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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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SllltlUilCt 90 > Etnzelnummei 10 Pf, Sonntags 15 Ps.

Sonnabend, 18. April 1925.

Einzelnummer 1« Ps, Sonntag» 18 Ps. 15. ZahrgSNg

Das neue Kabinett Vainlev^Vrianb-Laillaux.

Zn Rußlands Armen.

Zwischenspiele der europäischen Polittk.

Von Dr. Paul Rohrbach.

Der amerikanische Senator Bor ah hat sich kürzlich Coolidge gegenüber bflbtn geäußert, daß Rußland denSchlüffe! zur Weltabrüstung* in der Hand halte; Großbritannien aber, das sich jetzt aus den Fesseln der französischen Politik löse, in die es zur Zeit Clemenceaus und Potn- carös geschlagen war, mache jetztden kühnen Versuch, zu verhindern, daß Deutschland endgül- tig in Rußlands Arme gleite*. Borah will da­mit sagen, daß Rußland, so lange es teilweise noch außerhalb der übrigen Staaten- und Völ­kergemeinschaft steht, immer versucht sein wird, Attentate auf diese Gemeinschaft zu machen; wenn es aber in sie ausgenommen würde, so werde eS dadurch entradikalisiert und gebän­digt werden.

Das eigentlich Interessante an Borahs Auf­fassung ist aber seine Betrachtung deS Ver­hältnisses von England, Deutsch­land und Rußland. Es ist darum inte­ressant, weil Borah immerhin etwas bessere Vor­stellungen von Europa hat als der amerikanische DurchschnittSpolitiker; weil er nächst dem Präsi­denten und dem Staatssekretär die wichtigste Persönlichkeit für die auswärtige Politik der Vereinigten Staaten ist, und weil in seinen Ideen unzweifelhaft auch Erwägungen der eng­lischen Politik sich wiederspiegeln. Zn dem Be­richt über das Gespräch des Senators mit dem Präsidenten heißt eS wörtlich,England nehme jetzt die I n i t i a t i v e auf, um zu Ver­bindern, daß Deutschland sich endgültig nach Osten orientiere*. Der AusdruckInitiative* bezieht sich auf die in AmerUa vielfach gehegte Annahme, der deutsche Schritt, den Garan­tie Pakt im Westen unter Verzicht auf Elsaß- Lothrtngen und Eupen-Melmedy anzubieten, sei diesmal nicht ein deutscher Gedanke gewesen, sondern aus einer Anregung des englischen Bot­schafters entsprungen. Als das eigentliche Ziel Englands «sieht Borah dabei die Abziehung der deutschen Politik von Rußland an. Ganz ähn­lich scheint die Sowjetregierung $« denken, bei der eine starke Erregung sowohl über das deut­sche Anerbieten in der Westfrage, als auch (und zwar noch mehr) über den bevorstehenden Ein­tritt Deutschlands in den Völkerbund herrscht. Die Russen gehen so weit, daß sie uns erklären: Ihr könnt in den Völkerbund eintreten oder ihr könnt in guten Beziehungen mit uns sein, aber ihr könnt nicht beides zugleichl

Daß die Mitteilung dieses Standpunks im übrigen von der gewöhnlichen Methode russischen Bluffs, wirtschaftlichen und politischen Drohun­gen begleitet ist, versteht sich von selbst; daß es Leute bei uns gibt, die diese Dinge noch erüst nehmen, ebenso. Geschäftsleute sind allerdings kaum noch dabei, denn die geschäftlichen Beziehungen zu Rußland, auf die vor und nach Rapallo die bekannten großen Hoffnungen gesetzt wurden, sind jetzt so tot, wie es seiner­zeit damals vergeblich den Hoffenden vorausgesagt wurde. Indes wie dem auch sei, die Sowjetregierung möchte Deutschland bei der russischen Stange halten, und England schätzt nach der Meinung eines so hervorragenden Po­litikers wie Borah die Haltung Deutschlands , so ein, daß es durch eine Fortdauer des unerträg­lichen Zustandes im Westen zu. einem p o s i t i. venBündnismit Rußland gedrängt werden könnte. Wahrscheinlich würde auch Senator Bo­rah nicht so leicht auf die Frage antworten kön- neu, welches die Bedingungen eines solchen Bündnisses sein sollten, und welche bestimmten Hofsnungen füre Deutschland sich daraus erge­ben sollten. Das was die Franzosen behaupten, Deutschland baue für sich und für Rußland eine Kriegsrüstung auf russischem Boden auf, ist für vernünftige Leute nicht diskutabel. Wer sollte denn diese Rüstung, schwere Artillerie, Flugzeu­ge, Tanks usw. bezahlen? Die Sowjetregierung steckt derart in Geldnot, daß sie nicht einmal den Junkers-Flugzeugwerken in Moskau, die sie dorthin berufen hat, auch nur ein Viertel des geschlossenen Kontrakts halten kann.

Der von Borah aufgestellte Gedanke, daß in der gegenwärtigen Politik Englands unter an­derem auch ein Bestreben steckt, Deutschland von Rußland zu trennen, ist aber trotzdem richtig. England steht die russische Gefahr vor allem im Abkommen mit Japan und im indischen Bolschewismus. Auch die merkwürdige Leninver- ehrung unter der jungen Generation in C H i n a ist nur ein Ausdruck für den Protest des chinesi­schen Geistes gegen die Ausbeutung durch die fremden Mächte. England bat seine Antwort 'n Indien aus die russisch-japanische Verständigung dadurch gegeben, daß es jetzt eben, beinahe plötzlich, der indischen Forderung nach selbft-

verwaltung ein großes Stück entgegengekommen ist. Wenn es eine antibolschewistische Front aus­richten und Deutschland in diese miteinbeziehen will, so ist sein Zweck der, den Sowjetismus durch Isolierung weiter zu schwächen und die immer deutlicher aufzuckende innere Krisis in der Sowjetunion zu befördern. Wir unserer­seits haben ebensowenig Grund, die englischen wie die russischen Interessen zu fördern. Für uns handelt es sich auf der einen Seite darum, was England, wenn wir seine östlichen Inter- effen fördern sollen, dafür leisten will und kann, und auf der andern, welche positiven Wer­te für uns sich aus einem näheren Verhältnis zu Rußland ergeben könnten . Da aber kann die Antwort nur lauten: Rußland hat uns nen­nenswertes weder zu geben noch zu nehmen, und England hat bisher auch keine Probe davon ge­liefert, daß es imstande ist, Frankreich in den Westfragen zur Nachgiebigkeit zu bringen. Un­ter diesen Umständen ist es für unS die einzige empfehlenswerte Politik, niemandem einen Zweifel darüber zu lassen, daß keine weiteren Verzichtunterschriften von uns zu haben sind.

Sie sind ernannt.

Das Kabinett PainleveBriandEaillaux.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 17. April.

Das neue französische Kabinett ist von Pain- leve wie folgt gebildet worden: Ministerpräst- dentschaft und Kriegsministerium: Painlevs, Justiz: Senator Steeg, Genertttgouverneur von Algier, Auswärtiges: Br»and, Fi­nanzen: Caillaux, Unterricht: Sena­tor de Monzie, Oessentliche Arbeiten: Laval, Inneres: Senator Schrameck iTcm.), Handel: Senator C h a u m e t (Dem.), Landwirtschaft: Senator Jean Dur ad (Dem.), Kolonien: Andrs Hefse, Ar­beit: Durafour, Pensionen: Ante- riou, Marine: Emile Borel. Be­freite Gebiete entweder Abg. Schmidt oder Abg. Deyris, Luftschifsahrt: «bg E»nap, Handelsmarine Abg. Daniel»

*

Finanzminister Eaillaux.

Paris, 12. April. (Psrivaltrlegramm.) Die radikal-sozialistische Presse hat dem neuen Finanzminister Caillaux ihr Ver­trauen ausgesprochen Caillaux selbst erklärte, feine Grundsätze seien Spar^Mtkeit und ein de-

Ahne Deutschland kein Europa.

Stressmann über Weltwirtschaft «nd Wettpolitik.

Der verewigte Weltkrieg. / Dauerkrise in Europa. / Riesenaufgab«« der deutsche« Industrie.

Der Hande! wieder flott. / Was Europa droht. / DaS Ausland darf beruhigt fein.

Hamburg, 17. April.

Im Ueberseeklub entwickelte Reichsaußenmi- nister Dr. Stresemann folgendes Programm: Die Politik sei zu keiner Zeit mehr von Wirt­schaftsfragen beeinflußt gewesen als in der Ge­genwart. Im Versailler Vertrag habe man ver­sucht Deutschland wirtschaftlich so weit wie mög­lich unschädlich zu machen. Deutschlands Lage sei jetzt aber die, daß es heute noch viel enger mit dem Ausland wirtschaftlich verflochten sei als früher. Während die Bereinigten Staaten zum Weltgläubiger und Weltbankier geworden seien, fei in Europa, anstatt die Kräfte zum ge­meinsamen Wiederaufbau zusammenzufassen, der Kriess mit anderen Mitteln fortgesetzt worden. Ter Erfolg sei die

Zertrümmerung fast aller europäischer Währungen

gewesen, waS wiederum eine Dauerkrise auSge- löft habe, die nun schon seit Jahren auf Europa und der Weltwirtschaft laste. Die deutsche Pro­duktion stehe vor der schwierigen Aufgabe, trotz des Verlustes der wichtigsten Rohstosfgebiete die höchsten Ueberschüsse zu erzielen. Deutschlands einziges wirkliches Machtinstrument fei jetzt feine Konsumkraft. Die Erkenntnis, daß durch die Armut DeutMandS die anderen Länder nicht reicher geworden seien habe das Bestreb:» £> zeitigt: Zusammenarbeit mit der Konkurrenz. Deutschland habe am 10. Januar seine handels­politische HandlungSfteiheit zurückgewonnen und werde seine Handelsvertragsverhandlungen un­ter Festhalten am MeiMegünftigungsprinzip führen. Unmöglich sei es, den deutschen Markt durch Hochschutzzölle abzuschließen. Die Ver­armung des deutschen Volkes gewährt für den Absatz der deutschen Produkte auf dem inneren Markt nicht genügend Raum. Zudem sei die Lösung der Reparationsfrage ohne Steigerung des Exports unmöglich. Gegenüber der Balka­nisierung Europas ergebe sich die Frage der Ver­größerung einheitlicher Wirtschaftsgebiete. Zoll­

unionen habe Deutschland nach seiner persön­lichen Meinung weniger zu fürchttn als die Ab­schließung Europas in enge WirtschaftSgebiete. Die Richtlinien der deutschen Außenpolitik können nur sein: Sicherung der Grenzen des Reiches

freie Entwicklung im Innern «nd Siche- rung des Friedens

zur Konsolidierung der deutschen Verhältnisse. Auch können sich die wirftchicktliche und politische Entwicklung, die man erhofft, nur auf der Grundlage der heutigen Staatsform vollziehen. Das Ausland kann darauf vertrauen, daß sich unbeschadet nm den Streit der Parteien die deutschen Verhältnisse gesund «nd in vernünf­tigen Bahnen entwickeln werden.

Sn den Lüsten voran.

Luftkünig Eckener i« Mailand umjubelt.

(Eigene Drahtmeldung.)

Mailand, 17. April.

Im Rahmen deS Deutsche« Tage- der Mai- linder Messe sprach gestern abend Dr. E ck e n e r über Fernluftfchiffahrt. Die Veranstaltung, an der die Spitzen der italienischen Behörden, Po­litiker und Militärs teilnahmea, gestaltete sich zu einem großen Erfolg. Der Saal war über­füllt, obgleich mehr als siebentausend Anträge auf Zuteilung von Karten abgewiesen wor­den waren. Dr. Eckener schilderte die Fahrt des Z. R. 3 nach Amerika und die Zukunft der Fern- luftschiffahrt in Italien. Zum Schluß betonte Dr. Eckener die völkerverbindenden Aufgaben und Ziele der Lustschiffahrt. Der Vortragende wurde häufig durch spontane Beifallsäußerungen unterbrochen und erntete zum Schluß begeisterten Beifall. Alsdann führte Reichskommissar Dr. S ch w a r z deutsche Jndustriesilme vor, die Jntereffe fanden.

mokratischcS Steuersystem. Auf der Rechten kommt der Mderstand gegen den neuen Finanz- mann scharf zum Ausdruck. P o i n c a r s be­zeichnete die Rückkehr Caillaux als das Wieder­aufleben der Zersetzung Frankreichs.

Für drei Wochen verschoben.

Fochbericht und Sicherheitspakt.

iEigener Informationsdienst.)

Berlin, 17. April.

Aus Paris wird gemeldet, daß der B c r i ch t Fachs, soweit bekannt sei, keinerlei sensatio­nelle Beschuldigungen gegen Deutschland ent­halte. Wir wir hören, sind die diplomatischen Unterhandlungen über die Sicherheitsfra- g e seit mehr als drei Wochen vollständig unter­brochen. Der Wahlkampf um die Reichspräst- dentschast hat die alliierten Regierungen veran­laßt, Deutschland seinen eigenen inneren Ange­legenheiten zu überlassen. Hinzu kommt noch, daß die von deutschnationaler Seite gegen die Polittk Dr. Stresemanns erhobenen Beden­ken auch die Notwendigkeit ergeben haben, die Haltung des Reichskabinetts mit den hinter der Regierung stehenden Parteien zu vereinen.

Thälmann als Kandidat.

Die drei Rivalen für den 26. April.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 17. April. Zur zweiten Reichspräsi­dentenwahl sind bis Ablauf der Einreichungs­frist drei Kandidaten nominiert worden und zwar 1. Paul von Hindenburg, Gencral- feldmarschall, 2. Wilhelm Marr, Reichskanzler a. D 3. Ernst Thaelmann, Transportarbei­ter. Der Reichswahlleiter hat diese drei Kan­didaten zugelassen. Die Anwärter werden in ihrer Reihenfolge auf dem amtlichen Stimmzet­tel erscheinen. Wie bei dem ersten Wahlgang enthält der amtliche Stimmzettel außerdem ein freies Feld zur Einzeichnung eventueller anderer Kandidaten.

*

Hindenburg funkt am Freitag vor der Wahl

Berlin, 17. April. (Privattelegrmnm.) Nach­dem der Rundfunk für die Prästdentschaflskandi- daten im zweiten Wahlgang freigegeben ist, wird Generalfeldmarschall von Hindenburg am Frei­tag vor der Wahl abends eine Rede, die über sämtliche deutschen Sender verbreitet wird, halte«.

Heimisches Handwerk.

Die Handwerkskammer im Winterhalbjahr.

Der über die Tätigkeit der Handwerkskammer in der Zeit t»m 6. November 1924 bis 31. März 1925, der der heutigen Sitzung der Handwerks­kammer vorliegt, die der Jubiläumsfeier vor. ausgeht, läßt in gedrängter Kürze ein Bild um­fassender Wirksamkeit erstehen. Seit der letzten Vollversammlung im November 1924 war die Kammer wiederum eifrigst bemüht, den Inter­essen des Gesamthandwerks zu dienen und die umfangreiche und vielseitige Arbeit zu bewälti­gen. Auch jetzt kann leider eine Besserung in den wirtschaftlichen Verhältnissen des Hanv- werks nicht festgestellt werden. Die allenthalben fehlenden Betriebsmittel verhindern oft die Uebernahme von Aufträgen, unliebsame Erschei, nungen, die an und für sich mit der Gesamt- Wirtschaftslage zusammenhängen. Die Bestre. bungen, die dazu dienen, dem Baugewerbe als Schlüsselgewerbe Aufträge zu ver­schaffen, werden in jeder Weise gepflegt, weil sich bet Aufträgen im Baugewerbe dann folgerichtig auch bei einem großen Teil der übrigen Hand- werkszweige Beschäftigung einstellen wird. Die Kreditbeschaffung, die augenblicklich zu den brennenden Fragen gehött, ist ja bereits in Baden und Bayern in ein Anfangsstadium ge­treten und auch daS Reich hat nun dreißig Mil­lionen Mark für Kredttzweck zur Verfügung ge- stellt. Die ReichShandwerksordnuag ist immer noch nicht unter Dach und Fach ge­bracht worden. AuS den bekannten öffentlichen Vorgängen, die mit der Kreditpolitik der öffent­lichen Kassen zusammenhängen, erhellt auch in dieser Beziehung zur Genüge, tot; notwendig der

Zusammenschluß bis auf den letzten Handwerker ist, damit endlich dem Handwerk der Einfluß zu­kommt, der ihm vermöge feiner Zahl auch zusie- hen mutz. Daß die Steuerlasten immer noch sehr auf die Handwerksbettiebe drücken, ist eine fest­stehende Tatsache, die nicht weiter erörtert zu werden braucht. Was geschehen konnte, ist getan worden, um endlich das ordnungsmäßige Ver­anlagungsverfahren aufgrund des Ertrages wie­der einzufübren, damit die Leistungsfähigkeit in steuerlicher Hinsicht getroffen wird. Die Be­schlüsse der letzten Vollversammlung sind sämt­lich ausgeführt worden. Mit der Festsetzung der Höchstzahl der Lehrlinge im Schlosser-, Jnstalla- tions- und Mechanikerhandwerk hat sich der Mi­nister für Handel und Gewerbe einverstanden er­klärt. Ebenso hat der Minister die Dauer der Lehrzeit im Uhrmacherhandwerk auf vier Jahre genehmigt. Ferner ist genehmigt worden die vom Zentralverband der deutschen Uhrmacher in Halle aufgestellte Gesellen- und Meisterprü­fungsordnung und die vom Bezirksverband der Schuhmacherinnungen für Kurhessen und Wal­deck beantragte Höchstzahl von Lehrlingen. Auch hat sich der Minister noch mit der Abänderung der Meisterprüfungsordnung A und B einver­standen erklärt. Den freien Innungen der Schreiner für den Kreis Schlüchtern und für den Kreis Escbwege ist vom Herrn Regierungs­präsidenten Uniterm 28. Januar 1925 das Ge- fellenprüsungsvecht verliehen worden. Die Lot­terie für den

Bau eines Handwerkskammerhauses ist im Gange. Der Absatz der Lose dürfte noch besser vonstatten gehen, wenn die rund vierhun­dert zählenden Organisationen sich mit aller Fe­stigkeit für die gemeinsame Sache einsetzen wür­den. Der Andrang von Lehrlingen und Lehrmädchen zum Handwerk besteht fort. Das dürfte einerseits dadurch hervorgerufen werden, daß die Industrie teilweise schwächer beschäftigt ist, andererseits dürfte sich aber auch bei Eltern von Lehrlingen die Erkenntnis durchgerungcn haben, daß die Handwerkslehre vorzuziehen sei. Lehrlinge und Lehrmädchen mit höherer Schul­bildung oder höherem Alter haben in 62 Fällen Gesuche um Befreiung von der Einhaltung der üblichen Lehrzeit eingereicht. Wegen unbefug­ter Ausbildung von Lehrlingen oder Lehrmäd­chen mußten wieder eine Anzahl Hanwerker und Handwerkerinnen bestraft werden. Von den Fachausschüssen im Baugewerbe, die zur Rege­lung des Lehrlingswesens im Baugewerbe ge­plant waren, wurde abgesehen. Zur Förderung des Lehrlingswesens soll die Begutachtung von Anträgen mit Erteilung der Erlaubnis zum An­leiten von Lehrlingen weitgehendst berücksichtigt werden. Bezüglich der Vergüttmgen an Lehrlinae und Lehrmädchen im Handwerk be­müht' sich die Kammer unausgesetzt, den geneh­migten Richtlinien Geltuna zu verschaffen. Was die sogenannte Meisterlehre

betrifft, so hat sich der Vorstand in einer Ruck- äußeruug an den Minister für Handel und Ge­werbe auf den Standpuntt getzellt, daß ein grö-