Einzelbild herunterladen
 

Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Dir ktanelet Sieuefttn iliadmdjten eridjetnen wücheaUich fed>8mai nadjnttttaeS Der »bonnementSpreie beträgt für ben Mona, 2.- Mk- bet freier Zustellung -ns vauS. in 6er Geschäfts,telle abgebolt 1-8(1 Mk. Durch die Post monatlich 2.00 Mk. ausfchliekltch Zutteüuiigsgehllhr Verlas und Redaktion Schlachibofftratze 28/30. Fernsprecher 951 und 952. kür unverlangt eingesandte Beiträge kann die Re- 'aktion eine Verantwortung oder Gewähr in keinem Kalle übernehmen. Rück­zahlung deS Be,ngSgeldes oder «nsvritche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Vter-rifnn f# anSaefchloOen Postscheckkonto Frankfurt a. Main Nummer «380

Hesfische Abendzeitung

Anzeigenpreise: Eindeimische GeichästSanzeigen Zeile 20 füg. auswärtige ÄeschästS- anzeigen Zeile20Psg- Uamitienaazelgen Zeile20Psg.,Kleine Anzeigen bas Wort 4 Üfg_ Reklamen die Zeile 75 Ptg. Offertgebühr 10 Psg. lbei Zuieudg. der Offerten 30 Pfg.i Rechnungsbeträge ilnb innerhalb 5 Ta. zu bezahlen. Maßgebend ist der Kurs deS Zahlungstages. Mr die Richtigkeit aller durch Kernlvrecher abgegebenen An­zeigen sowie für Aufnahmedaten und Plätze kann nicht garantiert werden. Kür Anzeigen mit beiond. schwierigem Satz 100 Pro^Aufschlag. Druckerei: Schlachthof­straße 28/80. Geschäftsstelle Köln.Str.5. geaeniib.der Svobritr. iVernfor.951 u. 952

Nummer 109. Einzelnummer 10 Pf, Sonntags 15 Pf. Dienstag, 12. Mai 1925.

Einzelnummer Pf., Sonntags 15 Ps. 15. IaHkgtMg

3m poftaalo vom Icanksurker D-Zug überrannt.

Das Mark der Erde.

Mitteleuropas Wiederaufbau.

(Von Phil. Snowden, ehern, engl. Schatzkanzler.)

Man wird ohne weiteres zugeben müssen, daß die Länder Europas aus dem Zu mnoe eines akuten Fiebers in dasjenige einer nor­malen Temperatur, wenn auch geschwäch­ter Konstitution, zurückgekehrt sind. Stetigkeit der Währungen ist andererseits die wichtigste Grundlage für das Vertrauen im Handel. Die Entwicklung Europas in den Jahren nach dem Waffenstillstand, seine verheerende Infla­tion, die entwertenden und sawankenren Währungen, die Ausfälle im Staatshaushalt und die ganze unsicher Struktur der Wirtschaft ist, wenn auch nicht völlig genesen, so doch aus gesündere Füße gestellt worden. Wir können augenblicklich keine Anzeichen irgend eines Rückschlages erkennen.

Gleichwie vor dem Kriege ist heute noch im­mer Deutschland die Grundlage und der Angelpunkt des mitteleuropäischen Wirtschaftskomplexes. Ein blühendes, aussteigendes Deutschland, das sich in einer sta­bilen Wirtschaftsentwicklung befindet, wird die umliegenden Gebiete wieder beleben und deren Belebung wird sich wiederum in einer Besse­rung des Welthandels fühlbar machen. Die übermenschlichen Anstrengungen, die Deutschland zum Aufstieg aus dem Wirt» schaftlichen und finanziellen Chaos gemacht hat, in das es vor etwa zwei Jahren gestürzt war, werden sicherlich eines der anziehendsten und großartigsten Kapitel der internationa­len Finanzgeschichte bilden. Das Dawes- Programm wurde verwirklicht, um den Pro­zeß der finanziellen Stabilisierung, der durch die Ausgabe der Rentenmark eingeleitet war, abzusä ließen. Ter Jöaubtt erteil, den Deutsch­land von der Aufstellung dieses Programms erfahren hat, ist die Sanierung seiner Wäh­rung und die damit erzielte Befferung des Staatshaushaltes. Das Gefühl der Unsicher­heit, das sich lähmend auf die deutsche Wirt­schaft legte und auch im Welthandel seinen ver­derblichen Einfluß spüren ließ, ist geschwunden. Falls Deutschland in der Lage ist, durch engere Geschäftsbeziehungen mit seinen Nachbarlän­dern die notwendige Steigerung seiner Ausfuhr zu erzielen, so wird der Welthandel hiervon indireft seinen VorteU ziehen können.

Das große Werk des Völkerbundes, die Ver­schaffung der Wiederaufbauanleihen für Oester­reich und Ungarn ist auch der gesamten euro­päischen Wirtschaftslage zugute gekommen. In Ungarn besonders ist ein höchst beachtenswerter Umschwung zum Besseren zu verzeichnen. In Oesterreich ist die Lage nicht ganz so günstig. Hier müssen größere interne E r s p a r ni s s e durchgeführt werden. Die Krone ist aber stabil geblieben und Oesterreich erfreut sich einer ge­wissen Blüte. Es bedarf vielleicht eines größe­ren Zustromes von Kapital für den Ausbau der Industrie. Dies Kapital wird zweifellos etn- strömen, sobald das Vertrauen in seine Stabi­lität und das Vertrauen in die Durchführung der internen Sparsamkeitsreformen im Aus­lande wächst. Polen darf einen stolzen Platz im Range der europäischen Nationen, die ihren Kredit wieder hergestellt haben, einnehmen. Es befindet sich aus dem Wege zu wirtschaftlicher Erholung. Tas schwierigste und größte Pro­blem des europäischen Wiederaufbaues ist aber Rußland. Unglücklicherweise wird die Hal­tung der westlichen Staaten vornehmlich durch politische Einflüsse, durch wirtschaftliche Mo­mente, wie die Ansprüche aus früheren Ver­pflichtungen beeinflußt. In der Zwischenzeit leidet Rußland, leidet Europa. Die Entwick- lungsmöglichkeiten des russischen Marktes sind ungeheuer.ff Jedes Jahr, das verloren geht, um mit Rußland wieder zu erträglichen Beziehun­gen zu kommen, kostet Europa tm Ausfall seines Handels Milliarden. Die Wiederherstellung W Vertrauens ist die erste Grundbedingung für Kreditgewährung. Rußland braucht Kre­dite. Es wird der russischen Regierung lange noch große Anstrengungen kosten, dieses Ver­trauen des internationalen Geldmarktes ju er­ringen. Rußland hat es trotzdem ohne äußere Hilfe fertig gebracht, seine Wäbruna zu stabi­lisieren und auch stabil zu erhalten. Das ist der erste Schritt zur Erzeugung einer Atmosphäre des Vertrauens.

Groß-Britannien und Amerika haben in den letzten beiden Jahren viel getan, um Europas Kreditbedürfnis gerecht zu werden. Außer großzügigen Anleihen bat Amerika bedeutende Summen für Privatkredite zur Verfügung ge­stellt. Rein polittsch dürfte sich Amerika in einem weit höheren Maße, als dies bisher der Fall war, europäischen Problemen zuwenden Auch der Handelsverkehr zwischen der alten und neuen Welt wird sich heben. Die Aussichten für Europa sind sicherlich hoffnungsvoller als bis­

her. Die Zukunft hängt von der Haltung der Politiker, der Haltung von Handel und In­dustrie ab. Heilige Pflicht der Staatsmänner und Geschäftsleute ist es, den Frieden zu kon­solidieren. Denn nur der Frieden ist Fun­dament für wirtschaftlichen Aufstieg.

Das Vostauto untermD-3ug

Tragische Heimfahrt eines GcsanavereinS. (Privat-Telegramm.)

Wiesloch, 11. Mai.

Zu dem bereits gemeldeten furchtbaren Un­glück auf der Station Roth-Malsch (Rehe unter Aus aller Welt") wird noch bekannt: Ein Ge­sangverein von Matsch benutzte auf der Heim­fahrt von St Leon das Postauto mit Anhänger. Ter Schrankenwärter auf der Station Roth- Malsch hatte es unterlassen, die Schranke zu schließen und so passierte das Postauto um %8 Uhr abends den Bahnkörper in dem Augenblick, wo der D.-Zug 186 daherbrauste. Der Anhän­ger wurde erfaßt und vollständig zertrümmert. Bon den Jnfaffen kamen elf »ms Leben, wäh­rend vier Personen mehr oder weniaer schwer verletzt wurden. Unter den Getöteten befinden sich drei Ehepare, 2 junge Mädchen und eine Frau mit ihren beiden Kindern. Die Leichen loaren schrecklich verstümmelt Die Verletzten wurden nach Heidelberg und Bruchsal verbrächt Der D-Zug selbst hat keinen Schaden genornmen.

Hindenburg zieht heute ein.

Wie sich der Amtsantritt vollzieht.

(Eigene Trahtmelduug.)

Berlin, 11. Mai.

Heute nachmittag 5,25 Uhr trifft bekanntlich Reichspräsident von Hindenbuia ans dem Bahnhof Heerstraße in Berlin ein. Auf dem Wege zum Reichstagsgebäude werden Verbände und Vereine, die sich in Stärke von 200 000 JJlann gemeldet haben Aufstellung nehmen. Vom Brandenburger Tor ab wird der Wagen des Reichspräsidenten durch einen Zug berittener Schutzpolizei eskortiert werden. Am morgigen Dienstag findet dann die Vereidigung vor dem Reichstag statt. Alsdann wird der Reichs­präsident die Front der Ehrenkompagnie ab­schreiten und dann im Reichsprösidentenpalais von Dr. Simons empfangen werden. Nach­mittags wird er die Glückwünsche der Regierung entgegennebmen. Für den 13., 14. und 15. Mai sind eine Reihe von weiteren Empfängen vor­gesehen, darunter am 14. Mai der vmvsang der fremden Botschafter, Gesandten und Geschäfts­träger. In einer Kundgebung wird Hinden­burg zur Einigkeit und zur Wahrung des in­neren Friedens aufrufen. Gleichzeitig soll dar­gelegt werden, daß der Schutz der Verfassung und der rechtmäßigen staatlicksen Institutionen in dauerhafter Weise gewährleistet wird. Das deutsche Volk soll, so erklärt man in den Regie- rungskreisen, die unbedingte Gewißheit haben, daß mit dem Amtsantritt des neuen Reichsprä­sidenten gleichzeitig die feierliche Versicherung abgegeben wirb, daß das deutsche Volk vor selbstzersleischenden und zermürbenden Verfas- fungskämpsen geschützt werden wird.

* * *

Segenaufmarsch der Kommunisten

Berlin, 11. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Die Kommunistische Zentrale hat zu Hinden­burgs Einzug die Parole zu Gegendemon­strationen auSgegeben und will mit ihren lo­ten Frontkämpfer-Organisationen in geschlosse- nem Zuge aufmarschieren, um Zusammenstöße mit den rechtsstehenden Verbänden zu provo­zieren. Man hält jedoch die Schutzpolizei für stark genug, Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten und Zwischenfälle im Keime zu ersticken. Die Polizei ist angewiesen, das Aufmarfchieren von Musikkapelen zu verhindern und Ver­bände, die sich diesem Verbot nicht fügen, von der Teilnahme ohne weiteres auszuschließen.

Unter Englands Druck.

Der neue Geist in Paris.

(Eigener Drahtbericht.)

London, 11. Mai.

Ein Pariser Berichterstatter schreibt: Bei der Erörterung der Entwaffnungsfrage sei ein neuer Geist erkennbar, der aus die sorgfältige Prüfung der britischen Anficht zurückzuführen fei. Be­züglich der Entwaffnuims- und Kölner Frage faeine die Pariser Presse einen unangebrachten Pessimismus gezeigt zu haben. Die britische und französische Auffassung sei miteinander nicht unvereinbar. Einem Pariser Blatt zu­folge sollen die Briandschen Vorschläge an Deutschland in London, Brüssel und Rom qm

Dienstag vorgelegt werden. Die Antwort der Alliierten wird bis Wochenende erwartet.

* * *

Berlin in der Offensive.

Rom, 11. Mai. (Privattelegramm.) Die Blät­ter künden einen netten diplomatischen Schritt der Berliner Regierung in Paris, Brüssel und London an, Deutschland habe darauf hingewie­sen, daß ohne bestimmten T e r m i n für die Ränmung der ersten Zone keine Entscheidun- gen in der Sicherheitsfrage möglich feien.

Sie sind sich einig.

Paris, 11. Mai. (Eigener Drahtbericht.) Die Morgenpresse nimmt an, daß die Botschafterkon- ferenz am Mittwoch noch zusammentreten wird, um Kenntnis von den Vorschlägen der englischen und französischen Regierung betreffend die Ent­waffnung in Deutfchland und die Rämnng der Kölner Zone zu nehmen. Offiziösen Mittei­lungen zufolge haben sich die Kabinette von Pa ris und London jetzt über die einzunehmende Haltung verständigt. Einige technische Spe­zialfragen blieben noch zu regeln.

Wie sie uns nuspresien.

Milliarden aus dem Schweiß deutscher Arbeit. (Eigener Drahtbericht.)

Berlin, 11. Mai.

Die Aprilübersicht des Reparations-General­agenten verzeichnet Eingänge von fast sechzig Millionen und Zahlungen von über f ü n f u n d - siebzig Millionen Goldmark. Davon entfallen auf Großbritannien rund 20,5 Millionen, cdf Frankreich 33,3 Millionen, auf Italien 3,5 Millionen und auf Bel­gien 8,5 Millionen England bezog aus dem Resotzery Art rund 16,45 und Frankreich 2,7 Mil­lionen. Die Lieferwaren aus dem Ruhr ge­biet für Frankreich sind mit 3,3 Millionen und für Belgien mit 660,000 Goldmark bewertet. Als Kosten an die Besatzungsarmee sind 15.4 Millionen für die Lieferungen an Kohle, Farb­stoffen ufw. 18,8 Millionen angewiesen. Insge­samt sind auf die erste Jahresannnität seit t September 1924 als Eingänge 640 010066,15 Goldmark und als Zahlungen 630 85094456 Goldmark gebucht, sodaß am 30. April ein B a r - ° 5 stand der ungeheuren Summe von 9 la9131,58 Goldmark vorhanden war.

ES kostet ben Kops.

Die Sofiaer Verbrecher betteln um Gnade.

(Amtliche Drahtmeldung.)

Sofia, 11. Mai.

Bor dem Kriegsgericht hatten gestern die Angeklagten des Sofiaer Attentats das letzte Wort zu ihrer Verteidigung. Hierbei brach jer Sakristan Cadgorski in Tränen aus und bat um ein gerechtes Urteil. Auch Fried­mann erflehte die Gnade seiner Richter und um Gerechtigkeit. Heute Abend fällt das Urteil.

Das Kabinett brrKatholiken.

Van de Vyveres Programm in Belgien.

(Eigene Drahtmeldung.)

Brüssel, 11. Mai.

Der vom König beauftragte Abg. van de Vy- vere hofti fein Kabinett bis Dienstag fertigge­stellt zu haben und es am 19. Mai dem Parla­ment vorstellen zu können. Er betonte, daß er die einfachste Lösung anstrebe. Alle katho­lischen Mitglieder des früheren Kabinetts hät­ten ihm schon ihre Mitarbeit zugesagt und für den Rest würde er Persönlichkeiten finden, die der Polittk fern stehen.

Die Stichwahl in Vari«.

Gewinne und Verluste der Parteien. (Eigener Drahtbericht.)

Paris, 11. Mai.

Rach dem Ergebnis der gestrigen Stich­wahlen fetzt sich der Munizipalrat der Stadt Paris wie folgt zusammen: Konservative 4, (Verlust 1), Republikaner 14 (0), Linksrepubli- taner 23 (Verlust 2), Unabhängig-radikale 6 (Ge­winn 1), Sozialistische Republikaner 5 (Gewinn 1), Sozialisten 14 (0), Kommunisten 8 (Gewinn 1). Die Linkspresse schreibt: Die letzten Hoff­nungen deS Rationalen Blocks seien endgültig durch den Sieg der Realität hinweggefegt wor­den.Unsere Okwimte übersteigen unsere Hoff­nungen. Das Volk hat dem Kartell bet Linken das Vertrauen ausgesprochen unb die kommuni­stische Gefahr beseitigt. Die Opposittonspresse Nagt, die Patrioten hätten nicht verstanden, nach dem Beispiel ihrer Gegner einen Block zu bilden und gegen die Revolution die große Par­tei der Ordnung herzusteüet^ _ ,,....

Kommunal-Lanötog.

Die Landeskreditkasse und ihre Geschäfte.

Im Anschluß an die in unserer Sonntags-- uummer bereits gebrachte Entschließung in der Kreditangelegenheit Manus Katzen st ein bringen wir heute die Ausführungen der drei Berichterstatter; der Abg. Felde, Schmalkal- den (Hess. Arb. Gern.) legt ausführlich den Her- gang der genannten Geschäfte der Landeskredit­kaffe mit Katzenstein dar, wobei er mitteilt, daß in einigen

Weiteren Fällen ebenfalls Schwierigkeiten eingetreten seien. Die Firma Manus Katzen­stein, so führte Felde weiter aus, habe in der Inflationszeit bereits Beträge erhalten, die dann bei Einführung der Festmark und den da­mals hohen Zinsen, im Vergleich zu der bedeu­tenden Firma sich riesenhaft steigerten. Dazu kam, daß ehe die Landeskredittasse sich die vor­geschriebenen bankmäßigen unerläßlichen Sicher­heiten verschaffte, die Firma hinter dem Ruk- ken der Landeskredittasse von einer hiesigen Persönlichkeit 200000 Mark Darlehn erbat und dafür eine Grund schuld in derselben Höhe ein­tragen ließ. Auch diese 200 000 Mark mußte die Landeskreditkasse übernehmen, um die Eintra- S einer Grundschuld zu erreichen. Dem er Lichtenberg mußten fürs erste wiederum Kredite zur Verfügung gestellt werden, denn nur auf diese Weise kam die Landeskredittaffei an die ausgedehnten Besitzungen Lichtenberg, die sie nun sämtlich mit ersten Hypotheken be­legte. Die Landeskreditkasse wird in der von uns schon geschilderten Form im Laufe von vielleicht drei Jahren zu ihrem Gelde kommen, Lichtenberg wird allerdings sein gesamtes Ver­mögen verlieren, da die riesenhaften Zinsen und das Kapital wohl die Höhe des Lichtenbergfchcn Eigentums erreichen. Außer den 700000 Mark, die anderweitig bereits gedeckt sind, muß für eine weitere Million das Werk Manus Katzeu- itein (jetziger Besitzer Lichtenberg) und weiter das große Besitztum Lüttgemannhauseir herhal- ten. Der zweite Referent Ludwig, Hünfeld (Zentrirm) schloß sich den Ausführungen Feldes an unb glaubte, da der dritte Referent ausführ­lich zu der zu fassenden Entschließung sprechen würde, auf weitere Erläuterungen verzichten zu können. Stadtrat Prof. Sautter (So;. Arb. Gem.) sagt eingangs, daß eine eingehende Un­tersuchung der Verwaltung des Landesaus- schuffes von Sachkundigen im Hauptausschuß und in den Fraktionen stattgefunden hätten. Heute in öffnetlicher Verhandlung muffe, so sagte dazu Prof. Sautter, an unser offi­zielles Institut viel schärfer herangeganzen werden, als dies ja bei einer Privatbank der Fall sein würde; man könnte dem Institut nichts ersparen. In Erläuterung der Entschließung sagt Prof. Sautter, daß das kritiklose Vorgehen der Bankabteilung die Landeskredittasse für längere Zeit gewissermaßen

zum Hörigen einer bestimmten Firma gemacht habe. Hätte die Landeskreditkaffe bis Februar 1924 noch freie Hand gehabt, somußte sie in der Nachzeit diese Firma stützen. Damit war, so sagte Prof. Sautter, die Landeskredit­kasse automatisch in den Dienst ihrer Schuldner gebracht. Die Firma verlangte, die Bankabtei­lung bezahlte. Wer neue Wegegeht, so führte der Redner weiter aus, muß sich vorsehen. Die Bankabteilung der Landeskreditkaffe patte nicht jene Umstellung erfahren, die die neuen Ausga­ben vielleicht erforderten.

Der unlösbare Widerspruch aber, der zwischen Haupttaffe und Bankabtei­lung monatelang herrschte, sei aber nicht durch unglückliche Umstände veranlaßt. Der Verzicht auf rechtzeitige Sicherstellung der ge­gebenen Kredite, die Ausfassung, die Firma er­nähre ja die ganze Landeskredittaffe, die Tat­sache, daß eine Auseinanderrechnung zwischen Kapital und Zinsen nie erfolgt (es machte zu­viel Schwierigkeiten!) zeigte deutlich den Geist der über den allgemeinen Bestimmungen der Kredittasse wachte. Die damals verantwort­lichen Stellen der Landeskredittaffe, so sagte Pros. Sautter, waren in schwieriger Lage. Ge­wiß konnten sie durch Kontrolle vorschrifis- mäßig jederzeit einschreiten, doch nur nach Maß­gabe ihrer eigenen Ueberzeugung. Damals verantwortliche Stellen der Landeskreditkasse glauben heute noch vertreten zu können, daß die seinerzeitige Abnahme von 200000 Mark Notgeld ohne Sicherstellung durch eine Firma eine Gefälligkeit (von Seiten der Firma) bar« stelle. Es muß, so führte Prof. Sautter weiter aus, hier gesagt werden, daß später viele Maß­nahmen zur Sicherstellung der Forderung der Landeskredittasse getroffen wurden. Es wäre würffchenswert gewesen, wenn personell früh­zeitiger durchgegriffen worden Wäre. Bereits Mitte März 1923 lagen bei einer Firma 800000 Mark in durchaus gefährdeter Weise ftü. Die Morl entsetzende Untersuchung ergab.