Meler Neueste Nachrich
Hessische Abendzeitung
Kasseler Abendzeitung
Donnerstag. 14. Mai 1925
Was Ärianös Noten enthüllen
vt
zen Welt untergraben.
1
kupferrote Scheibe des Mondes
Paris, 13. Mai.
Die
Der Netter öeö Franks
Caillaux's große Steuerreform.
(Eigene Drahtmeldung.)
Sofia, 13. Mai.
DaS Todesurteil über die Urheber des Attentats in der Kathedrale wurde von einem zahlreichen Publikum schweigend angehSrt. Es stellte fest, daß ihre Bestrebungen darauf gerichtet waren, das verfassungsmäßige Regime gewaltsam zu stürzen und an seine Stelle die Republik zu setzen. Nack Aufzählung der einzelne« Auklagepunkte verkündigte das Gericht, daß
(Zm Mann, ein Wort.
Nach dem Amtsantritt Hindenburgs.
(Eigener Drahtbericht.)
Berlin, 13. Mat.
Hindenburgs Auftreten vor dem Reichstag hat rein parlamentarisch günstig und beruhigend gewirkt. Auch die linksstehenden Abgeordneten sind von der ernsten und würdigen Erscheinung Hindenburgs absolut sympathisch berührt. Durch sein Bekenntnis zur Reichs- versassung wird zwciselos die repubttkani- sche Staatsform in ihrem Ansehen und in hrer Popularität gestärkt werden. Ausländischen Meldungen zufolge wollen die Regierungen Englands, Frankreichs, Italiens und Amerikas davon Abstand nehmen, an den neuen deutschen Reichspräsidenten irgendwelche Gl ft cf- wünsche zu richten. Dieses Vorgehen wird deutscherseits als eine verletzende Unhöflichkeit angesehen, die man sonst freilich unbeachtet läßt. Hindenburgs Appell an die Einigkeit wird als eine Bekräftigung derjenigen Bestrebungen nufgefatzt, die auf die V o l k 8 g e- in c i n s ch a s t hinzielen und die Milderung der politischen Gegensätze herbeiführen wollen.
eher Abbau der Grenzen, insbesondere der Zoll- arenzen, in erkier Linie und vor ollen Dingen zwischen den beiden zentraleuropäischen Staaten: Deutschland imd Frankreich, die vor allen anderen auch durch di? Natur aufeinander anae- wiesen sind: hier deutsche Kohlen, dort sranzäfl- tches Eisent Das Mißtrauen Frankreichs gegen diese Entwicklung könnte durch einen Saran- tievakt beseitigt werden, an dem alle Gläubi- gre Europas ein Interesse haben.
Caillaux hat vor der Kammer folgende Auskünfte über sein Finanzprogramm gegeben: Die Steuern aus französische Wertpapiere gedenke er von zwölf auf zwanzig Prozent zu erhöhen. Die ausländischen Wertpapiere würden noch stärker belastet werden. Außerdem werde die S o n d e r e i n k o m m e n st e u e r für die freien Berufe erhöht werden. Heber die E r- Höhung der Sondereinkommen habe er noch keine endgültige Entscheidung getroffen, auch noch nicht über die Erhöhung der indirekten Steuern. Nur die Tabaksteuer würde von morgen ab erhöht werden. Er werde vom Parlament die Verabschiedung des Budgets für 1925, mit dem von ihm vorgeschlagenen Abänderungen versehen, vor den Parlamentsferien fordern. Zu gleicher Zeit werde er das Budget für 1926 verlegen, dessen Verabschiedung am 31. Dezember möglich sein werde. Nach Wiederherstellung des Vertrauens könne dann die Regie- rung in einer günstigen Atmosphäre zu Beginn des Jahres 1926 die endgültige Finanz- und Währungssanierung durchführe«.
ÄM SMkVEv
Inhalt und Schicksal der Entwaffnungsnote. (Eigene Drahtmeldung.)
Paris, 13. Mai.
DaS gestern vom Ministerrat gebilligte Memorandum über die Entwaffnung Deutschlands enthält drei D o k u m e n t e. Das erste betont, daß Frankreich die unbedingte Durchführung der Vertragsklauseln und der Vorschriften der Kontrollkommission in Deutschland fordern will. DaS zweite Dokument entwickelt die Auffassung, die Frankreich hinsichtlich der Aufrechterhaltung des Friedens vertritt. Das dritte Dokument endlich ist ein Verzeichnis der angeblichen Verfehlungen Deutschlands. Beigefügt ist das Gutachten deS Fachkomi- tceS. Die einzigen Meinungsverschiedenheiten zwischen London und Paris beziehen sich nur noch auk gewisse Fragen des Vorgehens bezüglich der Erfüllung der Entwaffnungsbedin- gangen. Dem Matin wird mitaeteilt, daß volles Einverständnis über alle Punkte erzielt werden könne. Sobald London Stellung genommen bat, könne die Botschafterkonferenz in eine Prüfung der Materie eintreten.
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Sn zebn Tagen in Berlin.
Paris, 13. Mai. (Privattelegramm.) In Recriernngskreisen verlautet, daß die Note der alliierten Regierungen über die Entwaffnuna und die Räumung der Kölner Zone ein sehr 'anges Dokument sein werde, das in etwa zehn Tagen in Berlin überreicht werde.
Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf. 15.
die als Mitglieder der geheimen kommunistischen oder agrarischen Organisationen vorsätzlich umstürzlerische Pläne oder die Aussüh- rung unerhört barbarischer Taten vorbereiteten mit dem Ziele, durch Morde und Anschläge gegen öffentliche Gebäude Unruhe hervorzurufen. Tie Zeitungen betonen einstimmig, daß daS Urteil, indem es die Werkzeuge der Verschwörer verurteilte, gleichzeitig auch ihre Eingeber 'ras, die als Bekenner zu einer unvernünftigen Doktrin den Frieden bedrohen und die Grundlagen der modernen Gesellschaft in der gan-
Di- Uenelei üeueftti. Siackuchien rrupewe« n>6d>enilid) ied»#mai nadnniuag« Der «bonnemeciisvreis beträtet für öen Mona, 2.- WL bei ‘reter Sufteünn?
>ns oaus. in der (SefcbäftäfteHe obaeboli tX>Mk. Dar» die Poft mona'Ii» 2.00 3»r aussckUenltck SuftellunoSciebftbr Verla« und Redaktion ecble»ihgtftrofi,e 2N/8(s. iVernfprecber 961 und 952. Für »nverlanai einaefonbte Beitrage kann >'te Re- >aftion eine VerantwortUno oder ISemähT In keinem ssalle übernehmen. Rlick- ablnnq deS VezuaSaeideS ober «nivr>-cke roeoen etwaiger nick' ordnirngSmäbtaer -'ie'-rnn- -ft nn9oef»loRen • ohfAe-fftinto ssrankfur' a. Main Wummer SRS»1
Der Wahrheit die Ehre!
Nitji zerreißt das politische Lügengewebe.
(Eigene Drahtmeldung.)
London, 13. Mai.
Italiens ehemaliger Ministerpräsident N t t t i betont in einem englischen Blatt, daß keine Annäherung an den Frieden ohne eine vorherige direkte Einigung zwischen Frankreich und Deutschland möglich sein werde. Es sei aber ein grundlegender Irrtum, von Garantien für Frankreich zu sprechen. Wenn irgendein Land jetzt Garantien brauche, so sei es Deutschland, das gezwungen sei, unter bewaffneten Feinden unverteidigt zu leben, und zwar Feinden, von denen einige, wie Polen, keine Mäßigung in ihren Forderungen zeigten. Es sei nicht wahr, daß Frankreich in einem Jahrhundert von Deutschland angegriffen worden sei» und betont, daß die Verantwortung für den Weltkrieg 1914 noch fest- gestellt werden müsse. Polen mit feinem Dau- ziqer Korridor und mit allen Absurditäten des Versailler Vertrags, mit seinen eigenen imperialistischen Bestrebungen, stelle eine Gefahr für alle dar. Bor einem Garantiepakt müsse zu allererst eine Revision her schlimmsten Ungerechtigkeiten der Verträge stattgefunden haben.
gemessen an den heutigen knappen Wirtschasts- die Schuld aller Angeklagten erwiese« sei, Möglichkeiten viel zu groß sind. Diese Gene- '*■*■ '
ralunkosten oder drücken den durchschnittlichen „Standard of Life" der gesamten europäischen Bevölkerung auf schätzungsweise fünfzig Pro- lenk unter den amerikanischen. Auch hier gibt e§ nur ein Allheilmittel! .Steigerung der Konsumkraft durch Verbilligung der Produktion". Diese .Pnbissigtmg" muß vor allem zu Lasten der erwähnten „Generalunkosten“ gehen, d. b.
WM im GchassMz.
Wie Briands Garantiepakt aussieht.
(Eigener Drahtbericht.)
Paris, 13. Mai.
Frankreichs Entwurf über den Abschluß eines Garantiepaktes für die Rheingrenze ist gestern dem englischen Botschafter übermittelt worden. Erst nachdem ein Einverständnis unter den Alliierten über den Text der Note erzielt worden sei, werde die französische Antwort in Berlin überreicht werden. Der Entwurf scheine, wie ein Havasberickt sagt, tatsächlich L opali 181 und Weitblick zu zeigen. Weit entfernt, das deutsche Angebot als ungenügend zurückzuweisen. bekunde Frankreich damit guten Willen, mit den ehemaligen Feinden nach Friedensbürgschaften zu suchen, denn der deutsche Vorschlag könne nur Interesse haben, wenn er nicht nur den Frieden festigen, sondern die bestehenden Vertragsklauseln verstärkte. (!) Das Gleiche gelte von der B e s e tz u n g der R h e i n- lande. Auch dürfte der Pakt selbstverständlich den Rechten und Interessen der Länder M.ttel- europas, wie Polen, die Tschechoslowakei und Oesterreich, keinen Abbruch tun. (!) Endlich könne dos Abkommen nur unterzeichnet werden, wenn Deutschland in den Völkerbund eintrete. Es hänge alles in letzter Linie von Deutschland ab. das jetzt, nachdem der französische Standpunkt klargelegt wurde, in voller Kenntnis der Dinge handeln könne.
Taktik bes Guerillakrieges, wie ihre Gegner. Sie halten ihre vordersten Linien nur dünn besetzt und konzentrieren die großen Truppenmassen hinter den Postenketten, um sie gegebenenfalls schnell auf die gefährdeten Stellen werfen zu können. Unter den den ge- fangenen Kabhlen abgeuommenen Waffen fand man nicht nur ipanifche, sondern auch jranzö-
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«n<etaen»relfe;Citnbetmtfd)« iSefd)<titta<t.ieigen geile auswärtig« <Htlckätt»- anzeiaen Beile 2013fg . gamiiieuau-eigen 3etle 203letne Anzeigen oa8 ®or i («ft Reklamen öle Seile 75 tu». Ollerigebübr 10 wg. 'bei-susenbg.ber Offerten 80 tUfl.i Recknunasbeträge sind innerhalb 5 Tg. tu btiatilen. Makoebend ist Der Kurs öe8 3abluna8ca«eS. -Mr die Rickiigkeii aller durck ssernivrecker aniaeaebenen An- xelgen lorote für Änknabmedaten und Bläße kann nick' larantfer' roerben. Sür hnceic.tr. mit befand, schwierigem Las 100 vro,. ffuNcklaa. Druckerei . «cklachlSof- ftrefie ZR/ao (Sefdiäftäfteae llSln Air. 5. zeaenffb.der L-ookirstr. tternsvr 051 u. 952
Die Verbrecher von Sofia
Die Todesurteile von Sofia.
(Eigene Drahtwelduna.)
über die fernen Berge des Dscheballa auffteigt, kann man sehr deutlich die Gewehrschüsse hören, manchmal auch das Knattern eines Maschinengewehrs. Wenn man dieses Land sieht, diese bald flachen, bald ganz jäh sich zerklüstenden Hügelketten, mit ihren zackigen Felsen, ihren Schluchten und Wafferrissen, dieser Wildnis, das nur spärlich bewachsen, dem Karst gleichen würde, wenn es nicht noch viel verlassener und eintöniger wäre, dann begreift man erst recht, wie schwierig es sein muß, in diesen Gebieten gegen einen ortskundigen, verwegenen und gut ausgerüsteten Gegner Krieg zu führen. Ti- einaeborenen Stämme dieses Gebietes zählen mehr als hunderttausend Leute und es ist sehr leicht zu begreifen, daß Abd e! Krim die größten Anstrengungen macht, dies- «^mme sich g-- fügig zu machen und welche Gefahr es für die Franzosen bedeuten würde, wenn diese Stämme sich der Anfftandsbewegung anschließen würden. Ueberall aus den dominierenden Höben- zugen befinden sich Militärposten, die meistens auch befestigt und reichlich mit Ma-chinengeweh- ren versehen sind, aber von einer zusammenhängenden Front kann nicht die Rede sein T'e Franzosen verfolgen viel eher die
Krieg Im Riff.
Hinter der französischen Marokkostellung.
Uafet Berichterstatter ist von Rabat ht die vorderen sranzö sticken L-nien «nd Stellungen vorgebrunaeri und aibt in folgendem „Feldpostbrief" feine intereffante« Eindrücke und Er-, lebuiffe wieder.
Rabat, 6. Mai. (Durch Flugpost.)
Für die Erschließung Marokkos für den Ver-> kehr haben die Franzosen zweifellos viel getan. Kein Wunder, daß sie bereits angefangen haben, aus Marokko ein Land der Globetrotter zu machen. Aber jetzt sieht man in dem Eisen- bahnzug, der aus Rabat nach Knitra abfährt, zumeist französische Offiziere und Soldaten, Araber, die aus der französischen Residenz heimwärts fahren und wenige Europäer, die aber keine fremden Reisenden sind. Der Zug fährt durch eine eintönige Steppe, die nur hie und da von jungen SSeinhiltttren unterbrochen wird. In einer Stunde erreicht man Knitra» eine kleine Stadt, die sich mit fast amerikanischer Geschwindigkeit aus dem Rious entwickelt hat. Man muß umsteigen. Ein schwer pustender Zug der schmalflurigen Militäreisenbahn führt dem Sebonflutz entlang bis Ain D e s a 1 i, von wo ans man mit dem Auto sein Weiterkommen suchen muß, um nach Ouez- zan zu gelangen. Ueberall die Spuren, militärischer Tätigkeit. Die Eisenbahnstrecke und die Straßen sind streng bewacht. An
jeder Brücke stehen Posten
mit aufgepflanztem Seitengewehr. Die dicht vor Ouezzan liegenden Ortschaften sind stark besetzt, Zelllagsr breiten sich an beiden Seiten der Straßen ans, Feldartillerie und Maschinen- gewehrtri'ppen kampieren überall. Bei Beni Malek sieht man die Flugzeuge eines Erknn- dungsgeschwaders startbereit. Das Dorf 'Ouozzane, von wo aus der größte Teil der militärischen Operationen in der westlichen Kampszone geleitet wird, befindet sich am Fuße des Djebelmassivs, in dessen Bergen sich die Truppen Abd el Krims sammeln. Auf dem Plateau befindet sich das Militärlager und von dort aus kann der Reisende nicht mehr weiter. Kaum zwanzig Kilometer von hier breitet sich schon die spanische Zone aus, die alles eher, als spanisch ist, denn die
ersten Vorposten der Kabylen beflnden sich bereits diesseits der Grenzflnie, kaum zehn Kilometer von der Ortschaft entfernt. Der ganze Weg bis Ouezzane ist eine Fahrt durch die Etappe der französischen Truppen. .Man sicht überall Kasernen, befestigte Blockhäuser, Magazine, Uebunasplätze. Von Ouezzane ab beginnt aber bereits das e i g en 11 i ch e Kampfgebiet. Oestlich von hier, bei Fes el Bali und Kelaa Desleß haben sich hier bereits ernste Kämpfe abgespielt und auf den Hügeln, die die 9lu81äuf?r des Dschebelge- birges find, tauchen immer wieder die Dsche-- balla aus, die kriegerischen Stämme, die einst die treuen Wasfengesährten Raisulis waren und jetzt zu den wertvollsten Helfern Abd el Krims zählen. Sie brechen meistens des Nachts aus dem schluchten- und höhlenreichen Gebirge hervor, um die französischen Postenketten zu beunruhigen und wenn abends die fast übernatürlich große und beinahe
Wie es uns geht.
Edmund Sünnes über Deutschlands Rot.
Ans der Feder von Dr. Edmund Stinnes. ■ ältestem Sohn des verstorbenen Großindustriellen, erscheint soeben in einem Newyorker Blatt ein Artikel, der auch uns bei Beachtung wen scheint. Es heißt darin: Die Verhältnisse in Europa stnd teils unter den Nachwehen des ■ Weltkrieges, teils, durch die sinnwidrigen Be- ftimmintgen des Diktats von Versailles so labil , geworden, daß ein Ueberblicken kaum noch möglich ist. Dieser sogenannte .Friedensvertrag' unterläßt es in allzu vielen Punkten, den wirtschaftlichen Belangen und ihren fast wichtigeren — weil viel empfindlicheren — Wechselwirkun- , gen Rechnung zu tragen. Ebenso wenig berück- , sichtigt er gewisse Imponderabilien der Volks- seele, die nun einmal in Euros« eine ganz andere Rolle spielen als bei Ihnen, in einem ! Lande von so ganz anderer Struktur. Unerläßliche Voraussetzung für die Hoffnung aus Deutschlands Konsolidierung ist allerdings, daß nicht nur Deutschland sich zum Dawesplan bekennt, daß nicht nur Deutschland sich feine Auswirkungen zu ufien macht — eine Arbeit, in der wir mitten drin stecken, — sondern neben Deutschland auch das wirtschaftliche Ausland.
Grunderfordernis, und zwar nicht nur für die Durchführung und Auswirkung des Dawes- Planes, sondern überhaupt für die Erhaltung Deutschlands ist ein starker Exportüberschuß dieses Landes. Deutschland kann heute nur etwa vierzig Millionen Menschen ernähren. Tatsächlich aber beträgt die Einwohnerzahl Deutjch- lands sechzig Millionen. Diese zwanzig Millionen .mehr" können nur ernährt werden durch den Verkauf veredelter Rohprodukte, gegen d i e Nahrungsmittel auf dem Weltmarkt etngetnufd’t werden müssen. Also ist schon aus diesem Grunde, d. h. lediglich um der Selbsterhaltung Deutschland und seiner Arbeitskräfte willen, ein erheblicher Export von hochwertigen Fertigfabrikaten erforderlich. Dazu kommt die Verschuldung der deutschen Wirtschaft aus den neuaufgenommenen Staats- und Privatem - leihen, die selbstverständlich an allererster Stelle und vor jeder anderen Verpflichtung verzinst und zurückgezasslt werden müssen. Zu diesen Verpflichtungen kommen hinzu die Verpflichtungen aus dem Dawesplan, dessen Kapital - Übertragung ebenfalls nur in der Form von Warenverfwiffnngen ausgeführt werden können.
Aus alledem folgt, daß die Welt, daß vor allem auch Amerika. daS den Dawes-Plan erdacht und sick zu eigen gemacht hat!, nun auch bereit sein muß, den deutschen Erport cmfzuneh- men. Mit Bedauern sieht man jedoch tu einzelnen angelsächsischen Ländern Bestrebungen im Gang, die daraus zielen, die deutsche Industrie in M i ß k r e d i t zu bringen. Oder man steht die Teftdenz, durch Schutzzölle und ähnftche Schranken die deutsche Produktion und den deutschen Handel auch weiterhin vom Markt fern z u halten. Dabei hat Deutschlands Ausfuhr heute noch nickt entfernt diejenigen Ziffern erreicht, die die Statistiken für 1913 auf- weisen. Es läßt stck für eine Politik des „Sid - Abschließend" ein wirtschaftlicher Grund nicht anführen; es fei Venn engstirniger Eigennutz. Der Egoismus wird jedoch zur tödlichen Gefahr in einer Zeit und in einer Sage, die zunächst fein anderes Gesetz kennen sollte, als das natürliche menschliche Gesetz gegenüber elementaren Gefahren, die die Allgemeinheit bedrohen, »nd das lautet: Zusammenstehen, Zusammenwirken Aller, bis die Bedrohung der heutigen menschlichen Kultur gebannt ist! Denn diese steht wohl letzten Endes jetzt aus dem Spiel!
Eine weitere Schwierigkeit ist eine mehr in- unpolitische meines Vaterlandes. Deutsck- land ist an sick kein .reiches Land', wie andere, klimatisck gflnftiger gelegene. Mer gerade sein karger Reicktum, seine Mineralvorkommen sind durck das Diktat von Versailles erheblich geschmälert worden Andere Geldquellen Hot man uns genommen. Also muß der gesamte Export- überfchuß ausschließlich gedeckt werden ans der Arbeit des d-eu Ischen Volkes! Diese Tatsache weist u»S auf das Kernproblem der deutschen Wirtfchpft in den nächsten Jahren. Es wird hoffentlich möglich fein, durch neue Erfindungen. durch bqflere Organisationen, wobei uns Amerika ein teurhtenbe? Beifv!-! fein soll?. den spröden Elementzen einen oder den anderen Vorteil abzutrotzen. Heute ist jeder Staat ängstlich bemüht, sich von fernen Nachbarn durck Zollgrenzen, eigene Gefetzgebung, wirtfckofilrche Schwieriakeften und manches andere mehr abzu- sondern. Diese Abscderuna kostet einen ungeyeu- ren Aufwand an Beamten, an Militär, an Sickerheitsmabnehmen, -s Rüstungen und unproduktiven Institutionen aller Art. Betriebs- technifck aefvrvcken beißt das nickts anderes, als daß die Severalunlosten Europas,