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Extra-Wahlausga-e

Meter Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessssche Abend^eLLunq

Montag, 30. März tS25.

Der Kampf um den Präsidenten

Vor neuen Wahlkämpfen

Kaum mehr als 65 Prozent Wahlbeteiligung.

tagswahl gefallen. Sie beträgt kaum mehr als! tagswahl. Davon entfallen aus

Ernst Thälmann

Zersplittert in Kaffel-Stadt 23 Stimmen

Aimmverhältnis bei der Reichstagswahl

Som. Tt.-Vp. Nat.-Toz. Dem. Bayr.V. Wtfchp. USPD.

2103

Wie wurde in den Bezirken gewählt?

l'-zirk: Braun 239, Held 1, Hellpach 331, Ludendorff 10, Marx 54, Thal-

Stadt:

Land:

Dtn.

19 304

5425

377

86

10787870 . 210968 , 3988659

Der erste Wahlgang ergebnislos / Ein zweiter Wahlgang erforderlich / WahlmUöigkeit und schlechte Witterung / Durchschnit l ch zehn Prozent geringere Beteiligung gegenüber der letzten Reichstügswahl/ Auffallende Derringemng der Stimmenzahl der extremen Parteien.

Soz.

37 437

15 349

Otto Braun . . Dr. Heinrich Held Dr. Willy Hellpach

Zentr.

4 607 280

. 7838676

. 999036 . 1582414

35347 . 310 . 9003 35408 . 749 , 4814

2959

Dr. Karl Jarres Erich Ludendorff. Wilhelm Marx . . . . 1885 778

Im städtischen Wahlamt.

«Neben dem Kreiswahlleiter bei der Regie­rung war der meistbeschäftigste Mann der Stadt Kassel zweifellos der Leiter des städtischen Wahl- amteS, Dr. Schumann, der Direktor des Sta­tistischen Amtes der Stadt Kassel. Seine schon bei der Dezemberwahl wohl bewährte Organi­sation klappte glänzend Beweis ... es gab nur ein halbes Dutzend Reklamationen oder Nach­fragen im Wählamts In den meisten Bezirken wiesen die Listen nicht die geringste Beanstan­dung auf, eine Tatsache, die auf prompteste Vor­arbeit schließen läßt. So weit als möglich wa­ren alle Wahllokale mit den gleichen Vorstän­den besetzt wie bei den Dezemberwahlen. Wo Absagen erfolgten, war es wegen Konfirma­tion! Allen läßt es sich allerdings nicht recht machen. So kam am Sonntag morgen ein Mann aus dem Westen aufs Rathaus, der nicht in sei­nem Bezirk wählen wollte und Ueberschreibung aus ein anderes Wahllokal verlangte. Als dies abgelehnt wurde, weil zu spät, stieß er die fürchterliche Drohung aus: „Sie werden es dann erleben, daß ich überhaupt nicht wähle!" Die Be­deutung, daß nicht das Amt, sondern er selbst sich schade, ließ ihn einen kleinen Wutanfall auf-

5, Hellpach : 56, Thäl-

10 656 232 1 547

Die Meldungen aus dem Reiche, soweit sie um 4 Uhr morgens vorlagen, lassen erkennen, daß keinem der Kandidaten der Sieg beschieden ist. Vs ist somit ein zweiter Wahlgang erforder­lich. Bemerkenswert ist die verschwindend kleine Zahl der zersplitterten Stimmen, die der Wahlausfall zeigt, ferner der starke Rückgang der extremen Richtungen. Die Wahlbeteiligung ist um fast 10 Prozent gegenüber der letzten Reichs-

65 Prozent. Ueberall ist die Wahl störungslos und ruhig verlaufen. Wahlmüdigleit, Ncbcr- zeugung von der Ergebnislosigkeit und schließ­lich auch die in den meisten Teilen Deutschlands herrschende regnerische Kälte mögen die Wohl­freudigkeit sehr ftorl herabgemindert haben.

Es wurden abgegeben 27 291 401 Stimmen gegen 30283 986 Stimmen bei der letzten Reichs-

Vorsteher . .. dieser Bezirk hatte allerdings 1024 Wahlberechtigte statt 902 bei dem „Sieger".

Um 7.10 waren 23 Bezirke da, um 7.17 Uhr 37, um 7.25 Uhr 50, um 7.30 Uhr 64, um 7,45 Uhr schon 78 Bezirke und jetzt gah es eine Meldung, die nicht uninteressant ist: In einem Wahlkreise erhielt Kaiser Wilhelm eine Stimme. Noch eine dazu oder zwei, bemerkte dazu „Je­mand", und wir haben eine neue Partei in Kassel . . eine Kaiserpartei. Indirekt war diese zweite Stimme da, denn in einem anderen Be­zirk wurde Kronprinz Friedrich Wilhelm ge­wählt. Da und dort erhielten auch Hitler und Gehler einige Stimmen. Der originellste Stimm­zettel aber fand sich in der Urne des Wahlloka­les in der Schule an der Schützenstratze. Darauf stand von einer Wählerin geschrieben «in „Ge­dicht", das alle Kandidaten „durch den Kakao zieht" und zu dem Schluß kommt:

„Drum wähl ich meinen Mann, Weil der's am heften kann!"

Es ging jetzt langsamer ... die beschauliche- rett, geruhsameren Wahllokale kamen erst nach und nach an. Meist lag es daran, daß auf den angeordneten telephonischen Weg verzichtet wor­den war ... zu Fuß geht's auch! Um 7.55 Uhr waren 105 Bezirke da und gegen %9 Uhr end­lich ... 120 Bezirk« ... affe' In so kurzer Zeit ist noch nie ein Wahlergebnis sestgestellt worden l

Während die Presse, deren Boten „allzu in einem hin" aus dem und zum Rathaus liefen, die „Dauertelephonistin" gewesen war, schleu­nigst das Lokal räumte, saßen die Beamten des Wählamts noch lange, sehr lange . . . jetzt galt es, die Akten zu versorgen, die aus den Wahl­lokalen ankamen, die Listen nochmals nachzurech­nen, abzuschreiben usw. Es heißt, daß Blut ge­schwitzt worden sei. . .

31 149

15 310

88

1411

9188

, 221

, 420

, 1712

Die Nacht ichten-Ucbermittlung.

Inzwischen fanden sich Tausende in der Köl­nischen Straße ein, wo vor der Geschäftsstelle der Kasseler Neuesten Nachrichten der Schein­werfer spielte und „Zug um Zug" das Fort- schreiten der Kasseler Ziffern bekanntgab. Auch auf dem Friedrichsplatz hatten die „Neuesteit" ihre „Filiale" aufgemacht ... der Sturm rüt­telte an der weißen Wand, aber sie hielt aus., genau wie die erwartungsvolle Menge, die mit Anerkennung für den flotten Nachrichtendienst nicht zuhückhielt, der übrigens auch aus Hotels, Casss, Theater und Wirtschaften aller Art aus- gedehnt war. Die Sonderblätter fanden rasche Abnehmer und überall war es, als verfolge eine Sportgemeinde ein großes Rennen . . . Jarres erst so und so viel Tausend ...? Braun vor...? Hellpach . . .? Schließlich eine Art Endspurt zwischen Braun und Jarres ... Er holt auf!

Und dann das Raten, wie es „draußen" sein möge, wer in die Stichwahl kommt, wie dabei „gruppiert" wird usw. Zwischendurch sickern hübsche Geschichtchen aus den Wahllokalen durch, so von einer jungen Göttingerin, die in einem hiesigen Wahllokal wählen wollte, weil sie früh in Göttingen es vergessen hatte ... ein Groß- aufgebot von Liebenswürdigkeit prallte an dem Vorsteher ab . .. Stimmschein, sonst keine Wahl! In einem anderen Wahllokal gab's ein viertel­stündiges Suchen in der Wahlliste. Der Wähler behauptete, er wohne seit zehn Jahren in dem Hause 45, habe immer gewählt und nun auf ein­mal nicht? Schließlich sällt's ihm ein und er schlägt sich vor die Stirn: Ich wohne ja Nr. 46! Da war er gleich gefunden . . . eine Stimme ge­rettet und zugleich der gute Ruf des Wahlamts!

Gegen 10 Uhr schon ist die „Stimmung" ab- geslaut, es wird wieder auf die Musik gehört, die private Unterhaltung geht weiter . . . selt­sam . . . solche Stille an einem Wahltag, an ei­nem solchen sogar, einem weltgeschichtlichen Er­eignis — das deutsche Volk wählt ja erstmal- in mehr als tausendjähriger Geschichte in der Gesamtheit fein Oberhaupt! — folche Ruhe!

Man denkt an frühere Wahlschlachten, an amerikanische Präsidentenwahl und einig ist man nur darin . . . es kommt ja doch zur Stich­wahl. Auf ein neues . . .! R. H.

3. Wahlbezirk: Braun 153, Held 2, Hellpach 97, Jarres 442, Lndendorff 7, Marx 45, Thäl­mann 6.

4. Wahlbezirk: Braun 182, Held 5, Hellpach 80, Jarres 379, Ludendorff 12, Marx 37, Thäl­mann 6, übrige 1.

5. Wahlbezirk: Braun276, Held 1, Hellpach 63, Jarres 254» Ludendorff 5, Marx 27, Thäl­mann 11.

6. Wahlbezirk: Brann 212, Held 2, Hellpach 73, Jarres 327, Ludendorff 5, Marx 32, Thäl­mann 12.

mann 11.

2. Wahlbezirk: Braun 121, 70, Jarres 507, Ludendorff 9, mann 10.

1. Wahlbezirk: Braun 224, Held 1, Hellpach 79, Jarres 390, Ludendorff 12, Marx 40, Thäl-

3 368 16 414 3 523

2 157 3 706 857

Einzelnummer 10 Pf.. Sonntags 15 Pf 5 THORA

Das Kasseler Wahlergebnis

Don 112 000 Wahlberechtigten wählten 88717.

9?umtre 76. Einzetnuvu-j-i 10 Pf, Sonntags 15 Pf.

ätueigeiirrciit: (St n beitntf tbe (Sei d><v i »otwetge •• -Seite 2u <#cg„ aasioartige Lenhart»- antetaen Zeile 20 Pfg, itdiniiienatuetgen Seilt *20 Wo., Sletne Anzeigen oas Wur 4 u«ig„ Reklamen bie .-teilf 75 tO». Cifertge&übr io 'iffg. (bei Huienba. 6er Offerten So *10.1 Rechnuaasbeträae gab innerhalb * Ta. m bezahlen. Maßgebend ift her Kurs 0e8 ,SabIunc8faae8. ftür die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aitfoeuebenen Rn- teiaen sowie für Rmnakmebaten und Made kann »ich- lara-iher* werden >>ut Anzeigen mN befand, fchwieriaem Saft too t‘roi.fluffiblaa. Druckerei Schlachtham ftrafie vc-n Weirbüftaftede KM-, ®tr 5. aeeenffb.her Soohrltr .ternfor ‘>51 > ’5

7. Wahlbezirk: Braun 191, H^d 7. Hellv ch U ~

100, Jarres 421, LudenLolff 4, i.iUi u",, -.hal-192, Janes 331, Ludendorff — jmann 10.

Sie »tanelei ttieueften Rachrichten erscheine» wöchentlich 'echsmai nachmittage. Der Abaniiementspreie beträgt für den Manat 2.- Mk. bei ’teier 3uftelluno tn8 £>au8, in 6er (SeftbäftbfteUe abaebol» I.cch Mk. Durch bie Poft monatlich 2.oo Mk ausfchlienlich 3«ftellitiigsaebul>r Verlag und Redaktian Schiachthafftraüe 28/80. Fernsprecher 951 und 952, {Tür unverlangt etngefanbte Beiträge kann die Re­daktian eine Berantwartuna aber (Seroäbr in keinem «Valle übernehmen. Rück- itthlung des Bezuasaeldes ober Ansprüche menen etwaiger nicht orbnungSmäftiger 'ieternn-' 'ft aiisaeschlpsfen kotztcheckkvn'p flranffitr* a. Main Nummer ii:Wn

KaffelerWahl-ANerlel

Ein stiller und ruhiger Wahlsonntag.

Hätten nicht die Kommunisten leuchtende rote Farbe in das Straßenbild gebracht, es würde am Sonnabend wie am Wahlsonntag niemand aus dem Siadtäußeren aus Wahl geschlossen haben. Die Anhänger des „roten Präsidenten" fuhren mit einem pompösen Lastkraftwagen umher. Ei­ne Unmenge allerrotester Stoff war daran ver- fchwendet und große Fahnen flatterten, wiede­rum feurig rot und als Gösche ein . . . Sowjet­stern! Der „rote Frontkämpferbund" stand dar­aus und auf dem Oberbau über dem Führersitz saß eine Frau mit knallroter phrygischer Mütze, ganz Paris von 1792. Revolution! Ab und zu wurde in ein Horn getutet.

Einen kleinen Zwischenfall gab eS nur in der Unterneustadt, wo aus einem Lokal ein Bierglas gegen den Wagen geworfen wurde. Das „Ge- schoß" ging hart am Führer vorbei. Der Wagen hielt, die Besatzung drang in die Wirtschaft ein, aber der Urheber des Attentates war bereits durch eine Hintertür verschwunden. Er brachte es fertig, zur Schutzpolizei zu laufen und diese zu benachrichtigen, daß die Kommunisten ein Lokal „stürmten". Als die Polizei erschien, gab's gütliche Einigung . . . das war aber auch alles!

Einen „öffentlichen Karneval" im Kleinen infzenierte ein als „Ludendorff" gekleideter Mann. Die ganze Brust hatte er voller „Orden". Und ein anderer markierte den Kapitalist, der Geld unter das Volk wirst ... es waren leider nur Jnslationsscheine! Ruhig verlies eine de­mokratische Versammlung am Sonnabend. Abends zogen noch einige Jungdoabteilungen mit Trommelwirbel und Pfeifenklang durch die Straßen. Ein paar Wahlplakatettäger am Sonn­tag früh in den Straßen und sonst. . .

Man sah mehr andächtige Kirchgänger, Kon­firmanden und Konfirmandinnen als Wähler, die die Wahllokale betraten, vor und in denen es an jeder „Aufmachung" gebrach. Was dem Tag sein Gepäge gab war Schnee und Nässe...!

Kassel-Stadt.

Braun ......

Held......

Hellpach.....

Jarres .....

Ludendorff .... Marx. ir . . . .

Thaimann ....

Kassel-Land

Braun .....

Held • • • • •

Hellpach.....

Jarres .....

Ludendorff ....

Marx......

Thälmann ....

führen!

Und abends ...? Bettachten wir die Abrol­lung der Dinge von dem der Presse eingeräum­ten Zimmer aus. Für alles ist vorgesorgt. Zwei Telephone und sogar . . . Radio. Bis 7 Uhr konnten wir Frankfurter Darbietungen lau­schen und . . . genau eine Stunde nach Wahl­schluß, puntt 7 Ühr, verlas Dr. Schumann die ersten Wahlergebnisse .. . aus elf Bezirken. Der erste Bezirk, der dem Rathaus gemeldet hatte, war der Bezirk 71 mit Wahlvorsteher Charles Haas und Stellvertreter Kölsch, jener bekannten Persönlichkeit, die gewohnt ist, schnell den Zu­schlag zu erteilen . . . zmn ersten, zum zweiten, zum . . .! Nur zwei Minuten spater war bet . „ Bezirk 28 da mit Buchdruckereibesitzer Reitz als mann 16, Übrige 1.

8. Wahlbezirk: Braun 282. Held 3, Hellpach 74, Jarres 227, Lndendorff 3, Marx 37, Thäl­mann 20.

9. Wahlbezirk: Braun 145, Held 1, Hellpach 102, Jarres 402, Ludendorfs 20, Marx 68, Thäl­mann 7.

10. Wahlbezirk: Braun 150, Held 3, Hellpach 132, Jarres 403, Lndendorff 1, Marx 28, Thäl­mann 7.

11. Wahlbezirk: Braun 143, Held 3, Hellpach 107, Jarres 388, Ludendorff 9, Marx 50, Thäl­mann 12.

12. Wahlbezirk: Braun 160, Held 1, Hellpach 626, Jarres 303, Ludendotsf 5, Marx 25, Thäl­mann 16.

13. Wahlbezirk: Braun 200, Held 4, Hellpach 73, Jarres 311, Lndendorff 9, Marx 56, Thäl­mann 20