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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nunn? er 106.

Einzelnummer 10 $f Sonntags 15 Pf.

Freitag, 8. Mai 1925.

Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf.

15. IahrgaW

IIIU Illi IIT

Sriands Vidersland gegen den VeWeden.

SnlÖ?it und Recht.

Ruhr und Rhein gegen § ankreichs Sicherheit.

(Von unserem Berliner Vertreter.)

In der außenpolitischen Lage ist ganz plötz­lich eine wichtige Wendung eingetreten: die französische Regierung zeigt sich jetzt bereit, die Verhandlungen über die Räumungs- und Si­cherheitsfrage fortzusetzen. Von besonderer Be­deutung ist dabei die Tatsache, daß der neue französische Außenminister Briand sogar von einer Verzögerung der Entscheidungen absehen will und gegenwärtig damit beschäftigt ist, ernst­lich an der Fertigstellung der Forderun­gen an Deutschland zu arbeiten. In Berlin, wo in den diplomatischen Kreisen die Nervosität hinsichtlich der außenpolitischen Situation in den letzten Tagen bedenklich gestiegen war, sieht man heute die Lage wesentlich günstiger an. Daß Briand mit dem früheren Kriegsminister Rollet und Ministerpräsident Painlev« mit Marschall F o ch Besprechungen gehabt hat, wird jedoch hier nicht gerade als ein besonderes Ereignis betrachtet, dem man irgendwelche Be­deutung beizumessen hätte. Wichtiger ist viel­mehr die Tatsache, daß man in Berlin neuer­dings Mitteilungen erhalten hat, aus denen her­vorgeht, die französische Regierung werde jetzt e r n st h a f t die Verhandlungen über die Räumungs- und Sicherheitssrage fortsetzen. Man sieht jetzt doch wenigstens die Möglichkeit, in absehbarer Zeit zu Verhanolun- gen zu kommen und die Position Deutschlands allmählich wieder zu festigen, nachdem nunmehr monatelang die deutsche Außenpolitik durch die Methoden des Hinauszögerns der Entschei­dungen völlig lahmgelegt worden war.

Man hat in Berlin den bestimmten Eindruck, daß sich die englische Regierung lebhaft bemüht, die Handlungen mit Deutschland wieder in Fluß ,u bringen und auch in der Frage der Räumung der nördlichen Rhein­landzone endlich eine Entscheidung herbcizu- führen. In den Berliner diplomatischen Krei­sen ist dabei neuerdings eine Mitteilung im Umlauf, wonach Köln erst im August oie- ses Jahres geräumt werden solle, während die Räumung des Ruhr- und Sanktions- gebiets augenscheinlich durch die Besatzungs­mächte pünktlich zu dem angesetzten Ter­min durchgeführt werden soll. Der End­effekt der bisherigen Politik der Alliierten be­stehe also darin, daß die Räumung der nörd­liche Rheinlandzone bis zu der des Ruhr- und Sanktionsgebietes hinausgeschoben wer­de. Wenn man diesen Mitteilungen Glauben schenken darf, so wäre zwar in der Räumungs- frage Deutschland gegenüber ein schweres Unrecht begangen worden, aber man werde sich in Deutschland über die Konsequenzen, die daraus gezogen werden müssen, keinerlei Kopf­zerbrechen zu machen haben. Tatsächlich hat nun auch Deutschland wieder die außenpolitische Initiative ergriffen und den deutschen Bot­schafter in London veranlaßt, in einer Unterredung mit C h a m b e r l a i n zu betonen, daß die deutsche Regierung einer A n t w o r t aus das deutsche Memorandum be­züglich des geplanten Sicherheilspaktes baldigst entgegensieht. Nach dem Daily Telegraph werde die Fertigstellung der Antwortnote an Deutschland über das Sicherheitsproblem noch einige Zeit dauern, dagegen wäre eine Einigung unter den Alliierten über die Ent­waffnungsnote nunmehr in naher Aussicht. Die Botschafterkonferenz werde am 13. Mai in der Abrüstungsfrage die entschei­denden Beschlüsse fassen und gleichzeitig die an- gekündigte Note an die deutsche Regierung ab­senden.

Bei den Verhandlungen wird vermutlich Briand der stärkste Gegner sein. Auch Briands Absichten sind, das Zu' andekommen des Sicker- heitspaktcs auf alle mögliche Art zu komplizie­ren. Welches seine wahren Absichten sind, er­kennt man daraus, daß er als wichtigste Vor­aussetzung den Beitritt Deutschlands zum Völ­kerbund für notwendig halt. Hier ist Briand noch um eine Note schärfer als Hcrriot, der diele Frage einstweilen zurückstellen wollte. Briand weiß natimid. 2cr.au, daß Deutschland dem Völkerbund Nicht veitreten kann, solange nicht die Räumung der Kölner Zone erfolgt ist Sonst müßte die erste deutsche Aktion im Bunde ein Protest der rechtswidrigen Verlängerun der Besetzung sein. Tie Binduni der sran-öi - sch-n und b?,f,;-'drn ftrai-'nnu» bin" tf;d) der Räumung des Ruhrgebiete sund des sogenarn- ten SanllienZgebieles von Da'etüorf und 21:- burg ist auf der Londoner Konferenz so un­zweideutig erfolgt, daß an der Innehaltung dieser Termine nicht gerüttelt werden darf. Rach den Erklärungen,'die Herriot und Thsun-s für die französische und Regierung abge­

geben haben. d'7-si innerhalb einer

Höchstsrist von einem Fahre, vom 16. August 1924 ab gerechnet, militärisch zu räumen. Auf Grund der Erfahrungen, die Deutschland mit der Räumung der Dortmunder Zone gemacht hat, dürfte es angebracht sein, rechtzeitige Vor­bereitungen für diese Räumung zu verlangen. Andernfalls könnte es passte; n, daß die Räu­mung erst mit dem 16. Aua, st eingeleitet und schließlich erst im nächsten Jahre been­det sein wird.

Brmrw's Notanker.

Er besteht auf dem Versailler Vertrag. (Eigener Drahibericht.)

London, 7. Mai.

Briand will diese Woche seine Antwort auf das deutsche Sicherheitsangebot unterzeichnen. Das Kreuz der Lage, so meldet ein Londoner Blatt aus Paris, sei die Frage, welche Zusage Deutschland bereit sei, brzü-gtich seiner östli­chen und südlichen Grenzen zu geben. Ter Zeitpunkt für die Eröffnung genereller Verhand­lungen mit Deutschland werde erst festgesetzt wer den, wenn alle in Betracht kommenden Mächte ihre Haltung beschlossen hätten. Times meldet: Es sein wahrscheinlich, daß Briand bei Wieder­eröffnung der Verhandlungen mit der deutschen Regierung über die Sicherheitsfrage auf der Un­verletzlichkeit der durch den Versailler Vertrag geschaffenen Grenzen bestehen werde. Deutsch­lands Anspruch auf R e v i s i o n de r O st g r e n- zen sei damit verworfen. Briand habe den Wunsch, daß Deutschland dem Völkerbund beitrcte u. ein regionales Abkommen unterzeichne. Im Pariser Ministerrat hafte man es nicht für möglich, daß Deutschland über die Beding­ungen eines Paktes unterhandeln könne, bevor eg seinen Antritt zum Blökerbund nach-;c?uchr habe, da das Angebot den Völkerbund aus­drücklich anführe. Dieser Vorbehalt steh? frdock dem sofortiarn entscheidenden Meinungsaus­tausch der Alliierten nicht entgegen.

*

StresemarmÄ Barter S'.rouß.

Berlin, 7. Mai. (Privattelegramm.) Reichs­außenminister Dr. Stresemann gab gestern bekannt, daß die Reichsregierung erst n a ch d e m 15. Mai in der Lage sein werde, im Ausschuß außenpolitische Erklärungen abzugeben. Die neue Aktion der deutschen Botschafter in Paris, London und Brüssel ist bisher ohne Erfolg ge­blieben. Der H a u p t w i d e r st a n d, sich auf einen bestimmten Termin sestzulegen, ist beim Kabinett Painleve-Briand.

Eie taffen sich Zeit.

Fochs-Anszug aus dem Kontrollbericht. (Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 7. Mai.

Ein Pariser Blatt bestreitet, daß über die Frage der teilweisen Veröffentlichung des Kon- trollberichts bereits eine Einigung zwischen Lon­don und Paris erfolgt sei. Dir Botschafterkon- ferenz werde sich wahrschcmtich auf kommenden Donnerstag vertagen, angeblich wegen der Mi­nisterkrise in Belgien, die noch nicht gelöst sei. Der Sachverftändigenbericht trage einen techni­schen Charakter und sei nicht zur Beröffentli- chnng bestimmt. Aus diesem Grunde habe Mar­schall Fach einen kürzeren und klareren Bericht verfaßt. Der Text des Berichts der Kontrollkommission müsse also, wenn er veröf­fentlicht werde, einer Revision unterzogen wer­den und es müßten aus ihm die Dokumente, die einen technischen Charakter trügen verschwinden.

Ho§fle im Lazarett.

Was der Pfleger über den Arzt aussagt. (Privat-Telegramm.)

Berti«. 7. Mai.

Der Pfleger des Gefanguislazareties agte im UntersuchungsaützsMß über Hoefles Tod aus: Dr. Hoefle lag sehr viel im Ben. Er klagte über Herz- und utembeschwerden, in- nerttche Erregung r.fto. Der törverliche Zu- and verschlimmerte sich zusehends. Dr. Hoefle hat wenig Nahrung zu sich genommen. Es lei sehr selten oorgekommen, daß die erkrank­ten Häftlinge, auch Schwercrkrankte einer gründlichen ärztlichen Untersuchung unterzogen worden seien. Auch Dr. Hoefle sei nich't ein­gehend untersucht worden, wenigstens nicht in seiner Gegenwart. Darauf wird be­schlossen

Dr. Thiele sofort vorzuladen.

Troy Körperverfaüs seien vom Arzt die Schlaf­mittel weiter verordnet worden. Während der Sonntage und Feiertage wurden die Verord­nungen der Vortage angewendet, auch wenn es

sich beispielsweise um drei Feiertage handelte.' Unter diese Bestimmungen fielen auch die ver­ordneten Schlafmittel. Dr. Sterner har nunmehr in Gegenwart zweier Beamter gesagt: Gefahr bestehl nicht!" Krankenkost ist Dr. Hoesle nicht verabfolgt worden. Die Selbstkost ist seinem körperlichen Zustand nicht angesaßi worden. Dr. Thiele hat aus telephonische Mel­dungen von schlechtem Befinden eines Kranken öfters telephoniiche Anweisungen gegeben. Er hat sich auf unser Können verlassen. An den beiden Osterfeiertagen hat Dr. Hoefle noch einen ganz guten Eindruck gemacht. Vergiftungsver­dacht haben wir unter uns schon am Mittwoch, den 15. April angenommen. Auf legalem Wege mag Dr. Hoefle im ganzen vielleicht

sechzig bis siebzig Tabletten

bekommen haben. Er hat immer nur die vom Arzt verordneten Tabletten bekommen. Fälle, daß Kranke sich Tabletten zu einem bestimmten Zweck aufgespart haben, haben wir schon ge­habt. Da Dr. Hoefle am drittln Osterfeiertag nicht entlassen worden ist, nehme ick an, daß die Bergiftungserscheinungen sich deshalb sehr stark zeigten, um entlassen zu werden. Die Meinung, daß er entlassen werden sollte, stammte von sei­nen Anwälten. Er selbst hatte keine Hoffnung darauf. Oberwachtmeister Möhring sagt dann aus, die Aerztebesuche dauerten meistens 1 bis VA Stunde. Ihm sei damals an dem Gesund­heitszustand Dr. Hoefles nichts Besonderes aufgefallen. Dr. Thiele habe am Tage nach der Einlieferung Dr. Hoefle eingehend, etwa eine Viertelstunde untersucht. Dr. Straßmann habe aber schon bald nach der Einlieferung erklärt Dr. Hoefle kranke an einem schweren Herzlei­den und es seien Bettruhe und unbedingte Schonung für den Patienten nötig.

, Der krMsche Freitag.

Umbildmtg, Verschiebung oder Auflösung? (Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 7. Mai.

Einer Berlin-» Zeitung zufolge sind die Verhandlungen über die Bildung eines über- parteilichen Kabinetts oder einer Regierung mit Vertrauensleuten aus allen Parteien von den Deutschnationalen bis zu den Sozialdemo­kraten gestern fortgesetzt worden. Man strebe dahin, bis zum Freitag eine Klärung zu errei­chen, oder, wenn dies nicht gelingen sollte, die auf Freitag angesetzte Abstimmung über das Vertrauensvotum zu verschieben. Ein demo­kratisches Blatt erklärt dagegen, es seien alle Vorbereitungen getroffen, um für den Fall einer Ablehnung des Vertrauensvotums die Auflösung des Landtages fristgerecht durchfüh­ren zu können. DerRoten Fahne" zufolge werden am Freitag alle kommunistischen Abge­ordneten gegen die Regierung Braun stimmen, nachdem die S. P. D. die kommuni­stischen Mindestforderungen für eine begrenzt! Duldung der Preußcnrcgierung durch die Kon» munistcn nicht beantwortet hat.

Hoffnungen im Mai.

Täuscht man sich in London und Berlin?

(Eigener Drahibericht.)

London, 7. Mai.

Chamberlain erwiderte auf eine Anfrage im Unterhaufe, daß beabsichtigt sei, die deutsche Negierung über die Entwaffnungs-Verfehlun­gen im Laufe des Monats Mai zu benachrichti­gen. Er hoffe, daß die Alliierten sehr bald in der Lage fein würden, der deutschen Regierung eine Note zu üb-rreichen, die auch die Räu­mungsfrage behandln soll. Fn Berlin rechnet man deshalb mit dem Eingang der Alliierten- Note noch im Laufe des Monats Mai, obwohl von alliierter Seite aus nach wie vor behauptet wird, daß alle Entscheidungen auf unabsehbare Zeit hinaus vertagt werden mutzten.

Heraus mit der Sprache!

Deutschlands Schritte in London und Paris.

(Privat-Telegramm.)

London, 7. Mai.

Der deuffcke Botschafter S t h a m e r hat gestern der englischen Regierung von den Besorg­nissen Kenntnis gegeben, die in Deutschland durch die Verzögerung der außenpoliti­schen Verhandlungen namentlich in der Sicherheitsfrage entstanden find Ein öhnffchcr Schritt wird in Paris von dem deutschen V-i- fchuftcr bei der französischen Regierung unter­nommen werden. Ein Londoner Blatt meldet, die deutsche Re,ieruug habe die F o r t s e tz u n g ihrer Politik in London angezeigt, jedoch da bet erklärt, daß sie außerstande sei, die natio­nale Erregang in den Beziehungen zu den Westmächten zu beeinflussen, wen« keine baldige Erklärung der Alliierten über den Räumung: termin der ersten Zone erfolge.

Zwischen zwei Wetten. Spanien-Frankreich im Rifflrieg.

Von

Dr. Herbert Ste^emann.

Den letzte» Depesche» »»folge ist Spanien aufs neue, vor allem oder auch Frankreich, mit Le» aufständischen Rifskabvtenstaiilme» in b!n- tiae Kämpfe verwickelt. Ter bekannte Ge­schichtsschreiber des Löeltkrieges, Sfegeutctt», bat bei seinem Besuch der Marokkofront eine, »war durch die letzte Entwicklung iiäerlioUc. Lage vorgesnnden, deren Schwerpunkte iedoch der scharse Kennerblick in folgende» interes- saurca Streiflichter» erfabt bei Er schreibt:

Tetuan, April 1925.

Seit dem Testament der katholischen Isabella ist Spaniens Denken und Trachten auf die Be­zwingung Marokkos gerichtet, und dieses Seh­nen ist umso tiefer und leidenschaftlicher, als Spanien, das sein ganzes Kolonialreich einge­büßt hat, hier um seine letzte Machtstellung kämpft.. Spaniens bedeutendster Staatsmann, Canova del Castillo, schrieb einst: Wenn Spa­nien nicht tapfer und klug genug ist, den ande­ren Völkern in der Beherrschung der beiden Meeresufer von Gibraltar zuvorzu­kommen, so wird der Tag kommen, da unsere Unabhängigkeit zusammenbrechen und * unsere Nationalität verschwinden wird. Hier gilt es für uns eine Frage auf Leben und Tod: Wir dürfen sie nie vergessen und die Augen von ihr abwenden! Das ist die Lehre des alten Rom: Damals als Canova diese Worte schrieb (1851), waren sich alle europäischen Mächte einig darin, die Berechtigung des spanischen An­spruchs auf das ganze Marokko anzuerkennen. Aber Canova sah voraus ,daß dieser Anspruch Spaniens wohl nur von Frankreich ernst­lich bestritten werden könne, und er prägte das noch heute in Spanien geflügelte Wort, daß d-e spanisch« Ablatzgrenze in den Py.enäen' verleid igt werden müsse, ein Wort, dessen sich Spanien im Weltkriege leider nicht entson­nen hat.

Freilich dauerte es Jahrzehnte, bis sich die volle Berechtigung dieses weitausschauenden Ausspruches herausstellte, da vor allem Eng­land mit dem Grundsatz, daß Nordmarokko nur einer neutraeln Macht oder England selbst gehören dürfe, den französischen Gelüsten einen Riegel vorschob. Erst nach dem Abkommen, freie Hand für Frankreich in Marokko, «ür Eng­land in Aegypten, konnte Frankreich es wagen, sich über die von ihm selbst anerkannten Recht- Spaniens in Marokko hinwegzusetzen und den spanischen Anspruch auf das Wespennest an der Riffküste, den von den Spaniern selbst mit me­lancholischem H"mor als den Knochen der marokkanischen Kottelete bezeichneten Gebietsteil zu beschränken; während Mittelma- rokko und Fez Spanien verloren ging. Spätere Abmachungen haben diese Grenzziehung im we­sentlichen bestätigt Bei dem Abkommen von 1912 gelang es Frankreich sogar, das ntteruatio- nalifierte Tanger mehr oder minder in die Hand zu bekommen, und das Statut von 1924, ?u dem sich «Spanien unter dem Drucke Frank­reichs und Englands hat verstehen müssen, bil­ligt wohl Spanien einige Vorreckte auf dem Gebiet der Gerichtsbarkeit und der Zölle zu, läßt aber im übrigen den bisherigen Zustand bestehen, nach dem Tanger ein Anhängsel des französischen Marokko-Protek­torats bleibt. So beschränkt sich heute die spanische Herrschaft in Marokko auf einen schma­len, nicht mehr als hundert Kilometer breiten Küstenstrich, der vom Atlanti- schen Ozean bis etwa hinter Melilla reicht. Hier hat Spanien seit dem Weltkriege mit A b d - e l- karim, einem marokkanischen Häuptling, der früher in spanischen Diensten gestanden hat, «nen erbitterten Kampf geführt, in dessen Ver­laufe besonders das Jahr 1921 reich an militä­rischen Rückschlägen für Spanien war. Erft auf Primo de Riveras energisches Eingreifen be- schränkte es sich auf die Behauptung der strafe- gischen Hauptpunkte Melitta, Centa, Larache und Tetuan, sowie der Verbindungslinie zwi­schen Tetuan und Tanger. Nach Beendigung des wiederholt zum Stocken gekommenen R ü ck- zuges von Schauen und Tetuan ist die planmäßige Räumung im Okkupationsge- btete beendet.

Die neue spaniscke Verteidigungslinie be­steht aus kleinen, stark bewaffneten Stellungen, die im Durchschnitt nur wenige hundert Meter von einander entfernt sind. Einen ganz besonders empfindlichen Teil der spanischen Front bilden die sogenannten blocaos lBlockbäuser), eine Art von Posten, die durch­schnittlich nur mit fünfzehn bis dreißig Mann besetzt und überall angelegt worden sind, wo bei dem Vormarsch natürliche Hindern,sie vorliegen, die der Femd zur Bedrängung des Nachschubes oder des Rückmarsches ausnutzen kann. Diese meist nur von einem Sergeanten