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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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V ei 116 Einzelnummer 10 Ps, Sonntags 15 Pf.

Mittwoch, 20. Mai 1925.

Einzelnummer 10 Pf.. Sonntags 15 Pf. 15. ZahkgÜttg

Fügt sich England in BnandS Willen?

Das will ©Irtfemann.

Seine Programmrede vor dem Reichstag.

Die große Reichstagsdebatte über die Außen­politik ist jetzt in vollem Gange. Die hochbedeut­samen Erklärungen, die Außenminister Dr. Stresemann abgegeben hat, bilden zur Zeit den Gegenstand lebhafter Erörterungen und werden zum Teil als der Ausgangspunkt einer bis zum äußersten gesteigerten neuen aktiven Außenpo­litik des Reichskabinetts Luther-Strese- m a n n bezeichnet. Von besonderer Bedeutung ist die scharfe Stellungnahme, die der Außen­minister zu der Frage der Räumung der nördlichen Rheinlandzone und der Rüstungskontrolle über Deutschland eingenommen hat. Allgemein werden diese Stellen der Stresemannschen Rede als eine Warnung an die alliierten Regierungen auf­gefaßt, die darauf aufmerksam gemacht werden, daß bei einer anhaltenden Verschlechterung der außenpolitischen Lage alle Möglichkeiten einer Klärung und Entspannung außerordentlich ge­schwächt werden.

Beruhigend wirkte dagegen die Zusage, an der Fortführung der bisherigen wirt­schaftlich - politischen Verständigungspo­litik in ber loyalen Erfüllung der Verträge festzuhalten. Interessant war die Betonung des freundschaftlichen Verhältnisses zu Ruß­land, an dem auch der kommende Sicherheits- Pakt im Westen nichts ändern solle. Die schwe­benden Wirtschaft-.Verhandlungen mit allen Handelsvölkern müßten rasch und unter günstigen Bedingungen abgeschlossen werden. Scharfe Worte fallen dann gegen dir Alliierten in der Entwaffnungsfrage, die Deutschland allein büßen soll, während drü- den von der vertraglich vereinbarten Abrüstung gar nicht die Rede sei. Diese Attacke leitet über zum deutschen Sicherheitsangebot, das ohne Beteiligung und Mitwirkung niemals ver­wirklicht werden könne.

Das heikle, den Westmächten verhaßte An- schlußptoblem Oesterreichs wird nur kurz ge­streift. Eine Geste der Freundschaft muß ge­nügen. Und auch dem Schreihals Polen wird im Vorbeigehen der Mund gestopft mit der Zusicherung, baß wir zwar an der Revision der Ostgrenzen festyalten, aber sie nie durch Waffengewalt herbeiführen werden. Von den Vorbehalten zum Eintritt in den Völkerbund kann Deutschland nicht Abstand nehmen, da ein entwaffnetes Volk sich in keine kriegerischen Verwicklungen einlassen kann und erst die Erfüllung seiner ihm feierlich versproche­nen Vertragsrechte abwarten muß. Als gleich­berechtigtes Viflk wolle es am friedlichen Werk der Menschheit Mitwirken.

In den Berliner Regierungskrelsen erwartet man, daß die Rückwirkungen der Rede des Außenministers aus die Haltung der alliierten Regierungen nicht ausbleiben werden. Immer­hin ist kaum anzunehmen, daß die Botschafter­konferenz die bereits im Entwurf gefaßten Be­schlüsse nunmehr abändern wird. Die tatsäch­lichen Wirkungen können sich nach Auffassung der Berliner diplomatischen Stellen naturgemäß erst dann zeigen, wenn die alliierten Regierun­gen in einen Meinungsaustausch über die deut­schen Darlegungen eingetreten sein werden. Im übrigen ist anzunehmen, daß der französische Außenminister Briand auf die Rede Dr. Strese- manns antworten wird. Der entscheidende Punkt bleibt dabei, ob es ihm inzwischen ge­lingen wird, E n g l a nd aus seiner reservierten Haltuno dem srgnrKfischcn N'-derbattunaS- nutz Machtwillen gefügig zu machen, wie es leider mehr und mehr den Anschein gewinnt. F. R.

* * *

Traum ober Wirklichkeit r

Berlin, 19. Mai. sPrivattelegratmn.) Die am Ende dieser Woche beginnenden Besprechun­gen des Kanzlers mit den Parlamentariern sol­len auch die sozialdemokratische Fraktion ein- schließen. AuS dieser Tatsache will man schlie­ßen, daß die Bersuche, im Reich zu einer gro­ßen Volksgemeinschaft zu kommen, in ihr entscheidendes Stadium getreten find, wenn­gleich man nach den fehlgeschlagen-n früheren Bestrebungen keine günstige Prognese stellt.

s« Sdimna für Frankreich.

Paris, 19. Mai. (Eigener Drahtbericht.) Senator Lucien Hubert erklärte als Vorsitzender des Senatsausfchusses für auswärtige Angele­genheiten: Deutschland bemüht sich, nachdem es seine Wiedererhebung auf wirtschaftlichem, wöhrungsvolitischew und militärischem Gebiet erstrebt hat, um seine Wiedererhebunq auf diplomatischem Gebiet. ES erbietet sich, den Frieden zu garantieren, eS macht Eurova Vor­schläge. ES will anstelle des Friedensvertrages von Versailles neue Verpflichtungen überneh

men. ES bietet eine freiwillig gegebene Unter­schrift an und England drängt Frankreich, mit Deutschland in Verhandlungen ernzutreten.

Zwischen Za und Nein.

Wird sich England vor Briand Beugen? (Eigener Drahtbericht.)

London, 19. Mai.

Ein diplomatischer Berichterstatter schreib' morgen werde das Kabinett prüfen, ob es auf Briands Sicherheitsentwurf Abänderungen Vor­schlägen solle oder nicht. Einige Minister mein­ten, Großbritannien würde, wenn es an einer Aenderung des französischen Wortlautes tcil- netjme, für den In halt mitverantwort- 1 i ch werden. Vielleicht werde sich das Kabinett morgen in seiner Sitzung damit begnügen, Pa­ris um Aufklärung über die genaue Bedeu­tung gewisser unbestimmter Sätze in der Note zu bitten. London wünsche nicht, die Kraft des Versailler Vertrages bezüglich der Ost- und Südgrenzen Deutschlands zu schwä­chen, obgleich es diese Grenzen durch einen be- sonderen Pakt nicht garantiere. Eb-nso- wenig könne die britische Regierung die Bestim­mungen anerkennen, die die Bedeutung des Ar­tikels 19 der Völkerbundssatzung oder des Arti­kels 30 des Versailler Vertrages über eine d e u t f ch-ö sterreichische Vereinigung außer bei Zustimmung des Völkerbundes ent- fteiten würbe. Man yoW, daß- es w. schasterkonserenz während des Wochen­endes gelingen werde, in dem Mantelbrief über die Abrüstung die verschiedenen Standpunkte der Alliierten zu versöhnen. ES verlau­te, ht-ö " ~ - r_", ';cn <-nd

erfüllt werden müssen, positiv und fcharf fein werden. ES herrsche jedoch allgemein die lieber» zeugung unter den Sachverständigen, daß Deutschland bereits im wesentlichen ent­waffnet sei und in keiner Weise eine ernste Drohung auf lange Dauer bedeuten könne.

Man komm; nicht vorwärts.

Stillstand in den Wirtschaftsverhandlungen.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 19. Mai.

In den deutsch-polnischen Handelsvertrags- verl-andlungen sind die Weiterberatungen bis nach Pfingsten vertagt worden. In den letzten Sitzungen war vohl eine weitere Annäherung festzustellen, aber eine Ueberbrüüung aller Ge­gensätze war noch nicht möglich. Auch die Ver­handlungen mit Italien und Frankreich find bis zum vorläufigen neuen deutschen Zolltarif aus­gesetzt worden. Die französische Delegation hat ferner noch eine neue französische Zollborlage für die Verhandlungen in Aussicht gestellt.

Soolld^es Zah-ungsbefedl.

Zur Schonung Frankreichs an alle Welt.

(Eigener Drahtbericht)

Paris, 19. Mai.

Nach einer Havasmeldung aus Washington hat die amerikanische Schuldenkommission gegen alle Schuldnerländer Schritte eingeleitet, um zu einer Regelung zu gelangen. Die Amerikaner seien an alle Schuldnerstaaten zu gleicher Zeit mit Besprechungen herangetreten. Eine hoch­stehende Persönlichkeit meinte: Es fei der Wunsch der amerikanischen Regierung, die Schuldenfrage vor dem Zusammentritt des Kon­gresses im Dezember so weit zu führen, daß leidenschaMche Diskussionen im Kongreß vermieden werden. Jeder Fortschritt in der Lösung der Schuldenfrage könne nur zur Bes­serung der allgemeinen wirtschaftlichen und finanziellen Beziehungen beitragen. Es bestehe der Wunsch, die öffentliche Meinung in Frank­reich dadurch zu beruhigen, daß man m.. allen Schuldnerstaaten gleichzeitig verhandele.

Erst Schuld, dann Kredit.

Rewhork, 19. Mai. (Durch Funkspruch.) Be­züglich der Schuldenaktion Coolidges meldet ein Washingtoner Blatt, daß der Kongreß sol­chen Staaten, die ihrer Pflicht nicht nach - kommen, alle Kredite verweigern würde. Ein solcher noch nicht dagewesener Schritt des Kongresses würde, wie die Partei- führer ertlärten, der informellen Politik deS Staatsdepartements hinsichtlich der Privatan­leihen eine amtliche Fassung geben.

Marianne schmollt.

Englands Vermittler in Paris.

(Eigene Drahtmeldtrng.)

«an®, 19 Mai

Auf einem ihm zu Ehren gegebenen Festessen erklärte der ehemalige englische Schatzkanzler

Sir Robert Horne, die Umstände für eine fran­zösisch-englische Annäherung feien günstig. Chamberlain sei einer der treuesten und auf- richtigl'ie» Freunde Frankreichs. Sir Robert Horne brachte alsdann die Wünsche zum Aus­druck, die Frankreich bei seinen Operationen in Marokko begleiten, wo es die Interessen der europäischen Zivilisation verteidige. Er wünschte sodann eine engere Annäherung beider Länder auf wirtschaftlichem Gebiet. Als Beispiel hier­für behandelte er alsdann die Beteiligung der britischen Slllwerindustrie an der Kombination, die im Begriffe sei, durchgeführt zu werden, nämlich zwischen dem Eisenerz diesseits des Rheins unb der Kohle jenseits des Rheines Aus diese Weise werde eine Gemeinschaft der deutschen, französischen, englischen und belgischen Interessen geschaffen, die fruchtbar fein könne. Die finanzielle Lage Frankreichs, dessen Ein itnb Ausfuhrziffern im Steigen begriffen seien und das nicht einmal wie England unter der Arbeitslosigkeit zu leiden habe, beurteile er op- timMsch.

Frankreichs mittler an der Themse.

London, 19. Mai. (Privattelegramm.i Der französische Haiidelsminister Chaimet hielt vor ber Londoner Handelskammer eine Rede, in der auf die Notwendigkeit guter Beziehungen und wirtschaftlicher Verständigung zwischen Frank­reich und England hinwies, die die beste Ga­rantie für einen Frieden fei. Die französische Regierung vergesse diese Tatsache r\H auch sann nicht, wenn sie mit Deutschland unterhan­dele, sei Sorge dafür getragen, daß die engli (eben Interessen nicht geschädigt werden. Sic ergreife im Gegenteil Schutzmaßnahmen.

Wie war es möglich?

Roch keine Klarheit über Dorstfeld.

(Eigener Drahtbericht.)

Essen, 19. Mai.

Ueber die Ursache deS Unglücks auf der Zeche Dorstfeld meldet ein Berliner Blatt, daß man mit der Möglichkeit eines Attentats rechnet. Eine andere Möglichkeit bestehl in einer Selbst­entzündung der Sprengstoffe infolge un­sachgemäßer Lagerung. Schließlich wird die Frage erörtert, ob nicht die Erplosion des Sprengstofflagers durch eine Schlagwette r- erplof ion hervorgerufen worden ist, da schon am vorhergehenden Tage Schlagwetter in der Grube von Beamten festgestellt worden seien.

Die Angst vor Md ei Krim.

Starke Bewegung an der ganzen Front.

(Etgene Drahtrneldung.)

Paris, 19. Mai.

DaS in Rabat ausgegebene Kommunique be­sagt, daß ein Zug des Feindes gegen Ekifsa durch die französischen Truppen zurückgewiesen worden sei. Die Truppe Colombats sei ohne Zwischenfall auf Fez el Bali und Dahrant vorgerückt. Man melde eine Verstärkung der feindlichen Kontingente, die Munitionszüge erhielten und sich methodisch organisierten. Im Osten seien bedeutende Verstärkungen eingetrof­fen. Die den Franzosen treuen Stämme über­wachten die bedrohten Punkte der Gcoend. ES läuft das Gerücht um, Abd el Krim habe eine demnächstige Offensive ist der spanischen Westzone von Marokko ins Auge gefaßt. Mar­schall Lyautey habe Fez verlassen, um nach Rabat zurückzukehren. Man melde überall bei den Riflenlen eine beträchtliche Aktivität, was darauf hinzuweisen scheine, daß Abd el Krim sehr wohl entschlossen sei, feine Rüstun­gen gegen Frankreich fortzufetzen.

M Moskaus Angel.

Alles für den Bauernstand.

(Eigene Drahtmeldung.)

Moskau, 19. Mai.

Bor dem Sowjetkongreß erklärte gestern Ramanow u. a., das Prinzip der Nationalisie­rung des Bodens müsse bis zu Ende durchge­führt werden. Gleichzeitig muffe fchnelle Steu­ererleichterung und bessere Verteilung der Lasten des Bauernstandes Platz greifen. Um­gehende kulturelle Maßnahmen, Elektrifizierung und Bodenverbefferungen müßten durckgeführl werden. Verpachtung von Land, zu dessen Be­arbeitung die Mittel kehlten, müsse gestattet werden. Das Wichtigste fei die Regelung des GetreidepreifeS. An dem aus dem Getreide­verkauf an daS Ausland erzielten Erträge müsse der Bauer stärker beteiligt werden. Daher fei eine Reuorganifierung der Getreideausfuhr not­wendig. Ferner fei die Industrialisierung der Bauernwirtfchaft zur Hebung des Ausfuhr­ertrags erforderlich.

Quer durch Derakruz. DaS Land der Revolutionen.

Von Geheimrat Pros. Dr. Paasche.

Der kürzlich aus seiner Amerika reise verstör- bene langjährige Vizepräsident des Reichstags unb bekannte Politiker Geheimrat Dr. Paasche zeichnet biet mit knappen charakteristische» Strichen ein Bild des mexikanischen Hanvr- anssnbrbasenS, ans bem »ns zugleich ein Hauck von Trovenlust unb Ueberseeromantik anwebt. Vor mehr als 400 Jahren, im Jahre 1519, als von dem Festlande des neu entdeckten Ameri­ka noch so gut wie nichts bekannt war, landete Fernando Cortez mit seiner kleinen Kriegs­flotte an der flachen Kocalleninsel San Juan de Ulma, die lange Ihre hindurch den einzigen Schutz der offenen Reede um Verakruz bildete. Von hier aus breitete et in wenigen Jahren das neue spanische Weltreich aus, schuf die Ver­bindung mit der Hauptstadt des neuen Lanoes, führte großartige Kulturen von Zuckerrohr usw. ein, deren Spuren noch heute staunende Bewunderung erregen. Von Verakruz liefen nachher die

spanischen Gold- und Silberflotten

aus, die mit ihren metallenen Schätzen die Poli­tische und wirtschaftliche Lage der Alten Welt so nachhaltig beeinflußten. Heute ist der von der See kommende Reisende erstaunt Wer die herrliche, von mächtigen Steinmolen geschützte sichere Hafenbucht, inder auch die großen Dump- fer der Jetztzeit ruhig am Hasenguai löschen und laden können. Weit in den Hafen hinaus sind große Flächen Landes durch Aufschüttung ge­wonnen und mit Quadermauern gegen di« Fluten geschützt. Geradezu lururiös sind bte Ge­bäude der Zoll-, der Post- und Telegraphen-Ber- waltung, der Eisenbahn-Zeniralstation usw. ausgestattet, schöne Gartenanlagen bedecken die noch freien Landflächen, und in verschwenderi­scher Fülle lassen am Abend

Hunderte von fünfarmigen Kandelabern auf den Strandpromenaden

ihr elektrifches Licht leuchten. Selten ist ein tandclshajen wohl mit so viel Geschmack und unstsinn ausgestattet wie dieser. Die Stadt Ve. rakruz selbst hat sich wenig verändert, in den letzten Jahren dank der ewigen Revolutionen und der kommunistischen Doktrinen, die hier Ein­gang fanden, sogar verschlechtert. Manches Haus liegt verlassen und in Trümmern, a«ch die einst sc anziehende Plaza, vor dem Stadthause und ber Kathedrale, ist vernachlässigt, die zahlreichen eisernen Bänke sind zerbrochen, die Marmorplat- ten der Spazierwege sind verschwunden, und das schöne Stadthaus ist mehr als zur Hülste Ruine, die große Kathedrale schlecht gehakten. Außer- halb der Altstadt sind und Werden entfetzflich elende Hütten aus alten Brettern, Kistendeckeln

und Wellblechstücken zusammengenagelt. Von Schmutz und Staub umgeben, bilden dieseKolonien" ohne allen Baumschmuck ein Bild menschlichen Elends, Wie man es hierin der aufblühenden Handelsstadt" nicht erwarten sollte. Tas sind zum großen Teil die Folgen, der ewigen Revolutionen, die feit dem Rücktritt des alten Potfirio Dia; das Land nicht zur Ruhe kommen ließen und unendlich viele wohlbegründete Hoffnungen vernichteten. Ich fah neulich eine Karikatur, aus der nicht We­niger als zwölf Präsidenten in der Anttstracht veröffentlicht Wurden, von denen aber die Hälf­te ihre segensreiche Amtstätigkeir nur nach Wo­chen und Monaten zählte Ständige Revolutio­nen mit zahllosen blutigen Opfern und sinnlo­ser. unvernünftiger Zerstörung öffentlichen und privaten Besitzes Waren die Folgen dieser ewi­gen Kämpfe zwischen den öhrgeizigen Volksver- fiihrern. In Verakruz kamen noch besondere Umstände hinzu. Mitten im Frieden erschienen amerikanische Kriegsschiffe 1913 vor Verakruz. beschossen und besetzten die Stadt und schnitten jeden Verkehr des Landes mit der Außenwelt ab. Ein Jahr dauerte dieser Kriegszustand im Frieden. Für Verakruz bedeutete das natürlich ein völliges Daniederliegen aller Arbeitsgelegen, freit Die Masse der Hafenarbeiter war zu unge­wollter Arbeitslosigkeit gezwungen. Der Boden für die bolschewistischen Lehren, die im Lande schon Eingang gesunden hatten, konnte nicht bes­ser vorbereitet werden. Das ungebildete, arm- Volk lauschte begierig den Volksbeawckern, die :frnen verlockende Bilder von Freiheit Gleick- freit und Brüderlichkeit vorzauberten und nach Abzug der Amer'kaner den Kampf mit den Ar- beitgebern schürten Sowie in Dukatan die Pro- duktion des einzigen Stapelarttkels, des Sisal- Hanfes, stark inS Stocken geriet, weil man an

eine Austeilung der größeren Besitzungen ging, dir meisten der neuen Besitzer nur genie­ßen, nicht arbeiten wollten, so verödete die Um- geaend von Veracruz, begonnene Arbeiten wur­den nicht fortgeführt, neue nicht angefangen. (Si­ner ber kommunistischen Führer, Heron Proal