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Kasseler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
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Nummer 107. Einzelnummer 10 Pf. Sonntags 15 Ps.
Sonnabend, S. Mai 1925.
Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf. 15. JahkgUNg
Preußens Schicksal wird heute entschiede«.
Men am Scheideweg.
Dem lominenven Großdeutschlaud entgegen.
Von Dr. Paul Rohrbach.
Napoleon I. hat gesagt: Wer Krieg führen will braucht Geld, und wer Politik zu machen hat, braucht Geographie! Es gibt keine Politik gegen die Geographie, wenigstens nicht aus die Tauer. Das sieht man jetzt an den Schwierigkeiten, die aus der Zerschlagung des österreichisch-ungarischen States entstehen. Von Prag wird offen, von Paris etwas versteckter die Parole der Donauföderation auszegeben. Mitglieder sollen sein die Tschechoslowakei, Oesterreich, Ungarn, Jugoslawien womöglich auch Rumänien. Geographisch wäre das eine Wiederholung des alten österreichisch-ungarischen Verbandes mit Einbeziehung des früheren Serbien und des früheren Rumänien. Die Unmöglichkeit liegt aber darin, daß durch eine Föderation in diesem Sinne Mitteleuropa auseinandergerissen wird und werden soll. Die Front des geplanten Bundes der .Donaustaaten" soll sich im französischen Interesse gegen Deutschland kehren, und das wirtschaftliche wie das politische Schwergewicht soll gegen die Natur statt nach Wien nach Prag gelegt werden. Vor allen Dingen aber soll verhindert werden, vaß der Gedanke des Anschlusses von Oesterreich an Deutschland noch mehr Boden gewinnt.
Wir müssen, um das ganze Bündel von Fragen, das hier vorliegt, richtig zu beurteilen, zunächst von der eigentümlichen geographisch! n Lage Wiens ousgehen. Im Wiener Becken, an der Vereinigung von March uud Donau, haben wir eine Gegend von der höchsten geo- graphisch-politi'chen Bedeutung. Wien ist zu Lande ein ähnlicher Punkt, wie Konstantinopel zur See. Es kann nicht vom Verkehr umgaa- gen werden. Alpen- und der Karpathenbogen reichen hier ganz nahe aneinander heran, bleiben aber mit ihren Vorhöhen eben noch ein Stück voneinander entfernt. Die so gebildete Pforte ist das Völkertnr zwischen der östlichen und der westlichen Hälfte von Mitteleuropa. Der große nördliche Randfluß der Alpen, die Donau, tritt hier hindurch und bildet einen Haupwer- bindungsweg zwischen den westlichen und östlichen Ländern. An dieser Stelle ist Oesterreich entstanden. An dieser Stelle mußte sich daher ein politischer und kultureller Mittelpunkt bilden, dessen Wirkungsbereich bis nahe an den Fuß des Schwarzwaldes, bis an den Durch - brück der Elbe aus Böhmen nach Sachsen, bis an die mährisch-polnische Pforte, bis ans Adriatische Meer, bis ins Herz der Alpen und bis an die Donaumündung reicht. Wien aber kann einerseits nicht losgerissen werden von Oesterreich ,von den deutschen Alpenländern und von Deutschland. Die Deutschen in Oesterreich sind so gut Deutsche wie die Deutschen im Reick. Blut will zu Blut. Das freie Selbstbestimmungsrecht der Völker ist einmal proklamiert. Es kann widerrechtlich aufgehalten, aber es kann ebensowenig zunichte gemacht werden, wie seinerzeit die Verkündung von den Men'chen- rechten oder von der Souveränität der Völker gegenüber dem starr gewordenen Gottesgnaden- tum. Wenn die Gegner Deutschlands im Weltkriege vorausgeahnt hätten, welch eine Rute su ihrer eigenen Gewaltpolitik mit diesem freien Selbstbestimmungsrecht banden — sie hätten es schwerlich als Kriegsinstrument ausgenommen. Dieser Pfeil wird nicht einmal, sondern viele Male auf den inrückfli-aen.
Eine Donauföderation ist nur dann ein natürliches Gebilde, wenn sie ihren wirtschaftlichen und verkchi spolitischen Brennpunkt in Wien bat, und wenn sie nicht feindlich, sondern freundlich gegen Deutsch'and gekehrt ist. Von Bukarest, von Belgrad, von Budapest ans kann sie nicht dirigiert it-erben und am allerwenigsten von Prag aus. Damit sind alle Versuche, die nack dieser Richtung zie'len. zem Mißerfolg verurteilt Das einzige Natürliche, wenn die Tschechen, die^Un- garu, die Serben und die Rumänen eigene Staaten bilden wollen, ist. daß sie gemeinsam 'hren handelspolitischen Umschlagsplatz nach Mitteleuropa in Wien suKen Oesterreich aber, von dem Wien getrennt weiden kann ist allein für sich als Staat wie als Wirtschaftsgebiet lebensunsähig. Das baden alle verständige Leute von Anfang an vorausgesi at. und das zeigt sich jetzt wieder nach der trügerischen Episode der Sanierung durch den Völkerk u td. Es gab einmal den Augenblick wo die Te.eimgung zwischen dem Deutschen Reick und Oester'eich hätte vollzogen werden können T'is ’”<v >n ■ 1 als tm Roa 'M feer 1018 die 6fteriet*if*en Abgesandten m Berlin waren und vie „Volkskommissare" die in »rutsch' and die k berste Gewalt vertreten, nur in die hin lehaltcneu H-ände einzust-lagen brauch- jen. Die Prokl.-mierung von Großdeuischland in dem Äugend! .ck. wo das Neindeutsche Reich den Zusammenv. uck er,*M». wurde damals aus- geschlagen.
Jetzt wär: d futick. bie Entwicklung zum An
schluß, die im Gange ist, die zum Ziel führen! muß und führen wird, gewaltsam beschleunigen zu wollen Mit dem Anschluß ist es eine ähnliche Sache für uns wie mit dem Völkerbund. Man wollte uns et ft aussperren, und jetzt bittet man "H5 eit einem Fahr drinoend, v'w'inznkomntru. Eines Tages werden die Dinge auch mit Oesterreich so weit fein, daß niemand imstande sein wird, das P.oblem anders zu lösen als durch die Bereinigur^ mit dem Deutschen Reich. Tie Leute von Versailles haben eine unmögliche Sacke gemacht: mögen sie sich jetzt mti thr weiter plagen, bis sie einsehen, daß es gegen die Folgen .yrer politischen Narrheit und ihrer GewaUmav- nahmen kein wirksameres Mittel gibt, als freiwillig das Geschehene rückgängig zu machen.
Oesterreich tonn allein nicht bestehen.
London, 8. Mai. (Eigener Drabtbericht.) Ein diplomatischer Berichterstatter schreibt, die Frage der weiteren Existenz Oesterreicks als unabhängige, wirtschaftliche Einheit beschäftige die Alliierten wie den Völkerbund wegen der ernsten politischen Verwicklungen, die ein Zusammenbruch Oesterreichs in dieser Hinsicht zur Folge haben würden. Infolgedessen werde der Wirtschaftsausschuß des Völkerbundes, der demnächst zusämmen- tntt, aufgefordert werden, die Ernennung eines unparteiischen Sach verständigen-Aus- s ch u s s e s zur Untersuchung der augenblicklichen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Oesterreich und seinen Nachfolgestaaten zu erwägen.
Der Beamer G ockMMß.
Heute wird Preußens Schicksal entschieden. (Eigener Drahtbericht.)
Berlin, 8. Mai.
Das Zentrumsblatt schreibt: Heute fällt über das Kabinett Braun und über das Schicksal öeS Preußischen Landtages die Entscheidung. Versagt er dem Kabinett das Vertrauen, so wird die A u f l ö s u n g automatisch erfolgen. In dieser Frage gibt es unter den Koalitionspar- teien keine verschiedenen Auffastungen und in dieser Frage steht auch die Zentrumssraktion geschloffen und einig da. Das Blatt bezeichnet dann als Vorbedingung für eine Verbreiterung fier parlamentarischen Basis, daß das Kabinett Braun fest im Sattel sitzt. Erst dann sei die Möglichkeit einer dauerhaften Lösung eher gegeben, als wenn nutzlose Verhandlungen die Parteien noch weiter von einer Verständigung wegführten, als es fckon heute der Fall fei. Die Fühlung bei den Parteiverhandlungen ist von Tr. Hermes wieder auf den früheren Reichskanzler Dr. Bi a r x übergegangen, der and) an den gestrigen Besprechungen zwisckwn Zentrum und Deutschen BolkSpartei teilgenom- men hat. Die Aussichten für eine Verständigung von der heutigen Landtagssitzung sind sehr gering.
Hoefle und seine Aerzte.
Dr. Thiele rechtfertigt sich. (Privat-Telegramm.)
Berlin, 8. Mai.
Bor dem Hoefle-Untersnchungsausschuß bekundet gestern der stark belastete Gefängnisarzt Dr. Thiele: Ich war mir mit Dr. Straßmann damals schon einig, daß es sich bei Dr. Hoefle um eine Störung der Herztätigkeit handelte. Ich habe nach eingehender Untersuchung in meinem Gutachten auf die schweren nervösen Störungen hingewiesen, mit denen bei einer Fortdauer der Haft zu rechnen wäre, ja sogar auf das Zn- 'tandekommen einer Geisteskrankheit. Dr. Hoefle klagte bereits über eine große Schlaflosigkeit und er
erhielt wunschgemäß Schlafmittel.
Die Schlafmittel betrugen aber durchschnittlich noch nicht ein Drittel, was ärztlicherseits als maximal bezeichnet wird. Er erhielt herzstärkende Mittel sowie Schlaf- und Beruhigungsmittel oder Kompressen, medizinische Bäder usw. Er hatte das Recht sich selbst zu beköstigen. Am 14. April stellte ich fest, dast zweifellos die große seelische Niedergeschlagenheit nod) weiter zuge rammen hatte. Er hat bann in den folgenden Tagen überhaupt keine stärkenden Schlafmittel mehr erhalten. Am 18. Aprit trat eine eingehende Wendung ein. Die seelische Verstim mung fiel mir wieder stark auf. Nachmittag? verordnete ick telephonisch herzstärkende Mittel und bat, falls keine Defferung eintrete, mich zu benachrichtigen. Als ich Kenntnis erhielt, daß ine Besserung nicht eingetreten war,
eilte ich sofort nach dem Krankenhaus.
Ich hatte einen Bewußtlosen vor mir, dessen Herzkrämpfe ich sofort bekämpfte. Der Untersuchungsrichter sagte mir, daß eine Haftentlassung Dr. Hoesles nicht in Frage komme. Als
mir in der folgenden Nackt eine Verschlimmerung mitgeteilt wurde, ließ Direktor Ballt) jedoch den in der Nähe wohnenden Dr. Stürmer holen, ber Dr. Hoefle nochmals untersuchte und meine Anordnungen billigte. Am Sonnabend nachmittag hatte ich die vorschriftsmäßige Meldung gemacht, daß Dr. Hoefle schwer krank sei. Gleichzeitig hinterließ ich der Direktion, wo ich jederzeit zu finden sei. In der Nacht zum Montag wachte ich au dem Krankenbett bis zur Ueberführung des Kranken in die EharitS.
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War Hoefle haftfähig?
Berlin, 8. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Vor dem Hoefle-Untersuchungsausschuß sagte Dr. Thiele weiter aus: Auch die Aerzte der Charite konnten keine wissenschaftliche Diagnose über den Krankheitszustand Dr. Hoesles geben. Es zeigten sich auch Anzeichen einer beginnenden Lungenentzündung. Vorübergehend ist der Verdacht einer Vergiftung bei mir entstanden. Immerhin konnte ich mir nicht denken, baß eine Morphmmvergistung vorliege. Ich habe mich dreimal ausführlich schriftlich aus Anregung des Untersuchungsrichters Dr. Nothmann geäußert. Gutacht- l i ch habe ich betont, daß mir vorgeschrieben sei, die Haftunfähigkeit nur zu bescheinigen, wenn der Fluchtverdacht beseitigt wäre ober aber eine bringenbe Lebensgefahr vorliege. Ich sagte also, daß der Direktor ber Anstalt mir mitteilte, baß diese Voraussetzungen nickt zuträfen, daß die Sache sich bann ia von selbst erledige. Ein Vertreter des Wohlsahtts- ministeriums erklärte bann: Der Passus über Fluchtverdacht, baß auch Fluchtverdacht bei biesen Dingen von Aerzten in Zukunft mitberück s i chti gt werden soll, ist aus besonderen Wunsch des Justizministeriums in die- er Verfügung ausgenommen werden.
Der deutsche Zankapfel.
Englisch-französische Kampfspiele.
(Eigener Drahtbericht.)
Paris, 8. Mai.
Es ist beschlossen worden, baß die Botschafterkonferenz am Montag und Dienstag zusammentritt, um über die britischen und französischen Vorschläge zur Ueberga&c des Kontrollberichts an Deutschland zu diskutieren. Die von dem britischen Botschafter in Paris Lord C r e v r überreichte Note ist sofort durch Sachverständige geprüft worden, die ihrerseits einen Gegenvorschlag sowohl in ber Kontrollfrage wie auch in ber Räumung der Kölner Zone ans- arbeiten. Außenminister Briand wird das Re- Tultat am Sonnabend dem Ministerrat vorlegen.
Saure Arbeit für Luther.
Wenig Aussicht für eine Regierungserweiterung, (eigener Informationsdienst.)
Berlin, 8. Mai.
Das Reichskabinett ist wieder in Berlin ein« getroffen. Reichskanzler Dr. Luther wird am Sonnabend die Parteiführer zu Beratungen empfangen. Gleichzeitig wird der Kanzler die Parteiführer befragen, ob sie in der Frage der Erweiterung des Reichskabinetts irgendwelche Vorschläge zu machen hätten. Eine neuerliche Besprechung wird zwischen dem Neichskayzler und Generalfeld mar- schall von Hindenburg stattfinden. Für eine Umbildung der Reichsregierung bestehen wenig Aussichten. Bei den gegenwärtigen Konstellation im Reichstag HAt man es für ganz ausgeschlossen, daß zwischen den Deutschnationalen und den Mittelparteien ein Kompromiß über die Regierungsfrage zustandekommt.
Die Stärksten in Europa.
Kein Sicherheitspakt ohne Deutschland.
(Eigene Drahtmeldung.)
London, 8. Mai.
In dem soeben veröffentlichten Schlnßkapitel seiner Memoiren weist Lord Grey daraufhin, daß nur eine allgemeine Uebereinftimmung niwt gesetzlos zu fein und jede Nation daran zu verhindern, den Weltfrieden sichern werde. Die Nationen ebenso wie die Einzelnen müßten das begreifen oder sie würden untergehen. Augenblicklich fei Deutschland entwaffnet, aber es fei an Zahl und Tüchtigkeit genommen potentiell das stärkste Land Europas. Es gebe keine Sicherheit in Europa ohne ein Deutschland, das wirklich für den Frieden arbeite. Die Lösung des Problems der Schaf fung eines Sicherheitsgefühls, das allein das Anwachsen der Rüstimqcn verhindern werde, fei das höchste Bedürfnis der zivilisierten Menschheit und sie erfordere die gemeinsame Anstrengung aller großen Stationen.
Me Stadt öer Feste.
Münchener Museumsgäste und Straßenszcnen.
Das Schaneffen der Stoeifanicnb. — Im leudjtcttben Fcstschrnnck. — „Sie timtiiß!" Was deutscher Geist und Fleiß erschus. — Die Parade des Handwerks. — Hohe Würdenträger und erlauchte .Namen sind erschiene«.
Aus München wird uns geschrieben: Hohe Würdenträg!er und erlauchte Namen sind zur Einweihung des Deutschen Museums erschienen; Reden werden bei den Begrüßungs- und Einweihungsfeierlichkeiten gehalten, die durch la, t- sprechende Telephone, durch Radio in alle Windrichtungen weitergegeben werben. Die Stadt hat zweitausend Gäste zu einem S ch a u e s s e n geladen; man macht sich einen Begriss von den Vorbereitungen, die dazu nötig waren, wenn man bedenkt, daß nicht w»niger als 540 Meier Tischtücher, sechzehntauseub Bestecke und sieben- unbzwanzigtausend Stück Porzellane zu diesem Mahl benötigt wurden In ber ganzen Stadt blüht und weht es von zahlreichen
Guirlanben, Kränzen, Fahnen und Wimpeln.
Ehrenpforten in tiefem, sattem, von Orangebändern unterbrochenem Grün wurden errichtet. Den Höhepunkt bildete der Festzug mit seinen neunundfünfzig Wagen, Musik- und Fahnenabordnungen, in dem unter Mitwirkung aller Künste und Zünfte ein Glanz entfaltet wird, der, wenn man auch Jahrzehnte zurückgreift, seinesgleichen suchen dürste. Die Ma'.-—fonne str-hle voller Freude vom blauen Hiiiellt, ’Uti) liehe Stadt, ein lustiger Wind, oflr an der £. nie fehlen darf, zieht an den Fähnchen i Wimpeln, die in allen Abtönungen des Oran ß- goldes leuchten. Um fünf Uhr beginnt der Fest, zug; aber schon um drei sind die Straßen so voo. besetzt, daß kaum eine Stecknadel zwischen die dicht gedrängten Menschen fallen könnte. Weißgekleidete Mädchen mit Blumen im Haar bilden auf weiten Strecken Spatter. Die Musik ertönt: „Sie Itmma V* Wie ein elektrischer Strom fährt es durch die Zuschauer. Voran kommen die Fanfarenbläser zu Pferd, bann folgt in brei Hauptgruppen der Zug mit Wagen herrlichen Rossen und Hunderten von Mitwirkeaden zu Pferd und zu Fr:ß. Bis in dir Kleinsten, nur dem Auge des Ketmers wahrnehmbaren Einzelheiten ist der künstlerische und historische Charakter der einzelnen Darstellungen gewahrt. Die erste Gruppe bringt in etwa zehn Wagen die verschiedenen Disziplinen, die im Deutschen Museum veranschaiilicht sind, so die Elektrizität, den Verkehr der Textilien, die Maschinenbauer. Höchst originell und von verblüffend farbenreicher Wirkung ist die Versinnbildlichung der Textilien durch einen riesengroßen, in allen Farben schillernden Paradiesvogel, dessen lange Schweis- bänber von golbgelockten
Mäbchen in knappen farbigen Trikots gehalten werben. Dann folgen bte vier Elemente, bie Lebenspender der alten Welt, Fuer, Wasser, Luft, Erde, bie bie Dominanten des Zuges Hilden sollen. Jedes Element eine Riesenkugel, rot, flammend für das F»uer, mit züngelnden Drachen, grünschillernd für das Wasser, blau mit Sternen für bie Luft, in ber Mitte eine allegorische Figur, bie Erde aber belebt mit angedeuteten Flüssen, Bergen und mit dem neuen Wahrzeichen Münchens, mit dem Deutschen Museum. In ber unsfangreichen britten Gruppe sind alle Gewerbezünfte Münchens in historischen Kostü- men, meist aus ber Biedermeierzeit, Zertreten. Schreiner, Glaser, Hafner, Kaminkehrer, Wagner, Ziegelmacker fahrens aus herrlichen Gespannen mit ihren Abzeichen, Musik, Fahnen vorbei. Einen ungeheuren Jubel löst ber Wagen der Schlosser aus, auf dem ber Heilige Petrus, der besondere Beschützer Münchens, auf hoher Himmelskugel sitzt, vor ihm in
Riefenausmaßen ber golbene Himmelsschlüffel.
Auch die Bäcker mit ben allbeliebten Bretzeln, Fladen, Semmeln, die M e tz g e r, bie B r a n e r unb Gastwirte werben mit nicht endeuwal- detn Beifall begrüßt. Als-letzter Wagen erscheint die Stadt München; es ist die Schlußnote des Ganzen. Hinter dem Modest, des Deutschen Museums steht ein einfacher Arbeiter, über dem Ganzen flattert die Fahne des Museums unb ragt das Wappen ber Jsarstabt. H. Schede.
(Sin dreifaches Bekenntnis.
Luther unb Held bei ber Museumsfeier.
München, 8. Mai.
Gestern wurde die Eröftnung des Deutschen Museums eingeleitet mit einem Festspiel von Gerhart Hauptmann. In ber Flugzeug- halle des Museums versammelten fid) bann die Spitzen des Reichs, der Länder und zahllose prominente Persönlichkeiten. Ministerpräsident Held führte dann aus: Das deutsche Museum