Kasseler Neueste Nachrichten
Hessische Abendzeitung
Kasseler Abendzeitung
Svnuuüend, 23. DTai 1925.
Nnrrr p er 118. Einzeinummer lsi Pf. Sonntags 15 Ps.
Einzelnummer 10 Pf. Sonntags 15 Pf. 15. Ztk^rgtlNA
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Bekenntnis zue öeutjchen Heimat.
Das Rohr im Winde
Englands Abhängigkeit von Paris.
Von
Dr. Paul Rohrbach.
Die »alliierte" Note cn Deutschland in Sachen der Entwaffnung ist ein Beweis dafür, wie weit England immer noch davon entfernt ist, die Unabhängigkeit seiner Politik wi-e- dergewonncn zu haben, die es in Versailles mit der Preisgabe Deutschlands und der Balkanisierung Europas verlor. Nach monatelangem zähem Kampf ist dies nun das Ergebnis. Man kann natürlich sagen, daß durch die Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten die unaufrichtige These von der Gefährlichkeit Deutschlands nach außen eine Stütze erhallen habe, ober ist es möglich, zu beweisen, daß England ohne diese Kahl eher imstande gewesen wäre, nd1 gegen Frankreich zu behaupten? Falsch auf leben Fall ist die Meinung, Deutschland sei es, das in dieser Auseinandersetzung die Niederlage erlitten habe. Die Entwaffnungsfrage, die Kölner Frage, der Sicherheitspakt, sind nicht voneinander zu trennen. Um den Zusammenhang zu verstehen, muß man zurückgehen bis auf den Dezember vorigen Jahres. Damals siegte in Frankreich die Schule Fachs über die halben Ausgleichsgedanken Herrlots. Dieser lag krank an seinem Beinleiden und wurde mit illustrierten Uebersetzungen deutscher .Revanches-Literatur gefüttert. Der arme Mann, dessen Kenntnisse von Deutschland nicht etnm«t so weit reichten. daß er etwa- von der überwältigenden deutschen Mehrheit in Danzig wußte, geriet in Schrecken, und gab den Militaristen freie Hand. Die Kontrollkommission in Berlin erhielt Befehl, zu ihrem bereits fertiggestellten, der Sache des Friedens günstigen Bericht noch ein Supplement auszuarbeiten, durch das alles wieder auf- Bhoben und eine Fülle der gefährlichsten deuten Verfehlungen »konstatiert" wurde.
Die Londoner Politik war damals und gleich danach ganz uneinheitlich. Auf der einen Seite ließ man sich von den Franzosen ins Bockshorn jagen, und die alten Deutschenseinde, wie Mac Neill triumphierten. Der sogenannte General Morgan schrieb sein Pamphlet, und die Regierung schloß sich dem französischen Diktat an, daß England nicht auS Köln hinausgehen dürfe. Auf der andern Seite lebte sie (und lebt noch heute!) in dringenden Besorgnissen wegen Rußland. Die Sorge vor den bolschewistischen Einflüssen in Men, vor allem in Indien, ist ungeheuer. Der bekannte amerikanische Senator B o r a h, hat direkt ausgesprochen, daß England den deutschen Schritt in der Sicherheitsfrage veranlaßte, weil es fürchtete, Deutschland könne sonst aus Verzweiflung über die fortdauernde Vergewaltigung seiner westlichen Gebiete sich in die Arme Rußland- Werfen. Diese Auffassung Borahs ist, was England angebt, richtig. Mr haben also das groteske Bild, daß hier England sich selber von Frankreich mitschleppen läßt, nicht wagt, Köln zu räumen, und dort der englische Botschafter in Berlin dem deutschen Außenminister suggeriert, er solle eine freiwillige Wiederholung der Versailler Unterschrift wegen Elsaß-Lothringen anbieten, das sei der Weg, auf dem Deutschland Erleichterungen int Westen erreichen und sich zugleich gewisse Hoffnungen im Osten offenhalten könne! Schon dies kreuzweiS verschobene Spiel zeigte deutlich das englische Gefühl der Abhängigkeit von Frankreich. Trotz der Trümpfe der französischen Verschuldung und des Einverständnisses mit Amerika wegen Wiederherstellung der europäischen Wirtschaft, selbst gegen den Willen Frankreichs, ist England durch die verwundbaren, französischer Einwirkung zugänglichen Stellen des Imperiums in feiner Handlungsfreiheit gelähmt. Das einzige Mittel, mit dessen Hilfe es riskieren könnte, wieder einmal englisch mit den Franzosen zu sprechen, einen Bundesgenossen auf dem Festland, hat es sich selbst verdorben.
Dazu kommt als zweiter Lähmung s- faktor die immer noch fortdauernde Durchsetzung der leitenden politischen Kreise mit gefühlsmäßiger Freundschaft für Frankreich und Feindschaft gegen Deutschland. Sie zeigt, wie stark einmal die Furcht vor den Deutschen gewesen ist. Aber wenn auch ein Erbe, so ist dies doch heute sicher das Gegenteil von Erb-Weis- heil. Der widerspruchsvollen Anlage des politischen Feldzuges entspricht nun das vorläufige klägliche Ende. Das Gefühl der Abhängigkeit war abermals stärker; die Kraftprobe gegen Frankreich wurde nicht gewagt. Allerdings bat England sich noch nie so lange gegen die Niederlage gesträubt wie dies Mal. Nichts ist sicherer, als daß man in London den Kamps wieder aufnehmen wird, nickt einmal oder zweimal, sondern so lange, bis das Ziel wirflich erreicht und Frankreichs absolute Uebermacht aus dem Festland von Europa wieder beseitigt ist. Dann, nicht Sher, wird das Gefühl der Abhängigkeit Weichen.
des Deutschen Reiches eher empfunden als die
mann als gefestigt gelten.
Paris, 22. Mai.
Havas meldet aus London, man könne bezüglich der französischen Antwort auf den deutschen Sicherheitsvorschlag heute weder von einem günstigen noch von einem ungünstigen Eindruck in London sprechen, weil die gegenwärtigen Verhandlungen nicht erlaubten, ein Urteil über ihren Ausgang abzugeben. Man könne lediglich sagen, daß die Lage normal sei. Es handele sich darum, zu erreichen, daß die französische und die englische Regierung
Berlin, 22. Mai.
Im Reichstag wurde am Mittwoch zuerst über den MitztrauenSantrag der Sozialdemokraten abgestimmt, der sich gegen die gesam- te Reichsregierung achtet. Die namentliche Abstimmung hatte folgendes Ergebnis: Von 368 Stimmen lauteten 129 für Ja, 214 für Rein. Fünfundzwanzig Abgeordnete hatten sich der Stimme enthalten. Das Mißtrauensvotum war also mit einer wesentlich größeren Mehrheit, als man annehrneu konnte, abgelehnt. Die Demokraten und die Völkischen hatten sich der Stimme enthalten. Es steht nunmehr fest,
Die Mehrheit hinter Luther
Ablehnung des Mißtrauensantrags. lEigener Informationsdienst.)
Deutschtums führte Außenminister Dr. Strese- mann u. a. aus: Achtung vor denen, die hinaus gingen, weil sie ihr politisches Ideal in diesem Deutschland nicht erfüllt sehen konnten und die mit die besten Deutschen gewesen sind, die cS jemals gab, Achtung vor denen, die den deutschen Namen in den Bereinigten S «aten zu Klang
ßnolanö am Scheideweg.
Schicksal des SickerheitSvaktS an der Themse.
(Eigene Drahtmeldung.)
neunzig M'llionenvolk kann die Welt nicht hinweggehen.
Wenn wir uns bewußt find, daß wir zusammengehören, müssen wir dahin gelangen, ,mit allen Kräften die kulturelle Autonomie für das Deutschtum draußen zu erhalten. Daraus erwächst von selber die Aufgabe, dasselbe in deutschen Ländern zu tun, was wir draußen für das Deutschtum verlangen. Der bayerische Ministerpräsident Dr. Held huldigte ebenfalls dem Geist der ZukunftSficherheit, ohne den ein großes Volk nicht bestehen könne und betonte: Wenn ein Dach über allen Inlands- und Ausländsdeutschen sich breitet, so darf dieses Dach die verschiedenen Räume umschließen, in denen jeder Klang und jeder Stamm in seiner Eigenart für den großen deutschen Gedanken wirkt.
über einen einheitlichen Text Übereinkommen. Gonept Londoner Berichterstatter zufolge gestehe Chamberlain zu, daß der Pakt nach Erweiterung des Artikels 42 bis 44 des Friedens- Vertrages keine Rechte des Vertrages beeinträchtigen dürfe. Indessen sei die englische Re- gierung nicht geneigt, die Verpflichtung zu übernehmen, mit Gewalt die Ostgrenze zu garantieren oder auf Seiten Frankreichs einzugreifen, wenn dieses mit Deutschland in einen Konflikt geraten solle.
Dynastien. Andere trieben die Wanderlust und Gründe wirtschaftlicher Expansion ins Ausland. Das waren die Menschen, die den Boden pflügten, dem die großen Früchte der deutschen Weltgeltung entwuchsen. Das Deutschland der Ber- gangenheit gab dem Ausländsdeutschen etiuas von seiner Größe. Damals stolz auf fein Vaterland zu fein, war eine Auszeichnung. Heute sich zu bekennen zum neuen Deutschland, erfordert viel mehr wahre Vaterlandsliebe und festen Mauben an Deutschland« Zukunft. Der Deutsche hat vor seinem Gewissen ein Recht auf diese Zukunft.
Deshalb darf er auch an sie glauben. Wir haben keinen Grund gesenkten Hauptes durch die Welt zu gehen. Auf uns lastet nicht mehr moralische Schuld als auf irgendeinem anderen Volk. Vielleicht hat uns die Rot erst richtig zu- sammengeschmiedet. Diese große deutsche Kul- turgemetnschaft können wir buchen als einen Aktivposten in unserer deutschen Politik. Wir müssen Ehrfurcht haben vor dem, was gewesen urb vor dem, was heute ist. Daß das deutsche Volk in geschichtlichv so kurzer Zeit sich konsolidierte, wie es heute vor uns steht, ist ein Kennzeichen für den Zukunftsglauben, den wir haben können. Die Ausländsdeutschen haben ein Recht auf unseren Schutz. Dieser ist kein Stahlgewand, er schützt nicht vor Gewalt: das können wir nicht. Aber das Zusammengehörigkeitsgefühl mit dem deutschen Mutterland bedeutet doch seelisch unendlich viel. Die deutsche Einheit hat alle Not nicht spalten können. Das zeigt, um wieviel politisch reifer das deutsche Volk geworden ist. Ueber ritt
Amunösen am Nordpol?
Die neueste Berliner Sensation.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 22. Mai.
Einer Berliner Meldung von Bord der Fram ans Kingsbey vom 20. Mai zufolge ist Amund- feit am Mittwoch zum Fluge nach dem Nordpol gestartet. Die Journalisten seien ersucht worden, diese Nachricht nicht zu verbreiten, ehe die Flugzeuge unterwegs seien. In der Meldung wird die Vermutung ausgesprochen, daß Amundsen und seine fünf Kameraden wahrscheinlich bereits am Nordpol gelandet und dort mit Beobachtungen beschäftigt seien oder flch vielleicht sogar schon auf dem Rückflug befänden.
Natürlich ist auch Deutschland ein Faktor in der englischen Rechnung, aber ein unsicherer. Das was die Engländer wissen möchten, wonach sie immer fragen,, und was zu ihrem Mißbehagen für sie immer int Dunklen bleibt, ist das Maß von Entschiedenheit und Ge- scklossenheit im deutschen Volkswillen. Wie viel den Angelsachien daran liegt, das fühlt man förmlich, wenn man bei dem Amerikaner Frank Simonds liest, in einem Punkt habe er keine Meinungsverschiedenbeit unter den Deutschen gefunden: darin, daß die heutige. Ostgrenze für Deutschland unerträglich sei! Für den Engländer wie für den Amerikaner ist jeder Volkswille ein realer politischer Faktor, mit dem gerechnet wird. Wer aber mit Deutschland zu tun hat (so heißt es in London und Washington!) der weiß nie, wie weit hinter diesem oder jenem Stück Regierungspolitik ein deutscher Volkswille stehl. Tiefe Zweifel sind auch mit ein Grund des englischen Rückzugs.
Kühl bis ans Herz hinan.
Wo Albions Sympathien liegen.
(Eigener Informationsdienst.)
Berlin, 22. Mai.
Im Verlaufe der außenp-lftischen Debatte im Reichstag haben die Führer der Rechtsparteien manch hartes Wort gegenüber England ausgesprochen, über dessen Haltung man in Deutschland wiederholt ernsten Anlaß zur Enttäuschung haben mutz«. Im Berliner Auswärtigen Amt hat man niemals erwartet, daß die britische Regierung und insbesondere Außenminister Chamberlain sich dazu berufen fühlen würden, für Deutschland eine Lanze zu brechen. Man weiß sogar in Berlin, daß das englische Kabinett Baldwin den französischen Forderungen gegenüber ziemlich weitgehendes Entgegenkommen ge- zett hat und sich mit einem schroffen Vorgehen gegen Deutschland teilweise einverstanden erklärt. Trotzdem verkennt man aber in Berlin nicht die Bestrebungen der britischen Regierung, eine Verschärfung der außenpolitischen Lage zu vermeiden und alle Wege der Verhandlungs- Möglichkeiten mit Deutschland offen zu lassen. Nachdem die Bemühungen, die parlamentarische Basis des Kabinetts Luther zu erweitern, nicht zum Erfolg geführt haben, gibt sich die Reichsregierung damit zufrieden, das lebenswichtige Problem der neuen Steuern, der Aufwertungsfrage und der Schutzzölle mit Hilfe der hinter ihr stehenden Parteien unter Dach und Fach bringen zu können. Wenn diese Aufgaben erledigt sind, hofft das ReickSkabinett die zur Zeit noch bestehenden innenpolitischen Spannungen wesentlich mildern zu können.
*
Ldomberloin geht auf den (Srunb.
Paris, 22. Mai. (Eigener Drabtberickt.) Am Quai d'Orsay ist gestern ein Fragebogen der englischen Regierung überreicht worden, in dem die englische Regierung Über den Standpunkt Frankreichs in der Sicherheitsfrage einen genauere« Aufschluß verlangt.
Faßt wieder Mut!
Strefemann über h'c Ziele des Deutschtums. (Privat-Telegramm.)
Stuttgart, 22. Mai.
Beim Bankett zur Weihe des Hauses des
daß eine feste Mehrheit hinter der Regierung steht. Der größte Erfolg de» Kabinetts Luther besteht darin, daß es gelungen ist, die innenpolitischen Auseinandersetzungen auf ein bestimmtes ... „ Maß zu reduzieren und in der Außenpolitik die
und Ehre brachten. Sie haben »ft tue Sinheu Zustimmung aller Parteien, mit Aus- ”” *“ * " nähme der Radikalen zu finden. Darüber hinaus
kann auch die in letzter Zeit etwas bedrängte Position des Außenministers Dr. Strese-
Für und gegen Luther.
Das Mißtrauensvotum abgelehnt.
(Sitte Abrechnung von links. — Wegen Hindenburg, Sicherbeilsvakt «. Stenern. — Der Raub und die Litge. — Wir brauche« Kolonien. — Das Resultat der Abitimmnnge«.
Stargard und Torstseld.
Berlin, 22. Mai.
Bei ber großen politischen Aussprache begründete Abg. Landsberg (Soz.) das von seiner Partei eingebrachte Mißtrauens»o» tum gegen die Reichsregierung. Wir haben, so erklärte er, nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, aus die Wirkung zu sehen, die eine Maßnahme auf das Ausland ausübt. Wir haben beim Wahlkampf auf das hohe Alter Hindenburgs hingewiesen. Wir ha- den ferner darauf aufmerksam gemacht, daß es schwierig fei, mit 78 Jahren Politik zu lernen. Hindenburg fei gewählt worden dank der Kommunisten. (Lärm bei den Kommunisten.) Die Sozialdemokratische Partei werde dem neuen Reichspräsidenten fachlich gegenübertreten. Der Redner legte dar, daß er int Völkerbunde nichts vollkommenes sähe, hält aber dennoch den Beitritt für notwendig. Die größte Regierungspartei, die Deutschnationalen, wollen den Sicherheitspakt mit Bedingungen belasten, die ganz deutlich den Willen erkennen lassen, diese Politik zu zerschlagen. Die Rechte komme jetzt mitplutokratifchenSteuer- g e s e tz e n, mit der Rückkehr zum Schutzzoll. Es müsse daher der Regierung scharfes Mißtrauen ausgesprochen werden. Abg. Dr. Bell (Ztr) fordert für Deutschland die Möglichkeit kolonialer Betätigung, um die gewaltigen Reparationsleistungen zu erfüllen. An die ganze Kulturwelt ergehe der Ruf:
Gebt uns unsere Kolonien wieder!
Abg. Dr. Schnee (D. Vpt.) weist darauf hin, daß die Ausländsdeutschen sich noch immer in ungünstiger Lage befinden und daß sie zu den französischen Kolonien überhaupt nicht zugelassen sind. Unerträgtia) sei nach wie vor die Liquidierung deutschen Eigentums im Ausland. Wir verlangen, daß man hier wieder auf den Rechtsboden zurückgeht, denn die Beschlagnah. me deutschen Eigentums war nichts anderes als Raub (Zustimmung.) Wir kämpfen gegen die Lüge von der kolonialen Unwürdigkeit Deutschlands! RWir haben in dreißig Jahren aus dem Eingeborenenland, das unter den Stammeskrie- gen litt, blühende, gesicherte und beruhigte Kolonien gemacht. (Zustimmung.) Der beste Beweis für unsere koloniale Tätigkeit sei die Treue der eingeborenen, die sie uns heute noch bekunden. Legationsrat Brückner erwiderte dem Vorredner, daß bezüglich der Ko- lonienfrage ein Memorandum den Völker- bundmächten zugeleitet worden ist. Mit weiteren Reden des Kommunisten Rosenberg, des Demokraten Hummel und des nationalsozialistischen Abg. Schröder schließt die Aussprache. Namentlich abgestimmt wird bann über bas sozialbemokratische Mißtrauens- Votum ,das sich gegen die gesamte Reichsregierung richtete. Dafür stimmen mit den Sozialdemokraten die Kommunisten und die Nationalsozialisten. Die Demokraten enthalten sich ber Abstimmung.
Das sozialdemokratische Mißtrauensvotum wird mit 214 gegen 129 Stimmen bei 25 Enthaltungen abgelehnt.
Das kommunistische Mißtrauensvotum gegen Dr. Stresemann wird in einfacher Abstimmung gegen Sozialdemokraten, Kommunisten, Völkische und Nationalsozialisten abgelehnt. Ebenfalls ber Ablehnung verfällt das kommunistische Mißtrauensvotum gegen Dr. Luther. Dafür stimmen nur die Sozialdemokraten, Kommunisten und Nationalsozialisten, während die Völkischen sich diesmal enthielten. Der Haushaltsplan des Auswärtigen Amtes wurde g e n e h m i g t. Die Gehälter des Reichs- kanzlers, des Reichsaußenministers und bei Reichspräsidenten werden bewilligt. Staatssekretär Schubert beantwortet bann ‘bie Interpellation über das
Eisenbahnunglück im polnischen Korridor.
Er erflärt: Das Schiedsgericht hat bie vorläufige Entscheibung gefällt, baß ber Zustand ber Strecke an der Unfallstelle gut fei und, soweit sich jetzt übersehen läßt, für den Unfall nicht verantwortlich gemacht werden könnte. In der Entschädigungsfrage isi bie Rechtslage klar, daß bie Betreffenden ihre Ansprüche an ben polnischen Eisenbahnfiskus zu richten ha- ben. Die Reichsregierung hat Vorschüsse auf die von Polen zu zahlenden Entschädigungen an bie Betroffenen gewährt. Ein Antrag, vier Abgeordnete zur Untersuchung der Dorsi«