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Kasseler Neueste Nachrichten

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Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

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81. Einzelnummer 10 Pf^ Sonntags IS Pf.

Sonntag, 5. April 1925.

einylnmmnet 10 Sonntags 15 Pf. 15. Jahrgang

-MN---MW-,

Volksbloü gegen Lelchsbloll im Endkamps.

Impresionen.

Das Katastrophen- und Krifenjahr.

Fast will es scheinen, al« hätte un« >aS Ra» kastrophenjahr, das die Sibyllen, Stern, und Traumdeuter für 1926 prosthezeiten. ein Jahr zu früh heimgesucht. Im ersten Viertel des ersten Jahrhundertviertels haben sich die tragi­schen Ereignisse geradezu geballt: Raum war der Entsetzensschrei am Jahresende über die hunderttausend Erdbebenopfer in Japan um den Erdball gehallt, da brachen die schweren Eisenbahntatastrophen (Thüringen, Herne, Ita­lien) und die Tragödien unter Tage Schlag aus Schlag herein, da traf uns wie ein Keulen,chlsg die Hiobspost über die Verwüstungen und Opfer des Zyklonenunglücks in Nordamerika. Und gestern sind auch in Detmold die ersten Bundzwanzig jungen Rekruten zur letzten e bestattet worden, die man bisher den grausigen Tiefen der Weier entriß.

Die Tatsache, daß sie sich, nach den Aussagen der Augenzeugen, ihr feuchtes Maffengrab in der Kopflosigkeit der Gefahr und Nichtachtung der Befehle selbst bereitet haben, nimmt der Trauer um die achtzig blühenden Menschenleben nichts von ihrer Bitterkeit, wenn auch die Tage noch nicht fern liegen, da der Krieg täglich tau­sende ihrer tapferen Kameraden fraß. Letzten Endes freilich fällt der Fluch der Weserfähre auf die Erpresser von Versailles zuruck, die der jungen Reichswehr schnöde nnb verbre­cherisch die Mittel versagten, sich gegen solche Verhängnisse mit ausreichenden technische» Mitteln zu sichern Diese bittere Erkenntnis leitet von dem erschütternden Ereignis wieder zu dem Kriegs- und Intrigenspiel der hohen Politik über, das drinnen im Reich sowohl tote draußen wieder auf der ganzen Linie hin- und herwogt. Der Machtkampf in Preußen, der mit den letzten Ministerpräsidententoahlen schon mehr einen Stich ins Schwank- und Operetten­haste erhielt, ist auch mit der gestrigen Wie­derwahl Brauns nicht endgültig ausgc- traaen, da ihm im gestrigen Landtag sofort von rechts die schärfste Fehde angesagt wurde. Sentrum und Demokraten haben geschloffen für raun gestimmt und darum dürfte diesem die Zusammenstellung seines Kabinetts nicht schwer fallen, das sich von dem vorausgegangenen nicht toesenttich unterscheiden wird. Aehnlich tote im Reich haben sich hier die Weimarer Partkien endgültig zum Linksblock zusammengeschlos­sen, der nun an beiden Fronten den Entschet- dungskampf gegen den vereinigten Rechtsblock auf nehmen will. Die gemeinsame Kandidatur Marr für die republikanischen Weimarer Par­teien ist nun nach lana-n Berlammluna-n (of­fenbar hatten die Sozialdemokraten dafür die Gefolgschaft des Zentrums für Braun in Preu­ßen sich ausbedungenj gestern endgültig beschlos­sen worden. Und auch Oberbürgermeister Jar- res dürfte als endgültiger Kandidat des Rechts­blocks beute durchs Ziel gehen, nachdem der letzte Sammelvorschlag deS Reichskanzlers Luther für Tr. Simons als bür-erlichen Einbeitskandidat von den Parteien mehr oder minder schroff abaelebnt worden war.

Und während so Deutschland im Kamps für Marr und Jarres schweren Entscheidungen ent» gegenaeht, die letzten Endes auch der auf bt* Spitze getriebenen Preußenkrists so oder so ein Ende machen werden, ist in Frankreich eine akute Ministerkrise attsqebrochen, die sehr leicht auch H e r r i o t gefährlich werden kann. Der gestürzte Finanzminister Clementel erwar­tete das Heil von einer langsam fortschreitenden Inflation, gegen die sich Herriot mit allen Mit­teln sträubt. So bat er dann seinen Finanzmi- nister vreisaeoeben. der durch Senator de M o n z i e ersetzt wurde, der nun die von Ei ­men tel eingeleitete Inflation abstovpen und die drohende Finanikatastrophe abwenden soll. Den Ausfchlaa in dieser iebr bedrohlichen Situation wird Mich hier die Gefügigkeit Frankreichs gegen­über den deutschen Sicherheitsvorfchlägen U id dem amerikanischen Abrüstungsbau geben. Schon jetzt mißtraut das Ausland dem bis an die Zäbn» b-wak-neten Frankreich, da? heuch­lerisch nach Sicherung feiner Grenzen gegenüber einem enttos ffneten Volke schreit Amerika bat der gepanzerten Jeanne d'Arc kurzer Hand den Kredit gesperrt und seine Schuldenrechnung präsentiert. Auch Chamberlain hält diese Dau­menschraube für Frankreich in Bereitschaft, das nun wohl oder ffdel andere und versöhnlichere Wege wird ein'chlaaen müssen, wenn es der drohenden Wirtschaftskatastrophe entgehen nüff

F. H.

*

3Rtbbln für Frankreich.

London, 4 April. tPrivattelegramm.l Zur französischen Fim»»^»«e bemerkt ein Londoner Blatt, die Schwterigreit liege darin, daß Frank­reich leine klare Finanzpolitik habe. Die Absicht, den Notenumlauf zu vermehren, kündige leider

keine Aenderung in der Politik an. Frankreich gleiche einem Kranken, der die starke Medizin der Deflation nötig habe und nicht den Cham­pagner der Inflation mit feinen schnell vorüber- gehenden kurzen Freuden.Moruing Post" be- tont, England dürfe im Hinblick auf die Schmie- rigkeiten Frankreichs keine zu strenge Haltung in der Frage der interalliierten Schulden eiunehmen.

Hie Marx, hie Äarres!

Bolksblock unp Reichsblock im Entscheidungs- kampf.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 4. April.

Im Anschluß an die letzten Verhandlungen zur Aufstellung der Kandidatur Marx haben ztoanzig Vertreter der republikanischen Parteien noch am Freitag abend den Antrag zur Auf­stellung von Marx an den Reichswahllei­ter gerichtet. Diesem Antrag ist ein Schreiben des Reichskanzlers a. D. Marx beigegeben, in dem er sich zur Annahm e der Kandidatur be­reit erklärt. Der Reichsblock tritt heute wieder zusammen. An der Sitzung nimmt Dr. Jarres teil. In dieser Sitzung wird die Erklärung des Reichsblocks für Dr. Jarres erfolgen. Die Wirtschaftspartei erflärte gestern Abend ihre Bereitwilligkeit, sich an einer bürgerlichen Sam­melkandidatur zu beteiligen. Das führende Organ der bayerischen Bvllspartei schreibt, daß die bayerische Bolkspartei dem Kadidaten Dr. Marx ihre Stimme nicht geben könne.

Schatzamtes ohne neue Ausgabe von Banknoten zufichern. Ein Pariser Blatt glaubt zu wissen, daß die Abgabe vom Kapital, die die Regierung verlangen werde, zehn Prozent betragen solle, zahlbar in zehn Jahresraten mit der Möglich­keit einer rascheren Abgleichung.

Srst Sicherheit, dann Abrüstung.

Gens, 4. April. (Eigener Drahtbericht) lieber die gestrige Unterredung deS französischen Botschafters mit Coolidge wird gemeldet, daß der französische Vertreter die Verschie­bung der Abrüstungskonferenz bis nach Erledigung des Genfer Sicherheitsproto- kolls verlangt habe. Frankreich müsse vor der Erörterung erst seine Grenzen sichern.

Herriots Osterbotschaft.

Die Sicherheitsnote auf dem Wege nach Berlin. (Eigene Drahtmeldung.)

London, 4. April.

Ein diplomatischer Berichterstatter ersährt, die französtfche Regierung hoffe, in der Lage zu sein, die Rote und den Fragebogen an Deutsch­land bereits einige Tage vor den Oster­ferien abzusenden; doch beabsichtige Herriot, den endgültigen Entwurf in London, Rom, Brüssel, Prag unb Warschau vorzulegen, bevor er nach Berlin abgehe. Der Berichterstatter führt weiter ans, Italien sei durchaus be­reit, mit den anderen Westmächten bei einer gegenseitigen Garantie des französisch - deut­schen Fnedens mitzuwirken.

Ein grausiger Absturz.

Tote und Verwundete in einem GtinneSschacht.

(Privat-Telepramm.)

Essen, 4. April.

Auf dem neuen Schach» 5 der Zeche Matthias SttnneS in Karnap ereignete sich heute morgen gegen 6 Uhr infolge Versagens der Fürrermn- schine ein ernster Unfall. Der leere Förderko-.b fuhr in die Seilscheibe, während der mit siebzig Mann besetzte zwelle Förderkorb in den Sumpf hinabsuhr Bei dem Anprall wurde die umerfte Etage erheblich gestaucht. Die Rettungsar reiten setzten sofort mti aller Energie ein und es ge­lang binnen kurzem, die Besatzung dec dret ober- ften Etagen des verunglückten Förderkorbes rest­los zu bergen. Fünfzehn von diesen Leuten konnten sich ohne jede Hilfe nach Haus begeben. Auf der untersten Etage sind zur Zeit zwei Tote geborgen. Es fehlen noch etwa zehn bis zwölf Mann. Ein grofter Tell der Verunglückten wurde leicht verletzt, drei Mann wurden aus dem Schacht heraufgeholt.

Ein kampflustiger Nachbar.

Ganz Polen stimmt für bie Heeresvoelage.

(Eigene Drahtmeldung.)

Warschau, 4. April.

Gestern abend bewirkte der polnische Landtag mit bedeutender Mehrheit des Rekr-ttenkontin- geni für das laufende Jahr. Danach beträgt die Anzahl der in diesem Jahr auszuhebenden Sol­daten 170 000 Mann. Dte Rede des s o z j a l i st »- scheu Bbg. Liebermann erregte durch be­dingungslosen Eintritt für die Heeres- forderungesi Ai fsehen. Die Rede wurde von der rechten Seite des Hauses mit stürmischer Begeisterung begrüßt. Ein Antrag der ra­dikalen Bauernpartei Wyzwoledje, dem Kriegs- Minister Sikorski das Mißtrauen auszn- fprechen, wurde abgelehnt unp veranlaßte eine große Kundgebung der Rechten und des Zentrum für den General.

Varifer Minister turz.

Finanzminister de MonzieS neues Programm. (Privat-Telegramm.)

Paris, 4- April.

In der Sammer erllärte gestern Minister­präsident Herriot auf eine Anfrage, daß sich die Regierung über die Gründe, die die De­mission des Finanzminifters Clementel her­beigeführt haben, äußern werde, wenn die Ge­setze zur Beratung vorlägen, durch bie bie Sa- nierung der Finanzen ermöglicht werden solle. Er stellte bie Vertrauensfrage unb eS ergab sich, daß bie Vertagung ber Interpellation einstim­mig angenommen würbe. Der neue Finanzmi­nister be Monzie hat angekündigt, daß er den Finanzgesetzentwurf, auf den Ministerpräsident Herriot am Donnerstag im Senat angespielt fjabe, am Montag den Parlamenten vorlegen werde. Dieser Gesetzentwurf betreffe bie zu er­greifenden Mittel, um bie Bedürfnisse des

Herriots Tage gezählt?

Caillanx im Hintergrunb... Londons Diagnose. (Eigene Drahtmelbung.)

Genf, 4 April.

Wie ein Pariser Blatt meldet, ist Caittaux gestern in Paris einget rossen. Er nahm an einer Besprechung des LinkS-Blockes teil Wie versichert wird, ist eine Schwenkung der Links- Sozialisten zu Ungunsten Herriots erfolgt. Die gestrige Parteisitzung hat eine ultimative Forde­rung an das Kabinett beschlossen. Ans London wird gemeldet: Die französische Ministerkrise nimmt man in London nicht so ernst wie in Pa­ris selbst. Man glaubt, daß noch mindestens zwei Monate vergehen werden, bis Herriot von seinem Amte scheidet. Als Beweis dafür wird angegeben, daß Herriot den Wunsch ausgespro­chen habe, bie französische Rote an Deutschland möge Berlin noch vor Ostern erreichen.

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Loucheurs Kord für Herriot.

Paris, 4. April. (Privattelegramm.'» Es bestätigt sich, daß Ministerpräsident Herriot noch der Demission ClementelS die Nachfolge dem Abgeordneten L o u ch e u r angeboren hatte. Dieser habe aber erklärt, daß seine Ansicht über die Sanierung der französischen Finanzen nicht mit der der Regierung übereinstimme. Er habe daher kategorisch den Ministerposten abgelehnt.

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Handel statt Krieg!

Englands Lebensinteressen.

(Eigene Drahtmeldung.)

Liverpool, 4. April.

Der Präsident des Handelsamtes, Sir Philip Cunlisfe Lister sagte in einer Rede: Eine Abrüstung bedeute, daß den produktiven Unter­nehmungen mehr Gely zufließe. England fei durch feinen Handel innig mit Europa verbun­den und »onne sich nicht davon trennen, ohne auf seine Stellung als große industrielle Nation zu verzichten Deshalb müsse es seinen Anteil an ber Politik ber Befriedigung und Regelung übernehmen Cunliffe Lister sagte wei­ter, bie Notwendigkeit des Handelsvertrages, den er mit Deutschand abznschietzen den Vorzug ge­habt habe, iege auf ber Hand.

Es gart in Afrika.

Auch die Hereros aufständisch.

(Eigene Drahtmelbung.)

London, 4. April.

Aus Kapstadt wird gemeldet, General Hertzog habe im südafrikanischen Parlament erklärt, die Hallung des Rehobothstammes habe zur Folge gehabt, daß auch unter den Hereros in der Gegend von Windhuk, die ungefähr fünfzig- bis sechzigtausend Kopf park feien, Unruhen ent­standen feien. Die Regierung werde Dafür sor­gen, daß eine ausreichende Polizeitruppe ent­sandt werde, um die Unruhen niederzuhalten. Die Regierung glaubt an keinen ernsten Ausstand.

3m BoischafterpalalS

Aus dem Tageburch der Berliner Diplomaten«

Zwischen Berlin nnb Lord unb feine elegante ns grobes Haus. - Die

In her internationalen Welt der Diplomatie galt Berlin von 1914 als einer der beliebtesten Posten. Das billige angenehme Leben, der Glan, des Hofes und die amüsante Geselligkeit der großen Hofgesellschaft waren berühmt. Heute geht kein fremder Diplomat gern nach Berlin. Er muß sich in einer ungeheuer schwierigen, ihm als Ausländer ziemlich undurchsichtigen Atmosphäre bewegen, ein gesellschaftliches Le­ben. wie es-andere republikanische Hauptstädte, zum Beispiel Paris und Warschau in gro­ßem Umfange haben, ist erst im Entstehen; das. Bedrückendste aber für ihn sind die hohen Preise. Es gibt keinen-in Berlin acerevitier- ten Diplomaten, der nicht über das kostspielige Berliner Leben klagt und behauptet, Berlin sei

die teuerste Großstadt der ganzen Welt.

Dagegen gestalten sich die gesellschaftlichen Be­ziehungen untereinander sehr intensiv. Führer des diplomatischen Corps, der die Gesamtinter- essen der in Berlin an,ässigen Diplomaten ver- tritt, ist nach altem internationalen Gewohn­heitsrecht der Vertreter des Papstes, falls ein solcher aber nicht entsandt ist, der am längsten accreditierte Botschafter. Doyen des diplomati­schen Corps in Berlin ist daher zur Zeit der päpstliche Nuntius P a c e l l i, dem der Vatican schon vor mehreren Jahren eine wunderschöne Villa in der Rauchstraste gekauft und eingerich­tet hat. Er wohnt indessen meistens in Mün­chen, sodaß er als Doyen von Lord d'A b e r- non vertreten wird, der seit dem Juli 1920 englischer Botschafter in der Reichshauptstadt ist. Trotz ferner siebenundsechzig Jahre eine wundervolle aufrechte Erscheinung, bildet der Lord und seine elegante, sehr gut aussehende Gattin, eine Tochter des Earl os Feverstzam den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens tnt Berliner diplomatischen Corps. Beide empfan- K'äufig in dem schönen Botschafierpalais lmstratze 70. das sich der in der Krisis 1870 arm gewordene bekannte Eisenbahnknöig Dr. Stroußberg Ende der sechziger Jahre erbauen liefe. Richt weit davon in einem Palais am. Wilhelmsplatz ist der Sitz der amerikanischen Botschaft, die gerade jetzt ihren Chef gewechselt hat. Mr. Houghton, der sich ebenso wie seine Gattin und seine Tochter großer Beliebt­heit in der Berliner Gesellschaft erfreute und die alte Gewohnheit der amerikanischen Botschask, ein großes Haus in Berlin zu machen, fortge­setzt hat, ist nach London verletzt worden. Sein Nachfolger ist Jakob Gould S h u r m a n. der 1999 seinen philosophischen Lehrstuhl aufgab und in den diplomatischen Dienst trat. Auch seine Ernennung liegt in der Linie der ameri­kanischen Traditionen. Haben doch die Ver­einigten Stagten schon verschiedene Male berührte Gelehrte als Gesandten

bezto. Botschafter nach Berlin geschickt. Auch die italienische Botschaft Viktoriastraße 36, dicht am Kemperplatz, wird von einem Diplomaten gelei­tet, der sich in der Wissenschaft einen Namen aemacht hat. Gras B o s d a r i, der italienische Botschafter, hat viel über Carducci geschrieben, während seine Gemahlin, die einst von d'An- nunzio besungene, immer noch schöne Gräfin Brufchi Falgari mehr künstlerische Interessen hat. Eine große Dame alten Stils, voll Charme und Esprit, empfängt sie jeden Nachmittag um 5 Uhr. In der Regentenftraße residiert Herr Soler, der Spanien seit über vier Jahren in Berlin vertritt. Seine Botschaft ist eines der schönsten Gebäude Berlins. Leider ist der Botschafter vor kurzem Witwer geworden, sodaß er stiller lebt als feine anderen diplomatischen Kollegen. Witwer war bis zum vorigen Som­mer auch der französische Botschafter de M ar­ge r i e, der im vorigen Juli die Tochter eines bekannten Pariser Advokaten in zweiter Ehe geheiratet hat Eine vorzügliche Harfensptele- rin gab die junge Botschafterin im Anfang der Saison

eine Reihe musikalischer Empfänge, bei denen sie das jetzt so selten gewordene In­strument spielte. Auch die französische Bot­schaft, Pariser Platz 5, tft eines der schönsten Gebäude Berlins Einstöckig, langgestreckt, ivird es leider im künsteriscken Eindruck von nem nebenanliegenden fünfstöckigen neuen Gedände der Deutschen Länderbank erdrückt. Nicht wett davon, am Königsplatz liegt das Palais des erst vor einem Jahre in Berlin accrebitierten j a - panischen Botschafters Honda der mit sei- ner gewandten Gatten verschiedene große Feil« gegeoen hat Ter jüngste beim Deutschen Reich beglaubigte Botschafter ist der türkische, der zwar schon eine Wohnung in der Tiergarten- straße bat, im gesellschaftlichen Leben aber noch nicht hervorgetreten ist. Der einzige Gesandte,