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Kasseler Abendzeitung
Die üaheUt iUeueften 'Jiadjndjten erltbetnen wSchrnlUL iechSmai aachmuiagr Der Äbonnemenlsvreis beträgt für oen Monat 2.— Mk bei freier Zustellung tns Haus, in bet (Seilbäftsttelle ubaebolt lato Mk. Durch die Poft monatlich 2.00 Mk. ausfchlieftlich 8ufteUunq8aebübr Verlag und Redaktion S*la*thofftro6e 28/80. Fernsprecher 951 und 952. Mr unverlangt einaefanbte Beiträge kann die Re- daktion eine Verantwortung oder Gewähr in keinem ftatte übernehmen. Ruck» mbluna des Be,ugsaeldes oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger viefernnn anSnefchloNen Poftschecksonto ftronffurt a. Main Nummer 6380.
Hessische Abendzeitung
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Slltttti C 91. Einzelnummer 10 Pf. Sonntags 15 Pf.
Sonntag, 19. April 1925.
Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15Pf. 15. Jahrgang
Kriegszustand über Bulgarien.
Mr müssen durch.
Eine Woche innerer u. äußerer Enttäuschungen.
Wie eng und unlöslich politische und welt- wirtschastliche Lebensfragen heute miteinander verflochten sind, hat dieser Tage erst wieder Außenminister Stresemann am Beispiel des deutschen Wiederaufstiegs trotz der Versailler Todeswunde und der bleiernen Dawesketten vor aller Welt nachgewiesen. Dabei wird freilich die Magnetnadel der Wrtschast stärker von den Krastwellen der Politik hin» und hergerissen werden, wenn es auch Vorkommen kann, daß Wirtschasts- und Fmanzkrisen und Katastrophen, wie es heute Frankreichs Geschichte lehrt, Politik und Staat in ihren Strudel reihen. In Preußen-Deutschland selbst ist es ja das Krebsleiden der Politik das am starken Lebensmark der deutschen Wirtschaft und Volkskraft frißt. In die von außen gezogenen Drahtverhaue von Versailles haben wir selbst schon manche Bresche gehauen und uns durch Hanocls- verträge und neue Absatzgebiete Licht, Atem, Spielraum verschafft. Aber es ist zumeist noch alles Stückwerk. Noch ist unsere Handelsbilanz mit vier Milliarden passiv und schon stockt der Zufluß ausländischen, namentlich amerikanischen Kapitals, weil an den Newporker Banken im letzten Vierteljahr nicht weniger als 269 Millionen Dollars-Anleihen aufgelegt wurden und diese somit setzt bis zum Platzen gefüllt sino. Schnelle Handelsvertrag sabschlüsse aus der Basis der Meistbegünstigung und Steigerung der deutschen Wettbewerbsfähigkeit durch Verbilligung und Qualitätsarbeit können hier, nach dem Urteil des Wirtschastsministers, allein Wandel schaffen.
Immer wieder legt stch leider auch aus Aecker und Gärten, auf das knospende Grün der deutschen Arbeit und Wirtschaft der Rauhreis innerer politischer Mißhelligketten Ein Dutzend Regierungen hat die junge R-vu- blik schon über sich ergeben lasten "müssen, während Preußen ja monatelang überhaupt verwaist und verödet lag, ein Satyrjpiel der Politik, das sich sogar in Hessen und Oldenburg wiederholt hat. Kein Wunder, wenn die sogenannten .Geschäftsministerien" die Hauptarbeiten unerledigt ließen, wenn z. B. heute noch Steuer- und Aufwertungsgesetze sowie Reformen aus allen Gebieten des staatslebens nach Erfüllung schreien. Kein Wunder, wenn jetzt die Unzufriedenheit und Empörung der ösfentlichen Meinung den harthörigen Parlamentariern wie Frühlingsbrausen in den Ohren dröhnt, zumal bei dem ungewissen Ausgang der Reichsprä - sidentenwahl auch die Regierung Luther im Reich ausS neue bedroht ist, obwohl sie über Vorarbeiten noch kaum hinausgediehen ist. Kein Wunder also, wenn Wirtschafts- und Lohnkrisen, Absatzstockungen, Stillegungen, Kündigungen überhand nehmen, das deutsche Volk sich immer wieder um die Früchte seines Schweißes betrogen steht und verzweifelt nach einem Retter aus seinen unverschuldeten Lebens- nöten ausschaut.
Denn die bittere Erkenntnis haben harte Lei- densjahre allmählich den meisten deutschen Hirnen eingehämmert, daß nicht knechtische Unterwürfigkeit und Selbsterniedrigung, sondern nur straffes Sichbehaupten und Durchsetzen dem Gegner den Respekt und die Anerkennung abnötigt und dem schlaffen deutschen Wirtschastsballon den Auftrieb und Wind geben, der allein wieder zu lichteren Höhen führen kann. Wenn der gute Wille und die Feckterknifse H e r r i o t s schon zu schwach waren, um das furchtbare Verbrechen an Deutschland durch Erfüllung des uns Ätgepreß- len Friedensdiktates in etwas zu sühnen, wieviel weniger haben wir dann von dem neuen Dreigestirn Painlevs-Briand-Caillaur zu erwarten, daS jetzt über Frankreichs Finanzchaos leuchtet. Zwar wissen wir, daß P a i n - levö selbst ein kluger Mann, ein großer Gelehrter und durch und durch lauterer Charakter ist. Aber hinter ihm steht Briand, dem wir den Einmarsch in Düsseldorf. Duisburg und Ruhrgebiet zu danken haben und niemals vergessen werden. Der alte Routinier und Ge- chästspolitiker wird den vornehmen Gelehrten ehr bald in den Hintergrund drängen, wird wie einer Zeit in Genf und Cannes große und chöne Reden halten, mit der Fata morgana des Völkerbundes weiter liebäugeln und im übrigen dem deutschen Sicherheilsangebot, dem Reckt auf Ruhr» und Rheinräumung viel ernsteren Widerstand entgegensetzen wie eS Herriot jemals über stch gebraut batte. Ein Hoffnungsanker für Deutschland könnte vielleicht noch C a i l l a u r werden, der immer für internationale Verständigung und Aus- glei der großen Wirtschaftsinteressen einqetre- len ist und dafür lange Jahre in der Ver» bannung hat schmachten müssen. Aber seine Berufunq ist ein Ristko und bat schon jetzt einen Sturm der Entrüstung im Senat, namentlich bei seinen Erzfeinden Poincarö und Millerand aufgewirbelt, die ihm aus Schritt und
Iie ÄniMBe in Der Mette Don W.
200 Tote bei einem Kommunisten.Attentat.
Eine graustge Totenmesse / Minister tot und verwundet / Auf den König abgesehen Sofia in ver Hand des Militärs / Arbeiterräte tauchen aut / Reue Attentate uno Tote.
Sofia, 18. April. Das gestern berichtete Bombenattentat in der Kathedrale hat doch weit furchtbarere Folgen gehabt. Heute morgen wird berichtet: Die Hölle »maschine war außerhalb der Kathedrale an deren Südseite angebracht und mit einem Uhrwerk versehen, das auf die Zeit der Explosion eingestellt war. Die Minister ttud die übrigen offiziellen Persönlichkeiten hielten sich bei der Totenmesse in der Mitte der Kathedrale auf. Diesem Umstand ist es zu danken, daß sie nicht sämtlich ums Leben gekommen sind. Sämtliche Personen, die auf der Südseite der Kirche standen» wurden getötet oder lebensgefährlich verletzt. Die Belgrader Zeitungen schreiben bereits von
200 Toten und fast 400 Verwundeten.
Seit gestern früh ist jede telegraphische Verbindung mit Bulgarien unterbrochen. Unter den Toten befindet sich der Bürgermeister von Sofia, der Polizeipräsident und der ehemalige Kriegsminister, sowie viele Offiziere. Sofort nach der Katastrophe begab stch der König auf die nUglückSstätte, wo ihm lebahste Ovationen dargebracht wurden. Das Kabinett trat zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen. Ueber ganz Bulgarien ist der verschärfte Belagerungszustand verhängt worden, der aufs strengste gehandhabt wird. Auf den Straßen ist niemand zu sehen, der Wagenverkehr ist verboten; nur mit Soldaten besetzte Automobile kreuzen die Straßen. Tie V o l k s m i l i z ist mobilisiert worden. In den meisten gfäbtc't murheti Verhaftungen varzeikc' ' ;•:<» Die Führer her verschiedenen ausgehobenen Ber- schwörrgesellschafien werden nach Sofia gebracht und vor ein Kriegsgericht gestellt. In No- vosagora wurden allein hundersünfzig Personen verhaftet. Die ganze bulgarische Grenze wurde abgesperrt; nur einzelne ausländi sche Reisende werden durchgelassen. Die ganze Stadt Sofia ist von Militär umzingelt.
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Schreckensszenen noch der Explosion.
Wie«, 18. April. (Privattelegramm.) Ueber die Katastrophe berichten Wiener Blätter weiter Während des Chorgesangs explodierte plötzlich eine Höllenmaschine mit furchtbarer Detonation. Die Kirche füllte stch mit schwerem Rauck und dem Staub des zum Teile einstürzenden Mauerwerks. Erschütternde Klagerufe von Verletzten und zu Tode getroffenen ertönten. Es entstand eine wilde Panik, alles eilte über die Verwundeten und zahlreichen Herumliegenden Toten hinweg den Ausgängen zu, vor denen sich tumultuose Szenen ab- spielten. Der in der Mitte der Kirche aufge
stellte Katafalk wurde umgestoßen und über ihn hinweg stürmte die Menge. Im Gedränge wurden insbesondere Frauen und Kinder niedergetreten. Der größte Teil der Verletzten sind Frauen und Kinder.
Der fiebernde Balkan.
Reue Attentate. — Bolschewistenalarm. Grenzsperre.
(Eigene Drahtmeldung.)
Berlin, 18. April.
Aus Belgrad meldet ein Berliner Blatt: In Sofia wurden gestern Abend zwei neue Politische Attentate verübt: Der Direktor der Zentralstrafanstalt von Sofia und Oberst Georgiern wurden erschossen. Bulgarische Blüchtlinge, die in Jugoslavien eintresfen, melden, daß auf der ganzen Strecke von Sofia bis zur Grenze die Bevölkerung sich erhoben, die Behörden verjaxt und diese durch Ar- beiterräte ersetzt habe. Infolgedessen wird die Grenze gegen Bulgarien von jugoslavischer Seite streng überwacht.
Die Kuppeln bersten.
Sofia, 18. April. (Privattelegramm.) Die Kathedrale ist durch die Explosion erheblich beschädigt worden. Eined er drei Kuppeln, in deren Nähe sich die Höllenmaschine befand, stürzte vollstän.d'g, z-k-'V'»' -n Di- mutiert man worden und droht
jeden Augenblick e?A'sulim“"»i.
Wie die Bomben fliegen.
Kommunistenterror im ganzen Lande.
(Eigener Drahtbericht.)
Zürich, 18. April.
Aus Bulgarien treffen immer neue Hiobsbotschaften von kommunistischen Attentaten ein. In der Sofioter Jnsanteriekaferne erfolgte letzte Nacht ein Bombenattentat, bei dem zwei Offiziere getötet wurden. Aus N i f ch wird ein kommunistisches Attentat auf das Stadthaus gemeldet, wobei einige Personen verletzt worden sind. Im griechischen Saloniki wurden Bomben auf das Marine - orfenol geworfen, die ober nicht explodierte». Man muß weiteren Meldungen vom Balkan mit größter S 'rge entgegensehen. Die bulgarische Regierung hat bereits die Festnahme sämtlicher Sowjetrussen verfügt, die sich in Bulgarien gegenwärtig aufhalten.
Tritt Steine in den Weg rollen werden. Schon jetzt konstruiert man die schärfsten Kontraste und Gegensätze zwischen den drei Männern und bezweifelt, ob ihnen die beiden Herkulesarbeiten der S a n i e r u ng des Landes und der Siche- rung der Ostgrenzen gelingen werden. Jedenfalls hat sich die französische Krise nach der Neubildung der Regierung eher noch verschärft als gemildert. Die Berliner Rechts - blätter betonen, Deutschlands Haltung könne einstweilen nur abwartend sein; an ihren Taten würden wir den Geist der neuen Pariser Regierung erkennen und nach ihnen uns richten. Ueber Deutschlands Außenpolitik könne die Pariser Regierung kaum in Zweibel fein: Tawes- gutachten. Sicherheitsangebot bilden ihre Grundlagen. Die übrigen Blätter sind darauf abge- itimtnt, daß die Teilnahme Briands am neuen Kabinett darauf schließen lasse, daß ein grundsätzlicher Kurswechsel in der auswärtigen Politik im Sinne der Poincarö und Millerand gegenwärtig nicht in Frage komme. Briand bedeute eine Mittelstellung zwischen der außenpolitischen Richtung Herriot und jener der Rechten und damit für Deutschland eine ernste War. nung. Das Zentrumsblatt weist darauf hin, daß Eaillaur keiner Fraktion angehöre, aber sowohl den Radikalsozialisten (Herriott wie den wirklichen Sozialisten genehm fein dürfte. Das Kompromis sei deutlich. Die demokratischen Blätter betonen, daß die Person Briands eine entschiedenere Außenvolitik in Aussicht stelle, die sich als Gegengewicht gegen die Polittk Chamberlains bemerkbar machen werde. F. R.
Es bleib- beim Arten.
Pariser Ueberraschungen nur durch Caillaux
(Eigener Drahibericht.)
Rotterdam, 18. April.
Aus Paris wird gemeldet: Bei Painleve war am Frettag Mittag Presseempfang. Die
Außenpolitik ist die gleiche wie unter He l - riot. Caillaux war nicht anwesend. Hinsichtlich des Finanzprogramm sind überraschende Aendenmgrn zu erwarten. Die Kam- mersozialisten stehen zunächst Caillaux feindlich gegenüber, weil dieser nichts von einer Vermögensabgabe wissen will. Außerdem ist ihre Gegnerschaft gegenüber Briand schon längst bekannt. Man will die Regierung nur dann unterstützen. wenn die drei wesentlichsten Punkte des sozialistischen Programms, nämlich die Vermögensabgabe, die Herabsetzung der M i - litardienstzeit n. die sozialistische Gettei- depolittk von der REegierung anerkannt würden.
Es muß etwas geschehen.
Englische Rezepte gegen die Wirtschaftskrise.
(Eigener Drahtbericht.)
London, 18. April.
Einem Korrespondenten zufolge wird eine Minister kommission in der nächsten Kabinettssitzung am fommenöen Mittwoch Vorschläge unterbreiten, die staatliche Beihilfen für die besonders unter der Depression leidenden Jndu strien die Schiffsbau-, Eisen- und Stahlindustrie fordern, um eine Beschästigiing für die Arbeits losen zu ermöglichen und gleichzeitig den Wirkungen der Konkurrenz ans dem Weltmarkt ge- genüberzutreten. Der Bund britischer Industrien hat einen großen Ausschuß zur Prüfung dieser Frage eingesetzt. Sir Alfred Mond, einer der Urheber des Gedankens, die Unterstützungsgelder des Arbeiislofen, fobald er Arbeit findet, zur Bezahlung eines Teiles feines Lohnes zu verwenden, wird Ende des Monats beim Zusammentritt des Parlaments mit dem Arbeitsminister über diesen seinen Plan beraten.
Berliner Residenz.
Die besten Vertrauten des Reichspräsidenten.
Meitzaers Nachfolger. — von Hassel ober Sviecker? — Hausmarschälle uub Zeremouieu- «eifter der Republik. — Kein Zeremoniell in Dentschlanb.—Wo der Reichspräftbeut rcsibicrt.
Im Zusammenhang mit der Reichspräsiocn- tenwahl wird auch schon die Frage des Nachfolgers des Staatssekretärs Meißner erörtert, »er seit 1920 Kabinettschef des Reichspräsidenten und Leiter des Büros des Reichspräsidenten ist. Denn es liegt auf der Hand, daß der neue Reichspräsident einen ihm persönlich und politisch nahestehenden Mann in diese Stellung beruft. Der Staatssekretär beim Reichspräsidenten hat nämlich nicht nur rein aktenmäßige Arbeit zu verrichten, er soll auch das Reichsoberhaupt in allen Fragen der Politik und des gesellschaftlichen Taktes beraten; als fein Vertreter nimmt er an allen 2 itzuugen des Reichskabinetts teil. Dazu kommt die Vorbereitung der vielen abzuhaltenden Empfänge, die Regelung der gesellschaftlichen Verpflichtungen, vor allem aber das dauernde Fühlunghalten mit den Führern aller Parteien. Herr Meißner wird vermutlich nach einem längeren wohlverdienten Urlaub einen Gesandtenposten erhalten, und ein _neuer Mann wird die Leitung des reichspräsidentlichen Kabinetts übernehmen. Man glaubt, daß in dies Amt im Falle der Wahl des Generalfeldmarschalls von Hindenburg der jetzige Generalkonsul in Barcelona, von Soffen, der Schwiegersohn des Großadmirals von Tirpitz, im Falle der Wahl des Reichskanzlers Marx sein früherer Reichspressechef Ministerialdirektor z. D. S p i c cf c r berufen wird.
Herr von Hassell, der dreiunovierzig Jahre alt ist, gehört dem Auswärtigen Amt schon feit 1909 an. Im Kriege schwer verwundet, war er in den Jahren 1116 -1919 bcüi'vbi unk m meftiZeil Vie bandes der preußischen Landkreise. Er ist daher in den Fragen der auswärtiaen und inneren Politik gleich versiert. Einige Jahre jünger ist Herr S p i e ck e r, der vor seiner Berufung in den Reichsdienst Journalist war, zuletzt Chefredakteur des Berliner Zentrumsblatts. Der großen Oeffentlichkeit wurde er erst im August 1923 bekannt, als er durch verschiedene in diesem Blatt erschienene Artikel den ersten Anstoß um Sturz des Kabinetts Cuno gab. Der Stab des Reichspräsidenten ist verhältnismäßig klein, kleiner jedenfalls als die Umgebung des Präs,Deuten der französischen Republik und des Staatsoberhauptes der Vereinigten Staaten. Dem ersteren schreibt bekanntlich ein nicht allzu unbequemes, aber doch strenges Zeremoniell vor, war er zu tun hat. Ter Cerberus dieser Zeremoniells ist der sogenannte Ches du Protocoke, oder, wie er abgekürzt genannt wirs, Ches du Proto". Er hat Gesandtenrang und ist gleichzeitig Einsührer des diplomatischen Korps, Oberzeremonienmeister und, da ihm die Führung des präsideutlichen Haushalts oblicat, H a n s m a r s ch a l l. Reben ihm fungieren cm Generalsekretär und ein Kabinettsdirektor, die Wenfalls Gesandtenrang haben, sowie oer Ches des Militär stabes, dem die Adjutanten des Präsidenten unterstehen, gewöhnlich ein Divinous- general Einen Stab von der gleichen Größe, nur mit anbdren Amtsbezeichnungen, hat der amerikanische'Präsident. Auch wird ihm eine Reihe von Armee- und Marineoffizieren als Flügeladjutanten beigegeben, so daß er bei osfi- "ietten Gelegenheiten nie ohne militärische Be- leitung erscheint.
In der jungen deutschen Republik hat man es bis jetzt ängstlich vermieden, in amtlichen -iltmgen das Wort Zeremoniell zu gebiau- chen. Ter erste deutsche Reichspräsident ging mit verständlicher Scheu um diesen Begriff herum, der so stark an Hof und altes Regime erinnerte. So gab es denn keinerlei Vorschriften für den jährlich am Neujahrstage ftattfin- denden Empfang des diplomatischen Korps, keinerlei Regeln über das Auftreten des Reichs- räsidenten bei festlichen Gelegenheiten, und nur eins war feit ungefähr drei Jahren feststehender Brauch geworden, daß jede Versammlung beim Erscheinen des Reichsoberhauptes i u f stand. Tas geschah in der ersten Zeit der Aeichsprasidcntschaf! nicht, und niemand wird een peinsich-n Eindruck vergessen, als bei der -sien großen Verfaffungsseier am 11. August 921, in der Staatsoper Zerr Ebert die kleine
Here kaiserlich- Loge beFtt und den Anwesen, cn eine Verbeugung machte, ohne daß diese sich rboben. 'lud doch braucht die deutsche Repu- lik, wie jedes große Gemeinwesen, ganz gleich, 'Ache Verfassung es bot. -in Zeremoniell, das vfhicKe Veranstaltungen zur Ehrung der •Jütbe und des Awehens unseres -neiwes in :'r[i(fe Formen bringt.
We geschaffen für eine einfache und doch würdige Revräsentation ist das Palais des R e i cks v r ä s i d e n t e n in der Wilhelmstraße Nr. 73 mit den beiden Flügeln, die einen Ehreu- hos nach der Wilhelmstraße bilden und dem