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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Sonnabend, 14. Marz 1925.

Nrnnmec 6L- Einzelnummer 10 Pf^ Sonntags 15 Pf.

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Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf. 15. Jahrgang

Sie Kandidaten für den ersten Wahlgang.

Warum Sicherheiten?

Strescmann enthüllt sein Programm.

In der Kölnischen Zeitung bat stch Aukcami- nister Streiemann über seine Anregungen und Absichten in der Sicherbeitssrage und über die Tragweite dieser roeltbebentcnben Schriiie für den Weltfrieden wie folgt geankert: Tie politische Gesamtsitualion zeigte, so lautet der Rechenschaftsbericht Stresemanns, daß die Frage der Sicherheit mindestens für Frantreich den Mittelpunkt aller Erörterungen bildete. Wir standen vor der Nichträumung der nörd­lichen Rheinlandzone. Trotz aller unserer drin­genden Ersuchen sind uns die Gründe für diese Richträumung bis heute nicht substanti­iert mitgeteilt worden. Es war deutlich das Bestreben erkennbar, die Frage der französischen Sicherheit durch Sonderbelastungen des Rhein­landes zu lösen, die nach unserer Ansicht gegen den Versailler Vertrag verstoßen, und nur so ist gleichfalls der Einwand Frankreichs zu ver­stehen, daß Frankreich durch uns bedroht sei. Gleichzeitig mußten wir mit der Möglichkeit rechnen, daß ein Dreimächtepakt zustande kam, der seine Spitze gegen Deutschland gekehrt und das Mißtrauen verewigt hatte, das gegen Deutschland völlig unberechtigt heute noch bestehl. Der Minister erinnert sodann an den vor der Regierung Cuno tat Dezember 1922 vorgefchlage- nen Cuno-P aki und an seine Stuttgar­ter Ausführungen vom 2. September 1923 als Reichskanzler. Die Einstellung der Reichsregierung ist dieselbe wie diejenige des Kabinetts Cuno und deS Kabinetts Strefemann. Da der Albdruck Frankreichs vor einem etwaigen deutschen Angriff, so völlig töricht er uns erscheinen mag, heute noch weite Kreise der französischen öffentlichen Meinung beherrscht, haben unsere Botschafter und Gesandten in Paris, London, Rom und Brüssel mitgeteilt, Deutschland sei bereit, einem S ich erh et Is­st alt der am Rhein interessierten Mächte bet- z u 1 r e t e n, sei es, daß er stch au[ Abmachungen über Vermeidung des Krieges bezöge, sei es, daß er die Garantierung des gegenwärtigen Besitz­standes am Rhein zum Gegenstand hätte, und außerdem bereit, zur Bekundung des deutschen Friedenswillens mit allen Staaten Schiedsgertchtsverträge zu schließen, wie wir dies mit der Schweiz und S ch w e - den bereits taten.

Wir haben keine endgültig formulierten Vor­schläge gemacht. Wohl aber halben wir die großen Gedanken unserer Anregungen in einem kurzen in den alliierten Hausttstädlen übergebenen Me­morandum niedergelegt. Mit den deutschen Anregungen sind wir für das deutsche Gefühl bis an die Grenze d e S Möglichen ge­gangen. Die Garantierung der Sicherheit der deutschen Westgrenze bedeutet einen schmerzlichen Verzicht im Hinblick auf die Entwicklung der deutschen Geschichte und aus Erinnerungen, die uns ewig teuer sein werden, aber sie bedeutet auch den Verzicht derjenigen französischen Politiker und Militärs, die nicht verschmerzen können, daß der Vertrag von Versailles die Rheinlande bet Deutschland gelassen bat Wir wissen, daß die ofstzielle französische Pclit'k diesen Männern fernstebt, aber wir wissen auch, welche nicht auszuoenkenden Folgen es für den europäischen Frieden, vielleicht für die ganze Kultur dieses Jahrhunderts haben würde,, wenn frevelnde Hand es versuchte, deutsches Rheingebiet Frankreich einzuverlei- b e n oder in anderer Form von Deutschland zu trennen. Das deutsche Volk, die deutsche Wirt- schaft hat nur den einen Wunsch, endlich einmal für eine absehbare Zeit in Frieden und Ordnung, in Freiheit, und so Gott will, in der daraus hervordringenden Wohlfahrt zu leben, sich entwickeln und unter Innehaltung gegebener Verpflichtungen wieder aufbauen zu können. In diesem Wunsche wissen wir uns einig mit allen Parteien und allen produktiven Kräften unseres Reiches. Es zum Ausdruck zu bringen, es durch internationale Vereinbarungen zu verbriefen, war unsere Absicht, ist unser ehrlicher Wille.

H c r r i o t hat beretts den guten Willen Deutschland anerkannt und auch Chamber­lain hat versprochen, unsere Vorschläge mit größtem Ernst zu prüfen. Wir begrüßen insbe­sondere, daß er Englands Hilfe bei dieser Ge­legenheit in Aussicht stellte. Wir glauben, erwar- ten zu dürfen, daß die italienische und die belgische Regierung zu einer Unter- Bung gleichfalls bereit sein wurden. Um so amer sind die maßlosen Proteste der Presse andererLänder gegen den deutschen Schritt. Wie wenig Deutschland auch aus anderen Gebie­ten beabsichtigt, eine aggressive Politik zu trei­ben, geht aus seiner Bereitschaft zu weitgehen­den Schtedsgerichtsverträgen mit allen anderen Ländern hervor. Schiedsverträge sind ein hervorragendes Mitel für eine wirksame Sicherung des Friedens.

Was England anstelle des Protokolls vorschlagt.

Jeder Herr im eigenen Haus / Haben Gant.tonen einen Sinn? / Briands Kritik, Protest und Hoffuunr / Nie w eder Krieg i / Das übrige Europa.

Gens, 13. Mär-

Bor dem Bölkcrbundrat erklärte Chamöei- lain gestern in seiner mit Spannung erwartetet! Rede, die Einwände gegen das obligatorische Schiedsverfahren würden durch das Genfer Protokoll verstärkt. Durch wirtschaftliche Sank­tionen würde dem schuldigen Staat zweifellos großer Schaden zugcfügt werden, aber nichts berechtige zu der Annahme, daß der schuldige Staat dabei unterliege oder auch nur der Meistgeschädigte sein würde. Artikel 7 und 8 des Protokolls, die einen Stant, der mit einem Nachbarstaat einen Streitsall habe, an Kriegsvorbereitungen verhindern wollten, könn- tem dem Opfer eines Angreifers hinderlicher werden als dem Angreifer selbst. Auch könnte man den Angreifer an der Zusammenziehung von Truppen für einen Angriff vor der Ent­stehung eines Konfliktes kaum hindern und die Schwierigkeiten im Falle von Seestreitigkeiten seien noch schlimmer. Die Grenzen eines Lan­des dürften nicht leichtsinnig festgesetzt und noch weniger leichtsinnig verlassen werden. Sic nehme selbstverständlich den allgemeinen Grund­satz an, daß dem Staat fou.crän überlassen bleibe, sich um seine eigenen Angelegenheiten zu kümmern. Trotzdem glaube er nickt, daß es an­gezeigt sei, einen allgenzwrrrn Grundsatz als un- birgsanrr starrt Dog...,nr«g^,o-.out»»»i!.

die unter allen Umständen Und zu jeder Zeit die Haltung deS BSlkerbundes bestimmt würde. Tas Protokoll sagte Chamberlain macht den Bölkerbundvakt nickt klarer sondern zerstört sein Gleichgewicht und ändert seinen Geist. Mi­litärische Sanktionen seien nur geeignet den KrankheitSzustand zu erhalten, statt ihn zu be­seitigen. England sei beriet, so schloß Cham­berlain seine Ausführungen, zu prüfen, ob es nicht möglich ist, die Sicherhcitsfrage von dem 1923 erfolglos beschrittenen Wege zu lösen. Sie glaubt aber nicht, daß der Völkerbund in Sant- tionen machtlos ist und daß die Verträge nur Papicrfetzen sind. Schon die Drohung mit Sanktionen wird meistens genügen. Andernfalls wird ihre Anwendung raschen Erfolg haben.

Brianb baut Brücken.

Hoffnung auf Amerika und Verständigung.

Genf, 13. März.

Briand erwiderte im Völkerbundsrat auf Chamberlains Kritik am Genfer Protokoll, seine Regierung halte strikt an dem Genfer Protokoll fest, wende sich aber in keiner Weise gegen eine Wiederaufnahme der Verhandlun­gen über neue Ausgestaltungen. Wenn ich mich dem Bedauern der englischen Regierung an- schließe, so führte er aus, so verliere ich doch nicht die Hoffnung, daß die Vereinigten

Staaten unter dem Einfluß deS hohen Ide­als des Völkerbundes in diesen c i n t r e t e n werden. In dem Einwand betreffend die wirt­schaftlichen Sanktionen sehe er nichts, was durchaus entmutigend ist. Das Protokoll ent­hält eine Reihe vorbeugender Maßnah­men gegen einen AngrissSkrieg und ich glaube nicht, daß in der englischen Erklärung etwas ab­solut Entscheidendes gegen das Protokoll ent­halten ist. Wenn solche Bündnissysteme der beste Weg sind, um den Frieden zu sichern, umso bes­ser, vorausgesetzt, daß dabei die Rechte gewisser Nationen dem Egoismus gewisser Staaten acht gropsert werden. Briands formulierte Schluß­sätze lauteten: In der Ueberzengung, daß allein die Zustimmung der Völker zu einem gemein­samen Protokoll es dazu bringen kann, auf das Wettrüsten zu verzichten und daß bei Auf­gabe der im Protokoll niedergelegten Grund­sätze die Völker allmählich wieder in gewaltsame Lösungen zurücksinken können, bleibt Frankreich seiner Unterschrift für daS Protakoll getreu, um die Schrecken eines künftigen Kriegs abzuwenden.

Was kann Europa retten?

Italien, Jvpan, Belgien .t Völkerbund. (Eigener Drahtbericht.)

Genf, 13. März.

Der Vertreter Italiens erklärte im gestri­gen Völkerbundsrat, Italien fei zur wirksamen und tätigen Mitarbeit cm Genfer Protokoll bereit, das freilich hinsichuich seiner politischen Ausgestaltung noch genau geprüft werden müsse. Japans Vertreter beschänkte sich .ms die Mittei­lung, daß seine Regierung die Prüfung der strit­tigen Fragen noch nicht beendet habe. Der bel­gische Außenminister Hymans pries die Vor­züge des durch das Protokoll festgestellten Systems. Die Sorge um die Sicherheit, so hr Hymans fort, ist im belgischen Volke vorherr­schend und beseelt die ganze auswärtige Politik meines Landes. Der Völkerbund besteht in sei­ner Ausdehnung weiter und seine Garantien dürften nicht unterschätzt werden. Die englische Regierung empfiehlt dagegen den Abschluß besonderer Abkommen, die besonderen Bedürfnissen entsprechen und im Geiste beC Völ­kerbundes einen definitiven Charakter haben. Ich erlaube mir, festzuftellen, daß diese Idee dem Ge­danken der belgischen Regierung entspricht. Der Gedanke besonderer Abkommen war schon in dem Pakt von 1923 zur gegenseitigen Unterstützung enthalten. Auk diesem Wege muß man für die allgemeine Sicherheit kon­krete und positive Lösungen suchen, die den Frieden konsolidieren werden.

Kein Gedanke hat im Weltkriege auf Seiten der Alliierten eine größere Rolle gespielt, als der Gedanke des Selb st bestimmungs rechts der Völker. Es gibt keine Partei in Deutschland, von den Deutschvölkischen bis zu den Kommu­nisten, die vor ihrem Gewissen anerkennen könnte, daß die Ziehung deutschen Grenze im Osten dem Gedanken des Selbstbestimmungs­rechts der Völker entspricht. Deutschland ha. nicht die Gewalt, eine Aenderung seiner Grenze zu ertrotzen, und nicht den Willen, es zu tun. Wenn aber Artikel 19 des Völkerbundstatuts ausdrücklich davon spricht, daß unabwenbar ge­wordene Vertrüge geändert werden können, so kenn niemand von Deutschland erwarten, daß es endgültig darauf verzichtet, dieses Refugium einer Entwicklung der Zukunft in friedlichem Sinne auch seinerseits für sich in Anspruch zu nehmen. Bestrebt, mit allen Nachbarn in Frie­den und Freundschaft zu leben, kann Deutschland nur wünschen, daß die Entwicklung der Dinge dazu führt, die hier bestehenden Di-- ferenzen auf eine friedliche Weise zu lösen.

Zarres-Marx-Hellpach

Die drei Favoriten im Wahlkampf.

(Eigener Drahtbericht.)

Berlin, 13. März.

In dem sogenannten Löbell-Ausschuß für die Präsidentenwahl wurde nach dem Aus­scheiden des demokratischen und Zentrumsver­treters die Kandidatur I a r re S für die Rechts­parteien beschlossen. Dr. Jarres hat die Kandi­datur angenommen. Tie Deutsche Volkspartei hält, wie sie gestern beschloß, an der Kandidatur Jarres fest, wird jedoch einer Sammelkandidatur

Getzler dann zustimmen, wenn diese von allen bürgerlichen Parteien angenommen wird. Die deutsche Demokratische Partei hat nunmehr den badischen Staatspräsidenten H e l l p a ch als Kandidaten für die Reichspräsidentenwahl aus­gestellt, während das Zentrum den Ministerprä­sidenten Marx als endgültigen Kandidaten aufgestellt hat. Schon am Montag dürfte nun­mehr der Wahlkampf im Reiche in voller Stärke entbrennen. In Berlin hat ein Teil der natio­nalsozialistischen Betriebsräte schon heute die Parole ausgegeben Dr. Jarres zu wählen. Für Sonntag sind allein in Berlin mehr als zwanzig Wahlversammlungen einberufen.

Eine Stunde Bedenkzeit.

Wie eS zum Bruch kam.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 13. März.

Während der gestrigen Verhandlungen im sieichsprästdeutenwahlausschuß richtete Fehren- bach (Ztr.) an die Vertreter der Rechtsparteien die Frage, wie sie sich zu einer Einheits­kandidatur Dr. Gegirrs verhielten. Die Deutsche Volkspartei hielt der Frage die Kandi­datur JarreS entgegen Buch der Vertreter der Deutschnationalen lehnte eine präzisere Mittei­lung auf diese Frage ab. Abg. Fehrenbach erbat darauf für sich und seine Fraktion eine Stunde Bedenkzeit, die jedoch von den Rechtspar­teien a b g e l e h n t wurde. Darauf verließen die Vertreter des Zentrums und der Demokraten das BeratungSzimmer. Auch dir W i r t s ch a f t s- partei soll sich für die Kandidatur Jarres aus­gesprochen haben, während die Bayerische Bolls- partei stch erst heute schlüssig Wird.

Moderne Barbaren

Die Tragödie einer Völkerwanderung.

Von Pfarrer Martin-Kassel.

Im östlichen Mittelmeer vollzieht sich in «uietit lasen eine BiUkerwanderUng, wie sie Die Well noch nicht ialb nnd im Namen und em oicbcifi des Völkerbundes geschehen dort Dinge, daß die flcfittcle Welt aufidircicn muhte in Empörung und Mitleid über bab flraufame Schicksal, das dort über Milllonen Mitmenschen bereingcbroche« ist. , .

Nach dem Sieg der Türken über btc Grie­chen, der Smyrna in Flammen aufgehen ließ und eine Million kleinasiatischer Griechen aus der Flucht vor den siegestrunkenen Türken dem Verderben preisgab, war es Amerika, das ein drohendes Blutbad verhinderte und Hunderttausende auf die Inseln an bie grie» chische Küste brachte und ernährte. Die Lau- ; a r. n e r Konferenz sollte Ordnung in dies Chaos bringen und mußte wohl oder übel sein Ja und Amen zum türkischen Siegesrus: Die Türkei den Türken! sprechen. Der Lausanner Vertrag bestimmte einenV ol k s au st a u i ch, wie ihn die Welt noch nicht gesehen Halle. Alle türkischen Ländern noch verbliebenen Griechen sollten ausziehen und alle Türken in Griechen­land. Nur in Konstantinopel dursten die dort vor 1918 wohnhaft gewesenen Griechen und in Weftthrazien ebenso die Türken *iben. Durch diesen .Vertrag" wurden

V/t Millionen Menschen endgültig ihrer

Hetawi beraubt

Die von den Amerikanern vor den wutschnau­benden Türken eiligst über das Meer gebrachten eine-Million Griechen dürften nie wieder in bei mthre stand, dazu.sollten weitere lädAft noiechen bnr Türkei verlassen uuo um» gekehrt 4ÜOÖOO Türken nach Asien ziehen. Schon war das Elend riesengroß. In alten Mi- ütarbaraden, Zelten, Theatern, Kellern usw. hatten eine Million unglücklicher Menschen ihr .Heim". Typhus und Blattern hielten unter den von amerikanischen Hilfskreisen er­nährten Unglücklichen eine reiche Todesernte. Immer lauter wurden die Hilferufe der Grie­chen in der Türkei. Die Türken in Griechenland, in der Ungewißheit, Wann sie .ausgetauscht* werden würden, hatten die Felder nicht bestellt

und waren nun

vom Hundertode bedroht.

Schließlich wußten sich die beiden Regierungen nicht anders zu helfen, als daß sie die amerika- nischen Samariter mit der völlig selbständigen Regeluna der furchtbaren Verwirrung betrau» reu. Trotzdem die Amerikaner sich ganz selbstlos in den Dienst wahrer Humanität stellten, erinnerte das Elend, das sich nun dem Beobachter deS .Volksaustausches" enttollte, an >» aller- schlimmsten Bilder der K r i e g s a u swe i s u n» gen. Achttausend Türken auf der Insel My- tilene waren die ersten Ausgetauschten. Sie durften alles mituehmeu, was sie irgend tragen konnten, dazu ihr gesamtes Vieh. Aber sie zo­gen in ein völlig fremdes Land. An ihrer Stelle wurden bann achttausend Griechen zurückge­bracht. Als endlich die offizielle Kommission des Friedensvertrages in Tätigkeit trat, waren die Amerikaner überall nötig, um auszugleichen, bis endlich djr Austausch der Bevölkerung äußerlich ordünngsmäßig vor sich ging. Ein Vertreter der Kommission geht in eine türkisch« Stadt auf griechischem Gebiet und befiehlt dem Mufti, fein Volk mit feiner beweglichen Habe zu versammeln. Dann geht's zum Hafen. Tas Schiff fährt mit versiegeltem Befehl ab. damit kein Streit der unfreiwilligen Auswanderer über den Bestimmungsort entsteht. An Land gesetzt sind sie der Obhut der türkischen Regie­rungsbeamten überwiesen, die ihnen ein Obdach anweisen sollen. Ta die Zahl der geflüchteten Griechen viel größer ist als die der umzusiedeln- ben Türken, müßten Wohnstätten reichlich vor­handen fein. Aber trotzdem finden sie zumeist alles besetzt. Tann ziehen sie zu Fuß

von Dorf zu Dorf als Bester.

Und doch waren sie aus griechischem Boden flei­ßige Bauern und Tabakpflanzer. Viel schlim­mer noch steht es in Griechenland. Für vier- hunderttausend abgegebene Türken muß es ins­gesamt 1250 000 Flüchtlinge und Transportierte äusnehmen. Wohin soll der Ueberschuß von 850 000 mittellosen Unglücklichen, die nickt ein­mal das Griechisch der neuen Heimat verstehen, weil ihr Dialekt ein so ganz anderer ist. Woher Obdacl», Werkzeuge und Nahrung bis zur näch­sten Ernte nehmen? Die amerikanischen Be­richte schildern die Ueberfüllung der Flüchtlings­lager, den Kamps um Brotrinden und zerlumpte K l e i d u ng s st ü cke, Las Suchen nach Arbeit, wo es doch keine Arbeit gibt. Grie­chenland hatte fünf Millionen Einwohner, nun soll es rund eine Million Menschen mehr auf­nehmen: ein Land ohne natürliche Hilisguelleu, ohne Wälder, Wasserkräfte, Mineralien und Rohmaterialien! Im griechischen Mazedonien i?« es besonders scklimm. Da die Türken nach dem Lausanner Vertrag dorthin zurückkehren dürfen, müssen die Griechen m ft Gewalt von