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Kasseler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
Numrrrer 93. Einzelnummer 10 Pf, Sonntags 15 Pf.
Mittwoch, 22. April 1925.
Einzelnummer 10 Pf, Sonntags 15 Pf. 15. Zahkgavg
Chamberlain gegen Fachs CntwaWungsliigen.
Berlin-Varis.
Wie es um die Außenpolitik steht.
(Von unserem Berliner Mitarbeiter.)
Berlin, 21. April.
Während sich die Parteien ausschließlich dem Wahlkamps um die PräsidenlschaftsEandidatur widmen, verfolgt man in den Berliner Regierungskreisen mit Aufmerksamkeit die Entwicklung der außenpolitischen Lage, die nack der Präsidentenwahl wieder in ein akutes Stadium cintreten wird. Im Zusammenhänge mit dem Regierungswechsel in Frankreich werden voraussichtlich noch in dieser Woche die englisch- französischen Verhandlungen über die Räumungs - und Sicherheitsfrage sowie über den Bericht der Milttärkonlroll- koinmission wieder ausgenommen werden. Es besteht sogar die Möglichkeit, daß bei dieser Gelegenheit auch die deutsche Diplomatie in den alliierten Ländern wieder Gelegenheit finden wird, den abgerissenen Faden der Diskussion über das deutsche Sicherheitsangebot von neuem anzuknüpsen. In den Kreisen des Berliner Auswärtigen Amtes verlautet, daß man wahrscheinlich schon im M a i mit Verhandlungen zu rechnen haben werde.
Neuerdings ist übrigens bei den außenpolitt- schon Verhandlungen ein neue- Problem aufge» taucht: Die Luftfahrtsfrage. Von alliierter Seite wird nämlich im Zusammenhang mit dem Bericht der Militärkontrollkommission behauptet, daß Deutschland ausgedehnte Geheim- rüstungen für den Luftkrieg betreibe. Ans dieser Sachlage könnten sich weitere Schwierigkeiten bei den gegenwäriig stattsindenden Verhandlungen über den Luftverkehr ergeben, da bekanntlich Deutschland unter keinen Umständen eine Luftverkehrskonvention mit anderen Mächten abschließen will, wenn ihm nicht seine volle Luftverkehrsfreiheit zugeftanden wird. Deutschland fühlt sich durch die Forderungen der Alliierten stark bedroht, denn eine weitere Beschränkung des deutschen Lust- zeuabaues würde die deutsche Wirtschaftskraft auch für die Zukunst außerordentlich schwächen müssen. Die außenpolitische Lage hat sich daher eher etwas verschlechtert, als man es vor der Anberaumung der Reichspräsidentenwahl hätte voraussehen können. Der deutsche Botschafter in London Dr. Sthamer hat übrigens, wie wir erfahren, der Reichsregierung vor einigen Tagen berichtet, daß die englische Regierung an ihrem Standpunkt festhält, wonach Deutschland feine Anregungen in der Sicherheitsfrage ergänzen beziehungsweise abändern müsse. Dadurch drängt jetzt auch die Frage zur Entscheidung, ob die Reichsregierung in der Lage sein wurde, ihren früheren Anregungen irgend etwas hinzuzufügen oder von der bisher geäußerten Auffassung abzugehen. Me die Dinge gegenwärtig liegen, ist kaum anzunehmen, daß die Reichsregierung in ihrem Angebot weitere Zugeständnisse wird machen können, als sie es trotz schwerster Bedenken schließlich bei den ersten Vorschlägen getan hat.
Was die Frage der Kölner 3»ne anbe- trifft, so wird die Reichsregierung bei den bevorstehenden Verhandlungen mit allem Nachdruck darauf bestehen, daß die Regelung dieser 8rage nicht durch die Diskussion über das icherheitsproblem in den Hintergrund gedrängt werden darf. Seit dem 15. Januar sind nunmehr über drei Monate vergangen, und es ist noch garnicht abzusehen, wie lange der gegenwärtige Zustand der Verlängerung der Besetzung andauern wird. Wenn man den Mitteilungen englischer politischer Kreise Glauben schenken darf, so würde allerdings noch nicht die letzte Möglichkeit geschwunden ften, daß es noch in diesem Sommer zur Räumung der nördlichen Rbeinlandzone kommen wird. Da der außenpolitische Kurs der bisherigen stanzösischen Regierung H e r r i o t kaum wesentliche Aenderun- gen erfahren wird, besteht wenigstens kein Grund zu der Annahme, daß etwa die neue französische Regierung eine noch ablehnendere Haftung einnehmen wird, als dies bisher bei der Regierung Herriot der Fall gewesen ist.
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yo<0 über den Parteien.
Die Berliner Rechtsblälter bezeichnen Hindenburgs programmatisch« Erklärungen am Sonntag als Programm zur nationalen Wiedergeburt. Hindenburg bleibe der, der er immer war, der bis zum Tode opferbereite Diener der nationalen Sache, das Symbol unbegrenz- len Pflichtbewußtseins gegen Staat und Volk, der Inbegriff überparteilicher, sozialer Sauberkeit und Gerechtigkeit des öffentlichen Lebens. Hindenburg wolle nichts sein, als das nationale, überparteiliche Gewissen. Ein anderes Blatt hebt hervor, auch dem verblendetsten Auge müsse die Erkenntnis aufgehen, wo der Mann, der unser Volk in seinen besten Eigenschaften nach innen und außen hin leuchtend vertreten und zu dem die Nation verehrungsvoll ausblicken könne,
stehe. Die Linkspresse erklärt: Hindenburgs programmatische Erklärungen seien ihm von der Rechten eingeflößt worden. Kein Zweifel könne bestehen, daß Hindenburg aufrichtig und ehrlich ist, und wenn er Zeitungen lesen und nicht außerhalb der Welt, hinter der Mauer seiner „Getreuen*, leben würde, so würde er wissen, daß niemand ihm schlechte Absichten zutraut, und daß man nur über die Absichten seiner Umgebung, der Kamarilla, der Stahlhelmoffiziere und der Zivilkameraden, neuerdings völlig anders denkt. Das demokratisch« Org»n ist der Ansicht, daß ein großer Teil der Deutsch- nationalen und der Völkischen von einer Wahl Hindenburgs gerade den Bruch mit der bisherigen Außenpolitik, die Zurückziehung der deutschen Sicherheilsvorschläge, den Sturz Dr. Stre- semanns erwarteten. Der „Vorwärts* meint, Hindenburgs Programmrede sei gleichbedeutend mit der Antwort, die der Reichskanzler Michaelis im Kriege auf den Friedensschritt des Papstes gab, jene bewußt ausweichende und verschleiernde Antwort, in der der andere un- seligerweise nur den bösen Willen hörte.
Fochs Pläne durchkreuzt.
Chamberlain gegen das Haßdokumrnt.
(Eigene Drahtmeldung.)
Berlin, 21. April.
Londoner Blättern zufolge soll das britische Kabinett dem Foch'schen Gutachen über die deutsche Entwaffnung nicht beipflichten. Daily News schreibt: In keinem Falle würde England über die Schlußfolgerungen und Vorschläge der Ent- cnte> Kontrollkommission in Berlin hinanSgrsien. Einem anderen Blatt zufolge hat Chamberlain erklärt, es werde England nicht möglich sein, die Räumung Kölns länger hinauszuzögern als wie die formelle Ruhrräumung durch die Belgier und Franzosen beginnen müsse. Die Frage der deutschen Ostgrenze sei sür England erledigt, nachdem Deutschland erklärt habe, esstrebe eine eventuelle Grenzrevision nicht durch Waffengewalt an.
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Erst nach der Präsidentenwahl.
London, 21. April. (Eigener Drahtbericht.) Ein diplomatischer Berichterstatter erfährt, daß der Reichsgeneralstab eifrig mit der Prüfung des Fochschen Entwaffnungsberichts beschäftigt sei. In keinem Falle werde in Berlin eine alliierte Note überreicht werden, bevor die beut« icye-l Präsidentschaftswahlen stattgesunden hätten. Die neue französische Regierung werde versuchen, die Reichweite des Westpa ktei zu vergrößern. Die Beteiligung Dänemarks stehe außerhalb Der Politik.
Hinter verschlossenen Türen. Benesch in Warschau. — Pariser Zetergeschrei.
(Eigene Drahtmeldung.)
London, 21. April.
Der tschechische Außenminister Benesch ist in Warschau eingetroffen. Zu einem halb- offiziellen Pariser Zeitungsartikel schreibt ein Londoner Blatt, er sei tatsächlich L eine Feindschaftserklärung gegen einen westlichen Pakt, 2. die Erklärung der Unbesiegbarkeit des jetzt fertigen Blocks der Al- lliierten Frankreichs in Osteuropa, 3 die Erklärung, daß Deutschland diese Unbesiegbar, leit anerkennt und auf alle Gedanken gewaltsamer Handlungen verzichtet habe.
Mit Feuer und Schwert.
Die große Berschwörer-Razzia tn Bulgarien.
(Eigene Drahtmeldung.)
Sofia, 21. April.
Die Polizei umzingelte ein Haus, unter dessen Insassen man I a n ko s s, die Seele der Verschwörung, vermutet/ Bon den Hausbewohnern wurde auf die Polizei gefeuert. Man hofft, Jankofs verhaften zu können. Die bulgarischen Kriegsgerichte arb ot Tag und Nacht. Es sind bereits zahlreiche Hinrichtungen erfolgt. Einige verhaftete Komm», risten sollten von der Menge gelyncht werden. Viele Telegramme sprechen dem König, der 8-t gierung und dem Volk warme Sympathie aus Die Gerüchte über eine Revolution und Ickaffenbinrichtungen sind völlig grundlos. Augenblicklich wird alles daran gesetzt, die Schuldigen abzuurteilen.
Hoefleö Zähes Ende.
Dunkle Gerüchte über den Tod des Minister-.
(Eigene Drahtmeldung.)
Berlin, 21. April
Im St. Hedwigskrankenhaus verstarb gestern der frühere Reichspostminister Dr. Hoefle im Alter von 43 Jahren. Um 11 Uhr vormittags
war er bewußtlos eingeliefert woryen. AlS Todesursache wurde eine doppelseitige Lungenentzündung und sehr große Herzschwäche festgestellt. Es geht das Gerücht, daß Dr. Hoesle, der in der letzten Zeit seiner Umgebung gegenüber Zeichen äußerster Niedergeschlagenheit erkennen ließ, am vergangenen Sonntag größere Mengen V e r o n a l und A l - l o h o l zu sich genommen habe, um seinem Leben freiwilligeinEndezu machen.
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Hoefle hatte das Reichspostministerium in den Kabinetten Stresemann und Marx inne. Dr. Hoesle war wiederholt von Aerzten untersucht worden, wobei diese zur Ansicht kamen, daß Lebensgefahr nicht bestehe. Auf einem Transport zur Eharitö hatte er sich kürzlich eine schwere Erkältung zugezogen, die man nicht ernst nahm.
Ein Opfer der Zett. Pressestimmen zum Hoefle-Drama.
(Eigene Drahtmeldung.)
Berlin, 21. April.
Zum Ableben des Reichsministers a. D. Dr. Hoefle schreibt ein Rechisblatt: Dr. Hoefle ist daS Opfer Barmatscher Gewissenlosigkeit und seiner eigeneft Hemmungslosigkeit. Sein plötzlicher Tod bewahrt die deutsche Oesfentlichkeit vor einem beschämenden Schauspiel. Ein anderes Blatt erklärt: Zu Ehren deS Verstorbenen mutz gesagt werden, daß er alles getan hat, um Den Behörden die Aufklärung des ganzen ungemein verwickelten Sachverhalts nach Möglichkeit zu erleichtern. Er selbst versicherte wiederholt, daß sein G e wisse n r e i n sei und daß er seine Handlungsweise vor Gott und den Menschen verantworten könne. Das endgültige Urteil über die Frage seiner moralischen und seiner juristischen Schuld oder Unschuld mutz bis nach dem Barmatverfahren aufgeschoben bleiben. Das Zentrumsorgan betont: Hoesle hat
auf dem Sterbebett seine Unschuld beteuert und wer den Verstorbenen näher gekannt hat, wird höchstens zugeben, datz Hoefle vielleicht einige Unvorsichtigkeiten und Unklug- heiten begangen hat, aber er wird den Verstorbenen keines gemeinen Verbrechens zeihen. In einem demokratischen Blatt heitzt es, datz man Dr. Hoefle zwar Leichtgläubigkeit, aber nicht Amtsmitzbrauch vorwerfen konnte. ES ist Dr. Hoefle nicht vergönnt gewesen, die Verwirklichung seiner Hoffnung zu erleben, datz das Gerichtsverfahren mit seiner vollständigen Rehabilitierung enden werde. Die Ausführungen des „Vorwärts" gipfeln in einem heftigen Angrift gegen die Staatsanwaltschaft, die den Schwerkranken bis zuletzt in Haft ließ.
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Unschuldig verfolgt?
Berlin, 21. April. (Privattelegramm.) Dr. Hoefle hat noch einen Abend vor seinem Tode dem Untersuchungsrichter Wiederholdt beteuert, daß er nie Vorteile von Barmat und Kutisker bet der Hingabe der Postdarlehen erstrebt oder zugesichert erhalten haben. Hoefle hat noch vor seinem Tode feister Gattin die gleiche letztwillige Erklärung abgegeben.
Massenmörder von Sofia.
Was Bulgarien bevorstand.
(Eigene Drahtmeldung.)
Sofia, 21. April.
Zur Organisation des Attentats auf die Kathedrale in Sofia wird gemeldet, datz die ehemaligen Oftiziere Jank off und Minkosf mehrmals die Decke der Kirche untersucht hatten, wo der Explosionsstoff niedergelegt werden sollte. Die Höllenmaschine wurde auf dem Boden der mittleren Hauptkuppel einige Stunden vor der Explosion niedergelegt. Ein Automo b i l war stets in der Nachbarschaft, um den jungen Mann, welcher die Zündschnur in Brand setzte und Den Küster mitzubringen, um ins Ausland zu flüchten. Tie Urheber des Attentats rechneten damit, Den König unD Die Minister zu töten, Unruhen hervorzurufen und sich in den Besitz der Macht zu setzen, was unfehlbar die Besetzung Bulgariens durch jugoslawische Truppen und Balkanwirren herbeiführen würde. Eine hochstehende Persönlichkeit sollte umgebracht werden, um das gesamte Offizierkorps und den König zu veranlassen, an Dem Trau- ergottesdienst in der Kirche teilzunehmen.
Die Frau im Feuer.
Führerinnen in Politik und Parlamenten.
genMelerin. — Eine Bergeneue.
Man wird zugeben müssen, daß in den sechs Jahren des uneingeschränkten Frauenstimmrechts weder im Reichstag, noch in den Parlamenten von Frauen irgend eine Rede gehalten ist, deren Qualität die Männer von der Notwendigkeit der politischen Frau überzeugt hätte. Das soll kein Vorwurf fein; denn der Frau fehlte jede Erziehung, jede praktifche Vorbereitung für die große Politik. Statt durch die aktive Teil- nahme an der Kommunalpolitik allmählich geschult in das Parlament einzuziehen, ist der Frau die politische Gleichberechtigung durch den Umsturz 1918 als reife Frucht mühelos in den Schoß gefallen. Dabei muß gerechterweise anerkannt werden, daß die meisten der Nationalversammlung und später dem Reichstag angeho- renden Frauen an Leistungen und Intellekt manchen ihrer parlamentarischen Kollegen überragten. Vielleicht hat man auch zu viel erwartet! Tas nicht sehr fruchtbare Wirken der poli- tischen Frau kommt auch in der Tatsache zum Ausdruck, daß die Zahl der weiblichen Mitglieder in jedem neugewählten Reichstag geringer wird. Mre Zahl in dem jetzt tagenden Reichs- tag ist auf elnunddreißig zurückgegangen Der sozialdemokratischen Fraktion gehören sechzehn, der deutschuationalen fünf, der kommunistischen drei, den Fraktionen deS Zentrums und der De- mokraten ,e zwei Frauen an, während die bave- riswe Volkspartei ein weibliches Mitglied zählt.
Von f .-Mldewokratischen Fraktion treten
am meisten Frau Böhm-Schuch, Frau I u ch a c z und Toni Sender hervor, von den Deutschnationalen Frau Dr. med. h. c. Margarete Behm, die Hauptvorsitzende des Gewerkvereins der deuftchen Heimarbeiterinnen. Außer ihr gehören dieser Fraktion noch vier Frauen an, Frau Müller-Otfried, die Vorsitzende des Deutsch-Evangelischen Frauenbundes, die Stu- diendirekwrin Frau Scheide!,'Frau Schott und Frau Elfe von Sperber. Infolge des Todes der Frau Hedwig Dransfeld ist die Zahl der weiblichen Mitglieder der Zentrumsfraktion auf zwei gesunken, die verwitwete Frau Amtsgerichtsrat Reuhaus aus Dortmund und Frau Christine Teusch aus Köln, die beide schon in der Nationalversammlung saßen. Dasselbe gilt für Frau Clara Mende von der Volkspartei. Ihre Fraktionskollegin Studiendirektorin Elsa Matz ist dagegen erst 1920 ins Reichest»arlament gekommen. Auch die demokratische Fraktion des Reichstages zählt nur zwei weibliche Mitglieder, die bekannte Vorkämpferin der Frauenbewegung Dr. Gertrud Bäumer, die als Ministerialrätin die Frauenfragen im Reichsministerium des Innern bearbeitet, und Dr. Marie-Elisabeth Lüders.
Statt der trockenen Arbeit in den Parlamenten liegt der polittsch begabten und interessierten Frau vielleicht mehr die psychologische Seite der Politik, das Knüpfen menschlicher Beziehungen mit und zwischen Politikern. Das war ja auch stets die Hauptbeschäftigung der Frauen, die einen politischen Salon machten, V B. der ersten deutschen Kaiserin Augusta, die sich auf diesem Gebiet besonders temperamentvoll betätigte, von der der große Kanzler nach seinem Rücktritt einmal sagte: „Sie hat mir mehr Schwierigkeiten bereitet, als alle fremden Mächte und die generischen Fraktionen im Lande.* Auch ihre Schwiegertochter, die Kaiserin Friedrich, war von starker politischer Be- gabung. „Eine außerordentlich intelligente Fran von klarem Blick* nannte sie Bismarck. Auch die Freundinnen der Kaiserin Friedrich, Frau Heu- riette Schrader, die Gründerin des Pestalozzi- Fröbelstiftes, und Frau von Helmholtz, die Gatttn des berühmten Gelehrten, waren politisch interessierte und einflußreiche Frauen.
Von den Damen Der Berliner Gesellschaft hat Wohl den größten Einfluß Fran von Lebbin geborene von Brandt gehabt. Sie wahr jahr- zehntelang die Freundin und politische Ser- traute des hinter den -Kulissen so einflußreichen Herrn von Holstein, des politischen Dirigenten im Auswärtigen Amt. Hierdurch und durch ihre politische Begabung, vor allem aber >hre eingehenden Kenntnisse aller in der großen Politik wichtigen Menschen und Beziehungen übte sie eine geheime Macht aus, die bis zu ihrem 1915 erfolgten Tod« an- dauerte. Ihr umfassendes Wissen hatte sie nach eigenem Eingeständnis aus den Tages,ei« i ungen geschöpft. Da sie kein Privatvermögen hatte und nur auf ihre Witwenpension angewiesen war, lebte sie ziemlich dürftig in den letzten Lebensjahren in einer kleinen Gartenwohnung in der Uhlandstraße. Trotzdem kam alles zu ihr, der jeweilige Reichsko";ler, die Außenminister, Parteiführer, fremde Diploma- ten usw. Als sie in der letzten Zeit leidend geworden war und täglich nur zwei kurze halb- pünbige Besuche empfangen durste, warteten