Kasseler Neueste Nachrichten
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Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
fliuctaetiöretle:(Stnbetmtfche$eid)<ittaantetgen seile 201hg., auswärtige (Äeichaits- anzeiaen Zeile 20 Pfg . tframiiienaiuetgen Seile 20 Pfg., Kleine Ärneiaen sas Wor i 4 Ufa. Reklamen die Seile 75 Pig. Cffertgebübr 1“ dfg. (bei Sufenba. der Offerten 3" Rechrrunasbeträae sind innerhalb 5 Ta. m bezahlen. Manaebenb ist der Kurs aes .Kahlunasraaes. ftür die Richtigkeit aller Durch Fernsprecher aiPaeaebenen An- tetaen «oroie für Aufnalrmebaten und Plätze kann nich' aara tfter* werben wüt An^eiaen mit bekond. schwierigem Satz ton ^roz.Auffchlaa. Druckerei Schlachtbor- ftrafte ?h/ki lNeschaftssrelle Köln Str 5 leaenüb.ber Soohritr Senior 951 n 95..
S^tttniFC 70. Einzelnummer lOPs., Sonntags 15 Pf.
Dienstag. 24. Marz 1925.
Einzelnummer 10 Pf.. Sonntags 15 Pf. 15. Jahrgang
Vor der timgeftaltung Europas.
Ade ßapiermarf!
Die letzten Inflati nsspurcn werden vertilgt.
Das Schicksal der Papiermarknoten soll sich in absehbarer Zeit vollständig erfüllen. Denn bis zum t>. Juli d. I. sollen alle Reichsbanknoten, deren Ausfertigungsdatum vor dem 11. Oktober 1924 liegt, vollständig aus dem Ver - kehr genommen werden. Damit werden noch die letzten Reste von Papiermark, die an die Inflationszeit erinnern, verschwunden sein. Mit dem Ablauf des 5. Juni d. I. verlieren die aufgerufencn Noten ihre Eigenschaft als gesetzliches Zahlungsmittel, wahrend ste noch bis zu dem bereits erwähnten Datum des 5. Juli krallen Kassen der Reichsbank in Zahlung gegeben werden lönnen, oder gegen gesetzliche Zahlung-- mittel umgetauscht werden. Rach diesem Termin erlischt die Einlösungspflicht der Reichsbank. In absehbarer Zeit werden also lediglich Reichsmarknoten, Renlenbankscheine und Metallgeld im Perkchr sein. Diese Tatsache ist insofern zweifellos zu begrüßen, als in dem Verkehr mit papierrren Zahlun Smitteln von Tag zu Tag mehr Klarheit kommt. Amtliche bei der Reichsbankhauptstelle in Berlin einlaufende Papiermarknoten werden, so schreibt rin Berliner Blatt, tagaus tagein gesammelt, gezählt, in Bündel gepackt und in die Vernich- tungsstelle für Banknoten geschafft. Aus diese A^ise sind es täglich mehrere Zentner alten Papiergeldes, das in gesülossenen Gitter- Wagen tn die Geldscheinvernichtungsstelle befer dort wird. Dort werden die Banknotenmassen mittels besonderer Maschinen zu regeirechtern Papierbrei verarbeitet, um dann an Papiersabri- ken als Rohmaterial abgegeben zu werden. Mit der Einziehung der vorher erwähnten Papiermarknoten fällt ein Ausruf der 50 - Ren- tenmarknoten zusammen, die vom 20. d. M. ab von der Rentenbank eingesordert werden. Es handelt sich um die 5O-Renlenknark-Scheine mit dem Anfertigungsdatum 1 November 1923. Die aufgerusenen Scheine können bei den öffentlichen Kassen noch bis 31. Mai 1923 in Zahlung gegeben, bei den Kassen der Reichsbank aber bis 30. September 1925 gegen andere Rentenbank.cheiue oder gesetzliche Zahlungmittel umgetauscht werden. Diese Rentenbankscheine werden aus dem Grund eingczogen, weil im ösfentlichen Verkehr Falschstücke im Werte von fünfzig Rentenmark auszutauchen beginnen Erst jetzt, also nach länger als Jahresfrist, beginnen die Fälscher etwas mehr Hebung zu zeigen. Man wird ihnen dadurch zu begegnen wissen, daß man an Stelle der zur Einziehung aufgerusenen Noten neue Stücke, die noch komplizierter als die bisherigen ausgestaltet werden sollen, demnächst herausbr.n- gcn wird Vorerst dürfte man außer den genannten Fünszig-Rentenmarknoten noch andere Notenwerte ebenfalls ausrusen.
Tie regelrechte, aus Grund des Liquidations geketzes vorgesehene Einziehung der Ren. tenbanknoten wird erst nach dem 1. Dezember d. I. beginnen, da von diesem Tage an die Abwicklungskredite die Den der Reichsbank an die Rentcnbank überführt worden sind, aus der Landwirtschaft herausgezogen werden müssen. Es kommt dafür ein Betrag von zirka 870 Millionen Rentenmark, also ein Drittel des gesamten Rentenmarkbestandes, in Frage, nachdem bis jetzt etwa hundert Millionen Rentcnmark bereits eingezogen worden ssnd. Die im Zusam- mcnhange mit der Lösung der Abwicllungskre- dite zur Einziehung gelangenden Rentenbank- scheine werden, ebenso wie die jetzigen alten Papiermarknoten vernichtet. Im Zahlungs- mittelvcrkehr ist eine merkliche Erleichterung ein- getrcten. Vor allem ssnd Fünf- und Zehn- Pfennigstücke in so reichlichen Mengen geprägt und verausgabt, daß der Verkehr in diesen Stücken als gesättigl betrachtet werden kann. Auch E i n- und Zweipsennig stücke stehen in überreichlichen Mengen an den öffentlichen Rcichsdankkaflen ’ur Verfügung. Angesichts die ser Tatsache muß man es als unbegreiflich bezeichnen, wie die Unsitte des Abrundens auf fünf um zehn Pftrinia im Zahlungsverkehr immer mehr um sich greisen konnte und Ein- und Zweipiennigstücke schlechterdings nicht mehr für Zablungszwecke in Anwendung kommen. Man muß ssch vor Augen Hollen, daß di-se Unsitte an- daliernd zur Preisveneuerung führt.
Auch mit der längst veralteten Reichsinderziffer für die Lebensdaliungskosten ist eine gründlich? Umgestaltung vorgenommen worden, und zwar ssnd für die Preisermittelung bessere Qualitäten als bisb->r »uarund? gelegt. Durch b:e At'flwhnw einer aräß-"-»u Raiftn ivkifdi- und pettwaren. Eier und Mi'ch durch Vermindern -1 der im alten Inder sehr reichlich vorbondenen Kortoff'l-oder Broirotion bot man den zu gerin gen Eiweißgebalt, den die bisherige Rattonsz ■ sammensetzung aufWieS, in angemessener Weise, nämlich um etwa zwanzig vom Hundert, erhöht.
Die Kalorienzahl selbst, die im allen Index ausreichend gewesen war, hat keine wesenti:- chc Erhöhung erfahren, die Vermehrung beträgt nur zwei vom Hundert. Die Berechnunasgrunö- lagen der Inderziffer wurden über die bisher vorhandenen Bedarssgruppen (Ernährung, Wo - nung, Heizung, Beleuchtung und Bekleidung^ durch Einbeziehung „Sonstiger Ausgaben" wie Körperpflege, Reinigung, Bildung unb Unterhaltung erweitert. Zur Erfassung der PerkebrsauSgaben wurde von einem festen Pauschalbeträge ansgegan»en, von dem je ein Drittel die Ausgabe |üt Eisenbahn, Straßenbahn und Fahrrad repräsentieren.
Die Erhebungsgrundlagen für die Bekleidung sowie für die anderen Bedarfsgrupven ssnd bei der Inderberechnung ei ter gründlichen Nachprüfung unterzo ten worden. Dem besonders von der Gewerkschaftsseite geäußerten Wunsch die Steuern und s o z i g l e n Abgaben in der Inderberechnung einznbeziehen, osaubte man weoen der damit verbund-neu technischen und methodischen Sckwierigk»'t»n nicht -ntsvrechen zu lönn-n Die Veröffentlichung der Reioesindexz-sser effolat hon nttn -'n nur einmal im Monat. Es braucht eto-ntlid) nicht be'-nders betont zu werden, daß di»R»'ch'- inderzisl->r auch nach dieser Reform keiness'lls '15 Eristenzminkmum anensdre^en iss, denn d'- zn febGn eine Reibe Doroussebt-naen. Die Reichsinderzifs-'r will und soll nichts weiter dar- ssellen rfa »in Beraleichsmaßstab, einm l mit dem Pre'sstanve der Vorftiogöze't und zum "nderen für die Breisdewemmg eines gewissen '-st umriffenen Zeitabschnittes.
Vafks—
Es wird fieberhaft verhandelt.
(Eigene Drahtrneldung.l
Paris, 23 März.
Ministerprässdent Herriot empfing gestern abend den französischen Botschafter in London de Fleurau. Ein Blatt glaubt als Grund der Reise des Botschafters nach Varis rtngefccn «u können .daß England die dentschen Anregungen in der Sicherheitsfrage zur Grundlage von Verhandlungen machen Witz. ohne ihrerseits neue Anregungen zu geben Dft beiden Regierungen hätten llngenauigkeiten und Lücken in der deutschen Verbalno^- über den Sicherheitsvorschlag gefunden. Deshalb habe
ein erster MeinnnoSanst-m,sch zwischen Paris «nd Berlin
stattgefunden, der es ermöglicht habe, gewisse deutsche Formeln in befriedigender Weise zu er- o-t-r« 'Trn*-s-m bl-ib» **08 'Mi-e tigst- noch z»> tun. Man müsse n»ne Aufklärunnen von her deutschen Regierung fordern. Vorher müsse Deutschland dem Völkerbund beitreten. ES sei nicht möglich, daß man zu einem europäischen Defensivvakt gelange, dem nur gewisse Länder, beifnielSmelse Holland. fernblei- ben werde, die der Gefahr eines Konfliktes nicht ausgesetzt seien. EugftscherseitS erbebe man ge- »»n »in solch »uro^ä'sch'S 'n-otoko" <Vinroäns» im Einblick auf die d-'-tsch.-glniechen S^wie- Qn»' bnffe man. C- be
seitigen zu können Auf jeden Fall werde Frankreich einen Pakt annehmen, dem nur die nteft« europäischen Mächte und Deutschland anqehör- ten. Frankeich m»rt>e ssch eher gleichzeitig um ergänzende Abkommen bemühen, die den osteuropäischen Alliierten Frankreichs Genugtuung geben würden.
*
Foch vorläufig falt gestellt.
London. 23. März. (Privatteftaramm.) Ein Londoner Blatt m»Ibef: Marschall Fach besteht ^aranf, daß dem Versailler Militärkomitee ein weiter Snielraum ssei der Formulierung der alliierten AbrüssunaSforderungen an Deutschland '»lassen werde. Fach em' find-t eine gewisse Verstimmung n. es sei die Möglichkeit s"in»s RÜ>ck- »ritts angedeutet worden. Es besteht jedoch ^offnnng, daß bis zum sseitpunkt der Sicher- beitsfrage alle Zwischenfälle vermieten werden.
Der AuambstS «ft 6a!
Sicherheitsangebot und Weltfrieden.
(Eigener Drahwericht.f
London. 23. März.
Die Frage des Sicherheitspaktes steht weiterhin im Mittelpunkt der Dressee»ört»ruugen. Ein Blatt spricht von neuen Aufschlüssen Chamberlains in der TienStagdebatte des Unterhauses. Dem deutschen Botschafter habe Chamberlain gesagt, keutsch- loud dürfe unter keinen Umständen seine Vorschläge für einen Sicherh»itsnakt r ft ck- gängig machen. Cm anderes Blatt hält es für möglich, daß nunmehr vielleicht auch
ein französisch-deutscher Meinungsaustausch ftotifinöen werde. Der deutsche Vorschlag habe keine Bedingung über die sofortige Räumung des Rhetnlandes enthalten. Der französische Botschafter in London versuche jetzt eine Brücke zwischen der Londoner und der Pariser Auffassung zu schlagen. Weder die britische noch die deutsche öffentliche Meinung seien bereit, für immer die Integrität des polnischen Korridors oder des polnischen Teils von Oberschlesien aufrecht zu erhalten. GroßbriMnnien betracht» die
deutschen Ostgrenzen als eine Gefahr für den Frieden.
und müsse sie nicht wie die Westgreuzen garantieren. Ein westlicher Friedenspakt sei das erste Ziel, das klar erreichbar fei. Tie deutsche Regierung schlage ein Schiedsgerichtsabkommen mit Polen vor. Ein östlicher Pakt bedeute für Deutschland eine R c - Vision, wenn die Zeit dafür gekommen sei. Für Polen bedeute er eine Garantie der nationalen Unabhängigkeit An anderer Stelle hebt das Blatt hervor, daß Deutschlands mutiger Versuch, den französischen Besorgnissen nn Osten und Westen im Sinne der Völkerbundsatzung zu begegnen, eine neue Epoche eröffnet habe.
Mr Nachbar Tscheche.
Unbehagen wegen der Grenz evision.
(Eigene Drahtmeldung.s
Prag, 23. März.
Ein hiesiges Blatt erNärt, die tschechische Politik werde der Erörterung des deutschen Ange bots nickt ausweichen. Für die Tschechoslowakei »Ute das r ea l polf i s ch e Gebot. Die Tfchecho sloioakei möge daher die Erörtening des deutschen Menrorandnnts nicht umgehen, um der Re publik auf dieser Grundlage die größtmöglichen Vorteile zu sichern. Sie bestehe auf der U n a n tast bar leit der FriedrnSvcrträae und selbst verständlich auch darauf, daß der Pakt nichts enthalten dürfe, was die Bestimmungen der Friedensverträge zweifelhaft machen könne. Tie Friedensverträge seien durch die Verbündeten garantiert und ein etwaiger westlicher Pakt könne nicht ihre Interesselosigkeit an den öst- licken ss^renzen bedeuten. Deutschland müsse m den Völkerbund eintreten.
FLrewßgFroMreichsKnechle Was ein Sozial st fordert.
(Eigene Drahtmeldung.)
Paris, 23. März.
Der sozialistische Abgeordnete R o n c o u r erklärte einem Presse-Berrreter, man müsse fein Augenmerk auf die entmilitarisierte Rheinlandzone richten. England ve trete den Standpunkt, daß die Ueberwachung dieser entmilitart- fierten Zone ebenso wie »ic Uroerwaclmng des übrigen Deutschlands nur eine zeitliche fein könne, während Frankreich eine ständige Kontrolle für unerläßlich halte. In der Frage der ständigen Neberwackung der entmilitarisierten Zone könne Frankreiech nicht nachgeben. Es habe ein Recht zu erklären, daß die Räumung der Kölner Zone hiervon abhänge.
Europas neue Grenzen.
Wie Benesch sich den Sicherheitspakt denkt.
(Eigener Drahtbericht.)
Berlin, 23. März.
In einem Interview erklärte Außenminister Benesch man möge die angebotenen Regionalpatte sogleich schließen und werde dann sehen, wie die Dinge sich entwickeln. Das in dem deutschen Vorschlag enthaltene
Schiedsgerichtsangebot an die Tschechoslowakei, Poien und Belgien
stelle ein positives Ergebnis dar. Die Polen hätten überflüssige Angst an den Tag gelegt. Die übrigen, besonders die Franzosen, lehnten nicht vor vornherein ab. Aus prattischen Gründen sei es nötig, zu verhandeln. In den zu schließenden Garantiepakt müsse jedoch mehr euthat- ten sein, als in dem belgischen Neutealitätsver trag von 1914. Die bloße Unterschrift Deutschlands genüge nicht Der Pakt müsse materielle Garantien Englands und ausreichende Sicherung der Rheinlinie enthalten. Die Defensivverträge Frankreichs mit der Tschechoslowakei und mit Polen müßten in Betrackt gezogen wer den und die Deutschen müßten in den Völkerbund eintreten. Daun werde die Tschechoslowakei mit Deutschland einen SchiedSgerichtsvertra-' unterzeichnen. Frankreich müsse zu den Lst- arenzen gelangen können Der Versailler Ber- trag dürft durch nichts erschüttert werden Deutschland brauche zwanzig Jahre Ruhe und in der Zwischenzeit müsse sick zeigen, wer seine Sache in Politik und Wirtschaft besser versteht.
Die Großen der Wett.
Andere Völker, andere Sitten.
Wir sieben in diesem und weiteren Artikeln den klaren, vollkommen unvarteiischen Äns- fiifcrnnfleit unseres stae,tsyoiitischen Mitarbeiters über die ,»rasen Raum die jeder WälUcr erwogen haben mutz, bevor er nächsten Sonntag zur Entscheidung au die Wadlurue tritt. Während bei den in ber Nachkriegszeit wiederholt vollzogenen Reichs- und Landtagswah- len das L i st e n f y st e m den Wähler jeden persönlichen Konnex mit dem Objekt seines Vertrauens verlieren läßt, treten uns bei der bevorstehenden Wahl des Reichspräsidenten wieder Personen, nicht Parteien gegenüber. Diese Personen sind allen bekannt, jeder hat von -hrer parlamentarischen und sonstigen Wirksamkeit schon gehört oder gelesen und kann sich ein eigenes Urteil bilden, ob gerade dieser ober jener für den einen Posten, der zu besetzen ist. besonders geeignet erscheint. Sehr falsch und der Tragweite der diesmaligen Wahl durchaus nicht entsprechend wäre es jedenfalls, wenn man ohne Rücksicht auf eine solche rein persönliche Ucberlegung blind einer Partei sahne, welcher auch immer, folgen wollte. Diese Führung wird, namentlich im zweiten Wahlgange, auch schon deswegen versagen, weil es sich dann um die Stichwahl zwischen zwei Persötilichkei- ten handelt, die vielen Wählern Parteifreund sind, und denen man in gleicher Weise politisches Mißtrauen entgegenbringt. Da wird es sich dann darum handeln, zu entscheiden, wem man von den beiden Kandidaten rein menschlich naher zu stehen meint und welche Parteizuge-^, Hörigkeit offenbar nach der parlamentarischei ' Vnfic c»n v>*’**1
Der deutsche Wähler wird hier also einmal gezwungen, nicht parteipoliüsch, sondern staats- politisch zu denken und zu handeln. Jeder muß sich dabei der Tatsache bewußt bleiben, daß der Reichspräsident, fü den wir unser Votum abgeben, a u f sieben Jahre gewählt wird und daß er nur auf Antrag von 329 Reichstagsabgeordneten durch a b e r m a l i« ge Volksabstimmung abgesetzt werden kann.
Der Gedanke, die Funktionen der Staatsgewalt in der Weise zu teilen, daß keine Person und keine Körperschaft zu viele Rechte in sich Vereinigt, ist bis heute Gegeiistand aller möglichen und unmöglichen Staatheorien geblieben. Die Dreiteilung der Staatsgewalt, die Pelvbius an den alten Römern in 'hrer Blütezeit so sehr bewundert und die seit Montesquieu mit dessen Namen verbunden wird, war auch das Schlagwort, das im vorigen Jahrhundert gegen den Absolutismus Sturm lief und das noch heute eine elementare Grundlage der modernen Staatsversassungen und der Verfassungskämpfe bildet. Arn klarsten finden wir den Gedanken dieser Dreiteilung tn der amerikanischen Verfassung zum Ausdruck gebracht, die ja als erste revolutionäre Verfassung und als Vorbild für die europäischen zu gelten hat. Der amerikanische Präsident wird vom ganzen Volke gewäblt und zwar durch Wahlmänner, die sich ihren Wählern gegenüber auf eine vorher bestimmte Persönlichkeit fcfliegen müssen. Der amerikanische Präsident ernennt nun ftin Staatssekretäre und sonstigen Beamten mit'A usnahmeder Richter und regiert mit diesen für die Dauer seiner vierjährigen Amtszeit völlig selbständig, ohne irgendwie von dem Vertrauen der Volksvertretung abhängig zu sein. Seine einzige Richtschnur, an die er sich halten muß, sind die vom Kongreß beschlossenen Gesetze. Eine Kontrolle über den Präsidenten, die aber nur für die innere Verwaltung wirksam wird, hat der amerikanische R i ch t e r st a n d, der aus der Grundlage der Unabhängigkeit der Rechtsprechung immer Gelegenheit hat, zu entscheiden, ob eine Re- gierungsmaßnabme oder Verordnung rechtmä- ßig war oder nicht. Die amerikanische Verfassung zeigt also ganz klare Abgrenzung»» zwischen Regierung, Gesetzgebung und Rechtspflege. Wie viele amerikanische Einrichtungen, so steht sich auch diese in der Theorie bedeutend schöner an als in der Praris.
Der französisch e Präsident iss ’taent» lieb nur „arbiter elegantiaram", er gibt Feste und macht den nötigen französischen Tam-Tam, während er politisch sozusagen im Ruhestände lebt. Er wird nickt vom Volke, sondern von den Nationalversammlung gewählt Maßgebend ist nicht er, sondern der Ministerpräsident. Ter englische König ist, wie bekannt, auch nur eine rein dekorative Persönlichkeit, die mit riesigem Aufwand und mittelalterlichem Gepräge spazieren gefahren wird, die bei allen Fußballsestlickkeiten den Ehrenvorsitz führt, sonst aber kaum etwas zu sagen hat. Sewss Eduard VII. konnte seine Einkreisungspolitik gegen Deutschland nur deshalb ins Werk setzen, weil