Meier Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Mittwoch, L April 1925.
Wird her Landtag heute ausgelöst?
zä fischen
Varsser Listenkrieg.
Die Wirtschaftsdelegaiionen verhandeln.
(Eigene Drahtmeldung.)
Paris, LI. März.
(Eigener Drabtberichi.)
Warschau, 31. März.
Zwei in Polen verurteilie russische - rsiziere, die gegen zwei in Rußland ge- angene Polen ausge tauscht werden sollen, wurden von dem polnischen Transportbeamten kurz vor der Grenze niedergeschossen Der Täter, der Polizeiunteroffizier Muraszko, wurde festgenommen. Wir die Abendblätter er- L- «*' hat das Warschauer Außenministerium dce Regierung der Räteunion von dem Zwifchrn- all offiziell in Kenntnis gesetzt, um ihr die Ur- ache der Nichteinhaltung deS Abkommens £6er den Gefangenenaustausch mitzuteilen. Ein gleicher Schritt wird vom polnischen Außenminister bei der Warschauer Gesandtschaft d->- Räteunion in dieser Angelegenheit unternommen werden.
Volnijche Rache.
Ein ernster polnisch-ruffifcher Zwischenfall.
schafter bis jetzt nur Gelegenheit hatte, mit dem UntcrstaatSsckretär zu verhandeln. Man vermutet weiter, daß nunmehr eine neue Note nach Berlin gesandt werden soll, die um ergänzende Informationen ersuchen werde. Klarheit besteht nur darüber, daß der gegenseitige Vertrag auf die fünf Mächte, England, Frankreich Belgien. Italien und Deutschland beschränkt werden soll. Bezüglich der polen feindlich en Aeutzerungcn im Unterhaus wies Chamberlain den französischen Botschafter gegenüber daraufhin, daß die Auslassungen Lloyd Georges nicht von der Regierung gei .lt würden.
Der Kriegsministsr als Optimist.
London, 31. März. (Eigener Drahtbericht.) Kriegsminister Evans sagte gestern in einer Rede in Reading, England wünsche den Frieden und die Abrüstung auf dem Kontinent. Es liege in Englands eigenem Interesse, Frankreich ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln. Es scheine, als ob man nach, dem deutschen Sicher- heitsangebol an der Schwelle einer neuen Entwicklung stehe. Jedenfalls bestünden gute Hoffnungen auf wesentliche Fortschritte in der Richtung auf den Frieden.
Am goldenen Hom
Ein sterbendes Orientparadies.
Von Hans Bethge.
Man weiß, daß die Häuvtcr der Türkei in Angora reiidieren. Man weiß aber nicht, wie oas einstige Juwel in der Kalifenkrone, Son= ftantmovel, ver' lendel und verfällt. Der bekannte Dichter und Forscher Sans Betdae bat das einstige vriemalitche Paradies nnr nam als Lchatten und Trümmerbauie« gesunden und schreibt uns über seine Eindrücke folgendes:
Konstantinopel, im März.
Konstantinopel, du schöne, wüste, trügerische Stadt, wie spreche ich von dir? Ich will ohne Umschweife erzählen, wie du bist, du Trümmerhaufen am Bosporus. Vom Schiff aus mit heftigem Verlangen betrachtet, liegst du da, als ob du die schimmernde Krone des Orient selber seist. Das bunte Gewirr deiner Häuser, aus denen tue mächtigen Kuppeln der Moscheen und die zahllosen Minaretts ragen, breitet sich aus auf den weichen Hügeln des Bosporus wie eine lockende Feerie. Man zittert, dein Inneres ,zu sehen. Man verläßt das Schiff und im Wagen schnell hinauf nach G a l a t a. wo ein alter, dickleibiger Turm die höchste Stelle der Stadl einnimmt und züm Aufstiege lockt. Was man da oben sich zu Füßen hingelagert sieht, ist so ergreifend und neu, so unbeschreiblich schön in seiner Fülle ung seinem Rhythmus, daß man meint, ein Zauberbild sei plötzlich zu unvergleichlicher Wahrheit geworden. Ja, die Lage dieser zerrütteten Stadt ist in der Tat zauberhaft. Es ist eine Heiterkeit, eine Träumerei, etwas Erdentrücktes über dieses östliche Häusermeer gebreitet, daß man wie von einem Traum gefangen ist. Dort drüben liegt das alte Stambul mit den
gelben Kuppeln und Minaretts
v V.
und den vom Bosporus^veichrUen Gärten des alten Serail. Dort auf der asiatischen Seite S k n - tari. Kleine Boote und Barkassen treiben hin und wieder, den Verkehr zwsichen zwei Erdteilen vermittelnd. Unten über das Goldene Horn führen zwei Brücken, wimmelnd von Menschen. Zwischen ihnen, am Kai des Hafens entlang, liegen hunderte türkischer Segelschiffe vor Anker» mit ragenden Masten und reicher Takelage. E-n Gesumme und Gebrause dringt aus der Stadt herauf, herrührend von gelbhautigen, dunkeläugigen, unschönen Menschen, deren Sprache man nicht zu deuten weiß. Und immer wieder schweift das Auge hinab über die Häuser und das blaue Wasser und über die Berge Kleinasiens, und zu den Schiffen hin, die herbeikommen aus dem Marmarameer. Wenn man vom Galataturm auf Konstantinopel niederblickt, kann man meinen, daß eins von den Märchen aus Tausend und einer Nacht zur Wirklichkeit geworden sei. Und dann steigt man hinab und wandert durch die engen Straßen der Stadt, — und voll Entsetzen wird man gewahr, daß es nichts weiter als eine große, elende Ruinen st alte ist, in der man sich bewegt. Von der Verkommenheit, dem Schmutz, dem trümmerhasten inneren Zustand dieser märchenhaft schön gelegenen Stadt macht man sich schwer eine Vorstellung. Die architektonisch reizlosen Häuser sind nicht nur ungepflegt, sondern zum großen Teil halb zerfalle«. Sie zeigen meistens eine schmucklose, langweilige Holzverkleidung, und vor den Fenstern befinden sich dichtmaschige Vergitterungen, durch welche die von den Türken eifersüchtig gehüteten Frauen des Hauses wohl auf die Straße blicken können, durch die man aber von der Straße aus unmöglich eine Gestalt oder ein Gesicht im Innern erkennen kann. Der Schmutz, der in den Straßen, zumal in den ungepflaster- ten liegt, spottet jeder Beschreibung.
Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf. 15. ZahkgtlN
Der Türke läßt alles verfallen,
was Zeit und Wetter zerstören; seine maßlose Faulheit gestattet es nicht, daß irgendwo erneuert oder ausgebessert wird. Rutscht ein Dach von einem Hause, so läßt er es rutschen; er stützt es vielleicht mit einem Balken, aber es kommt ihm gar nicht in den Sinn, es wieder hinaufzuziehen. Brechen Fensterscheiben, so werden sie mit Papier verklebt, und geht etwa ein Pfeiler an den verkehrsreichen Brücken, die über das Goldene Horn führen, in Stücke, so wird er durch ein paar primitive Holzstücke ersetzt, und alles ist wieder in Ordnung. Man sieht fast nur Männer in der Stadt. Die wenigen F r a u e n, die man zu Gesicht bekommt, gehören nicht den Kreisen der besseren Klassen an. Man lieht Frauen in dunkelseidenen Gewändern von unschöner, sackartiger langweiliger Form. Sie tragen
schwarze Schleier vor dem Gesicht;
mitunter lüften sie ihn - man siebt bann gelblichblasse Gesichter ohne Reiz; die Lippen haben etwas Wulstiges: der Nasenrüchen ist lang und gerade und wohl das am meisten Charakteristische an ihnen. Die Männer tragen europäische Klei-
Sie kommen nicht zusammen. Wird der Landtag heute aufgelöst?
(Eigene Drahtmeldung.)
Berlin, 31. März.
Zn der heutigen Sitzung des preußischen Landtages, auf deren Tagesordnung die Wahl deS Ministerpräsidenten steht, bemerkt ein Berliner Blatt, daß die s o f o r t i g e A u f l ö s n n g deS Landtages und die Ausschreibung der Reu- wählen, die am 26. 4, dem Tage deS zweiten PrSsidentschaftswahlganges zu erfolgen haben würde, die Folge deS Wahlresultats vom Sonntag sein werde. Sowohl bei den Demokraten und bei den Sozialdemokraten wie auch in den Reihen des Zentrums häll man den Tag der Auflösung des Landtages für nahe bevorstehend.
Ä« der gestrigen Vollsitzung der deutsch-fran- zosischen Wirtschaftsdelegationen wurden die Stiften der gegenseitigen Zugeständnisse über- reicht. Die deutsche Delegation hat zwei Listen überreicht, eine Liste A, in der die Ausnahmen von der Meistbegünstigung für die Dauer des Provisoriums aufgeführt find, und eine Lifte B, die die Zollbiudunaci- und Zollherab- setzunaen enthält. Französischerseits wurden drei Listen überreicht und zwar eine mit den Ware« für die Deutschland den Minimaltarif erhält, eine Liste B, die die Waren enthält, für die Deutschland den Minimallarif erst nach der Annahme eines Gesetzentwurfes bekommt und die bis dahin einen entsprechenden Zwischentarif .vorsieht und schließlich eine Liste C, auf der die Waren verzeichnet sind, für die Deutschland gleichfalls Sondertarife bekommen soll. Damit haben sich neue große Schwierigkeiten für die Verhandlungen aufgetürmt.
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Wieder unter Dampf.
Chamberlain fördert die Sicherheitsfrage.
(Eigene Drahtmeldung.)
London, 31. März.
Jeiner letzten Rede im Unterhaus et- fdnen Chamberlain wegen starker Unpäßlichkeit nesiern erften Mui reichet in her Townina Street Man vermutet deshalb, daß in der ^tcherhettsfrage seit dem vergangenen Dienstag '«ne weiter«, Fortschritte erzielt worden sind. Man hofft, durch die geplante Aussprache zwi- chcn Cmimberlain und de Fleuriau umsomehr Positives zu erhalten, als der franzSsisck)e Bot-
fc t Neuesten Aachrichieu encheinen wdchenilich sechsmal nachmuiags S» beträgt für oen Mona, 2.- Mk. be, 'reter Lust-Unna
oer ^eicha„SiieUe abaehol' Lrtll Mk. Durch die Poft monatlich 2.00 Mk .siukellungsoehüvr Verlag und Redaktion Lchlachtiioistrane 28/30. jl5 »ad 952 Kür unoerlang, einaesandte Beiträge kann Sie Re- eine Verantwortung oder Gewähr in keinem -zolle übernehmen. Rück- ^esugSgeldes oder Ansprüche wegen etwaiger nitbt ordnungsmästiger
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Ein BeruWgungsvuw?r.
Herriot über Sicherheit und Völkerbund. (Eigene Drahtmeldung.)
Paris, 31. März.
Einer Abordnung der Kammer, die vor Her- riot den Wunsch ausfprach, daß die Sicherheitsverhandlungen mit Deutschland nicht eröffnet werden follten, bevor nicht Deutschland dem Völkerbund beigetreten sein werde, gab Herriot daS deutsche Memorandum über die Sicherheitsfrage bekannt und schloß sich ihrer Ausassung an. Er erklärte jedoch, daß et ">. Uebureinstimmung 'v-u- fti, Sic ..'-hg«6 =
lungen mit Deutschland zu eröffnen, noch bevor di-les seinen Beitritt zum Völkerbund vollzogen habe. Besondere Aufmerksamkeit erlangte» zwei Punkte; 1. die Tatsache, daß Deutschland sich einer Art Bewegungsfreiheit für die Revision feiner Ost grenzen vorbehalte, indem es sich die Eventualität von Schiedsgerichten mit Polen und der Tschechoslowakei vorschlage, und 2. die Vorbereitung der Angliederung von Oesterreich. Herriot gab zu verstehen, daß er der deutschen Regierung ohne Zeitverlust eine Antwort geben würde. Er habe auch benötigt, daß es die Meinung Englands sei, mau könne keinen Sicherheitspakt mit Deutschland vor seinem Eintritt in den Völkerbund schließen, daß dies jedoch nicht hindere, den Meinungsaustausch fortzufetzen. Schließlich werde man auch der Ausdehnung des Sicherheitspaktes auf andere Nationen unter Reform der Schtedsgerichksverträge zustimmen.
Wie Frankreich spart.
Keine neuen Steuern, sondern Abstriche. (Eigene Drahtmeldung.)
Paris, 31. März.
Die Vorgeschlagene Herabsetzung der Einnahmen und Ausgaben wurde im Senat damit be- grünbet, daß man neue Ausgaben, die sich durch ®r2°Jt«.aer^8^un8eri der Beamten und durch Erhöhung der Zuweisungen für Kriegsteilnehmer ergeben hätten, nicht durch Erhöhung der Einnahmen, sondern durch Einsparung erzielen müsse. Es genüge njcht, fortgesetzt neue Steuern anzunehmen, die die Steuerzahler nicht in der Lage seien, zu bezahlen. Deshalb habe man von den Ausgaben 1543 Millionen Franken abgestrichen, eine Summe, die ungefähr der gleichkomme, die die neuen Lasten ausmachen. Las Budget für 1925 bedeute damit eine neue Etappe auf dem Wege zur finanziellen Gesundung. Der Stand des Franken sei vom Vertrauen des Landes abhängig.
0?Unttttet 77. Einzelnummer 10 Pf^ Sonntags 15 Pf.
Die vorläufige Lösung der Repara- tionssrage in London war und bleibt nur eine Etappe im Rahmen der allgemeinen Entwicklung der „großen Politik". Die nächste wird und muß die politische Sicherung der deutschen Unabhängigkeit, der deutschen Freiheit und Gleichberechtigung sein. Wir werden selbst bei stärksten innerwirtschaftlichen Anstrengungen die in der Zukunft anwachsenden großen Reparationsleiestungen nicht aufbringen können, wenn uns die Außenpolitik diese „deutsche Sicherheiten etwa nicht bringen sollte. Hier erkennen wir deutlich, daß das letzte Wort bei der Außenpolitik selbst liegt. Ader wiederum von der Seite der Wirtschaft her bereitet sich langsam und allmählich ein starrer Impuls und eine steigende Tendenz zu ihrer Unterstützung vor: Ebenso wie es setzt die dringende Ausgabe der Führung unseres Staates sein muß, das deutsche Volk ir den kommenden langwierigen politischen Auseinandersetzungen mit seinen Kriegsgegnern um die Wiedererlangung deutscher Freiheit „nd Unabhängigkeit zusammensaffen, so weist daneben die wirtschaftliche Entwicklung draußen in der Welt immer deutlicher auf die Notwendigkeit von Deutschlands Mitarbeit in der Lösung zweier großer Weltausg-a- ben hin: die eine ist die internationale Abrechnung über die gegenseitige Kriegsverschuldung unserer Gegner, die niemals ohne allgemeine Deutschland einschließende internationale Lösungen gelingen tarnt; die andere ist der Interessenausgleich und die handelspolitische Zusammenfassung sich ergänzender europäischer Wirtsckafts. gebiete zum Zwecke der Verbilligung der Produktion und zur Sicherung von Arbeit und Existenz für heut überschüssige Millionen in vielen Staaten des übervölkerten Europas Hier könnten wir wirklich in die Weite und in die Arikuss? blideij,. hier entstehen Ausgaben, oie uuer wrtetiirett uno sonnigen
inneren Hader erheben!
Sn der Tretmühle.
Politik und Weltwirtschaft.
Von Staatssekr. Frhr. v. Rheinbaben, M. d. R. l Grundlegend für vieles in deutschen Landen ist seit dem 29. August 1924 der Dawesplan b. h. richtiger der Gesetze, die seiner Durchführung in Deutschland die Wege wiesen. Wir horten bisher, daß die im ersten Jahre zu leistenden Zahlungen pünktlich abgeliefert üvd und wir sehen endlich, wie die übrige Welt draußen mit dem Vorhandensein des Ta.ves- plmtes als etwas Festem und Unabänderlichen rechnet. Aber nur eine beschrankte Anzahl von Deutschen steht etwas weiter, wird und bleibt nch darüber klar, daß die eigentliche Schwere derLasten erst in etwa zwei bis drei Jahren whlbar sein wird, und daß es noch keineswegs seMeht, ob und wie wir sie in der verlangten Ache überhaupt werden aufbringen können. Vorläufig ringen wir ja auch übrigens in mancher Hinsicht noch um das Prinzip, allererste Voraussetzungen für eine dauernde finanzielle Gesundung im Innern zu schassen, so in den Fragen der Steuerreform, des Fi- nanzausgleiches und der Lösung des Aufwertungsproblems. Für sehr viele unter uns schreiten diese Arbeiten viel zu lang- sam vorwärts. Jetzt haben wir infolge der Reichsprafldentenwahl wiederum eine Störung ©er parlamentarischen Arbeiten, sodaß der Reichstag frühestens in den letzten April- en sich mit der Steuerreform und dem so heißen Etsen der Neuverteilung der aufgebrachten Steuern zwischen Reich, Ländern und Gemeinden befassen kann. Bezüglich der Aufwer- tung hat das Parlament die Regierung ständig und stetig gedrängt. Nach Lage der Dinge muß auch hier die gesetzliche Regelung unbedingt in- beiden Frühjahrsmonate Mai und i'uni dieses Fabres geschehen. Nebenbei soll' dann noch bei E.az —sat sch.^vr. .»„t, .uu.ituer Antrag beraten werden. Man sieht also: Aus all diesen Gebieten hat die Außenpolitik formell und scheinbar garnichts, in Wahrheit allerdings ein sehr gewichtiges Wort mitzu- sprechen.
Und dieses Wort ist kein anderes, als daS eiserne .Muß! Wir müssen ganz einfach über all dem inneren Parteienstreit und über dem Gegensatz zwischen allen möglichen Jnteressen- tenkreisen in den allernächsten Monaten zu wenigstens eine gewisse Dauer verheißenden Losungen aus den sogenannten finanziellen, J- 'n Wahrheit die ganze Wirtschaft aufs höchste berührenden Gebieten kommen, weil ea sonst völlig undenkbar ist. daß wir die Lasten des DawesplaneS in der körnenden Zeit auf- jufcringen, d. h. bieienigen internationalen Verpflichtungen einzuhalten vermö- gen, auf die sich ein großer Teil der übrigen Welt fest eingestellt hat. Auf der anderen Seite fordert aber auch die deutsche Wirtschaft von sich auS endlich Klarheit d. h. Beseiti- Suug der Unsicherheit über die von ihr auszu- brtngenben Steuern und über die für sie vorhandenen Kreditmöglichkeiten. Daß wir in dieser Hinsicht keine Zeit mit Verschlep- pung oder, Erperimenten mehr verlieren dürfen, liegt auf der Hand. Wir können u. dürfen hof- ren, daß die in der deutschen Wirtschaft selbst liegenden gesunden Kräfte sich hier durchsetzen werden und daß es gelingen möge, 8 ohn - und i e to e u n 8 e n auch in der kommenden UeberaangSzeit möglichst ohne Zwang der unvermeidlichen Verständigung zuzuführen. Aber das Andere, daS Anvassen, das Wieder- einfugen ber deutschen Wirtschaft in der SB e 1t- wirtschaft aufgrunb auch die deutschen Interessen und Notwendigkeiten berücksichtigender Handel S v erträge — daS scheint bei wei- kmder schwierigere Teil zu sein. Mit Frankreich haben wir bisher nur ein Pr ovi so- r, u m. Ein anderer zwischen den beiderseitigen Regierungen langst vereinbarter Handelsvertrag zwischen Deutschland und Spanien wird seit Monaten In der öffentlichen Meinung und bann auch im Parlament wegen der Nachteile für den deutschen Weinbau hart umkämpft An dritter Stelle, zwischen Deutschland und Italien, droben bte Verhanblungen völlig zu stocken, ba das kurzfristige Provisorium mangels eines in Zukunft geltenden Zolltarifs zu einem Vertrage nicht ausgestaltet w-rd'n kann. Wieder andere Verhandlungen im Osten, nach Polen und Rußland stehen erst in den allerersten Anfänaen und überall zeigen sich Hemmungen und Schwierigkeiten, denn Polen gleicht zur Zeit wegen der von Deutschland beantragten Grenzrevision einem Tollbaus Wie sollen wir aber die Lasten deS Dawesvlane-' 1 aurbrtnaen. wie sollen wir auch nur bie btsfrer । stark passiver Handelsbilanz die deutsche Wirtschaft .n sich selbst wieder aufbauen und konsolidieren. wenn es uns nicht gelingt, in der kom- i wenden Aera der Handelsvertragsvolitik zu 1 wenigstens sur eine gewisse Spanne Zeit erträglichen Losungen zu gelangen!