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Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

An»eigenvreise:Einveimuche»«ichausan»eige9 dctUSu 3ia_ auswärtige (SeschätlS- anzeigen Zeile 20 Psg.. -ramillenanzeigeu Zeile 20 Psg.. Kleine Anzeigen das Äor 4 tifg. Reklamen die Zeile 75 Pig. Offertaebübr lO Pfg. ibei Zufenbg. der Offerten So Pfg.i Rechnungsbeträge find innerhalb 5 Tg. ,u bezahlen. Maffaebend ist der Kurs des Zablunastages. ftür die Richtigkett aller durch nernfvrecher aufgeaebenen An­zeigen. sowie für Ausnabmedaten und Plätze kann nicht garantiert werden, ftüt Anzeigen mit befand, fchwierigem Satz 100 Pro,. Aufschlag. Druckerei: Schlachthof- straffe 28/30. (Sefchäfisstelle Köln Str.5. aegenüb.der Svodrstr fternfor 951 u. 952

öbttttltttCt 101. Einzelnummer 1v Pf^ Sonntags 15 Pf.

Freitag, 1. Mai 1925. Einzelnummer 10 Pf^ Sonntags IS Pf. 15. Jahrgang

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Luthers Echo in der alten und neuen Welt.

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Moskau an der Themse.

Was Rußland von John Bull' fordert. (Eigener Drahtbericht.)

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Kein Attentat auf Ehamberlatn.

London, 30. April. (Eigener Drahtbericht.) Ein Morgenblatt erklärt, amtlicherseits davon Mitteilung erhalten zu haben, daß die Meldung übe r ein angebliches Komplott gegen Cham­berlain jeder Grundlage entbehre.

Hinbenburg-Gtrefemann an der Themse.

London, 30. April. (Eigene Drahtmeldung.) Zur gestrigen Rede des deutschen Reichskanzlers hebt ein Blatt hervor, daß in dieser Erklärung durch das Programm des Reichskanzlers H i n- denburgs eigene Politik bekanntgege­ben werde. Hindenburgs Zustimmung zu der jetzigen deutschen Politik stelle einen neuen Triumph für den Außenminister Stresemann dar, gegen den die extremen Nationalisten wegen seiner Unentbehrlichkeit ganz besonders erbittert seien.

Es dem sich auf.

Eindruck der Lutherrede in Dollarika.

(Eigener Drahtbericht.)

Basel, 30. April.

Aus N e w y o r k wird gemeldet: Die Rede des Reichskanzlers Dr. Luther hat in hiesigen Wirtschaftskreisen starke Beachtung gefunden. Die Versicherung, daß Deutschland den Ta- weSplan er füllt, zerstreut die letz­ten Befürchtungen über einen Kurswech­sel in der deutschen Wirtschaftspolitik. Dr. Lu­thers Bereitschaft zur Verhandlung des Sicher­heitspaktes gilt als Beweis dafür, daß die deut­sche Regierung auch unter Hindenburg die euro­päische Verständigung fördern werde. Ein an­deres Blatt meint: Je schneller sich alle Augen auf die wichtigen Fragen richten, deren Bera­tung der Kanzler fordere, umso eher würde die Welt wieder gesunden. Die Zukunft der monarchistischen Bewegung in Deutschland liege weniger in der Hand Hindenburgs, als in ^en Händen der verantwortlichen Staatsmänner^ '

Mit offenem Vissel.

Luther-Stresemanns Regierungsprogramm.

(Bon unserem Berliner Vertreter.)

Berlin, 30. April.

Reichskanzler Dr. Luther hm in feiner Rede vor dem Deutschen Industrie- und Handels tag das Schweigen gebrochen, das feit mehr als zwei Monaten auf bei ganzen außenpolitischen Lage gelastet hatte. Nachdem die diplommischen Er­örterungen der Sicherheits- und Räumungsfrage zum Stillstand gekommen sind, hat die deutsch Regierung den Wunsch, die Distussion möglich schnell wieder in Fluß zu bringen. D r. L u t h e r hat den gegenwärtigen Augenblick wahrgenom­men, um im Hinblick aus die Wahl des General- feldmarschalls Hindenburg zum Reichspräsi­denten vor aller Welt zu demonstrieren, daß die bisherige Regierungspolitik in Deutschland un­verändert fortgeführt werden soll. Der Kanzcer stellte das Prinzip auf, daß eine Politik der Klarheit und der Gewißheit vom Gesetz der Kontinuität beherrscht fein muß und nicht wiülürlich chre Richtung ändern kann. Großen Etndruck hat es aus die politischen Kreise ge­macht, was der Kanzler über bas Räumung ö- Problem ausgesührt hat Danach wird bie noch immer völlig unklare Haltung der alliierten Regierungen hinsichtlich der Räumung der nördlichen Rheinlandzone von deutscher Se^e nicht nur als ein schweres Unrecht, sondern auch als ein Umstand der höchsten Un­sicherheit betrachtet. Wenn der Kanzler nach mehr als drei Monaten des Aufschubs der Räu­mung der nördlichen Rheinlandzone jetzt eine substantiierte Begründung für die Nichträumu'tg foroert, so kündigt er damit einen diploma­tischen Schritt an, den die Retchsregierung innerhalb der nässten acht Tage zu unternehmen gedenkt.

Außenministers mit seiner ganzen Person zu decken, und hält einen Wechsel in der Person für ganz undiskutabel. Wie wir hören, sind gegenwärtig Versuche int Gange, um die Posi­tion Dr. S t r e f e m a n n s wieder zu befestigen. Reichskanzler Dr. Luther hat bereits die deutsch­nationalen Führer wieder zu einer Besprechung eingeladen, um sie zu veranlassen, der Haltung des Außenministers in der Sicherheitsfrage ihre Z u st i m m u n g zu geben. Das gesamte Reichs­kabinett fei der Ueberzeugung, daß Deutschland aus die eine oder andere Weise doch noch zu einem Sicherheitspakt kommen müsse, wenn es sich nichi der Gefahr aussetzen soll, verschärfte Bedingun­gen in der Militärkontrollfrage entgegenzuneh­men. Im Reichstag spricht man davon, daß der Außenminister veranlaßt werden soll, nofl) innerhalb der nächsten vierzehn Tage ein außen- politisches Programm zu entwickeln. Alle Par­teien feien gleichmäßig daran interessiert, endlich zu wissen, was das Auswärtige Amt in de» letzten Wochen unternommen habe, um die außenpolitische Situation zu klären, und welche Aussichten hinsichtlich der Lösung der Rän- mungsfrage bestehen. Luthers außenpolitische Erklärungen bedürften einer Ergänzung.

Man kentt ein.

Luther beruhigt Englands Gemüt.

(Eigener Drahtbericht.)

London, 30. April.

lieber Dr. Luthers gestrige Rede schreibt ein Blatt, daß die Hauptrichtlinicn der deutschen Außenpolitik unverändert bleiben würden. Mit anderen Worten hieße dies, daß die Paktvor - schlüge ausrechterhalten blieben und somit für die Staatsmänner der westlichen Län­der noch immer der Weg für die Fortsetzung oct vor zwei Monaten begonnenen Verhandlungen rei fei In Dr. Luthers Rede fei eine neue Nuance von Ungeduld zu spüren, besonders hinsichtlich der Abrüstungsfrage und Der Frage der Rämung der Kölner Zone. Diese Ungeduld sei ein Zeichen dafür, daß weitere Verzögerungen die Hindernisse für eine Vereinbarung vermehren könnten. Ein zweites Blatt erklärt, es scheine zwischen dem Kabinett und dem netten Staatsoberhaupt in allen politi- chen Hauptfragen vollste Harmonie zu herrschen. Ein anderes Blatt überschreibt seine Meldung: Hindenburg kein Junker.

fest, daß die Ausführungen Dr. Luthers erfolgt seien nach der Aussprache des Reichs­kanzlers mit dem Reichspräsiden­ten und nach dem gestrigen Kabinettsbe­schluß, wonach die Regierung anläßlich der Neuwahl des Präsidenten nicht demissio­nieren werde. Wer in Zukunft die Außenpoli­tik der Regierung in Deutschjaud bekämpfen wolle, der möge es tun. möge es energisch tun. Je eher Klarheit geschossen Werbe über diejeni­gen, die mit der Regier rnz zusammengehen und diejenigen, die d.e Regie/ mgspolitik verwerfen desto besser sei es für Deutschlands Schicksal.

auf eine substantiierte Begründung für die Nichträumung. Die Notwendigkeit einer schnel­len Verwirklichung der Räumung ist indes kei­neswegs nur ein deutsches Sonderinteresse Tie gesamte europäische Politik krankt an der Verzögerung dieser Fragee, deren Beseiti­gung die Bemühungen der Reichsregierung in der Sicherheitsfrage dienen sollten. Deutschland kann in seinem entwaffneten Zn- stan auch seinerseits mit Recht eine Forde­rung nach Sicherheit erheben. Es bat um,o mehr ein Interesse daran, sich auf dem Vertragswege gegen zukünftige Angriffe zu schützen, als es, wie auch bei dieser Gelegenheit wiederholt sei. keinen Krieg führen will und, wie jeder wirklich Sachverständige weiß, kei­ne n K r i e g s ü h r e n k a n n. Es ist selbstver­ständlich, daß der von der Reichsregierung ange­nommene Standpunkt in der Sicherheitsfrage unverändert besteht. Wenn die Alliierten die Behandlung der Sicherheitsfrage beschleunigten, daß sie zugleich mit der selbstverständlich nicht tu verzögernde Räumungsfrage er­ledigt werden könnte und wenn auf diese Weise die Gesamtverständigung erleichtert würde, so wäre das von Deutschland zu begrüßen. Die bi sherigen öffentlich-n Aenßerunaen der alliier­ten Staatsmänner haben wenigstens keinen grundsätzlichen Widerspruch gegen­über eine gemeinsame Lösung der Sicherbeits- frage ausaedrückt. So bleibt die Aussicht offen, daß eilt positives Ergebnis erzielt wird. Sobald diese beiden dringendsten Pro­bleme geregelt sind, scheint mir der Weg offen zu sein zu dem

Wiederaufbau Europas in politischer, wirtschaftlicher und moralischer Beziehung.

Nirgends wird eine Beschleunigung dieser Ent­wickelung mehr gewünscht als in Deutschland.

Loebe bei Hindenburg.

Versöhnungsstimmung im Lager der Gegner.

(Eigener Drahtbericht.)

Hannover, 30. April

Nach einer Meldung aus Hannover hatte Neichstagspräsident L o e b e dort gestern eine längere Unterredung mit Hindenburg, die sich vermutlich um das Programm der Vereidigung im Reichstage gedreht haben dürste. ReichstagS- präsidcnt Loebe ist von seinem Besuch in Hanno­ver sehr befriedigt. Es soll feststehen, daß die so­zialdemokratische Reichstagsfraktion in corpore bei der Vereidigung des neuen Reichsprä­sidenten im Reichstage teilnehmen wird.

Draußen unbDrinnen.

Reichskanzler Luther deckt die Karten auf.

ttttb Handelstag- bat Neichokauzlci Dr. Lntber eine in wirt- »-lit See Bezietznna tzochbe- bentsame Rede schalten, die wir an* an lettenbcr Stelle einer Betrachtung unterziehen. Der Kanzler sagte «. a.:

Trotz der starken Fortschritte, die die gesamte Wirtschaft auf der Grundlage einer ftabilei Währung und des Sachverständigengutachtens gemacht hat, sind wir von normalen Ver­hältnissen noch weit entfernt. Tie lebenswichtigsten Fragen für die deutsche Wirt­schaft sind die Erhaltung der ProduktionSntög- lichkett und der Absatzmöglichkeit, w ich letztere vielfach durch den mangelnden Wi» n des Auslandes zur Uebernahme deutscher Waren und im Inlande durch die geringe durch- schnittliche Kaufkraft gehemmt wird. Die Bildung von Spar kapital in der Hand der Verbraucher darf nicht vernachlässigt wer­den. Die Reichsregierung ist in einer Zwangs­lage, weil sie außer den Bedürfnissen des eigenen Volkes noch die Reparationslasien aus der Wirtschaft herausziehen muß. Eine Hauptsorge der Wirtschaftskreise ist die Belastung durch die Steuern, die in vielen Einzelsällen ein

unerträgliches Matz angenommen

haben. Sie war aber unvermeidlich, um die Stabilisierung der Währung durch- zufuhren und damit die Grundlagen für den Neuaufbau unseres Wirtschaftslebens zu schaf­fen. Durch eine rasche Erledigung der neuen Steuergesetze hofft die Reichsregierung einen er­träglichen Zustand zu schaffen. Auch die baldige und möglichst unveränderte Annahme der A u f- wertungsvorschriften wird die Beru- hlgung bringen, ohne die ein gesundes Wirt­schaftsleben nicht möglich ist. Die Reichsregie­rung wird in den nächsten Tagen über die end­gültige Gestaltung der Zollvorlagen ent- scheiden. Unsere gesamte Außenpolitik muß be­herrscht sein von der Notwendigkeit der Erzie­lung eines Erportüberschusses, der nur durch Stärkung der inländischen Produktion und Er­leichterung des Warenaustausches unter den Völkern erreicht werden kann. Die

deutsche Währung ist vollkommen gesichert. Die Reichsbank hat es in der Hand, den Wert der Mark stabil zu halten. Die Reichsregierung wird Sorge tragen, daß das G e l d in Deutsch­land billiger wird. Die internationale Ge- chmtsituation läßt sich, so führte Reichskanzler Dr. Luther weiter ans, mit der Formel um­schreiben, daß die Völker immer stärker das Bedürfnis empfinden, die in den großen poljti- scheu Fragen auf Europa lastende Ungewißheit beseitigt zu sehen. Unsere Erwartungen in der Räumungsfrage sind zu Anfang des Jahres enttäuscht worden und das Dentschlaud an­getane Unrecht besteht immer noch sort. Seit dreieinhalb Monaten

warten Wir vergeblich

Zm Schneckentempo

Roch keine Antwort und keine Entschlüsse.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 30. April.

Ein Berichterstatter teilt mit, der französische Botschafter habe Chamberlain keinen Entwur der französischen Antwort auf die deutschen Si cherheitsvorschlüge vorgclegt. Ebensowenig habe er Chamberlain irgerbeine Andeutung darüber gemacht,^>atz B rian d einen baldigen Be- s u ch in London beabsichtige. Sowohl das dem- sche Abrüstungs- als auch das Sicherheitspro blem würden zur Zeit noch nichtalssoreif angesehen, daß sie auf einer Konferenz geklärt werden könnten. Der Pariser Botschafterrat hat jeftern abend erklärt, daß sich bei Entscheidungen n der Entwaffnungsfrage weitere Rückfragen notwendig gemacht haben. Im Unterhaus erklärte Chamberlain, daß es ihm unmöglich sei, über d°s Datum der Räu­mung der Kölner Zone irgend etwas Genaues an Einzelheiten mitzuteilen.

London, 30. April.

Einem Pressevertreter erklärte der russische Botschafter Rakowski, daß auch Rußland nicht zu Verhandlungen drängen werde. Der Berichterstatter fragte, ob nicht der Unterfchied zwischen dem britischen und dem russischen Standpunkt soweit gehe, daß es zwecklos fein würde, neue Verhandlungen über einen Vertrag zu beginnen, der nicht eine grundsätzliche Aner­kennung der russischen Schulden enthalte. Ra- kowsli erwiderte, wenn man eine Verständigung mit den interessierten Teilen erzielen könne, würbe es einer solchen Erklärung nicht bedürfen Die Hauptschwierigleiten Dabei seien die Aner­kennung der Schulden sowie die Frage einer Anleihe und einer Kreditgewährung. Die briti­schen Gläubiger Rußlands verständen sehr gut, daß in ihrem eigenen Interesse finanzieller Bei­stand für Rußland notwendig sei. Weiterhin wandte sich Rakowski gegen Die Gerüchte einer durch Moskau Derurfamten revolutionären Pro vaganda in fremden Ländern. Ein Londoner Blatt glaubt, daß in abfehbarer Zeit die Frag- einer Anleihe für Rußland wieder aufgenommen werden würde. Rußland und seine Regierung hätten anscheinend noch immer nicht begriffen, daß das Haupthindernis für eine Verständigung mit ihm das Mißtrauen sei, das in Großbri­tannien bezüglich der Ehrlichkeit und des guten Willens der russischen Regierung herrscht.

WammschweigtGtresemann

Luther deckt feinen Außenminister.

(Eigener Drahtbericht.)

Berlin, 30. April.

Außenminister Stresemanns große Zurückhal­tung in den außenpolitischen Fragen hat bereits zu Gerüchten über Amtsmüdigkeit ufw. Anlaß gegeben. Die Rechtspresse erklärt mit dem ge­genwärtigen Außenminister keinen Schritt wei­ter zusammen gehen zu wollen. Unter anderem wurde dabei zum Ausdruck gebracht, daß Dr. Stresemann in der Sicherheitsfrage ohne Einver­ständnis des Reichskanzlers selbständig vorge- gange» fei . Die RegierunaZkreife behaupten allerdings noch immer, daß Reichskanzler Dr. Luther absolut entMoffen sei, die Politik des

Ausfallend kurz hrt sich der Reichskanzler über die Sicherheit^ age ausgesprochen. Er beschränkte sich daran,, mit Nachdruck zu betonen, daß sich der Standpunkt der Reichsregierung in dieser Frage nicht tm mindesten ge­ändert habe Wir glauben zu wissen, daß diese Zurückhaltung des Kanzlers mit der .illa-- rneinen außenpolittschen (Situation in Zusam- rneichang gebracht werden muß. Nachdem dre alliierten Regierungen vorläufig die Sicherheits- frage in den Hintergrund gestellt haben, würde es die Lage der deutschen Regierung außer­ordentlich schwachen, wenn jetzt gerade von Deut­scher Seite der Versuch gemacht würde, die Dis­kussion vorzeittg wies *r jn Gang bringen zu wollen. Solange Die alliierten Regierungen sich noch nicht zu den detttschen Anregungen geäußert haben und ihrerseits auf dem Standpunkt ver­harren, daß Deutschland seinen Eintritt in den Völkerbund vollziehen müsse, ehe die offiziellen Verhandlungen über einen Sicher­heitspatt beginnen können, muß sich sie deutsche Regierung solange abwartend verhalten, bis die alliierten Regierungen ihren bisherigen Standpunkt geändert haben Man glaubt daher in Den Kreisen des Auswärtigen Amtes nicht, daß vor dem Spätsomat-r Überhaupt ernsthafte Sicherheitsverhandlungen in Fluß ge­bracht werden können Die Möglichkeit früherer Verhandli ngen wäre nur dann gegeben, wenn die englische Diplomatie wieder die Initiative ttgreifen und aus die französische Re­gierung einen entsprechenden Einfluß ausüben sollte.

Luthers Programm findet bei den Parteien nicht einmütige Zustimmung. Die starke Betonung der Räumungsfrage hat zwar überall Anklang gesunden, vor allem vermißt wird eine Antwort des Kanzlers auf die angeblichen Aeußerungen des französischen Außenministers, wot-n dieser eine Hinauszögerung der ersten rheinischen Zone und des Ruhr­gebietes mit Rücksicht auf die Wahl von Hinden­burg angebeute* hatte. Einmütige Zustim­mung findet 'n allen Parteilagern dir Aeuße- rung Dr. Lu Hers in der Sicherheits- frage, über die offenbar auch mit dem Reichs­präsidenten gesprochen ist. Besondere Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang gegenüber An- ' griffen eines Rechtsblattes auf den Reichsaußen- minifter der oolksparteflichen Erklärung zu. daß innerhalb des Kabinetts und namentlich zwi- fchen dem Reichskanzler Di. Luther und oem Außenminister Dr Stresemann über die derzeitige Deutsche Außenpolitik und die Frage der Sicherheit vollkommene Einmütig- k e i i bestehe Die Rede des Kanzlers zeig, noch einmal die alten Richtlinien aus außen­politischem Gebiete aus und sie betone die Not­wendigkeit einer Kontinuität der Außenpolitik die nicht willkürlich ihre Richtung ändern könne Er betone an einer anderen Stelle, daß der von der Regierung in der Sicherheitssrage eingenom­mene Slandpurtt unverändert weiter le- stchen bleibe. 3>ai volksparteiliche Organ stellt