Nr. 70.
Fünfzehnter Iahraanq
Kaffem Neueste Nachrichten
1. Beilage.
Dienstaq, 24. März 1925,
Kleider geworden sind. Die betreffenden Damen! ab. Ein hessischer Polizeibeamter hatte ehienan sollen dann regelmäßig in einen Hausflur fluch, den Händen gefesselten -^angenen, merkvur
Total ausverlaust!
Nur einige
auS
Der
Lelchtflnnige Maschen auf Re'sen.
* Bor der Hochzeit tödlich verunglückt. Ein
(Fortsetzung folgt)
rei hinunter:
Gott stand oder, wenn konnte mir
kommt immer etwas vor. Der Leichtsinn der Opfer spielt immer die Hauptrolle.
werden. Die Bestattungen dauern den ganzen Tag über an: sie werden von den Behörden beschleunigt, um der Seuchengesabr zu begegnen. Die Pestgefahr wird von den Bebörocn sehr ernst genommen Es wurde ein entschiedenes Verbot erlassen, Wasser zu trinken, das nicht von den Soldaten ausgegeben wird. Im Zusam- menhang mit dem Tor radounglück geben die Blätter eine Zusammenstelung der in den l tz- len zwanzig Jah-m über dieses Gebiet hereingebrochenen Tornadokatastrophen: Mar 1505; 130 Tote in Kansas und Südoklahama, Juni 1908: 27 Tote in Nordlansas und Südnebraska, April 1908 : 500 Tote in Mississippi und Lousi- ana, Mai 1917: 67 Tote in Missouri und Ick- nois, Juni 1919: 70 Tote in Oklahoma, Ju!i 1923 : 63 Tote in Jova, März 1924: 94 Tote in Kansas, Oklahama, M Jourt und Obio. Juni 1924: 100 Tote in L« .ain und Sandesky
Einkäufe gemacht Hane, wollte kurz vcr einem Zuge die Bahnlinie überschreiten. Aus dem schlüpfrigen Boden glitt sie aus und ktel so unglücklich, daß ihr vor den Augen ihrer Schwester der Kops abgefahren wurde.
lieber den Parteien mit ihrem gefährlichem Gezanke stehend, erblicken die Kasseler Neuesten Nachrichten ihre Ausgabe darin, ein gutes Zamtnenblatt 'ür alle stände zu fein. Untere Leser, denen der Inhal: unterer Zeitung zusagt, erweisen uns einen Dienst durch Empfehlung bei allen Verwandten, Freunden und Bekannten.
„Welches bedeutende Ereignis fand vor nun. mehr genau dreihundert Jahren statt?" — „Ich weiß nicht, Herr Lehrer, ich bin erst acht Fahre alt."
erforderlich.
♦ Das Gewissen plagt ihn. In dem ungari- scheu Orte Menhard in der Zips kam der Tischlermeister Fabry zur Gendarmerie und erklärte weinend, et habe im Januar 1924 seine 65jahri- ge Frau vergiftet. Die Frau habe ihn, weil sie krank war und furchtbar zu leiden hatte, oarum gebeten. Obwohl die Aerzte nach der Enterdi- gung der Leiche nicht fesigwiellen vermochten, daß die Angaben des Mannes den Tatsachen entsprechen, blieb dieser dock bei seiner Behauptung, weil er fein Gewissen entlasten müsse. Nun wurde gegen ihn das Strafverfahren eingeleitet.
* Kinderlähmung auf Neuseeland. In Wcl- lington in Neuseeland breitet sich die Kinderlähmung immer mehr aus. Seit Weihnachten sind sämtliche Sckmlen geschlossen, und das Rei- sen von Kindern ist nur mit besonderer Genehmigung des Gesundheitsamtes gestattet Bis- her sind 700 Fälle von Kinl erlühmnng festgestellt, davon 172 mit tödlichem Ausgang.
* Landbeute als Schatzgräber. Bulgarische Bauern haben bei Kotscherinowo einen Schatz im Gtetoidrt von zwanzig Kilogramm gesunden, der neben anderen Kostbarkeiten zwei goldene Kronen enthalt.
Das war das Gebot, das Severin MagnuS dem schlafenden Gerlach in sein träumendes Hirn senkte, als er ibn in der vorigen Nacht in seinem Zimmer aufsuchte.
Der Nacktredakteur sitz an seinem Pult. Stille ist es um ibn herum. Tie dringenden Depeschen sind erledigt. Unten in der Druckerei der großen Leitung beginnen die Rotationspressen zu rasseln und die Automobile warten bereits, um die Frühzeitungen zu den Bahnhöfen zu bringen.
Der Redakteur ist müde. Aber seine Pflicht ist es, hier noch zu wachen. Jeder Augenblick kann irgend woher ein Telegramm oder einen drahtlosen Funksvruch bringen, der noch zu berücksichtigen ist. Aber er hat nichts zu tun.
Er gähnt und raucht feine Zigarre. Da fällt ihm ein, er war ja an diesem Nackmtiatg ans der Generalversammlung der Hölderlinwerkc. Von dem glänzenden Sieg des Kommerzienrats und seiner beaeisterten Rede hat er schon berich tet. Jetzt fällt iknn ein. von zwölf bis eins ist das Rundfunkkonzert. Warum soll er n'ckt lau- icken. um sich die Zeit zu vertreiben. Er sieht nach der Uhr. Es ist ein Viertel nack zwölf. Er rückt den lautverstärkenden Trichter zureckt und schaltet den Apparat ein. Seife schmeichelnde Musik tönt herüber. Felir Rebert Mendelssou, der aenss- Eellosviele. von Walter Meißner be- aleitet, spielt ein Konzertstück.
Kommerzienrat Hölderlin bietet seinen Aktionären in der Tat ein herrliches Schlummerkonzert. Der Redakteur beschließt, diese Mitternachtsmusik morgen noch besonders zu rezensieren. Die Töne verklingen. Eine Pause — n”n — keine Pause, ganz laut und tvernebmlich tönt aus dem Rundfunk eine mensckl'che Stimme.
Da? Unglaubliche ist Severin MagnuS gelungen, Gedanken direkt wieder in tönende Worte "mzusetzen. Wie genau muß er die Schanwell-m studiert haben, die Kommerziennrat Hölderlins Stimme hervorbrinat, daß deutlich diese Stimm? in den Worten setzt zu erkennen ist, in den Worten, die die Gedanken in alle Welt setzt hinaus-
Man kann nicht alles wissen.
„Was ist dein Bräutigam eigentlich für ein Mensch?"
»Wie soll ich das wissen? Mr haben uns ja erst gestern verlobt."
Die bis heute eingelaufe"-» ■w-’^ungen den zerstörten Gebieten Nordamerikas ände-n nicht mehr viel an dem Bilde, das man aus den bisherigen Berichten gewonnen hat. Tie Zahl der Toten hat sich noch etwas erhöht und wird sich wahrscheinlich im weiteren Fortgang der Bergungsarbeiten noch mehr erhöhen, da dauernd Tote aus den Trümmern hervorgezogen
Aus aller Welt
Aus dem zerstörten Illinois.
Derbrecherfagd auf der Straße.
Ein aufsehenerregender Vorfall spielte sich in der Friedberger Anlage in Frankfurt a. M.
Flüsteret halten die Freundlichkeit, mir Karten zu hundert und hundertfänfzig Mark am Portal anzubieten, was ich natürlich als sparsamer Familieuvaler nut Bedauern ablehnen mußte. Toch sah ich einige Herren, die sich nach Hyänenart aus die Verkäufer stürzten, aber es waren keine Sportliebhaber, sondern einige Kriminalbeamte, die so freundlich waren, diese Herren Karlenschieber gleich zu verhaften.
* Stürmischer Frühlingsanfang.
Frühlingsanfang hat London den ersten Sckmee gebracht. Aber nicht nur in London wütete ein Hagelsturm und Schnee, sondern auch auf dem Lande, wo in manchen Gegenden der Schnee zehn Zentimeter hoch war. An der ganzen franyfifden Kanalküste bat es ebenfalls stark geschneit. TaS Meer ist heftig bewegt. Es wüteu starke Nordweststürme.
* Er vergißt feine Heimat nickt. Ein ans Ueisen in Hannover stammender Deutfchameri- kaner, namens Henry S. Kofahl, bat dem Uelzener Museum eintausend Dollar hinterlassen, ferner den Atmen der Stadt Uelzen 2'0 Dollar Er bat bestimmt, daß die Urne mit seiner Asche in seine Heimatstadt überführt und dort unter
Neben der Prapdeiiieiifrage war in Viesen Tagen das S e chs t a g e r eu n e n das Wich tigi'te. Wer wird siegen, wer hat .schlapp" gemocht. Bor zehn oder fünfzehn Jahren hatte man sich nie |o sehr über dieses etwas grotestc Rennen aufgeregt wie heute. Aber die Menick- heil ist ja heute etwas anderes geworden; lassen wir ihnen ihr Vergnügen. Ick wollte mit all« Bravour mir eine Karle erobern, aber der hebe mir nicht zur Seite an der Kaste er mir zur Seite gestanden hat, er auch leinen Platz verschaffen:
Berliner Guckkasten
Von
Egon H. Straßburger.
Die anBoerEaufttn 6edtetaflrtennen. I DaS Suaftütf btt £oetette. I Unglück an der Börie. Um Stasi und Kragen. I Helden der Schere.
Die Streich« des Imltnfull
Jack, der Kleiderauffchlitzer, ist längst über alle Berge, das heißt, er mag in einem Berliner Restaurant sitzen und über seine Heldentat frohlocken. Gerade solche Neigungen, anständigen Frauen die Kleider zu halbieren, finden in der Großstadt manchmal Liebhaber. Vor einigen Fahren grassierte ein Tintenkuli in Berlin, der sich die schönsten Kleider, beson- vers die hellsten, aussuche, um sie mit der jchwärzesten Tinte zu besudeln. Es ist sonderbar: diese Verbrecher werden so selten gefaßt, obwohl nach Bekanntgabe dieses Lasters jeder sich die Prämie verdienen will, die auf die Ergreifung eines solchen Buben gesetzt wird.
amerikanischen Boden zu schmuggeln. Es scheint, daß der Verhaftete diesen Handel schon fett längerer Zeit betrieb.
* Zwei Militärflieger tödlich verunglückt. Auf dem italienischen MÄtarslugfeld von Ca- neri sind in den letzten »Wei Tagen der lunge Fliegerleutnant Zanettt und der durch sein« Kriegsunternehmungen bekannte Fliegerlehrer Zanibelli tödlich abgestürzt.
* Gabriele d Annunzio im brennenden Schiff, Der italienisch« Dichter und Freihettsheld Gabriele v'Annunzio ist mit knapper Not großer Lebensgefahr entgangen. Der Dichter, der mit feinem Motorboot den Gardasee befuhr, wurde bei Malcesine von einem heftige» Sturm überrascht. Das Wasser drang in daß kleine Schiff ein, das gleichzeitig in Brand geriet. denn das flüssige Heizmaterial hatte sich entzündet. Die doppelte Gefahr des Schiffbruchs und des Schtfssbrandes wurde nur mühsam beschworen, und zu Tode erschöpft kehrte d'Annuu- zio nach Gardone heim.
* Unfreiwilliger Selbstmord. Ein gräßliche- Unglück ereignete sich in L u d i tz in Böhmen. Der zehnjährige Sohn des Wirtschastsgehilsen Leranek lchnitzte mit einem haarscharfen langen dünnen Fleischermesser an Holz herum. DaS Messer prallte ab und fuhr dem Fungen direkt ins Herz. Als der sofort gerufene Arzt kam, war der Knabe bereits tot.
* Schmuggler gegen Schmuggler. Eine Schmugglergesellschast hatte verabredet, in P a a - d o r s im Böhmerwald nachts eine Kuh über die Grenze zu paschen. Der Besitzer des Tieres übernahm es selbst, die Sache durchzusühren. Kurz bevor er die Grenze erreichte, fielen unweit von ihm Schüsse, und er sah einige Lichter aus- blitzen. In der Meinung, daß ihn Grenzbeamte entdeckt hätten, ließ er die Kuh im Stiche, und lief davon. Erst später kam die Wahrheit in der Sache durch einen Zufall aus Der Pascher war von seinen Kumpanen überlistet worden. Gegen die an der Schmuggleraffäre beteiligten Personen wurde Strafanzeige erstattet, woraus drei von ihnen verhaftet wurden.
dreien, die Reinbold Hölderlin int einsamen Zimmer an seinem Schreibtisch denkt, nickt ahnend, daß der Radio-Celebrator an diesem Stuhl befestigt ist.
Auck der Redakteur weiß davon nichts. Er glaubt, den Kommerzienrat selber zu hören:
»Ich habe gelogen. Ich, Reinhold Hölderlin, ich, der ick sechzig Jahre ein makcllckosez Leben gesührt, ich habe gelogen, ich habe wider mein besseres Wissen die Aktionäre betrogen. Ick habe ihnen nicht gesagt, daß sckon heute vormittag die definitive Ablehnung des amerikanischen Konzerns kam. Fch habe ibnen nicht gesagt, daß unsere Kassen vollkommen leer sind. Daß Wechsel lauten, nie ich nickt zahlen kann. Daß nur das neue GeD, was sie morgen «nschießen sollen. uns vorläufig über Wasser hält. Und weiß ick, ob dieses Geld uns rettet, war es nickt eine Torheit, nock gutes neues Geld dem verkördnen alten nachzuwerfen? Wird es uns helfen? Kann es uns Helten? Ick glaube es selbst nickt. Ich habe wie ein Sckurke an unseren Aktionären gehandelt."
Der Redakteur steht entsetzt und starrt in den Apparat. Die Worte sind verstummt. Wie em Hohn ist es, daß in diesem Augenblick eine lu- ftige Operettenweife aus dem Schalltrichter ertönt. — Der Redakteur bat fieberhaft die Worte auf Bavier geworfen. Run rast er in die Drucke-
* Verhaftung eines DiamantcnschieberS. Der erste Kommistär des Passagierdampfers .Leviathan", der aus Southampton in Newyork angekommen ist, wurde verhaftet, weil er versüßt hatte, für 40 000 Dollar Diamanten, die ihm von den Passagieren anvertraut worden waren, auf
Ich habe mir eine Premiere angesehen. ES wurde eine sogenannte Operette gegeben, ich sage: sogenannt, weil ich mir seit Zähren nicht mehr klar bin, was eine Operette eigentlich ist. Eine Operette nach Art der .Fledermaus" und deS .Zigeunerbaron" gibt eS ja längst nicht mehr. Tie neue Schablone ist so merkwürdig, daß der gesunde Mensckenvcrstand schwerlich mit kommt. Tas Premierenstück brachte junge Mädcken mit wohlgcwa.tsenen Beinen und der erste Akt wurde durch tapfere Claquere entschieden. Der zweite Aki liefe die besten Tänzer- beine zu Mort kommen und der Jubel war endlos. En h im dritten Ml siel dem Herrn Aulor, bejiv. den sechs Autoren, die da mitwirk- ten, eine Kleinigkeit ein, und nun können fkl all« sechs Autoren eine Villa bauen, bezw. sechs Pillen bauen und stck ebensoviele Autos kaufen, d. h. wenn im Lause der Zeit nicht alle 2h:aier- direktoren wegen Mangels an Beteiligung von Seiten des Publikums daS Rennen aufgeben und Bankrott anmelden Aber ich habe wieder einmal gesehen, wie das titl. Publikum so leicht zu befriedigen ist, wie eS vor allem auf Verstand und gute Musik absolut verzichtet, nicht aber aus den üblichen Klimbim, wozu vor allem gehört: Shimmy, For und seit neuester Zett der liebe gute Walzer, der lange im Exil gelebt Hai und nun wieder hier heimisch geworden ist. Mo der Börse haben die Spekulanten augenblicklich gar kein Glück.
Wer heute kauft ist morgen reingefallen.
Die Umstellung der Papiere in Gold hat immer iur Folge, dafe der Kurs gedrückt wird; die kleinen Leute, die sich kein Goldpapier mehr kamen können, verkaufen bestens ihre .Papierchen" und so etwas schlendert den Kurs. Einer raunt dem andern zu: .Lieber Freund, ick verliere wieder einmal Kolff und Kragen." Soviel Köpfe und Kragen gibt es in der ganzen Welt nicht al» momentan verloren gegangen sind. Aber in Berlin war die Geldverknappung wohl niemals seit langer Zeit so unangenehm fühlbar wie ge- rade heute. Ma» muß sich wundern, wovon die alten Leute, denen es einst glänzend ging, überhaupt leben. Jeder Mann, der im Geruch steht, wohlhabend zu sein, der eine Erbschaft gemacht hat, in Italien, in Syrien oder in Pernen, ist seines Lebens nick» mehr sicher, er wird rücksichtslos angepumpl, denn man will doch leben.
Seit neuester Zeit hat sich wieder ein sogenannter Rockaufsckliyer in Berlin »auf getan“. Dieser junge Mann, eS kann auch em allerer sein, bat eS sich zur Spezialität gemacht, Damen im Gewühl sich zu nähern und Itr mir nichts dir nichts mit einer Schere zu traktieren natürlick. ohne dafe die Damen eine Ahnung haben. Treten die Damen auS dem Gewühl heraus, so werden sie darauf mifmerkkam gemacht. daß auS einem ganzen Kleid fast zwei
Li» Roman aus der Gegenwart.
2fl> Don Otfried v. Hanftetn.
Auch diese Stunden gehen vorüber. Um elf Uhr steht der Komnierzienrat aus.
»Meine Herren, wir müssen eilen, daß wir heimkommen. Sie wissen, das Rundfunk - Scklummerkonzert um Müls Uhr."
Auch diese, — die Herren, die sonst stetS Opposition gemackt, hat er für sich gewonnen und vergnügt lachend steigen sie in die bereitssehen- dcn Autos.
»Auf morgen, Herr Kommerzienrat. Ich denke, die Sache wird schnell und schmerzlos vorübergehen. Sie haben unS vollkommen über zeugt."
Es ist der größte Pessimist, der so spricht. Dann fahren Sie dem Hotel zu Der. Koim merzienrat verabschiedet sich vor der Tnr und fährt in seine Villa, neben der Fabrik drauß-n in Tempelhos hinaus.
Er überlegt, seine Nerven sind überreizt. Er vermag es nicht, jetzt etwa m das ehelicke Lcklat- zimmer zu gehen und sich meden»!^«'' ®r könnte fetzt nicht irgend ein paar gleichgültige Worte mit seiner Frau wechseln oder gar i ia» fen Tas Fabrikgebäude ist noch immer erhellt. Oben tönt leise Musik Ter Rundtunk jur Die Aktionäre der Hölderlinwerl.» hat loebeii mit le- nem Konzert begonnen. Der Kommerzienrai Neigt M seinem Zimmer hinaus Ans der Trevpe begegnet ihm Ulrick Gerlack. Er ist es der der Rii tdsnnk zu leiten bat. Aber er fühlt sich nicht tgoh' Ein eiaentümlicher Truck liegt auf feiner Stirn. Jetzt sicht er Hölderlm uno »nckrtckt:
Um HimmelSwtllen, Her: Kommerzicnrit. Wie'sieben Sie au». Sie sind krank. Sie müssen rui.cn ' _ „ _
Hölderlin fM>rt zusammen. Dann sieht er Ulrich an und laatt
digerweise auf offener Strafe-, $u transportieren. Der Gefangene ritz sich Plötzlich los und verschwand in den Anlagen. Der Beamte gab m der Richtung aus den Fliehenden einen Schus ab, der alber einen vorübergehenden Kaufmann tn die linke Brustseite traf, der schwerverletzt zw jammenbrach. Trotzdem schotz der Beamte noch mehrere Male auf den fliehenden Verbrecher, der dann auch schlietzlick durch eine Beinver- letzung an der Flucht gehindert wurde. Es ist unbegreiflich, daß das Publikum solchen Gesah- ten ausgesetzt ist. Strengere Vorschriften über den Transport von Gefangenen sind unbedingt
Der VrMz und die TKnzerin.
Eine Ehe mit Hindernissen.
Seit feiner Vertreibung lebt der türkische Prinz Abdul Kadir in Budapest, mit zwei Sekretären, vier Kindern und drei Frauen. Er ist, obwohl durch den Verlust seiner Prinzenrechte tn politische Trauer verletzt ein flotter Lebemann, der ein ständiger Gast der Budapester Nacktlokale, gern ein Abenteuer erleben wollte.
Sein Wunsch ging in Erfüllung. Im „Cercle des Etrangers" lernte er eine blutjunge, traumhaft schöne Tänzerin kennen, die siebzehnjährige Irene Waldonis-Born. die eben von einer Tournee durch Deutschland in ihre Heimat zuriickgekehrt war. Der Prtez Jab sie tanzen, verliebte sich aus der Stelle in sie, kam täglich in das bestimmte Lokal und machte ihr fckließlich — einen Heiratsantrig, den die schöne Tänzerin, was ebenfalls überraschend scheint — annahm Die schöne Ungarin wiirde also eine türkische Prinzessin, die Ehe nach mohanrme- dänischem Gesetz aescklossen und die drei bisherigen Frauen Abdul Kadirs nahmen die neue „Ebeschwesier" mit großer Herzlichkeit in den Erilsharem auf. Sie «hielt als Hochzeitsgabe ein herrliches Perlenkollter von undesinir- barem Wert und wurde die Favoritin des Sultans in der ersten Ehewoche.
Eines schönen Tages aber klovsten die Vari- etSdirektoren an der Wohnung (Harems des türkischen Prinzen und zeigten den Vertrag vor, laut welchem die neue Gemahlin verpflichtet war, aiifzutreten! Die Verhandlungen über die Zahlung einer Konventionalstrafe, welche der Sultan bereitwilligst anbot, blieben ergebnislos, da die Direktoren von dem Wiederauftreten der ungarischen Haremsfrau eine derartige Sensation erwarteten, daß deren Kassenerfolg in Geld gar nicht anszurechnen war. Wenn nicht noch irgendeine Einigung gelingt, wird es einen Prozeß geben, der entscheiden soll, ob die Gemahlin des Sultans Tänzerin bleiben muß, auch wenn sie diesen Beruf nicht mehr ausüben will.
Die Fälle mehren sich, wo deutsche Mädchen, die eine Vergnügungsreise nach Italien machen/ Opfer von Gaunern und Verbrechern toeroen,1 ui s ________________
wenn sie allein reisen. Regelmäßig spielt dabei cin.,m Rosenbusch an dem Vegräbuisplatz seiner ein geradezu unglaublicher Leichtsinn mit. Auf i^ern beigesetzt wird.
ver Straße in Mailand hat jetzt eine junge * yrl>k>eben in Kanada. In Quebec wurde Tarne die Bekanntschaft eines schmucken Land-^j„ Erdbeben verspürt, das die Häuser stark er- mannes gemacht und ist dabei ihr Portemonnaie te Der Schaden ist unerheblich, mit dem gesamten Reisegeld losgewordcn. Emj „ . «snrfueM töblick verunglückt Ein
anderes junges, Müdcken ließ es sich gefallen.!. -Mädchen ans Messenhausen bei Berlin,
daß ein Eisenbahnbeamter ihm einen Platz m; Jkab^n ^erit
einem leeren Abteil erster Klasse verschaffte, ob- i^unmttrtlbar^bevor^ben^Hob
wohl es nur eine Fahrkarte dritter Klasse besaß. Es ist vergewaltigt worden. Es ist Unrecht, aus die uiistch en Zustande in Italien zu schimpfen. In einem Lande mit so regem Fremdenverkehr
ten, woselbst sich ein ungeheurer Mensckenaus- lauf bildet. Jede.r schaut auf den andern und jeder sucht in der Hand des andern eine Schere oder ein Messer, aber
»Einen Moment, lieber Gerlach, ich muß nock einmal in mein Arbeitszimmer."
Gerlack eilt in den Rundfunkraum, der Kommerzienrat tritt in sein Zimmer. Er wirst den Pelz aus einen Stuhl und atmet aus. Hier ist es kühl und ruhig, hier ist er wenigstens allein. Er geht ein paarmal aus und nieder. Dann wirst er sick in den Sessel am Schreibtisck und preßt beide Hände an seine Stirn. Oh, diese furchtbaren, furchtbaren Gedanken. Diese gualvollrn Gewissensbisse.
»Ick habe gelogen. Ick, Reinbold Hölderlin, ich, der ick seckzig Fahre ein makelloses Leben geführt, ick habe gelogen, ick habe wider mein besseres Wissen, die Aktionäre betrogen. Ich habe ihnen nickt aesagt, daß sckon heute vormittaa die definitive Ablelmuna des gmeritenisckm Konzerns kam. Fck habe ihnen nickt gesagt, daß untere Kassen vollkommen leer sind. Daß Wechsel laufen, die ick nickt zablen kann. Daß nur das neue Geld, was sie morgen einsckießen sollen, uns vorläufla Über Wasser hält. Und weiß ick. ob dieses Geld uns rettet, war es nickt eine Torheit, nock gutes neues Geld dem verlorenen alten nackzuwerfen? Wird es uns helfen? Fck olaube es selbst nickt. Ick habe wie ein Schurke an unseren Aktionären gehandelt."
Er hat seinen Kovs In die Hände gelegt, er kann nickt einmal mehr denken. Er ist ein gebrochener Mann.
Droben im Rundftinkzimmer neben dem Raum, in dem die MuNker svielen, sitzt Ulrich Gerlack Ist er ein Wackender? Seine Augen sind offen, reine Finger hantieren an den Hebeln und Grfl fen der Apparate, die er allein bedient in dieser Nackt, aber in seinen Augen ist etwas Verschle-- -rtcs. Er macht weniger den Eindruck eine? Menschen, als den einer willenlosen Masckine.
.Du wirst dick in dieser Neckt erbieten, den Rundfunk zu bedienen. Du wirst aufp'ssen. wenn der Kommerzienrat nock Hause kommt. Tu wirst sehen, ob er in sein Arbeitszimmer geht und dort verweilt. Tut er es, so stell» den Hebel deS Rundfunks, wie ick dir jetzt befehle."