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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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Numn er 99. Einzelnummer 10 Pf Sonntags 15 Pf.

Mittwoch, 29. April 1925.

Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf. 15. 3<lhrg0Ag

Politik unö Wirtschaft unter Hindenburg.

Bei Hindenburg.

Allerlei Nachklänge. Amtsantritt, Vereidigung

Die starke Erregung des Wahlsonntags wird noch lange nachklingen, wie wir es leider in schmerzlichster Form am gestrigen Montag in unserer eigenen Heimatstadt erleben mußten. Inzwischen tröpfeln noch allerlei interessante Einzelheiten über den Lag selbst sowie die Auswirkungen und Aussichten des Wahl- ergebnisses für I n- und Ausland nach. Ter Feldmarschall selbst hatte am Sonntag Hannover verlassen, um das Ergebnis aus dem Em Groß-Schnülper im engsten Kreise der Familie v. Mahrenholtz abzuwarten.

Ich sah hier, so schreibt ein Berliner Bericht­erstatter, ein hübsches Bild, wie Hindenburg durch den Garten seinen Frühspaziergang mach­te im schlichten einfachen Anzug mit dem Jägerhut, und wie er sich mit seinen Enkel- Lindern in der warmen Frühlingssonne unter­hielt. Das Mittagessen und der Nachmittags­tee vereinten die Familienmitglieder zu der ge­wohnten Plauderstunde und Unterhaltung. Als der kommandierende Gendarmeriewacht­meister sich meldete, sagte Hindenburg zu ihm: Mein lieber Wachtmeister, es tut mir so leid, daß ich Ihre Sonntagsruhe heute stören muß. Es wäre wirklich nicht nötig gewesen, daß Sie meinetwegen heute den ganzen Tag Dienst tun. Der Rest des Nachmittags und Abends verlies ohne jegliche besondere Begebenheit. Die alles iiberragende Ruhe erhöhte noch den starken Eindruck seiner gewaltigen Persönlichkeit am gestrigen, für ihn doch so entscheidenden Tage, Tas erste Wahlresultat, das auf dem Schloßgut einging, war das des benachbarten Wirtschaftsgutes, wo alle für Hinden­burg stimmten. Dann kamen die ersten Er­gebnisse aus den umliegenden Dörfern. Der Feldmarschall sagte nur:Möchte die Wahl doch so ausgehen, wie es im Interesse des ge­samten Volkes ist." Er sagte dann noch, bevor er sch in sein Zimmer zurückzog, man ntöchte doch dem diensttuenden Beamten der Poststelle, der sich für die ganze Nacht zur Ver­fügung gestellt hatte, um die Ergebniffe nach dem Schloßgute zu übermitteln, sagen lassen, er möchte doch feinen Dienst jetzt abbrechen. Jetzt begann die Arbeit des alten Kutschers, der in seiner Wohnung einen Radioapparat hot. Eine Telephonverbindung bestand von 10 Uhr ab mit dem Schloßgut nicht mehr. Durch den Radioapparat wurden dann die bis 1 Uhr ungefähr feststehenden Wahlergebnisse empfangen. Ernst und ruhig nahm der Feldmarschall das am Montag früh endgültig feststehende Wahlergebnis entgegen und widmete sich noch seinem gewohnten Morgenspaziergang seiner Tagesarbeit.

Die ersten Glückwünsche nahm Hinden­burg mit gütigem Lächeln entgegen.Jetzt gehts erst richtig an die Arbeit, sagte er.Man soll sich nur nicht einbilden, daß ich mir von irgend einer Partei Vorschriften machen las­sen werde. Die Schlacht ist vorbei, und ich bin ehrlich bereit, jedem Deutschen, auch dem bishe­rigen Gegner, rückhaltlos zu gemeinsamer Arbeit die Hand zu reichen. Einer Dele­gation erklärte Hindenburg:Gott gebe, daß endlich der Parteihaß aufhört. Nun ist ja alles entschieden. Hoffentlich lernt das Volk nun volle Einigkeit, denn Einigkeit macht stark.

Hindenburgs Wohl gibt jetzt zu der Frage Veranlassung, ob die Reichsregierung ihre Aemter dem Reichspräsidenten zur Verfügung stellen wird. In maßge­benden Kreisen ist man, tote wir hören, der Auf­fassung, daß ein Rücktritt des Kabinetts nach der Reichsverfassung nicht erforder- l i ch ist. Nach dieser ernennt zwar der Reichs­präsident den Reichskanzler und auf dessen Vor­schlag die einzelnen Minister, aber ein Rück­tritt des Kabinetts oder einzelner Minister ist in der Verfassung nur für den Fall vorgesehen, daß ihnen das Vertrauen, dessen sie zur Amtsführung bedürfen, ausdrücklich vom Reichstag entzogen wird. Diese Bestim­mung kann nicht ohne weiteres auf das Verhält­nis zwischen dem Reichspräsidenten und der Reichsregierung angewendet werden. Das Reichskabinett hat sich mit dieser Frage aller­dings noch nicht besaßt, es hat sich auch noch nicht mit der politischen Lage beschäftigt, die sich aus der Wahl des Reichspräsidenten ergeben hat; eine Beschlußfassung darüber ist vielmehr erst zu erwarten, wenn der abwe­sende Reichsarbeitsminister morgen nach Berlin zurückgekehrt sein wird. Welche Konseguenzen sich etwa für die Reichs­regierung aus der politischen Lage ergeben wer­den, hängt wohl von den Parteien des Reichstags ab. Daher müssen zunächst die Reichstagsfraktionen zu der neuen Lage Stel­

lung nehmen. Die Vereidigung des neuen Präsidenten, die bekanntlich im Reichstage durch den Reichslagspräsidenten vollzogen wird, dürfte ungefähr an einem der Tage vom 8. bäs 10. M a i stattfinden. Unmittelbar an die Vereidi­gung schließt sich die Amtsübernahme.

Hindenburg« Einzug und Vereidigung.

Berlin, 28. April. (Eigener Drahtbericht.) Reichskanzler Luther wird h'ute in Han­nover eine erste Aussprache über die po­litische Lage mit dem neuen Reichspräsi'-«nten haben. Man nimmt an, daß auch diejenigen Fra­gen berührt werden, bic^m Zusammenhang mit der Neuwahl des Präsidenten in nächster Zeit geregelt werden müssen, zum Beispiel das Zere­moniell der Vereidigung, des Amtsan­tritts in Berlin sowie die Frage des Staatssekretärs beim Reichspräsidenten. Ein Berliner Blatt will wissen, paß die Amts­einführung am 9. M a i erfolgenden werde, nach­dem der Reichswahlausschuh am 8. Mai in einer öffentlichen Sitzung die Wahlergebnisse geprüft und Feldmarschall v. Hindenburg für ge­wählt erklärt haben iverde. Der Marschall selbst hat gebeten, von Kundgebungen für ferne Per­son abzusehn, doch dürste fein Eintreffen in Berlin zweifellos große Kundgebungen aus- löfen Zweifellos wird der Einzug Hindenburgs in Berlin festlich begangen werden. Wie vertan tet, wird Hindenburg nach feiner Vereidigung vor dem Reichstagsgeböude die Front einer Ehrenlornpagnie der Reichswehr obfchrei- tcn. Auf dem Wege nach dem Präfidentvnpalais wird dem Publikum Gelegenheit geboten werden den neuen Präsidenten zu begrüßen Im Präsidentenpalais wird sich ein Empfang für die obersten Spitzen der Reichs- und Staatsoiehörden und Auslandsvertreter anfchließen. Der vom Reichspräsidenten vor dem Reichstag! abzu­legende Eid hat folgenden Wortlaut:Ich schwöre, daß ich meine Kraft dem Wohle des beut scheu Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm abwenden, die Verfaffvng und die Gesetze beb Reiches wahren unb Gerechtigkeit gegen jedermann üben werbe."

Seid unbefolgt!

Hindenburg im Spiegel Englands.

(Eigener Drahtbericht.)

London, 28. April.

Die liberalen Blätter deuten die Wahl Hindenburgs dahin ans: Großbritannien über­rascht und belämmert Frankreich erregt und miß­trauisch, Amerika erstaunt. Ein Londoner Be­richterstatter meldet aus Berlin: Hinbonburgs Sieg sei kein Sieg der Reaktion» sondeun seiner Persönlichkeit. Man müsse Deutschland Vertrauen entgegenbringen, bis es nichjt bewie­sen habe, daß es dieses nicht verdiene. Westmin­ster Gazette führt ans: Die Wahl Hindenburgs brauche sich nicht als Katastrophe zu erweisen, wenn die Regierung klaren Kopf behöelte unb darauf verzichtete, den deutschen Monarchisten in die Karten zu spielen. Das Blatt weist auf die persönlichen Eigenschaften desehrenhaften und mutigen Mannes, der feine Pflicht tat, als an­dere in Panik entflohen", hin. Es bestehe im übrigen kein Anlaß, pessimistisch zu fein. Das Blatt Lloyd Georges schreibt: Englünb habe keinen Grund, Einspruch gegen die Mahl Hin­denburgs zu erheben, solange Deutschland seine Übernommenen Verpflichtungen erfüllt. Hinden­burg fei kein Heißsporn, Ränkeschmied und Po­litiker vom Schlage Ludendorsss. Die Durch- süchruna des Dawesplanes sei nicht gefährdet. Daily Graphit schreibt: Hindenburgs Persön­lichkeit zeige in ihrer Offenheit, Entfchiedenheit und Wilcht einige Eigenfchaften Cromwells.

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Lloyd George Eber Hindenburg.

London, 28. April. (Privat-Tekegramm) Lloyd George erklärte auf Befragen: Frankreich habe durch sein Vorgeben an Ruhr und Rhein Deutschland wieder aus den Weg des Monar­chismus gedrängt. Es sei nicht glaublich, daß Hindenburg irgendwelche unüberlegten Ta­ten begehen werde. Im allgemeinen sei er ein besonnener Mann, der keinen Geschmack an Abenteuern habe. Die Wahl sei ein Zeichen für den neuen Geist in Deutschland und das Ergebnis der Politik der franzö­sischen Nationalisten.

Es dämmert auch drüben.

Kein Grund zum Pessimismus.

(Durch Funkspruch.)

Rewyork, 28. April.

Charles Mitchell, der Präsident ber National Citybank, fügte zur Wahl Hindenburgs, die ame­rikanischen Bankiers sähen keinen Grund

für pessimistische Aussichten hinsichtlich der Lö­sung der deutschen Schwierigkeiten. Nach einem großen Krieg sei es geschichtlich leicht zu ver­stehen, daß sich ein Land einem Kriegshel den als seinen Führer zuwende. Die Wahl Hindenburgs bedeute nicht die Rück­kehr Deutschlands zu einem militaristischen Staat oder zu ,n anarchistischer Herrschaft. Deutschland schmiede sich fein Schicksal selbst und werde sich nicht durch den Ausgang der Wahl bc- einftiissen lassen

Eine Rewyorker Zeitung bezeichnet es alslä - cherlich, van einer Gefährdung des Weltfrie­dens durch den neuen Präsidenten zu sprechen. Die Staatsfarm Deutschlands könne niemals dnrch Gewalt geändert werden. Vizepräsid -nt Dawes hat sich dahin geäußert, daß die S i = cherheitdesDawespla netz unabhän­gig fei von den Ergebnissen der Präsidenten­wahl wie überhaupt jeder anderen Wahl.

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Me die Börse urteilt

Berlin, 28. April. (Privattelegramm.) An den Auslandsbörsen verkehren die deutschen Werte nach der Wahl Hindenburgs zum deut­schen Präsidenten unverändert günstig. Sowohl die Rewyorker wie die Londoner Börse verzeichnen nach der Wahl Hindenburgs kei­nen Rückgang in deutschen Notierungen.

Sie gebärden sich wie toll.

Pariser Geschrei nach der Hindenburgwahl.

(Eigener Drahtbericht.)

r Paris, 28. P"ril.

Die französische Presse gebärdet sich nach wie vor, als ob die Rückkehr der Hvhenzollern nur nach eine Frage von Wochen fei. In keiner Zei­tung findet sich aber eine Aufforderung nach einer Intervention der französischen Regierung, wie einige Heißsporne vor einigen Tagen gefordert hatten. Ein Blatt schreibt: Die Wahl Hinden­burgs sei ein politischer Fehler. Briand werde mit Hindenburg einen schweren Gang zu bestehen haben. Der Bietaire verlangt: Es müßten alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden, um mit ober ohne Deutschland ben Frieden in Europa zu sichern. Der Avenir ist erstaunt über den Zu­wachs ber monarchistischen Stimmen in Deutsch­land, ein Beweis dafür daß die Sozialisten in Deutschland besiegt seien, während das tommu» nistisch« Experiment in Deutschland schon im Keime erstickt worben fei. Milleranbs Avenir sagt, durch die Gewalt der Tatsachen wirb der neue Präsident die Berhaltungslinien einhalten müssen, auf die das Kabinett Luther als Nachfol­ger des Kabinetts Marx ihn aeMhrt hat. Ein sozialistisches Blatt schreibt: Es muß eine enge Verbindung zwischen den Volksmassen der beiden Länder hergestellt werden, um jede Politik, die auf einen neuen Konflikt zwischen Frankreich und Deutschland abzielt, unmöglich zu machen.

Wir Balten Wort.

Maltzan bei den Rewyorker Bankiers.

(Durch Funkspruch.)

Rewyork, 28. April.

Bei einem ihm zu Ehren gegebenen Früh­stück der Rewyorker Bankiers sagte der deutsche Botschafter v. Maltzan, daß das deutsche Volk alles, was in feiner Pflicht stände, tun werde, um die Verpflichtungen zu erfüllen, die es aus ben ihm gewährten Krediten einge­gangen fei. Dies beziehe sich fowohl auf die kurzfristigen Betriebskredite als auf die langfri­stigen Anleihen zur Erschließung produktiver Erwerbsquellen. Aber was nützen ihm Kredite und produzierte Waren, wenn keineMärkte vorhanden seien, um sie absetzen zu können.

Ein Sieg für die Welt.

Wie Amerika Hindenburg begrüßt.

(Durch Funkspruch.)

Rewyork, 28. April.

Amerikanische Bankvertreter, die kürzlich über die Kruppanleihe verhandelt haben, erklärten, die Wahl Hindenburgs sei nicht beunruhigend. Die Firma veröffentlicht eine Erklärung, in der es heißt, eine normale nationalistische Reaktion seitens des deutschen Volkes habe in der Wahl eines feiner populärsten Gestalten in ein hohes Amt ihren Ausdruck gefunden. Tie deutsche GcfchäftS- und Jnbustriellenintereffen ständen ehrlich hinter dem Tawesplan. Der Einfluß fol- cher Interessen werde sich bei bet Gestaltung ber internationalen Politik geltenb machen. Direk­toren ber Stinneskompagnie äußerten, bie Wahl von Hindenburg fei ebenso sehr ein Sieg für Europa und die Welt wie für Deutschland wo der Bolschewismus schwer getroffen fei.

London von heute.

Allerlei Spleeniges aus der Themfestadt. Downwa Street Nr. 10. Das baufällige Miursterpalais. Auf wankcndciu Grund. Mne bittarische Reliauie. Schnstrdoleu Nut» moder«. ISi» sozialisiertes Bergwerk.

London, Ende April.

Wenn man die White Hall hinuntergeht, so findet man manches Gebäude öffentlichen Charakters, das heutigen Auffassungen an ein Regierungsgebäude eigentlich nicht recht ent­spricht. Aber das unglaublichste von allen ist das, was in Downing Street steht und unter seinem Dache die Nummern 10 und 11, die Woh­nungen bezto. Sekretariate des Premier- m i n i sters unb des Schatzkanzlers, ber­einigt Wir können mit der klassischen Stätte des A Ä. neben dem Reichskanzler-Palais in Ber­lin bezüglich seiner alten Vordersront ganz ge­wiß auch feinen Staat machen, aber mit Dow­ning Street verglichen, ist es ein Palast. Und doch haben die WorteDowning Street 10 oder, korrekter gesagt10 Downing Street" einen magischen Klang in der ganzen Welt. Offen ge­standen, wird man auch selber vom einem eigen­tümlichen Empfinden erfaßt, wenn man zum ersten Male dorr steht. Seit 190 Jahren war es scirher Residenz des Premierministers. Es ver­körpert mithin eine Epoche der Weltge­schichte, die ganze Entwickelung Englands zn dem weltumspannenden britischen Reich. Uno wie oft wurde da auch deutsche Geschichte ge­macht!

Aber es ist merkwürdig, wie viele denkwür- dij Bauwerke hier gerade in diesem Jahre als g'-sährdet entdeckt werden. Zwar Downing Street toi !>e in bett letzte-: Jahren schon mehrere Mal y,a, als unsicher erkannt. Vor drei Jahren fand man bedenkliche Risse in dem Mauerwerk an einem Fenster. 1923 entdeckte man, daß der Boden des historischen Speisesaales in Gefahr des Zusammcnstürzens war, weil zwei lange Querbalken Sprünge zeigten. Trotz der Aus- besserungsarbeiten zeigte die Decke unter dem Saale im vorigen Jahre bedenkliche Risse. Gerade dieser S p e i s e s a a l bietet viele Erin- nerungen. Er wurde ans fünf Schlafzimmern gebildet, und es ist klar, daß Gebälk und Mauer­werk dieserPit-Room genannten schönen Bar.guet-Halle besonders 'starke Spannungen auszuhalten hatten. Unter Disraeli erhielt der Saal eine wundervolle Eichen-Panellierung. Es ist für fast hundert Gäste Raum. Bei dem Be­such des Präsidenten Wilson im Dezem­ber 1918 batten achtzig Gäste an der Tafel Platz genommen. illber es scheint, daß eben der Bau- gründ s» wenig sicher ist, wie der von St. Paul. Im vorigen Jahre ging man an gewissen Mauern mit Ausschachtungen zum Zwecke sorg­fältiger Prüfung des Gemäuers ziemlich tüf hinab. Eine große Zahl von Stahlträgern wurde eingeführt, und die Presse durfte offiziös berichten, daß dieFundierungen jetzt für immer sicher seien Aber es scheint, daß die Fach­leute zu saguinrsch waren. Tore und Fenster zeigen immer weniger rechtwinklige Quadrate, sondern nähern sich immer mehr ein flein wenig den Parallelogrammen nachDr. Ccckigari. Fußböden werden uneben. Eine Mauer scheint sich erneut gesenkt zu haben. Die Frage wird von Blättern aufgeworfen, ob nicht ein Neubau zu empfehlen fei. Der Grund und Bo­den habe jqtzt enormen Wert. Demgegenüber steht der große h i st o r i s ch e Wert. Es wäre ein Jammer, dieses Denkzeichen nicht als einen nationalen Schatz der Nachwelt zu überliefern. Man kann heutzutage am letzten Gebäude der Regentstreet nach dem Piccadilly Circus zu be­obachten. daß während oben das Geschäft noch seinen flotten Gang geht unterirdisch ein n e u e s Fundament hineingeschoben wird, um ganz andere Lasten zu tragen. Ein Beweis sinnreichster moderner Bautechnik. Warum sollte das nicht auch in Downing Street gehen?

Ein Beamter des Departements erklärte, daß dieGebäude imstande seien, ein weiteres Jahrhundert auszuhalten. Das ist immer­hin noch weniger als die Versicherung im vori­gen Jahre, daßdie Fundierungen für immer sicher seien? Warten wir einstweilen das nächste Jahr ab.

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Die Herrenmoden werden in England immer exzentrischer. Einmal ist die Knöchelweits der Beinkleider jetzt auf einundsechzig Zenti­meter gestiegen. Die Farben werden immer wun­dervoller. Die Farben der Beinfleider in den Schaufenstern sind: Schoten-Grün, Sachsen-Bla», Biskuit, Lavendel, Schokolade, Lila. Dazu gibt es Jacketts inChocolade Eclair und lachsfar­bene Binden. Grau ist fürLounge urid. Sport veraltet In der City, in der Welt sashionobler Clerks, herrscht' das schwarze Jackett mit schwarzer Weste, graugestreiftem Beinfleid und, wie früher, der Zylinder.