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Nummer 87. Einzelnummer 10Pf Sonntags 15 Pf.

Mittwoch, 15. April 1925.

Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf. 15. ZahkgUUg

Ausbliike aus Frankreichs kommendes Kabinett.

Briand noch Herriot?

Der Stand der französischen Regierungskrise.

Der Rücktritt der französischen Regierung Herriot ist das Anzeichen einer neuen Wen­dung der außenpolitischen Lage, die zweifellos nach der deutschen Präsidentenwahl in ein ent­scheidendes Stadium eingetrettn wäre, wenn nicht jetzt in Frankreich ein mit all seinen Kom­plikationen verbundener Regierungswechsel be­vorstände. Man ift in Deutschland bisher immer gewillt gewesen, den französischen Ministerprä­sidenten als den Exponnenten einer Politik zu betrmfitcn, die die Herbeiführung einer Enr- spannung zwischen Deutschland und Frank­reich ailstrebt. Die Aera Herriots hat zwar nicht zu einer Lösung der Probleme geführt, aber Ne hat auch auf das sorgfältigste vermieden, neue Sanktionen oder Gewaltmethoden gegenüber Deutschland anzuwenden. Sollte dieser Kurs ge­ändert werden, so würde man in Deutschland allen Grund haben, der Entwicklung der Dinge mit starken Besorgnissen entgegenzusehen. Die Erwartungen in Berliner politischen Kreisen, die sich an ein gemäßigtes Reichskabinett Bri- and knüpften, haben sich nach den heutigen Morgenmeldungen infofern bestätigt, daß tat­sächlich Painlevs am ersten Osterfeiertag den ihm angebotenen Auftrag zur Kabinetts­bildung mit der Begründung abgelehnt hat, daß er sich in den Kämpfen der letzten Zeit poli­tisch zu lehr exponiert und festgelegt habe. Der Rus ist dann an Briand ergangen, der zur Heil die Möglichkeiten einer Kabinettsbildung prüft.

Der Sturz Herriots muß vor allem insofern Deutschland einen unangenehmen Eindruck her- rrrufen, als gerade in den letzten Wochen die Möglichkeit eines Einlenkens Frank­reichs in der Sicherheitsfrage bestanden hat. Die Rückwirkungen der französischen Re­gierungskrise werden sich zunächst darin bemerk­bar machen, daß die Erörterung der Sicher- Helts- und Der Räumungsfrage gänz­lich zum Stillstand kommen wird. Schon feit dem offenen Ausbruch der Kttse zeigte sich, daß Frankreich bei dem gegenwärtigen Stand der Tinge garnicht in der Lage war, die außen­politischen Verhandlungen fortzusetzen, zumal die Aufmerksamkeit der französischen politi­schen Kreise völlig von der Innenpolitik in An­spruch genommen wurde. Es wird voraussicht­lich länger als einen Monat dauern, ehe Frank­reich Wieder über eine verhandlungs« fähige Regierung verfügt und bis dahin kenn sich die autzenpolittsche Lage noch ernster gestatten als sie ohnehin jetzt schon ist. Auf jeden Fall eröffnet sich jetzt ein für Deutschland sehr ungünstiges Stadium, indem die Lösung der sehr wichtigen Probleme hinausgezögett und verschleppt wird, sodaß auch die Räumung der nördlichen Rheinlandzone erneut völlig in der Luft schwebt.

Die weitere Entwicklung der französischen Polirik hängt jetzt davon ab, ob es dem Links- k a r t e l l gelingen wird, die Regierungsbil­dung wieder in die Hand zu nehmen. Der Her- riotblock. dessen Sturz über das Finanzpro­blem wir feit mehreren Tagen angekündigt hat­ten, war ungefähr mit unsererGroßen Koa­lition" zu vergleichen. Die stärkste Partei darin bildeten die Sozialisten mit ihren 105 Stimmen, und auf dem rechten Flügel stand die industrielle Gruppe um Herrn L o u ch e u r. Mit dieser zu­sammengewürfelten Mannschaft das Schiss durch die Klippen hindurch zu lawieren, war gewiß kein leichtes Stück. Herriot suchte die rechte Flü­gelgruppe und die Opposition durch eine na­tionalistische Haltung zu besänftigen, die in seiner berühmten Räumungsrede bis dicht an den Standpunkt Poincares heranging. Je länger Herriot regierte, um so deutlicher mußten wir leider sehen, daß mit ihm sich nur die Methoden, nicht aber die Ziele der französischen Politik geändett haben. Seit­dem er im Senat in einer viel gerühmten Rede den Satz ausgesprochen hat, daß die Rhein- grenze das einzige und letzte Ziel jeder fran­zösischen Politik gewesen sei und sein werde, sind auch Diejenigen bei uns nüchtern geworden, die seinerzeit bei seinem Regierungsantritt eine Weltenwende verkünden zu können glaubten. Wir können es Herriot nie vergessen, daß auf sein Betreiben am 10. Januar Köln von der fremden Besatzung nicht geräumt wor­den ist. Und auch beute noch müssen wir ieststel- len, daß der Verständigungswille Deutschlands, der zuletzt in den deutschen Garantievorschlägen zum Ausdruck gekommen ift bei Herriot sehr wenig Verftändnis gefunden hat.

Herriot war zweifellos ein Idealist und ein anständiger Charakter, aber er besitzt nicht die Festigkeit und Zähigkeit und nicht den Willen zu. Intrige wie seine großen Gegner. Dadurch, daß in England jein Gesinnungsgenosse Mac- donald gestürzt wurde, ist auch er stark er­

schüttert worden. Frankreich kann sich wohl noch eine Weile durchkompromisseln, aber dann wird die Entscheidung getroffen werden müssen, ob eS den Weg der Friedenspolitik oder den des Imperialismus gehen will.

Das Jawort von links.

Briand in Erwartung. .. Neue Kombinationen. (Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 14. Llpril.

lieber die Regierungskrise wird berichtet: Der Vorschlag des Finanzministers de Monzie, ein provisorisches Kabinett zu bilden, um die Frage der Erhöhung des Notenumlaufs zu regeln, kann als erledigt betrachtet werden. Es fragt sich nun, ob Briand» worüber er sich bis jetzt noch nicht ausgesprochen hat, die sozialistische Beteiligung an seinem Kabinett für unerläßlich halt. Bejahendenfalls würde er wohl auf die Kabinettsbildung verzichten, da ihm diese nicht gewährt wird. Anders verhalt es sich mit der Frage der Unterftützungspolitik der Sozialisten. Wird diese einem Kabinett Briand gewahrt werden? Auch darüber wird heute Der Natio­nalrat der Partei Auskunft geben, sodaß man wohl, behaupten kann, daß alle Kombinationen vor heute spät abends, vielleicht sogar vor mor­gen vormittag verfrüht erscheinen. Wenn Briand tatsächlich verzichtet, dann würde Präsident Doumergue nochmals versuchen P a i n l c v ö zur Bildung des Kabinetts zu bringen, und wenn dieser stch weigert, dann bleibt wahrschein­lich nichts anderes übrig als dem jetzigen Justiz­minister Renns Renault die Bildung des neuen Kabinetts zu übertragen. In dieser Kombina­tion würde jedenfalls Briand das Portefeuille für auswärtige Angelegenheiten übernehmen. In gewissen politischen Kreisen wird sogar ange­nommen, daß Herriot dieses Ministerium über­nehmen würde, während Briand das Justizmi­nisterium anvertraut werden könne.

Halb zog man ihn...

Painlev^s Verzicht... Briand verhandelt.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 14. April.

In einer Besprechung mit PainlevS bestand Briand darauf, daß Painlev^ die Regie­rungsbildung übernehmen solle, da dieser nach Lage der Dinge aus die Unterstützung der Sozialisten rechnen könne. Briand gab gleichzeitig PainlevH die Versicherung, daß er auf seine volle Unterstützung rechnen könne. Painlev^ blieb jedoch aus seinem ablehnenden Standpunkt. Echo de Paris glaubt, daß Briand ohne die Sozialisten die Regierungsbildung nicht durchführen werde. Die Morgenblätter betonen, daß die finanzielle und wirtschaftliche Lage rasche Entschlüsse erfordere. Briand ver­handelte gestern zunächst mit dem Senatspräsi­denten de Soldes und hieraus mit dem Fi­nanzberichterstatter. Alsdann besprach sich Briand mit den im Senatsgebäude anwesenden Mitgliedern des Finanzausschusses. Briand wird heute abend dem Präsidenten der Republik Doumergue über die Ergebnisse berichten.

Wie das Barometer fällt.

Besorgnisse um Frankreich in Amerika.

(Eigener Drahtbericht.)

London, 14. April.

Aus Washington wird berichtet: Wenn auch der Rückttitt der Regierung Herriot keine birette Rückwirkung aus die amerikanische Poli­tik habe, werde er doch bedauert, weil nach amt­licher Auffassung die Verhandlungen über die Schulden hierdurch weiter verzö­gert werden dürften, die sofortige Erörterung des Planes einer Abrüstungskonferenz verhindert und die Zukunft der französisch, deutschen Beziehungen vielleicht noch unsiche­rer gemacht werden. Besondere Besorgnis er­wecke die Enthüllung der französischen Finanz- läge und der Gedanke einer Lösung durch die Kapitalabgabe. Dadurch sei das Vertrauen des Auslandes aufs schwerste erschüttert worden.

Briand als Lückenbüßer.

Gegen de Monzies provisorisches Ministerium. (Eigener Drahtbericht.)

Paris, 14. April.

Briand verhandelte gestern mit dem ehema­ligen Finanzminister de Monzie, der ihm den Vorschlag machte, zur Regelung des Notenum­laufs sofort ein provisorisches Kabinett zu bilden, dessen Aufgabe einzig und allein dar­in bestehen soll, das Gesetz betreffend die Er­höhung des Notenumlaufs von Kam­mer und Senat annehmen zu lassen. Nachdem

dies geschehen ist, solle daS provisorische Kabi­nett sofort wieder demissionieren. Briand wird diesen Vorschlag heute mit den Sachverständigen beraten. Der Abg. Vincent Auriel hat sich be­reits dahin ausgesprochen, daß ohne längere Be­ratung der Gesetzentwurf nicht angenommen werden würde. Der Abg. L o u ch e u r ließ durchblicken, er sehe die Notwendigkeit nicht ein, ein derartiges Gesetz schon vor dem 15. April zu verabschieden. Das Land kenne jetzt die Lage. Die Bank von Frankreich habe bis jetzt gewartet und werde auch noch einige Tage weiter warten, bis das neue Ministerium gebildet sei. Briand selbst hat nach seinen Unterredungen mit de Monzie und dem Gouvreneur der Bank von Frankreich den Pressevertretern gegenüber ge­äußert: Bis jetzt ist nicht ein einziges Porte­feuille vergeben worden. Was die Bildung des provisorischen Kabinetts betreffe, das ausschließlich den Auftrag habe, das Gesetz über Die Erhöhung des Notenumlaufs um vier Mil­liarden Franken zu verabschieden, so sei nach seiner Ansicht dieses nur schwer durchführbar.

Keiner gefällt ihnen.

Die Pariser Presse gegen Dkarx und Hindenburg. (Eigener Drahtbericht.)

Paris, 14. April.

Zum Wahlaufruf Hindenburgs bemerkt ein Blatt, dieser bemühe sich, Befürchtungen der re- publikanischen Wähler zu beseitigen, um L iu ks- stimmen zu gewinnen. Marx dagegen erkläre sich als Anhänger der großen deutschen Einigkeit unter der Fahne schwarz-rot-gold, versuche also Nechtsstimmen zu gewinnen. Es sei daher notwetldig, noch einmal zu betonen, daß die deutschen Politiker, wenn sie auch über die Me­thode und das Regime uneinig wären, mit be­zug auf das Ziel nicht voneinander abwichen. Hindenburgs Programm unterscheide sich nicht viel von dem des ehemaligen Reichskanzlers Marx, der die Fahne schwarz-rot-gold als das Sinnbild der großen deuffchen Einigkeit be­trachte. Stresemann habe das letzte Wort noch nicht gesprochen und man habe den Ein­druck, daß er augenblicklich manöveriere, nm die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten auch unter neuen Zeichen beizubehalten könne.

Der Boden wankt.

Bor schweren Erschütterungen in Frankreich. (Eigener Drahtbericht.)

Karlsruhe, 14. April.

AuS Straßburg wird gemeldet: Herriots Sturz hat die Stellung des Senats ungemein gestärkt. Bereits hundert Senatoren haben sich der republikanischen Union angeschlossen, deren Führer Poincarö und Millerand sind. Bei dem Antrag des Senats, Herriot wegen Berfassungsverletzung dem Staatsge­richtshof zu übergeben, wird Millerand die Be­gründung des Antrages übernehmen. Briands Ankündigung im Falle der Dauer seines Ka­binetts die Macht des Senats zu beseitigen, wird wahrscheinlich zu den schwersten in­nerpolitischen Erschütterungen füh­ren. Einige Blätter fordern die Auflösung der Kammer. General Castelnau kommt in einem Artikel zu dem Schluß, daß R e u w a h - l e n veranstaltet werden müssen, sobald die jetzi­ge neue Regierung sich als unfähig erweisen solle, die nationale Einttacht wieder herzustellen. Auch die Aktion Francaise fordert die Auflösung der Kammer und glaubt, daß der Bankerott nur vermieden werden könne, wenn die gegenwärti­ge Krise in allerkürzester Zeit gelöst wird.

Ein ungeduldiger Mahner.

Mussolini über deutsche und europäische Politik. (Privat-Telegramm.)

London, 14. April.

Ein diplomatischer Berichterstatter führt aus: Mussolini sehe in der Kandidatur Hinden­burg ein neues Beispiel für seine Lieblings­theorie, daß die Demokratie infolge ihres Mangels an Energie heutzutage nicht geeignet zur Führung der Staatsgeschäfte sei. Für den Ruck nach rechts wären Die Alliierten infolge ihrer Weigerung oder Jf)reS Zögerns, mit Ber­lin zu einem vernünftigen Abkommen zu gelan­gen selbst verantwortlich. Mussolini soll zeitwei­lig ziemlich ungeduldig gewesen sein über Die Art, in der die Kölner Frage und die Ver­handlungen über die Sicherh it in Vie Länge gezogen wurden. Seiner Ansicht nach hätte über den Bericht der Kontrollkomw.ission und über das Räumungsdatum bereits eine Entschei­dung getroffen werden müssen.

Berliner Salons.

Gesellschaftlicher Verkehr unter Abgeordneten. In glanzvolleren Seiten. 3m politischen «luv. Die grobe» Häuser »en einst. Bei Fran von Obeimb. Vocbcs Bierabende. Wem man in Berlin begegnet. Der hinge Bismarck.

Vor dem Kriege gab eS im gesellschaftlichen Leben der ReichShauptstadt eine ganze Reihe von Häusern, die einen Mittel­punkt für die Mitglieder deS Reichs­tags, des Landtags und des preußischen Herrenhauses bildeten. ES gibt wohl noch heute einige Parlamentarier, die sich ihrer mit wehmütiger Freude erinnern. Da war die schö­ne, von einem großen Garten umgebene, heute längst abgerissene Villa beS nationalliberalen Parteiführers Friedrich Hammacher. Entzückende Gartenfeste vereinten hier häufig Politiker aller Parteien. Der freikonservative Graf DouglaS, derKaligraf", empfing in feinem schönen HauS in der Bendlerstraße, Ludwig Bamberger gab seine berühmten HerrendinerS in seiner Villa in der Margaretenstraße, wo sich Parlamenta­rier u. Hochfinanz trafen. Auch Georg von S t e« m e n 3, der führende Direktor der Deutschen Bank, Schwiegervater von Helsferich, der Dem Reichstag verschiedene Wahlperioden hindurch angehörte, veranstaltete häufig parlamentarische Essen in seiner Wohnung in der Tiergarten- straße. Die beiden großen rheinischen Indu­striellen aber, Freiherr von Stumm-Hal­be r g und Exzellenz Krupp, wohnten in den Wintermonaten im Hotel Bristol bezw. im Kaiserhof und luden dort ihre parlamentarischen Kollegen zu einer Reihe größerer gesellschaft­licher Veranstaltungen ein.

Auch eine Reihe prominenter HerrenhauS- mitglieber machten damals für die Mitglieder der ersten preußischen Kammer und andere Par­teifreunde im Winter ein großes HauS in Berlin. ES war die Zeit, wo noch eine Reihe preußischer Magnaten, die sämtlich erb­liche Herrenhausmitglieder waren, ihr Palais in Berlin hatten. Heute, wo Deutschland verarmt ist, spielt sich daS gesellige Leben der deutschen und preußischen Parlamentarier hauptsächlich in den politischen Klubs ab. Die deutsehnatio- n a l e Partei hat ihrenNationalen Klub" in der Sommerstraße 6 gegenüber dem Reichstag, nicht weit davon in der Roonstraße 3 befindet sich der Demokratische Klub, während die Volkspartei ihren gesellschaftlichen Mittel­punkt imReichSklub" in der Schadowstraße hat. Zentrum und Sozialdemokratie ha­ben keine eigenen Klubs, ihre Abgeordneten steht man daher häufiger in den Räumen des ReichStagSrestaurantS als die anderer Parteien. Kein politischer Klub, wohl aber eine Vereini­gung, der Mitglieder aller Parteien angehören, ist die Deutsche Gesellschaft, Wilhelm- straße 67 gegenüber dem PalaiS deS Reichsprä­sidenten. In ihrem Vorstande sitzen u. a. Die deutschnationalen Herren von Winterfeldt uns Sering, die Volksparteiler Schiffer und Kahl, der frühere Reichskanzler Fehrenbach, der jetzt zur demokratischen Partei gehörende Staats­sekretär a. D. Plugust Müller und der Sozialde­mokrat Minister a. D. Südekum.

Prononeiert politische SalonS gibt eS in Ser- Im eigentlich nur einen, den der Frau von Oheimb, die die Volkspartei von 19201924 im Reichstag vertrat, jetzt über aus ihr aus­getreten ist. Bei ihr trifft man in der Haupt­sache volksparteiliche und demokratische Parla­mentarier. Mitglieder der Rechtsparteien steht man vor allem in den Häusern von Erzellenz von Dirksen und deS VolkSparteilerS von Schwabach. Der demokratische ReichStagSabge- ordnete Exzellenz Dernburg versammelt je­den Sonntag Nachmittag Freunde und Bekannte in seiner schönen Villa im Grünewald. Auch sein Fraktionskollege Dr. Fischer hat ein gro­ßes HauS im Grünewald und lädt dort häufig Parlamentarier zu sich. Dasselbe gilt für den demokratischen Landtagsabgeordneten Justiz- rat Bollert, der eine mit wundervollen Holzskulpturen geschmückt Villa in Der Berli­nerstraße am Charlottenburger Knie hat. Sehr beliebt sind auch Die Bierabende, die der Reichstagspräsident L o e b e jeden Winter ein­mal für feine Reichstagskollegen in feiner schö­nen Dienstwohnung gegenüber dem Reichstag gibt. Hier wird auch geistige Nahrung vorge­setzt. 1923 hielt der ReichSkunstwart Dr. R e D S- l o b einen Vortrag über künstlerische Fragen, 1924 sprach der Reichsbankpräsident Dr. Schacht über daS Problem Der deutschen Währung. Auch der volkSparteiliche Vizepräsident DeS Reichs­tages, Geheimrat Dr. R i e ß e r empfängt häufig in feiner schönen Villa in der Lichtensteinallee und vereint hier als früherer Direktor der Darmstädter Bank Berliner Hochfinanz und Po­litiker verschiedener Richtungen.

Die meisten Reichstagsabgeordneten leben ge-