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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hesstsche Abendzeitung

15. Zahrgavg

Freitag, 10. April 1925

Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf.

Hindenburg-Echo im Ausland

schen Politik auch für Deutschland betrachten und deshalb der Ansicht sind, daß höchst prak-

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Es ist nichts anderes als die Möglichkeit, zu lange im Leide zu

so ernster Zeiten festgest- dem psychologischen Ge zugrunde liegL menschliche Ünmi

wohl aus wirtschaftlichen, wie aus politischen

Gründen, eine direkte i>ea1'x '-----“

Die Vofllik in den Serien.

Berlin, 9. April (Privattelegramm.) Mit Rücksicht aus die außenpolitische Lage hat Reichs­kanzler Dr. Luther mit den Parteiführern die Vereinbarung getroffen, daß der ständige Ueberwachungsausschuß des Reicbsta- ges während der Tagungspause bis zum 29.April in Berlin versammelt bleibt. Auch der Auswär­tige Aussckmß soll sich in Bereitschaft Balten, um gegebenenfalls die angekündigte Mitteilung des Außenministers Stresemann entgegenzunehmen.

verharren. Die uns eingeborene Kreuzesflucht iit es, das uns innewohnende unwiderstehliche Verlangen nach Freude. Was uns un. verständlich war, macht es verständlich. Es gab Zeiten, wo wir vor einem Rätsel standen, wenn wir lasen, daß in der französischen Revolutton die Verurteilten mitten aus Tanz und Spiel zur Guillotine schritten. Andere kamen, wo wir be­griffen, daß so etwas der menschlichen Seele nicht unmöglich war.

Unschuldig kam Simon zu seinem Kreuze. Er hatte nichts verbrochen. Im Gegenteil, wir sind zu der Annahme berechtigt, daß er ein heim­licher Anhänger Jesu war Quälen wir uns heute mit der Frage, wodurch wir das schwere Leid unseres Vaterlandes verschuldet Baben, martern von großer Trübsal Beimgesuchter Men- . schon sich mit dem ewigen Warum — unschuldi­ger und unvermittelter konnte niemand z»m Kreuze kommen als Simon von Kyrene. So will Karfreitag, recht erfaßt, auch diese Fragen lös n. Wer kann wisien. ob wir nicht in diese Welt ge­boren sind, um überwinden zu lernen? Vielleicht liegt gerade hier die Lösung der nie schweigen­den Frage nach Zweck und Sinn de? Lebens. Durch Ueberwindung sollen wir zur Läuterung und zur Kraft gelangen, sollen uns und das Bessere in uns wiederfinden, sollen inner­lich gefestigt und gestählt werden, Es ift eine geschichtliche Tatsache, dost im heißen Wettstreit der Nationen nur die Völker vorwärts kamen, den Gott auch einmal die st r a f e n b e Hand ovfleate. Deshalb wollen wir nicht müde wer­den. zu Barren und zu Bossen.

Es ist wunderbar: Je länger Simon das Kreuz trug, um so geduldiger und stiller wurde er Wie kam das? Er sah aus den, dem er es hatte abnebmen müssen Zuerst mit wrim-n und innerer Empörung. Dann sah er auf diesen Zü­gen, was er noch nie aus einem menschlichen Ant-

In der VMa Hindenburgs.

Hannover beflaggt. — Ein schwerer Entschluß

Berkin wirb nervös.

Mnisterkrise, Arbeitsprogramm und Ferien. (Eigener Drahtbericht.)

tische und rale Fragen vor bezw. gleichzeitig mit diesem Eintritt im deutschen Sinne gelöst sein müssen — sonst hat weder die jetzige diplomatische Aktion noch evtl. Deutschlands Völkerbundsmitgliedschaft einen Zweck. Von Schlagworten in der Außenpolitik sollten wir nun endlich genug haben. Je klarer wir im Besonderen die Notwendigkeit erkannt haben, tn einer Deutschlands Ehre und Zukunft sichernden Form vor allem mit Frankreich zu einer Entspannung und allmählichen Wiederan­näherung zu gelangen, ebenso klar muffen wir uns darüber fein, daß England niemals, so-

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für den deutschen Wiederaufbau schasst, die nur ganz allmählich überwunden werden können, be­steht gegenüber den letzten Absichten der eng­lischen Politik eine lehr viel geringere Klarheit. Der zähe politische Willen bie» Vi pe.gangenu. Gegners hatte vor dem Kriege jene große Kombination antideutscher Kräfte diplomatisch vereinigt, die uns schließlich im Weltkriege durch ihre Uebermacht militärisch zum Verhängnis wurde. Nach dem deutschen Zusammenbruch hatte England fein Kriegsziel scheinbar an allen Fronten erreicht und es versuchte noch unter Lloyd Georges Führung, sangsam und allmählich bie Dinge in Europa Weise zu beeinflußen, bie Englands wgenüber Frankreichs Machenschaft in

Stimme gegenüber Frankreü, . , ...

Europa wieder mehr Beachtung erzwang und seinen Interessen besser entsprach, als die Ver­sailler Regelung von 1919. Das ist bekanntlich bisher nur zu einem geringen Teil gelungen. Immerhin hat England ans einer für fein Pre­

stige scheinbar demütigen Lage während des ge­gen seinen Willen unternommenen Ruhrein- bruchs i.923 heraus diejenigen Fäden zu knüp- fne verstanden, bie dann 1924 mit dem bekann­ten Erfolg zum Wiedereingreisen Amerikas in die europäischen Geschicke und damit zum „11 mschwung" geführt haben.

Deutschlands Lage erschien eine Zeitlang ver­schlechtert, als die Nichträumung der Kölner Zon gleichzeitig mit gewissen weltpolitischen „Kuhhandels-Vereinbarungen" der Londoner und Pariser Regierung es offenkundig machten, daß es für seine dringenden politischen Forde­rungen diesmal auch englischerseits nur auf ge­ringe oder gar keine Unterstützung rechnen konn­te. Man muß sich für einen Augenblick jener nur wenige Monate zurückliegenden Epoche er­innern, wenn man die folgende Stelle auf der jüngsten Unterbausrde Chamberlains nach Uebereichung der deutschen Vorschläge richtig würdigen und einschätzen will: „Letzten Endes liegt in der Hand des britischen Welt­reiches die Entscheidung; wenn dieses will, daß es keinen Krieg mehr geben soll, dann wird es keinen Krieg mehr geben." Das sind so stolze Worte, wie sie nur jemals in Zeiten der Höhe­punkte englischer Weltmacht von seinen führen­den Staatsmännern ausgesprochen worden sind. Die Tatsache steht jedenfalls heute vor uns, daß in keinem Augenblick seit unserem Zusammen­bruch die englische offizielle Politik sich so offen auf eine Linie der künftigen Entwicklung fest­gelegt hat, die mit der grundsätzlichen Rich­tung deutscher Politik überein­stimm t. Eine solche Politik hat in ihrem Wesenskern wenig oder nichts mehr mit dem Phrasentum Wilsonscher Noten oder mit der Paragraphenhistorei Poincar^scher Provinienz zu tun. Ganz gewiß — nichts wäre nach allen unseren Erfahrungen falscher, als nun wieder­um zum soundsovielten Male seit 1919 „auf das englische Pferd zu setzen" und olles Heil nur noch von England zu erwarten. Aber auf der anderen Seite liegt hier ent so leicht nicht wieder abzuleugnendes arundlegen- des Bekenntnis ober besser eine außerorbentlich wichtige Willensmeinung Englands vor, bei der so ober fo kommenden politischen Neuord­nung Europas mit seinem ganzen Gewicht in praktischer Realpolitik mitzuwirken und diese Neuordnung nicht dem eventuellen späteren Durchbruch des ..Rechtsgedankens im Völker­bund" zu überlgssen. Und damit ist ein sehr wichtiges Argument für alle diejenigen geliefert, die wie ick die Frage des Eintritts Deutschlands tn den Völkerbund als eine Frage der prakti-

(Eigene Drahtmeldung.)

Hannover, 9. April.

Aus bie Nachricht von der Kandidatur Hin­denburgs sind zahlreiche Häuser mit Fahnen in den alten Reichsfahnen geschmückt worden. In der Villa Hindenburg laufen seit gestern nachmittag unzählige Telegramme aus ganz Deutschland ein, bie den Feldmarschall zu sei­ner Entschließung beglückwünschen. Hindenburg hatte bis 10 Uhr vormittags sich geweigert, die Annahme der Kandidatur auszusprechen. Erst zwei Telegramme, die nach dieser Zeit dem Ge­neralfeldmarschall zugingen, brachten die e n t ■ scheidende Wendung in der Stellung­nahme des großen Heerführers. Das eine Tele­gramm war von Dr. Jarres, das andere von einer hohen süddeutschen Persönlichkeit, die im Weltkriege ruhmvoll genannt worden ist. Hin­denburg wird sich zum ersten Male am Lster- feiertage in einer Proklamation an das deutsche Volk wenden.

Schweizer «stimmen... Londoner Wetten. •

Basel, 9. April. (Privattelegramm.) Der Baseler Anzeiger schreibt zur Nominierung Hindenburgs: Hindenburgs Berufung bedeutet den sicheren Verfall der Herrschaft des Links­blocks. Die deutsche Rechte hat einen meisterhaf­ten Schachzug getan. — Bus London wird ge­meldet: Nach Bekanntwerden der Hindenburg- kandidatur nahmen die Wetten bei Lloyd über den Ausgang der Wahlen einen sensationellen Charakter an. Der Stand der Wetten für einen Sieg des Rechtskandidaten stieg sprunghaft von 5 aus 15 zu 1.

Hmömbmg gegen Nwrx.

Alarm in beiden Lagern. Die Regierung neutral. (Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 9. April.

Die Aufstellung der Kandidatur Hindenburg ist im Rechtslager mit ungeheurer Begeisterung aufgenommen worden. Es werden für ihn ein­treten: Die Deutschvölkische Freiheitsbewegung, die Deutfchnationale Bolkspartei, die Deutsche Bolks.partei, die Wirtschastspartei, die Bayeri­sche Volkspartei und die Deutschhannoveraner. Für die Kandidatur Marx werden also nur Zen­trum, Demokraten und Sozialdemokratie einste- hen. Beim Dolksblock herrscht eine starke Er re gung. Man spricht von der Kandidatur Hinden­burg als von einer unglaublichen „Groteske". Der Weimarer Block bereitet eine Ge- genkundgebung vor. Wie wir hören, ist es absolut unrichtig, daß Außenminister Dr. S t r e- fem a n n oder Reichskanzler Dr. Luther ir­gendwelche außenpolitische Trümpfe gegen die Kandidatur Hindenburg geltend gemacht haben. Die Reichsrrgierung wird sich vielmehr nach wie vor in dem Kampf um die Reichspräfidentschaft völlig neutral verhalten und sich weder für Hindenburg noch für Marx einfetzen.

SnMtgeimretfe.liinbetmifdieSefdiäftgaiueigen äetle2O tirs- auswärtige Geschäfts- anzeigen Zette 20 Pfg., ftamtltenaiueioen Zeile20Pfa Kleine Anzeigen «as Aori 4 lifg. Reklamen die Zeile 7S Pig. Offertgebüdr t" 'big. tbei Znfendg. der Offerten 30 Pig.« Rechnungsbeträge lind innerhalb 5 Ts. zu bezahlen. Maßgebend ift der KurS deS ZablunaStageS. Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher auigegebenen An­zeigen. iowie für Aufnahmedaten und Plätze kann nich, garantier' werden. Für Anzeigen mit befand, schwierigem Sag 100 Proz. Aufschlag. Druckerei: Schlachtbof- ffrafte 28/80. Geschäftsstelle Köln Str.tz. aeaeniib.der Soobrftr. ^ernfvr.kitil n. 952.

Berlin, 9 April.

In hiesigen politischen Kreisen zeigt sich starke Benrruhigung. Durch die Krise in Frank­reich ist die erwartete Rote der ranzösischen Regierung noch nicht ein- getroffen. Einen weiteren Berzögerungsgrund sieht man in der jetzt beginnenden größeren Un­terbrechung der politischen Arbeiten sämtlicher Parlamente zu Ostern und Pfingsten, sodaß nur noch etwa acht Wochen Arbeitszeit ,ur Berfüg- ung stehen. In dieser Zeit müßten die gesamten

Aus NaM zum Licht.

England auf unserer Seite.

Von

Staatssekretär z. D. Frh. v. Rheinbaben, M.d.R.

Während sich int Lause jener Verhandlungen, die nun schon seit mehreren Monaten über die Sicherheitsfrage, die Räumung der nördlichen Rheinlandzone, Militärkontrolle, Garantiepakt und andere damit zusammenhängende Dinge geführt werden, sowohl die s r a n z ö s i s ch e wie die englische Regierung und deren Par- lamente geäußert haben, hat die deutsche Re­gierung und der deutsche Reichstag anschei­nend shr viel wichtigere Sachen zu tun. Er hat sich jedenfalls bis heute über diese schicksalsschweren Dinge ausgeschwiegen. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Bei unseren heutigen zerfahre­nen Parteiverhältnissen besiirchtete die Regie­rung — wahrscheinlich sehr mit Recht —, daß Mitteilungen der Einzelheiten über die letzten diplomatischen Unterhaltungen geeignet wären, die Schwierigkeiten der deutschen Verhand­lungsposition noch zu vermehren.

Während man in Deutschland allgemein in Frankreich denjenigen Kriegsgegner fleht, der auch heute noch die stärksten Hemmungen

fische Verständigung aestatten wird, in der es nicht selbst voll und ganz feine Vorteile findet!

Und so sehen wir das Weltbild: Die beiden großen europäischen Kriegsgegner Frankreich und England uns gegenüber mit den verschie­densten Zieren, aber doch ans eigenstem Inte­resse genötigt, unter sich und mit Deutschland im Verhandlungswege die europäische Neu­ordnung vorwärts zu treiben. Hinter diesen Amerika und die anderen großen Weltmächte Rußland und Japan in allmählicher Aen- derung auch in deren gegenseitiger Konstellation und in ihren großen Zielen. Nichts wäre fal­scher für Deutschland, als sich in seiner jetzigen Lage nach der einen oder anderen Seite so fest- zulegcn, daß der geringe Rest freier eigener Entschließung womöglich noch weiter gemindert wird. Möchten wir bald, wenigstens für eine kurze Zeit, aus Wahlkämpfen und Parteistreit herauskommen, damit die in den nächsten Mo­naten bevorstehenden wichtigen außenpolitischen Entscheidungen von unserem Volke wirklich mit­gefühlt, miterlebt und so verstanden und gewer­tet werden, wie sie tatsächlich sind, nicht aber so, wie sie die deutsche Parteibrille oder elementare Unkenntnis der außenpolitischen Grundgesetze sieht ober — zu sehen vortäuscht!

ir Deutschland betrachten f Probleme vorbereitet und entschieden werden, ' " ‘ - besonders, da am 15. August die Räumung

des Ruhrgebietes durch die Franzosen fällig ist. Man sieht der zukünftigen Entwick­lung der Dinge mit einiger Unruhe entgegen.

SS geht ums Sanzr.

Berlin, 9. April. Die Schwere des Wahl­gangs am 26. April lassen folgende Pressesttm- men mahnen: Das Zentrumsorgan sagt, der Präfldeitt Hindenburg könne leicht znm Signal von Kämpfen werden, deren Folgen des Wirt­schaftsleben Deutschlands auf das empfindlichste treffen müßte. Tas demokratische Blatt bezeich­net Hindenburg als den Parteikandida- ten der äußersten Rechten. Man habe ihn aus­gestellt, weil die Deutschnationalen aus anderen Wegen gar feine Siegeschancen mehr gesehen hatten. Der „Vorwärts" schreibt: Die Ausstel­lung Hindenhurgs ist ein letzter verzweifelter Versuch der Reaktion, sich an der Macht zu be­haupten. Gelingt er dann ist der Staatsstrerch schon halb vollbracht und der Bürgeririeg einge­leitet, mißlingt er, dann marschieren die Repu- blilauer über die Trümmer der Festung

Das Golgalhakreuz.

Christus und wir tragen die Sünden der Welt. Von Artur Brausewetter.

Der grauende Morgen des Karfreitags. Die Kriegsknechte haben Jesus den Purpurmantel abgenommen, den eigenen Mantel wieder angc» tagen. Die Purpurkrone haben sie ihm gelassen.

Es war eine barbarische Sitte der alten Welt, daß die zum Kreuzestode Verurteilten den Bal- ken, an dem sie sterben sollten, selber zum Richt­platz trugen. So legte man Jesu das Kreuz auf den gegeißelten, blutenden Rücken.

Und inmitten der Waffenknechte zu Pferde und Fuß, der Liktoren und Soldaten, der blitzen- den Lanzen, gezückten Schwerter und leuch.en- den Helme, inmitten zugleich eines neugierig und dreist ihn umgebenden Pöbels, gebeugt und doch aufrecht, groß und sttll schreitet, fein Kreuz tragend, der Juden König. Zwei Verbrecher ihm zur Rechten und zur Linken.

Man ist vor den Toren Jerusalems ange­langt. Es ist der tiefste Punkt des Tales. Tie keuchenden Missetäter müssen Atem schöpfen. Der Aufstieg beginnt. Da bricht Jefns zusammen. Vergeblich alles Antreiben, Verhöhnen, Verla­chen, Stacheln, er kann nicht weiter. Man muß an Hilfe denken. Aber wer wird das Kreuz eines zum Tode verurteilten Verbrechers auf sich nehmen?

Da kommt wie zur Rettung ein Mann des Wegs. Simon von Kyrene heißt er und stammt aus Afrika. Ein Fremder also. Aber auch er weiß, daß das Kreuz eines zum Tode Verurteilten verunreinigt. Er sträubt sich. Es hilft ihm nichts. Man zwingt es ihm auf.

Hier setzt das Symbolische der Geschichte ein. Zugleich das Ewige. Sichtbare Vorgänge und unsichtbare, äußerliche und innere lösen sich ab. Jesus trägt nach Golgatha das Kreuz des Sünders, an seiner Seite geht der Sünder, der das Kreuz Jesu trägt. Das ist, in ihres Wesens Tiefe erfaßt, die Idee des Karfreitags.

Simon von Kyrene hat sich gegen das Tragen des Kreuzes mit aller Gewalt gewehrt. Unge­rechtigkeit und unerhörteWillkür erschien es ihm. Auch hier das Symbolische. Freiwillig nimmt niemand fein Kreuz auf sich. Immer wird c3 Einem aufgezwungen wie damals dem Simon. Im Grunde genommen ist alles Leben und Stre­ben ein Sichsträuben und Sickwehren gegen d. s Kreuz. Solange es geht. Dann aber geht eS nicht mehr. Man muß es tragen, ob man will oder nicht.

Schweres Kreuz ist heute unserem Volke auf. erlegt. Niemand wird behaupten, daß es willig getragen wird. Die Sucht nach Freuden und Vergnügungen, die wir heute im höchsten Maße finden, ist oft genug mit Verwunderung inmitten

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Wird Hemot stürzen?

Hochspannung in Paris und im Ministerrat. (Eigener Drahtberscht.)

Paris, 9. April.

Bei der Abstimmung über einen von der Re­gierung geforderten Stlpendienbirag stellte Her- riot die Vertrauensfrage. Mit 142 ge­gen 140 Stimmen wurde der Kredit geneh­migt. Später stellte sich heraus, daß das Ka­binett nur eine Stimme Mehrheit er­halten hatte. Darauf fand ein Ministerrat statt, über den folgender Bericht ausgegcben wurde: Das Kabinett ist der Ansicht, daß die Regierung die Durchführung ihres politischen und finanziellen Programms fort­fetzen müsse, solange es nicht formell durch eine Abstimmung des Parlaments mißbilligt würde. Das Kabinett hat weiter über die Fi- nanzgesetzc beraten. Ter Minister für Land­wirtschaft hat seine Kollegen über die Lage des Getreidemarktes unterrichtet und ntitge- teilt, daß er die Hoffnung habe, den Brot- preis von Freitag ab um fünf Centimes pro Kilo herabzufetzen. Der Handelsminister berichtete über den Stand der französisch-deut- scheu Handelsvertragsverhandlungen, deren demnächstigen Abschluß man erwarten könne. Ein Pariser Blatt fügt hinzu: Es liegt in der Absicht des Ministerpräsidenten, vom Senat eine Vertrauens- oder Mißtrauenskund­geb u n g zu fordern, nicht übet diesen oder jenen Zwischenfall der lausenden Polittk, son­dern über die Gesamtpolitik der Regie­rung, besonders Aber die Finanzpolitik, so wie sie konkret in dem Gesetzentwurf des Finanzmi- nitzers de Monzie zum Ausdruck kommt. Der Finanzmiuister wird hierüber noch heute selbst im Senat das Wort ergreifen.