem Zweck notwendig sein «erde, werde ebenfalls zur Erörterung gelangen. Die zweite Frage sei die der geplanten entmilitarisierten Rheinlandzone; aber die britischen Dele gierten würden vielleicht Vorschlägen, daß jede Erörterung darüber verschoben werden, bis das Ergebnis der Sicherheitsvcrhandlungen feststehe. Die dritte Frage betreffe die Abgrenzung des Danziger Hafenbezirks. Der Bölkerbundsrat werde bestimmen, daß das Danziger Hafengebiet das Gebiet umfassen solle, in dem die Polen vor drei Monaten Brieskästen angebracht haben. Der Korrespondent meldet außerdem, daß Lord R o - bert Cecil Großbritannien vertreten werde. Chamberlain werde nur kurze Zeit erscheinen.

Freies Spiel in Marokko.

Spanien will keinen Krieg.

(Eigener Drahtbericht.)

konnten.

Die imposanten, weit über die Erdteile hin­leuchtenden Kundgebungen bei den Museums­und Fahrtausendfeiern in München und am Rhein, die flammenden Appells unserer Staatsmänner bei der Weihe des Deutschen Hau­ses in Stuttgart, die die unveräußerlichen Menschenrechte eines Neunzig-Millionenvolkes in alle Welt hinausriefen und den eigenen Volksgenossen den Glauben, die Ehrfurcht für die neue Schicksalsgemeinschaft, Stolz und Zu­versicht in Hirn und Seele hämmerten, sind w ie­der die ersten Blütenzweige des deutschen Früh­lings, die Aussaat einer kräftigen, segensvolle, ren Ernte. Denn nur aus un8 selbst kann der heiße Schöpsungswille zur Einttacht, zum Wie- deraufstieg, zur Erneuerung und sittlichen Tat über die Erde strömen, wenn der Glaube an un­sere Sendung, unsere wirtschaftliche und geistige Fruchtbarkeit draußen wieder erstarken soll. Und wir werden die sinanzielle und moralische Hilfe weniger Staaten, denen wir Interesse und Bewunderung für technische und kulturelle Groß­taten abgerungen haben, namentlich aber den Beistand Amerikas, bald wieder bitter notig haben. Mehr als je fallen heute welkwiri­sch aftlicheAbhängigkeiten in die Wag­schale, wie sie namentlich von Coolidge gegen­über dem tief verfchuldeten Europa und speziell dem säumigen Zahler Frankreich gegenüber gel­tend gemacht werden. Er allein wird auch, nach­dem Chamberlain in Paris zu Kreuze gekrochen ist, der rasenden gallischen Megäre in den Arm fallen können, der drohend gegen uns den Shyl- lockvertrag von Versailles schwingt.

Noch ist nicht abzusehen, wann das neue Ver­hängnis über uns hereinbrechen Wird, denn die Herren Botschafter haben die endgültige Fassung ihrer lächerlichen Entwaffnungsnote auf nächsten Mittwoch vertagt und in der Sicherheitsfrage hat MufsoIini den Anspruch Italiens ange­kündigt. Der vorgesehene Pakt müsse auch Ita­lien einschließen und müsse gleichzeitig die Grenzen Italiens am Brenner garantie­ren. Also zur strittigen Frage der Ostgrenzen auch noch die Grenzen, welche zurzeit Deutsch­land gar nichts angehen. Zugleich erhebt Musso­lini flammenden Protest gegen den An­schluß Deutsch-Oesterreichs an das Deutsche Reick. Tas widerspräche dem Versail­ler Vertrag. Mussolini irrt. Im Versailler Ver­trag wird der Anschluß Oesterreichs vorgesehen, allerdings nur mit Zustimmung des Völkerbun­des. Wenn alle Staaten, die im großen Kriege gegen Deutschland gekämpft hatten, heute schon von einer friedfertigen Gesinnung erfüllt wa­ren. und den wahren Frieden in Europa erstre­ben würden, so könnte diese Diskussion dazu führen, vieles wieder gut zu machen, was durch das Dittat von Versailles schlimm gemacht wur­de. Denn daß die Diskussion über eine gegensei­tige Garantie nur bei einer gleichberech­tigten Mitarbeit Deutschlands erfolgen kann, steht wohl außer aller Frage. Ein gutes Ende der Diskussion würde auch den friedlichen

Die Flagge am Nordpol.

Wenn Amundsen ihn glücklich erreicht...

(Privat-Telegramm.)

Mailand, 23. Mai.

Amundsen hat vor dem Start bestimmt: Falls die Flugzeuge die Fühlung miteinander verlie- solle der Apparat 24 (einen Kurs unter dem der im Namen deS Königs von Norwegen er- mächttgi ist, von dem neuentdeckten Gebiet Be­sitz zu ergreifen. Amundsen ist durch Telegramm ermächtigt worden, von dem neu entdeckten Ge­biet Besitz zu ergreifen, in dem ihm Regierung und Nation die herzlichsten Glückwünsche für einen epochemachenden Erfolg übermittelten.

*

Amerika als zweiter Sieger.

Newyork, 23. Mai. (Durch Funkspruch.) Dte amerikanische Nordpol-Expedition ist von hier aufgebrochen. Ihr Kapitän ist der Hauptmann Donald Mac Millan. Die Expedition begibt sich an Bord des Schiffes Peay nach Kap Hubard, von wo sie in vier Flugzeugen versuchen Will, nach dem Vorbilde Amundsens zum Nordpol zu gelangen.

Politik uiidNevolver.

Nach einem Krawall in Oesterreich.

(Eigene Drahtmeldung.)

Wien, 23. Mai.

Nach den bereits gemeldeten Zusammen­stößen zwischen Nattonalisten u. Republikanern in Mödlin bei Wien ist per schwerverletzte Möd- liner Gemeinderat Müller seinen Verletzungen erlegen. In Mödlin haben die Arbeiter in den großen Fabriken zum Projcst die Arbeit niedergelegt. Dem Zureden der Ver­trauensmänner gelang es jedoch, sie nach meh­reren Stunden wieder zur Aufnahme der Ar­beit zu bewegen. Bundeskanzler R a m e t er­widerte auf eine sozialdemokratische Anfrage, daß die Regierung alle Maßnahmen treffen werde, um die Schuldigen der Bestrafung zuzusüh- ren. Von der Gendarmerie sinp vier Leute fest- genommen worden, die an der Schießerei beteiligt gewesen fein sollen.